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Full text of "Allgemeine deutsche biographie ... Auf veranlassung .."

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SOUTHEiRN BRAUCH, 

ÜNiVER: ftNIfc 

iXiS ANGELES, CAL-fj= 



ungemeine 

©tnunööierjigftcr SBanD. 



2lm ©djtuffe bei S3anbe§ bcfinbet fid) ein Set3etd)ni& bet im 41. 33anbe enthaltenen 
2lrtifel. 



lUgcraeinc 



Peutfdje 'gftogrcpljie. 



(StnuubtJterätgPer 35an6. 

Söalvam — SöerbmüHer« 



Auf fecmlafTmtg 
deiner Jlajept be* lönigs tum ßanern 

herausgegeben 
bei bet 

ßöntgl Äkabemie öer WPtffenfdjaflßtt, 



Setyjtß, 

Verlag öon SDuntfex & ^umblot. 
1896. 

62372 



Sitte ftedjte, für bo? ©anje toie für bie Steile, üorfc ehalten. 

Sie Sierlagätjanbluitg. 



Reference 

A43 



CöD, 

Söalram: ®raf So. öon 9iaffau = 2öiesbaben, fünfter ©olm bes 
©rafen Slbolf unb ber (Sräfin 5Jlargarett)e, ber Stodjter bes Burggrafen f5friebri(^ 
öon Nürnberg. 2lus ber ^ugenbjjeit beffelben ift nichts be!annt; bei bem am 
17. Januar 1370 erfolgten Stöbe feines Söaters fdjeint er ettoa fedjaerjn i^a^re 
alt geroefen $u fein. ®a ber ättefte SBruber (Berladj früb^eüig geftorben, bie 
folgenben Srüber ^riebricf) , Slbolf unb ^otyann in ben getftlidjen ©taub ge= 
treten maren, ging bie Erbfolge auf iljn über. 2lus feinem Seben ift im att= 
gemeinen gleichfalls toentg JU berieten; in ben öotitifdjen (Sreigniffen ber 3«t 
fdjeint er niemals tjanbelnb aufgetreten ju fein, ©elbft in ben Tamofen, meiere 
fein »ruber Hbolf feit 1373 um ben Sejtfc ber ^tainaer grjfttfts führte, roirb 
fein 9lame nierjt genannt. 5Die ©tiftungsurfunbe bes 9titterbunbes ber Söroen* 
gefeüfdjaft bom 13. £>ctober 1379 fü|rt feinen tarnen auf, bodj töiffen mir 
öon feiner weiteren Beteiligung roemg. 3m 3- 1389 mar er in hu gefjbe 
ber ©tabt fjfranlfurt gegen bie |>errn öon ßronberg berroicfelt unb tourbe in 
ber fogenannten ©djladjt bei ßronberg am 14. 9Jtai b. %. gefangen, aber fdjon 
balb aus ber (Sefangenfdjaft enttaffen. Söärjrenb mir iljn bielfactj in großen 
©elböerlegenrjeiten fiuben, toie bie öon i&m öorgenommenen Berpfänbungen — 
fogar ber ©tabt äötesbaben an ßurmaina — ertoeifen, toar er anbererfeits boeb, 
bemüht, burdj Slnfauf fleiner ©ebietstljeile feine «gjerrfdjaft abaurunben. 2lm 
12. Januar 1391 , naä) bem Stöbe bes ©rafen fRupredEjt öon 9taffau=©onnen» 
berg, berglidj) er fidj mit beffen Söittroe, rooburdj bem roalramifctjen ©tamme 
bes <£>aufes 9taffau ber ^eimfalt öon ©onnenberg nadj beren Stöbe gefiebert 
rourbe. gür bas Smporfommen ber ©tabt äöiesbaben fdjeint er befonbers 
ttjätig geroefen ju fein; er öerlief) ber ©tabt im 3f. 1393 einen greirjeitsbrief. 
2>as Babeleben in Söiesbaben ftanb bamals in tjo^er Stütze, roie mir aus bem 
Berichte ^einrirfj's öon ßangenftein (öon Reffen) toiffen. 5Die öon ifym erbaute 
Heine Burg äöaErabeuftein bei Sfbftein trägt feinen Flamen nodj rjeute. (5r 
ftarb am 7. 9loöember 1393. 2lus feiner im $. 1374 gefdjloffenen @b,e mit 
S3ertt)a öon SBefterburg roaren brei Äinber, unter benen fein ftadjfolger ©raf 
Slbotf IL, rjerüorgegangen. 

5ttenael = ©crjliebf)ai'e, Ö5efd^icf)te öon 9taffau. 

38. ©au er. 

SXUgetn. beutfd&e SBtoflrapfjie. XLI. 1 



2 äöalram — SBalratoe. 

Sölram: SM. ü. «DUrS, erroäblter 23ifd)of üon Utrecht unb fünfter, 
«ruber beS (grabifctiofö 2)ietrid) II. üon Äöln (f. 21. ©. 35. V, 179), juetft 
SJhopft a u Sancta Maria ad gradus in $ölrt, erhielt, als er 1423 als «Dlit= 
bemerber um baS lltrecbter ©tift austrat, nur üier Stimmen weniger als ber 
als «poftutot proclamirte ftubolf ü. Siepbolt (f. 21. ©. 23. XXIX, 562). 
2lud) fd)eint er immer mit beS lederen ©egnern in 23erbmbung geblieben au fein, 
toenigftenS mahlten ihn biefe 1439, nad) ©toeber'S üon ßulemborg'S £ob (fiehe 
91. S>. 23. XXXVII, 257) au beffen Nachfolger als ©egenbifdjof. 2)aS SSafeler 
6oncit nahm feine Partei, er rourbe üon bcmfelbcn tncorporirt unb ber ©egen* 
papft gelir, V. confixmirte feine 2Bahl. 2>a aber Philipp bon 23urgunb an 
feinem mit ftubolf abgefchloffenen Vertrag feftbielt unb 2B. nicht thatfächlid) 
begünftigte, roenn er ibm aud) auliefj in 2)orbred)t au mofmen unb öon bort au§ 
ben ©egner au ejcommuniciren, gelang eS 20. nidjt, au irgenb toeldjer mirllichen 
9Jtad)t au fommen. Äein äöunber atfo, bafj er im 3- 1450, als burd) ben 
Stob feines 23ruberS ^einrieb baS s Dtünfterifcbe 23iStrjum üacirte, auf beffen 
Nachfolge hoffte, unb beut in 9Mnfter einflußreichen tßubolf anbot bon feinen 
Utredjter 2lnfprüchen abauftehen, roenn er ihm aur Sßahl in fünfter üerhalf. 
freilich mar unter ben s Ulitberoerbern , neben bem üon ben ©tänben, unb 
namentlich ber 23ürgerf<haft ber ©tabt fünfter ftürmifdj begehrten 6ridj üon 
.gjorm, aud) NubolfS 23ruber $urt. 2lHein biefer fdjeint ftd) feine 2lnfprüche 
ablaufen gelaffen au haben, unb Sftubolf unb ®ietrich üon $öln mirlten aufammen 
fo träftig au 2Balram'S ©unften, bafj bie rnünftertfchcn 2)omljerren it)n 1451 aum 
23ifchof mäblten. 3)er ?ßapft NicolauS V. conftrmirte ihn obne SCßiberfprud). 
2lber bie ©tabt unb bie ©tänbe proteftirten gegen feine SBahl als bie eines 
notorifd)en 5tobtfct)tägerS unb üerrufenen s Dcenfchen. ©ie Ratten Johann üon ^orja 
als 23ormunb beS ©tifteS ausgerufen unb fidj mit bem £eraoge ^obann üon (Steüe, 
bem langjährigen £$feinbe üSietrich'S üon $öln üerbunben. 2llle feften ©djlöffer 
im Sanbe roaren in ibrer ©ematt, unb beim 23ertrage üon (SoeSfelb, 1452, rourbe 
bie Regierung folange bem Sodann üon -£>oüa unb ben ©tänben übertragen, 
bis ber s 4>apft einen rechtmäßigen 23ifchof foltte eingefetjt tjaben. darüber ent- 
brannte ein erbitterter $ampf , in metdjem namentlid) Stubolf ben früheren 
©egner aufs Iräftigfte unterftüfcte. 2)odj bie Belagerung unb 23efdjief$ung 
'JMnfterS burd) bie Utrecbter unb Kölner beamang ben Söiberftanb ebenfo menig 
mie bie 9tieberlage ber 9Jtünfterfdjen 23unbe§genoffen unter Jperaog griebrich üon 
23raunfchmeig, unb als Sdubolf , ben ber loftfpietige $rteg in allerbanb 3 ers 
mürfnifc mit feinen Unteitbanen gemidelt t)atte , 1455 geftorben mar, fab 2B. 
fidj oeranla^t, baS ^Jtünfterifdje ©ebiet au räumen unb fiel) nad) 2lmt)eim 
aurüdauai^en , mo er a^ei Satjre fpäter geftorben ifi. ©ein £ob mürbe aH= 
gemein als ein ©lud angefetjen, mie feine 2Batjl in fünfter als eines ber un* 
glüdlid)ften @reigniffe in ber ©efdjid)te beS ©tifts galt. 23om ©eiftlidjen 
fd)eiut 2ö. nur ben tarnen befeffeu au rjaben unb als lülenfd) am meiften 
feinem üerrufenen Vorgänger in Utredjt ©roeber äljutid) gemefen au fein. 

23g l. 2lruolb be 23eoergerne, Chronicon Monasterii unb Auonymi Chronicon 

Monasterii, beibe bei 21. 5Dtattt)cuö, Analecta, mie aud) bai Chronicon de 

Traiecto. ferner ^>eba — bie (jfortftjg. ü. SSefa. — 23urman, Utrechter Jaar- 

boeken. — Woll , Kerkgeschiedenis van Nederland II. — <£mtlu, lltrecbter 

©cbiSma. — Srtjarb, ©efdjidjte ^rjünfterS. — 23lol, Gesch. van het Neder- 

landsche Volk II. — 2Bagenaar, 2lienb u. f. m. ^. S. Füller. 

SfllrolOC: ©erbarb ßorneiiuS ü. 2B. , föniglid) preu|ifd)er ©eneral» 

major, uad) ben üon ihm über feine ^erfunft gemachten Angaben im $. 1692 

in 23e|"tfaten als ber ©obn eines boUänbifchen OfficierS geboren, metdjer 1712 

bei ber 23elagerung üon 2)ouai tbätig mar, ftanb auerft fieben ^abre lang als 



Sßalrtttoe. 3 

Ingenieur in ben 25ienften ber ©enetalftaaten unb tarn 1715 auf bie (Smpfeljlungen 
be3 ftütften Öeopolb öon 2lnI)alt=S)effau, meldet felbft ein tüdjtiger Ingenieur roat 
unb betn 5ad)e ein lebhaftes 3mteteffe entgegenbrachte, in pteufjifdje , in benen 
et als yRafox angefteEt marb. 9lm 7. 9luguft 1722 mürbe et aum Dbetft» 
lieutenant beförbert, am 11. October 1724 marb ifjm bet 2lbelftanb berlietjen, 
am 21. 9Jtätj 1729 übertrug u)m $önig griebtict) SBitljelm I. ba8 6ommanbo 
unb bie befonbete 9luffid)t übet bas Sorps bet SngenieurS , bie bamatS juetft 
au einem gesoffenen Körper beteinigt tuutben. ©ine Snfttuction , metcr)e ü)m 
eine grofje 5ftact)tfüEe jugeftanb, tegelte feinen äöirfungsfreig. 2lm 10. $uli 
1729 erfolgte bie Sefötbetung aum Obetften. äöaltame'ä Otuf unb bie Stellung, 
beten et fiel) etfteute, gtünbeten fiä), aufjet auf bas" 9lnfefjen, in melctjem et bei 
feinem ©önnet, bem $ütften ßeopolb, unb beim Könige ftanb, auf feine Setftungen 
als gefiungsbaumeifter in $Ragbeburg, (Stettin unb äöefel, roo et einen mafj= 
gebenben ©influfj ausübte. Sludt) außerhalb ^reufjenä blatte man eine t)of)e 
Meinung öon it)m. 3ll§ angeftdjts bet burdj bie polnifctje £t)ronfrage in 2lu£= 
ftd)t gefteEten jhiegs'gefatjr bie betfaEene 9teid)sfeftung $t)i(ipp§butg in einen ber= 
tt)eibigungsiät)igcn ©tanb gefeijt werben foEte unb baau außer So. ein faifertidjer 
unb ein furmainaiferjex Dfficiet 33otfcb,läge eingefanbt Ratten, mürbe et au8= 
ermätjlt, bie feinen auszuführen. (5r erhielt bafür ein Honorar öon 
1000 ©peciesbufaten (nact) Sonin 3000) unb öom Könige lltlaub. ^m 
Sluguft 1733 fam et in bet 5 e ft"ng an, ttaf feine Slnorbnungen , au beten 
äöoEaietmng ib,m öfter reictjif et) e unb preufcifctje ^ngenieurofficiere unterfteEt maten, 
benahm fiel) t)öd)ft anmafjenb unb ungebüt)rlict) unb reifte, als et öon bem 9iat)en 
bet fixan^tn ©efatjt für feine Sict)eit)eit befürchtete, am 18. Dctober mieber 
ab, nadjbem er öetftanben t)atte ftet) bei ben Setjörben mie bei ber Sürgerfctmft 
^öd^ft unbeliebt au machen. S)er balb nadjt)er eintreffenbc bemnäctjftige tapfere 
23ertt)eibiger bes ^latjes , bet Eaifetlidje gelbmatfdjaElieutenant öon 2Butginau, 
t)atte abet an feinen planen mandjettei ausaufetjen unb au önbetn ($. s Jlopp, 
©efct)ict)te bet 6tabt unb et)emaligen 9teict)sfeftung ^tjilippSburg, ©perlet 1881, 
©. 359 ff.) 2Iud) au ben Sauten in $el)t unb in $ftaina toarb 2ß. tjeran* 
geaogen. 

9iict)t beä gleichen SeifaEes mie bei ben oben genannten betben dürften 
erfreute et fict) bei bem Dfficiercorps. 3)ie Sßeranlaffung a u e in er gvofsen 
im Äreife beffelben gegen it)n beftetjenbeu 9Jtif$ftimmung gaben fotoot bie 2lrt 
unb äöeife, in ber er feine S)ienftgemalt üerroerttjete, mie feine eigene 2luffüt)rung. 
©egen feine Untergebenen mar et t)errifd) unb ungeteilt, feine perföntict)en Wo= 
neigungen übetttug er auf ben S)ienft, bie ©elegentjeit fiel) au bereietjern benüfcte 
er in unanftänbiger SOßeife. Äönig griebrict) 2öilt)elm I. mu|te met)rmat3 gegen 
itjn einf freiten , entaog it)m aber tro^bem feine ©unft nidjt, noch, im %. 1736 
öerlierj et il)m eine ©tift^ftelle au 9Jcünftet in bet @ifet, unb aucrj be8 Äönig8 
5<lacljfotget auf bem Ütjtone menbete ib;nt bie feine aunäctjft in teietjem SJtaafje au. 
5E)urc^ ein am 4. 9Jtai 1741 in ben gnäbigften 2lu8brücfen abgefaßtes patent 
ernannte er itjn aum ©enetalmajot unb im nädjftfotgenben Satire pm 6omman= 
beut be§ in Gleiße errichteten $ionierregimente§, me(cl)eg nact) itjm ba§ 2öalratt>e ; fd)e 
genannt tourbe. S3et ben umiaffenben 25erftärfuug§bauten, melct)e ber Äönig nact) 
2lbfd)lufj bc§ 33re8tauer 5^i^ e n8 in ben neuerroorbenen fdjlefifdjen Ofeftungen 
öornat)m , mar 30. fein öornetjmfter ©eljitfe. 2)et ,«önig macl)te fiefj babei öon 
bet in ^teufeen htä batjin faft aEein angeroenbeten Saftionätbefeftigung immer 
meb^t I08; ob biefe 3tid}tung metjt öon tfjm fetbft ausging, obet ob fie Ijauptfäcfylid) 
butcb^ 20. geförbett mutbe, läßt fictj nietjt nacl)roeifen; jebeufaEs gingen beibe 
babei ,g)anb in |?anb. 2öät)tenb bes 2. ©djlefifdjen Äriegeg mar SB. anfangt 
in sööfmten tt)ätig, mo et 1744 ^ßatbubitj aut 9)ettt)eibigung eintieften unb 



4 äßolratue. 

bann bie fteftungäWerfe öon $rag t)erftellen liefe. Jpier fdjeint er unter bem 
©ouöerneur eine 6ommanbanten[teUung eingenommen ju t)aben, er fanbte bem 
Äönige Berichte über bie Bewegungen ber £)e[terreid)er unb öcxfdtjaffte fidj bie 
grlaubnife ben *pala[t be§ ©raren ©allaS ausrauben, au§ meinem er ju grofeem 
2lergerniffe ber öreufeifdjen Officiere ben reiben #auöratlj bis auf bie foftbaren 
Tapeten hinunter, ©emälbe unb ©Überzeug megfübjen unb nad^ einem il)m 
gehörigen Sanbgute ßtltput, lVfl Letten unterhalb 9Jtagbeburg bei £ol)en= 
wartrje an ber @tbe gelegen, [diaffen liefe. 1745 mürbe er nad) bem öon ben 
Oefterreidjern bebroljten fteifee, bann aber, atä bieje fid) gegen Äofet gewanbt 
unb bie ^eftung burd) Berratt) genommen Ratten, borten gefdjidt, um bie im 
Jperbft aur äöiebereroberung füljrenben Slngriffäarbeiten au leiten. 

>Jtad) 5lbfd)tufe be§ 2)re3bener griebenS fanl SBalrqWe'ä ©tern rafd). £)ie 
Abneigung ber Officiere unb iljr 9Jtifetrauen in feine @f)rlid)£'eit Jjatten ftetig 
zugenommen, fjürft ßeobolb öon 2lnr)att = 5Deffau, einft fein grofeer ©önner, 
fjatte fid) feit längerer 3eit i« foldjem ©rabe Don iljm abgemenbet, bafe er beim 
Slnblitf ber 9taben, meldje 2öatraWe'8 auf fein ©Überzeug geftodjene§ äöaöpen 
jeigte, biefem fagte „SBalraWe, ^tjr mad)t 6ud) mit ben Stäben öorauä befannt, 
bamit fie (Sud) fünftig ntdjt fremb öorfommen" unb bafe er bem Könige melbete, 
äöalrame'S Berichte feien nidjt in Orbnung, unb gfriebrid) fetbft, bem äßalrawe's 
(Stellung im Jpeere nidjt unbekannt bleiben fonnte, entzog it)m nad) unb nad) 
feine ©unft ; aud) bei ben geftungSbauten mar 20. jefet weniger einflufereid) als 
früher. S)od) trug ber Äönig tljm nod) 1747 auf ein „Memoire sur 
l'attaque et la defense des places" (llrfdjrift im 9lrdjiöe beä ©rofeen ©enerat» 
[tabeS au Berlin) au berf äffen, Weldjeä, als 30. e§ am 19. Utoöember überreichte, 
be§ ^önig8 ganzen Beifall fanb unb bei Bearbeitung ber ^nftructionen für bie 
$eftunggcommanbanten benuüt tourbe. 

S)ann aber bradj ba§ Berberben über ifm Ijerein. 3»m $. 1747 geriett) 
er in 6oncur8. ©eine berfd)menberifd)e ÜebenSWeife, namentlid) ber glönjenbe 
|>au3t)alt, toeldjen er auf feinem ßanbfitje Siliput unb in feinen Käufern ju 
9flagbeburg unb au 9ceifee fürjrte, öerlangten gröfeere Mittel als fein au grofeem 
Streite au3 unlauteren Duetten fliefeenbe§ (Sinfommen aut Verfügung [teilte, 
burd) ben Berfauf feiner $unftfd)ätje unb ifoftbarfeiten gebadjte er fid) neue ©elb- 
mittel a" öerfdjaffen. @r fnübfte baju Berbinbungen mit bem fädjfifdjen ®e= 
fanbten 0. Bülom unb bem ruffifdjen b. Jhtiferlingt an aum $Wetfe be£ ©rwerbeS 
burd) bie betreffenben -£>öfe. S)er Berfet)r mad)te be§ ,ftönig§ 2lrgmoI)n rege, 
weldjer nod) bermefjrt mürbe al8 er erfutjr, 2B. tjabe für ben öfterreidjifdjen 
©efanbten ©raf SerneS einen (Sntrourf aur S3efeftigung öon SBten aufgearbeitet 
unb i^m bie obengenannte geheim au ^altenbe ^enfjd)rift über ben Singriff 
unb bie ^erttjetbigung fefter tyläfyc mitgeteilt unb f^riebtidt)^ S5erbad)t mudjö 
als S3). fid) um ben Auftrag bemühte aur ütljeilnaljme an ber Belagerung bon 
9Jtaftrid)t entfenbet au roerben , für meldje er mit beö $önig§ ©eneb.migung auf 
SSeranlaffung be§ franaöfifdjen ©efanbten s IRavqui§ be Balori einen öom 5Rar= 
fd)all öon ©ad)fen gebilligten *pian entworfen tjatte. 3fm Januar 1748 erhielt 
ber ©eneralabjutant ©eneral ^>ane ^arl ö. Söinterfelbt Befel)t eine Unterfudjung 
ber burd) SB. geleiteten fteftungebauten öoraunerjmen unb lebteren in feinem 
Berfeb.re mit ben fremben ©efanbten überwachen au laffen. Bei bem Berfaljrcn 
gegen 3ö. fdjeint beffen "üJtaitreffe , bie $rau beS Quartiermei[ter§ 5Jtartini öom 
^ionierregimente, welchem ber Äönig auf SBalrawc'S Bitte ben Stitel „ßriegi» 
ratb," beigelegt tjatte, bie Slngebcrin gefpielt au t)aben, wenigften§ fd)reibt griebrid) 
am 11. gebruar 1748 an feinen Bruber, ben ^rinaen öon ^ßreufeen, „bie ÄriegS» 
rätljin i[t mein rettenber (Sngel gewefen". 2)ie burd) äöinterfetbt geführte Unter= 
fud)ung [teilte Söalrawe'S ©d)ulb in Beaieljung auf bie öon it)m begangenen 



SBalfee. 5 

Unterfdjlagungen balb feft, fdjon am 29. Januar 1748 berichtete jener bem 
Könige, bafe So. eines SetrugeS öon 41612 Spatem ftar überführt fei unb 
biefen nicbt Werbe leugnen tonnen, ßetjterer roar in^toiid^en in öienftlidjen 
Angelegenheiten nadt) Stettin entfanbt gewefen. Am 30. Januar fe^rte er nad) 
Serlin 3urücf; als er am 11. Februar im Segriff ftanb mit beS Königs @r» 
laubniß in ©efetlfcbaft beS ruffifd^en unb beS fäctjfifctjen ©efanbten 3m: S3e- 
fiebtigung ber ju öerfaufenben Äunftgegenftänbe nadj ßiliput Qbjureifen, warb 
er am 10. üertmftet unb Sofort nadj 9Jiagbeburg abgeführt, wo er juerft in ben 
Äafematten ber ©ternfcfcjanje (früher gort Serge) bann aber, ba ber Aufenthalt 
in benfelben ungefunb mar, in einem für um im innerften £)ofe ber ©cbanse 
erbauten ebenerbigen .gmuScben mit einem glur unb 3Wei Kammern , Welches 
er ausftatten burfte, in ftrenge <g>aft genommen tourbe, namentlich warb gür* 
forge getroffen, bafj er feinen Serferjr mit oer Außenwelt unterhalten tonnte; 
für feinen Unterhalt roarb auSreicbenb geforgt, inbem ba^u monatlich 100 Sbaler 
angeeoiefen Waren. 3um ©pa3ierengcben ftanb ibm ein mit einem 36 guß 
Ijotjen SBalle umgebener |>of öon 40 Stritt Sänge unb 30 ©ebritt Sreite 3U 
©ebote. ©eine ©attin lehnte ah bie ©efangenfebaft mit ibm 3U teilen, freilid) 
roar bie betreffenbe Qürlaubniß an bie Sebingung gefnüpft, ba§ fie nicfjt früher 
als So. felbft tjerauSgdaffen werben würbe unb Wätjrenb beS Aufenthaltes mit 
■»JHemanb, aueb nietjt mit einem ©eifilieben, fprecr)en bürfe. — (£in gerichtliches 
Serfabren jur (Ermittelung bon SBatrawe'S Serfcbulben rjat nie ftattgefunben. 
Dtacbbem er bie legten fünfunb^wanjig Sfatjre feines SebenS in ber gefcbilberten 
SÖetfe 3ugebrad)t Ijatie, ift er, 81jät)rig, am 16. Januar 1773 geftorben. — 
„SB. war ein feltfameS ©emifd) öon Bigotterie unb fjriöolität ; obgleich, ^atbolif 
öerfäumte er feine ©elegenbcit, bie beilige ©ctjrift unb feine Religion öffentlich, 
511 öertjölmen; er branbfdjatste bie Älöfter unb felbft ben $apft unter ber 
SDrolmng ber .Sirene abtrünnig werben 311 wollen, daneben erbettelte er bon 
bemfelben $apfh Ablaßbriefe, fanbte SöactjSlictjte nach, ber Äirdje Unterer Sieben 
grau 3U ßjenftoerjau unb liefe im Kriege öermüftete -gmligenbilber auf feine Soften 
Ijeimlicr) wiebertjerftetlen. Söoüüftig unb öerfdjwenbenfcb, , umgab er fictj mit 
einem unerhörten ßujuS, tjielt fictj ftetS mehrere ^Ocaitreffen unb berbraudjte 
©ummen, bie er faum auf rectjttitfje Söeife erwerben fonnte, was it)n unber= 
meiblid) in ben 9tuf bradjte fiel) unerlaubte DJtetjreinnalnuen berfdjafft ju tjaben. 
©einer maßlofen (Eitelfett fd}m:id)elte ber Umgang mit t)od)ftef)enben ^erfonen 
unb namentlicr) mit fremben ©efanbten; ber intime Sertetjr mit einigen ber 
letzteren brachte itjn in ben Serbactjt öerbrectjerifdjer Serbinbungen" (Sonin f. u.). 
Auffäfce öon 3. ©. 6. $reuß in ber 3eitfdt>tift für Äunft, SBiffcnfdmft 
unb ©efcfjicbje beS Krieges, Serlin 1859, 105. 23b., ©. 40 ff., ©. 175 ff. 
unb 1860, 108. Sb., ©. 221. — U. b. Sonin, ©efd)icf)te beS Ingenieur- 
corpS unb ber Pioniere in Preußen, 1. Sttjeit, Serlin 1877. 

33. $oten. 
Police: (Sb erwarb b. Sß. (SBallfee) (f 1288) unb feine ftadjfommen« 
fdjaft in ben rjabSburgifdjen ßänbern bis jum Sfarjre 1483. S)ie frütjefie unb 
in ber grage nach, bem Eintritte biefeS fo aufunftSreidjen AbelSgefdjIcdjteS in bie 
©efdfjichte OefterreidjS nidjt immer juberläfftge Quelle, bie fteirifetje 9tetmcl)ronif 
Ottofar'S, läßt im 245. Sapitel als Segleiter Albred)t J S I. bon £abSburg 
unb it)m öon feinem Sater beigeorbnete 9tätr)e „bon ©djwaben" l)er „zwgn 
harte Avise man" : ^ermann öon ßanbenberg unb (Jbertjart öon Söalfe in 
Defterreid) eintreffen. ®S beißt bann weiter, er Ijabe noctj fünf feiner Srübcr 
in baS ßanb gebract)t u. 3. bie ßaien ^einrid) , Utridj, griebrictj unb 3Wei 
„Pfaffen" : ©ebtjarb unb l?onrab. 2)aS waren bie ©ötjne beS oben genannten 
6berbarb ö. Sö. ; auf wetetjen wir Weiter unten wieber 3U fprect)en fommen. 



6 Söalfee. 

2)ie #erhtnft aus ©d)maben ftefjt feft, unb bie Gtjronif beS 9Jktrjias Don 
9iauenburg (21. a3öf)mer'.£>uber, Fontes rer. g. IV, 161—2) gebeult beS @mpor= 
fommenS ber 3Balfeer in ben 2)onaulanben mit ben Motten : „ber Äöntg 
(9tubolf) liefe mit feinem ©otme, «g>ev5og Gilbert, üiele ©d)maben in äöien prüd, 
beren eines, nämlid) beS üon SBalfee, feinber nadjmalS megen itjrer SEüdjtigfeit 
(propter eorum constancie virtutes) überrcid) mürben , fo bafs fie , bie einft ju 
gufe nad) Defterreid) famen, fdjliefelid) an 10 000 s Jftatf ßinfünfte befafeen." 

■hiermit mären fie (Smporfömmlinge, unb üergeben§ forfdjen mir nad) itjren 
Anfängen in ©d)maben. SDennod) ermeifen fpätere lltfunben, bafj fie nidjt un= 
bebeutenbe 33efi^ungen in biefem ©ebiete befeffen Ijaben mußten, roenngleid) mit 
in ifmen üon <£)aufe aus nur abelige SDienftleute ber Habsburger erbtiäen bürfen, 
meiere ber ©unft biefeS mädjtig aufftrebenben Kaufes feit 2llbrecf)t I. ben 
fpäteren Eintritt in ben öfterreictjifcrjen bejto. fteiertfd)en ^eirenftanb üerbanften. 

2luS ber fpäter nod) p ermätjnenben Habsburger lirfunbe üom 7. gebruar 
1331 (Grjmel, De. <Sefd)f. II, 211) mar irjr ©tammfi^ bie „33urg" unb „©tabt" 
Söalfe (2£albfee) im SDonaufreife beS t). SBürttemberg , bap gehörte, oijne bafc 
mir ben urfprünglictjen SBeft^ ober baS fpäter (hmorbene auSeinanberptjalten üer= 
mögen, bie SSogtet beS AI. 9teu=2Balfe unb bie genfer) aften Söarttjaufen (mürtt. 
3lmt SSiberadj), ©cijmeintjaufen (mürtt. 2lmt äöalbfee), 8aupt)etm (gtdjn. 2lmt 
in äöürttemb.), 3ette (gell, matjrfd). im mürttemb. 2lmt ßauprjeim) unb 
©djmaraad) (im mürttemb. Slmt ©aulgau), — beren ©efammtmerttj 1331 auf 
11000 9ftart ^onftan^er Söäljrung beziffert erfdjeint. — 9Jcan barf formt jene 
ßrjroniftenangabe , roaS bie Anfänge ber 28. betrifft, nidjt ftreng mörtlid) 
nehmen. 

SlnberfeitS begegnen mir bom 14. Satjrtjunbert ab beut Ortsnamen 2Balfe 
(28allfee) in «Rieben unb £)ber=£>eftermdj , unb jroar in Wieber^Defterreicf) im 
SBejitfe Slmftetten unb im ßanbe o. b. @nnS breien DO. biefeS ÜtamenS 
im ©eridjtSbeairfe DttenScjeim : in ben DrtSgemeinben ^erpgSborf , 9ttüHad)en 
unb Sachen, unb bieS tjängt offenbar — mie bieg aud) ber nad)malige ©üter* 
ftanb ber 2Balfee'S barlegt — mit ber Uebertragung beS ©efd)led)tSnamenS auf 
DrtSgrünbungen ber 28alfeer jufammen. SnSbefonbere rennen mir bie üon 
ßbettjarb (III.) ü. 28., ßanbeSfjauptrnann Dber=Defterreicr)S , 1364 üollfüfjrte 
Grbauung beö ©djloffeS £)ber*2Balfe am ÄlauSberge bei s ])cüflad)en (C«Oe.) 
2)eS nieberöfterreidjifcrjen Söalfe gebenft 3. %. 1306 bereits bie @rünbung§= 
c^ronif beS ©tifteS 3mettl, unb beS ©cfjIoffeS „9teu--2Balfee" bie f leine $lo[ter= 
neuburger 6b,ronif jum Sal)te 1408 als 5ßefi^e§ §riebrici)S ö. SB. , mofelbft er 
bamalS ein trauriges 6nbe fanb. 

2ßir feljren nun mieber auf bie Anfänge biefeS ©efc^lec^teS im ßanbe 
Defterreid) jurücl, inbem mir bie einzige Angabe über ben 23ater ber fed^S 
SGBalfeer, roeterje 2llbrec|t'S I. ©unft genoffen, anführen. ^antl)nler machte ftet) 
in feinem genealogifdjen SQ3erfe (Recensus dipl. geneal. Carapil. II, 319 f.) 
eine ©tammtafel ber SGß. auredjt, meiner jufolge ein ^einrid) ö. 28. in ©djmaben 
„um 1240" als ?llml)err aufgeführt erfdjeint, bem als ©ötme: ^ermann (1287), 
Sodann I. (1287), fteimpert (1287), ^einrid) II. (1287), (Sberrjarb I. (1287, 
t 1288) unb Wurf) I. (1287) augebad)t erfdjeinen. liefern (5berl)arb I. mirb 
bie meitere gfamilienbitbung jugefdjrieben, unb ^mar füt)vt ^antljaler: Gbertjarb II. 
in 6nnS, griebrid^ 1. in äßeitra (!), ^einrid) III. in ©teiermar! (f 1326), 
Ulrid) III. in ©teiermarf (1300—1324) als feine ©öljne an. 2)iefer ganje 
©tammbaum ift unljaltbar, mie bieS 9llf. |>uber, auf ©runblage ber öon ©tüla 
1851 pr ©efcrjidjte ber ©rafen bon ©djaunberg unb üon @r)mel 1854 unter bem 
2itel „2)ie ^enn üon äßalfe im 14. äa^^unbert" (im 9lotiaenb!att b. äöiener 
Slfab.) im III. (Sjcurfe feiner 1865 erfdjienenen «Sonographie über ^erjog 



Söatjee. 7 

9tubolf IV. bon Defterreicf) barjulegcn berechtigt unb berufen roat. 3n ßinj 
bcftnbet fich ein (Srabftein, auf meldjen juuäcrjft ^teuenfjuber in feinen berbienft= 
lieben aus bem 9cadj)laffe 1740 herausgegebenen, beutfchgefd)riebenen Annales 
Styrenses (414) aufmerffam madjte unb enthält in ben äöorten „A. d. 1288 
obiit dominus Eberliardus de Walsee, pater senior omnium dominorum de W. 
hie sepultus" bie mistige Eingabe , bafs biefer ßberbarb (1.) als Sßater 
unfetes (Sberb,arb (IL) unb ber anbeten 5 2Balfeet in Obetöftetreictj feine 
Sage fchtofj unb, mab^fcb, einlieft boebbetagt, mit ben (Söhnen in bas Sanb an ber 
S)onau getommen mar, obne felbft eine potitifd)e iKoKe ju fpielen, melcbe feinen 
gleichnamigen Srftgcborenen unb beffen Sßrüber balb in bie SSorberreibe bes babsS= 
butgifeben Hofabels ftcEt. 5Die ftachjommenfchatt btefes 2lbnberrn ber nun in 
Deftetreid) unb Steiermatf Aunächft beimifcb geworbenen SBalfeer täfjt fictj in 
4 Linien gliebern. 

Ser (hftgeborene 66 erwarb (II) begrünbete bie Singer, melcbe 1399 — 1401 
mit ©eorg im 5Jlanne§ftamme extofer) ; bie Snnfer (b. i. b. Stabt (ümns i. £).=£)e.) 
f)ebt mit bem nächftälteren SSruber ^einrieb (f 1326) an, überbauerte bie anbeten 
groeige alte unb erroarb ben roeitfchid)tig[ten SBefitj; fie lebte fich 1483 mit 
Steimprecht (IV.) bon 2öatfe=5)uino (Sibein), bem legten bes gefammten ®e= 
fdjledjtes, au*. SDie ©rajer ober [teierifdje Sinie eröffnet Ulrich L, ber ßanbes* 
tjauptmann toon Steiermarf unb fcrjüefet ein (Sberrjarb (t 1363), roärjrenb bie 
öon ©rofenborf 0Hieb.=£)eft.) bon griebrich (f 1318, 22. Suli) eröffnet roirb 
unb bor 1405 mit Ulrich enbet. — ®ebb,arb ftavb als 3)omf)etr bon ^affau 1315 
unb Äonrab ermarb bie reichbotirte üßfatre ju ^3iber in Steiermarf. 

Qu ben herborragenbften Vertretern bes Kaufes jäblt pnächft ber Stiftet 
ber ßinäerginie 6bert)arb II. (f bot 1325, mab^fcheinlich um 1322), berfelbe, 
beffen äunäcftjt bie fteierifche 9teimchrom! gebenft. (£t mar cS, bem Herzog 
9llbrecht bie Belagerung bon galfenftein (9iieb.=£)eft.) übertrug. @r aät)tt ju 
ben einflufjreicftften 9tätb,en bes Habsburgers. Sei ben ^aimburger unb s $tef$= 
butget ^tiebetisberfjaubtungen mit Ungarn (1290 — 91) erfcheint nach ber 9teim= 
chtonif (Sap. 399) unter ben 16 Seboümächtigten ßberljarb b. 2B. 2Us ätoifchen 
2llbrecht unb bet fteiermärfifdjen Sanbesoertretung (1291) ein tjatter 3ufammen= 
ftojj bebotftanb, fott (Sbettjarb bem Herzoge gerattjen baben, ben äöünfchen ber 
Steiermärfer entgegenkommen, roäbrenb ber ßanbenberger unb bet in aßen 
Slngelegenrjeiten bes Sanbes für ben Herzog mafjgebenbe 33ermefer beffelben, 9lbt 
Heinrich öon Slbmont, ber Strenge unb UnnacrjgiebigfeU bas äöort rebeten. 
S)ie golgeaeit erroieS, bafj ber Habsburger als Sieger ben 9lnfchauungen @ber= 
b,arb ; s r>. 20. nachfam. 3n Cefterretch maren bem 2lbel, ben ßanbb,erm, rote 
bies aus ber gteimcbronif unb bem fog. Lucidarius, ober bet einft ©eifrieb bon 
Helbling äugefctjriebenen polittfehen 3 e it°tctjtung, ^erbotgetit , bie „fcrjmäbifcb/en" 
©ünfttinge unb Sdätcje bes H^ogs, batuntet junächft @bett)atb b. 20. unb bie 
nädjft älteren 5ßrüber, tängft ein S)orn im 5luge. 2lls bet H ei '5°Ö ettldri l)aben 
foE, bie Söalfeet nicht entlaffeu <ju tooÜen, t)abe bies jum 33tucb,e geführt. 
Sllbrectjt I. mürbe jebod) ^Iteifter ber feit 1296 entfehjeben auftretenben Semegung, 
unb bie Stellung ©bertjarb's unb feiner Sßrüber feftigte fidt) um fo mebr. $n 
bem 2lusgleid)e jmifclien Sllbrecbt unb ©rjbififtof Äonrab bon ©aljburg oom 
29. September 1297 finben mit 6berl)arb unb Ulrich, b. 28. als Haupiaeugeu 
bet betteffenben Utfunbe. 99eibe unb it)r SSruber ^einrieb erfetjeinen als 9tätbe 
Herzog 9tubolfs (III.), ßrftgeborenen bes 1298 auf ben beutfeben jl^ron er= 
Ijobenen SUbrecht. Söir miffen nicht ficher, ob alle SBalfeer SSrüber bie Gsnt= 
fcljeibungsfd)Iac^t bei ©öütjetm am Imf^Mib, 6 * (1298) mitmachten, benn eine 
alte fjodrjbeutfdie Dichtung preift ausbrücflictj nur H errn Ultictj bon SB. (ben 
Söegtünber ber fteierifct)en SBolfeer Sinie) — „Uolreich den volkomen Degen"; 



8 2Baljee. 

immerhin fpritfjt bie fteierifdje 9leimdjrontf, obfd&on fie (&ap. 680, 35. 72263) 
gleichfalls „Uolrich von Walsee" boranfteHt, bon ben fetten bon Sßalfee über* 
faupt als tnaeferen (Streitern in biefer ©ctjladjt, — benn eS Reifet 6ap. 684 
(33. 72752) . . . 

„die herrn von Wals§ 

Solde ich von der tat, 

als man ir guot gewizzen hat, 

mit brieven bringen zenden, 

Dasz si mit ir henden 

in dem strit begiengen ern, 

an zehen Kotern (Quaternionen) . . . 

des muozes beliben 

ungeschriben von mir" . . . 

Sie ..dri von Waise" beaeidmet ber fteierifetje 9tetmdjronift Dttofar (ßap. 741) neben 
ben ©rafen HCrid^ bon .Jpeunburg, 'Dtfteinljarb ©rafen bon Drtenburg, |>einricb, b. jün= 
geren bon ©ctjauenberg, bem 9Jtarfctjalt bon ßanbenberg unb 9 anbem Slbeligen als 
iöebollmäcbtigte bei ben 33erl)anblungcn bei $afjreS 1304 mit J?arl Robert, bem 
Sßrätenbenten Ungarns, über baS SBünbnifj gegen 23ör)men, ju Sßien, <g>eimburg, 3fieu= 
ftabt unb ^rejjburg. |>ier fanb am 24. 9luguft ber 5X6fct)lu§ ftatt. SlnberfeitS gaben 
im gleichen i3ab,re bem ^erjoge 9tuboIf (III.) bie äBalfeer: ßberljarb, ^einrictj, 
Ulrich unb griebricr) baS ©eteite nadj $ubenburg im fteierifdjen £)berlanbe, too« 
felbft (28. Slpril) ber genannte JpabSburger urfunbet. @berh,arb IL b. 20. er= 
fdjeint 1291 als „ßanbridjter ob ber @nne" (judex provincialis supra Anasum) 
unb bertjarrte in biefer ©teßung bis an fein ßebenSenbe. 6r gilt als Gsrbauer 
ber Singer granciScanerftrcrje (1284—85). ©eine ©attin 9ftaria gehörte bem 
mächtigen Jpaufe ber ßuenrtnger an unb ftarb bereits 1320. ©ein ©ot)n ©ber= 
t)arb (III.), beffen SCob bor ben 1. SDecember fallen mufj , bef leibet {ebenfalls 
junädjft baS 2lmt beS SßaterS, mürbe 1353 Hauptmann ob ber ©nnS, behielt 
aud) baS 9lmt beS ßanbridjterS ; blatte fernere gelben mit ben bötjmifdjen 2Ibcls= 
Ferren bon 9tcub,auS unb Ütofenberg auSaufedjten , bie bis DttenSt)eim an ber 
Sonau borbrangen, erbaute bie ftefte £>ber=2öalfe , bertoanbelte fein ©djtofe 
©djlterbacb, im £remStb>l in ein ßiftercienferflofter (1365) unb unterliefe brei 
©ötjne ©bewarb IV., ^einridt) unb ©eorg, ber biefen |)auptaroeig ber äöalfeer 
(1399) fdjliefjt. S)te ßinjer SBalfeeS crfdjeinen mit ben ^errn bon $uenring, 
©utrat, Äapellen, $ud)t)eim, anberfeitS mit ben ©rafen bon ^ernftein (Oeft.) 
unb Sorbabien (in £)od}Eroatien) berfdjtoägert. 

2)er 23egrünber ber (Snnfer, alfo aroeiten oberöfterreidjifdjen ßinie ber äöalfeer, 
|>einrid) I. (f 1326), beffen toir im Sßerein mit bem älteften Sßruber (Sbertjarb 
extoälmten, unb audj als tapfern ©treiterS in ber ©djlactjt bei 9Mtjlborf 
(1322) bie DueEen gebenfen, ijtnterUefj als „Hauptmann ju SnnS", tuaS nid)t 
mit ber ©teüung eines SanbeSljauptmannS ob ber fönnS bertt>ed)felt roerben barf, 
brei ©öfme. .^einrieb, (IL), ber Sleltefte, unb feine 23rüber 9teimpred)t (I.) unb 
^riebrid) (I.) ( bie ©rünber beS ^JtinoritenflofterS in 6nnS, begegnen unS in ber 
llrfunbe bom 7. Februar 1331 , laut toetdier fie für ben auf itpre ßinie ent= 
fallenben 9lntf)eU bon ben 11000 SJcarf ©über, um toeldje ©umme bie ^er^oge 
bon Oefterretd) bie fdjbjäbifdjen ©tammbeftfcungcn ber äBalfeer anfauften, 
auf bie 9ßfanbfdjaften SBecbfenbrig (SÖarenberg) unb auf 23urg unb ÜJlarft 
£)ttenb>ün (£)ttenSb>im ) in Oeftenetcb, berfidjevt erhielten. 9tetmprec|)t unb 
Js-riebrid) Ratten gemeinfam bie ^auptmannfr^aft be^m. ba§ SSurggrafenamt 
ju ©tabt 6nnS inne unb ftarben ^u Anfang ber ©cl)tufeb;älfte beS 14. 3af)r= 
bunbertS. 33on ^eimprec^t'e (I.) 6 ßinbern treten bie ©öb^ne Ütubolf, 3lcim-- 
precljt (IL) unb ftriebrieb, (II.) in ben SBorbergrunb ber 3 e i te "igniffe , bie unS 
bom dnbe beS 14. in baS 15. Sfafjvtjuubert rjinüberbegteiten. 



Söalfee. 9 

23eöor mir auf bie Dladjfommenfdjajt 9teimöred}t'6 I. übergeben, möge her 
furalebigere 91ebenafl, bie Segcenbenj UtneS $Bruber§ griebricb, (f um 1355) au§ 
feiner @t)c mit $unigunbe öon ßiedjtenftein, abgetjanbelt merben. S)ie beiben 
jüngeren ©ötjne äöolfgang unb <g>einxid^, ©atte Slnna'S öon £)ofjenberg, 1375—79 
ßanbeScjQUptmann 0. b. @nn§, öietleid)t nod) 1395 einer ber „gtätlje" -freraog 
äötltjelm'S to. De. ({ebenfalls f bor 9ioö. 1398), Reiben olme 9tad)fommen auä 
bem ßeben. Sitjre ©c&meftern gingen £)eiratrjen mit ,g>errn öon Äuenring unb 
9fleiffau ein. Stjr älterer ©ruber griebrid) (II. öon biefem g^ige) tum 1373, 
1367—68 „ßanbmarfcfjall" öon 9iieb.=Deft., feit 1369 „ßanbeätjauötmann" ber 
©teiermarf, t)interticfj nur eine ü£od)ter Slfra, ©attin ^artnib'ö öon ßiecrjtcnftein, 
fo bafe biefer 9tebenaft ber Söatfeer öon 6nn§ öor @nbe be§ 14. ^atjrtjunberti 
at§ erlofdjen ju gelten tjat. 

SBenben mir un8 nun toieber bem Jpauötafie, ben ©ötjnen 3f{eimöred§t'§ I. 
3U. £er ältefte ftubolf (t 1403—1405), feit 1374 mit 2lgne§ öon ßeibb (ßiba) 
öermäfjlt, tritt feit 1364 läufiger auf. 1366 (17. 2lug.) erfcb,eint er aud) als 
Sogt unb |mubtmann in ben tjabsb. .§errfcf)aft§gebieten in ©db,maben, Slargau, 
Sfmrgau, 33reiSgau unb ßlfafc. 1372 rourbe ifjm bie Sanböogtei in (Slfafj, 
©djmaben unb im 33rei§gau auf lV a %a$x beftätigt. 1373 tjeifjt er nodj ßanb= 
öogt in ©d^maben. 3fn einer llrfunbe öom 25. 9)iai 1379 (28ien) ftnben mir 
irjn fdjon als „fianbeerjaubtmann ber ©teiermarf" genannt, ^erjog 9llbred)t III. 
öerfidjert barin, angefidjtä be§ Aufgebotes öon 93cannfcfjaft für ben ßönig ßubmig 
öon Ungarn im Kriege gegen 33enebig, 9tubolf unb feine 33rüber für allen ©djaben, 
ber irmen burd) bie $uben als Äammerfnecfjte be§ !per<jogS erroadjfen mürbe. 
1397 mufj er audj bie ©teöung eines Pflegers in 2Binbifct)gra3 befteibet Ijaben. 
^ebenfalls mar er bamalS ferjon „ßanbrnarfcrjalt öon 9tieb.=Deft." unb „.gmfmeifter" 
^er^og SBilrjelm'S. lieber 1403 reichen bie tfjn betreffenben Urfunbeu nidjt t)inau§. 

föeimörecrjt (II.) begegnet unS feit 1380 als Hauptmann ob ber 6nnS, be* 
lagerte im auftrage ^erjog 2IIbved)t'S II. öon Defterretcb, baS ©tammfcbjofj ber 
©djauenberger , meiere jebod) an ben 9tofenbergern SunbeSgenoffen fanben, unb 
bettat)rte in biefer ^eljbe feine £reue. @r öerblieb in feiner SlmtSftellung bis 
jum Stöbe (1422). ©ein jüngerer SSruber griebridj, bem mir pnädjfi 1403 als 
ßanbmarfdjafl. öon OJlieb.)=Defterreid) begegnen, überragt bamalS an ©influ^ bie 
(Jrftgenannten, obfcfjon audj Steimbrecrjt bamalS ju ben ^eigenfürjrern beS öfterreidji* 
fdjen SlbelS äät)tt. 5Denn jur Qe\t als ber leibige S^ift um bie SSormunbfdb.aft 
Sltbiecljt'i V. amiferjen ben Seoöolbinern ßeoöolb IV. unb Orrnft, entbrannte, unb 
Cefterreid) in bie traurigften Söirren eine§ Sürgerlriegeg geriet^, anberfeitS öon 
©ölbnern unb 5i' e it>eutern ^eimgefuc^t mürbe, erfdjeint (1407) fjfriebrid) al§ ,,^of« 
meifter" $ex$0Q 2eopoVt>'$ IV., ma§ ib,n nidjt b^inberte, fid§ mit ^eväog ßrnft ju öer= 
ftänbigen. ^m Februar 1408 ereilte it)n ein gemaltfameö 6nbe, inbem er ein Dbfer 
ber Unöorfidjtigfeit ber eigenen £eute auf feinem ©cb,loffe 9leu=9Batfe in 5Zieb.=Deft. 
mit einem 5pulöergctoölbe in bie ßuft flog unb nad? brei Sagen öon quatöolten ßeiben 
burebj ben 2ob erlöft mürbe. S)ie fcl)teunige 9leife -£)er<jog ©rnft'ö öon ©raj 
nacr) SGßien betoeift, mie na^e biefem Seopolbiner bie ^iacrjric^t öon bem 2lbleben 
feine» 3>erbünbeten ging, griebridb, tjintertiefe au§ jmei (Sb^en (mit Slnna öon 
SBinfel unb 3(ba öon SSeineberg) feine ^ladjfommenfdjaft, unb nun tritt Dteim» 
preetjt II. in ben SBorbergrunb. 6r äätjlte ju ben cntfdjiebenftrn ©egnern ber 
®eroaltt)errfcb,ait Seoöotb'ö IV., miber meldte ber £)od)abel Ceftcrreidjö jufammen* 
b.ielt, unb fo finben mir i^n 1409 in ©benfurt bie „Sinigung" mit ^»er^og 6rnft 
unter^cidljnen. SJor allem aber ftrebte Sleimprecb.t bie 33efeitigung ber öormunb= 
fd)aftlid)en ©emalt über 5ltbred)t V. an. Saju bot bie ^cftfeucfje beö ^a^reS 
1410 einen bequemen 2lnlafj. s IRan entfernte nämlid) „auö ©efunbl)eit8gtünben" 
ben 2anbe§erben auö ber öerfeud^ten ©tabt 2öien ; Dceitnprec^t ö. 20. unb fein 



20 SBalfee. 

©efinnungggenoffe Seopolb bon ©cfartgau brauten bcn bteiäetjnjä^ttaen ^rinjen 
auf bie S3urg ©tarrjemberg im SBiener SBalbe. 3>ag mar bag 93orfbiel beg 
Weiteren. 93ei ben Unterfjanblungen mit $. ©igismunb, bem £u£emburger, bem 
ftreunbe bet Albrectjüner unb SBibetfacrjer ber teobolbinifcrjen £abgburger , et* 
fdjeint 9teimbred)t b. SOß. im SSorbergrunb , unb e§ gelang bei bem genannten 
beulten Könige 1411 jene Ihfunben burcrjaufefcfn , monad) ber öier^njä^iige 
Albred)t V. al8 „feiner Vernunft boMommen madjtig" , fotjtn al8 münbig nnb 
roeiterer SBebormunbuug lebig erftärt mürbe. S)ie S3efcf)lüffe be» ©ggenburger 
©tänbetagcg besagten bie ßöfung ber SBormunbfdjaft. Als nad) bem jiemtid) 
gleichzeitigen £obe Seobolb'8 IV. (3. $uni 1411) feine SSrüber grnft unb 
griebtid) IV. itjre bormunbfdjaftlicrjen 3ftecr)tc Oefierreid) gegenüber geltenb machen 
rooHten, roiberfetjten fidt) Sfieiirtpredjt unb beffen (Senoffen auf bag entfd)iebenfte 
biefem Anfinnen unb mit ©rfotg. Aud) in ben ©renäfireitigfeiten Cefterreicfcjg 
mit Ungarn fpielt 9teimpted)t eine tjerborragenbe 23ennittlenolle. AIS fein abe= 
liger (Jigenmann mirb audj ber Anmärter einer bebeutenben gulunft, ber 33aier 
Ulridj öon (Sicäing, bezeichnet. 23on 1413 an begegnen mir bem äßatfeer als 
Jpofmeifier ^et^og Albrecrjt'8 V. 1418 mürbe er tiberbieS mit bem (hbtrud)feffen= 
amte bon ©teiermarf beletjnt. 3tt>ifcrjen Steimbredjt III. b. SB. unb |)er,$cg 
(Srnft tjerrfcrjte feit bem Saljre 1411 ein feinblictjeS Sßerfjältnife, moju fid) über= 
bieg ber ©treit beS genannten inneröfterreicfjifdjen <£>abgburgerS mit ^er^og 
Albredjt V. um bie ^fanbljerrfcrjaft beS erfieren: ©tabt ©teier in £)ber=£)efi. 
gefeilte, liefen gmifiigfciten mürbe 1417 ein Gmbe gemacht, unb aus» ben Ur= 
funben ber 2falvre 1416—17 fönnen mir ben beften @inbüd in bie klaffe ber 
5ßfanbbefitmngcn ber (Snnfer Sinie ber SOßalfeer aHetroättg in ben tjabSburgifdjen 
8änbern geminnen. 

1416, am 12. Abril, betätigte |>erjog Albredjt V. unferm 9t. b. SB., 3«= 
gleicrj als (Srben feines 1408 beworbenen 23ruberg griebrid) ben grudjtgenufe 
aller bon ben Herzogen Seopotb IV. unb Gürnft auf 28 3aljre berbfänbeten <g>err= 
fcfjaften: (Sraffdmft Ritterburg Oßifino) unb 33urgr)ertfdjaft „grarjn" in Siftrieu, 
Dberfiein unb ©örtfdjadj in $rain, Sßinbifcrjgraä unb TOatjrenberg i. ©teiermarf, 
SBadjf enberg , graul enburg am Atterfee , ^ßudjtjeim , ©äufenftein (mo aud) ein 
6i)t.=©tift beftanb, beffen ©önncr bie SBatfeeS roaren) , bie ÖSraffcfjaft $eil= 
ftein, greienftein a. b. S)onau , SButberSborf unb ^ernftein im Sanbe De. 
o. u. u. b. (SnnS. $n bem Ausgleiche jmiferjen ben ^erjogen Albredjt V. unb 
(Srnft, momit äugleicf; bie $ef)be beg Sedieren mit 9ieimbredjt b. SB. ein @nbe 
finben follte, erfdjetnen biefem bon -frerjog (Srnft bie ©djlöffer ütiegerebmg, 
©onotoi^, ©tatteuberg, 6ibi§malb unb äötnbifc^graj in ber ©teiermarf, ©ört= 
fd)ad) unb 9teuberg an ber Lanier in .ffrain mieber eingeräumt, meiere iljm 
ber genannte -gmbgburger ^ur 3"t ber Setjbe entreißen tiefe. 1418, am 29. 3funi, 
mürben übetbieS burdtj ben ©prucl) beiber ^»erjoge ju £rai8fircrjen bem SGßalfeer 
bie gefte DtotljenielS, bie ©tabt Cber-SBötj unb bie SBurg SBac^fenecl jugemiefen, 
melctje s Ji. b. SB. bem berftorbenen ^erm ^>ann8 b. ©tubenberg abgenommen Ijatte, 
mäb^tenb bie Auflieferung bon beffen ©ötmen ©rfterem jeboc^ beiroeigert mürbe. 9l(g 
3teimprecl)t II. 1422 ftarb, in etfter @b,e mit Äattjarina aug bem öfterr.^mä^r. ©e= 
fcfjtedjte ber ßiecfjtenfteiner unb bor 1406 (3uli) in ameiter mit Äattjarina, (Srbtoc^ter 
|)aug'g bon 2)uino (£ibein, an ber ßüfte beg SErieftet ©olfeg) berbunben, unterliefe 
er au8 biefer ^toeiten S6,e einen gleichnamigen ©o^n, 9ieimprecl)t (III), Satten 
Äat&artna'3 b. 9tofenberg, ber 1450 aug bem ßeben fdtjieb unb brei ßinber 
unterliefe, bie ©öl|nc: SCßolfgang unb Üteimpred)t (IV.) unb eine Softer, 9lgne8, 
©attin beg ©rafen SSerntjarb bon ©d£)auenberg. SSeibe S3rüber erfdjeinen Anfang 
1451 unter jenen Abeligen DefhmidjS, meiere aEerbingg bem 9Jlailberger SBunbe 
gegen ^. griebrict) , ben S5ormunb Sabigtaug beg 91ad)gebornen , uic^t förmlich 



SBalfee. H 

beitraten unb all „9iätf)e" be§ |>ab3burgerg Be^eicfjnet erfdjeinen, fid) aber trotj= 
bem auf feiner 9tomfaf)rt, @nbe be§ 3at)re§, auf bem Söege öon ©t. Seit nad) 
33itlad) oljne 2lbfd)ieb auä feinem ©ejolge entfernten. 

33eöor mir ben $aben ber meiteren ©efd)id)te biefer Vertreter ber ßnnfer 
Sinie Söalfee'g mieber aufgreifen, muffen mir auf ben 3ufammenc)ang ify X e§> «Ipaufeä 
mit ben .gmgonen ober .£>augen öon jDuino=£ibein an ber Stbria eingeben. 
#aug VI. öon 2). (1344, f 1391), ber borgte feine§ >U(anneäftamme§ , mar 
in erfter @f)e (um 1373) mit 3lnna ü. 2Salfe, iüngftem ©proffen föeimpredjt'ä (I) 
öon SB. , alfo ber ©rofjtante 9teimpred)t'3 IV. , in jtoeiter (£f)e mit 2tnna öon 
2öilbt)au3 öerbunben. ©eine beiben ©öfme, beren älterer fRetmpredjt ben 
tarnen be$ SCßalfeer (55rofjüater§ öon mütterlicher «Seite fütjrt , ftarben minber= 
jährig, jener nad) 1391, ber jüngere (Ugolino ober $auglein) im 3f. 1399. 
^re ©djtoefter $att)arina eb,elid)te nad) bem 3lbleben iljreä erften hatten, 
ßeutolb öon *Dleiffau (t 1404), Sfteimpert II. ö. Söalfee, mie bereite oben er= 
mäljnt tooxben, unb mar fomit ©rofjmutter SSolfgang'S unb 9teimpred)t'g (IV.) 
ö. 30., mät)renb bie ^meite ©ctjtoefter, 9lnna, um 1401 föubolf ö. SB. (t um 1404, 
finberloS) , ben Sßruber Oteimpredjt'S II. geljeiratfjet fjaben fofl. , unb fid) bann 
1404 mit (Sber^arb öon Kapellen öermat)lte. 

©d)on in einer letjtmilligen Srflärung öom ^atjre 1385 blatte £)aug (VI.) 
öon $>uino erflärt , bafj , fallä feine ©ötme minberjäljrig fiüiben, all ifjr 33efit$ 
an bie Vettern : Sftubolf, 9teimpred)t (II.) unb gfriebrid) (öon ber (Snnfer Stnie) 
alä (Srbeigen fommen folle. 3m Seftamente öon 1390 mürbe einer öon ben 
brei Söalfeeä unb 3toar Stubolf jum 23ormunbe feiner SDuinefer Neffen befteÜt. 
1399 — 1400 gelangten nad) bem Slbleben be§ lebten Sminefen, Ugolino'3 
(f 1399) bie SBalfeeS in ben 23efit} eineS reichen 6rbe§ unb jroar ber £>etr= 
fdjaften S)uino, ©utenecf, $iume (ober ©t. 33eit am ^flaumb), ßaftua, Sßeprinaa 
unb 9Jcofd)enice im Äüftenlanbe. ©aju tarnen, mie mir miffen, bie öfterr.4ab£b. 
9ßfanbfdjaften im $arftgebiete Oßifino, ^iemonte, grerjn u. a.). 9teimpredjt (II.) 
überlebte feine finberlofen 53rüber, 9tubotf unb ^wbrtd), unb gelangte aud) burd) 
feine $vau, jene j?atf)arina öon £>uino, jum 23efifc ber ,£>errfd)aft (Sibiäroalb in 
©teiermarf. SSon 9fteimpred)l II. fam ber SDuinefer 53efit$ an feinen einzigen ©ot)n 
9teimpred)t III. (f 1450) unb öon btefem an bie legten ©proffen ber @nnfer 
ßinie ber Söalfeer: äöotfgang unb t)ietmpred)t (IV.). feigen fid) fd)on in ben 
Sagen 9teimpred)t'§ II. (1395—1422) bie äöalfeer in ben ftrtauler Söirren 
nid)t menig befd)äftigt, fo 3. 93. 1411, 1416 u. f., anberfeitä (1414—1424) 
aud) in nad)barlid)en f5et)ben mit ber ©tabt Srieft begriffen , fo fam e§ 1448 
unter 9teimbredjt IV. (f 1450) ju einem langmietigen ©trcitljanbet mit biefer 
Commune unb aud) ju Urningen mit bem bamaligen S3t)d)of öon üErieft, (fnea 
©ilöio be' Spiccolomini (Aeneas Sylvius), unb mit bem bottigen 5Domcapitel, 
toa% aüe« erft unter 9ieimbert (IV.) unb äöolfgang öon äö. 1459—1464 jum 
frieblidjen 9lu§trage gelangte. 

3fn ^iume betrachteten fid) bie 2öalfee§ als „bie einzigen natürltdjen 
|)errn" , otjne fxd) um bie lel)enäb,errtid)en 9ted)te be§ S3ifd)oi§ öon $ola ju 
fümmern, aber bie ©tabtgemeinbe mar, ma3 it)re SJermaltung betrifft, autonom, 
roenn aud) ber öon ben SQßalfeeS beftellte Hauptmann bie grunbljerrltctjen 9ted)te 
üertrat. 

®ie 6rbtb^eilung bet beiben SBrüber Söolfgang unb 9teimpred)t (IV.) in 
|)infid)t ib,re§ füblidjen 23efi^e§ evljettt au§ itjren beiberfeitigcn le^tmiütgen €r- 
ftärungen. 1465, am 1. ©eptember, beurfunbet ber unüermät)lte 2öolfgang 
ö. 20. (f 1466) in feinem 8U ßin^ aufgefegten leftamente al§ ,,^>err öon 
SDuino unb auf bem ßarfte, Oberfter s JJtarfd)alI öon £)efterreid) , ©d)enfe öon 
©teiermarf unb Hauptmann beg ßanbe§ 0. b. @nnS" , in 9lnbetrad)t ber öom 



12 .Söalfee. 

Haufe HabSburg ifnn unb feinen Söorfaljren erwiefenen äöol)lu)aten betn Äaifer 
^riebrid) unb beffen Srben bermadjen au Wollen: olle feine ©djlöffer, ©tobte, 
SHärfte unb SDörfer auf bem Äarfte unb in Sfttien unb a^a* ©t. 3)eit am 
«Pflaumb (gtume), SSeprinaj, $Rofd)enice, „©abinad)", ©utened mit allem gugetjör, 
waS alles aufolge bet ßrbtljeilung mit feinem SBruber 9ieimbred)t (IV.) ifjm au* 
gefallen fei. Söolfgang fdjeint in ftiume bie lefcte Stuljeftätte gefunben 51t 
Ijaben. 1472, am 12. s Utära, gab 9teimbred)t (IV.), £täger bet gleiten @t)ren= 
ämter, nadjftefjenbe <5rberflärung ah. @r fefce tum Ghben ber 33urgb,errfdjaft 
£). unb U. Stibein (2>uino) , San ©iobanni b. 2)uino, ©enofeaaa, ^timano, 
fammt allem 3ugef)ör ßaifer griebrid) ein. 2Iuf biefem Söege braute ber ^>ab8= 
Bürger bie ^>errfd)aften ber SBalfeer im Äüftengebiete an fid). 

9tetmbred)t IV. ftorb 1483 unb würbe auf feiner -^errferjaft ©eiffenberg 
beftattet. 2lu3 feiner @b> mit Äatljarina bon ©tarljemberg war nur eine 
2od)ter, ^Barbara, entfproffen, weldje ba§ oberöfterreidjifctje ®ut ber SBalfeer 
an fid) bradjte. S)ie oberöfierreid)ifd)en SÖalfeer ber Snnfer Sinie befafjen 
nämlid) unter anberm bie namhaften ^>errfd)aften : ©d)arnftein, ^ernftein, 
Dberäöalfe, SBilbenftein , äßinbed, 9tutenftein unb Ort am Straunfee , ferner 
Sßadjfenberg (2Bed)f enberg ) unb bie ^fanbfdjaft Oranienburg am Sttterfee. 
9US mit Oteimpredjt IV. ber letjte Söalfeer, faum atöei^unbert $ab,re nad) 
bem Ableben beS gemeinfamen 2lrjnt)errn (Jberljarb I. (f 1288) au8 bem 
ßeben fdjieb, fam reidjeS Erbgut an feine einzige ü£od)ter, Barbara, ©attin 
be§ ©rafen ©igmunb, an beS lederen ©efd)Ied)t , baS ber ©rafen bon ©d)aun« 
berg. äBacrjfenberg fiel an bie ßanbeSfürften unb gelangte fpäter (1674) au bie 
©tarfjemberger. 

2>er Scgrünber ber fteirifdjen ober ©raaer Sinie ber SöalfeeS, Utridj L, 
(f um 1329) tritt, abgefel)en bön ben ßreigniffen , bie itjn mit bem älteften 
SBruber (Sbettjarb (II.), ©rünber ber Siujer ßinie beS H°-ufeS, gemeinfam tjanbelnb 
aeigen, fo namentlich in ber ©öttljeimer ©d)lad)t Dom Safjre 1298, als £anbe§= 
Hauptmann ber ©teiermarf, waS er feit 1299 geworben, befonberS jur 3"t beS 
©treiteS um ben bötjmifdjeu £b,ron atoifd)en |)ab§burg unb ©öra (1307) unb 
im $• 1309 in ben 33orbcrgtunb. @S ifl bie bewegte ,p,eit bor bem 2lusgleid)e 
ber Habsburger mit bem neuen beutfdjen Könige ipeinrid) VII. (©ept. 1309), 
al§ in SBien ein Slufftanb gegen bie in ©peier weilenben H er ä°9 e Qwbrid) unb 
ßeopolb auSbvad) , unb fid) aud) unter ben fianbSeblen berbreitet jeigt, ba man 
barauf redjnete, bafj ber £ü|jelburger ben ^abebuvgern bie 23elerjnung mit £>efter= 
reid) unb ©teiermarf üerweigern werbe. 2lnbererfeitö beftanb eine 93erbinbung 
ber 2lufftänbifd)en mit ben bavrifdjen ^eraogen Otto unb ©tefan. S)er 2Batfeer 
Ulrid), auS guten ©rünben ein aätjer 2ln|änger ber ^eraoge bon Defterreid) unb 
©teier, foll nun angcfidjte ber brotjenben ©adjtage au bem bamalS ben igabS: 
burgern befreunbeten (5rabifd)of öon ©alaburg, Äonrab, nad) ^ettau geeilt fein, 
um irjn aum gemeinfamen ^)anbeln aufauforbern. 5Der ^irdjenfürft begab fid) 
fofort nad) ©vaj, unb bie 93orbermänner ber fteierifd)en 3lbelfd)aft, ©raf Srriebric^ 
uon |)eunburg, ber ^reie bon ©aned (Ulrid)'), bie ©tubenberger, £ied)tenfteiner, 
^ettauer, aud) ber 2anbbifd)of bon ©edau aeigen fiel) aum Aufgebote gegen 
Defterteid) bereit, roa'i aud) ber ©alaburger aufagt. 5Rit einer ftarlen s Jftann" 
fdjatt aie^t Ulrid) bon 2B. über ben ^»artberg gegen Dleuftabt unb erftidt rafd), 
nod) bor ber 9iütffel)r ber Habsburger, ben bfierteidjifdjen Sluiftanb. 2)ann galt 
e§ (1310), ben SSaicrn itjre geinbfeligfeit Ijeimauaaljlen. 2Bäl)renb H ev Ä°8 
5riebrid)'S H eer längs ber SDonau an ben i^rm oorrüdte, aog ein fteicrifdjer 
Heerbann unter ber güljrung Ulrid) b. SBalfee'S burd) baS ßnnStljal unb baS 
©alaburgifdje gegen 33aiern bor, mufete aber balb ber grofjen äBinterfälte Weicben. 
1322 ritten aud) Ulrid) mit ben ©teiermarf em unb fein SStuber ^>fintidä bon 



aOßoljee. 13 

ber (Jnnfer Sinie fümmt itjren älteren ©ötjnen mit ben Defterreicrjern in ben Äampf 
gegen $. Subroig ben 33aier. AIS eS jur 6ntfd)cibung öor Ambfing=9Ml)lborf 
(28. ©ept.) fommen füllte , toaren nod) am 23orabenb bie feeiben Srttber, im 
Vereine mit bem 9Jtarfd)atl öon $ilid)Sborf , bemüht, intern £>errn, ^xtebrtd^ 
bem ©djönen bie Annatjme ber ©d)lad)t öor bem Eintreffen feine« 93ruberS 8eo= 
polb j$u toiberrattjen. ßeiber Blieb ber fluge $att) orjne 2öirfung. 3)ie ©teier= 
märfer unter Ulrid) ö. 333. foctjten im erften treffen, unb bis Mittag fianb bie 
©djladjt für -IpabSburg gut, bann folgte bie fdjlimme SBenbung. 2)od) entfamen 
bie äöalfeer ber ©efangenfdjaft, bis auf Ulrid) (II.), UlridVS I. älteften ©olm, 
ber als 23errounbeter in bie £)änbe beS fteinbeS fiel. 

Aud) in bie Angelegenheiten beS itatienifdjen 9teid)§öicariateS, <!peinricVS II. 
©rafen öon ©öra, Anhängers $. griebricrj'S bei ©d)önen, griff Ulrid) (I.) d. 2B., 
©emaljl einer Softer Gilbert III. öon ©ör^, 33ruberS -Speinricfe/S II., Äattjarina, 
(in britter deje'?), ein, inbem er als ©tettöertreter beS ©örjer ©rafen bie i>aupt= 
mannfdjaft in tyabua übernahm (1320) unb ben (£an=©ranbe öon Verona, ber 
$abua belagerte, jutüdbrängte. ®iefe £t)at befang Albertino 9Jluffato öon 
SJßabua mit ben äöorten: Et videt Eoas acies, Germanaque signa, Sclavosque 
leves, Tyrolas et Istros Valsenosque equites, quos longe Stiria tractu Miserat 
Ulrico cupidos parere poteuti . . 2)aS SBappen ber SOßalfeer, ben fd)tDarHr>eifjen 
33inbenfd)ilb mit bem gefrönten Ablcr ober bem blofjen Ablerfluge als .^pelm= 
äeic^en Ijatte fomit Ulrid) ö. 30. „Udalrico ü grande", raie man iljn bort nannte, 
in 2öelfd)lanb <$n Güljren gebracht. 1321 legte Ulrid) ö. 20. bie unbanfbare 
©tattljalterfdjaft nieber. 23on Utridj'S I. brei ©ötjnen erroarb ber ättefte, gl. 
9tamen§, Ulrid) II. ben meiften 9hit)m. ©eine Staaten feiert ber öfterr. 
Söapöenbicrjter , üßeter ber ©udjenmirt in feiner XIII. ßr^ä^lung. 2)en 9ftttter= 
fdjlag öerbiente er fidj 1316, am 19. ©eptember im Kampfe ber Habsburger, 
ftrtebridys beS ©d)öuen unb ßeopolb'S, öor ßfjtingen » m ^erfartfjal, 1318 ftritt 
er tapfer öor Sotmar im (Stfafj. 9Jtit feinem 33ater 30g er 1320 nad) 9ßabua 
unb üertljeibigte eS in ©emeinfd)aft mit feinem Oljeim, Ulrid) öon $fannberg, 
aufS äufjerfte; 1321 unternahm er eine *ßilgerfat)rt inS ^ßreufcenlanb. SeSgleidjen 
fod)t er 1322 bei s )Mfjlborf neben feinem 93ater unb geriett) , tote bereits oben 
ertoärmt, öertounbet in ©efangenfetjaft. 1324 ftnben mir iljn im £eere8gefolge 
Otto'S öon Oefterreidj unb ,£>einrid)'S öon 2irol=^ärnten in ftriaul roieber, als 
ber ©ör^er ©raf £)einrid) ftaib , unb <£>er<jog £)einrid) , ber 33ormunb ^ob,ann'§ 
öon @ör<5, bort einfdjritt. 

28tr tjören bann öon feiner £Ijeilnaljme an ben öfterreicrjifdj'böljmifdjen 
©renafriegen 1328—1336 @r gab ferner bem SSörjmrnföntge $of)ann ba% ©e= 
leite auf beffen JhiegSjuge öor Äralau (1345). 

S)odj muffen mir nun auf frühere Sreigniffe jurürfgreifen , beren Anfänge 
nod) öor ba% Ableben feines SSaierS, Ulric^'s I. (f c. 1329) fallen. 23alb nad) 
feinem Ableben traten bie brei ©ötme : Ulrid) (IL), griebrid) unb £)annS, beren 
erfter feit 1229 als 9tad)f olger feines 3}aterS in ber fteierifdjen ßanbeSrjauöt^ 
mannfdjaft erfd^eint, menngleid) taut Urfunbe öom 8. Sänner 1331 alle brei 
S3rüber „ju ber 3eiten |)auötleute in ©teier" Ijeifeen, in ber ©igenfdjaft öon 
S3erbünbeten ib,reS ©d)tt»agerS, gtiebrid), beS legten freien öon ©anerf unb erften 
©rafen öon SiHi (1341), in feiner getjbe mit bem Aufenfteiner unb Ortenburger 
um baS ^eunburger (5rbe in ben Sßorbergrunb. griebrid) öon ©aned Ijatte 
!ur^ öorb^er S)iemutfj ö. 205. geefjelid)t, bie jüngere ©djmefter ber AgneS, ©attin 
©rafen Ulrid) V. öon ^fannberg. 3fn ber Urlunöe öom 29. ©ecember 1330 
(©raa) bezeugen bie öorgenannten brei 33rüber, ib^r ©d^mager fjfriebtid^ öon 
©anec! ^abt i^nen feine 33urgen: 9dob;itfd), Äofttetniä, ßengenberg (ßemberg), 
©aneef, Ofterroi^, ^löbnig, ©d)önftein unb *prafjberg, fämmtlid) im Unterlanbe 



14 äßatjee. 

ber ©teiermarf gelegen, um 8000 SJtatf Silber, ©rajer 28ät)rung, gegen 9tüc£* 
einlöfung berpfänbet, maS auf bie ©elbmittel ber fteteiifdjen SBalfeer, anberfeitS 
auf bte bamaligen ©elbbebürfniffe beS ©anecferS ein ßitfjt toirft. 2)ocr) fctjeint 
eS, als fei bie ganje 3)erpfänbung blofj für ben 9totb,faIl geplant unb nicfjt 
tljatfäd)lict) burdjgefütjrt morben. 2)ie get)be felbft tt)ar nod) bei ßebjeiten itjreS 
«BaterS (Ulricb, I., f 1329) entbrannt, ^unäcfjft tarn eS 1331, am 27. ©ep= 
tember ju einem Pon ben SSePollmäcf)tigten Herzog Dtto'S Pon HabSburg : bem 
S3ifct)of SDietrict) bon ©urf, ben fteierifd)en ßiedjtenfteinern unb Herbegen bon 
^ettau berf)anbelten SluSgteictje. 1333, am 21. Suni beurfunben bie Herzoge 
Sllbrectjt II. unb Otto einen ©djiebfprucr) int ©treue fSfriebricb/S b. 20. (ber 
1329 auf einer <ßreufeenfat)rt begriffen mar) mit bem Ätofter ©t. $aul um baS 
ßanbgeridjt am 9temfd)nif, ben unter anbern aud) tfpre SBetter bon ber Singer unb 
(Snnfer ßinie, ©berljarb unb griebrict), fällen Ralfen. 

Utrtdj II. b. 30. , ber boraugStoeife als ßanbeSljauptmann ber ©teiermarf 
ju gelten b,at, fpielt als folctjer eine tjerborragenbe fftotte in ben Unternehmungen 
feinet Herrn, H er <J°9 Sllbvedjt IL, auf fauler 33oben, als bie (hmorbung beS 
Patriarchen Sertram (1350) biefeS ßanb mie fo oft in ein SBirrfal ftürjte. 
SDaS Parlamente beS fjriauter SlbelS rief ben $ab§burger jum ©eneralcapitän 
auS, unb biefer ertuett aud) bon Ä. J?arl IV. bie Sßollmactjt, bort Drbnung ju 
machen. 2>er Habsburger entbot feine ^jauptleute , Ulricr) II. b. 2B. unb bie 
beiben Slufenfteiner, nadj griaut unb mar entfdjloffen, ju eigenem Jöorttjeit bie 
©abläge auszunützen , toobon bie SSefetutng bon Gtarnien , SJenaone , ©emona, 
©an=3)aniele unb Ubine geugnift gibt. Dbfcfmn balb (noct) im $. 1350) ein 
neuer ^atriard) , 9ticolauS , ein natürlicher SBruber $. ÄarfS IV. , eingefe^t 
mürbe, erlangte bodj ber Habsburger bie SSeletjnung mit Söensone unb auf 
12 $af)re bie ßlaufe bafetbft mit ber einträglichen Etautt). 1351 unb 1354 
ftnben mir Utrid) II. im .fhiegSgefolge H er <S°9 2llovecr)t'§ II. , als eS aur $if)be 
HabSburgS mit pürier) fam. 1356 mactjte er bie s Jtitterf aljrt gegen ülrebifo im 
|>eere ßubmig'S I. mit, als biefer ben ihieg gea.en Söenebig aufnahm. 2Bir ge« 
magren Ulrid) (II.) aud) mieberljott ju biptomatiferjen ©enbungen Permenbet. ©o 
fcrjicfte Herzog 2Ubreä}t II. Anfang 1339 tt)n unb ben ©rafen Pon ^fannberg, feinen 
©ctjmager, nadj Nürnberg, um mit $. ßubmig bem Sßaier ein 33ünbnifj gegen 
Heinrictj bon 5lieberbaiern <ju bereinbaren. 1356, am 20. Februar lie^ H e ^og 
Sllbredjt II. bem äßalfeer eine 33ollmactjt ( ^ufommen, monact) er, ber ßaubenberger, 
ber ^udjtjeimer unb ^Jleiffauer ber ^aibung ämifdjen i?. Submig Pon Ungarn 
unb $. Äarl IV. beijumoijnen t)ätten. 1357, als bie nieberbairifdjen Herzoge 
©tefan unb Sllbert Battenberg (im heutigen STitol) belagerten, begab fict) Ulrid) 
b. 2B. buretj ©aljburg bab^in, um im auftrage Sllbrecljt'S II. für ben SluSgteict) 
3u miTfen. 

1357, am 27. ^Dlai erlangten U. b. 30. unb fein 33ruber (griebridj) einen 
tjerjogl. ©nabenbrtef , momit fie bie #efugmf$ ertjielten , gegebenen galleS alle 
tjer^ogtidjen ßetjen ib,ren Vettern, ben 2öalfeern ber anbern Siniett unb ib.ren 
©ctjmefterfö^nen ju bererben. Ulrict) (II.) ftarb um 1359. 

©ein Sßruber $ann$ mar bereits um 1342 unbermätjtt geftorben. griebrieb, 
fegnete 1362 baS ^eitlid)e, otme aus feiner @^e mit 2lgneS bon Äuenring ^acb^= 
fommenfetjaft ju tjiuterlaffen. ©o ftanb bie ©ra^er ober fteierifdje ßinie ber 
SSalfeer nunmehr auf ^roei Slugen, benn Ulrict) (II.) blatte einen einzigen ©olm 
ßb ertjarb ^intertaffen, bem mir fpäteftenS im Januar 1360 als SanbeSb,auptmann 
Pon ©teiermarf begegnen (1361, im s JJtai finben toir fetjon §Hbred£)t Pon $ud)= 
b,eim in biefer SlmtSftellung ) : ©ein 2ob fäüt fpäteftenS Por ben 6. Slprit 1363; ib,m 
toar (Slifabetb, bon 6l»uenring in finberlofer (jb^e Perbunben ; mit ilun fcfjliefet bie 



Sßoljee. 15 

fieietifcbe ober ©raaer ßinie ber Söalfeer ab, unb ber ©nabenbrief üom 27. 9ttai 
1357 trat nun in $ra?t, aunöcbft au ©unften ber ßinjer Sinie beS .gmufeä. 

(JtroaS fpäter erlofdj bie üierte, bie ©rofenborfer Stnie, begrünbet bon 

^riebricb ü. SB., t 22. 3uli 1318, betn wir an ber ©eite feiner 33rüber g&et- 

tjarb, ^einrieb unb Utridj, in roicbtigen 2lngetegent)eiten begegneten. Sie 

mürbe üon (Jberrjatb (f 1356), in aweiter @be (Satten ber ©räfin 2tgne3 üon 

Drtenburg, unb befjen 33ruber |>einricfi I. (f um 1365), fortgepflanzt , ber 

eine (Sbte üon 6t)ciau o. ßtjau ^ur $rau fjatte. $ener tjinterüe^ amei ©öbne, 

fjfriebricb (f um 1392), ber jtdj üon „^otenftetn" fcbrieb unb £>einrtcb, (II.), 

ber baä ^räbicat bon „Merfenftein" führte unb feine Otacbfommenfcbait tjatte. 

griebricb'S Softer, 2lgne§ unb ^otjanna, toaren, elftere mit .^einrieb üon &U 

fing, bie ameite mit $an üon ÜJtef critfd^ (Mäbren) üerbetratbet. 2)ie aat)lreicbe 

fta<i)fommenfc&a}t £einrtcb/3 I. jcfemola halt) aufammen. 33on 5 ©öfjnen ^inter= 

tiefe nur einer, <£)ann§ , einen männlichen ©proffen, Ulrich (f üor 1405), 

unb mit itjm , bem 33ater einer Softer ($att)arina) , jcfetof} ber Mannesftamm 

ber 2)rofenborfer Sßatfeer, bie mit ben Ferren üon ßiecbtenecf, ßippa, SKaibburg 

unb SDacbeberg üerfcbroägert erfctjeinen. — i^nsbefonbere gilt bie§ üon ben 

Äuenringern. ßeutolb'ä üon Äuenting=S)ürnftein (f 1355) ©emahlin mar 9ltt)eib 

(2tbelt)eib), ütochter ^etnrictj'ö ü. äö.=SDrofenbotf, bie bann in ameiter Sr)e ^benfo 

üon ßeipp (ßipa) %\im ©atten nabm , toabrenb feine 9Jlub,me iHara , ütodjter 

ßeutolb'3 IL (f 1348) mit fttiebrict) ü. 3ß.=3>rofenborj--$otenfiein üermäf)lt roar. 

Duellen: Ottofar'g fteier. föeimcbronif , I. 21. ü. 5{tea, scr. r. a. III., 

II. 21. üon ©eemülfer in b. MG. SS. lingua vern. V, 1, 2, (1893) u. Joh. 

Victor. Chron. (batn. Anon. Leob. Pez, scr. I) bei 23öbmer, Fontes r. germ. I. 

bie oe. JHofterannalen MG. SS. IX u. ©benborfer'ä Chron. Austriae (}>ea 

a. a. D. II). — M. Duellen: £traelinä ©ebicbt ü. b. ©cbl. b. ©öltbeim 

(1298) (23öbmer f. r. g. II.) unb „der strit ze Mtildorf" (1322). — 

23öbmer f. r. g. I. (ogt. Sobenecfcr i. I. @rgäna.=$be. b. SJlittr). b. 3nft. f. 

oe. ©. 1895), 5ßeter ©udjentoirt'ä Sßerfe, b. ü. ^rimiffer (SBien 1827), bie 

fl. ßlofterneuburger Sbronif 1322—1428, b. ü. Seibig (VII. 33b. b. 2lrd). 

f. $. oe. ©q. 1851); bie ital. 6br. a- ©efdt>. Dberitalienä u. ftriautä im 

XIV. 3bb. (Muratori SS. r. ital.) — Urff. 9tegg. a- ßid)nott>äfi'S ©efd}. 

be§ faules $ab#burg II— VIII, b. ü. Sit!; $. Stjmet, oe. ©efd)id)tßforfcber 

II; Materialien j. oe. ©efcbicbte; 9tegg. $. ftriebricb/ä IV. (III); «Rotiaen» 

btatt 1851, 1852, 1854 — üoraugSroeife burcb, Urf. j. ©efd). ber äöalfeer 

roicbtig. ©tüla, ü. b. ©djaunberger im Üiotiaenbt. 1854 u. SDenffdjr. b. äöien. 

2lfab. bift.^pb. Ä(. XII, abgefeb,en üon bem Urf. 2lnbange a- t>en 9Jiono= 

grapbieen ü. g. Aura: ©efcb. Oe. unter ben einaetnen tjaböb. ^jeraogen Deftet« 

reidjS unb ben Materialien in 9Jhictjat ; § ©efcb. beö |>a- ©teiermarf VI. — VIII. 

35anb. Äroneg, 5Die 5^eien üon ©anecf (©taa 1883). — 3)ie ©enealogie am 

bejten urfunbücb belegt b. 2UJ. |>uber a. a. £)., abgefef)en üon ben in 3eMer'3 

llniü.=2erifon , 52. 23b. (1747 Gol. 1795) gana unjulänglicben au§ Saaiug, 

^reuent)uber , |>übner gefcböpiten 9totiaen unb ^antbater'S unüerlä^ticber 2lt= 

beit (a. a. D.). lieber bie ©cfcbidjte beö ^pau|e§ ba8 99etreffenbe in ben be» 

aeid)neten SBeifen üon ^reuen^uber, Ann. Styrenses (1740), $• ©. Aura, 

ßicbnotosjfi, Ginnet, ©. ß. f^friebricb'ss 1—2, Mucbar 6—8, «Urife 

©. b. ß. o. b. 6. 1—2. (Sbelbactjer, SanbeSfunbe Oeftett. o. b. &., 2. 2lufl. 

(1883), ßaötnig, ©öra u. ©rabiäfa, 3üub. «pikier, II castello di Duino 

(Orient 1882, ©. 240-271 über bie SBalfeer) , ftnejj, ®ie ^errn üon 

Gbuenring (auS ben 331. b. 35. f. Sfbe. ftieb.=£)e. gef. abgebr. 1874, 2Qßien). 

— ©rbinger, ©efd). beg aufgeb,. 6ift. ©tifteg ©äufenftem (331. b. 35. f. Sb«f. 

9i.=De. X, 25 ff. «Rottaen ü. b. ^. £. ü. SBatfee). — Äanbler, Ueber bie 



IQ SBalfer. 

SlbelSfam. b. Söalfect, ©d&t. an %. dornet, im Wotiäbl. b. $. Slfab. 1853, 
©. 483. 5- ö. ßtoneS. 

Sfllfer: Gtjtiftopt) 9lnton 28., ^tieftet unb botatlberget Sidjtet, Wutbe 
am 9. Sunt 1783 ju 33tegenj geboten, «ftadjbem et bie ©djule feinet SSatet* 
ftabt mit (hfolg befucfjt Ejatte, beteitete et ftd) in ben $af)ren botÄ95 bis 1800 
an ben ©tjmnaften au gelbfitct) unb ßinj füt baS ©tubium bei $l)ilofopl)ie 
unb Geologie bot, baS et im 3f. 1801 in ^nnäbtutf begann unb bis jum 
3arjr 1806 bollenbete, in bem et in baS ©emtnar ju 9fteet§butg am SSobenfee 
aufgenommen mutbe. Wacrjbem et am 8. 9ftäta 1807 bie ^tieftettoeilje erhalten 
tjatte, mutbe er SSenefictat au ©t. ©altenftein in SBtegenj, too et bis jjum 
©ctjlufj feineö ßebenS blieb, ©eine Weitere ßaufbaljn als ©eiftlictjet btactjte itjm 
mandjettei Sefötberungen unb 9luSaeictjnungen, beten tjöctjfte bie Ernennung jum 
geiftlid)en fJtattj bon SStijen mar. <Sr ftatb am 28. 3Jtai 1855. 23B. war als 
©eiftlictjer bei ^ebetmann beliebt unb etmatb fid) namentlich um bie @iraiet)ung 
bet $ugenb 9 ro B e ätobienfte. SDafj et aucb, als 2)id)tet UngcroötjnlicljeB 
leiftete, blieb ben meiften unbefannt, ba er, bon wenigen 2luSnat)men abgefetjen, 
feine ©ebidjte ftetS nut anonym betöffentticrjte. drft nacrj feinem Stöbe erfaßten 
ein £t)ei( feines ftactjlaffeS im borarlberger SßolfSfalenber unter Slngabe feines 
«Jtamenä , toätrtenb bet anbete betloten obet betgtaben ift. 311S feine beften 
poetifctjen ßeiftungen, beten ©ntftetjung in bie «Dtttte bet ämanjiget Satjre fällt, 
gelten bie ©ebidjte: „bet gtüljting" unb bie ©tabttetterin „ßrjtgutta". 9für 
(eljteteS, baS auf eine Sötegenjet locale ©age autüdgetjt, toär)lte et, obmol et fid) 
beS borarlbetgtfctjen SDialelteS bebiente, bie $otm beS .^ejametetS. 20. Ijat 
aufjet munbaitlicf)en ©ebidjten aud) foldje in neurjocrjbeutfcrjet ©prad)e gefdjaffen, 
unb ätoat 3U einet 3eit, *°° ei ' bereits in tjöljerem 9llter ftanb. $u liefen neu= 
rjodjbeutfdjen ©ebidjten geböten bie Segenben ,$efuS unb bet 3ünmetgefeÜY' 
unb „Äinbetglaube an ben Zeitigen «JiicolauS", fotoie eine 9lnaat)l bon 9tätc)fein, 
füt bie et eine befonbete SSortiebe tjegte. ßeiber fetjlt eS bischer an einet ©amm= 
lung feinet ©ebidjte, bie itm als „einen Reiftet in bet poetifdjen ©djilberung, 
in bet ©ruppierung beS ©toffeS, fotoie in bet ®unft, mit meldet er als <£r= 
aärjler bie Sßetfonen äeid^net unb bie ^anblung bewegt", erfdjeinen laffen toütbe. 
Sgl. @. Söinbet, SMe botatlberget 2)ialeftbid)tung , SfnnSbrud 1890, 
©. 23—39. #. 21. ßiet. 

Solfcr: ©abtiel 30. , fcrjmeiaetifctjer reform, ©eiftlidjer , (Sf)ronift unb 
©eograpt), geboren am 18. 9Kai 1695 (a. ©t.) in 3Botfl)alben, ®t 2lppenaetl, 
t am 10. 5Jtai 1776 in IBernecl, Ät. ©t. ©allen. @t gehörte einet appenzell* 
au^ettobifctien ^farrfamilie an, bie bem ßanbe toärjrenb mehrerer ©enetationen 
©eelfotget liefette. ©cfjon fein ©to^batet, Äonrab 3Gß. bon trogen, mar 5ßfattet 
in Seufen; fein 33ater, ©abriet äß., ftanb 52 3at)te lang t^eitS ebenbott, tljeilS 
in SGßolfb^alben , im Slmte unb mutbe 1699 ®ecan bet abpen^ettifc^en ©eiftlid^= 
fett. 3)en etften Untetticr)t ettjielt er bon feinem SSatet im $farr!§aufe ju 
äöolfljalben. 3Jtit 17 ^a^ren bejog et bie Unibetfität, ftubitte aroei Sarjte in 
33afel, bann bei jiemlicf) unftätem, afabpmifcrjem Söanbetleben in 9Ratbutg, 
Tübingen, ^ena unb ^aße, legte 1717 in Safel bie trjeologifdje «Prüfung ab 
unb blieb tjierauf einige 3fab,re als Sanbibat im bäterlictjen J&aufe, bis itjn bie 
©emeinbe ©peidjet am 5. Wäx^ 1721 ju intern Pfarrer mätjlte. ©eine tljeo« 
logijdje SSilbung ging nirfjt in bie Stiefe, aber et entfaltete bod) eine nadjtjaltige 
Söitffamteit. 6r tjulbigte einem einfadj frommen Nationalismus, Inüpfte mit 
Vorliebe religibfe Setraditungen an bie 3Berfe ber «Jlatur unb fuc^te baS 33ol£ 
burd) baS SBeifpiel einer toleranten ©eftnnung unb einet Ijingebenben ptaltifcfjen 
Stb^ätigfett ju förbetn. 9Jtit (Sifet nab^m et fiel) beS ©djutroefenS an, unb gana 
befonbete ©oxgfalt mibmete et ben ©etfteSfranfen; e§ berbient b^erborge^oben ju 



Söalfev. 17 

treiben, ba& et ifjnen gegenüber bie 9lntoenbung üon 3 ro an gl maßregeln öerroarf 
unb als oefte Heilmittel fdjonenbe 33et)anblung, 3 er f Ireuun 9 unb leiste 2trbeit 
einpfatjt. s ftid)t orjne ßeibenfd)aft ftürjte er fid) in ben „ßanbtjanbel", ber 1732 
über ©egenfä^en politifdjer unb perfönlidjer 9latur aroifdjen ben üon ber Familie 
SQßetter in |>eriSau geleiteten „tjarten" unb ben an bie 3 e Hroeger in Strogen fid) 
anfdjliefjenben „linben" ©emeinben auSbrad) unb beinahe «jum Sßürgerfriege 
füljrte. @r trat in Söerbinbung mit ben interöenirenben @ibgenoffen, berührte bie 
SCßirren auf ber ßanjel, tief} fid) pr Söefdjimpfung ber ©egner rjinreifjen «. 
unb tourbe öon ber überlegenen Partei ber garten für bieje 23erger)en ju einer 
fdjatfen ©elbbufje üerurtljeilt , bie ifm um fo empfinblidjer treffen mufjte , als 
feine öfonomifdjen Söerrjältniffe infolge bei geringen SinfommenS unb beS 2luf= 
toanbeS feiner grau, einer gebornen 3oHi?ofer auS ©t. ©allen, or)ner)in gebrüdEt 
waren. 5£)iefe Erfahrungen unb bie unerquidtidje äujjere Sage mögen iljn be= 
ftimmt Ijaben, am 31. October 1745 bie :$farrfiefte in SSerned ju übernehmen, 
©ort berblieb er in rufjiger amtlidjer unb litterarifdjer Sttjätigfeit bis an fein 
6nbe. ©ein einziger ©otjn ftarb üor irjm in rjottänbifdjen S£>ienften. SDaS 
Sßalfer'fdje $aftorengefd)led)t rourbe burd) feinen älteren 23ruber, $onrab (f 1748 
als Pfarrer in ^jeriSau), fortgepflanzt. 

©d)on in ©beider füllte 2B. baS SSebürfnifj, fiel) litterarifd) au befdjäftigen. 
gür bie ^afyxe 1738 — 1745 fdjrieb er einen JMenber („2llter unb neuer 2Ippen= 
äeöer ©d)reib=6atenber") , in bem er burd) üerftänbige 23efpred)ung ber 9tatur= 
erfdjeinungen , burd) 23orfüt)rung gefdndjtlidjer ©egenftänbe unb burd) morali= 
firenbe @rjät)lungen auf baS 2)otf ju toirfen fud)te. 3Jnatoifd)en fammelte er 
in 2lrd)iüen unb 53ibliott)efen , in gebrudten unb ungebrueften Söerfen bie 
Materialien ju einer umfangreicheren b,iftoxifd)en Arbeit, bie 1740 in feinem 
eigenen Verlage unter bem Stitet: „ s fleue 2lppen3etter=(lt)tonid ober Sefctjreibung 
beS (SantonS 2Ippensett ber 3nnern= unb 9lufjern = 9looben" erfd)ien. SDaS ben 
reformirten Orten ber ©ibgenoffenfdjaft getoibmete 3Berf verfiel in einen geo= 
graptjifdjen unb einen rjiftorifdjen Sttjeil. %n jenem entwarf ber burd) jarjlreidje 
Söanberungen rooljtberufene 2Iutor ein 93itb öon ber „natürlichen 23efd)affent)eit 
unb gtegimentSöerfaffung" beS ßanbeS, fotoie ber einzelnen ©emeinben; in biefem 
fteßte er bie £anbeSgefd)id)te in djronologifdjer Slnorbnung öon ber römifdjen 
3eit bis auf feine Sage bar. S£)em ftattlidjen 33anbe mar ein Slnrjang mit Ur= 
lunben auS ben Satjren 1378 bis 1667 unb mit Seamtenüeraeidjniffen bei» 
gefügt. SB. rourbe ju feinem llnternerjmen burd) bie bis 1682 reidjenbe, nidjt 
eben pöerläffige „Slppenjeller Grjronif" beS Pfarrers 33artl)otomäuS 93ifdjoff» 
berger in Strogen angeregt unb beabfidjtigte , „eine gan^ neue, grunblid) unb 
unpartrjerjifctje, furj gefaxte öaterlänbifd)e |)iftorie" <ju fd)reiben. 5Dod) roar feine 
Slrbeit metjr nur eine ©rroeiterung unb gortfetjung , als eine roirflidje 3}er» 
befferung jenes älteren SöcrfeS. D^ne ben 3 u l amr n e nb,ang ber Singe ju er» 
faffen unb otjne bie urfprünglid)en Quellen öon fpätern 2luSfd)tnü düngen ju 
unterfdjeiben, reirjte er bie öerfd)iebenartigften 35erid)te fritüloS aneinanber, fo= 
bafe j. 33. feine S)arfteHung ber appen^ellifdjen S3efreiungSfriege ööttig öerfe^lt 
ift unb faft nur fagengefd)id)tlid)en Söertl; befi|t. dagegen bietet baS 2Ber! 
befonberS für baS 17. unb baS beginnenbe 18. SJatjrlmnbert eine gülte roitt= 
lommener, mit großem $U\§ aufammengetragener ^otijen, bie ib,m eine bleibenbe 
localgefd)id)tlid)e 33ebeutung fidjern. Mit bem ftulrjjatjr 1732 mu|te 9B. feine 
Gljtonif (üon ber ein <5pracr)ler)rer 3of. SufaS 2)ub in (Sbnat, Ät. ©t. ©atten, 
1825 unb 1828 eine neue, roertfjlofe Bearbeitung in 2 33änben herausgegeben 
^at) abbredjen, um nid)t burd) bie 33efd)ieibung beS un^eilöoUen 2anbl)anbelS 
neuerbingS bie ßetbenfd)aften ^u erregen. Srft lange nad) feinem Stöbe rourbe 

«ttßent. beutfefte SJtogropbie. XU. 2 



18 Söaljer. 

in Svogen (1829) bie über bie $at)re 1732—1772 fid) öerbrettenbe ftortfetjung 
als brütet %t)til ber Stppenjetter ßrjronil publicirt, bem bann ber um bie appen» 
äettifdjc SanbeSfunbe tjöd^ft öerbiente Dr. ©abriet 9ftüfd) nodj einen öierten, bie 
^arjre 1772—1798 umfaffenben SEtjeit (trogen 1831) folgen liefe. — f5früt> 
roibmete fidt) 23). audj geograpb,ifd)en arbeiten. $ür feine Gtjronif jeidjnete er 
eine fleine ffarte beS SanbeS Slppenjeß, bie ätoar in prtmitiöer gotm nadj 2lrt 
eines ^anoramaS angelegt ttrnr, itjm aber bodj einen getoiffen 9tuf Perfdjaffte, 
fobaß it)m auswärtige ^nftitute, roie baS ©eutter'fdje in 2lugSburg unb baS 
^omann'fdje in Nürnberg fartograpb,ifd}e arbeiten übertrugen, gür ©eutter 
lieferte er bie Kantone Supern, Uri, ©djrorjj, ©taruS, Slppen^ett unb ®rau« 
bünben. «ftactj <jat)lreicfjen Reifen, bie ficb, über bie öfttidje unb mittlere ©djtoetä 
unb über Ütätien erftrecften , refumirte er feine Beobachtungen in bem „Atlas 
novus Reipublicae Helveticae XX mappis compositus, Homannianis heredibus, 
Norimbergae 1769", fol. Unter Senutjung älterer ff arten Pon $ot). 3faf. 
Sdjeuctjjer, |>anS ffonrab ©tjger, SDaniel Srucfner ic. äetdjnete er in ben $ab,ren 
1763 bis 1768 15 «Blätter für biefen 2lttaS, nämlidj bie 13 Kantone mit 
2luSnat)me ©djaffljaufenS, bie fürftlid) ©t. ©attifctjen Sanbe, ©raubünben unb 
SBatttS. ©te beruhten nictjt auf eigentlichen Sermeffungen, fonbern größtenteils 
auf bloßen ©djätmngen unb touriftifdjen 2öal)rnel)mungen, laffen aber immerhin 
fotool in ber 9tict)tigfeit ber Einlage als in ber 2)arftellung einen fleinen ?5fort= 
fdjritt gegenüber ben ©d^eucrjjer'fctien harten aus bem Anfang beS 18. $at)r= 
tmnbertS ernennen, unb baS gan^e SBerf erfreute fiel) einer großen Verbreitung. 
„3ur (Erläuterung ber ^omannifdjen (Stjarten", fdjrieb 28. eine „©d)roeifjer= 
©eograpfjie famt ben ^cerfroürbigfeiten in ben 2ltpen unb tjoljen Sergen", bie 
1770 in 3üridj, gteicbjeitig in Dctaoform unb, als Seigabe für ben SltlaS, 
in einer OfotioauSgabe erfcfjien. SB. bejeicrjnet biefeS 2Berf als ein Sompenbium 
ber großen ©taatS= unb Srbbefdjreibung ber (Eibgenoffenfdjaft oon $ot). ffonrab 
gfäfi (f. 21. S). 33. VI, 578). 2)od) l)at baS 5. Kapitel: „Eon ben 9Jterf= 
toürbigfeiten in ben ©d)iüeit}er=2llpen unb t)ot)en Sergen", foroeit e§ auf feinen 
perfönlicfjen Erfahrungen berutjt, einen felbftänbigen äöertt); im übrigen f fließt 
er fidj an ©djeudjjer unb befonberS an ©ottlieb ©tegmunb ©runer (f. 21. S). S. 
X, 40) an. ftür ben ätoeiten Sanb beS 1760 erfcfjienenen ©runer'fdjen äßerfeS 
über bie (SiSgebirge beS ©d)tDei3ertanbeS t)atte er bie «ßrofpecte beS „©leifdjerS 
auf Sernina" unb beS „©letfcrjerS auf bem rjoljen ©äntiS" gejeidmet. 

S)ie roicrjtigften ßebenSbaten geben bie 2tufjeicrjnungen in einem 2lrcb,tD= 
banb (ftamilienbudj) ber eöangelifdjen ©emetnbe Sernecf. — SiograptufdjeS 
über Söalfer finbet fiel) im aippenjettifctien 9JconatSbtatt, 2. 3ar)rgang 1826, 
9fr. 8 u. 9 (Pon Pfarrer Sandiger in trogen) ; bei S. Sanner, ©peidjer im 
ffanton Slppenjea (Xrogen 1853), unb in ben Stypenjettifcljen ^rbüctjern 
1854. 3m 7. |)eft ber 3. golge biefer Sa^tBü^er (Jrogen 1895) finb 
einige feiner Sriefe an 2lbt Sofepb, oon ©t. ©allen unb an ben Stifts- 
bibliottjefar Setter bureb, Ä. bitter mitgeteilt. — lieber feine tjiftorif^en 
unb geogtaptufd&en arbeiten Ogl. ©. b. äörjß, ©ef^ic^te ber ^iftoriograpb^ie 
in ber ©cfjtoeij (fürtet) 1895). — S. ©tuber, ©efd)ict)te ber p^üfifcb.en ©eo- 
grapb.ic ber ©c^toeij (Sern unb 3üridj 1863). — «Jiub. SBolf, ©efc^idtjte 
ber Sermeffungm in ber ©d)rüet3 (gürtcl) 1879). „ ^ , 

3. ©tcrauer. 

Salfcr: y]o 30., Senebictiner ju ©t. ©allen, geboren 1723, tjat 1767 
bis 1782 einige fleine (SrbauungSfctjriften Peröffentlicbt. äßenn ff. SBerner, 
©efd)icbte b. fatb,. Stjeologie, ©. 90 irjn unter ben „^eripatetifern beS beutfetjen 
ScuebictinerorbenS nennt", fo beruht bieS auf einer SertoecrjStung mit Solum- 
banuS So., ber, geboren am 24. Sluguft 1735 ju grling bei SlnbedjS , 1761 



SBalter. 19 

p Augsburg Senebictiner, 1765 ^itefter rourbe, bort 1770—72, big 1779 an 
ber 33enebictinetuniberfität 311 ©aljourg ^itofop^ie lehrte, bann Sßropft ju 2ietj= 
tjeim toutbe unb ju 2lug§burg am 7. 2Iuguft 1788 ftarb. 6t t)at „Epitome 
philosophiae primae s. notiones ontologieae universaliores" (©aljburg 1762) 
unb einige fteinete pljitofopl)ifd)e ©Stiften beröffentlicfjt. 

Sinbnet, SSenebictiner 2, 122. 9ieufd). 

kalter: getbinanb SB., liöläubifdjet 5ßtebiget unb ©enetalfuperinten» 
beut, geboren in äöolmar am 30. ©eptember 1801, ftammte au§ einet bürger* 
lidjen Familie, bie feit bet IJcitte beä 18. 3at)if)unbert§ in föiga anfäfftg roat. 
28alter'§ 33atet roat 2ltjt, juerft in ftiga, fpäter in bet flehten im -§>etjen ßib= 
lanbS gelegenen Sanbftabt SBotmar, bie in bet Dtben§,}eit eine grofee 23er- 
gangenfjett gehabt tjat unb nod) fjeute mit ben bürftigen heften beS üon ben 
töuffen jerftörten OrbensfdjloffeS an gefunfene ®töfee gemalmt. Unter fünf^e^n 
©cfd^roiftevn roat gevbinanb 3B. ba$ breijetjnte. 9Iufeer irjm tjaben fid) jroet 
ältere 33rüber Flamen unb 2lnfeb,en erworben : s $ier8 al§ bebeutenber ^rauenarjt 
unb 9Jtenfd)enfreunb , Julius al£ £r)eologe , Beibe at§ ^rofeffoven bet 2anbe8= 
uniüeifität mit ifjrem SBirfen in 2)orpat rour ( \elnb. fjferbinanb , ein berber, 
fräitiger, ferngefunber $nabe, toud)§ im elterlichen £mufe fjeran, juerft üon feiner 
©d)toe[ter unterrichtet, bann in bet 93ttrgerfd)ule feinet Sßaterftabt, jute^t im 
©rjmnafium ju SDorpat, roo beffen SDirector SRofenberger auf feine moralifd)e 
toie inteüectuette SBübung oiel Sinflufe chatte. 3>m IDecember 1819 rourbe er 
a(3 ©tubent ber £t)cologie in ©orpat immatriculirt. üDie bürftige 33efefcung 
ber trjeoiogifcfjen gacuttät ^roang 20., roie er felbft einmal bekannte, jum ©elbft» 
ftubium. „ s JJtein ©tubiren", fo fdjrieb er, „roar meiftenttjeitä ein fleifeigeä 
©ammetn öon .Renntniffcn unb Materialien im gelbe ber ttjeologifcrjen 5Di§ci= 
ptinen unb mangelte einer redeten ßeitung, bie in biefer 3 e it rooljl öornefjmtid) 
9totf) ttjat". 3ln bem flotten ©tubentenleben natjm er regen kntfjeil; feine 
33emütmngen aber, eine allgemeine 53urfd)enfd)att äu gtünben, waten Oon Dauern* 
bem Srfolge nid)t gefrönt, ©ic fdjeiterten an bem >}>articulati3mu3, bet bamalS 
in S)orpat in jebet ©eftalt übetroog. üDie allgemeine 33urfdjenfd)aft rourbe 
aufgehoben unb 2ö. ber »eitere 2lufentl)alt in 2)orpat öerleibet. (Sine im $aljr 
^uOor über 2lbo nad) ©djroeben unternommene Serienreife, rootjin itjii petfönlidje 
SBejieljungen roie ber gefdjidjtlidje Sufainmenljang biefe§ SanbeS mit ber liö* 
länbifdjcu «gjeimatf) führten, tiefe ben 6ntfd)lufe reifen, ba§ afabemtfdje Sriennium 
in Slbo ju befdjtiefeen. «g)ier traten abet bie tfjeologifdjen ©tubien tjintet bie 
ptjilofoptjtfdjen unb fprad)lidjen äutüdf; auf ©runb einer pt)ilofopr)ifd)en Arbeit 
rourbe er promoüitt. 3m Sfrütjiatjt 1823 fefrrte er nad) Siötanb jurücf, um 
fid) für ba§ (Sonfiftotialej;amen üotjubeteiten , im Januar 1824 beftanb et e£. 
©eine Einlagen roiefen itm auf ben 33etuf bc§ ©eiftlid)en. ^unädjft aber ent= 
fdjieb et fid} bod) füt einige ^atjte päbagogifdjet Stjätigteit : et routbe ^>au§- 
leljrer in ber goroilie be8 SanbtatfjS ö. ©iOet§ ju .Ipeimtrjal bei geUin unb 
blieb e§ btei Sfatjte lang. @t aärjlte fie ^u ben teid)ften feines 2eben§ , bie 
päbagogifdje ütrjätigfeit gewann et lieb, bod) leljnte et ba§ anerbieten Gilbert 
DoÜanbet'S, beö eifatjtenen s $äbagogen unb ©djüterä Oon 3fal)n , mit if)tn ge= 
meinfam bie Seitung einer SrjierjungSanftalt ju überneljmen , ab , in bet feften 
Uebetjeugung, bafj fein öeben§betuf im geiftlidjen ©tanbe liege. 

2B. Ijatte genug an bem Set)tettf)um bteiet 3at)te; er fdjreibt: „eg trat 
ba§ SSebütfnife nad) fteiem ©tubium 3U ftatt roiebet T)erüor, alö bafj idj länget 
t)ätte ßet)rer bleiben fönnen". Sr unternat)m ein längere 9teife nadj S)eutfd)^ 
tanb unb liefe fid) in Sßerlin immatriculiren. ©in ocit lang rooljnte er mit 
feinem Neffen, bem fpäteren berüljmten f)aEifd)en ^itofopb.en ©buarb (Jrbmann, 
aud) einem roolmarfdjen Äinbe, jufammen. 20. tjörte fletfeig bei ©djteiermadjet 



20 SQßalter. 

unb fd^ricb nacf), bafj ir)tn ber 2)aumen bertaubte, bei Jpeget fjörte er ©efdjidjte 
bet $rjilofobt)ie, ßogtf, *Pft)ct)ologie unb 2lntf)robologie, bei fteanber Gtjarafteriftif 
beS apoftolifdjen Zeitalters, ^atrifttf, ^vaftt|d£)e Geologie unb 2)ogmatif. 9lber 
auct) in ©djaufjnetrjauS unb Oper war er rjäuftg anzutreffen nacf) ber regen 
Slrbeit bei £ageS. 9iacr) Slbfctjtufj ber ^Berliner ©tubien mactjte 2B. nodj eine 
päbagoflifd£)e Steife burct) ^reufjen unb ©adjfen unb lernte bie Drganifation beS 
beutfdjen SJolfSfcljulwefenS fennen. $n $ena, bei grau 0. äBoljogen, fat) er 
©oettje unb 2Bitt)elm b. ^utnbolbt. 

3u @nbc bei $af)reS 1828 fcrjrte So. nacf) ßiblanb aurücf, belebt bon ben 
reiben (Hnbrüden, bie er in 2)eutfctjlanb, bor allem in SBertin, gewonnen tjatte. 
ßr fcrjreibt barüber: „Sdj lebte ein 3faljr in SSerlin. ©rofjen ©enufj unb tetdje 
©cfjätje für meine intellectuclle 33itbung boten mir tjier ©cfjtetermacfjer unb 
&egel. SöaS ein regeS wiffenfcfjaftlidb/S ßeben, nictjt eines einzelnen *ütenfcfjen, 
fonbem einer Unibetfität, eines SanbeS fei, lernte idj in ^Berlin erft fennen, 
tüte bie 9flacr)t fcrjätjen, bie eS auf jeben ausübt, ber bie SBiffenfcfmft nur irgenb 
liebt", 3m ©öätljerbfi 1829 trat 2B. fein erfteS Pfarramt in fteuermürjlen in 
ber ftäfje bon 9tiga an. SDaS 5ßfarrr)auS War ibr/ttifcf) am Ufer eines ©eeS 
gelegen, bom ©arten umgeben. SDer SStidf ging aufs SBaffer unb feine walbigen 
Ufer. 2)ie Sauerfdtjaft natjm ben neuen ^aftor mit Vertrauen auf, unb er 
bergalt eS mit Warmem -gerben, lieber bie frönen neuermüfjlenfcfjen 3af)re ^at 
Söalter'S Stacfjfolger im ^3rebigtamt, tropft SDöbner, uns in feiner biograbrjifcr)en 
©fijäe SBalter'S einen mit worjltljuenber Söärme gefcrjriebenen 33ericf)t fjinter» 
laffen. „Seine bielfeitige SebenSfenntnife", fcfjreibt SDöbner, „fjatte itjn bie 
«Ulenfdjen in alter itjrer ©crjwäcrje unb ©ünbfjaftigfeit fennen gelehrt. @r fjatte 
ben Sinflufe erwogen , ber in ben äujjeven Serfjältniffen liegt unb in ber Siegel 
um fo größer ift, je angeftrengter ber Äampf um bie ßebenSbebingungen unb 
SSebürfnifje fict) gestaltet. @r fannte feine ©emeinbegtieber unb ftanb ifmen 
nat)e, $m ©efprädfje mit ben ßeuten beobachtete er immer eine rutjige, ernfte 
Haltung unb wenbete gern jeben ©ebanfen auf baS religiöfe ©ebtet hinüber, 
digentrjümticb, toar eS i|m, bafj er ftdfj nicfjt forool biblifdtjer 9tebeweifen unb 
SluSbrücfe bebiente, als bielmef)r auf fonftige äöeife baS ecfjt ßfjriftlidfje fjer« 
borfjob. ©r ftetCte fidj unter bie fctjlidfjten ßeute als ein Slrmer unter bie 
Slrmen, als ein ©ünber unter bie ©ünber, als ein JpeilSbebürftiger unter bie 
|>eil8bebürjtigen, unb umfafjte aEe mit gleicher ßiebe. S)er geringfte Stagelöb,ner 
fanb in ifjm ein toob,ltt)oIlenbeS ©ntgegenfommen". 

Äranfenbflege unb ©djulroefen getjbrten ju äöatter'i fcrjtoerften ©orgen. 
2118 2^bf)u8 unb ©djarlactj in feinem ^irogfbiel toütljeten, blatte er unauSgefe^t 
Äranfenbefud)e au madtjen unb mürbe felbft bon fdgtoerer ^ranffjeit befallen. 
S)er untenicfjtslofen Äinber naljm er fiel) an, inbem er fie in fein $au$ jog 
unb fie unterrichten liefe. Stur Wenige Satjre blieb er in Sleuermürjlen , benn 
als (Sbuarb (Stbmann 3Botmar berliefe, um fidj naef) furjer faftoraler äßirffam» 
feit ber afabemifeljen ßaufbafjn ju roibmen, tourbe SQÖ. fein ftacfjfolger. Sm 
Srü^jaljr 1833 fiebelte So. in bie SBatcrftabt über, wo ein 3a^r ä"bor (Srb- 
mann feinen (Sb/bunb eingefegnet Ijatte. S3on 1833 bis 1855 ift So. „ber 
SPaftor bon äöolmar" getoefen, beffen l)ocl)ragenbe ©eftalt, Ieibenfdt)aftiid)e 95e= 
rebfamfeit unb energifc^e Stt^rung fiel) unauSlöfdjlidt) feiner ©emeinbe eingeprägt 
tjaben, au ber nid)t aEein bie ©tabt gehörte, fonbem meljr als actjttaufenb 
lettifcfje gingepfarrte , bie über ein ©ebiet bon biet leiten berftreut woljnten. 
9leun 3al)re lang arbeitete ber neue 5ßaftor an ber Drganifation feiner ©e= 
uieinbe. 6r befämpfte ben Ginflufj ber ^errnljuter, bie mit ib,rem religiöfen 
5Profetbtentfjum Un^ufriebeutjeit unb ^eudtjelei berbreitet Ratten, unb War über» 



aßalter. 21 

tjaupt bet bemegenbe 9Jtittelbun!t feiner ©emeinbe nidjt nur auf geiftlidCjem unb 
geiftigem, fonbern aud) auf jebem anberen ©ebiete. 

,,2lud) in 2£olmar war 233.", mie fein jüngfter unb grünblidjfter SHograptj 
iljn fdjilbert, „in erfter Sinie Sanbbrebiger , ein ^aftor ber Säuern; aber er 
mar ei in grofjem Stil, unb alle Gräfte feiner 9latur maren babei bott in 2ln= 
]piü<$) genommen." SDie ÜJlad^t feiner 9tebe mar gewaltig, unb roeber <£>odj 
nod) 9liebrig tonnte fidj itjrer beftridenben ©eroalt entaiel)en. 3>n bcn Saferen 
1842 Bis 1848, in einer 3eit, too bie griecrjifdje ^ropaganba in ßiblanb bie 
ebangelifctje ftreitjeit bergeroaltigte , mar So. berufen, als 9ftitgtieb beS ebange= 
lifdHutrjerifdjen ©eneralconfiftoriumS (Dberconfiftorialratrj), ber t)ödjften $ird)en= 
beerbe bei ruffifdjen 9ieicl)S, bie Sntereffen ber lutt)erifcr)en Äircrje ber Dftfee* 
brobinjen ju Vertreten. 233ieberb>lt mufjte er in jebem ^arjre längeren 9tufentrjalt 
in ©t. Petersburg nehmen. 1)JHt ber ifjm eigenen ^uvcrjtlofigfeit t tQ t er für bie 
$trd)e feines SanbeS ein. 3>n ben erften Petersburger ^atjren erfdfjöbfte ficr) 
333alter'S Sttjätigfeit barin, ben burd) ßift unb betrug jum SIbfalt com ebange* 
lifctjen (Stauben getriebenen ^roteftanten bie 9iüdfet)r in ifyre $ird)e p ber= 
fcfiaffen unb bie ernftlid) beabfidjtigtc ^erabmürbigung ber ttjeologifctjen fjfacultät 
in Sorbat ju einem ^rebigerfeminar ju hintertreiben. Se^teres gelang banl bem 
imbonirenben (JinbrudE, ben 233atter'S ^erfönlicrjteit auf bie Umgebung JTaifer 
9ticolauS ; ausübte, ©a 233. jum Äaifer über bie 23ebrängnifj ber lutrjerifdjen 
$ird)e unb ©eiftlidjfeit nidjt reben burfte , fanb er ©elegenrjeit , bem $önig 
^riebridt) 233ilf)clm IV. bon ^reufjen bei beffen 2lnmefenr)ett in Petersburg bie 
Sage beS ßutljettljumS in Sibtanb eingeljenb jit fdjilbern. S)er $önig äufjette 
too|tmoHenbe £b>tlnaf)me, fie ju betoeifen füllte er fiel) aber aufjer ©tanbe. 

3n ben meiteften Greifen ber 9tefibenj mürbe 233. burdj bie ^rebigten be= 
fannt, ju benen irjm bie ^auptftäbttfc^en ^aftoren ttjre Äanjeln liefen. 3u 
ifmen aber brängte fid) nidjt allein bie enangetifdje 23ebölferung Petersburgs, 
fonbern felbft rufftfetje 9JUnifter mie ber beutfc^feinblidge llmarom unb 2lnber= 
manbte beS ÄaiferfjaufeS. ©ie maren ein Qüreignifj in ber föefibenj unb Sage 
lang allgemeines ©efbräcfjStrjema , bem Sßrebiger felbft aber, toie er einmal be» 
fannte, eine Suft. greilid) meinte er, er muffe „bei ben berfdjiebenerfeitS auf 
feine 233orte tjörenben Dtjren unb bem oft ganj forrubten Söieberer^ätjlen ber= 
felben ftetS jet)r gefbannt aufmerffam madjen", um feinen ©egnern feine 233affe 
in bie £anb 3U geben, benen bie brecfjenb bollen $ircb>n, mo 233. bor SLaufenben 
prebigte, ju benfen gaben. „(SS fdjeint mir eben foldger Saumel ju fein", 
fdjreibt 2B. , ber fid) nietjt einmal für einen föebuer b^iclt, „mie baS Saufen 
unfrer armen 33auern jut gried)ifd§en ^ird^e einer ift; nur ba^ eS Ijier bie 23er= 
ftänbigen gleid) mie bie armen lettifd)en ©olbaten erfafjt, unb ©riechen unb 
Äatrjolifen mit Lutheranern p Waffen berfammett in baffetbe tut^erifdje unb 
roarjrlidj eb^rlid^ lutljerifcrj bebiente ©otteSb^auS". S)er gortbeftanb ber lutlje= 
rijrfjen Äirdje in Sibtanb, moran 233. feine befte ^raft fe^te, blieb nodj immer 
bebrotjt. @rft bie Ernennung beS dürften ©umorom jum ©eneralgouberneur 
bon Sib-, @ftt»= unb Äurlanb liefe beffere 3eiten erhoffen. 233alter'S 3:b;ättgfeit 
in Petersburg fanb aber fetjon 1848 iljr ®nbe, benn bon ber griecfjifdjen ®cifl« 
Udjteit megen einer letttfdjen ^rebigt, in ber er fie beleibigt t)aben follte, in 
einen ßriminalbrocefe bermidett, fonnte er nad) ben beftetjenben ©efetjen nidjt 
pr Tteuma^l fommen. UebrigenS mürbe ib^m Ijiefür gtänjenbe ©enugt^uung ju 
tbeit. 5lngeficf)tS ber ©ericr)tSbet)örbe ftürjten bie bon griecrjifcfjeu ©eifttid^en 
berfül)rten Slntläger , nadjbem 233. feine incriminirte *prebigt micberljolt fjatte, 
jur (Srbe, umfcb^langen beS 5ßaftorS .ß'niee unb riefen laut unb mit ütfjräuen in 
ben klugen : „2Bir f)aben gelogen, i^rjr l)abt baS niemals gefagt, mir miberrufen 
unfere 9lnflage unb netjmen fie jurüd". ©elbft in einem auStänbtfdjen 23abe= 



22 



SBaltcr. 



orte follte bie eminente föebegctoalt beS lit»(änbifcf)en LanbpaftorS ungeahnte 
235irfungen eraielen: im ©ommer 1849 aur Gur ,tn üartSbab fidj auftjaltenb, 
fjielt 233. eine föeitje bon ^rebigten , benen bie fjödjften Greife bet ©efeEfd^aft 
anbädjtig taufdjten, unb legte burd) 400 ©ulben, bie er fammette, ben erften 
(Srunb jum 23au ber ebangelifdjen ßirctje. ©einer toolmarfd)en ©emeinbe toieber 
ganj jurüdfgegeben , übte er in alter Jhaft feine feetforgerifdje Sttjätigfeit auS. 
daneben naljm er ben regften 9lntt)eil an ben arbeiten ber liblänbifdjen 
^rotiinjiatjtjnobe. 2Iuf feinen Antrag tourbe ein Serjretfeminar für ^eranbilbung 
Don 33olfSfdmtter)rern begrünbct. 2Iud) in abftracte tt)eotogifd)e Materien Der» 
tiefte er ftd) unb tjielt Vorträge barüber auf ben ©tjnoben. Seine ßrfatjrungen 
über baS praftifdje 233irfen ber ©eiftlictjen legte er in bem ©efcrjäftSfalenber 
für tiblänbifdje Lanbgciftlidje nieber, beffen erfte Lieferungen als ©ratulationS* 
fdjrift an bie ttjeotogifdEje gacultät jum fünfaigjätnügen Jubiläum ber 2)orpater 
liniberfität (1852) erfdu'enen; fie finb teibcv ein £orfo geblieben. 

3}m 3f. 1855 tourbe 233. jutn liblänbifdjen ©eneratfuperintenbenten ertoätjlt 
unb bom ßaifer SUejanber II. in biefem 2lmte bcftätigt. 3n ben 9lubienaen, 
öie er beim $aifer unb ber $aifertn tjatte, brachte 233. bie fird)licr)en 9totl)ftänbe 
bor, ber Äaifer berfprad) tool, bie «klagen ber Libtänber in 3 u tunft felbft au 
tjören unb au entfdjetben, er mißbilligte aud) baS in ben $robinaen ©efdjeljene, 
es rüdgängig au mactjen erflärte er inbeffen für unmögtid). ®ie (Jrfolgtofigfeit 
aller feiner bieten 5JtÜc)en brüdte 23). iief tjerab, bennod) mußte, wie ©umoiow 
eS trjat, an ber lleberjeugung feftgetjalten werben, baß ber ßaifer au künftigerer 
3eit alles gewähren würbe, wenn itm augenblidltd) anbere 9tüdfid)ten baran 
rjinberten. (gift ber 23efud) beS SbronfolgerS in Liblanb im 3. 1860 bradjte 
einen roirflidjen (Sirfolg. 233. tjatte fidj merjrfadjer ^eidjen beS faiferlidjen 233ot)l= 
wottenS jju erfreuen, unter benen bie 33erleit)ung ber 233ürbe eines ebangelifdjen 
23ifd)ofS obenan ftanb, eine SBenbung ber firdjlidjen 33errjä(tniffe , roie fie 23). 
erftrebt tjatte, trat erft nad) feiner Sßerabfdnebung ein. 

3»» ben Obliegenheiten beS ©eneralfuperintenbenten gehörte aud) bie , bei 
Eröffnung ber Lanbtage ben ©otteSbienft ju galten. S)ie bon itjm am 9. s Utärj 
1864 gehaltene Siebe tourbe Don ber böswilligen IftoSfauifdjen 3 e üung, °i £ bie 
Regierung bet)errfcf)te , als baS „Programm ber ftaatSgefäfjrlidjen liblänbifdjen 
©ermanifirungSpartei" beaeidjnet. ©et moSfomitiftfje ftüfjret $atfoW blatte nun 
einmal bie Lofung ausgegeben, baß ben confefftoneflen 23eftrebungen ber Oftfee» 
probi^en nidjt baS 233efen berfelben , fonbern eine polittfdje S£enbena , bie ©er* 
manifirung unb LoStrennung Don föußtanb, au ©vunbe liege. s 3lüe ßntfdjulbi» 
gungen unb grftärungen ber ßanbeSberhetung blieben fruchtlos. Sie ©taat£= 
regierung, ber ^aifer an ber ©bitje, beitangte jur ©ütjne beS ©efdjet)enen ein 
Dbfer. 3{n fdjonenber ^omt tourbe 233. feines 5tmtS enthoben, unter 23elaffung 
feines bollen ©etjättS als lebenslänglicher «penfion. ffite legten Safyxe beliebte 
er in Sorpat. gr ftatb ptö^lid} infolge eines ^erjteibenS am 29. ^uni/11. ^uli 
1869 am tiblänbifdjen ©eeftranbe. 

(3. 233alter,) 23ifd)of Dr. fterbinanb Söalter, weil. ©eneral»©uperintenbcnt 

bon Öiblanb. ©eine ÖanbtagSprebigten unb fein Lebenslauf. Leipzig 1891. 

— (31. 2)öbner,) 23ifd)of Dr. gferbinanb 233alter. Gin futjer abriß feines 

SebenS unb 233irfenS. (Stfenad) 1870. — 3. ©darbt, 9tuffifd)e unb balttfdje 

Gt)arafterbilber. 2. 2lufl. ßeibjig 1876. 

Slrenb 23ud)b;ol^. 

kalter: ^fetbinanb 233., geboren au äöefclar am 30. 9lobember 1794, 

t au Sonn am 13. Secember 1879. ©ein Sater grana «Dlottin 233. mar 

#offammerratlj in S)ienften beS dürften bon ©alm-©alm in ©enoneS (Sßogefen) 

unb berfal) biefe in 233e^lar feit ber Ginbcrleibung beS LänbdjenS in ftianfretdj. 



Sößatter. 23 

2llS ßinb bon brei ^afjren tourbe er bon bem |>unbe beS ©eneral -!pod)e inS 
®efid)t gebiffen , bie grofje 9larbe blieb; am 21. 9Mta 1802 ftürjte et bon 
einem Ijoljen ^>euji$obpen auf baS ^ßflafter, bie 5£)epreffion am ©cfjöbet blieb. 
3m 2)ecember 1802 fiebelte feine 93tutter mit ben j?inbern nad) 2)üffelborf, too 
er bis 1805 ben erften Untetridjt genofi unb fjäufig in bie ©atetie fam, fo bafj 
er nadj eigener 6r3ät)tung 1841 in ber 9Jlündjener „bie 9ftembranbtS , 9tubenS 
unb anbete ©emälbe auf ber ©teüe toie alte Befannte begrüfjte" ; für einen 
Änaben öon 8 Salden fidjerlic^ biet. Bon 1805—1809 befudjte er bie lateinifdje 
©djule in 9Mlf)eim a. föfjein , too er am 26. $uli 1806 Don einem ©trotdje 
in8 ftreie gelotft unb ber Utjr beraubt tourbe, ber ©trold) tourbe aber fofort 
gefangen; im folgenben 3at)te toatf itjn ein ^ßferb ah, eS blieb aber bei leisten 
Verlegungen. Bon 1809—1813 lernte er in ßötn, too er am 9. Sunt 1811 
all bereut in bem 3feftjugc au ftapoleon'S Stjren mittoirfte. 3m ftobember 
1813 ttat et als greitoilliger ein unb machte bei einem Äofafentegiment ben 
Öfelbjug bis jum (Jin^ug in $ariS mit unb erhielt baS ©eorgenfreuj 5. Staffe. 
$m -iperbft 1814 ging er auf bie Uniberfität «gjeibelberg , too er befonberS mit 
Garobe (f. 21. S>. B. IV, 7) bejreunbet toar. 21m 10. «uguft 1818 er* 
langte er ben jurifiifdjen 2)octorgrab , las im folgenben Sßinter als ^ßribat* 
bocent, erhielt aber einen 9luf an bie neu gegrünbete Uniüetfität ju Sonn, roo 
et Oftern 1819 ju lefen begann unb bis pm (Jnbe beS ©ommerfemefterS 1875 
als ßetjrer tfjätig toar, obrool in ben legten bier $arjren faft erblinbet. @r las 
juerft ^anbeften, bann bis 1836 fran^öfifc^eS Gibitredjt, baneben, be^to. fpäter 
(Sncrjff opäbie , römifdje $ed)t§gefd)id)te , Äirdjenredjt, 9taturrcd)t, Botfervedjt, 
beutfdje 9led)tSgefdjid)te unb beutfcrjeS *ßribatred)t. ßitterarifd) tjat er junädjft 
butd) feine 2ef)tbüd)et beS ^irdjenredjtS (14. Slufl., letzte bon ©erlad) bearbeitet), 
ber beutfdjen 9fted)tSgefd)id)te (2. 2lufL, 1858), beS beutfdjen ^tibattecrjtS (1855), 
bet römifdjen 3ted)tSgefd)id)te (2 Bbe., 3. Slufl., 1860 fg.), juriftifd)e @ncrjcto= 
päbie (1856), 9taturreci)t unb ^olitil (1863) eine Sfjätigfeit entwickelt, toie fie 
faum ein jtoeiter $urift auftoeift. 2lße biefe Büdjer finb — bie beutfdje 9tecr)tS= 
gefd)id)te allein toeift biele fetbftänbige arbeiten auf — Ijödjft gefdjidte, gut 
gefdjriebene unb lesbare (Kompilationen (über baS $ird)enred)t tjabe id) mid) 
a. a. £>. eingetjenb auSgefprodien) , bie bem Berfaffer einen toeiten 9tuf, trjeit* 
weife burd) lleberfetmngen berfd)afft tjaben. ©ein „Corpus juris germanici" 
(1824, 3 Bbe.) gibt nur 2lbbrürfe auS früheren Srurfen; „2)aS alte äöaleS" 
(1859) ift eine intereffante Arbeit, beSgleidjen „£>aS alte (Srjftift Äöln" u. f. to. 
(1866). 2)ie fonftige litterarifdje S^ätigfeit befd)räntt fid) auf bie Bearbeitung 
ber neuen Auflage bon 5Jtaurenbred)er J S S5eutfd)em SßriDatrecrjt (1840) unb 
einige 33rofd)üren. 3n oer $olitif toar 2B. nur fur^e S^ü t^ätig, nämtid) Dom 
•üJtai bis ^ecember 1848 als 9ftitglieb ber 9iationalöevfammlung in Berlin, too 
er ber Ütedjten angetjötte, unb öom ^ebtuat 1849 bis jum ^anuat 1850 als 
s IRitglieb bet erften Kammer. @r tjat feine @inbrürfe unb 5lnfd)auungen in 
ben in feiner ©elbftbiograprjie abgebrudten Briefen an feine ftrem ber 9tad)toett 
aufbetoal^rt. 2)ie bon itjm im S- 1850 31t Bonner ßoüegen geäußerte 2luSfid)t, 
baS itjm bon gtiebrid) SGßiltjetm IV. angebotene ^uftiäminifterium ju erlangen, 
^at fid) nid)t erfüllt. Bei ben Bertjanblungen in ber Kammer toaren eS bor» 
jüglid) bie 5lrt. 11 unb folgenbe ber Berfaffung, an benen er fid) als tftebner 
beteiligte; er ^at bie Sieben in ben toidjtigften fünften in feiner SebenSbe* 
fd)reibung nebft einem Briefe an ben ^täfibenten oon ©ertad) oom 2. Januar 
1853 gegen bie Berfudje einer 9lenberung abbrurfen laffen. ^n 2lngelegenf)citen 
ber Stabt ^at 20. ein Berbienft bei ber ©rünbung beS ©t. 3fot)anniSfpitalS, 
beffeu Kuratorium er lange 3eit borftanb, aud) na^m er regen ?lntr)eil an ber 
6nid)tung beS Beet^obenbenfmalS. 6r r)atte fid; am 27. £ecember 1821 mit 



24 SOSalter. 

ber älteften Softer bes *Profeffor# ber 9Jtebicin 2Öinbif djmann bermäf)tt, nadj 

beten SCobe (6. Slpttl 1832) am 4. ©eptember 1833 mit ber brüten £oä)ter 

beffelben. S)ie ib,m ju tfjeit geworbenen ©tjren unb Orben fütjrt er ©. 117 fg. 

an, wobei ein 3)anffcf)ieiben s )tapoleon'8 III. bom fällte 1854 für überfanbte 

Stirer abgebrueft wirb. 2lls 9Jcenfdj) mar 20. bon tabeltofem äöanbel, feine 

größte ©cf)Wäcf)e mar ©elbftgcfältigfeit ; mit feinen ßoftegen ftanb er nidjt immer 

auf gutem ^ufee, moran bie ©djulb rool nidt)t an itjm allein tag; jüngere 

S)ocenten, bie itjm Soucurrenten 3U Werben brotjten, tjatten fid) feiner 3ubor» 

fommen^eit nidtjt ju erfreuen, 3n fircrjlicrjer SSejie^ung mar er anfänglich ein 

äatjmer ©attifaner, aEmätjtidj tourbe fein ©tanbpunft römifdjer, big er julefct 

jum boEftänbig curialen fictj entwickelte. 2)as beboiftetjenbe öaticanifdtje (Sonett 

beranlafete iljn in ber anonymen ißroferjüre „SDaS allgemeine Goncittum unb 

bie 2ßeltlage" (9tegensburg , 9ftanj 1869) mit Sfceformöorfcrjtägen , namentlidj 

auf bem ©ebiete bes (Jtjerectjts aufzutreten; bie päpftlicrje UnfeJjlbarfeit unb 91E= 

gemalt fanb ifjn juerft als ©egner. 9118 ber 18. ^uli 1870 beibes pr Xt)at* 

faetje gemacht rjatte, wujjte er fictj in ber anonymen 23rofdnne „Ueber bie ttrdj* 

lictje llnfetjlbarfeit. ©efprädje mit einer geiftreierjen ^au. Sßon einem ßaien" 

(23onn, SSerl. öon 51. £entrj, 1871) auf 28 Seiten mit ber £rjatfadje abju* 

ftnben in einet 2ßeife, Wetctje wot bie „geiftreietje grau" — bamit ift gemeint 

bie grau bes s 4>rofeffors ber 9Jtebictn Naumann in 33onn, wetetje ilm getjänfelt 

tjatte, toeil er frütjer gegen bie päpftlicrje Unfetjlbarfeit gemefen fei, — aber 

taum einen einzigen mit ben Singen bettrauten SJtann ju überzeugen im 

©tanbe mar. 

9lus meinem Seben. Sßon gerbinanb Söalter. 23onn 1865. — Weine 

©ef$. b. ßitt. III, 413 ff. — griebrid) , @cf^- b. SSatifanifcrjen Soncils I, 

199, 537; II, 33, 105, 278 ff. ., n 

' t>. ©djutte. 

kalter: D. ftrana llt riefe, 2B., „Wcetropotitan ber «pfartficlaffc Sitten« 
borf a. 2Berra unb ©uperintenbent am gulba» unb Söerraftrom", mar ein ge= 
letzter niebertjeffifetjer Sttjeologe bes 18. Satyrtjunberts. %n SBttjenrjaufen mürbe 
er um 1700 als eines Pfarrers ©otjn geboten, unb in SIEenborf ftatb er am 
3. gebruar 1755. SBie biete rjeffifetje üttjeologen jener 3eit, empfing er feine 
wiffenfdjaftlictje Slusbttbung in 93remen, mo er 1720 unter 5llb. ©ctjumadjer 
eine „Dissert. philol.-theol. de Ezechiele ßißlioqayo), ad orac. Ez. III, 3" 
öertrjeibigte. S3on 1720—1724 mar er als $rartget)ulfe in Äteinalmerobe bei 
Äaffel tfyätig. 1725 erhielt er, nadj einer ©tubienreife in bie 9ttebertanbe, bie 
zweite *ßrebigerfteEe an ber tefotmirten ^irdtje in Rinteln, mit ber bie ^rofeffur 
ber griecrjifcrjen ©pradje an ber llniöerfität öerbunben mar. (ißiberit, ©efc^iiite 
ber $effifcfc©cr}aumburgifcb;en Uniöetfität Rinteln. 1842, ©. 120.) $iet 
mitfte et, feit 1727 Doctor theologiae , bis in ben 3lnfang bee ^a^te« 1734. 
Sßon 1734— 173s üetroaltete er als ^nfpector bie ©iöcefe ^er§felb. s 3Jlit biefer 
©teüe mar b^etfömmlictiet äöeife ba« Ütectotat bes ^»etsfelbet ©nmnafiuma 
oetbunben. %n beiben Slemtetn mar 33). ber 9cact)folger bes berühmten D. Sonrab 
Wd. S)iefer Ijatte , alö ein ectjter ?(nl)änger beö tjattifc^en $ietiimu«, bie 
gried)ifd)en (Staffifer aus bem ©hmuafialunterric^t gänätici berbannt, unb 30., 
obwohl eben bon feinem Set)rftutjl füt bie griecrufdje ©prac^e ^erfommenb, lie^ 
es bei biefer Einrichtung bemenben, mie er überhaupt bie ßeb^rtoeife feine« 93or= 
gängeti beibehielt (f. SDßil^elm Sftünfcrjet's ß^tonit bee ^etSfelbet ©tjmnafium«. 
1837. 2. £b>il, ©. 13). ©cb;on nadj öiet Sagten betliefe et abet ^ergfelb 
miebet, ba et jum ©upetintenbent bet SIEenbotfet 5Diöcefe etmärjlt morben mar. 
2fn SlKenborf toirfte er Taft noct^ 17 Satire, bis er bas Seitliche fegnete. 

©eine ©Stiften Befielen äum größten 3:t)eit in S)iffertationen, bie 3umeift 



Sßalter. 25 

in lateinifdber ©pradje Perrafjt flnb. 5)ie auS ber 9linteler 3ett beljanbeln burct)» 
toeg einaelne bunfte Stehen ber SSibet , 3. 33. feine 3fnauguralbiffertation (pro 
gr. Dr.) (1726) Sie grfdjeinung ©otteS Por (glia, 1. Äön. 19, 11—13. 
anbete betjanbelte ©teilen finb $uba8 93. 9 (1729) , £iob 37, 7 (1729), 
«DtarcuS 14, 72 (1729), «Diattf). 19, 28 (1731), 1. Äön. 12, 14 (1731), 
2ttatt$. 6, 28 (1732), Offenb. 22, 2 (1733), 3o$. 16, 26 (1734), Stifter 
5, 14 (1734). 2luS ber $erSfelber unb 9lllenborfer 3eit finben fid) neben ärjn* 
liefen Sljematen [Sol. 1, 24 (1735), Offenb. 2, 17 (1735), 3oIj. 8, 6—8 
(1736), 2. gor. 5, 10 (1740)] and) anbere altgemeineren 3n$alt8 beljanbett, 
5. 33. Diss. de tempore et fortuna. (Einigen liegt bie Conf. Aug. gu ©runbe 
(Theses ex Art. XVII (1737), ad Art. XVIII (1741), ad Art. XXI (1744). 
3um Srjeil finb biefe 2Ibb,anblungen für bie iprebigerconPente, bie 293. al8 3n= 
fpe:tor unb als ©uperintenbent au leiten tjatte , gefdjrieben morben, too itjm 
bann jebeSmal ein Oiefponbent auS ber 9teib,e ber ©eiftlicrjen entgegengeftettt 
mürbe. Sind) in ben üon iljm als 9tector herausgegebenen ©djulprogrammen 
Ijat er eine ganje 3fteir)e Pon gelehrten 2luffä^en gefdjrieben. gerner finb ju 
ermähnen mehrere hieben unb ^rebtgten, bie er bei feftlidjen ©elegenljeiten 
gehalten b,at unb bie nad)f)er im 5Drud erfd^tenen finb. 2>aljin gehören: 
„Oratio de fidei heroum fortitudine et constantia, memoriae festi saeculi 
seeundi Aug. Confess. sacra, dieta." (Rint. 1730); „2ßat)reS 33ilb treuer 
Setjrer ber ^trdjen ©otteS" feine 2tntr,itt8rebe in |>er8felb über $er. 1, 17 
(1734); „SDaS ftet) nie fattfetjenbe 2luge unb nie fatttjörenbe £)ljr ber $inber 
©otteS, ober r)eil. Sieben über auSerlefene ©djriftörter" (1737 — 1738); „Streuer 
Setjrer ßorjn unb 5pflid)t", feine SlntrittSrebe in SIEenborf über ©ad?. 3, 7 
(1738); „@mig grünenber Gebernbaum abelidjer Sugenben", eine 6inmeil)ung8» 
rebe über 2. «öiof. 20, 24 (1744), bie Pon großer ®elef)rfamfeit 3eugt, aber 
auBeiorbentlicb, meitfcrjmeifig ift (122 gebmdfte Quartfeiten umfaffenb !). 

9lad) ©trieber'S ©runblage ju einer fjeffifdjen ©elebjten» unb ©djrtftfieHer» 
©efd)id5te, 33b. 16. £erauSg. P. S. Sßarfjler. 1812. SDafelbft aud) baS ge-- 
nauere ©djriitenüeraetcrjnif?. 2Refc. 

Soltcr: ©eorg 3B., Sßrofeffor ber gierte an ber llnioerfität ©reifsraalb, 
flammte auS ^ßreufjen unb mar auf ber £)od}fd)ule ju 33ologna jum 2)octor 
jur. can. promoPtrt. 9Jtit bem ©tijter ber ©r. Unit». Dr. «gjeinridj Sftubenom 
befreuubet, mürbe er fdjon am Sage ber ©rünbung (17. — 18. Dctober 1456) 
immatriculirt unb erhielt äugteid) bie erfte orbentlicrje ^rofeffur in ber ^uriften» 
facultät , in melrfjer ©teüung er über ba8 üDecret unb bie erften 33üd)er ber 
<£)ecietalen ju lefen t)atte. Slufjerbem empfing er bie SÖürbe eine8 2)omb,errn 
an ber 9ticolai!irdje 3u ©reifStoalb , fomie am S)om 3u (Sammln unb ber 
*DkrienftiftSfird)e ju ©tettin. 2lud) führte er mieberrplt baS jurtftifrfje 3)ecanat 
unb baS 9tectorat, fomie Porübergeljenb baS 33icecanceEariat unb baS 33icebecanat 
am ®r. SDomftifte. 9tad) 9tubenom'8 £obe erhielt er enblid) aud) (1462) bie 
biöf)er Pon biefem Oertoaltete ©teile eine8 Orbinariu8 ber ^uriftenfacultät, eine 
2Irt Pon ©eniorat , üermöge beffen er neben bem 2)ecan bie Dberauffidjt über 
bie facultät unb t>a^> SDecanatbud) jju führen t)atte. ^n btefen 3lemtern erlangte 
er einen IjerPorragenben Flamen, fomotjl als ©etebrter, mie als praftifdjer Sfutift, 
bem^ufolge ir)n bie pommerfdjen ^periöge @rid) II. unb 2Barti8lam X. nad) bem 
ütobe feines ßoltegen ^Jlat^iaS SBebet (f. b. 2lrtifel), metd)er auf feiner ©efanbt= 
fd)aft§reife jum Äaifer ftriebricfj III. (1465) ftarb, in gleicher 9lbfid)t (1471) 
jum SleidjStage nad) 9regen§burg beöoHmäd^tigten, bamit er ir)re ütedjte auf bie 
Erbfolge im <£>er3ogt(jum ©tettin, meldjeS (1295) für Otto I. abgeheilt unb 
burd) ben Sob Dtto'S III. (1464) erlebigt mar, gegen bie 3lnfprücrje 33ranben= 
burgS tiertb.eibige. Slud) gelang e§ i^m , in ©emeinferjaft mit feinen 2lmtege= 



26 Söalter. 

noffen #erm. ©djluptoacrjter unb 3or). ^arleberg, bie fftcd^te ber *ßom. SBolgafter 
ßinie ju toasten unb (1472) auerft in Dörife bei ©cfjtoebt unb bann in Sßrenatau 
einen griebengtoertrag mit bem Kurfürften 2llbred)t 2lct)i!tte8 ju fctjliefjen. 2llg 
SB. bann balb barauf (1475) berftatb, beftimmte er, abgelesen Don anbeten 
Stiftungen, feine 93ibliott)et füt bie Sfuriftenfacultät , feine Goltegientiefte ge- 
langten jebo($» an feinen Dadjfotger im ßrbinariat, 3>ot). ^arteberg, Don biefem 
an 3ot|. Eteilof (f. 2t. ©. SS. XXI, 218) unb bann an bag ®r. 2)ominitaner= 
ftofter, öon toeldjem fie jur $eit ber Deformation in bie Sibliottjet ber 9ticolai= 
firdje übertragen rourben. 

Kofegarten, @efä. b. Uniü. I, 78, 93; II, 167—186. — Salt. ©tub. 
XVI 2 , 73— 129. — 93artr>lb, $om. @ef$. IV, 1, 337 ff. — «ßtil, Dubenoto* 
bibliottjef, Satt. ©tub. XX 2 , 169—195 ; — ©efct). ber ©reifSroalber Kirnen 
834, 887, 1067. $tol. 

Sölter: ^ o I) a n ii (Sott lieb 333., Anatom unb Präparator, mürbe am 
1. $uli 1734 au Königsberg i/tyx. als ©otm beg SorftetjerS am großen ftäb= 
tifdjen ©pital geboren. ©crjon als Knabe intereffirte er fict) für bie |>eiltunbe 
unb namentlich für ©egenftänbe auS bem ©ebiet ber Anatomie, ©eine ©tubien 
madjte er in feiner Saterftabt unb in Serlin , too er bei bem befannten Ana- 
tom 3- 3fr. 9Jte<fel toofjnte unb unter 9i. Sieberfütm baS ^njicircn lernte. 
9tad)bem er 1757 in grranffurt a. £). bie SDoctortoürbe erlangt tjatte, tourbe er 
1760 5>rofector bei bem genannten Werfet, erbielt 1760 bie jroeite unb 1774 
naä) bem £obe beS lederen bie evfie ^ßrofeffur ber 2tnatomie. $n biefer ©tet= 
tung, neben ber er eine £ett lang bie Sßrofeffur ber @5eburtSr)ülfe an ber Spante" 
berfat), toirfte ex big p feinem am 3. Januar 1818 erfolgten ßebenSenbe. ßr 
tjat fict) um ben anatomifctjen Unterricht baburct) befonberS berbient gemacht, bafj 
er ein bebeutenbeS anatomifctjeS ^Rufeum tjerfteltte, toeldjeS 1803 bom ©taate 
für 100 000 Stjaler angetauft unb bie ©runblage beS Jetzigen großen anatomifctj* 
,potomifct)en 5ftufeumS ber SBerliner ^ocr)fct}ule tourbe. SDie ©ammtung, ju ber 
SB. felbft bie meiften unb namentlich auSgeaeictjnete Derbenpräparate geliefert 
tjatte, urnfafete beim Slntauf 2868 Dummern unb tourbe big jur Uebernatjme 
burct; Dubotptji im $. 1810 auf 3263 ©tuet bermetjtt. — 3n fctjriftftetlerifc&er 
Sejietmng finb aufjer einer Deitje bon arbeiten in ben Sibtjanblungen ber 33er« 
tiner Slfabemie ber SBiffeufdjaften , anatomifctjen, joologifc|en , allgemein bio« 
logifdjen unb pattjologifctjen SntjaltS noct) folgenbe felbftänbige arbeiten SBalter'S 
bemertenstoerttj : „Theses anatoniico-physiologicae , dissertationi de emissariis 
Santorini praemissae" (Königsberg 1757); „Slbtjanbtung bon treetnen Knoten 
beg menfdjlictjen KörperS" (23erlin 1798); „Observationes anatomicae" (ebb. 1775); 
„^Rtjologtfcfcjeä Jpanbbud)" (ebb. 1795); „Epistola anatomica de venis oculi 
summatim et in specie de venis oculi profundis, retinae, corporis ciliaris, cap- 
sulae lentis corporis vitrei et denique de arteria centrali retinae" (ebb. 1778); 
„Tabulae nervorura thoracis et abdominis" (ebb. 1783). 

Sgl. bie bei SBalbetoer im Siogr. £ej. VI, 183 angegebenen Quellen. 

5ß a g e l. 
Salter: SßtcrS USo Stiebrictj SB., 2lrat unb ©eburtStjelfer, tourbe am 7. £)c- 
tober 1795 in Söolmar (Siblanb) geboren, ©ein Sater 3fot)ann £>erm. 333., 
ber ©oljn eineg aug £eutfd)tanb nad) Diga eingetoanberten Kaufmanns SBtl» 
t>lm 233., Ijatte in ©trafeburg i. ©. unb in Königgberg i. 5ßr. ^Dlebicin ftubirt 
unb toar juerft in Diga, bann in 333olmar als praftifdtier Slrjt trjätig getoefen; 
aug ber finberreid)en <£t)e ^ob,. .^erm. äöatter'g toaren bei beffen Sobe noer) 
10 Kinber am ßeben, 6 ©ö^ne unb 4 £öctjter. 33on ben 6 ©ötjnen ftubirte 
einer ^ilologie, atoei Geologie unb brei ^Jtebicin: Sotjaun 233il^elm 20., ge= 
boren am 30. 3uli 1781, ftarb als junger Slrjt am 13. Slpril 1807, ^ermann 



Steuer. 27 

Sltfreb 2B. , geboten am 12. 5)lai 1797, ftarb ebenfalls nod) jung als Sltjt 
am 22. Januar 1823. $ierS 20. tourbe juetft, nadjbem ber SBater ftü^ ge= 
ftorben War, im ,£>aufe ber fluttet in 2Botmar erjogen, fam bann nad) Slorpat 
aufs ©rjmnafium, baS er im Januar 1813 mit bem ^eugnifc ber Steife öertieB, 
um in SJorpat fid) bem Stubium ber ^Jlebicin 3U toibmen. 9tad)bem er 
im 3- 1817 baS Stubium abfolüirt unb baS Sdjtufjejramen beftanben, 30g 
er in Segleitung feinet jüngeren 33rubetS ^»ermann nad) SJeutfdjtanb unb feijte 
feine Stubien jjuerft in SBürjburg fort, too er namentlich bei £ejtor, b'Cutrepont 
unb griebreidj 33orlefungen f)örte. 3m .öerbft machte er eine 3ftt)einreife, begab 
fiel) jum SQßinter nad) Setiin, befudjte mit großem (ürrer bie Älinifen unb arbeitete 
baneben an feiner 2)iffertation. %m grütjjarjr 1819 fer)rte er in bie Jpeimatr) 
3urütf, roanbte fid) 3unädfc)ft nad) 2)orpat, tourbe nad) 2krtt)eibigung feiner Stffet* 
tation „de versione foetus in caput 1 ' 1822 3um SJoctor ber ^Kebicin ernannt 
unb liefe fid) alsbalb in feiner SSaterftabt Söolmar als 3lrjt nieber. ^>ier im 
Greife feiner gamilie tebenb, umgeben öon treuen ffceunben unb Sefannten ge= 
mann er batb eine auigebefjnte ^SrariS. @r Ijatte ftd) toärjrenb feiner Stubien= 
jett öortrefflid)e Äenntmffe ertoorben unb befafj auSge3eictjnete (Sigenfdjaften, bie 
ifjn jur Ausübung bes är3tlid)en 3?erufs befähigten. 2lbgefet)en öon guten 
Äenntniffen, toar er gleich tüchtig im ©tfennen ber $ranft)eiten, unD ebenfo tüdjtig 
im Dperiren. — 2!amalS gab es nod) nic^t fo ruel Specialitäten. — 3B. toar 
ein üortrefflicber Operateur — als ÖeburtSrjelfer tote als ^ugenarjt. Siabei 
t)atte er eine fef)r ernfte Sluffaffung beS ärjtlictjen SerufS, toar überaus menferjen* 
ireunbtid) unb liebeOott gegen 9lrme toie 9teid)e, unabläffig bemüht, ^pülfe ^u 
foenben. %xo% feiner großen unb angeftrengten >ßrartS fanb er ©elegentjeit \u 
fdjriitftetterifdjer £l)ätigfeit. Sr toeröffentlidjte : ,,Gf)irurgifd)=ftinifd)e SBeobadV 
tungen" (Berlin 1832, 206 Seiten mit einer Zahl in Steinbruch aus ©raefe'S 
unb t». äßaltfjer'S Journal für Chirurgie unb 9Iugent)eilfunbe 33b. XV — XVIII be= 
fonbers abgebrurft) unb „Q3on ber SSenbung auf bie ^üfee bei oorgefatlenem Slrm. 
(Sine geburiSfjütflidje 2lbl)anblung" ( jRiga unb Sorpat 183-1, IV unb 96 «Seiten). 
SBalter'S ärjtticrjeS kennen unb Söiffen , feine bebeutenbe ärjtlidje Xt)ätigfeit 
toaren allmätjlid) aud) aufeerr)alb bei fleinen 8anbftäbtd)enS befannt getoorben 
unb ali im $. 1833 in Sorpat ber 2er)rftut)l ber ©eburtsfullre frei getoorben 
toar, betief man 3B., ber freubig bem 9tufe 9folQf f etftetc. °$m grüt)ling 1834 
ftebelte er nad) Sorpat übet unb begann feine ßefjrtfjätigfeit , bie er 25 3iar)re 
lang mit grofeem Erfolg ausübte. 2JÖ. mar ein üortrefflicrjer , eifriger unb 
aufjerorbentlicf) fleißiger C'et)rer : infolge biefer feiner üoHen Eingabe an fein ßef)r= 
amt unb ber fictj baran fctjliefeenben ausgebreiteten ärjttidjen -^rariS, fanb 20. feine 
3eit ju fcf)riftftellerifcr)en arbeiten; öieEeicfjt, toenn er früher in bie afabemifebe ßauf^ 
bab^n eingetreten toäre, Ijätte er auetj als Sctjriftftelier ßrfotge erhielt. So ift 
fein 9lame über bie ©renjen ber Unioetfitätsftabt unb ber engen §eimatl)5proöin3 
hinaus nic^t befannt getoorben; aber al§ ßefjrer unb 2lrjt tjat er fiel) aufecr= 
orbentlid) üerbient gemacht. Seine naclj ^unberten jätjlenben Sctjüler lernten 
öon ir)m nietjt allein ba§ ©tfennen unb Reiten ber ^ranffjeit, fonbern fte lernten 
aud) menfdjenfreunblictj am Sett ber «Rranfen fein. Segenireid) toirfte er auet) 
als Slrjt; in ber erften S^ feinei 2>orpater 9luTentt)alts befdjäftigte er fidj 
neben feiner auSgebetjnten geburtiljülflictjen ^rajiS Diel mit 2Iugenoperationen: 
er tüt)rte mit großem ©efd)icf unb ftdjeter «öanb Staaroperationen auS. %n ben 
Safrren 1845 unb 1846 tourbe er nad) St. Petersburg gerufen, um bie ©attin 
bei ©rofefürften 9Jtid)ael ötjtlid) 3U befjanbeln. OJtan üerfudjte itjn in $eterS= 
bürg 3U feffeln; er foüte Seibav.it beS ©rofefürften werben, aber er lehnte alle 
öerlodenben 2lufforberungen ah unb fefjrte toieber 3U feinem aufopiernben Setuf 
3urürf: er gab bem ftiüen Seben im bamaligen Sorpat öor bem geräufdjöollen 



28 Söaltfcarb. 

bet gtejibenj ben unbebingten 33orjug. (£r ^atte in 2>orbat fein eigenes ^au8 
unb ©arten , feine irjm lieb getoorbene Sfjätigfeit — auf bie äufjerlidjen ©Iren, 
Sitel unb Orben bie ir)m ju X^ett gemorben, legte et feinen 2Bertt). $m 3- 1859 
gab er nad) 25iät)riger ßet)rtt)ätigfeit feine ^rofeffur auf — er füürte ben ©in» 
ftufj beS Alters unb füllte fict) ber SBerantroortlic^teit beS SerjrberufS nicrjt met)t 
geroac^fen. ©eine ärjtlidje $rajiS aber übte er nodj 10 3at)re bis jum Saljre 
1869 auS. — Am 10. $uni ig69 beging er bie freier feines 50järjrigen 2)octor= 
jubiläumS. (Sinet feiner ©öfme töar unterbeffen attmäcjlicr) ber 9iad)folger beS 
23aterS in ber äratlidjen ^rajiä gemorben. — ©tili unb frieblidj öerbracrjte ber 
„alte 5}3ierS" , mie man irm in £)orbat fdjon lange nannte, bie legten ßebenS* 
jat)xe inmitten feiner Familie — big icjn am 27. 3fuli 1874 ber £ob ereilte. 
An feinem ©rabe rief irjm (hnft Bergmann im Flamen ber ©djüler unb (Sollegen 
evnjie SDanfeSroorte nadj. 2)aS Anbenfen an it)n mirb in ber Erinnerung feiner 
äatjlretdjen ©djüler nicrjt etlöfctjen! 

9tecfe=9capietSfrj, ©djriftftetter= u. ©elefrctemSerrton IV, 468. — 9iabierSfrj 
u. Seife, ftactjträge, «ölitau 1859 II, ©. 268. ß. ©tieba. 

Salt^arb: (Sßaltrjerb, audj S)obico, SDuobedjo genannt) 984 big $uni 1012 
SDompropfi, 15. $uni bis ju feinem ütobe am 12. Auguft 1012 Srjbifdiof üon 
Wagbeburg. Er mar ber ©ot)n eines in ber ©tabt unb im SBurgmarbe 
9Jtagbeburg begüterten ©bettjetrn 9lamenS (hb unb ber Amutteb. SDie Eltern 
übergaben ben Knaben ber ©djule beS tj. Gloria ju ^Jtagbeburg, roo er fidj unter 
einer ©djar begabter unb bornetjmer ©enoffen, roie ©ifiler, Abalbert, SBicpert 
unb Otto burdj feine grömmigfeit unb ben reifen Ernft feiner ©itten auS» 
•jeidjuete unb bie Zuneigung beS EräbifdjofS Abalbert getoann. tiefer fd)eint 
in bem trefflidjen Jünglinge ben geeignetsten ytacrjfolger gefeiten au tjaben, bodj 
trat 2B. nadj beS ©önnerS £ob , obrool er mit irjm bie Abneigung gegen ben 
Eanbibaten beS 2)omcapitelS, ben gefeierten ßetjrer ©trictj, feilte, nicrjt als 33e= 
toerber auf, öielmerjr beftieg fein älterer ©tubiengenoffe ©ifiler ben erabifdjöflidjen 
©tut)l. Unter beffen Regierung erhielt SB. im % 984 baS anferjnlidje Amt 
eines 2)ompropfteS , in toetcrjcr ©tellung er bie 33ortt)eiIe , bie irjm ebte ©eburt 
unb reiches Erbe geroärjrten , in pollem 9Jtafje tiertoertrjen fonute. ©trenge im 
äufjern auftreten, roovtfarg, aber boctj öoE innerer ©üte unb 9JHlbe, fromm unb 
rootjUtjätig , ein Batet ber Firmen unb Söaifen , ben 3'uben günftig gefinnt, et= 
toarb er fid) grofee Beliebtheit im Bolfe mie unter ben 9Jtitgliebern beS EapitelS. 
Bei aller grömmtgfeit führte er ben -gmuSljalt eines üornetnuen 3JtanneS, einen 
£f)eit feinet ^ReidjtliumeS oexroenbete er auf ba§ ©ammeln öon 33ücrjern, jum 
33aue einer 9cunbtird)e in ^JJtagbeburg, an ber er ein ©tift für ^anonifer er= 
richtete, unb jur Anfertigung äat)lreid}er, bräcrjtiger Ornate foraie eineä foftbaren 
9teliquienfd)retne§. $m Slpril 1000 fiel it)m bie Aufgabe -$u, ba% 33err)alten 
feines Srjbifd)ofS in ber ^Jterfeburger <Baäjt ju Oueblinburg üor bem Äaifer ju 
üerttjeibigen. s Jlad) ©ifiler'S £ob (25. Januar 1004) rourbe 3B. mit einem 
©d)lage in einen allgemeinen unb roidjtigeu 3ufammenl)ang gebradjt. ^önig 
^einlief) II. , ber bie freie 33ett)ätigung geifttidjen 2öar)tredjt§ ju bertjinbern 
fud)te r beabfidjtigte aud) in s JJlagbeburg unter ^Jli^adjtung beS feierlid) öerbrieften 
giedjteS bem Wanne feiner 2Bat)t, ftinem Kapellan 2agino (f. A. ©. 33. XXXVII, 
353) jur erabifdjöflicljen SBürbe jju üerl)elfen, ba il)m biefer geeigneter erfdjien, 
bie glätte für bie 3öiebert)erftettung s UcerfeburgS auSjufüljren, als ber mit ©ifiler 
einüerftanbene unb im s JJlagbeburger 2fntereffe aufgemadjfene ©ompropft, auf ben 
baS ©omeapitet feine ©timmen bereinigt t)atte. S)iefer aber, ben feine ffaömnüg* 
feit unb feine Unabt)ängigfcit nidjt minber nor bem 33erbad)t felbftfüdjtigen 
©trebenS fieberten, mie icjn fein ftarfeS 9ted)tSgefüt)l aneiferte, bie SOßürbe feiner 
^ird)e üor jebem ©djaben 3U bemal)ren , trat muttjig unb mannhaft bem bom 
Könige abgefanbten 33ifd)of Arnulf Don ^>alberftabt entgegen unb beftanb auf 






SöaUfjarb. 29 

ber SBaljrung beS bem (Satoitel berlietjenen unb bom (Srjbifctjof Slbatbert nod) 
befonber3 mit feierlichem SBanne befräftigten 2Bal)lrect)te§ mit SBorten, meldte an 
bie eble 2infbracl)e erinnern, mit ber etma 90 $at)re fbäter 9lnfelm bon (£anter= 
burrj ber be§botifct)en Slnmafjung SCßilfjelm^ be§ 9tott)en begegnete. 2Bie erregt 
bie ©timmung mar, getjt auä) barauS rjeroor, bajj Stjietmar üon s JJierfeburg bie 
fad)lict)e Entgegnung Söatttjarb^ burd) eine ©teile berfct)ärfte, in ber ein 25iä)ter beS 
9teronifctjen 3 e i* a tterS feinem f5f^ e i^eitögefüt)te fräftigen Sluäbrucl berlief). 
Gegenüber fo beftimmtem unb berechtigtem SBiberftanbe liefj fiel) ber i?önig 
toenigftenS ju formeller Seadjtung be§ 3Bat)lrect)te8 rjerbei. @r unterljanbelte 
mit bem ®ombrobfte, worauf biefer feinen 5lnfbrucl) aufgab unb fiel) berbflictjtete, 
auet) ba§ ©omcabitel für Slagino $u geminnen, ma§ itjm in ber Sljat gelang. 

S)er ßofjn für bie fefte unb ftuge Haltung SBaltljarb'g blieb nid)t aus. 
@ine ber erften «panblungen be§ neuen 6rabifcl)of§ mar, bafj er ben SDombrobft 
ju feinem ©tettbertreter unb erften SSerattjer ernannte, toomit in ber £t)at , ba 
Stagtno häufig abwefenb mar, eine grofje ^acrjtfütle unb Sßerantmortung ber= 
bunben mar. SDod) Ijatte 2B., als er fiel) an ben $rieg§jügen gegen ^ßoten unb 
ben SSertjanblungen mit S3ole§tau§ in ben Satjren 1007, 1010 unb 1012 be= 
ttjeiligte, menig ©lud. SDie günftige ©efinnung be$ £>errfcr)erä aber blieb itjm 
bemafyrt unb äußerte fidj unter anberm barin, bafj ,g)einrid) IL fiel) im %. 1010 
in bie ©ebetbrüberfctiaft be§ Satoitelä aufnet)men unb bafür ben SBrübern eine 
toerttjbotle SSefitjbeftätigung ju tljetf merben lief;. 9tact) bem Ableben 2agino'§ 
(9. 3uni 1012) mar SB. mieberum genöttjigt, baS 2Sat)lrect)t gegen |)einrid) ; § II. 
SGßiüfür ju bertfjeibigen , unb aud) bieSmal Ijatte er, SDant ber llnterftü^ung 
buret) bie ©uffragane, guten (Srfolg. Qtoax Ijatte ber $önig bie äöatjl berboten 
unb nur einftimmigen SSorfdjlag geftattet, aber pm ©ct)luffe lief} er fiel) l)er= 
bei, am 15. ^uni p ©rona ben bom Gtabitel gemäljlten 30. nadj einer 
langen, bertraulieljen SBefbredjung burcl) Ueberreictjung be§ 9tinge§ anperfennen 
unb itjm nadj SBomatjme einer nochmaligen SBatjt aucl) ben 35ifd)of§fiab 
ju übergeben. @r übertrug bem neuen Gürpifdjofe bie gütjrung ber bol= 
nifct)en Angelegenheit unb bie ©beraufficljt über bie $önig§t)öfe in ©adjfen. 
9tur fur^e 3"* fottte fiel) 20. ber enbtict) erlangten Söttrbe erfreuen. 5lm 
21. Suni mürbe er p 5Jtagbeburg bon bem SSifdjof 5lrnulf öon .gmlberftabt in* 
ttjronifirt, am 22. bom Söifdjof @tbo bon s JJteifsen unter Slffiftenj ber ©uf= 
fragane gefalbt, am 23. befteßte er ben ßufto§ SRebing, ber feine äöaljlfadje bor 
£>einrid) IL bertreten Ijatte, pm tropfte unb am 24. ^uni la§ er im Älofter 
Sergen, bon bem 3lbte ©iegfrieb unb beffen Söruber, bem SSifäjofe Dietmar bon 
5Jterfeburg, feftlietj empfangen, bie erfte ^IJteffe al§ @r3bifct)of. SDann begab er 
ftclj auf ben ungtücllicl) eingeleiteten ^ug gegen ^Jolen. 2luf biefer ^riegäfatjrt 
tourbe er anfangt Auguft bon einem fctjroeren ^"opfleiben befallen unb feljrte, 
nact)bem er am 3. Sluguft in SSelgern jum letjten 5Jlale bie 5Jleffe getefen Ijatte, 
naefy ©iebic^enftein aurücf, mo fiel) bie tiefbefümmerten ©uffragane, fomie bie 
Sifctjöfe bon |)alberftabt , .g)ilbegf)eim unb 5$aberborn, enblictj ber Ijülfefleb^enbe 
^er^og Sfaromir bon 33öt)men eingefunben l)atten, am 10. 3luguft ertjielt ber ®rj= 
bifetjof bie ©terbefacramente unb jmei Sage barauf trat ber Job ein. lieber Gönnern 
tourbe fein Seid)nam nacl) 5!Jtagbeburg gebracht unb unter rütjrenber ^lage beS 
SBolfeS im 5Dome beftattet. (grft fectj§ Sage mä) bem 2obe 2GßaItt;arb'§ fteüte 
SSenebict VIII. in 9tom bie Sutlc au§, burcl) meiere bem neuen (äqbifcljofe btä 
Pallium unb metjrere (Jljrendorrectjte »erliefen mürben. 

2Sar e§ bem 2}erblict)enen auetj nid)t bergönnt, in langer Regierung rüljm- 
liclje 5Denfmale fetbftänbiger Sljätigfeit m ^interlaffen , fo Ijat er fiel) boct) ein 
gutes Sinbenfen gemalert. %m Wagbeburger Somcabitel gebaute man mit ©tola 
unb Sanfbarfeit beä ^octjgefteaten «mannee , ber burd) 28 ^a^re bie Gongre« 
gation geleitet, it)r bie ©unft beä Äönig§ bemaljrt unb auä bem eigenen @rbe 



30 Sßaltfjer üon ©erolöäecf. 

baä bei SJtagbeburg gelegene Dlöenftebt jugeroanbt baue, ütbietmar öon 9Jietfe« 
bürg mibmete if)m berjlicbe Slnerfennung, maä um fo fcferoerer miegt, al§ 235- ibm 
in ber ÜJterfeburger ^Angelegenheit nid^t fe^r entgegengefommen mar. 2luct) ber 
tjöfifc^e Slnnalift öon JQueblinburg preift feine SLugenben , fein äöiffen unb feine 
Ofrömmigleit, mäbrcnb in 9tegeneburg 28. aUerbingS, toie leidet begreiflieb, gegen 
ben beimifcben SLagino jurücffteben mufjte unb nacb ber bort umlaufenben @r* 
^äblung fein Öeicbnam feinesmegä fo munberbare Sigenfcbaften aufjuroeifen fjatte, 
roie ber feines 2)orgängers. 

@ine feiner ©djmeftern mar 9lonne, eine anbere, nadj ber 9Jtutter ^Imulreb 

genannt , öermäblte fictj mit Äonrab öon 9Jtor$leben, au£ melier (£b,c ©uitger, 

ber S)omtjerr öon -Ipatberftabt, bann 33ifcbof öon Bamberg mar unb im 3. 1046 

all Gtemenä II. ben päpftlicben £bron beftteg (f 9. Dctbr. 1047), entfproffen ift. 

Thietmari Merseburg. Chron. ed. Kurze. — Ann. Quedlinburg. Mou. 

Germ. SS. 3, 81. — Ann. Hildesheim. ,jum $. 1012. — Arnoldus, De s. 

Emmerammo lib. II. c. 13, SS. 4, 560. — Ann. Magdeburg. SS. 16, 

155—164. — Gesta archiep. Magdeb. SS. 14, 395, 396. — Annalista Saxo 

SS. 6, 644, 685. — Jaffe. — Low. Reg. 3989. — Necrol. Magdeb., t)rägg. 

öon Tümmler in 3teue TOttjeU., 10. 33b. — 9Jtülüer[tebt , Reg. archiep. 

Magdeb. 9fr. 348, 349, 451, 454, 472, 474, 479, 524, 525, 544, 545, 

555, 558, 560—570. — £irfcb , ^abrb. .£>etnricb'£ IL, 1. unb 2. 33b. — 

©iif ebrecbt , ©eftf). ber beutfdjen ßaiferjeit, 2. 23b. — @. 2ß. ö. Ütaumer, 

£iftorifcbe ßbarten unb (Stammtafeln 7 , £afel XII b. — Ublirj, ®efd). be§ 

grjbtstumä s )Jlagbebuvg, ©. 85, 104, 113. — ^paudf, ^ircbengefd). 2)eutfcb= 

lanbS 3, 398. * Äart Utflita- 

2ßaltI)Cr: 2B. öon ©erolbSecf, «ifcbof öon ©trapurg 1260—1263, 

flammte aus bem mactjtigen unb reichbegüterten Ortenauer ^errengefcblecbte öon 

.fpobengerotbSecf. 2lfler 2ßabrfcbeinticbfeit nach im $. 1231 geboren erfdjeint er febon 

im Filter öon 17 Salven all ^anonifuö bes Strafjburger üSomcapitels unb früb/* 

zeitig bäuften fich auf it)n geiftliche äöürben unb s }>frünben, ba feine gamilie in 

befenbever ©unft beim ©trafjburger 33ifchof unb beim ^apfte ftanb. S)em noch 

niebt jroanjigiäbrtgen Jüngling fieberte ^nnocenj IV. bereite bie Erlangung ber 

©trafjburger 2)ompiopftei au, nadjbem ihm öorber ber päpftliche Segat, ber Kölner 

(Srjbifdmf Äonrab öon £od)ftaben bas 2Imt be3 Äellereiä öerfprocben tjatte, unb 

in ber £bat gelang e3 it)tn , feine Slnfprücbe auf bie bücbfte äöürbe be§ S)om= 

capitetä gegen feine s JJtitbemerber , öor allem gegen ben päpftlictjen Gaptan ©eb= 

tjarb, ber bem greibinger ©rafengefctjlecht angeborte, fiegretd) burchjufetjen. ^in 

2luguft 1252 mürbe if)m enbgüttig bie SDompropftei übertragen. So fdjeint 2ß. 

eine beiartig einflußreiche Stellung gemonnen ju bähen, bafj beim 2obe beg ©träfe» 

burger iBifcbofS ^»einrieb öon ©tab/lecf im ^Jiär^ 1260 fieb feine 333abl gerabeju öon 

felbft aufbrängte unb e3 mol faum ber (Selbmittel feineö 53ater§ beburfte, um 

bie Sapitelstjerrcn gefügig ju ftimmen. 9tur einer öertrat bie Gppofition, ber 

S)omfanger ^einrid) au§ bem eifajfifcben ©efcbled)te ber ©erolbsecf, 233altb y er'5 

^aebfotger bereinft auf bem s -Öifd)ofsftut)te. 3lm 27. s Dlärä 1260 mmbe 2B. jum 

33ifrf)of geroäb,lt, boch folgte bie 2Beftätigung feiner 2öabl unb feine SBeib^e ^um 

^riefter bureb ben @rjbifcb,of 3Serner öon 9ttainj erft im 33eginn be3 ^abre§ 1261, 

jum guten 3:^eil beebalb öerfpätet, meil ferner felbft öom Dctober bte ©e- 

cember 1260 in Italien mar, um öom ^apfte bie ßonfecration ju erroerben unb 

ba8 Pallium ^u erbalten. 2ln «Dlariä Reinigung 1261 celebrirte bann 2B. bie 

erfte s )fteffe im fünfter, nadjbem er $uöor einen feierlichen glän^enben ginritt 

in bie ©tabt gehalten batte, beffen 3lnbenfen noeb big in fpäte Sabjöunberie 

fortlebte. 

s Äu§ bem ^abr 1260 finb nur &5altb>'3 33erbanblungen mit .ßönig 9ücl)arb 



äöaltrjer üon ©etolbe§ed. 31 

bemerfenitoertl). @i tjanbelt fiel) babei um bie ^djhwg öon 4000 2ftarf, bic 
Üücftarb bem 33ifd^of für bie SBertufte , melctje bai ©trafburger «gjod^ftift in ben 

jüngften unruhigen 3"*^ erlitten t)at, leiften Witt, unb um bie ebentuetle 
Uebergabe ber föeictjiftabt Jpagenau ali ^ßfanbobject in SBalttjer'i £>änbe. 
Sßatjrfdjeinlict) erfaufte fid§ 9itct)arb mit biefem (Selbe Söalttjer'i Slnerfennung 
unb Seiftanb, tarn bann aber feinen öecuniären Sßerbflictjtungen föäter nictjt nact), 
fo bafj ^agenau bem SBtfdjof überliefert würbe. %m $rüt)iat)r 1261 ftnben 
Wir 20. auf bem ^JJlainjer ^roüinjiatconcit, bem er befonbere «JHageartifel gegen 
bai anmafjenbe aufbringlidje auftreten ber Settetorben unterbreitete. Unmittelbar 
nact) feiner ütüctfetjr bract) ber Äampf mit ber ©tabt Strasburg aui, Welctjer 
bai SBertjängnifj feinet Sebeni werben foüte. Titctjt muttjmillig rourbe er öon 
30. tjeraufbefctjworen , er entwicfelte fid) naturgemäß aui bem äöiberftreit ber 
bifdjöflicfjen unb ftäbtifdjen 9Jtadj tintereffen. 

©ctjon fein Vorgänger tjatte in ben legten ^abren feiner Regierung gegen 
ben in feinen SSefugniffen immer Weiter um ftct) greifenben ©tabtralt) unb gegen 
ben rücffict)tilofen (Jgoiimui ber in itjm tjcrrfctjenben ©efctjlectjter entfctjiebene 
Stellung genommen unb namentlich ben 2etjnict)a voller, melctjen gewiffe cinflu§= 
reictje bifctjöftidje Slemter in ber ©tabt angenommen Ratten, aufgehoben. S)iefer 
ßrbfctjaft tonnte fictj 20. nictjt ent^ietjen unb er mottle ei um fo weniger, ali 
bamati überall am 9tt)ein bie ßanbeitjenen !räftig unb erfolgreich gegen bie 
raftloi fortfctjrettenbe öntmictlung ber ftäbtifctjen fSfreitjett eingefctjritten roaren. 
(Jine äußere Söertoidlung gab ben Slnlafj jum Slusbruct) bei ©treitei. 3fn einer 
f5fet)be, meiere bie Ferren öon Sictjtenberg gegen ben 23ifct)of öon 9)?eb führten, 
Wollte 30. öon ben erfteren ju ^ütfe gerufen eingreifen , aber bie ^Bürger öon 
©trafjburg Wetjrten it)m biei, inbem fie itnn ntdfjt bloß jebe Unterftüfuing weigerten, 
fonbern auet) allen 3 U 3 U 9 unb 3uful)r feiner 33afatlen füerrten. S)ie ©tabt 
berfutjr tjierbei wie eine ööUig felbftänbige 9)tact)t unb ging über bie ©renken 
ber Neutralität tjinaui. (5i tjanbelte fid) für t>ie fetjon feit ^afjräefmten brödelnbe 
bifdjöflidje 9tect)tifteltung innerhalb ber ©tabt um bie ©rjftenjfrage. SDer ©tabt* 
tatt), auf beffen 3ufammenfetjung ber 93ifd)of überhaupt nur befdjräntten @in= 
flufc tjatte, mar in ben $atjren 1260 unb 61 otjne jebe Stüdfidjtnatjme auf ttjn 
confiitutrt Worben. Dtjne feine 3uflimttmng tjatte man bie inbirecte ©teuer, 
bai fogenannte Umgelb bermetjrt, ertjob man neben bei 9Bein= noct) eine 1)Jletjl= 
[teuer. 2)ai bem 23ifdjof jufte^enbe Sftectjt ber ^ubenfdjaimtig tjatte bie ©tabt 
felbft an fiel) gebogen, ebenfo bie Verfügung über bie 3llmenbe, aud) ^SRaa^ unb 
©emietjt Ijatte man eigenmächtig geänbert. 3 un ä^ft öerfuctjte 3ß. noci) ben 2Beg 
güttietjer 3}ert)anblung, inbem er anfangs $uni einer ßommiffion öon brei (5Jeift= 
lidjen ben Auftrag erteilte, ben -öerren ber ©tabt bie bifdjöflictjen SSefd^roerben 
öorjutegen unb 9lbt)ülfe binnen für^efter 5^ift <}u öertangen. 3lli bie Bürger 
barauf mit einem natjeju feinbfeligen 2lct antworteten , mit ber Abtragung ber 
natjen |>albenburg, bie itmen in ben |)änben bei Sifctjofi gefätjrlid) erfc^ien, 
wanbte fiel) 30. in einem beutfct)en ^JJtanifeft an bai ftäbtifdje ^Bolf. 9lm 
empftnbltctjften glecl , in feinen materiellen ^ntereffen fuct)te er ei barin ju 
ftadjetn. Slber obfdjon ber bemagogifdje 2on mit großem ©efct)idE barin ange= 
fc^tagen war, fdjeint er tn ben ©traßburgern feinen ^InElang gefunben ^u fjaben. 
5lun würbe bic ©tabt mit bem unterbiet belegt unb ber ßrnft ber 3Baffen trat 
in feine 9tecrjte. 

äß. erhielt Seiftanb nid)t nur- öon faft ber gefammten Witterfdjaft im Öanbe, 
aucrj ber @rjbifct)of öon 2rier unb ber 3tbt öon ©t. ©allen führten -£>ülfitruböen 
tjeran. Slber ber gelbjug War öon fefjr fur^er S)auer. Wad) einem fdjärferen 
©efedjt öor ben Sporen ©traßburgi um Glitte Sfuti, in welctjem bie Trierer 
eine ©djtaöbe erlitten, Würbe ein längerer äöaffcnftiltftanb gefcl)loffen. 3)er 



32 SBaltfjer t>on ©erolb*ecf. 

SBifdjof 309 fid) aus ber unmittelbaren s Mrje ber ©tabt jurüd unb fetjte feine 
Operationen in ber ftorm einer ßernirung fort, 3fn biefc $eit fällt ber be* 
beutungsbotte Uebertritt föubolf's Don ^abSburg bon ber bifd)öflid)en Partei auf 
bie Seite ber ©tabt. äßenn aud) bie 9Jtotit)e beffelben nid)t flar finb, {ebenfalls 
ermud)fen baraus feljr batb embfinblidje 9Jtad)tberänberungen für 20. SDte ober» 
elfäfftfdjen ©täbte (Solmar, Äaifersbcrg unb 9Mlt)aufen, bie bisher auf feiner 
©cite geftanben rjatten, fielen im ,£>erbfie in SRubolf's <£>anb unb ßotmar, Dleuen» 
bürg a. 9tt)ein unb SSafet fdjloffen mit ©trafjburg äSünbnifjberträge. 9tad) 2lb= 
lauf bei SBaffenftiflftanbes unternahmen bie ©trafjburger ebenfo roie it)re ©egner 
SSermüftungsaüge in bas benachbarte fianb bies= unb jenfetts bes förjeinä, ein= 
mal gelang es bem SSifdjofe fte in ungünftiger (Situation ju überrafdjen, aber 
bie bolle Ausbeutung berfelben berrjinberten unüberfteigtidje £errainr)inberniffe. 
SBiebertjolt mürben griebensbertjanblungen angefnübft, jebesmal otjne (hfotg. 

(Snblid) am 8. 9Jtär3 1262 fiel ber entfdjeibenbe ©d)lag in bem treffen bon 
Obertjausbergen. 5£>ie ©traPurger maren im Segriff ben feften $ird)tt)urm öon 
«Dlunbolsljeim nieberzureifjen , als 2ö. rjeranjog. 9lus ber ©tabt ftrömten alte 
roaffentragenben ^Bürger Ijerbei unb bereinigten fiel) mit ben frütjer ausgerütften 
©efärjrten. Sßoß ©ieges<$uberfid)t berüefj ber 23ifd)of feine boüljeilljafte ,£>öljen* 
ftettung unb roarf fid) mit feinen Leitern auf ben geinb , orme fein gfufjbotf 
abjumarten. Sie ©trafiburger Ijielten baffelbe burd) it)re Sßogenfdjütjen ah, be* 
gegneten bem Slnpratt mit itjrcr eigenen 9teiterei unb umzingelten bann mit itjrem 
gupolf greunb unb öetnb, alle Sßferbe nieberftedjenb. ©0 fanf bie SBlüttje ber 
elfäfftfdjen Stitterfdjaft in ben ©taub, tobt ober gefangen, nur ein Heiner Rauten 
fammt bem SSifdjof, ber jroei $ferbe unter feinem ßeibe bertoren tjatte, rettete fid). 

©etjr balb nad) biefem Sreignifj tourbe ein neuer äöaffenftiUftanb gefdjtoffen, 
ber ben ganzen ihtegsfdjaubtatj bis 33afel umfafjte. 2Rit irjm mar bie 2luf= 
rjebung bes unterbiete unb bie freigäbe bes |)anbelsberfet}rs für Strasburg ber= 
bunben. 3>m *Dtai jcbod) begann mieber ber $rtegszuftanb. SDie ©trafjburger 
betjnien itjre $erl)eerungs,}üge je^t bis in bas ^erj bes bifdjöfltdjen 5Jtad)t= 
gebietes aus, in bie ©egenb öon 5Jlolsl)eim unb Oberetmrjeim, ein 2lnfd)lag ber 
bifd)öflid)en Partei, (Sotmar burd) lieberfall mieber <ju gewinnen, mißlang. Der 
«Präliminarfriebe öon ©t. Slrbogaft öom 9. $uH 1262, ben ber alte $exx 28. 
öon ©etolbsetf in Vertretung bes 33ifdjofs, feines ©ofmes, mit feinen geinben 
einging unb ber aHerbings roidjtige Differenzen nodj ungefdjlidjtet lief}, führte 
ein ßnbe bes ©treits nod) nid)t l)erbei. Söergeblid) fudjte aud) Äönig Sdidjarb, 
ber im (Jlfafj toieber erfd)ienen mar unb entfdjieben für bie ©tabt Partei ergriff, 
bie 9iatification biefes 9lblommens burdjjufe^en. 3lm 1. 9U>öembev mürben bie 
SBaffen mieber aufgenommen. @rft, als ber geheime $tan, atte ©efangenen ber 
^ausbergener ©djladjt aus bem «0tünftergemal)rfam ju befreien, burdj bie 
Seibenfd}aitlid)feit bes S5ifd)ofs öereitelt morben mar, als ein großer 2^eit ber= 
felben fid) gegen ©elbbürgfdjaft unb burdj bas 2}erfbred)en ber ©tabt SSeiftanb 
ju leiften, baraus gelöft ^atte, als ber Slbfall fo allgemein mürbe, bafj nur nod) 
bie ßid)tenbergev auf ber bifd)öflid)en ©eite ausweiten, erft ba bradj 2B. a«= 
fammen. S)ie fid) l)äufenben Wi_§erfolge , bas öon aßen ©eiten r;ereinbred)enbe 
llnglüd fdjeinen enblid) feine ^raft aufgerieben p t)aben. 6in mo^lunterrid)tete 
3eitgenöffifd)e Queue motibirt felbft feinen frühen £ob mit bem llebermafe öon 
©djmerj unb ©ram, ber it)m am ^erjen genagt ^abe. 3lm 14. Februar 1263 
öerfdjieb er, in jDorügfjeim mürbe er beigefe^t. 

Drei äfatjre lang , bis zum Suli 1266 aitterte bie gemaltige bolitifd)e Sße= 
toegung nod) nad), bie er am Cberr^ein tjeröorgerufen ^atte, erfte ber triebe öon 
dabbet am 9*t)etn beenbete ben ©treit , nadjbem bie ihiegsflamme aus Mangel 
an SSrennftoff allmärjlid) ertofd)en mar. 3Beld)e »ebeutung biefem Kriege inne= 



2Baltf>et ü°n SBreijad) — 2Baltt)et (Mpoftel). 33 

Wohnte, fann man nicbt auS biefem flangtofen (£nbe entnehmen, fte jeigt fidj in 
bem »ertrage, ben bie ©tabt ©trafeburg im 2lprit 1263 mit SCßalttjer'ä 9iaclj= 
folger auf bem SijcbofSftuble, mit ^etntict) üon (SerolbSed abfc&lofe. bliebt blofj 
ba§ gacit eineS jtoeijäbrigen tjartnäcfigen SöaffengangeS mit bem CrpiScopat, 
fonbern eineS faft ein ^arjrrmnbett langen politifctjen Bingens mit ben alten 
Mädjten üon ©efefe unb (Sitte, einer großen üolfgtoirtbfdjaftticben Umtoäläung 
überhaupt marb bier gebogen. 2)ie ©tabt getoann fiaatlidje £)obeit§Tecrjte , fie 
tourbe eine felbftänbige Serritorialmacbt, bie bem 93ifcbofe unb audj bem föeictje 
gegenüber natjeju autonom mar. Safe 2S. üon ©erolbSecf in biefem Kampfe 
alä ber Vertreter alter SInfcrjauungen , abfterbenber Orbnungen ftanb unb fiel, 
toar fein gefcrjictjtlictjeS 93erfeängnif$ , toirb aber bie menfdjlicfee ©rjmpatbie nicfjt 
üerringern bürfen, toetcrje ber leibenfcbaftlict) ftol^e Jüngling, ber tapfere bitter 
auf bem ©trafjburger Sifcrjofäfturjfe üerbient. 

Bellum Waltherianum in Monumenta Germaniae historica SS. XVII, 

105 — 114. — Richerii Chronicon mon. Senonensis in Mon. Germ. hist. SS. 

XXV, 249—345. — 2Jß. SQßieganb, Urtunbenbuct) ber ©tabt ©trafjburg I 

u. IV, 1. — 9tott) ü. ©cbrecfenftein , £err 2öaltb>r üon ©erolbSecf, 1857. 

— 28. Söieganb, ©tubien jur (Slfäffifdjen ©efcbicbte unb ©efc&ict)t3fcrjreibung 

im Mittelalter. I: Bellum Waltherianum. 1878. 28. 2Bieganb. 

2BaItbcr bon SSreifacb, bürgerticrjer Minnefinger ber SerfaHäeit. @r ift 

1256 — 66 als ©cfjulmeifter in 23reifacb nadtjgetoiefen; man t)at üermutbet, bafj 

er mit einem 1271 — 94 ju greiburg auftretenben ©äjulmeifier 28atther biefelbe 

*ßerfon fei. — $n bie grofje ,g)eibetberger ,£>anbfct)rift finb als Slnbang ju ben 

Sichtungen beS ©cbulmeifterS üon ©fjtingen let)ri)afte unb minniglicrje ^3oefien 

feines ganj anberS gearteten 9ImtSgenoffen nachgetragen. 28. ift gelebrt ohne 

boct) mit 2Biffen ju prunfen, lebrbaft, fromm; in feiner ganzen Haltung toie 

gelegentlich, in feiner ©troptjenbilbung erinnert er an ben $Rarner. 28ortaufnabme 

unb SBortfpielerei bilben fein beliebtefteS Äunftmittel. S)er erfte £on preift ©ott 

unb bie (bem Teufel befonberS üertjafjte) Sreue; ber atoeite ift ein Sagelieb : 

toie ber Marner befdjränft ficb, 28. barauf, 2Bäctjter unb ftrau fprecben ju (äffen, 

bringt aber burct) Steigerung in ber Siebe beS SCßädtjterS bramatifctje ©pannung 

in ben ©toff; ber brüte bringt ein formet* unb reimreicbeS Marienlob. 2Bir 

erfennen einen trjpifcfien Vertreter jener brauen ©djulmeifterpoefie, bie in |mg 

üon ülrimberg it)ren 2lbfd)(ufj finbet. 

£ejt: ü. b. £>agen, lütinnefinger 2, 140. — 33iograprjifcrje§ : Sauer, 
©erm. 18, 213, ©rimme ebb. 33, 50. — SitterarbiftorifcbeS : Surbatf), 
föeinmar unb 28alttjer 9lnm. 52, jum Sagelieb be ©rurjter, 2)aS beutfcfee 
Sagelieb ©. 15. SRoettje, Slna. f. b. 31. 16, 96. 

föidjarb M. Meüer. 
2öaltl)er: 28., ein toanbernber ^rebiger (Slpoftel) ber SSrübergemeinben, bie 
in ber ©treitlitteratur beS 14. SabrbunbertS „Segbarben" ober „ßottbarben" 
genannt toerben, tourbe umS ^abr 1322 in ber 9läbe üon $öln , toobin er üon 
Maina ju reifen im 23egriff toar, auf S3efebl be§ ßrjbifcbofä Jpeintidtj üon 33irneburg 
üerrjaitet, in3 ©efängni^ getoorfen, gefoltert unb «juletjt üerbrannt. 20. toirb in 
ben Quellen als einer ber angefebenften Vertreter ber bamaligen „Segbarben" be« 
aeidjnet unb e§ ift auSbrücflict) überliefert, ba| er religiöfe ©cbriften in beutfcber 
©pracbe üerfa^t bat. Moäbeim üermutljet (De Beghardis et Beguinabus. Lips. 1790, 
©. 294), bafj 2B. ber SBerfaffer be§ befannten SractatS üon ben „neun Reifen" 
fei. @S läfjt ficb bafür {einerlei 2lnbatt beibringen, aber eS bleibt toicfjtig, ba^ 
toenigftenS einzelne ber aablreicfien fog. mt)ftifcben Sractate, bie in jener $eit 
anonüm erfdjienen, an beftimmte tarnen angefnüpft toerben rönnen; üiele ber* 

^lUflem. beutfdje IBiogtaDljic. XI,I. 3 



34 SBaltfjer bon ©pcier. 

felben mürben fpäter s Dceiftcr (Stftjarb ober Stauler augefdjrieben , roeit man ber* 
geblid) nad^ ben ©puren ber roatvren Söerfaffer fuc^te. 9B. flammte angeblid) aus 
ben \Uieberlanben, roar bon grofjer 33erebfamfeit, berftanb aud) lateinifd) , unb 
roirtte lange beöor er ergriffen rourbe, in ben 9tr)eingegenben unb bietteidjt aud) 
in Söeftfalcn. 2)as $robinjialconcil, bas Gürjbifdjof ,§)einrid) bon $öln im 
3. 1322 abhielt, bekräftigte fid) mit 93orfet)rungen gegen bas roeitere Umftd)= 
greifen ber .fjetjerei unb bie Mittel, bie man anroanbte, roaren befonbers in 
äöeftfalen fo roirfungsüoll , baß biefe ©egenben it)ien ©tauben befonbers rein 
bewahrten. S5ie 33erfucbe, beit gefangenen SB. burd) bie ^ottcr jur Sinnige 
feiner "Dtitfdmlbigen p Urningen blieben erfolglos. S£>ie Gt)roniften beridjten, 
bafe er jatjlreidje ©laubensgenoffen am 9tcjeine, befonbers aber in Oefierreid), 
33öf)tncn unb ben benachbarten Sänbern befeffen t)abe, roo it)re garjt 800 000 
(Seelen betragen tjaben fott. 

Wad) Catal. Cod. Lat. Bibl. Reg. Monacensis Tom. I, P. II (1871) 
9tr. 336 finbet fid) in IJcüuctjen ein s Dcfcr. mit bem S£itel : „De quodamWalthero", 
bas 9iad)rid)ten über 2Batt()er enthält. — 9flosrjeim, De Beghardis et Begui- 
nabus. Lips. 1790, p. 270 ff. 585. — |>. Stangefol, Annal. Circ. West- 
phalici. Col. 1656, Lib. III, p. 410. — jritrjemius, Annales Coenobii Hirs. 
Tom. II, p. 155. — Sdmten, Annal. Päd. I. II, p. 249 f. — (Jlj. gea, 
A history of the inquisition II, 373. Heller. 

SBaltljcr bon Spei er mar ein Sdjüter beö 23ifd)ofs Satberid) (970 big 
987), ber bie Stubien ber St. ©aller Sdjule, aus ber er Ijerborgegangeu mar, 
nad) Speier berpflanjt Ijatte. %m Sitter bon fieben Slarjren trat ber $nabe in 
bie bon SBatberid) begvünbcte ©eletjrtenfctjule ein unb jmar junäd)ft in eine 9Irt 
33orfd)ule, in ber er lefen unb fdjreiben lernte, um aisbann bon feinem äcrjnten 
bis adjt^etmten Sebensjatjr bem Stubium ber fog. fieben freien fünfte obzuliegen, 
worunter ber ©rammatif allein fedjs 3at)re, ber S)iale!tif unb 9Rt)etorif bagegen, 
foroie ber Slritrjmetif , ©eometrie , Slftronomie unb 9Jlufif jufammen nur <$roei 
3at)re gemibmet mürben, ftad) 23ollenbung biefer Stubien , unb nad)bem er 
bereits baz 91mt eines Subbiafons erlangt fjatte, mürbe itjm bon feinem 33ifd)ofe 
ein Auftrag ju tljeit, ber itjm ©clegenrjeit gab, feinem ©önner unb ßetrrer feinen 
SEanf abzuflauen unb jmgletd) eine $robe feiner ©eletjrfamfeit unb fprad)lid)en 
©eroanbtfjeit abzulegen. 'Sie 9conne <£mzed)a nämlid), Sdmtsmeifterin bes «ftlofters 
Gueblinburg , roelctje gleichfalls in Speier eine Sdjülerin ©albericr/s geroefen 
mar, cjatte ein lateimfdje« ®ebid)t auf ben 1)1. Gljriftopt) berjafjt unb itjrem 
Sedier mit ber 33itte um 33crbefferung überfenbet. 2)iefe Sdjrtft mar, rote 28. 
brei $at)re naeü) 23otlenbung feine« eigenen SBerfes an Jpajedja fdjrieb, burd) bie 
5tad)läffigfeit bes bifdjöflidjen 33ibliotljefars berloren gegangen, unb nun rourbe 
9B. bom 53ifd)ofe aufgeforbert, geroiffermafeen als speeimen eruditionis benfelben 
©egenftanb in 33erfen roie in ^ßrofa 3U beljanbeln 2B. enttebigte fid) biefer 
Aufgabe in bem 3eitraum ätoeier Monate, inbem er juerft in 271 ^eyametern 
feinen 33ilbungegang fdjilberte unb al§bann in fünf 33üd)ern — jufammen 
1272 33erfe - unb 29 Kapiteln bas ßeben unb ßeiben bes t)t. ß^riftopb,, roie 
SBattenbad) fagt , ganj in bem gefpreijten, mit ©eletirfamfeit überlabcnen Stile 
ber 3eit jur S)atfteHung brachte. Sie 3 e H ber Slbfaffung faßt, roie aus ben 
Sd)lufjberfen fid) ergibt, in bas erfte 3ar)r ber Regierung ßaifer Ctto's III., 
unb es fd)eint fomit ber 2)id)ter felbft etroa 965 ober toenig früher geboren ju 
fein. iRad) bem Stöbe 23alberid)'s fd)idte 3B. fein 3Berf auf ib^r Verlangen an 
feine Slmtsgenoffen ßiutfreb, 33en$o unb griebrid) in Salzburg, unb in biefer 
ober einer gleidjjeitigen 31bfd)rift ift es uns erhalten morben burd) bie aus bem 
Älofter St. emmeram in föegensburg ftammenbe ^)anbfd}rift ber 5Jlünd)ener 
<£>of= unb Staatsbibliott^ef Clm. 14798 saec. X. «herausgegeben rourbe es jum 



äBalttjer bon ber 33ogeIroeibe. 35 

erften 9Jkle Pon SBernbnrb s $ej, iöibtiotbefar ber 33enebictinera6tei «ületf in 
Deftervetcf) in feinem Thesaurus anecdotorum novissimus unb jroar in ber brüten 
2l6tl)eitung bes jroeitm 2?nnbes, ©. 29—122, bann wieber Pon ^arfter 1878 
als ^Beigäbe 311m 3abresberid)t ber fgl. ©tubtenanftatt Speier, nactjbem berfelbe 
in gleicher SBeife bas $ab,r auöor bie ßebeneöcrtjättniffe bes Siidjters fomie bic 
bjftorifdje ©eftaltung ber ßbrifiopbslegenbe unter betn Sitel: „2öaltt)er Pon 
©peier, ein 2)td)ter bes X. 3fabrbunbert8" bebanbelt baue. 9)on befonberer 
Söicbtigfeit für bie $enntnifj ber bamaligen , ausfdtjtie&ltdi) öon ®eifilict)en in 
Softer* unb 2)omfd)ulen gepflegten ©tubien ift bas erfte 23ud) feines ©ebicfjtes, 
ber fog. liber scolasticus, rooiin er Pon S)ic£)tern , bie er gelefen, anfübrt: ben 
£>oinerns Minus, 'ötartianu« ßapella, -g)oratius, ^ßetfiuS, ^uPenalis, Sßoetbius, 
®iliue(?). Sterentius, £ucanus befonbers aber ben burcb bas ganje Mittelalter 
mit einer 3lrt mtjfttfcher Sßerebvung umgebenen Sßergilius. üDte ©puren biefer 
ebenfo intenfiöen wie ausgebreiteten Öectüre finben fid) , mie bei allen mittel« 
alterlichen Siebtem, auch bei 20. in jahlreicfeen 9Infpielungen unb ©nttebnungen, 
bie aber nicht als Verneig Pon Uufetbftäubigfeit fonbern als ©elebvfamfeit, nicht 
als frembartiger Slufpufe, fonbevn als febönfter ©ehmuef ber fftebe erfchienen. 
@s fprid)t fich auch bierin bie 23egeifterung für bas clafftfdje 2lltertbum aus, 
wopon jene ^dt erfüllt mar, unb bie mebr unb meftr ben 3lrgmobn firchjicber 
Eiferer ertegte, meiere bie 93efd}äftigung mit ben beibnifeben ©ctjviftftellern für 
Steufclswerf erflärten unb wefenttid) ju beut balb beginnenben allgemeinen 33er« 
fall ber |)umanitätsfiubien beitrugen. 3 un äd^fi jeboef) blübten biefe ©tubien 
auch in ©peier noch in erfreulicher 2öeife fort, ja fie nahmen einen neuen 3luf= 
febmung, als nach bem ©ilöfchen bes fäcbfifdhen Äaifergefdtjledjtes bie Ätone an 
ben fraftöollen $onrab IL, ben ©nlier, fam, ber öon feiner Vorliebe für ©peier 
auch, ben tarnen ber ©peierer erbielt, mie er benn audj ben ©runbftein au bem 
gewaltigen £)ome legte, ben er $u feiner unb feiner Nachfolger 9lubeftätte be« 
ftimmte. $ftan t)at früber allgemein angenommen, bafe ber Oberijirte ber 
£iöcefe , ber bei biefer ^eux bem ^aifer %üt ©eite ftanb , 33ifcbof 20. mar, ber 
biefe 2öürbe Pon 1004 — 1030 ober 1031 befleibete; bie neuere hiftorifdje 
gorfebung ieboct) behauptet, bafj iöifd^of SB. bereits 1027 geftorben fei, unb 
bafe auch bas Safjr 1030 für ben beginn bes ©peierer £)ombaues feine ©ernähr 
Ijabe. dagegen tjat fich. noch fein 3 tt>e UeI gegen bie juerft Pon bem |)iftorio« 
graphen bes ©peierer ©istbums, IRemling, ausgefprodjene Sßermuthung erhoben, 
bafj jener ©ifchof SBaltber eben unfer dichter fei, ber auch Äönig Jpetnrich II. 
auf feinem Oiömerjug 1014 begleitete unb feiner Äaiferfrönung beiroohnte. <£r 
mar nacb, äöattenbacb ein tjodjangefebener £>err unb febr gelebrt, ber feinem 
Gottegen 23urcharb bon äöorms bei ber Ausarbeitung feines 2)ecretes äur ^)anb 
ging, unb bem fein geringerer als ©ffebarb IV., ber 9)erfaffer ber Casus S. Galli, 
bie ©rabfebrift fdjrieb. ^. 

Söaltljcr Pon ber Sßogetmeibe, ^Dtinnefänger unb ©prud£)bidt)ter, neben 
äöolfram öon efebenbarb ber größte $oet bes Deutfcben ^)Piitte(alters. ©einen 
Flamen nennt eine einige urfunblicbe ftotia: bie Oieiferedjnungen bes 5paffauer 
SSifcbofs SBolfger Pon @Uenbredjtsfircr)en. ©ie Perjeicbnen, bafe Walthero cantori 
de Vogelweide 31t gei^lmauer an ber SDonau in *)iieberöfterreicb öom 33ifdjof 
fünf ©olibi für einen ^e^rotf gefebenft mürben. 6s mar, mie näfjere Unter» 
fuebung feftgeftellt b,at, am 12. 9loöember bes 3>at)res 1203. 2>ie gleictj^ettigen 
SDidtjter ©ottfrieb bon ©trajjburg , äßolfram öon föfebenbaet) , 3:bomafin öon 
3üclaria ermätjnen Söaltber unb bezeugen bas Slnfeben feiner 5poefie für ba§ 
erfte unb amette Sabr^e^nt bee 13. ^abrbunberts. jüngere Äunftgenoffen 
rübmen il)n als ibren 2Keifter. Heber fein £eben unb feine ^erfon untetridtjtet 
allein feine eigene jDidtjtung. ©ie entfjüllt ein bemegtes S)afein , eine reiche, 

3* 



36 äDaltfjer bon ber 23ogcItocibe. 

leibenfdjaftlicrje , finguläre Sfnbibibualitdt , bie Urfbrünglidjfeit unb ©röfee be* 
©enieS. 

2)ie 3 et t jeiner ©eburt unb feines £obe8 täfjt ftcr) nur burdj Sombt= 
nationen unb nur annätjernb befiimmen. 3n bem ßiebe Ir reinen wip , ir 
werden man (ßacrjmann'g 2lu8gabe 66, 21) jagt SBaltfjeT, er tjabe bterjig 3abre 
lang ober met)r bon 9JHnne in ber regten SCßeife gelungen. @8 nöttjigt fein 
@runb, biefeS ©ebictjt, toie Ütieger unb öotübetgerjenb 2Bilmann§ berfudjt traben, 
bor 3öaltt)er'g lefcte ßeben^eit au l^en (b. Äarajan, Ueber jtoei ©ebidjte 2öal= 
tt)er'8 b. b. SB., ©. 5: ©i^ungsb. b. 2ßien. »lab., $t)il.=t)ift. 61. 1851, 35b. 7; 
33urbad), fteinmar unb Battfjer, ©. 6 f.). S)ie foätefte fixere ©pur in aßaltrjer's 
fieben toeift nun aber in ben 2lu8gang be§ britten Satn^etinte be£ 13. iSaljr« 
tjunbertS, in bie 3 e '* & cg ÄreujjugS, ben Äaifer gtiebricb, II. nacb langen 93or= 
bereitungen unb mieberfjoltem 2uiffcr)ub enblidj auf eigene |>anb , bom 5ßapfie 
gebannt, im ftrüfyling unb «Sommer 1228 jur Slugfürjrung bradjte. 

SDie fogenannte Plegie Owe war sint verswunden (124, 1) entftanb na dt) 
ber 25annung be§ Äaifers (2lnfang Dctober 1227) , auf toelcbe bie unsenfte 
brieve her von Rome (95. 26) anfbielen, unb bor bem eigentlichen Äreujjug, 
b. b. bor bem 28. 3uni 1228. ©ie Söerfud^e, bies ©ebidjt mit früheren 
Äreujjug§gebanfen unb $reuj3ug8unternet)mungen in 3 u J amme nf)ang 3U bringen, 
ftnb gelungen unb toerben jefet rool faft allgemein bon ber gotfcfjung abgelehnt. 
3Jtan barf bemnacb, ba3 Sieb Ir reinen wip, ir werden man fbäteftens in§ 3fa^r 
1228 fefeen unb erhält, roenn man bon ba bierjig Satire jjurücf rennet , al£ 
3lnfang8äeit bon 2öaltf)er'ß Siebten etma 1187. ©ibt man iljm für ben beginn 
feiner fünftterifcrjen ßaufbabn ein 2llter bon äroanjig S^ten, jo märe er 1167 
geboren. 

©ict)ert)eit ift in biejer 33erect)nung nictjt, unb man fönnte auf ein ^a^rjebnt 
frütjer ober fpäter babei fein ©emicbt legen. (Sie mürbe ganj in ber ßuft fcbtoeben, 
liebe ibr nic^t bie Srroägung ber ©efcfeicbte bes 9}tinnefangs eine ©tütje. Süe 
neueren $orfct)ungen, an benen namentlich ©euerer, Söilmanns unb id) felbft be» 
tt)eiligt finb, Ijaben bie innere Sbronologie ber mittelhochbeutfcrjen ßtjrif flar« 
geftellt. 2Bir bermögen bie aflmähUcbe Slusbilbung bei 9JHnnefangs bon feinen 
brimitibften Anfängen aiemlich genau ftufenroeife ju berfolgen. äßaltljer ftebt in 
fünftlerijcber Sejteljung, bureb ©til unb poetifc^e Xecbnif, fo weit ab bon ben 
älteften böftfäen 9Jcinnefängern , £>einricf) bon 33etbefe (f. 21. ©. 33. XXXIX, 
565 ff.) unb giiebrich bon Raufen (f. 21. ©. 33. XI, 86 f.) , bajj atmfdjen ift m 
unb jenen ein niebt ju fleiner 3 e itraum fief) auäbehnen mu|, unb bies um fo 
met)r, aU er in Oefterreicb feinem eigenen 3 eu 9 n ^ m <$) feine bidjterifcfje 
©ebutung getoann, in bem jenigen ßanbe, ba§ am fpäteften bon bem ©trom ber 
l)öfifcrjen, aus bem SBeften fommenben Suttur unb ^oefte erreicfjt tourbe. 5Der 
ßintoanb 9lagele'8, SQßaltber babe lange 3*it bor 1190 ju bieten angefangen, 
eg fei au§ biefer Stüb^eit un§ nur nid)t§ bon feinen ßiebern erhalten, ift aroar 
niebt ftrict ju roiberlegen, aber bafür aueb roenig glaublicb. glicht biet bor 1190 
barf man ben «mang bon Söaltbei'ä Sichten fc^en. 

9Jltt bem 3ab,t 1228 berfc^toinbet 2öaltt)er aus unfern 2lugen. ^ot er 
ttnrfUcb ben Äreua^ug biefeg ^a^reS mitgemaebt unb felbft ba8 ^eilige tfanb ge» 
feben, toie fein Äreujlieb (14, 38), ba8 man am beften auf bie gabtt f?friebricb/8 II. 
unb feine frühere bejiet)t, auSf priest ? Gber gibt er nur ein ^bantafiebitb ber 
gemeinten ©tätte? & naebbem man in btefem ßieb bem ©icb,ter mit Sadjmann, 
Pfeiffer, 2Bi(mann8 eine Aktion jutraut ober mit ©imroef, Sßacfernagel, 
Sieger, ^aul fie augfcb.liefet , mufj man jene grage beantttotten. ©cbmerlid) 
aber mirb man annehmen bürfen, bafj 2öa(tb,er ba8 3a^t 1228 lange überlebt 
t)abe. 



28attf)er öon her 33ogelweibe. 37 

9lame unb ©tanb beS 2)ichterS erregen ötelfadjen groeifet. SSöttig feft» 
ftefjenb unb {einerlei fcfjtoanfenber Stuffaffung auSgefekt ift nur, bafj er öon öorn= 
t)erein SBatttjer geheifjen t)at. Sßieberbott nennt er fidt) felbft fo in feinen ©e= 
bieten: er täfet fic6 bom £of ju Söten (24, 34) unb öon grau äöelt (100, 33) 
mit biefem tarnen anreben unb in einem freilich, angearoeifelten , aber roarjr= 
fcheinlich eckten ©prucfc (150, 89) fübrt er ftch felbft als ich Walther ein. $n 
jtoei polemifcf)en ©ebbten gegen fernbliebe Stiöalen in ber Äunft (18, 6. 82, 12) 
gibt er ficfo baS ^räbicat her bej. herre, roeld^eö nach ber geroötmlichen *Dteinung 
nur 5Rännern ritterlichen ©tanbeS jjuiam. 

Söaltber'S $unftgenoffen fpenbeten tbm , roo fie ihn ermähnen , nur tt)eil= 
toeife bieS ebrenbe 33eiroort: SBolfram *ßaräiöat 297, 24 her Walther, 3BiHe= 
balm 286, 19 hör Vogelweide; ebenfo her ber 9Jtarner (©traue'S SluSgabe XIV, 
18, ©. 113, 274), ber äöartburgfrieg, Sllbrecbt im jüngeren Siturel, -gmgo öon 
Ürimberg in feinem Kenner. Slnbere wie ein 2lnont)muS in ßacbmann'S äöaltber* 
ausgäbe (119, 11), Ulridj öon ©ingenberg (ebb. 108, 7), 9lubin (öon ber &agen, 
*Diinnefinger IV, 871), Oieinmar öon 23rennenberg (ebb. 871) brauchen in 
poetifch=üertraulic6er Stnrebe ben einfädln ^erfonennamen obne toeiteren 3"fa&- 

Der £itel her erfcheint nur, roo man ben Flamen beS 2)ichterS mit einer 
geroiffen ftörmlichfeit nennt. Säftigen unb üerädjtlichen Sötberfacfjern gegenüber 
gibt er ibn fidt) felbft, feine gefeUfdjaftltche Stellung bamit herüoraubeben. 2öo 
man feiner fiöflid), aber ohne befonbere SBärme gebenft, mufj baS ebrenbe 2Bort 
ftch gleichfalls einfinben. 2lber fonft fann eS auch feblen. @S ift nichts Weiter 
als ein (Spittjeton, baS jebeS jltitglieb ber ritterttcrjen ©ocietät beanfprudjen 
barf. %a eS fann fcbtoerlidj bejroeifelt roerben, bafj man in jener 3^it auch 
Männer, bie nicbt toirflich Sie Sfttttertoeibe empfangen hatten, ja nicht einmal 
ritterlicher ©eburt roaren, her nannte, ©djulte hat (Seitfdjr. f. b. 5lltertrjum 39, 
210, 213) gezeigt, bafj in ben llrfunben beS 13. 3rahrf)unbertS böbere, oft auch 
niebere (Steriler bie Titulatur her bej. dominus füftren unb feit ber Glitte beS 
SfahrbunbertS in gürich toenigftenS auch nichtritterliche 23ürger. i^eber öollenbS, 
ber nach ritterlicher 2lrt im ,g>of= unb ^errenbienft lebte, erbielt ben ßtjrennamen 
her auS ^)öflich£ett, obne bafj eine Slbnenprobe angeftellt ober nach feiner Stifter« 
toetbe gefragt rourbe. 3roar baben bie 1156 erlaffenen SSeftimmungen ber Con- 
stitutio de pace tenenda gutn ©djutj unb jur 2lbfcf)liefjung beS legitimen 9titter= 
ftanbeS, bie 1187 ober 1188 in ber Constitutio contra incendiarios roieberbolt 
tourben (3atlinger, Ministeriales unb Milites, ©. 87; Neuster, Snftitutionen beS 
beutfchen ^rtöatrecbtS 1, 172; 3totl) öon ©cbrecfenfiein, ftitterroürbe, ©. 149 ff.), 
ben 23egriff ber föitterbürtigfeit unb ben ftadjroeiS berfelben burct) bier 2lfmen 
3ur ©ruublage beS ©tanbes ju macben gefucht. 3lber fie baben nie ganj bet« 
hütet, bafj auch 9lachfommen unebenbürtiger 93äter ober ©rofjöäter bie 23orrecf)te 
ritterlichen SebenS unb bie bamit üerbunbenen Sbrentitel fich geroannen, unb 
mochte auroeilen baS ein faiferlicher SJtSpenS ertoirfen, über ben beS ^etruS 
be 33ineiS gformetbuch 2luS!unft gibt (ütotlj b. ©chrecfenftein a. a. £>., ©. 197), 
ober ein befonbereS föniglicbeS ^riöileg (3. 33. für bie 93ürger SßafelS: ^euSler 
a. a. D. 1, 181 3lnm. 17), fo gefchah eS boch geroi| nicht feiten auc| obne 
fotche auSbrücftiche (Srmäcbtigung. 9lur fo begreift man äöirnt'S öon ©rafenberg 
(SBigaloiS 63, 29 ff.) 3orn über bie illegitimen bitter unb bie 33erteibung beS 
©cbroerteS an Unroürbige, burch ©eburt unb Seben öon SiechtSroegen Unritterliche, 
©rroägt man nun ferner, bafj erfabrungSmäfjig bie Titulaturen bie 2enöena b^aben 
baS reale ©tanbeSöerbältnifj 3U erböt)en, ber emporftrebenben fociaten ©ntroicflung 
öoranäueilen , fo toirb man auS ber £batfacbe, bafj unfere grofjen ©ammel= 
banbf djriften Sßattber übermiegenb ben tarnen her geben, nicfjtS ©idt)ereS über 
feinen ©tanb ju entnebmen roagen. 



32372 



38 Sßalttjet t>on ber 23ogctweibe. 

2Bitf)tiger ift leine Stellung in ber genau abftufenb na<f) ©tänben 
otbnenben (Spulte, 3eitfd)r. f. b. Slltertf). 39, 185 ff.) grofcen #eibetberger 
fiieberrjanbftfjrift : rjier ftetjt er in ber britten ©ruppe, toetdje bie Minifterialen unb 
ben unfreien Sanbabel umfafjt. 2lber aud) baraus folgt nodj nidjt unjroeifeltjaft, 
ba& feine ftamitie bereits ritterlichen ©tanbes toar. ^ebenfalls läjjt ftd) 2Baltrjer'S 
9Utterbürtigfeit nidjt berocifen. 

2IuS ber Angabe einer rjanbfcrjriitlidjen (Stfenadjer Sfrronif beS 15. $ab> 
tjunbertS (Berol. mss. germ. 4: 9tr. 252), bie ben äöartburgfrieg eijäcjlt unb 
babei 2Baltf)er ritterslaht nennt, fjat Söinfelmann ( @efd)id)te Äaijer ftriebrtct/S II. 
unb feiner Steidje, 33b. 1, 8. 72 2Inm.) mit Unrecht für äöalttjer'S §erfunft 
©djtüffe gebogen. (Jbenforoenig batf beS ^ofjanncS jftote jener Gfjronif narj 
öerroanbter SBeridjt öom SÖattburgftirg (öon ber ^agen IV, 878 a), teonadj 
SBaltrjer unb bie übrigen Stieilnetjmer an bem Sidjtertoettftreit rittermessige 
man und gestrenge weppener geroefcn feien , als fnftorifctjeS Siocument benuipt 
toerben. 5£enn au biefen tljüringtfdjen ®efd)id)tSbarftellungen liegen befanntlidj 
ftatf fabutoS auSgefdjmürfte Quellen ju ©runbe. SInbetfeitS gibt eS Dorf) audj 
fein birectrS ^eugnife für eine nidjt ritterliche 5lbfunft Sßaltrjer'S. 2öenn it)n 
gletdjjeitige unb jüngere j£td)ter meister nennen , fo tooflen fie bamit , ttrie ber 
3ufammenrjang biefer (htoätjnungen unjroetfelfjaft lerjrt, nur feine fünftlerifdje 
3^reff ticijfeit unb Ueberlegenfjeit bejetetmen, nictjt aber etroa auf feinen bürger- 
lichen ©tanb fjinroeifen, roie ^einrid) $urj feltfamer Söeife glaubte. 

@S gibt inbeffen geroiffe innere ©rünbe, bie für rittermäjjige 3lbftam= 
mung beS 2>tdjterS fpreerjen. ©eine ©ebidjte aeigen, bafj er fidj als ein 
Mitglieb ber guten b. rj. ber rjöfifcrjen ©efeEfdjaft ftetjer unb mit öoÜfommener 
35et)errfrfjung ber ritterlichen formen beroegte. 5ßei jeber Gelegenheit gibt er 
ftdj als Kenner beS toatjren tjöfifdjen ü£onS, ber eckten ritterlichen (Bitte, ber ebeln 
^poefie. @r blieft öeracfjtungSöoll auf jebe litterarifdje Stotjeit in -£>offreifen 
tjerab unb fonbert ritteilidje 5ßcefie fdjarf öon ber, bie er als bäurifetje öerädjtlidj 
mad)t (65, 31). 2!anad) mufe man 33ebenfen tjegen , itjn als einen ööttig 
ftanbeSlofen Mann p betrachten. 2ßenn er fctjliefjlicf) Dorn Äönig belehnt 
tohb (27, 7; 28, 31), fo fpricfjt bieS nod) feineSroegS bafür , bofj er ritter» 
bürtig gcroefen; benn rectjte l'eljen fonnten nact) öetjenrfcrjt jroar nur dritter« 
bürtige empfangen, l£ienftler)en bagegen aud) ein jeber, ber tittermä&ig 
äBaffenbienft ttjat (fjicfer , 93om |>eerfd)ilb, ©. 174 ff.; 3 a Kinger, Ministeriales 
unb Milites, 6. 41 ff.; ftotf) P. ©d)terfenftein , 9titterloürbe , ©. 190, 192; 
3t. ©ctjröber, Sefjrbudj ber beutfetjen ^tdjtSgefctjicrjte, 6. 383; ö. 3»nama=@ternegg, 
£eutfd)e aöutiifcrjaftSöefcrjtdtjte 2, 57 f., 183 ff. ; .jpeuSler, ^nftitutionen 1, 171 ff.). 
Mit allem ftactjbrucf aber tft als burdjauS irrefüljtenb ber ©a^ <5d)önbad)^ 
jutücfjumeifen (SBalttjer , ©. 40): „fo ftdjer e§ ift, ba^ äöaltfjer einem eblen 
©efctjlec^te anget)örte.". 2lu§ einem „eblen" (Sefdiledjte, montnter man im ©inne 
ber mittelalterlichen ©tanbceüertjältniffe ^unädift nur ein roirtticrj altablidjeS, 
freies ©efcijledjt, eine gamilie öon freien sperren (greitjerren) perfter;en fann, 
ift 2Baltfjer jebenfattS nictjt Ijerüorgegangen. 2Bir muffen — bafür wirb ftd) 
nod) fpätir (unten S. 44) ein befonberer ©runb ergeben — feine yfamilie im 
unanieb,nlict)ften 2b^eit ber s 3litterbürtigen fuc^en, im Greife ber nieberften 
Minifterialen, ber fogenannten Milites, ber 2)ienftmannen Pon freien Ferren ober 
Minifterialen , bie in unfern Quellen auf baS beftimmtefte öon ben t)5t)er ge- 
arteten Ministeriales, ben S)ienftmannen ber 9teid)efürften, ©rafen unb Prälaten 
gefonbert metben. 

©elbft um eines rechten 2ef)nS roürbig au fein, beburfte man nictjt ber form» 
tietjen 9tittertDeib>. 3Iuct) ritterbürtige knappen roaren letjnsfätjig. Unb 
man fann, roie fdjon 1822 Ufjlanb getfjan rjat (©diriften &. ©efet). b. S)id)t. unb 



äBaltber bon ber SBocjelroeibe. 39 

Sage 5, 14), fe^x ^lüeifetn , ob Sßalther wirtlich bie 9tittetweit)e empfangen 
habe unb baburch fotmeE felbft bittet geworben fei. 2)aS ^räbicat her, WeldheS 
it)m bon betriebenen Seiten beigelegt wirb, bermag hierfür gar nichts 311 be» 
weifen, benn auch, nach ber berrfdjenben ^Beurteilung tonnte eS höchftenS für 
feine 2lbftammung in Betracht fommen. Slucb als ritterbürtiger knappe tonnte 
er fich , tonnten anbere iljn fo nennen. Sßenn aber in ben beiben 2Sotenltebern 
(113, 1 unb MSF. 214, 36, bgl. äßilmannS 2 , ®. 437 ff.), beren ^weites 
fdhwerlich 2ßalther gehört, unb in bem ^auenmonotog (113, 31) bon einem 
Dritter bie Siebe ift , fo fann auch baS nichts entfebeiben: bier banbelt eS fid) 
um bie conbentioneEe £atfieEung eineS trjpifd)en SßerfjältniffeS ber hohen 9Jtinne; 
bier rebet ber <Sd)üler IReinmar'S; unb nidjtS tann beranlaffen, barin eine *photo= 
graphie petfönheher (Srlebniffe nicht nur , fonbern fogar pevföntidjer äußerer 
ßeben&berbältniffe ju fuchen. (SS ift ein munberlidjer 9Jci§gtiff, in einer poetifdjen 
©attung, wo Dor allem Realen Elaste unb ©d)leier fangen unb jeber bie ^erfon 
berrathenbe, baS ©efjeimnijj betlefeenbe inbibibueEe 3"9 fotgiältig bevbetft mitb, 
urfunbliche ©enauigfeit, fo^ufagen ftanbeSamtlicfce 2lfribie für bie ^erfonolten beö 
2)ichterS ju ermatten ! 3Barum nennt fiefj äBaltber brnn niemals bitter in 
feinen ©prüdjen , bie fid) fo biet realer unb fo biet perfönlidjer geben? 5)te 
Seiferedjnungen 2öolfger'S gewähren ifjm , obtool fie ibn ^mei IRat ermähnen, 
meber ein dominus noch ein miles. ©ewife, bier tann glüchtigfeit ober bie in 
llrfunben nidjt fettene 9cachläffigfeit in ber 2lnwenbung ber Titulaturen oorlicgen. 
Schwerlich, aber barf man bagegen bie um anbertfjalb Sabvbunberte jüngere unb 
für biefe $5inge faum noch autbenttfehe Dioti^ im Manuale beS Michael be Öeone 
(gegen 1354) milite Walthero dicto de Vogelweide auSfpielen. ^yreiticr) tann man 
anberfeitS auch nicht ben 2:iifl der guote kneht, ben Ihomafin im SBelfchen 
©aft SBaltber boE aürnenber SBemunberung beilegt, bafüt gelteub machen, SÖatt^er 
fei nur ritterbürtiger knappe getoefen (2Barfernagel bei Simrod 2 118), nodj 
weniger aber mit 2öilmannS (£eben Söalther'S , ©. 300, 2lnm. 24) annehmen, 
2t)omafin habe baS SGßort gewählt , roeil äßalther bamalS noch fein ritterliches 
@ut befafj. SDenn einmal tonnte kneht (servus) jeben ^Dliniftertaten, nicht blo& 
ben mit feinem SBeneficium belehnten bezeichnen (äBaitj, $). 23erfaffungSgefd)id)te 2 
5, ©. 333 s 2lnm. 2, <B. 347), aufjerbem aber wirb ber SluSbrutf der guote 
kneht formelhaft getabe Don Sftittetn jeber 2lrt, auch dürften, gebraucht, nur 
um fie als tapfere unb ehrenhafte ÜJtänner <ju charafterifiren (Jpitbcbranb, 2). 
28b. V, 1382 f.), unb biefen ©inn moEte mol audh SLfjomafin bamit berfnüpfen. 
2Öol aber ift mit Uhlanb unb Slnberen ©emidjt ju legen auf eine 2leufeerung 
äßaltbet^S felbft in feiner Plegie (125, 1 ff.): bort fteEt er fieb ben Gittern, 
ben Söefifcern ber gewihten swert, gegenüber unb mahnt fie , fich bon ihnen 
fonbernb, an eine Aufgabe, bie ihnen juftebe , bie ßreujfahrt. aBarum biefeS 
daran gedenket ritter, ez ist iuwer dinc, Wenn er fieb felbft au ihnen rechnete? 
toarum bie Betonung ihrer ©tanbeSjeichen , wenn er fie felbft gteidhfaEs befa|? 
3Bar ber (Srunb, meSfjalb er bie Ütitter bon fich trennte, fein hobeS Sllter, baS 
if)n fampfunfät)iQ machte, fo hätte er baS beutlich gefagt: er t)ätte bann nicht 
bie bitter in S gemein, fonbern bie jungen bitter an ihre Pflicht er» 
innert; er f)ätte nirfjt ben äßunfd) auSfptectjen fönnen, der sigenünfte wert ^u 
fein (125, 4), fonbern bietme^r nur bie <ju if)r erfotberliche 9tüftigfeit fich er- 
fehnt. ßachmann bat 3U 14, 38 richtig bemetft, ba& äöalther hier ,,ftd) ber 
6f)re, an ber lieben reise über <See thetljuneljmen aE,H« gering adhtet". äßaS 
i^m fe^lt, beutet er an, wenn er fich mit aEerbingS boppelfinnigetn ?luSbrucf 
notic man nennt (125, 5) b. t). bebihftig in eigentlichem unb in geiftlichem 
©inn; eS enfhüEt fich. böEig in ben etwa gleid^eitigeu , burc§ Stimmung unb 
ba« refrainartige Owe ber ©legte aufs nächfte berrranbten Äreu^fprüd^en Owe 



40" Söattber bon ber ä)ogeltoeibe. 

waz eren sich elleudet tiuschen landen (13, 5—31): manheit, darzuo silber 
und daz golt (13, 6) gebriebt bem Siebter; biefer Mangel binbett ibn an bet 
ftafrrt. ftriebrieb II. batte im Vertrag öon ©. ©ermano (25. 3ult 1225) ftcb 
öerpfliebtet , im Muguft 1227 mit taufenb Gittern antreten unb für a»eU 
taufenb fftitter unb ibre Begleitung ^ferbe unb ©dbiffe bereit balten 31t motten. 
S)ie früberen bemofrattfdben Veftimmungen ^nnocena' III. in feinen $reua3ug§« 
büßen ber ^abre 1213 unb 1215, toelcbe bie S^eitnabme am $reu33ug jebem 
obne föütfficht auf ©tanb unb Vejib als $flid)t auferlegten, bie man jeboch 
bureb ©elbjablung ober einen ©tellbertreter ablöfen fonnte, batte £onorius 2ln= 
fangs beibehalten, bann aber burch bie ßreuaprebtger unb bie übrigen ©eiftlicben 
nur foldben ^erfonen bas Äreuj anaübeften geftattet, roelcbe bureb, förperttche 
Sücbtigfeit unb materielle ©elbftänbigfeit baju geeignet fdjienen (Emo Chroni- 
con Mon. Germ. Script, XXIII, 499, 3-19 ff.), ffiamit mar auf bie älteren 
ÄreuaaugSorbnungen Äatfer gt-iebrich's I. unb ber (Surie aurücf gegriffen morben, 
bie jur Jheuafatjrt feinen aultefjen, ber nicht ein Sfabr ober ^mei ^ab^re ftcb 
felbft erbalten fonnte unb ööttig triegsfäbjg mar. Vei bem ßreuajug bes Satjres 
1227 berrfebte gteichrool über bie Vebingungen jur Sbeilna^me eine geroiffe 
Unltarbeit. Sriebridt) II. batte fich in einem unborfichttgen lugenblicf (£>erbft 
1226) au ber grflärung tjinreifjen laffen, es mürben für alle obne llnterfcbieb 
©cbiffe bereit ftet)n. ©päter (©ommer 1227) aeigte fieb,, baß meber bie £rans= 
portmittel noch, bie Vorbereitungen aur Verpflegung ausreichten , unb ber ^apft 
fonnte tjier mit feinen 9lnflagen gegen ben Äaifer einfetjen. 2lus 2)eutfcblanb 
aogen inbeffen au biefer ganaen gabrt überrotegenb reiebe unb angefeb,ene Pilger 
aus, fobafj biefer ^veuaaug auch expeditio nobilium et divitum genannt marb 
(fööijrk&t, Beiträge 1, 18 2lnm. 103). 2Us bann bie Äreujfaijrt bureb bie 
Äranfbeit bes $atfers unterbrochen mar unb nachher trob ber Vannung im 
^frübling 1228 mieber aufgenommen mürbe, beftimmte griebrtcb, bafj 8 fielen 
aufammen je einen fRitter ftelten füllten. £>er 3"ä u 9 au $ ©eutfdjlanb blieb 
gering unb mar bureb bas friegerifcJje Verhalten ber Veronefer unb s Dlailänber 
erfchmert. Da« neue Äreujfyer, bas am 28. $uni 1228 mit bem $aifer in 
Vrinbift ftcb einfdjiffte , mar niebt ftarf. danach roirb Söaltber's ©legte , bie 
aus bem Sßinter 1227 ftammt, berftänblicb. Cur mu| bie fäumigen bitter 
antreiben unb füblt ftdb felbft meber bureb fein Vermögen, noeb bureb feinen 
©tanb legittmirt, mitauatetm; er befafj niebt bie 2lbaeichen ber ritterlichen Sßürbe; 
er berfügte trofc feinem ßet)ngut ntcrjt über attsreidjenbe ©elbmittel, um an biefer 
expeditio nobilium et divitum ftcb a u beteiligen. 

Söieberum tonnen allein innere ©rünbe eine annäbernbe ©eroijjrjeit 
bringen. SBalfber Ijat ftcb, niemal« als ütitter bon SB e ruf gefüblt. 3roar er 
befaß, minbeftens au Seiten in £t)üringen, einen eigenen knappen ^ietrid), ber 
au |>of reitet (82, 11); awar erfcfjien t^m, ber au ^ferbe in ritterlicher 2Beife 
einberaog (24 , 20; 28, 8; 53 , 18; 84, 15), tote übrigen« audb ber fabrenbe 
5Jleifter ©igeejer (MSH. II, 361b), ber fidberlich niebt ritterbürttg unb niebt 
bittet mar, aueb niebt tittermäfeig lebte, am ©tab ju Su^ au get)n all ber 
äufeerfte benfbare ©runb ber (Jrniebrigung (66, 33). 5lber ftola ift er nur auf 
feine Äunft. SBenn er fieb rüljmt, roenn er 2lnfpructj auf Slnerfennung unb 
6tjre ergebt, immer fütjrt er feine biebterifeben Sljaten aU 9te<fttStitel. @r mei^ 
ftcb ben ©tümpern unb falben Talenten überlegen: felbft einem Steinmar, ber 
boeb fein ßetjrer mar; mie ötet metjr ber ganaen ©cr)ar genannter (Stolle, Wxcman) 
unb ungenannter mittelmäßiger 9tit>alen bi§ au ben snarrenzaeren (80 , 33) ! 
(Segen alle ricrjtet er bie Söaffen feines ©potts, feines 3°t*ns, feiner Verachtung 
unb berlangt bor itjnen in ber rttterlicrjen ©efettf(baft geehrt au roerben. 3lber 
menn er überbaupt gegen Seute biefes ©ebtags fo heftig mürbe , fo beutet bas 






äöalttjer Don ber Söogetioeibe. 41 

batauf, bafj er fictj in feiner focialen ^ofttion nicht ganj ficher füllte. (5t mar 
unb blieb gefeÜfdCjaftltd^ ein gorbetnber, fein beatus possidens. (5t betrautet 
fictj üon jetjet als ßefjver wahten böfifchen äöefenö, ecktet Slbelöfitte unb rennet 
fictj batum ju ben hovewerden (80, 34, in einem fpäteren ©ebictjt freiließ). 6t 
wagt, auch, bem JMfer ftriebrictj II. gegenübet butch feine „reiche Jhtnft" (28, 2) 
fein Stecht auf äöohlftanb unb 35eft^ ju begtünben. 2lus üieraigiätjrigem rechtem 
©ingen bon ebler 9)tinne , au§ bet in feinet Dichtung offenbarten unverzagten 
arebeit, mit bet et fein Sehen lang nactj werdekeit gefttebt (66, 34), leitet et 
feine bes Sohnes wetthen Sßetbienfte in bet ritterlichen ©efetlfchaft her (66, 21 ff.). 
(5t hat bagegen nichts üon bem üornctjmen ritterlichen ©tanbeSfinn SBirnt'S 
bon ©rafenberg, ber als freier #err ihn allerbingS Weit überragte unb im 93e* 
tDujjtfein feiner eblen ©eburt gegen bie eiferte, meldte nicht tRitterbüttigen unb 
3U ritterlichem Sehen auf bie S)auet nietjt ftätjigen bie 9titterWürbe gaben 
(2öigaloi8 63 , 35 ff.) , unb auch nichts üon bem tjöt)etn focialen ©tolj feines 
ihm ber ^erlunft nach roeniger überlegenen grofjen 3eitgenoffen, SCBolfram'S üon 
<5fchenbactj. 

9Iuctj biefer mar arm gleich äöalther unb fuctjte gleich ihm ben ©ebutj ber 
dürften , mag üieHeicht fogar eine 3eit lang toie 3Baltt)er ein SSanberleben ge= 
führt haben (^arj. 499, 9). 3lber ihm fteht fein 9tittetberuf höher als fein 
Sichten, sumal hötjer als fein 9Jtinnefang. ©onft fönnte er nietjt, felbft nietjt 
in einem Slugenblicf jorniger llebertreibung, fictj rühmen, bafj itjm Schildes ambet 
angeboren fei unb er nur hietburch grauenliebe geroinnen Wolle , nietjt buretj 
feine Siebet obet fein *Dcäre Oßara. 115, 11), für baS er freilictj am (5nbe süezer 
worte auS aartem «JJtunbe tjarrt («patj. 827, 28). $n äöolfram lebt bie alt» 
ererbte Abneigung beS friegStüdjtigen ablieben gegen Pergament unb Schrift* 
ftelletei , inSbefonbere gegen baS ütänbeln mit weichen ©efühlen. ©eine (5r= 
jä'hlung foll itjm feinet füt ein 33uctj tjatten. ©egen ben $Jtinnefänger föeinmar, 
bet nichts ift als -§>er$enSfünbiger, fcfjleubett et feine fpifeeften Pfeile ($arj. 115, 5). 
2llS mannbajter bitter fühlt er fictj im SSollbefitj ber werdekeit, wenn er 
auch, glaubt, bajj bie üerftänbigen tarnen ber ©ffellfctjaft itjn nactj ber S3oE« 
enbung feines ©poS üom ^ßarjiüal noctj werther fdjä^en werben (^arj. 827, 25). 

Söalttjer begetjrt nietjt ©leichberechtigung üon ber ritterlictjen ©efellfctjaft ; 
er fotbert SSeifafl. beS böfifetjen *]3ubltcumS nietjt wie üon StanbeSgenoffen gleich 
SBolfram; er fütjlt fictj im lebhaften 93eWufjtfein feiner ©icbtergröfje unb mit 
leibenfetjaftlictjer ©müfinbltctjfeit unb (Siferfuctjt über itjre 5lnerfennung waetjenb 
als ein anberSgearteteS äöefen, aber boctj abtjängig. (5r bejeictjnet fictj als 3 C ^ S 
üertreibet : der mit werder kunst den liuten (b. tj. ber ©efellfctjaft) kürzet langez 
jär nennt eS eine unter bem Flamen 9teinmar'S beä giebler'S überlieferte ©troütje 
(bei Sachmann, ©. 165). (5r witbt mit feinet ßunft um Sohn, materiellen unb 
ibealeren; er bient fein ßeben lang mit feinen Werfen unb tjeifctjt bafür, oft 
lebtjaft unb tjeftig, Sntgelt : min minnesanc der diene iu dar und iower hulde 
si min teil (66, 31). 23on jenen [Rittern , bie am |)ofe bes Sanbgrafen 
^»ermann üon 2fjüringen bei feinem etften Sefuctj ba§ Uebetgewtctjt tjatten, 
Welctje nactj altet äBeife bie eigentlichen ritterlictjen ©tanbeägewobntjeiten pflegten 
unb in friegerifebet ©tätjlung bes #örüet§ fowie in feftem 2runf ifire ßebens» 
aufgäbe fuctjten, fatj er fictj buretj eine Äluft getrennt: kenpfe b. tj. ^aubegen, 
gtaufbotbe fctjilt et fte fetjet^enb (20, 12) unb ftettt fie bamit in ben Ätei8 un« 
ebttietjet Seute, bie bet ©a^jenjpiegel (I, 38, § 1. III, 45, § 9) aufammen mit 
ben unebelictj ©ebotnen unb ben ©pieEeuten als recbtloS aufjäblt : et, bet felbft 
ba§ ©ewetbe bes ©pielmanns, wenn aueb auf feine, Ijöbete 2Beife trieb! 
SBolfram hingegen, obwol aueb er bie ttjüringifebe ^ofgefeUfchaft febetjenb 
ftitifirt ( s ^at3. 297, 16), ftanb biefen Elementen, benen minniglicbes SBetfemacben 



42 SßaUfjet tion bet 33ogelweibe. 

unritterlid) Doifam, näljer unb teilte mit itjnen eine gemiffe ©etingfctjäkung be& 
SJtinnefangS, bie er in feinet Selbfiberttjcibigung am @nbe beS ^weiten SudjS 
bei «ßaraitjal fo unDerfjorjlen auSfprad) (bgl. Stofd), 3eitfd^r. f. b. Slltettr). 
27, 317 ff.) . " no öon ber ein toenig felbft in ben (Späten buxdjfdtjeint , mit 
benen er atoei «Dlat au} Sieber 2Baltb,er'S anfpielt. SBierjigjäljrigen 5Minnefang 
im $ienft ber ^offreife, morauf 2öattf)er fo emptiatifd) feine gefetlfd)aftlicrje 
(Stellung grünbet, mürbe er nie als Queue edjter werdekeit tjaben gelten laffen. 
(Sin auf beiberfeitiger Stjmpattjie berufjenbeS Sßerfjältnifj ber beiben Siebter, toie 
eS Scfjönbad) (28altr)er, S. 104) fid) ausmalt, in bem äöolfram bon äöaltrjet'S 
„unmittelbarer ftrifetje unb auSbauernber 3ugenblid)feit ben Slnfporn empfing 
jur ftortfefcung unb Voüenbung feines nnft erb tieften äßerfeS", läfet fid) fd)led)tet» 
bingS auS nichts erfdjliefjen unb es erfdjeint gerabep unbenfbar nad) allem, toa$ 
toiv mirttid) Don (Stjaratter unb SebenSftettung ber beiben miffen. SBaltljer mag 
bon SÖolfram gelernt tjaben, äöolfram nimmermetjr bon äöaltfjer. @S ift nidjt 
&lofe ein tanbfd)aitlid)er ©egenfatj ber SBilbung, maS ben in £Ijüringen ein» 
gemurjelten 9torbgauer äöolfram bon bem in Oefieireid) gereiften SOßalt^er 
fcfjeibet: eS ift ein litterarifdjer unb StanbeSgegenfatj. 33ielteid)t Sienftmann 
(ober Sßafatt?) ber ©rafen Don 2öertt)eim Oßara. 184, 4) unb bon itjnen be= 
letjnt, £>err eines wenn auefc Keinen ©uteS, ftanb SBolfram trot; feiner Slrmutt) 
ben dürften unb ber tjöfifdjen ©efeflfetjaft biet freier gegenüber: feine fociale 
Sage mar bon Dontjeiein eine unabhängigere. Ülidtjt otjne Sinn bilbet bie 
grofje .'peibelberger ßiebert)anbfd)rift 2ßotfram in boller, jum ^ampf fertiger 
Lüftung ab, mit gefdjloffenem «t)elm, feftmertumgürtet, Speer unb Sdjitb in ben 
<£)änben unb bereit auf bem gefattelten unb geräumten ^ofj auf^ufitjen, Söalttjer 
bagegen in ber Stellung beS S)enferS, auf einem Stein fitjenb in ernfte 33etradj= 
tungen berfunfen, otjne Lüftung, baS Sdjmert jur Seite geletmt, unb in ber 
Sßeingartner |janbfd)rift fetjlt ifjm fogar §etm unb Scfjilb. SBolfram'S s ^oefie 
tönt in jebem 33erS baS taute, fpeer= unb fd)toettf lirrenbe , prunfenbe, aben= 
teuerlid)e iRitterteben mieber; er fieljt bie 2Belt nur mit ben klugen beS 9titter§; 
er berrittert fie, mie ein feiner Äenner feines Stils, S. s -8od, ein betannteS Söort 
©octtje'S über .öebet mobelnb, treffenb bemerft t)at. äöalttjer bagegen ftetjt jroar 
auef) in rtttetlidjem Söefen unb ßeben, aber nid)t mit ber "JlatteiticrjEeit beS 
StanbeSgefütyiS. 3a auS einer gutmüttjig boshaften ^olemif Söoliram'S gegen 
ein Sieb 3£alttjer'S Hingt beutlid) ber Sßotmuif: „$)u bift nict)t ganj ebenbürtig, 
nid)t öoU mitter!" 

2in bie berühmte Scene, ba ^aiciüal bor brei ^Blutstropfen im Sdjnee 
in fetjnfüdjtige ßiebesgebanfen an feine berlaffene ©emaf)lin üerfinft unb felbft 
buvet) bie Schläge bee oorroi^igen ^eie nietjt auS feinen träumen gemedft mirb, 
fcftaltet äBolfram noctj feiner Söeife einen neefifeften ^tuSfatt gegen bie $rau 
«ölinne ein {^ax^. 294, 21) äßie äöilmannS (Seben äBatt^er'S, S. 453) richtig 
etfannt tjat, friegt bd biefer ©elegentjeit äßaltt)er einen gelinben ^pieb ah. 5)ie 
ftrau s Binne, fagt äßolfram, möge fid) nur in 2ld)t nehmen, bafj man itjr nid)t 
bie Schlage, bie ^arjiöal empfangen t)at, anredjne, benn ein gebür menigftenS 
b. t). einer, ber nid)t felbft gemotmt ift, für etlittencn Scfjimpf fofovt mit ben 
SBaffen Vergeltung ^u üben, ein »Jti^t» glittet fpräetje gleich : „deinem 
Jpertn fei baS gettjan" b. t). als unfreier s Utann forbert er red}tlict)e Vertretung 
üon feinem Jperrn. 2>er Söifc parobitt SBaltb^er'S Klageruf an bie ftrau ÜJiinne 
(40, 26): frowe Minne daz si iu getan, genau in berfelben 9lrt, mie SÖalttjer 
(111, 32) Dteinmat'S SBilb Dom geflogenen Äu§ (')JlinnefangS Oft. 159, 37 ff.) 
beim Söort nimmt unb buid) fttenge juriftifdje Folgerung als unfdjicflid) 
läcftertid) mad)t. Unb bielleidjt fctjmebte Bolftam aud) 2öattb;er ; S &tilferuf an 
bie grau ^Dtinne 55, 8 bor, in bem er fid) als finnloS tjinftetlt unb beffen 



2öaltf)cr öon ber SSogctttjeibe. 43 

tuon üf! (33. 34) «p«a. 433, 1 ttüeberflingt. 2lber biefer Spott ift nidjt fo 
ganj rjarmlog. 6§ ftecft batin, roaS 2öilmann§ nicbt tjerborcjebt , eine flehte 
2)ofi8 ©eringfdjdfsung. x Sunäd)ft mad)t 333ol?ram fid) über bie 9luffaffung luftig, 
toeldje ben ßiebenben aU ©flauen bet Minne fjinftellt, tote er e§ aud) fonft liebt, bie 
überjd)tt)ängticrjc 33err)errlid)ung ber s IRinne ju ivonifiren. 3)ann aber bor altem : 
ber Minnefänger , ber fid) mit 53etfen mebrt unb näljrt, nidjt Schildes ambet 
treibt, mirb, meit nid)t oott toaffentüdjttg, übertreibenb ben geboren gteidj ober 
nat) gefegt. j£a3 Reifet: SGßattber mar überhaupt nicljt bitter geroorben, Iwtte 
nicbt ba3 ©ctjmert feierlich empfangen. S)enn bat ^iet ettoa nur ber ©tol$ 
fprädje be§ börjeren Minifterialen Sßolfram , ber einen ©rafen feinen -§>erm 
nannte, gegen ben niebrigeren Minifterialen, ben üDienftmann freier Ferren ober 
gar bon Minifterialen, ben blofjen miles, wofür mir SBalttjer tjalten muffen, ift 
unmafyrfcrjeinlid), roeil bann bie ^ßointe be3 Söitjeg nidjt trifft ober bunfet mirb. 
SBolfram repräfentirt 2Baltr)er gegenüber metjr bie alte ßebenSanfdjauung be$ 
confetüatiüen, öotfstljümlidjen, aber ftanbeäftoi^en beutfdjen Sorbens. S)a mirb 
ba§ alte ^beal bei Mannet , ba mirb bie alte ©lieberung ber 93eruf3= unb 
©eburtfcfreife jätjer alä in Cberbeutfdjtanb feftgeljalten ; ba gilt ritterlidjeS 
Söefen metjr aU r)öfifdje§, furnier» unb $rieg§tüdjtigfeit metrc al§ 33ilbung 
be8 ©eifteS unb -£)erjen§, aU tjingebenber Ciebeäbienft ; ba fcrjäfct man mol 
braftifdje @pif, aber nidjt btn .wtgeftimmten Minnefang. 

©in ritterlidjeS ©efdjtedjt von der Vogelweide ift aus bem 13. i^alnrjunbert 
biStjer nidjt nacbgcmiefen. Man mufc be^meifeln, bafj fid), nadjbem fo lange 
bergeblidj banadj gefudjt motben ift, ein foldjeS nodj mitb aufftnben laffen. 
^läfce aber, bie ben tarnen vogelweide (aviarium) führten, gab eS im Mittel- 
alter Diele. ©0 nannte man ©teilen, mo 33ögel ftd) aufhielten ober inSbefonbete 
ju ^agbiroeden, atfo Ralfen, ©petber, |wbid)te, gefüttert unb pr SSeije abge= 
richtet mürben , bemnadj audj 33oge(jagb ftattfanb (über bie 33ebeutung bgt. 
föidmtb Müller, Blätter b. 33erein8 f. ßanbeäfunbe bon Wieberöfterreid) 1888 
SR. ft. 22, 196 ff. unb ßampel eb^>. 1892 91. fjf. 26, 9 ff.). (Solche 33ogelmeiben 
lagen in ber ftäfje öieler 33utgen, Älöfter unb ©täbte. S)er Ortsname „SSoget* 
roeibe" ift benn aud) aus alter ^eit merjrfad) nadjgemiefen morben unb über ein 
Shttjenb ftetjen jur 9Iu§roabl. liefet roeiter Ijilft bie ©udje nad) einem Familien* 
namen von der Vogelweide, ber mieberbolt, aber tt)etl§ nur bürgetlidj, tljeilS p 
fpät belegt ift, nodj bie ^agb nad) einem 3titterfitj biefe8 5tameng. S)er 9teit)e 
naef) b,at man bie ©ebroei^, Oefterrcidj , fronten, Sirol unb neuerbingä mieber 
S3öbmen al§ JJBaltber'ö Jpeimatfj ausgegtben. 

fjür 2irol glaubte man ein bebeutfameä Argument gefunben p Ijaben, 
al§ ©. Mairbofer unb gfrana Pfeiffer 1864 (feine fcgabe 1. 2lufl., ©. XIX, 
6. Slufl.. ©. XXV) in einem Urbarbucb. aus bem (5nbe be§ 13. Sfab.iljunbertS 
einen ^)of unb Sßaib beg Samens in ber ^tälje bon Sterling (f- jefct Fontes 
rerum Austriacarum Diplomata , 33b. 45, ©. 56), unb mebr nod) at8 man im 
ßarjener «Rieb am linfen Ufer bei (Sifacf über SBaibbrucf am 33erge3l)ang be§ 
©r5bnertfja(§ ä ro ei ©efjbfte entbeefte, bie nod) tjeute „pr 33ogelmeibe" Ijei^en unb 
beren eineä für utalt gilt, ^a biefer Sßogelmeibtjof jugleid) buvd) bie auf itjtn 
Ijaftenben, im Äatafterbud) üon 1774 belegten (gingerle, ©ermania 20, 259) 
©infünfte an Junten fid) at8 alter 9iitterfife au fennaeidjnen fdjien unb im 
15. 3iabrbunbevt urfunblid) aU foleber ermiefen ift (ftebtidj, Mitteilungen b. 
Snftitut* f. öfterreid). ©efdjictjtgf orfdjung , 33b. 13, ©. 160 f.), meinte man 
atleä ßtnfteS, bier bie ©eburtSftätte be§ S)id)ter§ annehmen p bürfen, unb 
bureb lanbsmannfdiaftlicbe 33egeifterung mürbe für biefe 3lnficbt lebhaft, ja be= 
geiftett ^ropaganba gemadjt. 



44 SBaltfjet bon bet Söogelroetbe. 

$n SQÖa^rtjeit ift ein Setoeiä bafür nid£>t erbradjt, tote ©djönbad) (feiger 
f. beutfdjeS Sllterttmm 4, 5 ff.) für jeben Urt^eitöfä^igen fattfam bargetfcan bat. 
SBeber ftebt e8 feft, bajj jener |>of fcfcon im 12. Sabrljunbert ein 9titterfi£ toar 
— bielmefcr toitb baä jefct auf ©runb urfunblicber gorfchung beftritten öon 
2ampel (Blätter beä SßereiuS f. SanbeSfunbe bon ftieberöfterreidj 91. $. 1892, 
23b. 26, 251 ff.) — nod) aud) barf man überhaupt ertoarten, bajj äöaltber 
einem ritterlichen ©efdjlecht mit feftem Familiennamen angehört hat, ba fonft 
getoifc ein fotd)e§ aud) in llrfunben gelegentlich einmal borfommen müfete. 9Jlit 
gider, bem erften Kenner mittelalterlicher ©tanbegoerrjältniffe unb tnäbefonbere 
öfterreidjifcfcer unb tirotifdjer llrfunben (©ermania 20,271 ff.), rennen toir 
2öaltr)er ju ber nieberften Stoffe ber unfreien bitter, ju ben 3)ienftmannen ber 
freien ^erren ober ber 9Jtinifterialen , bie im ©egenfah ju ben fjöher ftebenben 
S)ienftmannen ber Surften, ©rafen ober gefürfteten Prälaten einfach 9titter 
fd)ted)tf)in (milites) fjiefjen, in llrfunben fetten auftraten unb, too fie erfdjienen, 
blofj mit ir)ren Sßerfonennamen angefütjtt tourben, ba fie be§ feften ^a = 
miliennamenS nod) entbehrten. 

Sßötlig oerferjlt unb grammatifctj (93ef)agf)el, ©ermania 35 , 199 f.) toie 
ejegetifdj (Sogt, 3eitfdjr. f. b. Philologie 23, 479 ff.) ganj unjutäffig mar ber 
Serfud) 2)omanig'3, bie ©eftalt beS alten $lau3ner§ in SBaltber'S 9teid)8ton 
(9, 37) als Wla%tc für ben S)id)ter felbft aufraffen, bem Söort klösenaere, 
toie ähnlid) fchon früher gingerle (©ermania 20, 267), ben ©inn „auä Ätaufen 
(in Stirol) ftammenb" ju geben unb fo bie gefuchte ^eimatb, nach biefer ©tabt 
jju berlegen. 

Stuch bie neuefte 33emütjung, ber unberbürgten 9Jceifierfängertrabition auä 
bem ©nbe be§ 16. ^arjrfjunbertS , SBaltber fei ein „ßanbherr in SSöhmen" 
getoefen, unb bon ber $agen'3 Slnfnüpfung (9Jiinnefinger IV, 161) an ben an* 
geblid) Johann von der Vogelweide heifjenben Sßerfaffer be8 ©treitgefprächä „S)er 
2ldermann au8 93ö£)men" öon 1399 urfunblidje ©tühen ju geben (^afttoid), 
9Jtittheilungen be8 Vereins für bie ©efcbidhte ber 2)eutfcben in Söhnten 1893, 
aud) feparat) berbient burchau§ einfache 2lblehnung (bgl. ©chönbacb, Slnjeiger 
für beutfdjeg Sllterthum 21, 228 ff.). S)er ftad)toei§ eineä bürgerlichen 
©efchlechtä \ogelweyder ober von der Vogelweyde ju SDuj; in Söhnten in ben 
fahren 1389—1404 unb eineä Walther von der Vogelweyde (1396 unb 1398) 
befagt für hit fjfrage genau fo biel ober fo toenig aU- ber urfunbtiche Walther 
der Vogelwaid von Velthaim in Dberbaiern bom ^atjre 1394 (Monum. Boica 16, 
459; ©chmetler, Saljerifcheg Söörterb. 2 2, 853) ober ber gleichfalls urfunbtiche 
Walther von der Vogelwaid in ber ©teiermarf bom 3tatjre 1368 ($alm, 
3eit|d)r. f. beutfche $hit. 5, 205), bei benen beiben ber ©tanb nidjt fid)er p 
ermitteln ift. Unb biefe gmgttiffe t)aben an fid) wieber nidjtS öorau§ bor jenen 
tbeilroeife etroaS jüngeren, auf toelctje hie SBertrjeibiger ber Siroler ^)eimathljt)bo« 
triefe fid) berufen: 1302 Chonrad Vogelwaider in ber S3ojener ©egenb, 1547 
Wörndl Vogelwaider in 9iieb 3>nf)aber be§ Unterbogeltoeiberb,of8 unb Wolfgang 
Voglwaider Inhaber be§ Oberbogettoeiberbofg ; 1477 ber 2t rjt Meister von der 
Vogelwaid; Walther Vogelweider in Riedt im ätteften gaiener £aujbud) bon 
1575 (Singerto, ©ermania 20, ©. 260 unb Slnm., ©. 269); unb enbtid) bon 
Sampel (a. a. O. 26, 255) nad^getoiefen ein Vogelweide um 1290 ju ©getbad) 
bei 3lmra§. 

3luf ein Vogelwaid in Dberöfterreid) (33ejitf§amt aBei^enbad)) madjte 
Barnde (Sitterarifd)e8 ßentralbl. 1869, ©. 679) aufmerffam. gür 9lieber = 
oft erreich belegte ba§ äöort in ber SBebeutung S5ogelpd)t ober Sogetjagb 
01. Butler au§ einem ©ipetbauer Xaibing bon 1512 (Blätter b. Vereins f. 
ßanbeäf. bon 9t.-Defterr. 5i. ft. 22, 197), bei 5ltlentfteig in einem gfleiffauifcben 



SBaltber üott ber Siogelmeibe. 45 

33eraeicbnif$ auS bem 14. ^ahrlrnnbert Sampel (ebb. ft. ft. 26, 9). Sßictteidjt 
ift an ber jweiten ©teile ein glurname gemeint. ©onft fommt in hiebet» 
öfterreict) fet)r oft not Vogelsang unb Vogelbühel. 

2)er ©tanb aller biäfjer befannten 9lamen§bettern beä SDic^tetS fdjeint fidj 
mit ©idjerheit nidjt al§ ritterlich. erWeifen 3U taffen, aber auct) wenn eg bei ein» 
jelnen ber galt märe, toie bd jenem Stephlein von Voglwayd gesessen in Layaner 
pharr, ben am 23. SJecember 1431 baS gräfliche Srüberpaar 9Jticrjael unb OSWalb 
b. Söolfenftein nach. Set)en§= unb ßanbrecf)t mit einem 3 e §nten belefmte (9teblidj 
a. a. £).), mag folgte barauS? 9tid)t§, alä bajj e8 eben SSogelweiben unb banacfe ge* 
nannte ritterliche unb nicbtritterlidje ^)5fe in unb bor Dielen ©tobten gab, bafj bis 
inS 16. Slabrbunbert, bielleicht unter meifterfängerifcbem (Sinflufj, bie Erinnerung 
an ben tarnen be§ großen Richters fortbauerte. 3fn granffurt am ^ERain lebte 
nach 9Iu3Wei§ be§ älteften StobtenbucbS im 13. ^abrbunbert ein Wolfram Fogel- 
weider, ber gar bie beiben «Häupter ber mittelbocfibeutfcrjen Dichtung in feinem 
Flamen jufammenfafjte. Unb menn man febon auf ba§ btofce Sorfommen be§ 
Samens fo biet Sßertb legen Wottte, marum bleibt man niebt ftebn bei jener 
frfib bezeugten curia dieta zu der Vogelwaide in Söüqburg auf bem ©anbe bon 
1323 (Obertbür, bie 9Jtinne= unb 9Jteifierfänger au8 ftranfen, SBüräburg 1818, 
8. 30; fteuß, SOBalther b. b. 35. SBürjburg 1843, ©.7; Pfeiffer, ©erm. 5, 10). 

S)iefe Ueberfütte ber ftadjWeife be§ 9tamenS enthebt jebem einzelnen bie Sße« 
Weißfraft. Unb noch, weniger halten bie übrigen naiben Argumente jener Patrioten 
©tieb, bie um ibre ^eimatb fidj berbient gemacht ^u baben glauben, menn fie 
SBattber jum Sanbsmann gewinnen. 

(Seit Ubtanb (©ehr. 5, 102) behauptet batte, 2Balther tjabe bie ßlage 
Owe war sint verswunden angeftimmt „nadjbem er in fpäteren ^abren in baö 
ßanb feiner ©eburt ^urtiefgefommen", ift man niefet mübe geworben, auf ©runb 
biefer unjutäffigen ^Interpretation , bie in ba« Spimenibeömotib bei burdjauö 
ge ift liehen ßiebeS einen fcbwädjlicben , mobern=fentimentalen £ug hinein* 
trägt, bie fübnften SBermuttjungen aufzubauen. Cüs hilft nidjt«, bafj febon 1827 
SBilbelm ©rimm in feiner feinfinnigen unb gelehrten Sftecenfton ber Sachmann'fchjn 
2luigabe (AI. ©chriften 2, 395) bie richtige Sluffaffung angebeutet, bafj 1833 
äöacfernagel in ben trefflichen (Erläuterungen ju ©imroefs Ueberfefeung (2, 194) 
gegen ©imroef gezeigt batte, es fei hier bon feiner wirtlidjen £)eimfebr bie 9tebe, 
fonbern bon einem (hwaetjen aus langem ©chlaf, bafj Sieger (Sehen Söalther's, 
©iefjen 1863 , ©. 36) unb juletjt — otjne bie Vorgänger ju beachten — 
3arncfe (Seiträge jur ©efdj. b. beutfehen ©pradje unb ßitteratur 2, 575) in 
gleichem ©inne gefprochen t)aben. ^mmer wieber tauchen Setrachtungen auf wie 
folgenbe: Söalthjr'S ^eimatt) muffe entlegen, bon feinen fonftigen Sfteifewegen 
entfernt gewefen fein , bamit e8 fidj begreifen laffe, ba^ er erft auf ber ftafyxt 
nach. Italien jum ßreu^ug feit langer üErennung fie jum elften 9Jlal wieber* 
gefe^en §abe, ober gar: fie muffe in ber ftälje ber £>eerftraf$e naef) Italien ge= 
legen gewefen fein unb baburch, ben Sictjter ju einem Keinen Slbftecrjer beranla^t 
Ijaben. Ober boüenbö man forfetjt unb fucfjt, ob man Wot an ber als ^eimattj 
2Balt|er'§ in Slnfpruch genommenen ©teile abgehauenen 3Balb, berbrannte ^Iber 
unb ein flie|jenbe§ Söaffer (SCßalther 124, 10. 11) für bie ältere 3eit nach' 
Weifen fönne , Wa§ bann natürlich überall mit berfelben ©itherljeit regetmäfsig 
gefd^ie^t. 

<5§ bleibt nach aKebem burchau§ bei bem Urtheil, baS SCßacfernagel (^erjog'S 
giealencnclopäbie 21, 470 = &t. ©ehr. 2, 369) unb ©imroef (3lu§gabe ©. 23) 
am beftimmteften auSgefprocljen b^aben: nadt) feinem Seinamen „bon ber 35ogel= 
Weibe" lonnte fein @efitecl)t überall ^u ,paufe fein, Wo eS Sogelweiben gab, 
unb bie fanben fich in alten beutfehen ©auen, manche auch in ber ftachbatfebaft 



46 äBattber Don bcr Sßogcltoeibe. 

toon #errenft$en als £>öfe, bie fo hiefeen, weil fie bie ©tätte, wo 2}öget gehegt 
Würben, enthielten ober weit ber £)ienftmaun, bem ihre Pflege oblag, fie bewohnte. 

dagegen hat man ein gan,\ fixere? ^eugnifj, bas 2$atther felbft übev feine 
#eimath abgibt, burch unerlaubte ^nterpretationsfünfte öerbunfelt: in bem 
©prud) auf ben Nürnberger |>oftag bes Jahres 1224 ober 1225 fchliefet et 
|>eriog ßeopolb toon Dcfterreich in ben 2lusbrutf unser heimschen fürsten ein 
(84, 20). äöottte man mit 9Badeinaget , ^"Teiff^r unb anbern hier ben „@aft" 
genannten Seopolb ben beimifchen dürften cntgegenfefeen , fo müfjte man folge» 
redfcjt ju ber unmöglichen Stuffaffung fidj bequemen, bafj er ber einzige ©aft 
beö iages gewefen jei (Scherer, 3 eit i^ r - f- °- öfterrcicf). ©hmnafien 1866, Q3b. 17, 
©. 316 j. = steine ©ehr. 1, 625 ff.). Mithin ergibt fiel): Söaltber nannte 
einen öfteneiebifchen Aperjog feinen beimifchen ftürfien, empfanb Oefteneich als 
feine ipeimatfj. Nacb eigenem ©efianbnifj lernte er ze österriche singen unde sagen 
(32, 14) unb nact) bem ganzen 3ufammenhang biefer 2leufjerung tonnte nur 
gefuchtefte Interpretation barin mit Pfeiffer bie 2tbfid)t roittern, bas ßanb ber 
fünftterifchen 2lusbilbung bem ©ebuitstanb gegenüberjufe^en. 2Bteberbolt fpricht 
auö feinen ©ebichten innige SBe^termng ju Oefterreich unb feinem gürftenbof, bie 
auf einen befonberen, rein perföntidjen ©runb tjinjutoeifen fdjetnt. Quid) einen 
Zeitraum toon mel)r als ämanjtg S^ren wirb er nicht mübe, an ben ^pof toon 
SBien ju ftteben, obroot es itjm nid)t gelingt, bauernb bort feften gufj au faffen. 
äßoher biefe «getjnfudjt — barf man mit äöilmanns (ßeben ©. 59) fragen — 
Wenn ibn bortbin nidtjt bas &eimatbsgefüht 303? 3lber freilich, mochte er 
Oeftetretcf) als feine £>eimatb empfinben : #eimath unb ©eburtslanb braucht nid£)t 
nothWenbig jufammenjufatten. Xie einigen munbartlicben ©puren feiner 
fonft toon jeber locaten gärbung dreien ©prad,e beuten auf bairtfefces ©prach* 
gebiet unb nur ber ©feptifer toirb fie aus längerem Stufenthalt in jenen 
©egenben ftatt aus bem angebornen 2)ialeft herleiten: es ift bies ber ö|"ierieid)ifd)e 
9teim verwarren (ft. verworren): pfarren (34, 18); ferner in bem nid)t gana 
ficher echten £agelieb (88, 12. 18. 26. 27) ber übevtoiegenb — nicht aus» 
fchltefjtich, f. So. ©rimm, Ät. ©ehr. 4, 97 — toon bairifch=öfterreichifchen Sintern 
gebrauste 9ieim (äßeinholb, 9Jcbb. ©r. 2 ©. 43 f.) lieht: nieht (ft. niht) ; enbticb 
ber in £irol (©djöpf, £irol. ^biotifon ©. 815), Saiern (©chmeller, $Batjerifd)eS 
Söörterbuch 2 II, 835) unb Nieberöfterreich (Schönbach, feiger 4, 12) toerbreitete 
Sbiotismus wich „fett, üppig, ausgelaffen, abgefohmarft" (35, 28). S)iefe 
©puren munbartlicher ©prache finb freitid) gering unb fie laffen nod) einen 
jiemlich Weiten ©pielraum für bie SBeftimmung ber -gierfunft. 

äöieberholt ift bie Slnficbt geäußert roerben, ber Name von der Vogelweide 
fei überhaupt bei äöatther gar nicht als mhttidjer Familienname, fonbern nur 
als S)id)tername ju toerfteben. 3uerft behauptete bas ßueas („Ueber ben 2Bart* 
burgfrieg". |>iftor. unb litterarifche 2lb^anbtungen ber f. beutfehen ©efeßfdjaft 
3u Königsberg, 4. ©ammlung, 2. 2lbtbetlung , Königsberg 1838, ©. 229, 
2lnm. 190). Grr warf bie grage auf, ob ber Siebter Sffialther, ber mit 93ejug 
auf ben SBaltber toon Slquitanien ber .^pelbenfage öor ben Werfern feine ©eltebte 
fd)er^enb Hiltegunde nenne (74, 19), toon bem Waltharius aueeps (Waltharius 421) 
feinen Namen von der Yogelweide hergenommen ^abe. S)ie 5 ta 8 e beantwortete %a= 
cob ©rimm fofort äufttmmenb (ßateinifd)e ©ebid)tc bes 10. u. 11. ^ahrhunberts, 
©. 384) unb toermutfyete, im üertorenen beutfd)en Siebe toon äBalt^er fei bieEeictjt 
Wirllid) ber 2lusbrud öorgefommen. @r hielt für möglich,, bafj erft nach jener 
Slnfpielung ber Sßeiname bes SI)icb,ters fid) überhaupt gebttbet habe. Sies ift 
nun fefct burch bas 3?ugni| ber gleichzeitigen 9teiferechnungen ^Bifchof 2Bolfger's toon 
Sßaffau Wtbertegt: von der Yogelweide biefj 93ßatther bereits 1203 bei feinen 
Seitgenoffen. 2lber in ber ütbat etwas SBlenbenbes hat jene Sße^ie^ung auf bie 



3öaltf)et v>on ber 3)ogeltneibe. 47 

abenteuerliche Situation bes fiieljenben 2Baltf)er ber Sage, ber um feinen Unter* 
Ijatt ju geroinnen, im tiefen Söalb SöögeX fängt. 2)enn 23ogelweibe fann febr 
tr>ot)( „Vogelfang" bebeuten. 

Sollte aud) 3Baltt)er, alä er ben äöiener |)of üerliefc unb in bie ungeroiffe 
gerne 30g , flüdjtig unb t)eimatt)lo3 wie ber fliehenbe äöatttjer üon Slauitanien, 
ftch felbft nach, ber (Sitte fatjrenber Sänger mit bebeutfamer 9lnfpielung aui bie 
aübefannte Sage jenen tarnen beigelegt haben? Jpunbert ^ar)re fpäter lebte 
in Defteneid) ein fatvrenber Sänger, ber fid) Heinrich der Yogelaere (%. 2). 33. 
XL, 787» nannte, ber 33a-taffer bei ßebichts üon 2>ietrich/e $lud)t (33. 8000): 
ihm fdjmebte bei feiner Benennung gewifc ber beutfc&e $önig -£)einrid) I. üor, aber 
fidjer bodj aud) eine Slnfpielung auf fein Sehen als ftahrenber. $n ber Steiermarf 
bebeutet „er fann nun auf bie 23ögel fchiefeen" fo üiel als „er ift brotlos" (©rion, 
3t|dbr. f. b. $hil. 2, 420). 33ei feinem Slufbvucb üon Oefierreich 1198 tonnte 
auch äßalttjer fo üon fid) fpredjen. SB. ©rimm, berSBalther unb ftreibanf für eine 
Sßerfon t)ielt , fat) in bem 33einamen von der Vogelweide gleichfalls einen an» 
genommenen Sichternamen, roie in Freidank felbft, wie in Frauenlob, der Un- 
verzagte, der Freudenleere (Ueber greibanf 1850, $1. Sehr. 4, 5). Unb 
(£. Jp. 9Jcerjer in feiner oerfeblten, aber im ©injelnen beachtenswerten Sc&rift: 
Schenf SSaltber üon Schipfe ibentifd) mit äBattber üon ber Vogelmeibe (33remen 
1863) S. 6 f. meinte , ber Siebter habe ben SSeinamen erft im fiaufe feines 
ßebens angenommen, möge er nun blofj als ^ehl ,}um Schüfe gegen Verfolgungen 
Wegen feiner firctjenicinblichen Sichtung bienen ober einen örtlichen be^ro. irgenb 
einen anbern Vejug in fid) tragen, dr bachte babei root an bas Verftedensfpiel, 
bas beutfehe Vaganten mit bem ^feubontym Primas, Archipoeta, Golias trieben, 
um iljre ^nüecttüen gegen 9tom ungefäljrbet Derbreiten ^u fönnen. äöenn man, 
wie id) oben fdjon ausfprad), guten ©runb bat, anjunefjmen, bafj SBalttjer ber* 
jenigen nieberften Slaffe bes s Uttni|teriatenfianbes angehört t)at, bie ju feiner 3eit 
einen 5 Qm ^i e nnamen überhaupt noch, nicht führte, roenn ein (Sefdjlecfrt von der 
Yogelweide aus bem 12. ober Anfang bes 13. Saljrljunbertä nid)t nachgeroiefen 
Werben fann , fo barf man im (Srnft fragen , ob ber Veiname nicht ähnlich ju 
erflären fei wie üerroanbte Warnen fatjrenbcr Sänger. Sßie bie Spietmann«^ 
uamen Spervogel (Sperling), Falchelinus (1175 bis 1191 in ©berfdjwaben, 
3eitfchr. f. bie ©efdj. bes Dberrbeins 29, 15), Der wilde man, Raumslant, 
Suchenwirt, Yelchelinus („f$fälflein", Orient 1253), Hasensprunch (Sübtirol 
1338 f. Schönad), ^citfehr. f. b. Slltertf). 31, 172. 182), Hagedorn, Irreganc, 
Waller, Eilend, Regenbogen bie Unbctjauftljeit unb Vefifelofigfeit, bas unftäte 
2B.inberleben in mannidjfadjen Silbern jur Sd)au bringen , mochte auch ber 
titterbürtige 2Baltt)er — üteüeicht mit Sejichung auf ben t)iftorifd)en YValther 
Sensaveir (Sönlther ohne ^>abe) , ben berühmten 2t)pus bes fahrenben Gitters, 
üietleicht auf ben Vogel fangenben SÖalttjer ber ^elbenfage — fid) btefen Warnen 
mit ftoljem Spott über feine Slrmuth. unb fein äöanberteben beilegen. |>atte 
boch. aud) ber Archipoeta in feiner unüergteicbttdjen Confessio üon feinem 
93agantenleben gelungen: feror ego ut per vias aeris vaga fertur avis (Carm. 
Buran. Wr. 172, S. 67). Unb legt bod) auch 2Bolfram, als er auf Söalther's 
Spruch üom Spiefjbraten anfptelt (9Billef). 286, 19), roenn er ben Sidjter ah-- 
ficf)ttict) her Vogelweid unb nicht her Walther nennt, einen ähnlichen fpöttifchen 
Sinn bem Warnen bei: ber nur üon armfeligen SBögeln fich nährt (ober etroa: 
ber 93efi|er eines 5pia|e§, ba nur bie SBögel fatt roerben unb erlegt werben), 
fingt bon Sraten (b. h,. gebratenem gleifdh). Vielleicht nannte aud) jene oben 
(S. 42 f.) befproefiene SInfpielung ^ax^. 294, 21 2Baltt)er mit beeroegen gebür, 
weil fein 33einame auf ein Raufen im SBalbc nach 2lrt be§ ©inöbbauer« ge» 
beutet werben fonnte unb felbft ber unwillige ftluch Seopolb's, ber ben un- 



48 äöatttjer Don ber Sogeltueibe. 

bequemen ©änger in ben äöalb wünfdjte (35, 17), mod)te tüottffielcnb baran 
anfnüpfen. £>ajj bann biefet 9tame auct) auf feinem fielen, ali et ei nad) 
langem fairen gewann, haftete, wäre nidjt befremblid). 9lber ei bleibt atlei 
biei eine unbeweisbare 93ermutt)ung unb toitb manchem unannehmbar erfdjeinen, 
Wenn audj jtoei fo berfctjieben gesinnte ©eletjrte wie 3<irnde unb (Stieret, oljne 
toeiteie Q3egrünbung unb offne au Wagen, bafür öff entließ einzutreten, fte im 
©titlen getjegt tjaben. 



SBatttjct^ ßeben, foweit ei fid) in feinen (Sebidjten fpiegett, gtiebert fid) in 
brei <£>auptabfdmitte : bie 3 C ^ oer Sufl^nb in Oefierreid) , bie lange 3 c ü oer 
Sßanberung, bie 3eit bei 9Bot)nfi£ei in 2Bürjburg. 

3n Oefterreicf) lernte er fingen unb fagen: ber gtänsenbe £>of ju SBien 
mar bie ©tätte feiner erften 3luibilbung unb feiner frütjeften littetarifdjen 
Slfjätigfeit. SDort befanb ficrj in ber Umgebung bei £)erjogi Seopolb V. , bei 
£ugenbt)aften , ber feit 1177 feinem 33ater gefolgt mar, Steinmar ber Sitte 
(f. 91. %. 93. XXVIII, 93 ff,). Sri jener 3eit , ba ber ritterliche 93abenberger 
bie beutfdje ©icfjtung ali tt)eitner)menbet ©önner fdtjixmtc , wirb fid) äöaltfjer 
juerft Ijeroorgettjan fjaben: bon feinem älteren 93orbilb 9teinmar lernenb unb 
balb mit ir)m metteifernb. 

Dtjne Sraße niufj Söalttjer in ber mufifalifdtjen £ed)nil eine fctjulmäfjige 
UnterWeifung genoffen fjaben. ©ottfrieb t>on Strasburg im Sriftan (93. 4799 ff.) 
greift itjn toegen bei 9teicr)tb,umi unb ber fünftleufcrjen 93oHenbung feiner 
Gompofitionen mit gelehrten ^Borten aui ber mittetatterlicrjen ihtnftmuftf , bie 
idj juerft im ©injelnen gebeutet l)abe (9teinmar unb 2Baltt)er ©. 1 79 f.) 9Jtan 
barf baraui auf eine fjerborragenbe mufifalifdje 93egabung unb auf eine ungewörjntidje 
2lusbilbung biefei üEalenti fdjliefjen. Söie toeit Weltliche, mie Weit geiftlidje Setjrer 
30ßattt)er fjierin angeleitet tjaben , bleibt buntet. 2lud) eine getoiffe gelehrte 
93ilbung t)at 2Baltt)er Wofjl befeffen. Söeniger fpredjen bafür bie 9lnfpielungen 
auf bie -gmuptperfonen ber biblifdjen ©efct)tcf)te unb einzelne Vorgänge aui bem 
2eben ßtjrifti, ober auf ©eftatten ber profanen ©efcfjicrjte unb ©age 
(Slteranber 17, 9; Helena unb 2>iana 119, 10; Slrtui 25, 1; äöaltr)et unb 
|)ilbegunbe 74, 19). Slber bie 5ht, mie fein ßeicr) bogmatifetje ßenntniffe ber* 
arbeitet, unb bor allem bie Neigung <uir bialeftifdjen ©lieberung unb ©djeibung, 
äur logifdjen 93etracr)tung , bie in feinen früfjeften ©ebictjten jumal, aber audj 
fpäterrjin fo oft cjeröorttitt unb itjnen manchmal eine leife iHU)le, geWörjnlidj 
aber eine be^wingenbe Maxtyit unb Söirlfamfeit berteitjt, begreift man fo am 
beften. 2Battt)er mag ben ütribial=Unterrid)t einer Älofterfdmle empfangen unb 
annäbernb ben SB.ilbungigrab erreicht fjaben, ben bie fdjiffbrüdjigen Steriler, bie 
93aganten, feine nädjfien Sollegen befafjen. yiafy bem £obe Seopolb'i 
(©t)ltoefter 1194) mürbe bie £errfcrjaft swifdjen feinen ©ötjnen $riebrid) unb 
ßeopotb VI. (VII.) gettjeitt: jener erhielt Defterreict) , btefer bie ©teiermarf. 
Unter griebric^'i ^Regierung b,at ber junge äöalttjer bie ferjönften Stage feinei 
ßebeni gefetjen unb fiel) auf ber £öl)e feiner gefeEfctjaftlicljen Stellung gefüllt 
(19, 29). »Hein biei ©lud verrann balb: fc^on am 15. ober 16. 3lpril 1198 
ftarb .^erjog griebrtcf) in 5ßaläftina auf einer i?reujfab,rt unb fein 9iacl)fotger, 
fein 93ruber ßeopolb, ber nun beibe ^erjogitjümer bereinigte, b,egte für ben 
2>icf)ter leine fteunblidie ©eftnnung. @i fcb.eint faft, ali ob fein ernfter 
religiöfer, felbft 3U 3litefe geneigter ©inn, bem bie (Jrlebigung ber 9tegierungi= 
gefdjäfte üor allen föitterfpieten ging (8ied)tenftein fjrauenbienft 77, 17 ff.), ber 
meltlict) Weiteren 5ßoefte überhaupt abljolb gemefen unb bai ßeben am Söiener #of 
baljer feit feinem Regierungsantritt freub- unb fc^mucClofer geworben fei. unfeinem 



äßalttjer bon ber äJogelweibe. 49 

ßmpfinbungsheiS ftanb ber ©djufc ber $irdje unb beg reinen ©laubenS, bie 2lu§= 
rottung ber Äetjer öoran. SE)od) madjte 9teibr)art bon 9teuentt)at 1217 in feiner 
^Begleitung ben ^reujjug mit unb ift iljm öietleid)t aud) perfönlid) unb mit feiner 
SDidjtung nätjer getreten. Söaltljer mufjte ßefterreid) öertaffen unb fid) tote ein 
fatjrenber ©änger auf bie SQßanberfdjaft begeben , um an einem anbern ftürften* 
Ijof, toenn ein guter ©tern e§ fügte, |>ulb unb bauernbe Slufnarjme ju finben. 

2lu3 biefer etften öfterreid)ifd)en 3 e ü Deft^en toir fein einziges batirbareS ©e= 
btdjt äBalttjer'S. äöotjl aber fönnen toir au§ inneren ©rünben annehmen, bafj 
berjenige ütljeil feiner Sieber bamal* entftanben ift , ber nod) auf ben ipfaben 
ber r)öfifd)en Steflei'ionSlrjrif , ber grajiöfen mit ben ßmpfinbungen ein toentg 
fpietenben ©efetlfdjaftSpoefie toanbelt, wie fie SReinmar ber 2ltte auS |mgenau 
nad) bem Vorgang fjfiiebridj'ä b. Raufen birtuog auggebilbet tjatte. 

$)iefe 2Iuffaffung ift juetft bon mir auSgefprodjen unb begrünbet toorben in 
bem 23ud) „9teinmar ber 2llte unb 2Baltf)er öon ber 23ogeltoeibe. (Sin Seitrag 
jur ©efd)id)te be§ 9flinnefang§. Setpjig 1880." 33i3 batjin t)atte man berfudjt, 
für bie Sieber 333attt)er'§ burd) rein biograpt)ifd)e Deutung eine Chronologie 
3U getoinnen: juerft (1854) tjatte äöeisfe (Söeimar. 3at)rbud) 1, 357 ff.) ben 
9tad)toei3 ju führen fid) bemüht, bafj alle SiebeSlieber Söaltfjex'S nur an jtoei 
grauen gerichtet feien, an ein SJtäbdjen nteberen ©tanbeS unb an eine öornecjme 
SDame; nad) feinem Vorgang unternahm man e§ immer aufs neue, bie Siebe§= 
poefie Söatttjer'S auf biefe beiben 23ert)ältniffe ju öerttjeilen unb bie minniglidje 
@efd)id)te be£ 2)id)ter§ aus ben toedjfelnben ©timmungeu feiner Sieber unb auä 
ben toenig beftitnmten SInbeuiungen, bie fie enthalten, auf gutes ©lud burd) bie 
2Inorbnung aufzubauen (Ütieger 1862 in f. SluSgabe ©. VIII). SOßtlmannS 
tooüte burd) (Jrtoägung ber Reihenfolge ber ©ebidjte in ben <^anbfd)riften bie 
©idjertjeit biefer Kombinationen üermetjren. (St ging babei bon ber 9lnnar)me 
aus , bafj bie ©djöpfungen Sßaltfjet'S in ben unferen ^anbfdjriften ju ©runbe 
liegenben Sieberbüdjern ctjronologifd) georbnet toaren unb bafj banadj im 2111= 
gemeinen fid) aud) bie Sieber betfelben *J3eriobe in ben |wnbfd)riften neben einanber 
ftnben muffen. @r glaubte überbieS, bafj bie Sieber in einem toirflidjen Siebet 
bertjättnifj entftanben nur reale ©rlebniffe toiebergäben (3eitfd)rift für beutfdjeS 
5lltertl)um 1867 33b. 13, 268 ff.). 

SSeibe SJoraugfe&ungen finb unhaltbar: toeber lafjt fid) eine d)ronologifd)e 
Slnorbnung ber Sieber in ben -gmnbfdjriften ertoeifen nod) berufen fie, toaS 
3arnde bereits 1869 (Sit. Gentralbl. ©. 678) bünbig jurüdtoieS, burdjtoeg 
auf bölliger äöirflidjfeit. 9Jceine eben genannte ©djrift bertoirft ben circulus 
vitiosus, ber bartn liegt, bafj mit 9tüdfid)t auf einen böEig conftruirten Verlauf 
bon SBalttjer'S Siebesleben, ber auS getoagter, fubjectiber Interpretation bielbeutiger 
2Infpielungen feiner Sieber erft erfdjloffen ift, nun toieberum bie Stjronologie 
biefer felben Sieber beftimmt toerben fott. ©ie betont , bafj bie gefifetjung nur 
jtoeier SiebeSbertjältniffe toiEfürtid) ift. ©ie tjebt ben conbentionellen, ben 
fictiöen (Sljarafter ber t)öfifd)en ^Jtinnepoefie Ijerbor. ©ie niad)t SBaltljcr'S 
SSanberleben , fein ©ingen um Soljn unb fein Temperament geltenb gegen ben 
©tauben, ber 2)id)ter tjabe lange $afyu cjinburd), nad) einer furzen (Spifobe mit 
einem s UJäbd)en niebern ©tanbeS, immer nur einer bornet)men SDame gebient 
unb nur fie in feinen Siebern gefeiftt. ©ie toarnt babor, 53otfteEungen, bie für bie 
^oefie fjodigeftellter SDitettanten toie griebrid)'S bon Raufen paffen, au übertragen 
auf bie Sieber eines armen ©efeHen, ber immer nad) ben 2lnfprüd)en feines 
5ßubticumS feine Seier ftimmen mufjte. ©ie toeift auf bie toiberfpredjenben 6r= 
gebniffe aller in biefer 9lid)tung angefteÄten tinterfud)ungen t)in. ©ie beftreitet 
toiffenfd)aftlid)er ftorfdjung ba8 9ted)t, SBalt^et'8 Sieber toie reine ptjotogmprjifdje 

3lUflem. beutf^e 58toaraJ>l)ie XLI. 4 



50 SBattfjer Don bet Söogelioeibe. 

2Iugenblitfibilber unmittelbarer (irlebniffe ju betrachten, unb behauptet , orjne 
iljnen bie innere, poetifdje aöaljrfjeit abjufpretfjen, bocb, unfere Unfätjigfeit, 
au? ©runb btograpfjifcrjer Deutung bei ^nfjalti eine (Erjronotogie ju geben. 
2)ai Sßertjättnife bon SJßatjtrjeit unb 5£idjtung in 3Sattf)er'i ßtebeipoefie ift un= 
befiimmbar. Uebertjaupt bürite ei audj) bei einer nidjt fo conbenttoneflen, nierjt 
fo auf bie ©efeUfcljaft berechneten Stjrif immer ferner fein, ani itjren fdjtüeben= 
ben IHnbeutungen fdjarfe rjiftorifcrje ßinien, aui irjren berrjüttenben ©djleiern 
runbe plaftifcfje ©eftatten, aui itjrer fctjtDimmenben Dämmerung flarei unb feftei 
Sirfjt ju geroinnen. 2>arutn bebarf man für eine metrjobifetje ©efdjidjte jeber 
unb inibefjnbere aueb, ber Söaltrjer'fcrjen ßiebeilrjrif einer anberen 93afii. 

«Dtan tjat auiaugeb,en nidjt bon bem fubjeetiben, roiberfpredjenbften Deutungen 
offen fterjenben 3nb,alt, fonbem bon bem objeetib begebenen, toiffenfcrjaftlicb,cr 
^Beobachtung unb 23etoeiifüf)rung 3 u 9ängttci)en : bon ber fünftlerifdjen ©eftatt 
biefer ßieber, bon itjrem ©til im toeiteften ©inn bei SJßorti. 2lm genannten 
Ort ift bavum ber unfruchtbare biograprjifctje ©tanbpunft bureb, ein?n ftreng 
Iitterarrjiftorifdj = äftl)ctifcb,en erfetjt unb bureb, Unterfucrjung ber SluSmab/l bei 
Stoff«, ber poetifcb,en 9Jcotibe, bei ©tili unb ber ütecfjnif, ber Sprache, ber 
metrifdjen $orm eine neue Srfenntnijj ber bidjterifctjen Crnttoirflung SBalttjer'i 
gefiebert, bamit jugteieb, aber aueb, neuei Material für feine 2ebenigefä)icb,te ge= 
liefert. ©leid) feinem betounberten aber nid)t geliebten (82, 24 ff.) 93orbtIb 
Üteinmar ift Söatttjer anfangs eine 2lrt £>ofbi<f)ter, ein Interpret bei ©efctjmacfi 
unb ber 23ebürfniffe ber £ofgefeHfdjaft. ftacb, ber $Robe füt^rt er einen 
conbentionelten SJMnnebienft in feiner £t)rif burefj. Sine geiftreidje, bialeftifdje, 
empfinbfame ©ebanfenpoefie , in ber bai Innenleben anatomifd) jergliebert unb 
mit einer beinahe fctjolaftifcfjen ©rjftematif auieinanbergebreitet roirb — fo er= 
fcfjeinen uni bie älteften ^robuetionen äBattljer'i. $e metyr feine ßieber bon 
biefem fünftlerifcfjen Srjpui abftefm, je felbftänbiger unb origineller fie finb, befto 
weiter bürfen mir fte bon bem 2lnfang feinei 2)icf)teni abrüdfen, befto jünger, 
befto närjer ber £>öt)e feinei $önneni muffen fie fein, 2lm meiften entfernen 
fieb, bon allen frühem Sßorbilbern, am inbibtbueüften unb gtänjenbften entfalten 
bie intimften (Eigenheiten ber äöattfjer'fdjen Äunft feine Sieber ber fogenannten 
niebern 9flinne, bie fiel) an ein einfadjei ^Räbdtjen roenben. ©erabe fie, bie man 
früher auf ©runb einer buref) midj toiberlegten Interpretation bon 46, 32 ff. für 
bie allererften jugenblictjen 93erfucb,e bei ©icrjteri auigab, muffen ber $eit feiner 
fünftlerifcrjen föeife gehören. 

®tefe neue ?Infid)t oon 2Gßattc)er'S poetifdjer @ntroicHung tjat rafdj allgemeine 
3uftimmung gefunben : Söilmanni unb $aul Ijaben ben neuen $iafjftab fft* bie 
ßfjronologie ber ßiebeilrjrif Söattfjer'i anerfannt unb ifyre 2luigaben orbnen im 
©rofjcn unb ©anjen bie Sieber ^iemlicf) übereinftimmenb meinen SDatirungen 
entfprectjenb, fomeit bai überhaupt ermartet roerben fann bei ©ebidjten, bie ifjrer 
Statur nacb, jeber gefcb.icb.ttif^en ^ijirung faft unübertoinblicfje Sc^mierigfeiten 
entgegenftellen. ^ueb, auf anbere mittelrjocfjbeutfcrje ßt^ttfer ift bie bon mir be= 
nu^te gjletc)obe mit merjr ober meniger ©efe^ief unb (hfolg angeroenbet roorben : 
auf fteinmar b. 3meter bureb, ©. ftoetlje (f. 21. ®. 33. XXVIII, 100 f.), auf 
91eibf)art burefj SR. W. met>ex (f. 21. ffi. 93- XXIII, 395 ff.), auf ©teinmar 
(f. 91. 2). %. XXXV, 746 ff.) burtf) ^ei^ner* (f. 21. @. SBeraer, Beitfd^r. f. b. 
«Philologie 20, 121 f.). 

aöifmanni b,at in feinem Seben ajßaltb.er'i bon ber 93ogetroeibe feinen 
früheren ©tanbpunft in ^inficb.t auf bie ©laubroürbigfeit bei «Dlinnepoefie gana 
berlaffen unb fid) auf ben entgegengefe^ten gefteüt: er neigt nun baju, in ben 
Siebeiliebern anberer «minnefänger forool ali äöaltlier'i planmäßige ßrfinbung, 
fünftlidb, grbacb.tei unb ©emacb.tei p erbtiefen, dr glaubt nadjtoeifen au fönnen, 



Söalttjer üon ber SSogelrceibe. 51 

bajj bie djronotogifd) geotbneten ßieberbüdjer, toetdje feiner Stnfictjt nact) unsere 
©ammel^anbjc^riften enthalten, itjren tu^attürfjcn 3ufamment)ang, bte fdjeinbare 
UJevtoidlung, ßöfung unb ben Törmtidjcn Slbfdjtufe nirf)t bem 311 ©runbe tiegenben 
realen Verlauf toirflidjer (Mebniffe öerbanfen, fonbern borüberlegter (Eompofition 
bei itjrer 3lbfaffung. (Er nimmt an, bafe insbefonbere aud) bie ßieber aBattrjer'S 
ötetfad^ bon born fjerein eins mit 33e,jug auf baS anbere gebietet , alfo gleicb> 
zeitig ober furj nad) einanber entftanben, bafj fie mit anbern Söorten ßieberüjcten 
feien, in benen ber factjlidje 3ufamment)ang nictjt auf ber (Jinrjeit eines roirftidj 
beftetjenben ßiebeSbert)ättniffeS beruht, bielmeljr ein rein poetifdjer, öom 2)idjter 
erjeugter ift. 3)iefe £)t)potrjefe läfjt fid) inbeffen nidjt gtaublid) machen unb Ijat 
aud) faum SSeijaü erroorbcn (f. meine 9lecenfion im 3lnj. f. b. Slltertt). 9, 350 ff.), 
©djönbad) tjat ftct) in feinem atterbingS für roeitere ßeferfreife beftimmten 
„2öattt)er bon ber 93ogetroeibe" (1890) ^mar meiner Sluffaffung ber SuttoidtungS* 
gefdjidjte SGßalttjer's angefdjloffen. 2lber er berfudjt fid) bod) roieber in einer 
bitecten biograpf)ifd)en Ausbeutung beS 3nt)altS ber ßieber. @r bejierjt alle 
Sieber, toeldje 9Jcinnebienft auSfpredien, auf eine beftimmte SDame, ber 2öattt)er 
auSfdjtiefelid) getjulbigt t)abe, unb rürft fie aeittid) alle jufammen. S)ie DoIfStt)üm= 
lidjen ßieber ber niebern 9Jcinne betrautet er gleichfalls als SluSbrud einer 
einzigen Neigung ju einem beftimmten s ifläbd)en niebern ©tanbeS unb feijt fie 
inSgefammt tjinter bie ßieber beS s ]JcinnebienfteS. 21ud) nad) ben principiellen 
Charterungen in ben 33iograpljtfd)en blättern (I, ©. 39 ff.) über ben biograpt)ifd)en 
©etjatt beS attbeutfdjen $ftinnefange8 barf man in biefem Verfahren fd)tuerlid) 
einen f5fortfd)ritt erbtiden (»gl. aud) 23ietfd)otüSft), ßiteraturbtatt für germamfdje 
unb romanifdje <ßt)itologie, 1893, Januar). 



S)ie ßieber ber elften ^eriobe, unter bem Sänne ber 9teinmar'fd)en <£)of* 
poefte (f. 21. 5). 23. XXVIII, 94) entftanben, bemegen fid) in ben trabitionellen 
eintönigen IRotiüen: immer rotebertjotte ßiebeSbetfjeuerungen, klagen um öergeb= 
lidjen 2)ienft, tfjeoretifdje (Erörterungen über baS SBefen ber 9Jiinne, über iljren 
erjietjenben (Sinflufj, über tuafjre unb falfdje ßiebe, ein forttt)äf)renbeS ©piel mit 
Hoffnungen unb 2Bünfd)en, ein Stedjnen mit 9Jcögtid)feiten. %m (Einzelnen 
brängen fid) nod) Slnflänge an üteinmar'S ßieber, fei eS bem SSortlaut, fei eS nur 
bem ©ebanfen nad;, bielfadj tjerbor. (Sine lebenbige dtjaiafteriftif ber ©eltebten 
ftrjlt: mir erfahren öon t^r nur burd) ganz altgemeine S3)ertc)urtc)eile. £)iefe ßrjrif 
fnüpft nirgenbS an eine beftimmte Situation ober an eine ©cene an. ©ie ent* 
betjrt ganz ber Vejietmng auf äufjere ^panblung, jeber epifdjen unb roirflid) 
bramatifdjen f^orm. ©ie befdiränft fid) auf Sinblide in bie innere 2öelt: bie 
äußere, öor allem bie 5iatur, ben Sßedjfel ber Sta^reS jeiten , bie bod) Itjrifdje 
5Poefie fonft fo biet befruchten, läfet fie bei ©eite. 2>a$ perfönlidje Slement b^at 
an if)r nur geringen 2lnt()eit: ber 2)id)ter rüdt bie (beliebte , bie er befingt, in 
eine refpectboüe ßntfemung; meift fpridjt er oon itjr mie oon einer Stbroefenben 
in ber brüten ^ßerfon; aueb, ben ^örern gegenüber t>ätt er fid) jurücf unb rebet 
fie faft niemals birect an. (£r betior^ugt bafür, ^Strfcnificattoncn abftracter 
ßigenfdjaften, 3. 33. ber ÜJtinne, ber ©täte einzuführen, aber audj baS, ob,ne fie 
bramatifdj in ©cene au fetjen, toaS er fpäter fo meiftertjaft öerfteh^t. 5Die ttjpifdt)c 
^ptirafeotogie ber conbentionellen t)öfifci)en ^innebieb^tung ift auS 9leinmar unb 
ben üermanbten Vertretern biefer ©attung aiemlidj treu übernommen unb toenig 
bereid^ert. S)er ©til ber S)arfteHung mic ber fpradjtidje 3luSbrud ift complicirt 
unb nictjt Hat: eS überwiegen tjt)pott)etifd)e ©lemente, SBünfdje, 5 va 9en, llnter= 
bredjungen (^arenttjefen), (Sinfdjräntungen, SBibenufe unb ©elbftberidjtigungen, 
Slntittjef en , Djrjmora, SBorttoiebertjolungen nebft funftoollen ^araKeliSmen unb 

4* 



52 Sßaltber Don ber 93ogeltoeibe. 

Sftefponfionen. (Sin gelegentlich faft fdjolaftifdjes 9iatfonnement, eine etroae- 
fpintifirenbe Betrachtung prägt fid) in bergormulirung ber einzelnen ©ebanfen, aber 
auch in be; Gompofition ber gongen ©ebidjte aus, bie auroeilen ettoas ©djematifdjes bat. 
Unfraglich jeigt fidt) hierin bie bialettifche Schulung SSBalt^er'8, bie er ficb in 
einer IHofterfchule angeeignet baben tohb. 5Dod) bricht burd) biefe ©Ratten ber 
fdjulmäjjigen ©ebanlenbreffur fctjon manchmal t)ell unb ftraljlenb bie (Sonne jeiner 
genialen ^erfön lieb feit , wie in bem föftlidj epigrammatifdjen Siebfchtufj: swer 
guotes wibes minne hat der schämt sich aller missetät (93, 17). 2)ie 
©troprjenformen fc^tiefeen fich jum großen £f)eil eng an bas s JJtufter 9teinmar 
an , ja fie ftimmen öfter fogar gana ober faft gan<$ mit ©troptjen SReinmar'« 
überein. Surdjroeg jjeidmen fie fid) gleicb itjten 9Jtuftetn burd) einfache ©lieberung, 
burd) SSertoenbung ungefähr gleid) langer unb gleichartiger $erfe, burd) S3eöor= 
jugung bes rrierhebigen 35etfes unb ftumpfer Ausgänge aus. ©o getoährt biefe 
ättefte ßiebesltjrif 2Baltf)er's bas blaffe 23ilb fdjtoebenber 23etoegung ber @ebanfen f 
orjne einen ftrafferen £ug, °*) ne £ i netl fraftbollen 2Burf, obne Seibenfdjaft unb 
geuer, oljne djarafteriftifcfje ©eftaltung unb otjne lebhaftes dolorit. 6in 
bämmernbes £)atb(id)t ift barüber gebreitet, in bem alle Sinien öeridjtotmmen. 

2lltmäf)tid) , ©djtitt für ©djritt befreit fid) SÖaltber's ßieberbichtung hon 
ben ©etoidjten ber trabitionetten 'ütobepoefie. ©ie tohb (ebenbiger, gegenftänb» 
lieber. (Sie befommt metjr ^axbe unb ftärlere SSeroegung. ©ie erfüllt fid) 
immer meljr mit bramatifdjen dlementen. Sie wirb immer perfönlictjer, 
immer toatjrer, immer förperlicber. S£er 2)idjter erlernt bie $unft ber SBergegen» 
roärtigung: ietjt toanbelt er bas einfame Irjtifdje 23efenntnifj um in eine 
bramatifdje ©cene, ben füllen monologifdjen ©efübls-Srgufj in ein blitjartig 
l)in= unb rjerfd)iefjenbes ©efpräd), unb Oor allem bie böfifdjen Sßecbfetreben , bie 
nidjts roaren als nebeneinanber gefteüte Monologe entfernt gebuchter ßiebenber, 
erfefct er nun burd) tohllidje 2)ialoge , bie ganj unb gar bas momentane 3u= 
fammenfein, ben fprütjenben Serferjr, bie liebenstoüibige, geifiootle, rjeraltc&e 
(Sonberfation, bie bertraulidje, fofenbe llnterrebung be§ liebenben $aars abbitben. 
S)ie grau , bie er liebt, ^eigt er uns jetjt ganj nah, er ftefjt im intünften 33er= 
t)ältnif$ p ibr. Unb aud) bie «g>ötcr ertjebt er aus ifyux paffiben fRoüe gleich* 
fam <$u 2Jliterlebenben, Witbanbelnben, inbem er fid) auf fie bejietjt, beruft, fie 
jur £rjeilnab,me unb Sleujjerung aufforbert. 3lud) ba§ £eben ber 3latur fpiegelt 
jefet fein Sieb roiber, unb rounberöoE gelingt e§ i^m, s Illenjd)enleib unb s J^enfd)en= 
freube mit ben eroigen 2Banblungen, mit grübling unb .jpetbft, ©ingen unb Sßer= 
ftummen ber 35ögel, mit ^Blumenladen unb roelfer Trauer ber rointerlidjen speibe 
ju öerfetten. Sllte ererbte rjetmifdje Ueberlieferung toeife er neu ju geftalten. ?lu^ 
bem unerjcböpflidjen Sorn öol!imä§iger Slnfcbauung, Jöktsbeit unb ^oefie 
fcböpft er überhaupt hinfort einen 2r)eil feiner beften Jhaft, nidjt roie anbere gteid)= 
fettige Siebter öott eitelen bötmifdjen .*pod)mutbg ber Silbung ju parobiftifdjen 
ober fatirifeben 3roeden, fonbirn um ber reinen, oertieften lünftlerifcben äBirfung 
mitten. Unb über feine lieber leuchtet fortan immer liebensmürbiger, immer 
fiegreidjer fein roarmer, aus einem lautern unb arglofen, rjeflen ^erjen quettenber 
|>umor. 

2)as ßeben felbft bat biefe Etoamorpbofe ber aßaltber'fcben ßiebeebiebtung 
beförbert: bas Seben felbft bat fein Sieb aus ber bumpfen 2ltmofphäre ber 
erdufiöen ©tanbespoefie, ber conbentionellen ^JJobe, bes fünftlichen ©piele hinaus- 
geleitet in bie frifefie ßuft bes 2ages , ber Tiatur, ber 23)al)rbeit. ©ein 2Beg= 
gang öon Cefterreicb , bie ißeränberung feiner Öebensftellung ätoang ihn , eine 
bis babin üon ritterlichen ©ängetn in beutfeher ©praefee nid)t gepflegte S)id)tungs» 
art aufzunehmen unb aus ber fiebern 5)3ofition eines ,^ofbid)ters 'in bie Steigen 
ber faljrenben ©änger einjutreten. ftad) bem SSorbilb ber lateinifch biebtenben 



SBattfyer bon ber SBogelroetbe. 53 

SBaganten gefialtet et bie beutfdje bolfSmäfjige gnomifdje S)icbtung ber ©biet* 
leute in fetner Sßeife um. @r roirb ein Wacbfolger ber ©berbogel'fcben ©dwle 
unb pgtetdj beS Archipoeta. 2)aS mufj aucb, auf feine ßiebeSboefie entfdjeibenb 
einroirfeu, fie bon (Srunb auS umgpftatten. 2)aS Seben, roelcbeS ben ü£)id)ter 
Ijart anfaßte unb it)n , ben (Smüfinblicben , tjineinroarf in bie bolle 93ranbung, 
führte ibn burcb, lange, an linbitben reiche äöanberfdjaft. 

©ein Söanberteben reicht bon 1198 bis gegen 1220. 2)ocr) roirb eS unter» 
tjrodien öon roieberljolten längeren unb filteren haften. Ueber ben @barafter 
biefei ßebenSabfdjnitteS geben bie Slnftcbten ber gorfcber nacb jroei Stiftungen 
auSeinanber: auf ber einen ©eite fiebt man bie berfcbiebenen nadrjroeiSbaren 2lufent= 
tjalte SBaltber'S mebr ober minber als bauernbe an , bie Söanberungen nur als 
borübergebenben 3 u ftanb, als gelegentliche Unterbrechungen beS feften SBobnenS; 
auf ber anbern ©eite erblicft man umge!et)rt in bem Um^erjietjen baS SIeibenbe, 
ben ©runbjufianb, in bem bie 3«ten be§ 33ertoeitenS an einem Ort nur als Raufen 
erfcrjeinen. 3ene Sluffaffung fdfjreibt SBaltber eine berbältnifjmäBig botje fociale 
©tettung p, biefe feijt itm böüig in eine Dieibe mit ben gatjrenben. 

2llobS ©djulte bat in ektem berbtenftbollen Sluffafc über bie ©tanbeS* 
berbältniffe ber 90tinnefänger (3eitfdjr. f. b. Slltertr). 39, 192) unter ^Berufung 
auf eine — übrigens bereits 1874 bon ©. 2Bait$ (SDeutfdje SserfaffungSgefdjicbte 
5, 335 f., 2. 2tufl. bon £. 3eumer 1893, ©. 375 f.) tjerborgebobene — S3e= 
ftimmung bei Kölner 2)ienftmannenrec6tS Söaltber für einen jüngeren ©obn 
eines 9Jtinifteriaten erflärt, ber, nacbbem ber ältere S5ruber bem SSater im 
2)ienft unb im 33efi^ fucccbirt, bergebticf) ficb feinem Gerrit jutn ütreubienft 
erboten bat , aber berfebmäbt unb f genötigt roorben ift , ficr) bon feinem 
legitimen <£>crrn loSpfagen , in bie SBelt p sieben, um einen neuen <£>errn p 
fueben, ber feinen 2)ienft annehme, üffialtber mochte in ber Stbat, nadjbem 
bei bem 2obe feines erften £)errn, ^erjogS fjfriebridj , bem er unbeletjnt gebient 
t)aben wirb , beffen ^tadjjTolger Seopolb feinen 2)ienft niebt annahm , in biefer 
SOßeife ein neue! llnterfommen rjaben fuerjen muffen. @S fragt ftdj, ob unb in 
roelct)cr Sßeife er eS erhielt. 

ftadj 19, 36 t)at ibn i?önig ^tjüipp an sich genomen, roaS ben ftänbigen 
5luibruct überfetjt für ben Eintritt in bie 2JUnifterialität : „er roarb aufgenommen 
in bie familia". Slllein er erreichte nur bie erfte ©tufe biefeS 2)ienfteS: ben 
S)ienft otjne beneficium, obne Seben. 2In einen foldjen £>ienft roar ber SDienenbe 
aber naefj ben red)tlidt)en Sßeftimmungen nur auf eine beftimmte $tit gebunben, 
bier SBoijen bis p einem $abr. @r tonnte bann ben 2)ienft fünbigen unb 
nacb, erhaltener (Jrlaubnifj einen neuen Jperrn ficb fud^en. SBäbrenb ber 3 c it 
folgen borläufigen S)ienfteS auf Äünbigung embftng er — barüber geben bie 
föecbtSborfc&riften auSeinanber — entroeber nur ben ScbenSunterbalt ober nur 
©efebenfe, ettoa am erften boben $eft ein ©efetjenf in ^Jet^roerf. 

Slucb, äßattber bon ber Sogelmeibe ertjiett offenbar, toaS man bisher nierjt 
bemerft bat, toegen biefer bienftvecbtlicrjen ©croobnbeit bom 33ifdbof 2Bolfger 
bon ^ßaffau feinen ^el^mantel jum fteft beS beiligen Martin (11. ^tobember), 
roenn aueb ber ©elbbetrag erft einen 5tag nactjber ge^ablt unb gebucht marb. 
3(n einem Siebe ber Carmina Burana (©cbmeller ©. 50 f.) flogt ber 3)agant: 
meus tenuis nimis est amictus, saepe frigus patior unb bittet feinen ©önner, 
ben ©inn beS beiligen ^Rartin anpnebmen unb ibn p befleiben (mentem 
capite similem Martini). S)er Öegenbe nacb 6,at ber ^eilige Martin jut 
aCßinterSjeit feinen Plantet mit einem friernben Ernten getbeilt unb er roar 
beSljatb ber ^atron aller S3ebürftigen. Oftmals tourbe fein ßeben mit bieten 
nobelliftifcben 3 ü gen bargeftettt: bor allem geboren bie ©Triften beS ©ulpiciuS 
©eberuS über ibn (@bert, Slügem. ©efeb,. b. £it. beS Mittelalters 1 -, 331 ff.; 



54 SBaltfjer tum ber 93ogeIn?eibe. 

9Jtanitiu8, s Jt. 2ltdjiü f. ä. b. ©efd)id,tSforfd). 14, 165 ff.) ju ben gelefenften unb 
beliebteren SBetfen beS ganzen s JJIitte(attetS unb finb oft nadjgeafjmt unb be= 
nufct rootben. £>aS Sebcn beS gaüifdjen SifdjofS toarb als ütrjbuS bifdjöf» 
tid^cr Humanität unb Ceutfetigfett, 9Jtilbe unb ZoUxan$, bie baS 33olf unb bie 
.Ipätetifet in ©djutj nimmt, romanhaft auSgebilbet. 25er Arehipoeta fpenbetc 
feinem $totector, bem Kölner (Srjbtfdjof 9tainalb bon 2)nffel ($. ©rimm, 
JH. ©djr. 3, 65) einen breifadjen fkeiS: tapfrer als 2ltejanber, freunblidjer 
unb beliebter als £aüib, freigebiger als ber rjettige Martin, unb baS ©anjc 
fdjliefjt mit ber greifbaren 9lut}anroenbung poeta bene meruit mantellum et 
tunicam. 91 m 9JtartinStag toarb aber aud) ber neue 2Sein prcbirt, ber s IRartinS= 
trunf unb ber 9JcartinMd)mauS gehalten. @S mar bie richtige 3eit, um einen 
barbenben , lebenSlufitgen ©änger für fein frötjUctjeS Sieb ju belohnen. 2fd^ 
fetje feinen ©runb, roatum man nictjt aus bem "JDcartinS^eljmantel, ben Söolfger 
933altt)er bereinigte, ein formelles üortäufigeS s ]JciniftefialitätSüett)ältnifj auf 
Ätinbigung erfdjltefjen bürfte. 

©päter ging 2Baltr)er in ben 2)ienft beS Sanbgrafen .'per mann bon 
Stfjüringen; er nennt fictj 35,7 fein ingesinde, toaS unjroeifeltjaft auf ein 
2:ienftmannSüetb,ältnif} beutet, ^n einem mafjrfdjeinticr) fpäteren ©prud) (18, 15) 
banft SSaltljer für eine $er<je, bie im auftrage beS £>erjcgs ßubroig bon 
23aietn ifjm ber Wtarfgraf 2) ie tri et) üon s JJteifjen auS ^ranfen übetbrad)t 
t)at: baS ift, bleibt uns aud) ber genauere 3ufaniment)ang immer nod) bunfel, 
offenbar ein Symbol bienftmannfd)aftlid)er 93erbinbung, üietteictjt (Sdjönbad), 
3eitfdjr. f. b. ^Itertf). 39, 343) eine 2lrt (Sinlabung jum #ofbienft. ^ebenfalls 
Üod)t 2Baltb,er bem ^Jlarfgrafen 2)ietrid) bon ^Jteifjen gegenüber auf betoäüjrten 
dienest (105, 29). 2lber er fo roenig wie bie früheren Ferren unb fo toenig 
als $aifer Otto gaben ifjm benjenigen ßor)n, ber baS üorübergetjenbe ®ienft= 
Dertjäftnifj in ein fefteS, unfünbbareS üerroanbelt f)ätte. 

(hft Ofriebridj II. ttjat baS , inbem er bem £)id)ter, ber fid) 10,17 feinen 
armen man nennt unb fid) baburd) als feinen 5JHnifieriat be^eid^net, jjunädjft 
ein beneficium jroeifettjaften Ertrages (27, 7 ff.), bann ein orbentlictjeS Öet)cn 
(28, 31) geroärjrte unb fpätet eine weitete (ürntfcfjäbigung folgen liefj (84, 30 ff.). 
2Baltr)er mürbe bamalS eine 3eit lang roirflid) , fo fctjeint eS, fein bolitifdjer 
%ent. 

5cadj bem ©efagten muf$ man bie häufigen SSitten Söattfjet'S unb anberer 
(Sänger um ßotjn unb ©efdjenfe im 3 u f at ttment)ang mit ber ganzen @inrid)tung 
ber 2)ienftmannfdjaft betrachten, berjujolge feber s JRinifteriat einen feften Slnfpntd) 
auf Verpflegung unb Stu&ftattung, auf ©efd)enfe aller 2ht befafi unb bie 9IuS= 
rüftung mit Kleibern ju erbitten burdjauS nid)t§ ö^renrütjrigeS tjatte. ©o üer= 
lieren fie ben fonft it)nen antjaftenben S^arafter ber uuanftänbigen bettelet. 
Hub aud) ber liebertritt üon einer politifdjen Partei ^u einer neuen, ben moberne 
Singen fo gern als einen SBctratt) ber eignen Ueber^eugung auffaffen, erfdjeint 
im Sichte ber mittelalterlichen s Jtectjt§anfd)auung über bte s ^flid)tcn ber s J)tinifterialen 
ganj anberi. _ 2)er unbeleljnte 2)ienftmann barf nad) Slujfagung be§ 5)ienfte§ 
unb nad) empfangener Srtaubnijj feines ^>errn üon bannen getjen unb aucJ) beffen 
Seinb bienen, er bari felbft im neuen 2)ienft gegen ben alten Jperm fämpfen, 
nur nidjt s Jtaub unb JBranb gegen itjn üben. 

2öaltt)er trieb fomit uid)t baS ^anbroerf beS getoerbSmä^igen ©pietmanneS, 
ber nur umS Sötot biegtet unb üon jebem ^)etrn in beliebigem 2Bed)fel ©abe 
b,eifd)t. (5r fuct)te 5)tenft mie jeber anbete ritterliche 2JttmfteriaIe ob,ne ©ut, nur 
ba^ feine Sieter unb nidjt bie SCttdjtigfett im t ^rieg§roerf nod) im ^ofamt il)n 
bemalten foEte. 6o lange et fteitidj einen unfünbbaten, burdj ein Seneficium 
beibeifeitS feftgefnüpften 2)ienft ntcfjt etlangte, roat er ftetS aufS neue ge^roungen, 



Söaltfjer bon ber äJogelroeibe. 55 

feinen 2Seg burd) bie Söelt fort<jufejjen unb infofern ficb ber «Stellung eines 
gabrenben ju nätjern. 

^mmer roieber aber mufj man fict) gegenwärtig balten unb nacftbrürflid) 
einprägen: bon SOßaltber'S äu|erem Seben, öon jeinen ^Be^ieljungen <ju bebeutenben 
^erfonen baben mir nur gan,j fragmentarifcfoe Äunbe. SB er blatte geglaubt, bafj 
bie einzige urfunblidje ^floti^ irjn gerabe neben bem Sifdjof Söolfger jeigen toürbe, 
beffen s Jtamen feine ©ebictjte nid)t einmal nennen ! Unb roie roenig roiffen mit 
aud) jefet üon ber 2Irt unb ber 2)auer feiner 23erbinbung mit biefem $ird)en?ürften? 
äöaS unS SBaltber'S 2)ict)tung Perrätb ift nur ein jufätliger 2IuSfd)nitt aus! ber 
bunten $arte feines ftünnifd) bewegten 5)afein*. Sinb mir bod) nidjt einmal 
im Stanbe, bie aügemeinften ©renken, bie er felbft (31, 13) für feine $abrten 
^iebt (©eine, 9Jhir, $0 , £raöe) , an ber <§>anb feiner ^ßoefie ju beifolgen. 
S)arum aber mit Sacftmann iju 14, 38) an ber Söahrbeit biefer eingaben ju 
atoetfetn, berechtigt unS nicbtS. 

Sßalt^et, ber im öfterreidjifcben .gjofbienft bei feinem |)errn, bem ^er^og 
^•riebrid), wabrfdbeinlict) nur Siebeslieber in 9teinmar'S Slrt gebietet, möglicher* 
toeife gelegentlich, aud) bie Sieber anbexer «Sänger üorgetragen batte, betrat, feit= 
bem er, einen neuen |>errn <ju fud)en, ben Spielleuten äbnlid), umberjiebt, ben 
SSoben ber 8 e b r b i d) t u n g. @r ift ber erfte ritterliche Sänger, ber halb unb halb 
baS Seben unb bie j?unft ber gahrenben, ber Vaganten fict) aneignet. 2Iber er 
üerebelt beibeS. 6r ergebt fich über baS btofje guot-umb-ere-9cet)men. 6r mufj 
toie feine Vorläufer, ber Sperüogelfdje j?reiS unb bie ©oliarben, nad) ber ©unft 
ber Ferren ftreben unb feine s 4>oefie in ben 2)ienft ber ^ntereffen unb Neigungen 
ber gürfien ftetten. 21ber er oertritt babei bod) aud) eine eigene Söeltanfctjauung. 
Sr toäblt fict} feinen Stoff übevroiegeub in ber £)öhe beS nationalen SebenS: bie 
grofee ^olitif , bie atigemeinen fittlichen unb f ocialen fragen , bie aufregenben 
©egenfäfce ber um bie ^ertfctjaft über bie 3eit ringenben SebenSmädjte nimmt 
er fict) jum ©egenftanb unb in allen Sßanbtungen ber Sßerbältniffe unb Parteien 
bewahrt er, obmol baburd) berüt)vt unb trjeilroeife geleitet, ftetS eine eigene 
Ueber^eugung. dür üerficht bie IDteinung, bie er auSfprid)t, nid)t als ein Safai, 
ber bafür feinen Solb errjätt, fonbern, fo abtjängig er aud) in focialer SSejietjung 
mar, al§ ein freimütiger, ftarf empfinbenber unb tief benfenber 9flatin. ©eine 
Sprud)bid)tung erroeitert ben bis bat)iu übtidjen befd)ränften ©efidjtStreiS ber 
gnomifcrjen SpielmannSpoefie, bie in perfönlidjen SBejtetjuiigen, im 8anbfd)ajttid)en 
unb temporären, in ber begrenzten Sptjäre nieberer unb enger SSebürfniffe murmelte. 
2öaS Söalther als Schüler ber böfifd)en abliefen 5ftinnefänger , bie er balb als 
SJteifier in ben Schatten fteüte, in tecrjmfctjer ,§infid)t gelernt tjatte : bie fouöeräne 
23ef)enfd)ung beS poettfetjen SlusbrudS, bie s J}lad)t ber Stimmungsmalerei, liefj 
er ber neuen 5lrt feines S)icr)tenS ju gute fommen, bradjtc er in itjr §ur t)öct)ften 
S3oüenbung. Unb biefe neue 2Öeife feiner ßanft rairft jurüct auf bie meiter 
gepflegte s ]JHnnebid)tung : auet) fie geroinnt nun im 3ufammenmact)fen mit jener 
nodj öoEereS, runbereS Seben, einfacheren unb roirffameren Vortrag, poUStb^üm« 
tietjere g-arbe unb Jpaltung, ftärfere 23erorgung, plaftifctjere ©eftalt. 

gür ben älteften politifcben Spruct) SBalt^er'S l)alte id) ben berühmten Ich saz 
üf eime steine (8, 4). (Sr bietet feine s Änfpielung, bie eine beftitnmte S)atirung 
er^mänge, aber baS ergreifenbe Silb, baS er auffietlt: ber Sänger in forgentjoüem 
©rübeln über bie Unmöglidjfeit, bienieben @t)re, ©ut unb ©otteS .^ulb 51t üer= 
einigen, äöebe rufenb über grieb* unb 9tecbttofigteit — in melcbe ^eit pa^te 
baS beffer als in ben ^uni 1198, ba äöaltber in bem furebtbaren SQßirrfal 
nacl) bem 2obe beS grofjen ^aiferS ,g>einrid) VI. nun aud) ben 2ob feines 
©bnnerS, <^eraog fJviebrtdj'S, erfubr, bamit ben Soben unter ben eignen ^ufjen 
manfen fatj unb au^er Stanbe , in Oefterreid) @bre unb s -8efit3 ju geroinnen, 



56 SöaWjer bon bet SBogeltoetbe. 

ftd) büfier auf ben Sßeg ini (Jlenb begab? Möglich inbeffen audj, bafj biefer 
©prucb, nadj ben beiben anbeten beffelben 2oni gebidjtet roarb ; bann jebod^ 
fidjerlicfc nidjt ali Slbfdjtufj, Jonbern als mirfungibolle ßinleitung für bie 
^ublicatton, fo ba§ nun alle brei ein fidj fteigernbei ©anje bilbeten. 

SDai erfte feft batitbare ©ebtdjt äöaltljer'i ift ber jtoeite ©prudj btefed 
Soni Ich horte ein wazzer diezen (8, 28): ©ommer 1198. Sßermirrung unb 
^erriffenrjeit finb über 2)eutfcblanb nadj bem £obe bei mädjtigen flaiferi, £>ein* 
ridj'i VI., Ijeteingebrodjen; bie ^rätenbenten Sernbarb bon ©adjfen, 33ertbotb bon 
Springen, Dtto bon ^oitou, ljaben nach, einanber bie ^errfd^aft erftrebt; jum 
Regenten unb SBormunb be§ breijärjrigen Xbronerben , griebridj'i II. , beftettt, 
bat fo ber Sßruber -£)einrich'i , ?pbjlipp bon ©chmaben , einen fdjroeren ©tanb. 
3m Singefidjt biefer £age, aber nidjt, roie gemölmlicb angenommen roirb, nodj 
bebor Dtto bon feiner Partei jum $önig prodamirt mar (9. $uni 1198), fon= 
bem einige SSodjen fpäter, ruft 2öaltt)er £)eutfdjtanb auf, ber Unficberheit ein dmbe 
ju madjen, unb ^hjlipp felbft bie echte, legitime $öntgifrone auf<jufet$en. Unb biefen 
tein politifchen 9tatt) ertbeilt er nidjt mie aui perfönlicher Neigung ober @inftd)t, 
fonbern ali notlnnenbigei Srgebni^ einer finnenben Setradjtung bei SMtlaufi, 
ber emigen 9iatur felbft. S)en biblifdjen ©ebanfen , bafj bie ganje ©djöpfung 
it)r 9tedjt unb ibre Drbnung bat, nur ber $Renfdj nidjt, fdjeint er ali ein nadj= 
benflidjer 93eobadjter felbft auf* neue $u entbeden. Unb tieffinnig nimmt er 
auch ben emigen $ampf als einen Stljeil bei bon ©ott gemoliten Söeltptani 
bjn. 2lber baS ßeben ber ÜJlenfdjen, bai SBaterlanb bebarf bei feften, eintjeit« 
lieben Dtegimenti. 9iur ber Äaifer fann mit ftatfem 5lrm biefei ßbaoi beljerrfctjen. 

S)ai ift ber $ern bon Sßattber'i polittfdjer unb fittltdjer Sßeltanfdjauung : 
aui iljm entfpringen feine älteften ©prüdje, aui iljm ertoädjft feine ganje fpätere 
©ptudjbidjtung , aui iljm aietjt er inmitten aller *)3arteiungen , aller eigenen 
SCßanblungcn bie $raft, bie ibn aufredet t)ält. 

Salb nach biefem elften Aufruf ju ^Ijitipp'i ©unften, ber ftcfcerlidj nidjt 
bor einem dürften, fonbetn maljrfdjeinlidj bor einem publicum bon 3teidjS = 
bienft mannen, ben fefteften ©tüfeen ber ftaufifdjen Sßolitif unb ben eifrigften 
SBeförberern ber Äönigimadjt Sßljilipp'S, borgetragen roorben ift unb iljren 
Söünfdjen Sluibrud berlieben l)at, ift Söultber in nalje Seaietmngen au bem 
©taufer getreten: er befingt iljn ali Präger ber alten Ärone unb bet echten 
föeidjitnfignien (18, 29), mabrfdjeinlidj fdjon bei ber Wainjer Krönung (8. ©ep= 
tember 1198), nadj einer anberen, roeniget anfpreeftenben SSeftimmung erfi 
auf bem SRagbeburger 2ßeib,nacbtifeft bei ^ab^rei 1199, bem SBßalttjer fidjer 
ali 3lugenjeuge feinen febönen ©prud) 19,5 meiljt, eine mirfungiboUe 3}er= 
tjerrtiebung ^fitipp'i unb feiner jungen ©emab^lin Srene «Dlaria ali bei legi* 
timen, bon (Sott ermärjlten unb begnabigten ,£>errfd)erpaarei. 6ine SCßeile fanb 
2öaltb,et am föniglicben ^ofe eine fefte ©teitung: ber Äönig felbft, jubelte et 
(19, 36), blatte irjn an feinen ^>erb genommen; bie 3*it bei fdjleidjenben Pfauen» 
febritti mar borüber, unb überglüdlid) etljob er mieber fein ^paupt mit bem 
jaud)jenben 9tuf : wol üf swer tanzen welle nach der gigen ! SBßenige 3fcibte 
fpäter, ali ber 33ürger?tieg amifefcen ben beiben gefrönten Königen $l)ilipp unb 
Otto S)eutfd)lanb jetpeifdjte unb «ßapji ^nnocenj aüe Mittel aufbot, ben legi« 
timen Regenten ^Ijilipp, ben berb^afeten ©taufer, ju benutzten, iebenfaüi nadj 
ber Sannung flippe unb feiner ^Intjänger burdj ben päpftlicb.en Segaten 
6arbinalbifd)of ©uibo bon ^ränefte (3. ^uli 1201) erbebt SBaltljer in bem= 
felben £on , bem „Sleicbiton" nad) ©imrod'i glüdticher Benennung, wieberum 
^tage: bon Drom leitet er bai Uebel bei 3»iftc8 b.er; er läfet einen einfamen 
^lauiner meinen über bie Serblenbung bei jungen «ßapftei. 

Slucb Biet bie ganje politifd^eUebetjeugung SBalt^et'i: über ber bicratcbi|d)en, 



äBaltfyer bon ber 25ogettt>eibe. 57 

intriganten, binterltftigen unb berrfcbfücbtigen SBerroattung ber fircfilicben 9Jlacbt 
ftebt iljm bie edjte reine $ird}e, bie nur ben bimmltfcben Singen fidj roibmet 
unb ba§ roeltticbe Regiment nidt^t beanfprudjt. S)er Spruch, felbfi gibt aber im 
©anjen nur mieber, maä bon ben fürftlicben Syrern ber ftauftfcben tftctd^epartet 
in ben Serbanbtungen auf bem glänjenben Samberger 9tetcb«tag, ber jur freier 
be8 .JhönungStageä au8 2lnlafj beä Heftes ber (Srtjebung ber ©ebeine ber heiligen 
Äaiferin Äunigunbe mit großem $Pomp gefeiert toarb, auSgefprocben fein mochte 
unb nadjber erneuert mürbe. Sfnäbefonbere ift er nat) berroanbt ben ©ebanfen 
unb ber £enbenj beS Sßrotefteä aus «g>aEe üom Januar 1202 (Registrum de 
negotio Romani imperii Nr. LXI, Baluze, Epist. Innocentii III, 1, 715. Migne, 
Patrol. lat. Tom. 216, 1063 ff.), aöalttjer'S Serfe muffen gerabep als gleichzeitiger 
poetifdb/publtcifttfcfcer 2Iu8brudE jener Jhmbgebung gelten. 9tur bafj ber Siebter 
mit [tarfen SBorten ber Empörung herausfagt , ma% bie fubmiffe 9tt)etorif be8 
amtlichen ©djriftftüclä gefcbicft berfcbleiert. |)ier mie bort 9tom all Quelle ber 
Söerroirrung (juris cuiusque turbatio; superstitio), ber Süge unb Stäufchung 
(quaesivit Opportunitäten^ qualiter arbitris absentibus mendacio veritatem et 
crimine virtutem mutaret); tjier toie bort ben clericalen Stementen ber Partei 
Ctto'ö, inSbefonbere bem Legaten unb feinen beiben ©efäfcrten, alle Schulb bei= 
gemeffen; t)ier mie bort bie ©egenüberfteEung ber laicalis simplicitas unb ber 
Ötänfe ber Pfaffen; hier mie bort betont, bafj bie 2lnbänger ber Öaienpartei b. !j. 
*pi)ilipp'ä, ben äöelfifc&en roettauä an ^at)l überlegen feien (quos tenuior compescit 
numerus : doch wart der leien mere); tjier mie bort aber auch jebe birecte 
Slnflage be§ ^apftes üermieben. 2)er einfame JHauäner Söalttjer'ä fpricht mie 
bie borfichtigen geifttidjen Unterzeichner be§ ^atttfcfeen 5ßrotefie§ reben mochten, 
unter benen SBtfdmi Söolfger bon ^affau , ben Äalfoff obne ©runb für ben 
SBerfaffer fjält, befonberS tjerborragte. 33on iljnen flammte rool bie Sarftellung, 
als ob Sfnnocena nur au§ llnerfafjrenljett ober Unfenntuifj bon ber Uebermadjt 
bermorrener 33erbättniffe unb böfer Sftatbgeber fortgcriffen fei. Sßatther gibt 
baS in ber roeiteren Greifen berftänblid)eren Raffung: ber s $apft ift ju jung. 
3n SBirfltchJett mar , ma§ bie Unterzeichner be§ ^allifcrjen Sßrotefteö unb gemifj 
auch 2öaltt)er mußten, ^nnocenj allein unb burdjauä ber zielberoufjte Seiter, bie 
feurige Seele beä Kampfes gegen ^tjilipp, ber eigentliche Urbeber beg (Jingriffä 
in bie fürftlictjen SBablrectjte , ber fiebere 9iegtffeur be§ ganzen bom 6arbtnal= 
legalen unb feinen beiben ©etjütfen, bem pdpftlidjen s Jlotar $l)ilipp unb bem 
2l£oltytt)en SlegibiuS, aufgeführten SchaufpielS ber (Srxommunication unb 2luf= 
miegelung. %n ber 3"t ber 33amberger ober ber -gmHifcben Sefprechungen, b. tj. 
im September 1201 ober im Januar 1202 fonnte 2Balther'§ ©ebic|t allein 
feine bolle Söirfung ausüben. Sei ber Satirung Slbel'S (Seitfäjr. f. b. 2lltertb. 
9, 141), ber eä gteicl) naefi ber Sannung in ben ©ommer 1201 legen mollte, 
fdjroinbet itjm etmaS bon btefer f^rifdje be§ 3 e itgemäfecn , bon ber jhaft ber 
Unmittetbarfeit, bon ber SBebeutung als poettfdjeä ^Jlanifeft ju ©unften ber 
9leid)§partei. S)a inbeffen im Januar 1202 $u ^)alle mot nur nacbträglicfi for» 
mulirt mürbe, ma§ fcfjon in Bamberg befcbloffcn mar (Sötnfelmann 1, 239, 
255 9lnm. 1) unb bamalä bie Partei ^itipp's bereits in ibrem Seftanbe fidj 
ju löfen, in it)ret SEreue 3U manfen anfing, mirb man 2Baltt)er'g ©prudj noeb 
in ben |>erbft bei 3fat)veS 1201 »erlegen. S5ielleic£)t marb er in Bamberg auf 
bem gro|en ^oftag felbft borgetragen , alfo in Slnmefenbeit be8 fianbgrafen 
^»ermann bon £l)üringen unb be8 ^Dtarrgrafen 2)tetridj bon s IReiJ3en, Söattber'S 
fpäterer ©önner , beren 3lufmerffamfeit er bier erregen mochte. Slucb ^er^og 
Seopolb batte fomol für ben SBamberger als für ben ^atlifcben Sag burdj 
Slbgefanbte feine 3ufüm»n l ing erflärt : ber ^3roteft bon ^aüe trägt feinen Warnen 
(Söinfelmann 1, 238, 255 3lntn.). @r ftanö treu auf ber Seite ^tjiüpp'ä. 



58 2£attber Don ber Sogelweibe. 

3n biefelbe 3 e ^ un0 ntdjt etft in bie Sage, ba Otto unb griebridj um 
bic ihone [hüten (1211 SIbet, Sieger; @nbe 1212 äöinfefmann 2, 296, 2Bit* 
mann« ßeben 3Baltf)er'S, ©. 444, Slntn. 612; 1213 SPaul), mufj man mit 
Söacfernagel (bei Simrocf 1, 116, 144) unb ^atncfe (Beiträge 7, 599) ben 
Sprudj 25, 11 Künc Constantin der gap so vil berlegen: bie Sonftantinifdje 
Scfjenfung madjt Söalther tjiec berantmorttich für bie 33errücfung ber ©renken 
ättijdjen bem Stecht ber Kirche unb beS Staates. SDie j?tage die pfaffen wellent 
leien reht verkeren unb ber bötmifdje ^lusbrucf der pfaffen wal ftimmen genau 
•m ben s $roteftgebanfen ber reid)Streuen dürften auf bem 23amberger unb .£>atü= 
fdjjen läge 1201 unb 1202 unb itjrer 3urüd£mei|Ung beS Eingriffs ber ©eiftlicfjen 
in bie 2öaf)tprärogatibe ber dürften, ^urj nacbtjer , unmittelbar nach, bet 
Sonnenfinfternifj bom 27. Üiobember 1201 ift, mie garnde ( a - o. D. 597) er* 
toiee , bei Spruch 21,25: Nu wachet uns get zuo der tac gebidjtet. £>odj 
müijen beftimmte Vorgänge ^u (Srunbe liegen , bie man bisher nictjt ju beuten 
berfucht bat, menn SBaltber im ^nfdjtuf} an baS (Sbangelium s IftarcuS 13, 12 
fo Doli 21bfd)eu über Untreue, über bie galfdjfieit geiftlidjer SMrbenträger, über 
gemalttljätige SSeugung beS 9tedjteS feinen flagenben äßetfruf etfchallen läfet. 
9ttan mufj, roaS bisher nidjt erfannt motben ift, als 2lnlafj bie rechtSmibrigen 
(Jntfcheibungen beS päpftlichen Legaten Über bie üBefefeung beS ^Jtain^er SiStbumS 
betrachten. ßupotb'S bort SSormS äÖafel tjatte Öuibo bon ^ränefte für un= 
gültig erflärt, meil jener ohne päpftlidje (hmädjtigung ftdj hatte mit ben 
Regalien belehnen laffen , bagegen Sigfrieb'S bon (Jppftein 2öahl , ber baffelbe 
getfyan Ijatte unb obenbrein nur Don ber Minorität beS 2)omcapitelS oljne 
guftimmuug ber £ienftmannen gemäljtt morben mar, beftätigt unb it)n am 
30. September 1201 geweiht, übet ©runb biefer SBittfür mar mit |mnben 
5U greifen: ßupolb hielt au ^ßhtfipp unb mufjte baher Unrecht, Sigfrieb Ijielt 
3u Ctto unb mufjte baljer 9ted}t befommen. 3>iefe (Jntfcheibung ©uibo'S erfdjien 
allgemein als ftebelfjaft: papa super hac electione fecit non iudicium sed iniuriam 
jagt ©urfarb bon lUfperg. ©efälfchte Briefe beS ^apfteS tauchten auf unb 
mürben für echt gehalten , bie ganj anberS lauteten als bie bisher befannt ge= 
morbenen unb ben «Streit an baS ftorum beut! eher SBifchöfe, ber 33ifchöfe öon 
^affau, 3fteifing unb Sichftäbt miejen. SDiefe ^älid)ung enthüllt bie Abneigung 
ber öffentlichen Meinung gegen ben fremben , bon Oiom fommenben dichter. 
@S entftanb ber ©laube , als babe ber Segat gegen ben Sitten beS <papfteS 
entfdueben, unb gemifj mürbe biefe Sluffaffung gefliffentlich bon ber 9teichspartei 
genährt (SCßinfelmann 1, 224 ff.). 2Bar ja borf) auch in bem §attifc&en ^roteft 
unb in äöaltber's ihn umfehreibenbem Spruch 9, 16 ber ^apft gefthont unb 
alle Schulb auf feine ränfebotten Jtäthe unb Wiener gemäht. S)er Schluß beS 
borliegenben Sebichtes (geistlich leben in kappen triuget), ber bisher nie ridjtig 
erflärt motben ift, ^eigt bie 5öejiel)ung unmiberleglid) : er gellt birect gegen ben 
Segaten ©uibo, ben als ßarbinat bie cappa cardinalaris (2)u ßange ed. 3abre 
II, 111c) gierte, meint aber bielleicht auch feinen ©efätjrten, ben päpftlichen 
Dlotar ÜJtagiftet Philipp mit, ber als l)öt)erer 2öe(tgeiftlid)ei unb ©rabuirter 
auch eine Äappe trug (f. S)u 6ange s. v. Cappa doctoralis), unb benft mög= 
licherroeifc aud) an ben (Sarbinallegaten Dctabian bon Cftia, ber eigentlich 
©uibo'S Wiffion in Seutfchlanb unterftüfeen fottte, aber in ftranfreich feftgehalten 
mürbe burch bie Stufgabe, Äönig ^bilipp 3luguft ber päpftlichen ^olitif bienftbar 
ju machen unb Jjier der leien reht ju verkeren. 2Baltt)er'S Spruch fpielt 
aber, roaS gleichfalls noch nidjt bemerft mürbe, mit ben Söorten der bruoder 
sinem bruoder liuget (ß. 35) auch auf ein beftimmteS potitifcheS greigni^ in 
SB^anj an, baS ben Äönig i^tlipp mit betraf, ^m 3a^ic 1195 t)atte bort 
SlterioS III. feinen «ruber 3faac 5lngeloS bom Jbrone geflutt, ihn geblenbet 



SBaltbec bon ber Sogelroeibe. 59 

imb mit feinem Sotm 5tlerjog IV. gefangen gefebt. $m Sommer beg 3ar)reg 
1201 mar eg 2lterjog IV. geglücft, z u entfliegen. s Jtachbem er bergeblidj bei 
^nnocenz Schutj unb ^)ülfe gefucht batte, manbte er fich im |)erbft nach, 2)eutfcb> 
lanb, an feinen Schmager $f)ilipp, ben ©ematjt feiner Scfcroefter ^rene. 2)ort 
muibe er freunbtich aufgenommen unb traf zur äöeitjnachtgzeit mit bem 2Jcarf» 
grafen Sonifaz bon 9Jcontferrat jufammen , ber Seele beg geplanten Äreuzzugg, 
bem gütjrer ber franzöfifchen Stheilnehmer. SDamatg tjat nun $f)ilipp ben ©e= 
banfen aufgenommen unb bem 5ftarfgrafen an bag .§erz gelegt , bie grebeltljat 
beg Ufurpatorg gegen ben eigenen 23ruber ju rädjen , bem rechtmäßigen $atfer 
3faac Slngelog unb feinem Sohn fein 9teich mieber zu geben (Söinfelmann 1, 
524 ff.; ihigler, ©efch. b. iheuzzüge, S. 269; £erfeberg, ©efch. b. Sbzantiner, 
©.336,352). 2Iug ben Stimmungen jener Seit (SDecbr. 1201) entfprang äöalthei'g 
©ebidjt mit feiner boppetten politifctjen Spike : gegen bie Sntfdjeibung be8 
Sarbinallegaten in ber 9Jcainzer ftxaQt unb gegen bie bom >#apft gebulbete ber» 
tättjertfd^e ©etoaltt^at beg b^antinifetjen Shronräubeig. llnb toenn Söalttjer an 
bie eben erlebte Sonnenfinfierniß anfnüpjenb, bag Sr.be ber SBelt unb bag leiste 
©ericht in 5lugfidjt [teilt, fo befinbet er fich im ©inflang mit ben gleichzeitigen 
Prophezeiungen ber internationalen jfreuzzugäprebigt , bie ben 3lblauf beg tau« 
fenbjäbrigen föeichg, bie 2lnfunft beg 9tntichriftg berfünbete unb fich. fogar auf 
einen eigenrjänbigen 53rtef Stjrifti [tilgte (Roger de Hoveden Chronica ed. 
Stubbg IV, 162. 167 ff.). 

$)ag nabe Sßerbättniß Sßaltber'g zu ^fjilipp mar nicht bon langer 2)auer. 
2>er Sinter erhielt für feinen 2)ienft tiic^t mag er ermarten burfte, ein tfetmgut. 
©0 mußte er fich benn nach einem anberen 2)ienft umfehen. 9cach ben brei 
Sprüchen, bie auS ben ©ebanlen ber Sßamberger unb .gmllifchen gürftenber= 
fammlungen entfprungen unb gegen bie s JJUJj'ion beg Sarbinallegaten gerichtet 
finb (9,16; 25,11; 21,25), bat äöattber feine ßeier nicht mieber auf ben 
SLon warmer fjerzlidjer Sympathien für 5ßt)itipp geftimmt. 6r muß bie enge 
33erbinbung getöft , ben föniglicben £)of bertaffen haben. 2)rei potitif<he 2lcte 
blatte feine Dichtung im 2)ienft ^hiltpp'g berrichtet: bie Smpfeblung feiner 
Krönung, bie Unterfiütmng be§ moratilctjen 6inbrucf§ feineg neu ermorbenen 
Äönigttmmg, bie üßefämpfung ber s JJcachinationen beg (Sarbinallegaten unb beg 
*ßap[teg: adeg mar oljne ben 8obn geblieben, ben er begehren mußte. (£r hatte 
©runb genug, enttäufcht fich abzumenben. 2lber bielleicrjt fteht, mie ft<h unten 
(©. 64 f. 65 f.) geigen roirb, mit ber Ööfung feiner ^Beziehungen zum föniglicrjen 
«g>ofe fein äkrfaältniß zu bem ßanbgrafen Jp er mann bon Thüringen, biet* 
leicht bag zu 23tfchof 2öolfger bon ^affau, bielleicht auch beibe in irgenb 
einem urfächltctjen 3 u fanimenhang. 

Schon in bie $eit , ba aBaltber noch mit bem föniglicrjen .pofe innig ber= 
fnüpft mar, fällt fein elfter s ilufentljalt in £hüringen. Scherzhaft fd)ilbert er 
ihn 20, 4 (Der in den ören siech von ungesühte si) unb fteibet feinen Spott 
in bie Stroptjenform beg „elften ^fyilippgtong", in bem nur ©ebidjte aug ben 
Anfängen ber ^Regierung s 4>6ilibP'ö berfaßt finb. (5g ift barum auch unroahr» 
fctjeinlich, baß biefer erfte 23efud) ber Süartburg etma fchon bor SBaltrjer'g S)er= 
binbung mit $l)ilipp ftattfanb, etma atg eine (Spifobe in einem längeren Söanbfi* 
leben, mo ber beimat^log gemorbene Siebter obne Erfolg an Derfd)iebenen Stellen 
unb bor allem an bem gaftfreien 3^ ber Sänger, an bem tl)üvingifchen Jpoy 
angeftopft bätte. 5J)enn fchmerli(Ä benufete 2Baltt)er zur geter ber bebeutfamen 
Sefte Philipp 'g, zur Sßerherrlicbung bochpolitifcher Vorgänge einen fchon früher 
in einem Spottgebicht bermenbeten 2on. 3ener erfte Sefuch beim ßanbgrafen 
^ermann, ber Slnfangg auf ber Seite Ctto'g geftanben unb erft 5Jlitte 3luguft 
1199 zu ^bitipp übergegangen mar, mirb mobl ein 2lbftecher gemefen fein 00m 



(50 Söaltber Don ber SGogelwetbe. 

$o] beS Königs, ©chon bort aber fonnte SBaltber bem ßanbgrafen näber ge= 
treten fein, benn biefer folgte nach feinet SluSföhnung mit Philipp bon Michaelis 
1199 bis @nbe Januar 1200 bem töniglichen -gjofe nach s Ulaina , 9Jtagbeburg 
(SBeifmadjten !), #ilbeSheim, ©oStar, Slttftebt (Änochenhauer, ©efdj. Thüringens 
©. 245). 2)a3 nacbbrücfticiie ßob, melcheS SBaltber'S ©pruch. bom 5Jcagbeburger 
SQßeitjna^tSfcft bem treuen unb aucbtgemäfeen £ofbienft ber Springer fpenbet, 
füllte mobl nicht bloß ^bilipp'S Triumph über ben bisherigen ©egner inS ßicht 
ftetlen, fonbetn biefem felbft fd^meidtjelti. 2Bar bjerbureb, bie Stufnaljme an bem 
thüringer §of erleichtert unb borbereitet, fo fd^cint noch ein atoeiter ©pruch beS» 
felben !£onS (19, 17 Philippes künec, die nähe spehenden zihent dich), ber 
5ßt)ilipp an baS Sßorbilb beS milben ©alabin erinnert, nur 2Iuf Eichung ju ge= 
minnen, toenn man ihn fid) im Sntereffe beS ßanbgtafen berfajjt benft: er 
fottte ^ßijilipp bewegen, feinen 3)anf bem neuen Anhänger baburdj abauftatten, bafe 
er bie bon Otto früher biefem berfprodjenen aber nidjt ausgeführten ©chenfungen 
bon ©elb unb 9teichStehen jefet feinerfeitS freigebig getoähre. 2)er ©prud) bürfte 
inS 6nbe beS ^ahreS 1201 gehören, beffen 3 u f*önbe ^nochenhauer ©• 250, 
äöinfetmann 1, 267 f. fthilbern, in bie Qnt, als ^ermann feinen atoeifelhaften 
23erfebr mit bem oerrättjerifchen banaler SBifdmf Äonrab bon äBüraburg be= 
gönnen, als bie melfifdbe Partei ihn toieber ju geminnen fuchte burdj baS @r« 
bieten, bie feit 1199 rüäftänbigen ©eiber auSauaafjlen, unb gleichzeitig ^nnocenj 
in Sachen ber amiefpättigen Wainjer Sßatjl birect auf ihn einmirfte. Slber 
Philipp folgte bem Statte 2BaIther'S nidjt, fonbern mijjtrauifch unb gereift Durch, 
baS SBeneljmen beS ßanbgrafen forberte er irjm übereilt bie übertragenen 9teidjS= 
letjen ah unb führte baburch ben bollftänbigen 53rudh gerbet. $ft aud) Söalther 
in bie folgen ber föniglidjen Ungnabe gegen ßanbgraf ^ermann bermidett 
morben? Ober haben auf ihn bie Slnftagen gemirft, bie bamalS hon ber 
tbüiingifchen Partei offen gegen Philipp erhoben mürben, megen feiner IDhtfchulb 
an ber ßrmorbung beS boppelaüngigen $analerS ßonrab bon Sßürjburg, beS 
Vertrauten .gjermann'S 1 ? üDiefer 9Jcann bon großartiger 23egäbung, gteid) tüdjtig 
als £>ofbeamter mie als ÄriegSführerr , auf ber Uniberfität *ßariS theologifcb 
gebilbet unb ein Kenner antifer ßitteratur unb ©age, über beffen ütob 5ßhitipp 
felbft bittere frönen bergof}, ftanb ^ermann nalje burd) feine ßiebe für 
mettlicrje bracht: ben ©lana feiner .£oft)altung , bie forma secularis feines 
ßebenS heben bie hjftorifcben Quellen b^erbor; fie nennen it>n virum delicatum, 
sericis ornatum (f. 31. ©. 23. XVI, 581 ff.; b. Söegete, ^ift. Safchenb. 1884, 
©. 31 ff.; fünfter, ßeipa. ffiiffcrt. 1890). 

S)en ©chlag meltltch gefinnter, toeltlid) gebilbeter Äirdjenfürften brauchte 
bie ritterlict)=höfifch.e S)ichtung unb (Sultur, um au gebeiben. Unb eS fällt auf. 
bafe Äonrab, ber feit bem 20. ©eptember 1201 feine fönigüdje llrfunbe bottaog, 
fein Äanaleramt etma in berfelben 3 e ^ aufgab, ba 2Qßaltber aum lefeten Wlal 
im unmittelbaren S)ienft beS ÄönigS ein politifdjeS ©ebidjt fdjuf. 5lber mir 
^aben leine tfunbe über 33eaiehungen atoifchen ibtn unb bem S)idjter. SBir miffen 
nicht , rDeldtje ^fäben perfönlidjer ©bmpatbien unb bertoanbter S3itbungSintereffen 
SBalther au ."p^mann berüberaogen unb ibn fpäter feft an biefen dürften fuüpften. 

5ürS erfte fcheint 2Baltber in Sbüringen noefj nicht bauernb gfufj gefaßt 
au haben. Söielmetjr finben mir ibn balb nach biefen ßreigniffen in Defterreidj 
mäbrenb ber erften 3degierungSaeit ßeopoIb'S VI. (VII.), um bie ©unft beS 
§eraogS bittenb, über ßargbeit flagenb, bann mieber banlenb, als 3 cu g«i per« 
fchiebener f5feftlichfeiten. 2Bir bermögen aber ben Inhalt ber 14 ©tropben beS 
„SQßiener |>oftonS", bem mir bieS entnehmen, im Stnaelnen nicht au entmirren. 
3roei ©tropben (25, 11 ; 21, 25), bie mir fchon lernten lernten, fmben überhaupt 
feine fichtbare öeaiehung auf ben Söiener ^of unb finb fd^merlich in 2Bien ge= 



SßaÜfjer tum ber SJogethjeibe. 61 

bietet. 5E)ie meiften enthalten allgemeine Etagen über ben üblen ©tanb ber 
2Belt, über ben fanget an freute, Streue unb $Rtlbe, ©trafreben gegen bie 
Ueberfdjäkung beS ©uteg, gegen bie Entartung ber ^ugenb. 2)ie ©nttüicftung 
öon 3Baltl)er'§ Vertjältnife ju Seopolb tonnen mir nictjt erlernten. SDurctj eine 
beftimmte ©ctjulb — folgert man au§ 26, 1 — fct)eint äöattrjer frütjer ben 
^erjog gegen fiel) aufgebraßt au t)aben. 2öilmann£ bermuttjete (ßeben ©. 88), 
bie ©djulb Ijabe SBattrjer im grütjling 1198 burdj ben Aufruf jur Krönung 
^ilipp'S (9, 15) begangen. s Mein baS ift unglaublich; ßeopolb ftanb 1198 
mit feinen ©t)tnpattnen ot)ne 3tt>eifel auf ^fjilipp'g (Seite (f. jejjt audj ^uritfct), 
©efßißte ber Vabenberger, Snnebrucf 1894, ©. 358). ©eit ßadjmann (ju 25, 
29) ift oft ausgebrochen morben , bajj 2BaCtt)er bie ©ctjtoettleite ßeopolb'S au 
SBien (28. Wai 1200), an ber übrigens 2öolfger £b>il naljm (prüfet) ©. 364), 
mitgemadjt Ijabe, unb man tjat ©prüdje beS äöiener ,g>ofton3 bamit in 3ufammen= 
r)ang gebraßt. Slber bie 2lnnat)me fßtoebt ganj in ber Suft. 

21m 12. Dcobember 1203 taucht 2öaltf»er in bem ©efotge beä StfßofS 
SCßolfger ton *Pa f f au auf ju ^eifelmauer an ber 2)onau untoeit SCßien unb 
erhält bort baS (Selb ^u feinem $el,}mantet. 6r mar bamatS alfo bodj mofjl 
fein SDienfimann (f. o. ©. 53 f.). äöolfger mufjte ein 9ttann fein naß 2Battf)er ; S 
^erjen , ein ftauftfcf) gefinnter ftrßlictjer SBütbenträger , frei öon tjierardjifdjen 
unb aSfetifßen ©elüfien , bem 9teidje treu unb bem $aifer getjoifam , ein ge= 
toanbter ^olitifer ber Vermittlung, naß aujjen fßmanfenb unb roantelmüttjig, 
mo ber Qxoed eg »erlangte, aber im Äern feft, ein Vertrauensmann ber beiben 
feinblißen (Semalten, ein £t)pug ber meltlicrjer Vilbung geneigten Prälaten bei 
Zeitalters, ein ftörberer beutfßer unb roelfcfjer ®ißter, ©pielteute unb ©ängerinnen, 
bie itjn fßaarenroeife umfßmirren : vir magnae discrecionis , fidus mediator 
(3ingerte, Üieifereßnungen 2öolfger% ©. XI ff. ; $alfoff, SBolfger öon $affau. 
Söeimar 1882; Surbaß, Vom Mittelalter jur Deformation 1, 15 f.). Sßolfger 
blatte fßon $aifer |)einriß VI. nafje geftanben. @r blatte $u ^er^og ßeopolb V. 
(VI.) öon Oefteneiß , 9teinmar'S ©öuner, fieunbfßaftliße Vereisungen getjabt 
unb in feinem ^utereffe bie Vertjanbtungen über bie ^Auslieferung unb ^Befreiung 
beS bon i£)m gefangenen ÄönigS föißarb ßöroentjer,} bon (Snglanb geführt; er 
b>tte ber Veifetmng beS bon Deinmar Veffagten (f. 21. £). 33. XXVIII, 97) in 
.gmügeufreua (Januar 1195) beigetootmt. (Er tjatte 2öaltb>r'8 Vefßü|er Jperaog 
ftriebriß öon Defterreiß auf feiner Äreujfaljrt begleitet unb mar bei feinem frühen 
2ob in p3aläftina zugegen getoefen. 2Ud ber 2l>ronfireit auSbraß, Ijielt er entfcrjtoffen 
äu 5pf)itipp, üerfucrjte burct) freunblictje 23efpred)ung mit ben ©egnerneine Beilegung 
ju erzielen unb mar, aucl) nactjbem Sinnocenj offen auf Otto'S ©eite trat, einer 
ber ftüfyver ber OteictjSpartei, ein ftänbiger ©aft am ^oflager ^ßljilipp'S, bei allen 
5Proteft£unbgebungen gegen baS toelfifße J?önigtl)um, gegen bie päpftlicljen ^ntiiguen 
unb ^InmaBungen (in ©peier 1199, in ^Bamberg 1201, in ^afle 1202) beteiligt. 
6r, ber einft (1195) für ßaifer Jpeiniidj VI. ben greifen 5papft (Söteftin gefügig 
3u macrjen gemußt blatte, fab fiel) je^t einem jugenblictjen, fanatifcljen Vertreter 
ber firct)ltct)en ©ematt gegenüber, Sfnnocenj III. |>atte er 1199 fein SBiber* 
ftreben gegen ben neu gegrünbeten beutfctjen Ütitterorben ju befeitigen unb bie 
©anction für biefe ©tiftung it)m abzuringen berftanben, fo erfannte er balb 
nachher, mie ^nnocenj mit unerfctjütterlißer ßoufequenj unb eiferner Energie 
bie Hegemonie über bie meltliße ablaßt beS ©taateS an fiel) iu reiben ftrebte. 
fortan mahlte äöolfger feinen ^3ta^ in näßfter 9tät)e beS ÄaiferS. 

Söaltb^er, ber äBolfger bietteißt fßon auS ber $eit, ba |)eraog ^liebrict) 
bon Oefterreidj noerj lebte, fanute, Ijätte fiel) feinen befferen ©ßü^er münfßen 
lönnen als itjn unb mag feiner Ömnft fßon lange fictj erfreut tjaben. 3)cögliß 
märe eS felbft , bafj er eS gemefen, ber iljn 1198 an ben ^>of ^^ilipp'S ein- 



62 Söaltber r>on ber äJogelroeibe. 

gefügt ^atte. <5§ mar ein unglüdlidjer bttettantifcher Einfall ©rion'S (Seit« 
fchrift f. b. $bil. 2, 412), in äöoljger ben 9lrd)ipoeta entbeden ju motten. 
2lber ein ©önner unb greunb ber 93aganten, jener Vorläufer Söaltber'S, i[t 
SOßolfger aflerbing§ getoefen, toie faum ein ätoeiter SBiTd^of- 2lud) äöaltber mirb 
gereift fein #era befeffen haben. Sßabrfcheinlid) »« äöolfger nach Söien gebogen 
jur ßinfegnung ber 93ermäblung #erjog ßeopolb'S mit ber btjaanttnifchen ^rin= 
aeffin Stbeobora ßomnena , einer naben 93crroanbten ber bon SBalttjer gefeierten 
(19, 12) ©attin ^bilipp'S Srene SJcaria. 2lud) äöaltber t»at biefem geft mäht« 
fcheinlid) beigetoobnt. Schon lange öor bem 23etanntroerben ber 9teiferechnungen 
bat Sßadernagel (ju Simrod 2, 133), bann auch ausführlicher 6. #. «Dteber, 
Sdjenf 2öaltt)er bon Schtpfe, ®. 21 f. nnb nicht erft äBadernell, toie &oefer 
(Beiträge 17, 547) meinte, ben Spruch 25, 26 Ob ieman spreche der nü lebe 
einleucrjtenb auf biefe £>od)aeit belogen, 3d) möd)te glauben, SBaltber mar bereits 
im (Befolge Söolfger'S nad) 2Öien gefommen unb bat fid) biefem nicht erft bort 
für bie äöeiterreife angefdjloffen. konnte ibm bod) 9tiemanb leichter eine 2luS= 
föbnung ober SBieberanfnüpfung mit ^er^og Seopotb bermittetn als Söolfger, 
ber alte erprobte greunb ber 93abenberger. damals, bei ber 9tüdfet)r in bie 
fechS Sabre enlbebrte -gjetmatb, fönnte er fein hobeS Sieb botu beutfd)en 23ater* 
lanb, bon beutfdjen grauen unb beutfdjer Sugenb (56, 14 Ir sult sprechen 
willekomen) gefungen baben, falls man nicht toegen ber bielen gefebenen ßänber 
(95. 30) eine fpätere (Jntfterjung anzunehmen öorjieht. 

2Bte lange Sßaltber bei Söolfger blieb, miffen mir nicht. Sicherlich bauerte 
baS freunbfcfiaftlicfie 23erbättnife ju ibm aud) nad)bem er 1204 Patriarch Don 
Stquileja gemorben mar. S)enn baran follte nid)t gejmeifett »erben, bafj unter 
bem Patriarchen bon Slquileja , beffen <£>of äöaltber neben bem |>of ßeopolb'S 
unb feinet DbeimS ^einrieb bon 9Jcöbling mit tjerjlidjen äöorten nennt (34, 34 
Die wile ich weiz drt hove), nur äöolfger unb niefct, toaS auerft lltjlanb (Sdjriften 
5, 62) unb bann noefc SöilmannS (Seben äöaltber'S, ®. 57, 81) annabm, beffen 
Nachfolger 23ertbolb bon 9lnbech> s Itteran berftanben toerben mufj: nur biefe brei, 
bie beiben 23abenberger unb äöelfger, bie mannigfadje 23anbe alter perfönltcfier 
SBe^ietjungen aufammenbielten, fonnte Sßaltber in einem ©ebicht gleid)fam als 
eine gamitie oon ©önnern feiern, unb man üertoanbelt baS ^reiSlieb auf bie 
brei bejreunbeten unb SOÖaltber freunbltcben #öfe auS einem finnig aufammen« 
gefügten barmonifchen ßrana in ein toitlfürlidjeS Konglomerat aufättig aneinanber= 
gereibter £obe§ert)ebungen , menn man tjier ben 2lnbed)fer einfdjmärat. ©erabe 
in jenem Sfabr, 0Q § gBalt^er mieber in feine öfterreichifebe ^eimatb^ fübrte, batte 
Söolfger mit Heinrich bon ^Jtöbling, als bem Vertreter ber 33abenberger f^amilie, 
über bie 2lnerfennung früberer ©chenfungen ju ©öttmeib (24. ^uni 1203) ber= 
banbelt unb im |>erbft beffelben Sab,re§ burch mehrmalige @efanbtfd)aften unb 
üleifen bie für ba§ ^)au§ ber 23abenberger erroünfcrjte, inäbefonbere für Seopolb'S 
33ermät)lung mit ber ©rtedjin 2;t)eobora notb.menbige, legitime ßöfung ber 33er= 
lobung beS ^erjogS mit ber Tochter Ottolar'S bon 335b^men unb ber (Snfelin 
Ctto'8 üon ^meifeen (Äatfoff, Söolfger, @. 69 ff.) bermittelt. SluS jener 3eit 
mag Söaltber'S erfte Erinnerung an bie natjen SSejiebungen ber brei itjm wot)l= 
geftnnten Männer ftammen , bie bann in feinem unS nid)t genauer bekannten 
freunblidjen 33erl)ältni§ au itjnen fortbauerte unb fpäter in bem (Spruch auf bie 
brei |>öfe einen liebenämürbigen 3Iu§brud fanb. 

am 3fabre 1204 ober balb nadjber bat Söaltber aud) am #of beS ßanbgrafen 
^ermann bon Xbüringen längere 3eit gelebt. Sein erfter furjer 33efuch, 
ber fich, roie fdjon oben (S. 59 f.) bemerft ift, nicht genau batiren läfet, fdjeint 
niefit au feiner 3ufriebenbeit berlaufen au fein (20, 4). Söolfram'S ßitat be8 
berlornen 9Baltl)er'fcfien SiebeS Guoten tac, boes unde guot im 6. 33ud) beä 



2ßaltt)et Don bet 23ogelroeibe. 63 

*Paratüat (297, 25) fpricrjt öon bem ©angeegenoffen , tüte öon einem, bei am 
S^ürtnger |>of atfbefannt war , unb fo, als od ba§ angeführte ©ebict)t eben 
entftanben fei, aucb, bie 2tnrebe in jenem Siebanfange felbft fonnte ficfj nur ein 
fctjon tjeimifcb, geworbener ertauben , bem bie bunt aufammengcfefete ©efettfdjaft 
einen öertrautictjen ©cfjerj öerjiet). 9tacb, ber t)errfct)enben 9Jteinung ift ba§ 
6. 33udj beä ^arjiöal ntct)t öiel nad) 1203 gebietet; benn ba8 7. 23ud) ent« 
ftanb, wie 379, 18 jeigt, atä bie ÖJerwüftung ber Söeingärten Srfurtä nodj 
fidjtbar mar, b. t). ba man babei an bie Belagerung @rfurt§ *ßfingften 1203 
äu ben!en pflegt , fpätefhnä ju Anfang be§ ^atjreä 1204 (j. Sactjmann 3U 
aöatttjer 20, 4). lUjtanb (©dmften 5, 32) folgenb bemerfte Sactjrnann, bafj 
etje ber Sanbgraf fict) $önig $f)ilipp unterwarf (17. ©eptbr. 1204), SBalttjer 
gemife nidtjt nact) £f)üringen ju bem getjeimen unb auleijt bffcntlidjen (Segner 
fetnei ^errn, beä Königs '}}t)ilipp, gegangen fei. SBejiet)t fict) biefeS SSebenfen 
nur auf ben erften 53efud) , ber 20, 4 ju ©runbe liegt, fo täfjt fiel} itjm ge* 
nügen , wenn man jene§ erfolglofe Slnflopfen SBalttjer'ö in bie 3?it öerlegt 
awtfdjen bem 15. Sluguft 1199, mo ^ermann bie Welfifdje Partei öertiefj, bem 
Äönig ^tjilipp ben ütreueib fdjwur, unb bem 8. (September 1201, mo er noct) ben 
Hornberger ^roteft ber ftauftfdtjen dürften gegen bie guntuttjungen be3 ^apfteä 
mit unterzeichnete. ®ilt bagegen Uljtanb'ö unb Sactjtnann'ä Srmägung ber 
^rage, mann äßalttjer'ä längerer ttjüringifdjer S)ienft begonnen t)abe, fo bereitet 
fie beträchtliche djronologifdje unb fad)lid)e ©ct)wierigfeiten. 

5ftan fann biefen entgetm, inbem man bie (hwätjnung ber SBalttjer'fctjen 
S5erfe im ^arjiüal für einen nactjträglictjen (Sinfdjub SBolfram'i erflärt, ber erft 
nact) ber Slbfaffung biefeS S5uct)8, etma bei ber fpäteren ^ublication, mit 9iücf= 
fidjt auf ben nunmehr anmefenben 2öattt)er öorgenommen fei, ober inbem man 
bie @ntftet}ung be§ 6. SBudjel be§ ^aratbal fpäter al§ ba§ 7. fe^t, Woju Sadj= 
mann (Wolfram ©. XIX) geneigt fdjien, ober inbem man 2öaltt)er'3 SBerbinbung 
mit ^ermann auet) ofjne Uebereinftimmung ber politifetjen ^arteiftetlung für 
möglict) erflärt, mie SBadfernelt (©ermania 22, 283), ofjne bafc man atterbingg 
beffen 2lnfic^t 3u feilen braudjt, Söalttjern tjabe „$t)iltpp watjrfdjeinlidj gerabe^u 
eine biplomatifdje ^Jliffion anöertraut" unb er fei im .§erbft 1203 nact) £t)ü= 
ringen gegangen , um ben nact) ben unbefriebigenben ©rgebniffen be3 ©ommer» 
felbjugS enttäufdjten dürften wieber auf bie ftaufifdje ©eite ju bringen. 

SSorjuaietjen aber ift eine anbere Söfung: man beute bie SQßorte 2Bolfram'# 
über bie öertoüfteten SBeingärten 6tfurt§ auf ben ^weiten tfjüringifdjen ftdb' 
jug (^uli bis September 1204), ber in ber ©egenb öon äöeifjenfee (neun 
©tunben nörblid) öon förfurt) unb an ber obern 3ilm (©tabt=SIm bii Sangen» 
toiefen) feinen ©ctjaupla^ tjatte unb im Sager bor Erfurt enbete, nactjbem fieb, 
am 17. ©eptember in bem untoeit babon fübtidj gelegenen ^ctjterStiaufen Sanb» 
graf .^ermann auf ®nabe unb llngnabe unterworfen tjatte. 3ludtj in biefem 
äafjre würbe baS Sljüringer Sanb weit unb breit öcrwüftet, befonberS öon ben 
93öt)men, aber aucr) öon ^ßljtlipp'ä |>eer. Unb gewife ift bie Umgebung öon 
(Srfurt, ba8 auf ©eite ^^ilipp'S ftanb, nidjt öerfcb,ont geblieben. 3fene ^arjiöal' 
fteHe fann bal)er bem anfange be§ ^atjreä 1205 angetjören. Unb einige 3«* 
toorb.er, alfo @nbe 1204, nact) ^ermann'ä Unterwerfung, tjatte ba§ 3 u f (::t^men,, 
leben ber beiben größten mittelatterlictjen S)icr)ter auf ber Söartburg bei bem 
funftliebenben Sanbgrafen Hermann, bem ©önner ^einrieb,'« öon Sßetbefe, 
^>erbort'S öon ^rit^lar, 2llbrect)t^ öon <g>alberftabt, begonnen. 

^)ier tjatte 2Batttjer einen ^anbet mit bem 1196 in einer Urfunbe 
beS Sanbgrafen nadjgewiefenen ©ert)art 9l^e, ber itmt ein 5pferb ju gifenact) 
erfd)of$ unb feinen ©ct)abenerfa^ leiften wollte (82, 11. 104, 7). #ier 
mu|te er gegen ©törer beä tjöftfctjen ©angö (103, 29) unb gegen ba§ Un» 



64 2ßattf)cr tum ber 2Öogeltuetbe. 

traut bet Jpofgefettfcbajt (103, 13) fid) roebren. ©eine Äunft toorb offenbar in 
ben Sbüringer ,§offreifen , too man meb> für ftoffreidjere 2)id)tung, für epifcbe 
(grzäblung unb (Sittenlehre (SBetnber bon (Hmenborf) ^ntereffe begte unb ein 
berbereä, tampftüdjtigereä Dafein liebte at8 äöaltber'S Sieber unb ©ptüctje toieber= 
gaben, nidjt bon alten unb nicbt obne Gnnfcbränfung geroürbigt. 3luct) Söolfram, 
toie oben (©. 41 ff.) gefagt tourbe, füllte fidE) in einem getoiffen ©egenfafc baju. 
2118 Steinmar bon ^»agenau, ber öfierreicrjifcbe -£>offänger, einft fein ßebrer, au8 
bem Öeben fcbieb, betlagte 2Baltb>r in ütbüringen feinen Job mit ämei ergreifen« 
ben ©tropfen (82, 24. 83, 1) botler eigener melancrjotifctjer £obe§gebanfen 
unb richtete bon 2f)üringen tjintoeg ben 23licf febnfüdjtig nact) ber .gjeimatb, in 
ber Hoffnung, am Söiener «g>of in bie ©teile bei ©efctjiebenen einzutreten (84, 
1 ff.), wie e§ fcbeint, bergeblidj. @r mufjte trotj altem in Stauungen ein paar 
^abre auäbarren; ob otme Unterbrechung toiffen mir nid)t. 2)ie tl)üringifcben 
Sbroniten fe^en ben fagenbaften ©ängerfrieg, an bem 2Baltber neben SBolfram 
ülrjeit genommen baben fott, in ba8 3at)r 1207. 

3fn Jtjüringen fdjeint Sßaltber'g früheres berzlicbeS 23erbältnifj ju 5pbilipp 
ööüig erfaltet unb in fein ©egentbeit umgefcbtagen zu fein. S)ie ptrfönlidjen 
^totioe, bie babei mitteilten modjten, bleiben uns leiber üerfdjleieit. 3öir ge= 
magren nur, bafj etroaä bon ber beimlicben 9Jcifeftimmung beS ßanbgrafen unb 
feinei ©cfjtoiegerfotmä, be3 SJtarfgrafen üDiettid) oon ^Jceifjen, gegen $t)ilipp auf 
SSaltber übergegangen ju fein fdjeint. 

Hermann t)atte öon feiner Untetroerfung unter ben ©taujer nur 2)e* 
müttjigung unb ©c&aben geerntet. S)ietrictj aber toarb berftimmt, als ber 93e= 
leibiger ber Söettinifdjen fjatnttienetjre Dttofar bon Söljmen ben 1204 geleifteten 
©djtour , bie öerfto&ene erfte (Sattin , Stbeta bon 5Jtei|en , roieber aufzunehmen 
unb feine zweite (£t)e ju löfen , nictjt ausführte unb fo bie 23ebingung ntccjt er= 
füllte, an bie 2)ietuct) fein ftallenlaffen be§ böfjmifctjen 5ßrätenbenten Sbeobalb, 
^rjilipp'ä drängen nacbgebenb, gefnüpft batte. @r fat) fid) burct) bie politifdje 
Slaäföbnung aroifcrjen 5Jßbilipp unb Dttofar überöortbeilt ©erabep perfönlict) 
beleibigt aber füllte er ficb bann 1207 burct) bie Verlobung ber Jodler 
^tjilipp'ä mit bem ©otm bon Ottofar'8 zweiter ©ematjlin, um berenttntlen ber 
SBöbmenfönig feine erfte 3f*au, bie ©cbmefter 2>ietricb/8 , berftofjen batte. S)ie 
©ereijttjeit unb ba% Uebcltüotten ber Ifjüringer ^ofgefeUfdjaft mochte fict) an 
altem 2öibertt>ärtigen , mag ben $önig ober feinen engften f5ami(ien{rct§ traf, 
roeiben unb e§ mit 33et)agen breit treten. 

©otcb^e ©timmung flingt au£ jenem rjötjntfcften ©prucb, bom griedjifdjen 
©piePraten (17, 11), ber bie blutigen b^antinijctjen Jtjrontoirren ber 3ab^re 
1203 unb 1204, in benen $t)iltpp'8 ©cf)tt)iegeibater SJfaac SlugeloS unb ©c^mager 
2llejio§ itjre eben gewonnene ^rone unb ib^r Seben öerloren, benu^t, um baran 
eine böfe ßetjre für ben ßönig ju fnüpfen. Sßotfram fpielt im äöiHeljalm (286, 
19), alfo nactj $at)ren, auf t>a% ©ebid)t fcb^er^aft an: nur roenn e§ bei feiner 
@ntftet)ung burct» feine potitifctje ©pitje ge^ünbet blatte, tonnte er fo fpät 
barauj mteber zmüctgreifen. Sacrjmann backte ba^er (zu 17, 11) baran, biefer 
©prud) erft tjabe SBalt^er'g „Umjug nacg Jtjüringen" üeranlafjt. SOßitmannS 
bagegen fe|t it)n in ben &erbft 1207. %$ glaube, man mufj ben ©pructj 
öom ©piefjbraten unb bann auc^ ben boranget)enben nat) berroanbten 16, 36 
(Philippe künec here) früber batiren: nod) in ba§ 6nbe be§ 3at)re§ 1204 
ober ben Slnfang 1205. fjreilicb ftnbet Gamete (SBeitr. 7, 596) , bajj beibe 
©prücfie noeb eine mi^licfie ßage ^bilipp'8 öorauife^en, toa§ auf bie 3"t bor 
ben gtücfücben ©ommerfelbzug bon 1204, ber bie günftige dntfebeibung brac&te, 
fiintoetfe. allein 16, 36 zeigt unbeifennbar: bie glütflictje 3öenbung mar bereite 
eingetreten, unb offenbar ift biefe fanftere TOabnung wx greigebigteit ber 



äöaltfjer bon ber 33ogelweibe. 65 

fdjärferen beä ©djeraeä bom ©piefjbraten borangegangen. Db nun aber biefe 
beiben ©prüdje in üttjüringen gebietet finb? *D(an i[t berfud)t, aufjer 2Botf= 
ram'ä fpätcr (Srinnerung baran nocfcj einen befonbern ©runb ^iexfür geltenb 31t 
machen, ©erabe in Ütjüringen fonnte Sßatttjer roätjrenb bc§ ©omtnerä 1205 
Äunbe bon jenen Ißorf allen beä Oftens" empfangen: am 17. Sluguft feljrte 3Bifd)of 
Äonrab bon falber ftabt mit bieten bei ber ^lünbetung GonftantinopelS er= 
beuteten ^Reliquien unb Äoftbarfeiten in feftliäjem Sriumbtßuge t)odj gefeiert 
Ijeim (Mon. Germ. Script. 23, 120). (Sr t)atte als - Slugenaeuge unb ttjätiger 
£t)eitnet)mer jene ganje ütragöbie burdjlebt. ©djon im Slugufi 1203 mar er 
alä Pilger natf) 33enebig gefommen unb fjatte fomot bamalg at§ nadjtjer im 
folgenben SCÖinter bor 3 a ^ gemifj bie Sßerbinbung ämifdjen bem ^reujtjeer unb 
Äönig ^ßtjilipp unterhalten. 2)af$ Sfaac SlngeloS unb fein ©of>n SllejioS bie 
<£mlfe unb {jreunbfctjaft ber Äreujfaljrer , bie für fie Gtonfiantinopet unb ben 
2t)ron jurüdEeroberten (18. 3uli 1203), bertoren, »eil fie bie bertragimäjjig, 
eibtict) unb miebertjolt gemachten 3ufid)erungen bon ©elb unb Sßelotjnungen nict}t 
erfüllten, barin fcnb alle 23erid)te einig. 2>ie fränfifdjen Cueöen fdjieben e§ meift 
auf ben böfen Söitten unb ben llnbanf 9llej:io§ IV. : fo audj bie gleidj nad) ©ep= 
tember 1208 entftanbene Peregrinacio (Valois, Biblioth. de l'ficole des Chartes 
40, 204) ber £) a tb er fi übt er (Etjronif (Script. 23, 118: ingratus beneficiorum accep- 
torum). Sie btjjantinifdjen 3)arftellungen taffen ertennen , bafj ber faiferlictje 
©djafc oon Sllejioä III., bem Ütjronräuber, geftüdjtet, bie ©taatäcaffen erfdjöpft 
unb bie Sebölferung gegen bie Eintreibung ber berfprodjenen Summen für bie 
berfjafjten ^remben aufs äufjerfte erbittert mar (der brate was ze dünne). 
S)ie .^alberftäbter ßfjronif, bie matjrfctjeintidi) Sagebüdjer Äonrab'S benutzt, madjt 
aber aud) $tjilipp mit berantmortlid) für ben Ausgang, toenn fie eraätjlt, er 
felbft tjabe jene 200 000 2Jcarf burcf) feinen ©efanbten in 3 Qra oen $"U3= 
fairem berfprodjen, fattä fein ©ctjroiegerbater mieber auf ben Urjron gehoben mürbe. 
SErjeilte Söatttjer biefe 2luffaffung, fo geminnt fein ©prudj nod) an unmittel= 
barer ^einbfeXigteit gegen ben Äönig. %&& 9lnrüt)ren jener ^ataftropcje mufjte 
5ßt)ilipp tief bermunben. ©eine 33ermanbten tjatten im $ampf mit ^rätenbenten 
unb ©egeniönigen roie er ba§ 9teid) gemonnen , e§ bann aber berloren, toeil fie 
gemalte SSerfprecfcjungen nidjt tjalten tonnten , unb bertoren nid)t an ben be= 
rufenften Uträger eineg neu 3U gxünbenben lateinifäjen $aifertr)um§ , ben 5Jlatf= 
grafen 25onifa3 bon 5Rontferrat, ben 2lnt)änger unb 33ermanbten ber ©taufer, 
fonbern an ben biet untüchtigeren ©rafen Salbuin bon ftlanbern , ben ^artei= 
ganger beä Sßelfen Ctto. 

33iel fprictjt nad) attebem für bie Sntfte^ung beS ®ebid)t§ bom ©piefebraten 
in 2c)üringen. 2lber unleugbar ift auct): nirgenbö mol tonnte Söatttjer 
früher ßenntnife erlangen bon ben bertjängnifjbolten (Sreigniffen, bie über 5ßtji= 
lipp'i Sermanbte in 55t)äanj tjereingebrodjen maren , aU in ber 9läf)e beä 
S3ifcijof§ 2öotfger. 

©cfjon am ©tünbonnerftag 1204 erfctjien bei ^er^og Seopolb in Älofier= 
neuburg Söifdjof Partus bon S3eirut, rjödjft matjrfctjeinlict) mit 9lactjrid)ten über 
bie bt)jantinifdje Söerroidlung. SBolfger ftanb bamal§ im SBegriff, auf annet)m= 
bare Söeife feinen ^i^ 60 m ^ bem $Papft ju machen unb fid) bon ber 9fieidE)S= 
politif äurüdäujierjn. 35ereit« am 2. Cctober 1202 mar er megen feiner £f)eil= 
natjme an bem ^allifdjen ^ürftenproteft, beffen Sßerfaffer er übrigen^ fd^meilidj 
gemefen ift, bon ^nnocenä bei ©träfe ber ©uäpenfion auf ben ©onntag fiaetare 
nad) 9lom jur Söerantmortung citirt morben. ©r mar biefer ßabung gefolgt, 
^atte mit einer aiemlid) plumpen Süge feine 2Jcitberantmortlid)feit für jene 6r= 
Ilärung abgelehnt unb bas ©d)lüffelrecrjt beä ^apfteö anerfannt (Reg. de neg. 

SlUßcm. beutfäje »iogra^ie. XLI. 5 



66 Söatttjer üon ber 33ogeltoeibe. 

imp. 110, Migne, Patr. Lat. 216, ©. 1114), fidj nadj jetner gtütffebr aber 
bann bod) roieber an ben £>of ^bitipp'l nadj Altenburg begeben (Auguft 1203). 
9tun aber blatte bie Hoffnung auf bie Wadjfolge in bem jur (äirlebigung fornmen* 
ben s $atriardjat toon Aquileja ibn ber ßurte gefügiger machen muffen, $m 
«Dcai beö Saljrel 1204 blatte er fid) in 9tom bie ©enebmigung feiner äöabt 
geholt, bie ibm burd) päpftlidjen (Soufenl bom 24. 3funi berlieben toarb, blatte 
fid) bann aurütfgefehrt in Anlbad) bom $öntg $&iltpp belehnen laffen unb fid) 
nadj 3ßaffau begeben, bie Söabl feines 9tad)folgerl <ju leiten. <g>ier empfing er 
am 19. 3fuü bie «gjioblpoft aus (Sonftantinopel (9ieifered)nungen ©. 33). $aum 
in Aquileja eingebogen , erhielt er mit bem Pallium jugletd) ben 23efebl bei 
^apftel, binnen s JJtonatlfri[t ftdj fdjriftlid) ber ßurie jutn ©eborfam aud) in 
9teid)langelegenb>iten ju berpfüdgten (Äattoff, Sßolfger ©. 30 ff., 96 ff.; $uritfd), 
©efd)id)te b. 23abenberger ©. 379 f.). ftortan waren SBolfger , ber jidj je^t 
fügen mujjte , bie .gmnbe gebunben. @r 30g fidj oom «ftönig ^bilipp unb ber 
Üietdjlpolitif aunäcbft ööttig <jurüd. 

23alb nad) biefer 3^ fd)Winbet aud) aul SSaltbei'l 2)idjtung für eine 
bleibe öon Satten jebe 23ejiet)ung auf bie 9leid)lpotitü, auf bie 
^ßerfon unb bie Angelegenheiten bei Äönigl , ja fein ßebenlweg üerliert fidj 
für unl eine SBeile überhaupt im 2)unfel. @r bat jebel 23erbältntfi jum 
$önig böttig gelöft. Aber mir tonnen nidjt fagen , wo er jene beiben un- 
freunblidjen ©tropfen (16, 36. 17, 11), in benen er fidj (1204 ober 1205) jum 
leisten Iftal mit feinem einfügen £)errn befaßte, gebidjtet habe. 

S)er wettere Söexlauf öon SBaltber'l geben täfjt fid) im Sinjelnen burchaul 
nidjt feftftellen. 23il ^unt ftrübling bei Sfahrel 1212 bleibt unfere ^enntntfj 
ganj trümmertjaft. SBalttjer ftanb eine $eit lang * m S)ienft bei 9Jlarfgrafen 
üDtetrid) öon 9Jtetfjen (105, 29), bei ©dimiegerfobnl feinel SLbfiringer 
©önnerl, an beffen £of aud) ^einrieb öon Körungen (f. 21. ffi. 33. XXII, 341) 
lebte. 6tn (Sinflufj biefel s IRinntfängerl , ber neben SBaltber unb Steibhart 
obne i$xa§e bal urfprüngtid)fte unb ftärffte Itjrifdhe Üalent bei beutfdjen 9Jlittel= 
alters mar, läfjt fid) in mehreren Siebern SBalther'l erfennen (Söitmannl, Seben 
©. 278). ©d)on früher, etma 1205 (Sarnde, Beiträge 7, 593), blatte ber 
2Rartgraf 2Paltber, mie el fdjeint, eine ©efälligfeit erwiefen unb ibm eine 
ebrenbe Sinlabung öon ^erjog Subwig öon 93atern, |>ermann'l ©cbmager, jum 
^ofbienft überbradjt (18, 15, f. oben ©. 54). Seht aber mufe fid) ein engerei 
93anb getnüpft Ijaben. 93ei £>ietrid) mufj Söalttjer (aud) ober nod)?) 1210 
geroefen fein, all bal Älofter S)obrilugf an bie ^Jtarfgraffdjaft fam: benn el 
fpielt, mie juerft 2öadernagel 2, 140 9lnm. rid)tig fat), 75, 25 barauf an. 

S)te ©tropfen bei „jmeiten Dttentonl" (nad) ©imrod'l unpaffenber 93e= 
nennung) 31, 13 bil 36, 1 bereiten bie größten d)ronologifd)en ©djroierigfeiten. 
©ie fpiegetn ein bemegtel unrub^igel SBanberleben mieber, fie attjmen einen tiefen 
^effimilmul , eine mad)fenbe ©eretjttjeit unb Verbitterung bei 3)id)terl. ©ie 
tjat er im Auge, menn er fpäter, in fonnigerer 3 e ^, surüdbtidenb fagte: ich 
was so volle scheltens daz min äten stanc (29, 2). „Unmutblton" fbnnte 
man biefen Ston nennen. Aul 36, 1 (Do Liupolt spart üf gotes vart) ergibt 
fid), bafj 3Jßaltber längere 3ett in Defterreidj bei ^erjog ßeopotb mar, bebor er 
biefen auf feiner Üiüdtebr bom Äreujjug (üietteidjt 1219) begrüßte (28, 11). 
3n bemfetben S£on nennt er ftd) aber aud) des muten lantgräven ingesinde 
(35, 7), mal, tote oben (©. 54) benterft tourbe, auf ein bauernbel tbüringifd)el 
|>ofbienftöert)ältni| weift: ber int 20inter gebidjtele ©prud) blidt auf mel)r* 
maligen Aufentbalt bei Sanbgraf ^ermann jurüd unb auf eine metjrjäbrtge 
33erbinbung mit ibm; ob er mit äöilmannl (ßeben ©. 71) in einen ber äßinter 
äWifdjen 1213 unb 1217 au fet}en fei ober ob er einige ^abre fpäter fällt, 



SBaltfjer bon bet SöogeXroeibc. 67 

Bleibt atneif elfjaft. %n bemfetben £on bemäntelt SBalttjer auct) (Jrlebntffe , bie 
it)n in Seaierjungen au -£>eraog93ernl)arb bon Kärnten (1202 — 1256) 
geigen: er tjat oft üon ifnn ©aben empfangen, aber ein ©djeltlieb, mit betn er 
fid) räd&t , als itjm bom <£>er,}og bertjeißene ©emänber nid^t übergeben jtnb, 
bringt (Sntjweiung (32, 17); 9)cißgünftige bei £>ofe, bielleidjt Otibalen, Ijefcen 
gegen it)n (32, 27). 2Bann biefe SBorfäUe ftattfanben, ob am |>of beä -£>er<jog3 
felbft, entjietjt ficb, unferer Äenntniß. 2lber bei Söaltrjer'ä freunbfcrjaftlictjem 
Serfjättniß ju äöolfger unb ben babenbergifdjen ^erjogen tjat er oft Gelegenheit 
gehabt nad^ Kärnten ju tommen , unb wenn er in feinem äBanberfprud) be8= 
felben StonS (31, 13) unter ben (Brennen feiner galten bie 9Jhtr in ber ©teier= 
mar! nennt, fo jpridjt aud) ba§ bafür. 3fn bem nämlichen £on wirb ber $atri = 
ard) Don Stquileja unb £ er 3°9 |) einrieb, bon 5)töbling gefeiert (34, 
36. 35, 4) unb <£>eraog ßeopolb balb gegolten, balb erhoben. @nolid) richten 
fid) sroei ©prüdjc biefeS 2on, bie einzigen batirbaren, gegen bie Slufftellung 
be3 Opferftodeä, bie ^nnocen^ III. Oftern 1213 befohlen Ijatte, um Setfteuern 
3um Äreu^ug au erhalten (34, 4. 14). 

2ftit bem Satyxt 1212 getoinnt Söaltrjer'S Q3iograpt)ie Wieber fefteren SSoben. 
<£ä beginnt ber britte 2lbfd>nitt feiner politifdjen ©idjtung: ber 2öieberein= 
tritt in ben ©ienft ber 9teid)ßpolitii. 2113 nadj ber (Srmorbung ^Ijitipp'a ber 
öon ^nnocen^ getrönte Otto, wegen feiner Singriffe gegen bie mittelitalifcrjen 
Territorien beä *papfieg unb gegen baä päpftlidje ßebn§fönigtr)um ©icilien ge= 
bannt, nadj ©eutfdjtanb äurütfleljrte , um bort ben injWifctjen aufgebrochenen 
Slufftanb ber dürften nieberjuroerfen , tritt iljm 2öaltt)er auf bem &oftag au 
fjfranffurt (18. 9Jtär<$ 1212) entgegen unb ruft ü)tn in brei großartigen ©prüdjen 
ein feierliches Sßitlfommen, ein begeifterteS ©lücfauf ju für bie *8erWtrflid)ung 
ber ßaiferibee (11, 30 bis 12, 18). ©er ganje .gmf be§ Sängers gegen bie 
Slnmaßung ber ©urie lobert t)ier in rjeHen flammen auf. ©egen bie lieber* 
griffe be§ ^apfteö, gegen bie ©crjmäterung ber faiferticrjen ^Dladjt burd) itm 
eifert er mit Ijeißem gorn. ©agegen fudjt er bie Gefahren, Weldje bem $aifer= 
tljum au§ ber Uebertjebung , ben Q3egierben unb ber Jreulofigteit ber dürften 
brotjten, au berbeden unb bie ©djulb ber SGßanfelmüttjigen ju berfteinern. 3fn8- 
befonbere berbürgt er fid) mit ©mptjafe für bie ütreue be§ ^JteißnerS, obwol 
gerabe er ben tjoc^üerrättjerifcrjen Umtrieben gegen Otto in beffen 2lbWefen§eit 
narje getreten mar. 2Bir finb leiber nidjt im Stanbe, Sßalttjer'ö SBerrjättnifj 3U 
bem 5Jtarfgrafen ju burd)fd)auen. «g>atte biefer tt)n beranlajjt, Otto ju be= 
grüßen? |>atte er iljn al§ äöerfjeug benu^t, um bie ©nabe unb Sßerjeiljung 
beä Äaifer§ roieber ju getoinnen? ^tan barf bieg bejatjen. 2lber aud) 2Baltb,er 
felbft fonnte tjoffen , toenn er jefet in bebenflidjer Sage ©ictricb, burdt^ fein be= 
beutungiboEeS 2Bort gegen ben Sßerbadjt fct)ü^te, aum 5Danf bafür bon iljm bei 
©etegenljeit audt) bem Äaifer empfohlen ju werben. 

2öi(mann§ b,at 2öaltb,er au§ biefem ©intreten für SDietricb, einen ftttticb^en 
SBorrourf gemacljt, ib,n ber bewußten Süge gejiecjen (ßeben SBalt^cr'S ©. 110). 
Slber roie weit ©ietrictj an ber QJerfdjwörung gegen Otto wirllidj) tt)ättg mit= 
gewir!t b,at, ftetjt feine§weg§ feft. SCßinlelmann will an feinen 5lbfaü gar nicb.t 
glauben (2, 272, 300 2lnm. 4). ©ie Cueüen wiffen nur bon ©ietricb/ä 33e= 
fudj ber 9caumburger 5ürftenberfammlung, bie für altgemeine 9teict)8facb,en au§« 
gefcb,rieben war unb auf ber bie b^djberrätljerifdjen Slbfictjten erft ganj berfteeft ju 
Xage traten, gür bie beiben folgenben gufammenfünfte, f,[ t ^ettnltd^e in SBam= 
berg unb bie öffentliche, auf officielleS 6rfucb,en beä s 43atofteS beranftaltete Nürn- 
berger, Welcrje birect bie 2lbfe^ung be8 ÄaiferS bejwectte, ift feine 2lnWefcnf)eit 
nietjt bezeugt. 3tebenfaü§ tjatte ©ietrieb,, Wenn er mit ben 23errätf)ern getagt 
blatte, in letjter ©tunbe ftcb, bon ib,nen aurüdfgejogen. "Unb 2ßaltb,er burfte wol, 



68 SBßaltfjer Don bet Söogeltecibe. 

ein toenig ben «Utunb botl neljmenb, feine Streue engelgteich nennen, ohne mehjr 
ju thun, als et im ©ienft feines £ettn bot ©ott unb SBelt nach bet 2ln= 
fcbauung bet 3"* betanttootten fonnte. llnb toat eine Untoaljtljeit babei, fo 
boch. getoifc eine, bie auch fjeute bet ©ittencobej bet «ßolittf — unb toäre e& 
bie eljrltchjte! — nid)t betbieten toütbe. 

©ic ibeale 2luTfaffung, toelche SBatther üon bem faifetlichen Imperium 
liegte, fteht f)ier auf iljter $bfy. llnb auch fein ©ichterftolj fpridjt tner in 
mächtigen Stccenten, ffiie SOßelt ift itjm atoifd^en ©ott unb bem Äaifet getheilt. 
S3on bet fonft gewöhnlichen Slnfchauung einet itbifchen bon ©Ott betlieb>nen 
gtoeiljertfd&ait be8 «papfieg unb be§ ÄaijetS finben mit feine ©put. 9118 33ote 
©otteä felbft betfehrt bet ©ichter mit bem ©tüttljattet Sfytifti auf 6tben: mit 
bem Äaifet. @t überbtingt irjm bie JHage Sbjifti übet bie Unterjochung feines 
SanbeS butch bie Reiben, ßtft fotte bet Äaifet ben fttieben in 2)eutfd)lanb 
butch. ftrengeä ©etid)t toieber Ijerftetlen, bann abet ba8 Imperium über ba$ 
«Dteer auSbebnen unb ba8 {(eilige Sanb ben Reiben entreifjen. ©o matt fidj in 
SßaUrjet'g SSorftettung ba§ böc$fte Sbeal ber Äaif erbmlichf eit : im SJatertanb 
gebietenb unb übet ben SMtfteiä ben djtiftlichen ©eift öerbreitenb. S)iefe 
glän^enbe 33err)ertlichung be§ ÄaifetgebanfenS mutzet toie eine 9inttoort an auf 
bie im £)erbft 1211 Otto getoibmeten Otia imperialia be§ ©erbafiuä bon ü£il« 
butt), in bencn bie Serjre oon bet unbebingten ©uperiorität bed *JJapfteS aud) in 
toeltlidjen S)ingen mit mafjlofet Uebettreibung borgetragen unb bem betittten 
$aifer botgerjatten toitb. Imperium tuum non est, sed Christi; non tuum, 
sed Petri; non a te tibi obvenit, sed a vicario Christi et successore Petri 
— fo batte ©erbafiuS btofienb getufen. Söaltbet fe§t bem mit hoben toucrjtigen 
äöorten ba3 gtofjattige 23ilb entgegen: ©ott bet <g>ett hat auf Chben einen un» 
mittelbaten SBertreter, ben Äaifer, mit bem et ohne «JJcittler betfehtt, bet feinen 
2Biffen ohne einen anbeten Slufttaggebet boHfiredft. 

©en 3 ßaiferfprü^en ftetttc äBalthet im gleichen £on 3 «papftfptüehe jur 
Seite (11, 6, 18. 12, 30), bie leibenfcbaftticb, fcharf unb höftnifd) bie 2öanb- 
lung be$ «Papfteg in feinet ©efinnung gegen Otto angreifen. (Jinft ha6e 
^nnocenj Otto gefegnet, bem et jetjt fluche. Sßaltber benft babei, otme e§ au8» 
jufptechen, auch an bie frühere Seit, ba ^nnocenj für Otto gegen ^tjitipp 
Partei genommen Jjatte. ßbriftuä fjc&e ben «pbarifäern auf irjte öerfudcjenbe 
fragen am 3i ng Ö to f<^) en °i e Siedete be§ toeltlichen Regiments tlat gelegt — 
bet $apft üetachte biefe fiepte. Einmal muffe ba8 Sßott bet Pfaffen Siige 
gemefen fein: enttoebet als fie Otto empfahlen obet nun, ba fie ilm öettoeifen. 

3ll§ 1213 ^nnocenj butd) eine Äteu3jug§bulle bie SluffteHung öon Dpfer= 
ftöcfen in ben JHrctjen anotbnete, at§ et felbft bon fid) unb allen ©etftlicfjen 
23etäich.t auf einen £ljeit allet ©infünfte oetlangte, um füt bie Zeitige 2lngelegen= 
^eit bet SBefteiung be§ ©tabeS ßlbtifti Mittel au befcfjaffen, ttitt Söaltbet leiben» 
fchaftlidj auch bem entgegen (34, 4. 14). ßr, bet ein 3faht öorhet felbft ben 
Äaifet jum Äreu^jug etmahnt ^atte , etblicft nun in ben Sotbeteitungen , bie 
bet ^ßapft ba^u trifft, nut ^>abgiet unb £)intetlift ber Pfaffen, ©o gto^ abet 
toat bie SGÖitfung ber Söotte SGßalt^et'g , ba§ nad> bet ßlage Sbomafin'S im 
SBelfchen ©aft (SB. 11 163 ff.) et taufenbe bem $apft abttünnig machte unb 
öielen anbeten ein fchmeteä Sletgerntfi bereitete. Die Klugheit unb bie S3e= 
fonnenheit ftanben bamalä nidj|t auf Söatther^ (Seite. 3lber heute ibm einen fttt» 
liehen SSorroutf ju machen au§ ber 'üJtafjlofigfeit feines 3(ngriff8, heifet roieberum 
gegen ibn unbiÖig fein, heifet roeber gefchichtlith noch pf^ologifch urteilen. 
3m 3Jlärj be§ 3a^re8 1212 fuchte SCßaU^er nach iebem «mittel bie «Popularität 
beS rücffeh^renben ÄaifetS ^u et^ötjen. @§ toat bie 3eit, ba bie aUgemeinfte 
93egeiftetung füt bie 3fbee be§ 5lreujaug§ tjettfdjte; e§ toaren bie 2age be§ 



2öattf)er üon ber UJogetroetbe. 69 

ßinberfreujaugeS , ienet fettfamften 2luegeburt franftjafter (Sjftafe. (Sin ^aljr 
banacb, war eine fctjwere Ernüchterung unb Snttäufdjung eingetreten. 2)er $apft 
tjatte jjur Äreujfatjrt gegen bie fetjerifdjen SUbigenfer in ©übfranfreief) unb ifyr 
^aupt, ben ©rafen 9taimunb bon Souloufe, gerufen, unb ^er^og fieopolb war 
mit einem ^eer im Sluguft 1212 biefem Aufgebot gefolgt. Sßebor bie Jheua* 
faxtet auf bem ©djauplat} anfamen, tjatte fid^ aber bie Situation toöHig ber* 
änbert: ©raf Sftaimunb t)atte burd) feinen Vefcrjütjer .ßönig $eter non Slrra« 
gonien auf bem 28ege biplomatifdjer SJerljanblung beim Sßapfi ba§ Verbot beg 
Äampfeä unb bie Berufung einer ©tjnobe burefogefeiät. Sitte Äreu^fa^rer mußten 
unberridjteter ©adje um!e|ren unb füllten fidj in unwürbiger SOßeife f)inter= 
gangen. Segen Snbe bei %a$xtä 1212 ober ju Slnfang be§ 3ab,re§ 1213 famen 
fte nadj 2)eutfcb,tanb aurfidE. 3fft e3 ein 2öunber, wenn fie Erbitterung unb 
9ftifjtrauen gegen bie reblidjen Slbftdjten ber Gurie üerbreiteten ? ©djien e8 ntd^t 
fo , all fei bem ^ßapft bei ber Agitation für einen ßreujjug bie Erhebung ber 
^reujäugöfteuer bie -jpauptfadje unb mufjte fid) nict)t , als im Slprtl , wenige 
9Jtonate nad) ber befdjämten 9tüdfet)r ber Sllbigenferftreiter , ber Opferfiod für 
einen neuen ^reujpg aufgeteilt warb , ber Verbadjt regen , aud) biefe ©teuer 
Werbe nur ben EleruS bereichern, ofyne bem ibealen 3toede ju bienen? Unb fyatte 
SBalttjer im politifctjen Kampfe nid)t bai Siecht, biefer ©timmung, biefem 35er* 
badjt, bie if)n gewijj felbft ber)errfd)ten , rücft)attloS SBorte ju leiten? ©ing er 
in feinen Slnflagen ju weit, fo folgte er bem ^rrtfium einer leibenfcf)aftlid)en, 
aber begreiflidjen Ueber^eugung, bie biete mit itjtn feilten. ßeid)t überfein Wir 
bleute bon ber beeren äöarte , auf bie un§ bie Entfernung non fect)§ %a$x* 
tjunberten geftettt tjat, ©ctjulb unb Verbienft ber beiben mit einanber ringenben 
Sebenämädjte. SOßer aber in biefem fürchterlichen ß'ampf mitten inne ftanb als 
§erolb unb ^Bannerträger be§ ©treiteö, ben fonnte bie allgemeine -gutje öer- 
blenben, bem mochte bie wilbe Vranbung ber entfeffelten triebe, bie grauenöotte 
3erflüftung bie rechte Ueberftdjt rauben. Söalt^er war ein Siebter, in bem 
5ßb,antafie unb Seibenfcfyaft , nietjt abwägenbeS Urteil, ftreng fonbernbe lieber* 
legung bie Dberbanb befafjen. ©o fdjlug er mit SBaffen auf ben $einb, wie 
fie itjtn gerabe taugltcf) unb wirffam bünften, im Vewujjtfein , feiner guten 
©adje baburd) ju Reifen unb einer fdjlecrjten ju fdjaben. üDa3 War ja gerabe 
baS Entfetjlidje jener Reiten, bafj in ber tjafeerfüttten Erbitterung, in bem fingen 
ber ungezügelten SßitlenSfräfte , in ber cfyaotifdjen Sluflöfung aller ftaatlicrjen 
©runblagen, wo Weber bie Autorität be8 ßaiferä nodj bie be§ *ßapfte8 allgemein 
feftftanb, bie begriffe s Jtedj)t unb ©ered^tigfett felbft in ben Äöpfen ber Ebelften 
ju fdjwanten anfingen. 

®e8 S)icb,ter8 3 0r " toa Qt fieb, nodb, Weiter unb ergebt ftet) ju einer tief ein= 
fcr}neibenben ßritif ber fcb.Werften ©ebred^en ber ßirc^e , ja eine§ wichtigen 
3:t)eil§ it)rer ©runblage. iöian wäl)nt bie bröb.nenben jermatmenben ©d)Wert« 
fdb.läge Martin ßut^er'S ju üernefymen, wenn man biefe ©prücb,e äöattfjer'ä lieft: 
gegen bie ©imonie (33, 1), gegen bie Habgier unb ^interlift ber ßutie (33, 11), 
gegen bie gfälfctjung unb Skrletjung be§ götttierjen 2Borte§ burd) bie 3U feinem 
S)ienft unb ju feiner Verbreitung berufenen (33, 21), gegen bie fttttidje Sor= 
ruption ber Pfaffen , in§befonbere ifjre Unfeufd^t)eit unb ©cb.temmerei (34, 4). 
SCßeun SBalt^cr bie ©ctjriften, welche au§ ber Äanjlei ber ßurie aulgetjen, bie 
©a^ungen, auf bie ber s $apft feine Sefc^lüffe ftü^t, branbmarft als ein fcb.waraeS, 
b. i). nigromantifc^eS Sudb, bei ^öltenmorjrä , wenn er ben ftadjjiolger ^Jetti 
3tuba§ fcb,ilt unb bem Sauberer ©erbert (^Japft ©iltiefter II.) üergleicrjt , wenn 
er it)n, ergrimmt über bie öernunftwibrigen ßetjren bon ber Verwaltung ber 
©nabenmittet burdb, bie Äircr)e unb itjre fc^amlofe ?lu§nu^ung ju luerarc^ifdb,» 
politifctjen 3«>ecEen, S)ieb unb s IRörber tjeifct unb jammert, ber oberfte Jpirte fei 



70 2ßoltt)er tion ber SBogelroetbe. 

p einem SBotf unter ben ©djafen geworben, wenn er Ijörjnifcl) auäruft, bie junt 
Fimmel ben 38eg Weifen wollen, fahren felbft jur £ötte, fo füllen wir unä 
bon ber s Jttadjt unb (Jrjrtidjfeit biefer innerften Sntrüftung nodj tjeute tief er» 
griffen. 

3um aweiten 2Jtal befc^toött 2Qßaltb>r feinen guten Klauäner (34, 33), unb 
wieber fte^t er it)n weinenb über bie Prebet beS ^ßapfie§ unb ber Pfaffen. (Sin 
Ston bringt burd) alle biefe Kampfgebiete wie ein Sluffdjrei au§ gequälter 93rufi 
unb macr)t unfere £>eraen rafdjer fernlagen: bie tiefe fittttdje Empörung über ben 
3miefpalt atnifctien SGßorten unb 2öerfen ber Kirdje unb Ujrer ©lieber. S)ie 
ßiebe 3ur SQöaljt^eit, roeldtje ben ©treitfdjriften be8 Söittenberger IRönd&ä Wie 
benen Seffing'8 bie wuctjttgen Slccente, bie ijinreifjenbe UeberaeugungSlraft gab, 
fte fteljt aud) hinter biefen ©prüdjen SBalttjer'S mit flammenbem ©djWerte. 
@r mochte im Güinjelnen Ünredjt tjaben mit feiner Söerbädjtigung unb 23erurtrjei« 
lung beftimmter Mafjnatjmen beä ^apftcS : im (Sanken, in ber allgemeinen 2luf= 
letjnung gegen bie im ^nnerften frebeltjafte *ßolitif ber (Surie Ijatte er unbebtngt 
9ted)t, fprad) er im Warnen be§ t)eiligen ©eifteä ber $ftenfd)t)eit. Sanftere, jur 
Vermittlung geneigte 9laturen wie ütljomafin öon gmlcma freiließ mußten ftdj 
bon biefer fdjonung§lofen ©djärfe berieft füllen unb bebauern, bafj gegen ba£ 
|)aupt ber Gljriftentjeit fo gana otjne 6t)rerbietung ber fdjmerfte SöorWurf beS 
SEeufel§bienfte§ erhoben Würbe (20. ©aft 11 140). 53on einem menfdjltcr) 
freieren ©tanbpunft au8 barf SSalttjer aud) für bie Uebertreibungen feines 5luö= 
brudS fein Säbel treffen. S>er Kampf polüifdjer unb religiöfer ©egenfätje ift, 
fo lange in ber Söelt ringenbe 5Renfdjen leben , nur mit fdjmeren , tiefgetjenben 
Rieben geführt, bie ben ©egner nidjt blofj abwetjren, fonbern nieberwerfen fotten : 
er fjat feine eigene (Strjif. 

Man mufj aber aufeer allem anbern aud) noerj ein8 beachten: biefe leiben» 
fdjaftlidjen SBerbädjtigungen gegen ben redjten ©ebraud) ber Kreuajug§fteuern 
waren ein ©trafgeridjt über bie fdjamlofe ^Beraubung ber Krone burd) bie g e i ft« 
lidjen dürften, bie nid)t aufgehört tjatten, ben £t)ronmed)fel auSaunufcen 
unb Kirdjletjen tote 33ogteired)te an ftd) ju reiben (Söinfelmann 2, 337), unb 
augleid) eine Slnttoort auf bie 2lu3ft reuungen ber ©egenpartei. S)er 
^»offanjler Konrab bon ©peier tjatte feit bem gebruar be§ 3at)re§ 1212 
(2Binfelmann 2, 287 3lnm. 1, 293 f., 336) feinem #erm bie £reue gebrochen. 
@r beaeidjnete bann unter eiblidjer SSefräftigung al§ bie Urfadje feiner £o§fagung 
bie 2lbftd)t beS KatferS, burclj eine umfaffenbe föebuction ber Kirdjengüter bie 
©eiftlidijfeit politifdj unb focial um einige ©tufen Ijerunteraubrücfen, feine eigenen 
ÜJladtjtmittel unb Qüinfünfte aber ju öermel)ien. @8 mögen rool in ber llm= 
gebung ßtto'ä loirClic^ berartige 9Q3ünfcf)e nadj einer 9lnnejion ber Kirdjengüter 
laut geworben fein (SBinfelmann 2, 295 3lntn. 1). 3 U intern ©predjer mattjte fid§ 
einigermaßen auclj 2öaltt)er, unb feine ©prüclje gegen ben toeltlictjen 9leicr)tl)um 
ber ©eiftlicljfeit unb it)re Untreue fönnen gerabe^u auf ben toerfcrjtoenberifdjen 
^»offanaler gemünjt fein. £)er 5Dicf)ter wollte wol audj) ben wirfltdj öon Dtto 
getjegten ^ßlan eine§ ©t)ftem§ neuer 9teicfj3fteuern , ba8 bie ßentralgewalt beö 
Kaifer§ au ftärfen geeignet war (Söinlelmann 2, 336) burd) feine poetifdje Agi- 
tation gegen bie Kirdjengüter unterftü^en. 

6in tragtfe^eg ©efc^irf fcfjeint e§ nun aber gewollt a" b,aben, baß SQßaltfjer 
burcl) bie ^jeftigfeit feiner Singriffe ben Sßerleumbungen ber geinbe be§ Kaiferä, bie 
et unfdjäblic^ machen Wollte, gerabe neue Unterlagen ftfjuf . 3n granfreid) berbiegteten 
fte fiel) in ber Philippis be§ föniglidjen ^iftoriograpb^en Willelmus Britto (t)erau§= 
gegeben Mon. Germ. Script. XXVI) au einer ganaen 9lebe be§ Kaifer§ (Lib. X r 
S. 566 ff.), worin man biefen ben 33orfat| auäfpredjen ließ, bem 6leru§ 3^nten ( 
freiwillige ©aben ber ©laubigen unb ©runbbefitj fortnehmen au WoEen. 2)arauä 



2ßaltt)er öon ber öogeltoeibe. 71 

ftettte bie ©egenbartei bann einen $rofaau§3ug ber unb fetde biefen mit ber 
Untet^rift be§ ijaiferä berfeben unb baburdj fdjeinbar ^ur autbentifdjen Ur= 
funbe erhoben als aufrei<jenbe§ f5rtugblatt in Italien unb 5)eutfd)lanb in Umlauf 
(Veröffentlicht bon 2öinfelmann, ©ifcungäber. ber 9ttünd). Slfab. $l)il.=bift. 6t. 
1876, ©. 666 ff.). 

Söaltber bat für biefen #ambf im reblidjften Sifer alfo fetbft ben ©egnern 
Söaffen fdjmieben tjelfen. Unb ba8 i[t, toie id) nidt)t jjtoeifle, für fein weiteres 
33etc)ättni§ ju Otto öerljängnifjöoll geworben. 

%n biefer 3 e *t, ^o äöaltber'S politifctje Dichtung ibren 3 e nitf) erreidjt, 
gestaltet jtdj fein äußeres geben am unfreunblicbften. @r füblt fid) jetjt im 
ißollbefitj feiner boben ßunft, aber fein jDidjterftotj mufj ba3 SSefenntnifj ber 
5lrmutb ablegen (28, 2): auf bie @nabe fargenber <§>erren mar er angemiefen 
unb ju erniebrigenben SBitten mufjte er fid) berablaffen (28, 33). ^reilid) berlor 
er auctj jejjt nicbt feinen Junior: er gelingt ibm, fein im ©runbe trauriges 
SBagantenleben mit feinen mannigfaltigen @nttäufd)ungen ^ur Unterlage für 
wirffame ©d)erje au nehmen, bie bem $ntereffe feiner Gönner bienen unb Jjalb 
auf feine Soften gebn. 

$dj benfe babei an ben biäber nicht gebeuteten unb nidtjt batirten tragi= 
fomifdjen ©prud) öon ber öerungtütften Söemirtbung im JHofter üEegernfee 
(104, 23). S)ie 9(ufflärung gibt eine biäljer öon ben 2öaltberfennern über» 
feljene Urfunbe ohne SDatum , bie öon 5pej (Thesaurus Anecdotorum Tom. VI, 
Cod. diplomat. pars 2, ©.50, 9tr. LXXV) auä einer £egernfeer ^anbfcbrift 
herausgegeben , öon ben Origines Guelticae Tom. III, 820 Wieberbolt unb in 
bie 3«it bee Nürnberger |)ojtage3, b. 6. in ben s JJiai 1212 öerlegt ift, welcher 
SBeftimmung auch Reg. irap. V, 138 beipflichten. 25arin befiehlt Äaifer Otto 
einem ©rafen Otto — nacfo ben Reg. imp. V, dir. 481 öielleidjt l öon Sßatai 5 — , 
bie 9Jcö»d)e öon ütegernfee toieber in 33efifj ber ihnen geroaltfam entzogenen 
Söeinberge Ui SSo^en ^u fetjen , währenb bann nadjher über bie etwaigen 3ln= 
fprüdje an biefelben entfcfoieben Werben fotle. %n ber öorübergebenben SBeinnotc) 
be§ gaftfreien $lofter3 SEegernfee ftnbet ber ©pruch bemnach feine fcberjbafte 
2)orauäfet}ung : SOßalther toirft fid) aum 2lnwalt ber ©efchäbigten auf, inbem er 
fingirt, Safe bie 9Jtönche ihn Ratten Riehen taffen muffen ohne einen guten 
ütrunf nad) Stifd) , btofj mit bem üblidjen |>anbwaffer $ur Reinigung nad) ber 
gjcat>t5eit. 

Nicht immer fonnte 2üalther fein unfläteg ßeben fo tiebenSwürbig hont» 
ftren toie in biefem ©prud). äBenn er fid) hier ob feiner 2Bunberlid)feit öer= 
fpottet (ögl. 104, 26-28), bie ihn, ber fid? felbft nicht öerftehe , fo öiel ju 
fremben geuten treibe, fo lag bahinter SBitterfeit genug. 5Denn nicbt au§ bloßer 
„Sßunberlicbfeit" fudjte ber SDid)ter fortmäbrenb frembe ßeute auf. Gsr fonnte 
an Ctto'§ £01 nidjt feften ^»B faffen unb aud) an anbern |)öfen fanb er 
bamalS feine bteibenbe ©tätte. föübrenb flingt bie Sitte um ein ^eim, bie 
ber Untergetriebene , Oiubelofe an ben Äaifer rid)tet, bafe aucb er, ftatt fid) 
immer als gelittener (Baft ^u füblen, enblid) einmal bag Sebagen be8 SBirt^eS 
geniefee (31 , 23). £)tto gab ibm mol 5Jerförecbungen , bielt fie aber nidjt 
(26, 23), öietteicbt weit er Söattber mißtraute roegen feiner früheren ^erbinbung 
mit bem ^»auptfeinbe bei Äaiferg, bem Sanbgrafen ^ermann, gegen ben er öer= 
geblid) ju ^be lag, öiftteidjt au§ angeborner |>ärte unb .ßargbeit, mabrfdjein» 
lidjer aber toeil be§ jDtd)ter§ 5}}olemif gegen ben 9ieid)tbum ber jlirdie ibm 
Unbei)uemtid)feiten beröorrief unb feinen geinben ju ibren 35ertäfterungen Waty 
rung gab. 

3n biefem 2lugenblid ber größten s Jiotb, ba ber Siebter gerabe^u bor bem 
Untergang geftanben ju baben fdjeint, ift ibm öon ber gegnetifdjen ©cite Rettung 



72 SBaltfyer bon ber Sßogetwetbe. 

gefommen. @s gefd)al) im $. 1213. 2öaltb>r entfd^tofe ftd} , bie Partei ju 
mecfjfeln unb fortan griebridi) IL ju bienen. 

3n einem ©ebet an ©Ott (26, 3) begrünbet et feinen Slbfatl offen unb 
ebrlid) mit einet 2trt bemüttjigen Srofce« gegen bie djtifttidjen ©ebote unbebingtet 
9läd)ftenliebe : wie solt ich den geminnen der mir übele tuot? mir muoz der 
iemer lieber sin der mir ist guot. 2lu§ ben ©djlufjmorten unb au8 26,25 ff. 
möchte man fdjltefjen, bie Anregung ju bem ^atteimedjfel fei bon fttiebtidj 
ausgegangen. 

£)er Äönig motzte, als ein beredjnenber ^olitifet, bet bie IDtadjt ber öffent* 
lidjen Meinung fannte unb 3U benufjen ftrebte, bie weithin mitfenbe ©timme 
beö allbefannten ©ängets für fiel) geminnen motten unb freier bentenb als Otto, 
beffen jfrtaufern unb unfteunblid^es SGßefen bie 3eügenoffen bielfad} b>rbot!)eben, 
2Baltb>t fofott 9lusfid)ten auf 93elobnung gemalt b>ben. 2Baltt)et beutet 
(26, 27) an, baf$ gtiebtidj) W UDer f e * ne alten spräche gefreut Ijabe b. f). bie 
©prüdje, meldje er einft im SDienft bet ftauftfdjen ©adje für feinen Otjeim ^tjilipp 
gefungen blatte. Slber mit fönnen mit Safjtfdjeintidjfett annehmen, bafj fVtiebridj, 
bet beutfdjes Söefen, beutfdje ©prad)e unb üDidjtung aus eigenet Stnfdjauung 
faum fannte, Don anbetet ©eite etft auf Söalttjev unb feine politifdje 5)t<f)tung 
tjingemiefen motben mat. Unb menn nidjt altes taufet, ift es Sanbgtaf 
^ermann bon Xtjütingen gemefen, SBalttjet's altet ©önner, bet es tt/at. 

|>etmann mar feit 9tobembet 1210 bon Otto abgefallen, blatte gegen feine 
^eetfütjtet unb ifjn felbft mit medjfelnbem Erfolge -$u gelbe gelegen unb 
(Ipipbanias 1213 auf bem |)oftag ju gtanffutt offen bem am 5. 2)ecembet 1212 
gemähten, am 9. üDecember 1212 gefrönten 5 r iebtidj getjulbigt. S)em ßanb* 
gtafen batte SBatttjet futj botb/t, im ©ommer 1212, butcf» eine Fürbitte , bie 
et au feinen ©unften bei $aifet Otto einlegte (105, 13), einen S)ienft etmiefen, 
als feine Hoffnung , füt feine ©ptüdje ju ©unften bet faiferlidjen ^otitif butdj 
SBetmittlung bes ^Jteifjnifdjen 9Jtatfgtafen SDiettidj bon Otto burd) 9lufnaljme 
in bauernben 2)ienft unb Selefjnung belohnt p metben , jettonnen mat, unb er 
fidj genötigt faf), alte Sßetbinbungen miebet an<jufnüpfen. 

9Iuf bem fttanffuttet £oftag bom «ötäta 1212 tjatte 2ßaltf)et ftd& bem 
ßaifet gegenübet füt SüettidVs Steue betbütgt. Otto blatte bem 9ftarfgtafen 
in bet Xtjat Sßetttauen gefrfjenft unb am 20. ^ütätj 1212 mit ib> eine 
(Sonbention abgefdjloffen , motin untet bet Verpflichtung bes Seiftanbes gegen 
ben abtrünnigen ßanbgtafen ^etmann unb $önig Ottofar bon 33ötjmen SDietrict) 
bie 3 u fa9 e ettbeilt mirb, bafj fein fteffe 2Bratislato, bet ältefte ©otjn Ottofar's 
unb feiner berftofjenen etften ©ematjlin, bet meifenifdjen s Äbela, bas j?öntgreidj 
33öf)men ju ßebn erhalten fotle (2öinfetmann 2, 300). liefen SBetttag l)at 
SBaltbet, mie idj nict)t jmeifle, im 9luge, menn et balb nadlet 105, 27 ff. 
(Der Missenaere soldej ^ütnenb bem 9Jtarfgtafen fein Sob bottjält unb bafüt 
£>an£ fotbett. S)ie #topetbel (106, 7), et blatte iljm bie Ärone ertingen fönnen 
butcf) feine yiebe , menn et gemoltt Ijätte, enthüllt fdjtoetlicf) geheime Slnfptüdje 
SDiettidj'S auf bie beutfdEje .ff'önigsfrone (9Q3itmann§, geben ©. 76) , fonbetn be* 
.yefjt fictj auf bie böfymifdje Ätone, mie fdjon ßad)mann (ju 11, 6. 12, 3) er- 
fannte. SOßaltb^et blatte als Entgelt füt fein Sob bot bem .^önig feinetfeitö ßob 
bes «Utarfgtafen betlangt (105, 33). fticfjt o^ne 30ßatjrfr^einltd£)feit aflätte «menjet 
(Seben 2Qßaltljer'ö ©. 194), unter bem ßobe fei gütfpradje beim ßaifer ju bet= 
fielen. S)ie 9lad)e , meiere et bem 5Ratfgrafen megen feinet Unbanfbarfeit an* 
btoljt, naljm er abet moljt balb banad} in bet Fürbitte ^u ©unften beö ßanb» 
grafen ^ermann bon 3:l)ünngen (105, 13): b>r mitb ^»etmann'ö offenet Abfall 
bet feigen betftecften falben Untteue borge^ogen , bie nad) beiben ©eiten @ibe 
fcfjmört unb bie berrätf)etifd)en ©enoffen nadjfjer angibt. ®a§ ift eine ©pitje gegen 



SBattfjet öon ber SJogelioeioe. 73 

ben .^er^og ßubmig öon 33aiern, ber am 20. < Dtär;\ 1212 Otto auf§ neue Zxeut 
gefcbmoren rjatte unb ju Anfang be§ S)ecember fcr)on ju f5rriebtid^ übergegangen 
mar (2öinfelmann 2, ©. 333) unb gegen ^erjog ßeopolb Don Oefterreich, ber 
gleich Subroig im September 1211 auf ber Nürnberger ^ürftenöerfammlung 
bie 8o§fagung öon Otto proclamirt, unter Berufung auf ben frütjer geteifteten 
<5ib fjriebrtii) -jum $önig gemäfjlt unb burdj gefoeime Botfcbait nad? 2)eutfchtanb 
gerufen t)atte, bann im s 2Iprit 1212 aber bod) &u Otto übertrat, um fchon am 
2. ftebruar 1213 roieber ju 9tegen§burg griebrich ju hulbigen (^uritfch ©. 416 f. 
423 f.) 2Sefonber§ eine ©pi^e aber auch gegen 2>ietridj öon 9Jteifjen, ber mit 
ber SBerfchroörung be8 ^ac)re8 1211 eine 3 e ^* * an 9 ftympatbifirt, bann fich öon 
ihr äurücfge^ogen unb bem ^aifer (Sibe geleiftet hatte. $tn Frühling erfuhr 
man in ütfjüringen , bafj ber $aifer ein $eer fammle , um ben ßanbgrafen ju 
3Üd)tigen. 33erhanblungen mit ben einzelnen Surften öer^ögerten bie Heerfahrt 
big in ben 3futi. Unmittelbar öor ber Slufnatjme ber S^nMeligfeiten metbete 
ihm Söolfger öon Slquileja, bafj Qfriebvid^ feit bem 1. 9ftai in ©enua 
mar. @S beftanb atfo bie ®efat)r , bafj er nach üDeutfcblanb aufbrechen tonnte. 
Um bie fcr)roanfenben Anhänger be§ ftauftfcrjen |>aufe§ ju feffetn, gab SBolfger 
ben 9iatt) , Otto fotle s $bitipp'£ Tochter Seatrir. beirathen. 2)ie Bermäblung 
roarb auch roirtlicb fogleid) mitten mährenb be§ Kriegs in 'Dtorbbaufen öott= 
jogen, toäbrenb bie Belagerung öon ^etfjenfee im (Sänge mar. 

SOßolfger fcbeint aba aucfc) noch einen jroeiten 9tatt) in feiner roobtmeinenben 
33erföl)nltchfeit erttjeitt ju haben: bem ßanbgrafen |) er mann bie .grnnb jum 
^rieben ju bieten. 2öenigften3 ertlärt Otto in feinem Brief an Söotfger öom 
30. 3fuli (Regesta imperii V, ©. 140), ber bie Bermäblung anjeigt , er hoffe, 
Söeifjenfee balb au erobern unb behalte ben Boten 2öolfger% 9ttagtfter SaurentiuS, 
jurüdf, um burdj tbn gleich ein etraaigcS Slbfommcn mit bem Sanbgrafen ju 
melben. Otto roottte ben ^rieben ergingen, Dietrich, öon s Dteifjen trieb eine 
jmeibeutige BermittelungSpolitit , inbem er bie Uebergabe ber belagerten ©tabt 
unter Bebingungen herbeif übrte , bie bem ßanbgrafen unannehmbar maren, 
fobafj bie Befatmng , öon ihrem dürften jjum Söiberftanb ermuntert , noch nadj 
ber ßapitutation öom ©djlofj au§ fich tapfer roebrte. 2)amal§, öietleicht mährenb 
ber $o<hjeit§feftlichfcit (22. 3uti), aU ber $att öon äöeijjenfee erroartet mürbe, 
fud)te 2Baltt)er , geroifj im ©inne 2Bolfger% öielleidjt burd) tr)n barin beftärft, 
©ttmmung ju machen für eine öötttge 9lu§fötmung , bei ber bem ßanbgrafen 
35er5eit)ung gemährt merben foEte. SDamatä fang er 105, 13 Nu sol der keiser 
höre fürbrechen dur stn ere des lantgräven missetät. 3)er Sftattj mar r)uman 
unb er roar potitifdtj, ben er bem &atfer im SlugenMid be§ 2öaffenerfotge§ (ba= 
^er keiser here) gab. IRur burclj meitgebenbeS 6ntgegen!ommen mar ^>er= 
mann <ju getoinnen unb nur buret) ben fofortigen Uebertritt biefeS sätjeften 
unb gefäbrlicbften ®egner§ mar bom ©ieger fetbft genügt. S)amat§ atfo 
trug 2Baltt)er feine SBitte öor im ©efübl, forool be§ ^aiferg al§ feinet ©5n« 
ner§, bei ßanbgrafen, ^ntereffe ^u bienen, unb gereift über bie bamat§ eben 
ju Sage tretenbe S)oppetjüngigfeit 2)ietricb'§, ber gegen ben Söitten feines 
©cb>iegeröater3 balbe ^Jta^regeln unb einen geflidten 5 l 'i eoen rjerbcijufütjren 
fuebte. — ©chroerlid) bagegen barf man mit 2Bümann8 (ßeben ©. 79. 77) 
bei bem ©prud) (105, 13) noeb an bie 3eit be§ ftranffurter ütetc^^tageS (TOära 
1212) benfen, rooburd) ber ^lugfatt gegen Sietricfi unmittelbar tvinterben Öobfprucb 
ju feinen @l)ren (12, 3) gerüelt mürbe, ©efruefetet bat 2Baltfier'8 S3cmübung 
für ben ßanbgrafen nichts, benn Otto liefe fid) aur ^tilbe nicht beftimmen unb 
ßanbgraf «^ermann moHte eine Unterwerfung auf ©nabe unb Ungnabe nict)t 
annehmen. ©0 rourbe ba§ thüringifche ßanb fchonungöloö öerheert, ber f^elb^ug, 
ohne ßrfolg, fortgefefet unb im nächsten 3ar)re ohne ©lud erneuert. SGßir er» 



74 Söaltber Don ber 33ogeltoeibe. 

fahren nicht, bafj äöaltber noch je in ein ^er^ticijeS SBcr^ältni^ ju Dtto ge- 
fommen ift: alä auch fein teibenfchaftlicher £ampT gegen ben Opferftocf, tote 
oben (©. 70 f.) angenommen toatb aum £beil burch feine eigene ©chulb , un- 
betont blieb, fanb et toa^rfd^etnlid^ burch ßanbgraf ^ermann ben äöeg in ba§ 
Saget beg ©egentonigä. ©er thüringer mochte bie 2lugen be8 jungen ©taufet» 
auf ben alten Verfechter bet ftaufifdien Neichäpolitif gelenft unb baburch fich 
für 2öaUt}et'S prbitte im 3af)re 1212 erfenntlict) geaeigt baben. 

Olme eine ^nitiatibe be§ ßönigä felbft ober eine« Sßermtttlerä toütbe 
©pruch 26, 23 Ich wolt hern Otten mute nach der lenge mezzen alä gu« 
bringlichfeit unb ber ©pafe bon 26, 33 ff. plump erfcheinen. griebrich t)erliet> 
bem Sinter freilich aunäcbft, toie e8 fcfjcint, nur imaginäre (Jinfünfte, über bie 
bet ©piuch. 27, 7 ff. (Der künec min herre lech) ntd)t gana berftänblich. toibelt. 
2luf bem ftranffurter Neichätag beä SahreS 1220 bat 2ßattt)er bann ftriebrich'S 
*J3olitif burch einen fcherabaften ©pruch toirffam unterftüfet unb bierin fein 
biplomatifcbeg 9Nei|terftücf geteiftet (29, 15 Ir forsten, die des küneges gerne 
waeren äne). 

(£8 mar bamalS ber längft latente ©egenfate atoifchen ber territorialen *politif ber 
dürften unb ber $olitif beä Königs in bem Verhältnis au ben ©tobten beröor= 
getreten. SBieberbolt roerben (Jntfctjeibungen be§ Äönigä 3u ©unften Don ©tobten 
nachber burch fürftlicben Necht§fpruch roieber rücfgängig gemalt (Sßtnfelmann, 
Äaifer fttiebridj 1, 61 f.). 2)ie dürften mußten alfo ben mit feinen 3fntereffen 
in Italien touraelnben Mm$ im ©tunbe gana getn über bie Sltpen unb nact) 
sßatäftina aiet)en feben. Sßenn nun 2öaltt)er ironifcb ihnen aurief: „fudjt boch, 
baft tt)r ibn lol toetbet! tbut ihm ben ^Bitten unb frönt feinen ©obn (ber a(S 
llnmünbiger euch, menig ftören toirb), bamit er feine 3rat)rt antreten fann", fo 
traf er bie geheimen Söünfdje ber dürften ohne ^rage toirfltdj. Unb inbem 
er ben Stilen be§ ßönigä unb fein Sntereffe an ber Söahl gana aufjer ©piet 
liefe, ja bie äöabl fogar al§ einen 9lct fürftlicben ©trebenä nach territorialer 
©elbftänbigfeit unb ©chtoächung ber föniglicben ©etoalt hinfteHte, fam er bem 
politifchen Äunftgriff fjfriebrich'g II. entgegen, ben 2Binfelmann ($aifer $rieb» 
rieh II. 1, 42) unb bie Regesta imperii (V, Nr. 1143) genugfam flarftellen. 
griebrieb führte in feinem Nürnberger 23rief an ben $apft com 13. $uli 1220 
bie giction burch. , bie 2Bahl feine» ©ohneS fei ohne fein Sßiffen in feiner 2Ib= 
toefenheit lebiglict) buret) ben Güntfchluf} ber Surften erfolgt unb er tjabe iljr fogar 
toibetfprochen. 

Sßaltber ertjätt öon griebriclj aum ßoljn für feine Sienfte toirflid) ein ßeljen, 
bielleictjt atä 2)anf für bie gefdt)icfte 2Irt, toie er 9rriebricb,'§ ßieblingätounfch geförbert 
batte, alfo 1220 nact) ber Söabt ^einri^ä (23. 5lpril 1220, f. Reg. imp. 
Nr. 1112a) fur§ por griebrtcf)^ Abgang nach Italien, ^uoelnb banft äöatther 
bafür unb toenn feine SBitte rührte : lät iueh erbarmen daz man mich M richer 
kunst lät alsus armen (28, 1), toenn ei an baS -ipera griff, it)n, ber über be§ ßebenS 
£>öl)e fchon binauS toar, fo befdjeiben um ein toarmeS 5piä|c^en flehen au boren, 
fo_ treibt biefer Ausbruch finblicher S)anlbarfeit unb überfctjroenglichen ©CüdES- 
gefühlä aus ber ©eete beS großen unb reinen 9Jtenfdjen bie frönen in bie 
3lugen. Nun toar bie ^eit beS 6lenb§ öorüber. fortan befafe auch er ein 
eigne» ^>auS unb ßuft unb SMrme. Seht füllte er ftch unb feinen ©ang roieber 
rein. 6r, ber öon ben Nachbarn toie ein ©djredbtlb angefeben toorben toar, 
hatte toieber bie ^töblicbfeit unb ba§ gutrauen au ben s üienfchen getoonnen 
(29, 3. 28, 37). 5)en Sluäbrucf einer faft übermüthigen ©timmung bringt 
ba§ merftoürbige ©ebictjt 78, 24 (Der anegenge nie gewan), toorin — na«fi 
proteftantifchen Gegriffen anftöfjig — bie bret Sraenget ob ihrer Unthätigfeit 
gegen bie Reiben abgelanaelt unb mit berfteclter Seaiehung auf bie ^riebrich'S 



SBaltfjcr ton ber SJogeltteibe. 75 

politifdjen planen miberftrebenben ^fürficn, üielleicrjt audj auf bie firdjlicrjen 
Greife bringenb bermatjnt roerben, eiiblidj itjre ©ctjulbigfeit p ttjun. 9Jtan 
glaubt etma§ bon bet gretgetfteret unb fronte be3 ÄaiferS, betu befanntlid) ba& 
Sffiort bon ben brei großen 33etrügern s Jftofe§, (StjriftuS unb 9Jtur)ameb ju= 
getrieben mürbe , in biefen ©djerjen 3U tjören. äBaren fte auf bie Umgebung 
beä ©rafen ^iettjer non -ftatjenellenbogen (f 1245), eineä SBafatlen ber 
SBürjburger Greife, jjugefdjnitten, fei e§ auf beffen eigenen ^)of ober auf 2öürj= 
burger SBifdjöfe, in benen 2)tetr)er ettoa antoefenb mar? üDafj im felben Xon 
©prüctje an ben 93ogner gerietet finb (80, 27. 35), fönnte e8 nahelegen , otjne 
e8 ju betoeifen. SöilmannS (Seben ©. 142) fnüpft ba§ ©ebictjt an ben granf» 
furter föeidjätag (2lpril 1220) an, toofür audj mantfjeä fpridjt. ^ebeäfaES Ijat 
äÖalttjer, beffen tiefe Neligiofttät fo Diele geiftlicrje unb toeltlidje ©prüdje ber= 
fünben , tjier ber leisten , Ijart an ba8 ^ribole ftreifenben Sßeife feinen Tribut 
entrichtet, in ber bie ©oliarben, feine Vorgänger unb ©enoffen, foldje SUjemata 
anfaßten unb bie man nicfjt mit mobernen s 2Iugen anfetjen barf. 

S)aä Setjen , meldjeä 2öaltt)er bon Äaifer ^ftiebricf) empfing, berlegt man 
jefct gemörjnlicb, nadj 2Bürjburg unb ibentiftcirt eS mit ber bort 1323 nacr> 
geroiefenen curia dicta zu der Fogilweide im ©anbe (Obettrjür ©. 30; 9teufe, 
2B. b. $., 28ürjb. 1843, ©. 7, 2lnm. 5). 5Bietleid)t tfmt man aber beffer etft 
eine nochmalige Selerjnung, für bie 84, 30 bann, mit jenem SÖürjburger ^>of in 
SBerbinbung ju bringen (2öilmann§, ßeben ©. 120). 3iebe§fall§ befugte er audj 
nacb, 1220 noct) Qteid)3tage : am 23. 3uli 1224 ben Nürnberger $oftag (84, 14). 
ßr fütjlt fict) freilieft, jetjt ergaben über ba§ befttjlofe fatjrenbe S3ol£ unb ftettt 
fiel) ben auf ©oben Slngemiel'enen ftolj entgegen (84, 18). Vorbei maren jetjt 
bie Sage , roo er boese (geizige) herren anflehte (28, 33). ^etjt burfte er fict) 
Pott ju ben hovewerden redjnen (80, 34) , rjerabbltcfen auf bie .fmngerleiber, 
bie «fltufttanten (snarrenzaere) , unb bie Milte ber dürften preifen, otjne fte am 
eignen ßeibe erproben au muffen (80, 27). ^etjt fcfjeint er, of)ne ju bitten, 
©eft^enfe, nidjt rote fie garjrenbe begehren, ©etoänber unb bergletctjen , fonbern 
einen foftbaren SDiamantring, ben ©ctjmucf rootjlfttuirter ßeute ju empfangen 
(80, 35). 2ludj t)tet noer) bie angelegentliche 33emüt)ung um ©unft unb ©aben 
be8 ©rafen , meldte für Sebürftigfeit fpridjt , f)erau§aulefen, tote ^aul (9tuägabe 
©. 11) u)ut, erfdjeint gelungen. 

^mrner lam er aber nodj im ßanbe roeit ^erum, immer blieb er 
in befcfjeibenen iBerb.ältniffen. ^cner ©prudj auf ben Nürnberger ^)of= 
tag roarb offenbar öor öfterreic|ifcr)en ^örern , möglicher» eife fogar in ber 
."peimattj Defterreictj felbft öorgetragen, unb auet) nacr) 2f)üringen bauerten 
feine Sßerbinbungen fort , roie eine äöarnung an ben jungen Sanbgrafen Sub« 
roig, ben Nachfolger feines einftigen ©önnevS ^ermann, jeigt (85, 17). S3e* 
fonberS nab, aber trat er bem ©rjbifcrjof Engelbert üon Äöln , ben griebrict) 
roär)tenb feiner ?lbroefent)eit bon Seutfcrjlanb 3um 5>ormunb feinet ©ob;neö unb 
äum 9lei^ftattl)atter eingefe^t ^atte. @r tourbe äöalt§er, ma§ ib,m etnft 
SBolfger Pon ^ßaffau (f 1218) geropfen mar. Sr rüb,mt ib,n, ber ben ßanbfrieben 
mit eiferner ©trenge unb peinlicher ©ereebtigfeit burctjfüb^rte at§ ^Reifter ber 
Surften, als gemiffen^aften «Pfleger beS jungen Königs (85, 1 ff.) 3n feinem 
Auftrag unb mit feiner .£>ilfe mitt er ein ungehazzet liet zesamene bringen 
84, 29: ber Sluäbrucf fpielt rooljl an auf bie @ntrüftung, roeldje 2l)omafin Don 
3irctatia im SBetftfjen ©aft unb beffen ©efinnungögenoffen über äöaltfcet'S für Otto 
gebid)tete ^apftfprücb,e geäußert Ratten, gür 2Baltb,er'ö ©elbftgefürjl ift biefe 
Söenbung rfjarafteriftifcb, : er ftefjt fid) att ben gleic^geftellten «mitfämpfer 6ngel» 
bert'i an. 2Bilmann8 glaubte bie§ geplante Sieb im Äreujtieb 14, 38 Aller- 
erst lebe icb mir werde entbeefen ju bürfen unb fe£t birt banacb, inä ^ab,r 1224. 



76 Söaltber üon ber SBogelroetbe. 

2lttein e8 erfd)eint unbenfbar, bafc bebor toenigftenä ein Stljeil beä £eere8 bie 
$reujfar)rt angetreten fyatte , 2öaltb>t tote au3 eigener Anfdjauung über ba8 
Zeitige ßanb follte gerebet tjaben. 

Wächtern ©regor IX. am 29. September 1227 über $aifer ftriebrid) toegen 
ber abermaligen Söetfcrjiebung be§ roieberfyolt gelobten unb immer ttrieber ber* 
tagten Äieuj}ug§ ben SSann auägefproctjen unb batnit feine oft lunbgegebene 
Drohung nun enblich bertoirllicht blatte , trat äöaltber toieber lebhaft in bem 
S)ienft ber faiferlichen ^Politif tjerbor. ftriebrich. betrieb nun, obtoot gebannt, 
mit größtem ßijer bie Äreuafaljrt, um fo aller SQßett ju beroeifen, roie ungerecht 
bie Dorn ^ßapft erhobene Auflage fei, bafj ei nur nach. SBortoänben gefudjt Ijabe, 
ba§ Unternehmen bon ftdj ju mälzen. Autljentifcrje unb untergefchobene Schreiben 
fugten bamat§ feine ©adje ^u bertrjeibigen unb ben 5ßapft ju rotberfegen. Auch, 
äBaltb/r'S ©idjtung betoegt ficr) ganj in biefen ©ebanfen, brc^t fiel) eine 3 £ ü 
lang nur um ben Äreujjug. ©ieben ©tropfen in jtoei beschriebenen Jonen 
(13, 5; 124, 1) fprechen in ergreifenber Trauer au§, roie biefer neue gtoiefpalt 
ätoifdjen $aifer unb (Surie bie ©emütl)er aller Patrioten erfdjütterte. 3 um 
britten 9Jtal ruft 2öattt)er feinen guten iHau§ner auf (10, 33), ben S£topu3 ber 
nationalgefinnten , reict)§= unb faifertreuen ©etfttichjett , ber rechten pfaffen 
(10, 22). Atle3 Ofefte fcbten ihm ju hmnfen (13, 12); er fühlte in ber Suft 
ben Atbetn be§ nabenben furchtbaren ©turmeS , ber atte§ barnieberreifjen unb 
nacb oft roteberbolten ^vopbejeibungen (3arndfe, ßiterar. Sentralbl. 1869, ©. 679, 
2Bilmann§ jjur ©teile) bem jüngfien ©eticht borangeben follte. 5Der AuSbrucf 
fcferaebt babei fo eigentümlich ätoifchen ©egenroart unb 3ufunft, *><*& Sadjmamt'S 
meift nadjgef proebene Schiebung auf ben tjifiorifcb, bezeugten ©türm beS SDecember 
1227 ber botten ©icherrjeit entbehrt. 2)er ©inn be§ 23ilbe§ ift ftar: nü suln 
wir fliehen hin ze gotes grabe. 

$n tangfjattenben , fdjmerjlich flagenben Accorben enttjüHt be§ alternben 
2)ichter§ roetmtütljigfier ©efang, auf bem bie Söeibe be§ ©terbenS liegt, tieffinnig 
ben geheimen ©cbmer^ be£ menfebtieben S)afetn§ (124, 1): bergeblidj, bergänglich. 
atleg irbifche SCßhtcn bei ©in^elnen, nichts al§ eitel ©tücf= unb Slenbroerf; 
baä Sehen roie ein £raum, wie ein langer ©chlaf, au§ bem man ptöfelict) erroadjt 
unb ftd) nun nidjt surechtftnbet. $ebem ernft angelegten 9ftenfdjen erfdjeint biefer 
berntdjtenbe Augenblicf, ba bie ^Hufionen jerrinnen, ba bie 3fbeale, bie fo lange 
täufebenb locften, in unerreichbarer ^ferne toie 9tebel berfdjtoinben, ba bie ^»üfie 
bor ben klugen fäUt, ba man auffcrjrecft aus Hoffnung unb ßiebe unb bie 
gtänjenbe farbige SDßelt itjren tnnern finftern $ern , bie nächtigen liefen be8 
S£obe§ aufbedt. 9lun fommt ber SDidjter fiel) fremb , nichtig , bertaffen , unber» 
ftanben bor: ring§ um tt)n tiaften bie 9Jtenfdjen fort in ib,rer Sumpfrjeit, fie 
begreifen nicht roaS it)n erfebüttert , ber in bie tragifdjen Slbgrünbe be§ menfc^= 
lieben Seben§ roie ein ©eher, roie (JpimenibeS r)ineinblic£t unb bon bem ©ctjauer 
irbifd)er SBebürftigfeit gefcb,üttelt roirb. 9iach oben rietet er, al§ mittelalterlicher 
«Dlenfcb,, als ßb^rift ba§ 3lntlih, mübe bon Seben unb Äanipf; auftoärtsj lenlt er 
bie Slugen ber ^)örer. Unb ju it)tn bringen ^immtifeb^e Harmonien be§ JrofteS. 
2lu§ ben ©paaren feiiger 23oltlommenb>it ertönt ihm bie ©eroi^beit ber 6r= 
löfung: bie Aufopferung im S)ienfte be§ ^reujjugS fann bie einige $rone ge= 
roinnen. 

SBann bie beiben eigentlichen Äreualieber 14, 38 unb 76, 22 ent= 
ftanben finb, läfet fi(h nicht ftcher angeben. S)a8 teuere, für ben 3 U 9 ber 
Äreuäfab^rer al§ ßhorgefang beftimmt, lönnte fchon bei bem erften Aufbruch jum 
ßreuäjug gfriebrieb^ (3uni 1227) gebichtet fein, an bem unter anberm Sanbgraf 
ßubroig bon Xbüringen mit einem ftattlidjen ©efolge 2^eil na^m (äßinletmann, 
'fer ^riebrith II. 1, ©. 326 f.). S)er .^aifer felbft trat bann mit bem -gmupt» 



Söattfjer Don ber 3}ogetweibe. 77 

fyeer bie ^afjrt im Sommer 1228 an. SDagegen fnüpft ba§ Sieb <§. Söolfram 
(3eitfdjr. f. b. Slltertf). 30, 126 ff.) an bie Gnctjclica be« $apfteS £onoriu§ III. 
bom S)ecember 1216 unb berlegt eä bemnad) in ben erfien Streit beS SafjreS 
1217, bor ben 9lufbrudj ber jübbeutfdjen jtfjeilneljmer , ju benen audj ^eraog 
ßeopotb bon Defterreid) gehörte. SDaä Sieb 14, 38 unterliegt in SBejug auf bie 
Realität feines Snfjaltä berfdfyiebener Beurteilung. 3ft e8 mtrflid) ber <^erjen«= 
auSbrud ber Smpfinbungen auf ^eiliger (jjrbe, gebidjtet beim erften Slnblid ber 
erlernten Stätte, mag mir perfönlidj am glaubhafteren erfdjeint unb toofür 
eine richtige SDeutung ber (Plegie manches geltenb madjt , naljm 2öaltb,er alfo 
toirflid) am Jheu^ug Stjeil, fo tonnte er bereits im Sommer 1229 roieber 
nad) £>eutfdj)lanb fjeimgefefjvt fein. 

Söetdje S3eäief)ung äßaltljer au ftriebridj's Sof)n , bem jungen $önig 
£einrid) befaß, läßt fidj nidjt in§ Steine bringen. Sßon ber unmöglichen 2ln* 
natune, er fei ifjm jum @r<$ief)er beigegeben toorben, bie man burd) ben Sbrudj 
bom ungeratenen eigentoilligen Äinbe (101, 23) begrünben tooftte, ift natürlich 
absuferjen. £)er Söarnung bor übereilter Siebe (102, 1 ff.) tonnte be£ bter§et)n= 
jährigen ,g>einrid)'£ borstige @t)e mit ber fünfunbjtüan<jigiäf)rigen s Ucargaretb> 
bon Defterretcf) borfdjroeben. (Segen ©ngelbert'S Slbfictjten , ber anbere 33er* 
mäfjlungspläne gehegt Ijatte, 1225 unter bem böfen 23oräeicrjen feiner (Jrmorbung 
gefct)toff en , führte biefe 93erbinbung batb jum 33etfud) ber Trennung (Söinlel» 
mann, ßaifer griebrid) 1, 460. 462 21nm. 2, 463; Smitfä, @efä. ber 
SBabenberger , S. 490. 526). £)er Spruch 102, 15 (f., metd&er über Sötiß» 
regterung unerfahrener Steidjer flogt, fann bie Slnmaßungen ber 9Jcinifteria(en 
unter ßönig ^etntictj im Sinn Ijaben unb beeinflußt fein burd) ben 93erbruß 
über be3 Äönigg 3erroürfniß mit feinem Sdjroiegerbater geopolb unb bem 
|)eraog Submig bon 93aiern (äöetfjnadjten 1228, f. äöinfelmann, Äaifer Ofriebricfj 1, 
517 ff.). S5ie 2Saf)rfd)einlid)feit fpridjt bafür, baß biefe Sprüdje jene 23erf)ält= 
niffe berühren. £)ocr) muß man ba% selbwahsen kint (101, 23) junäctjft 
attegorifd) auf allgemeine 3uftänbe beuten : nid)t <}tt>ar mit ty. SBaltfjer (©ermania 30, 
310 ff.) auf bie Sugenb, fonbem auf bie $öftfäe ©efettfcfjaft unb fjöftfd^e Äunft, 
toie fie fiel) unter ber ülijeilnafyme ber jungen ©eneration, insbefonbere motjt bei 
jungen ßönig ,£)etnrid) enttoidelt fjatte. — Slnbere ätjnlictje (Sreigniffe ber ^eit 
erlauben feine fo gute 91nfnüpfung: 5Die Empörung beg öfterretdjifdjen ^rinjen 
^einrid) gegen feinen 23ater ßeopolb (1227), ju ber itjn bie (Sinflüfterungen 
ränfefücfjtiger s Ucenfdjen beroogen Ratten (Suritfdj S. 493), bie 23erftoßung ber 
©emat)lin bes ^rin^en 2friebrid) bon Defterreid) , Sophia (1229, f. ^uritfdj 
S. 507). 



^eben ber politifdjien S)id)tung SBaltfjer'S ftefjt feine gnomifdje an 
©lan^ unb 9teic^tl)um etma3 ^urüd. Sie öffnet un§ ben (Sinblid in feine 
fittlicl) = re(igiöfe 3Beltanfd)aunng. Unb aucf) in itjr offenbart fidj feine 
ganje l)errlid§e *Perf önlic^feit , bie boHe ©röße feiner poetifdjen Äraft. S)enn 
auctj biefe ßetjrbicfjtung ift burc^aug ©elegenb^eitibicljtung im f)öf)eren Sinne, 
^oefie bes perfönlid^en (JrlebniffeS, ber perfönlic^en ßrfafjrung , Sttmmungöbilb. 
9lid)t abftracte äöeiSrjcit, nictjt fatjle fdjattenfjafte Stjeorie. 21u(^ l)ier quillt unb 
toädjft atte§ au§ feinem beroegten ^erjeu, au8 feinem lebhaften Temperament, 
feinem natürlidjen 2öi^, feiner regen 33eobad)tung, feiner toarmen 2Jienfcl)licf)feit. 
9iur ( \um 2fjeil freiließ fmb mir im Stanbe, baä perfönlidtje unb äett_gefd)id)tlid)e ( 
ba§ momentane ßlement biefer bibaftifdfjen Sprüdje gana fjerau«äufüf)len , nod) 
jeltener fönnen mir ei beftimmt nacljroeifen. 

S)ie tiefen S'tagen nadj ber ^Jtöglidjfeit fittlidjen Cebens fjaben 3Baltf)er 



78 2Baltf)er bon ber SBügeltuetbe. 

nicht ruben laffen. 2)er 33efife, ba§ guot , jdjien it)m bie Duette atteä Uebelg. 
2)ie @t)re bei ben 9Jtenfcben foüte jebem böljer fte^n , unb übet allem ©otteg 
£ulb. 2)iefe btei begriffe fietjt er öor fich ttrie btei 9Mcbte in unöerföhnlichem, 
immer erneutem Äampf , unb bie erfchütternbe Sragif beä menfchlidjen Sebenä 
erfennt er in biefem nie enbenben Dringen (ügl. 8, 20. 20, 20 ff. 22, 25 ff. 
31, 15 ff.). 3n ber friegäerfüttten 3eit fietjt er fich bon ben ©chrecfen ber 
©etoaltttjätigfeit unb ber Softer roie Don äßegelagerern umgeben. (26, 13). S)er 
arme ©djelm, ber fo lange öergeblich fetbft auf ein ©tüddjen 93efife jum 2tu3' 
ruhen hoffte, hatte ber Diott) ber S^> oer l>obgier unb bem (JgokmuS ber 
Äönige unb dürften, ber Kirche, be§ SlbelS auf ben ©runb gefeben, roenn er, 
feine SMtroanbeiung überblidfenb jornig auf f chteit : so we dir guot! du enbist 
niht guot: du habst dich an die schände ein teil ze sere (31, 21). Unb mit 
©tolj fonbert er fiel) bon ber grofjen $Renge, bie 33efitj erttrirbt ohne nach bem 
SOßie 3U fragen. 

93eftänbigfeit unb rechtes 93cafj, ba§ finb bie fittlichen Sbeale, roelcbe 
äßattbev aufftetü. liefet ©djönbeit lobt ben s ]Jtann, meint er, toorauS ©ctjönbach 
(Seben ©. 169) roobl etroaS öoreilig fd)liefjt, er fetbft fei nidjt febön getoefen, 
fonbern ßntfchloffentjeit , f^^eigebigteit unb ©täte (35, 27). 6r entroirft toon 
bem Untreuen baä abfdjretfenbe SBitb eines Ungebeuerö (29, 4). ßr betbeuert, 
feinerfeita immer einem <£>ofe treu ju bleiben , tt»o man ibn wahrhaft bofgemäfe 
b. b. aufrichtig unb gütig beljanbele, unb fagt fich. öon einem treulofen Surften 
(©ietridb, öon *Dceifeen? Otto?) lo§ (30, 9). @r ruft ©ott an, bie galfcben, 
bie aalglatten %vl ftrafen (30, 19). ®r flogt über bie Sreulofigfeit aroeier 
Surften (Dietrich öon 3Jceifjen unb Submig öon SSaiern?) gegen ibn (30, 29 biä 
31, 12). @r öerwünfeht ben lügnenfeben Statljgeber eine§ dürften (beS ^>etjog8 
öon Kärnten V) , ber feinen «Ferren öerteite, gegebene jßerfpredbungen nidjt ju 
galten (28, 21). 6r öermifet in ber äöelt bie alte Sreue, föeblicbfeit unb gteunb= 
fchaft (38, 10); er rübmt ben ©egen eines juöerläifigen greunbeä unb roarnt 
öor ben roanfetmütbigen, bie roie eine Jhigel fortrotten (79, 25). 

9ftan fann 9lngefichtä biefer Sßieberbolungen beffelben ©ebanfen§ eine 
©mpfinbung unb eine $rage nierjt unterbrüclen. S)ie (jmpfinbung : nichts bat 
Söattber in feinem roechjelreichen Seben mebr ergriffen als bie immer toieber ge= 
machte fcbmer^licbe (Jrfabrung ber Untreue. Unb geroifj gebiet) in ben unfeligen 
Sahren ber boppelten ^önigätoablen, ber kämpfe aroifchen geiftlidjer unb faifer= 
lieber ©eroalt Söerratb, Söanfetmutt), |)intertift roie nie auöor. Slber man mu| 
bod) bie Brage aufroerfen : bat nicht auch 3Baltt)er an biefer Äranfbeit ber 3««t 
Stjeil genommen? mar nicht audb, er roanlelmütbjg ? 3fn ber Sltjat t)at man Ujm 
bag oft öorgetoorfen. 316er fchon ßadb,mann urtheilte (^u 11, 6) im roef entluden 
richtig: „2)aä ©chroanlen ber öolitifchen Slnfid^t unfereä 2)icr)ter§ ift nur fcheinbar. 
2>er echte ^önig ift i^m ber bie Äönigäfrone auf bem Raupte trägt." 2öenn 
er Otto öerläfjt unb ju griebrict) übergeht, fo mujj man bebenfen, ba^ er toeber 
ein perfönlicheg näheres 23ert)ältmf} p Otto t)atte, ber itjm bem ©übbeutfehen 
gemii als ©achfe rremb unb antb^ipatifch blieb, noch an ibn bureb toirftiche 
unfünbbare Sienftmannf(haft (f. oben ©. 53) gefnüpft mar, ba% er ftriebrieb 
felbft, bem er fid) nun äuroanbte, nie befämpft t)atte — benn ©prudb, 25, 22 
ift nicht auf bie Sßabl gnebrich'ä ^ u begehen — , ba^ bem jungen Staufer al8 
ÜJlitglieb ber legitimen ßaiferfamilie öon Anfang an fein -Ipera aufaßen mufete. 
2) och roirb man bei SQßalther'ö Parteinahme in ber ?rteid98politif mehr als bisher ge= 
fchehen ift ben (Sinflufj ber dürften, beren 2)ienft er gefucht bat, in 2lnfdj)lag 
bringen muffen, unb, mie oben (©. 54) bargelegt, ben 9iecht§begriff be§ mittel» 
alterlictjen 3Dien[teö überhaupt, äßalther roarnt im ©inne ber 2Jcoral feiner Qtit 
unb boeb rool auch im ©inne jeber auf bal Sehen gegrünbeten, gefunben 5Roral 



Sßalttjcr Don ber Sßogeltoeibe. 79 

fcor 2)ienft otjne ßof)n ober für moljlfeilen *]3rei6 (81, 15). 2Ber mitt itjn batum 
anflogen, bafe er nactj biefer Ueberjeugung getjanbett unb fid) nid^t umfonft tjat 
ftnben laffen? 6r beanfprudjt in einem anbern ©ebidjt bas tftec^t , unftäten 
©önnern nid)t bie Streue ju galten: mer itjn mie einen 23att aufgebe, bem rotte 
er baDon töie ein SBatt , aber Streue erroibere er mit Dottroidjtiger , feftgefügter 
Streue (79, 33). $u oem ©ebot ber d)riftlid)en 9Jloral bagegen, aud) ben geinb 
ju lieben, befcnnt er offen, fid) nidjt auffd)roingen ju fönnen (26, 3). 

2öer aber bennod) jroeifelt, ob SBalttjer immer auf bem rediten äöeg fid) 
gehalten Ijabe, ber Derfetje fid) einmal ernfitjaft in bie 3 e *t feines öebenä. 
Söeldje ©eroiffensangfi bebrängte unb Dermirrte bamats atte tieferen ©emüttjer, 
ba bie tjödjfte Autorität bes Staates unb ber $ird)e amiefpältig mürbe unb in 
unDerfbrjnlidjem Kampfe lag. |>or)e ©eiftlidje fetjen mir an bem innern gmeifel 
barüber, mofjin bie ^ßflidjt fie ruft, förmtid) ju ©runbe getjen. 23ifd)of ©arbolf 
t)on $alberftabt »arb burd) bie Sßerjmeiflung über bie miberfpredjenben Gebote 
feineS meltttcfjen unb feines firdjlidjen Oberhauptes auf bas ßranfenbett gemorfen 
unb ftarb an ben Qualen feiner ©eele (Sßtnfelmann 1, 228). Sein 9tad)f olger 
im SMsttjum ßonrab bon Jhoftgf (f. oben ©. 65) fonnte, als er megen feiner 
ftaufifdjen ©efinnung ejcommunicirt mürbe, bieg nidjt ertragen, entflofj feiner innern 
Sebrängnifj butdj eine Pilgerfahrt ins Ijeilige Sanb unb ging fpäter ins Älofter. 6r3» 
bifd)of 3>o(jann bon Strier bat, als irjm unter 9tnbrofuing bes Cannes befohlen 
tourbe, mit feinen ©eiftlidjen unb 2)ienftmannen ju Otto überzutreten, in ber Ueber= 
jeugung, bafj jene itjm ben ©etjorfam Derroetgern mürben, roenn er fie jutn 2lb= 
fall Don $f)ilipp aufforbern mottle, ben $apft um bie (üsntljebung Don feinem 
3lmt (SÖinfelmann 1, 263). Gut Saljraerjnt fpäter, als fid) ber ©treu um bie 
Ärone erneute, maren foldje ©emiffensfämpfe feltener gemorben: bamats fdjien 
„bie politifd)e Grtjrenljaftigfeit ben ©rofjen SDeutfdjlanbs , menige aufgenommen, 
bottftönbig abljanben gefommen" (Söinfelmann 2, ©. 329). 

3fn bem ßabtjrintt) ber 5parteimanblungen jener Sage Ijaben fid) bie 
Mdjtigften Derirrt, ben SBegmeifer bes fittlid)en ©efütjls Derloren. 2Sattb>r 
aber, ber 9lbfjängige unb ©ebunbene tjat fid) ben ©djilb feiner potitifd)en ©runb= 
fätje rein erhalten: er med)felte bie ^erfonen, benen er anfing, aber er Derteugnete 
nidjt bie ©adje, für bie er fodjt. 

$n ben Stagen bes ungezügelten Kampfes, ber fdjranfenlof en ßeibenfdjaften ent= 
midelte fid) bie munberbare 9)cifd)ung ber äüattljer'fdjen ^ßoefie : tjeitereö 23eljagen 
unb nerDöfe Ungebulb ; übermüti)igfie fiaune unb tjettfter Optimismus neben tieffter 
9tiebergefdjtagenb,eit , jorniger Unpfriebenljeit , btifterfter 9Jietandjolie ; liebend 
mürbigfter nedenber |>umor, fpielenbe ©rajie, unerfd)öpfltdjer SBife unb flammenber 
^>af3, mudjtenbe« ^at^oS, glüb^enbe Begeisterung. S)urd) atte biefe fdjeinbaren 
SBiberfprüdje leuchtet immer bei 2)id)ters menfd)lid)e8 ®efid§t, fein ftares Uluge, 
fd)tägt fein tapfer erjrlidjeä ^er^, atl)met bie SebenSfraft feiner ^ob^en ©eete. 

6r ging feinen äöeg burd) atte ©d)reden ber äußeren unb inneren Un* 
treue, bei JBerratt)8 unb UnbanfS, ber 2üge unb |)eud)elei, ber Habgier unb 
^»interlift, ba§ <§aupt erhoben, bie 5lugen feft auf bie emigen ©üter gerichtet, 
©djmer unb leibDott mar biefer 2öeg für ben ÜJlann, ber feine anbere $ftad)t 
unb fein anbereä ©ut befafe al§ feine äßorte. Unb trübe genug fd)ien ilp, 
bem ^eiteren, oftmals bie 3*it, in ber er lebte. Sßie ungered)t beurteilen iljn 
aber bie unter ben mobernen gforfdjern, meldje ib^m bas S?emuf3tfein Don ben 
^flidjten bes ßinaetnen gegenüber bem ©anjen abfpved)en, bie itjm Dormerfen, 
er Ijabe ben ©igennu^ unb bie Untreue ber ftiitfien leidjt genommen. 

S)ie fo reben, baben mo^l niemals mit offenem ©inn unb bereitem §erjen 
jene bemeglidjen klagen gelefen, bie er, ber Don ftatur gemif3 fein ©cfjtoaraferjer 
mar, über ben böfen 3uftanb ber Söelt immer aurs neue ergebt, über bie 33er- 



80 Ußaltber Don ber Söogeltocibc. 

broffenheit unb ben SErübfinn, übet bie Unebrenhafttgfcit (59, 37), über bie 
(Entartung ber jungen ©eneration (23, 11. 26; 24, 3), baä ©chminben ber alten 
ritterlichen Sitte (124, 25), beg höfifchen ©angeä (64, 31). Söenn man auch- 
beobachten fann, roie ihn allmählich baS 2llter unb fchlimme (Erfahrungen ber» 
büftern, fo finbet fich bergleichen bodj auch fchon in ber ißeriobe feiner 3fugenb^ 
ja gerabe fdjon in feinen aHerätteften ©ebid^ten : 90, 23 — 38. Unb mer allem 
biefem nicht glaubt, ben mirb boch ber ^erjenelaut jener tobeitraurigen ©trophe 
treffen (58, 21), in ber Söaltber benen, bie tion ihm neue Sieber heifcben, ent= 
gegnet: nü mugen si doch bedenken die gemeinen not wie al diu weit mit 
sorgen ringe. 2öie bog 33ögtein be§ 2Balbe§ nicht fingen motte, benor e§ Stag 
toitb , fo auch ber Siebter nicht , ehe nicht bie furchtbare stacht ber ©chreefen 
üorüber ging unb toieber ©angeg Sag anbrach, ©o rebet nur ein bon bem 
fitttteben ßlenb ber 3 etI tief öermunbeteS ©emüth. £>a§ mar bie Stimmung, 
bie SlngeficbtS ber @ntfe£en beg geitalterg f° biete ber (Sbelften in bie Älöftet 
trieb, ©ott man Söaltber beute eg tierbenfen , bafj nicht auch er feine göttliche 
^Begabung in bie (Sinfamfeit bei Mönchgbafeing öergrub ? |>öber, fittlid)er mar 
boch tool, bafj er hinaustrat in ben Äampf ber Söelt unb für bie 2)inge ftritt, 
an benen fein marmeg $ex$ hing, bafj er in biefem $ambf aughiett, trofe aller 
gumuttmngen an fein ©erotffen unb aller Opfer, bie er feinem Smpfinben bringen 
mufjte. ©emifj, er mar fein bolitifdjer Sato, fein moberner ©efinnungsboctrinär, 
fein abftracter 3;beatift , — nur oölltg ungefcbidjtlicbe ^Betrachtung fann fid> 
barüber tounbern ober befümmern — er mar eben ein IRenfdj unb &max ein 
mittelalterlicher 2Jtenfch. 2lber eg ift eine 23lagbbemie, toenn ,£>eif$fborne ber 
„realiftifchen" ©efchichtgauffaffung , ber für äöaltfjer ben 2Beg haben brechen au 
belfen, ich felbft mich rübmen fann, bebauten: feine ^beale bienten ibm mebr 
atg SBerfjeuge für bie täglichen ^meefe alg bafj fie beilige Ueberaeugungen unb 
3iele maren, bie fein iJafein butctjbrangen unb richteten. @g ift eine furaftdjtige 
Uebereilung ober ber ©tumbffinn eineg üerbärteten ©efüblö, menn man äöaltber 
mit ben fäufltchen, geroiffenlofen ^ournaltften unferer tage auf eine ©tufe ftetten 
roitl, bie balb nact) redjtg balb nach linfö fdjreiben, je nach 33ebarf unb Sortbeil, 
unb Don all ben hohen unb heiligen Gegriffen, bie ihtei Munbeg 9tebe über« 
fliejjenb berfünbet, innerlich nichts glauben. Man begehre nur nicht bag Un* 
mögliche, nicht blofj hiftorifch, fonbern pftychologifch Unmögliche: ein ^olitifer 
ift fein ©efeijgeber ber ©ittlichfeit unb ein dichter ift fein £)elb confequenter, 
untoanbelbarer $rii eibien. Söalther mar fomohl ^olitifer alg Richter — toie 
foEte er ba fiel) jutn motalifchen dichter über bie Machthaber aufmerfen unb 
feinen S)ienft nur Denjenigen meihen, beren fittliche Mafellofigfeit ihm unameifel= 
tjaft erfchien! @r, ber in menfehlichfter 2)emuth, in echtefter gtetigiofttät ftch 
ber eigenen gebtbarfeit, ©chmäche unb Kleinheit fo tief bemüht mar (bgl. 24, 18; 
26, 3; 10, 1 ff.), unb ba§ mit SBorten ausbrach, bie nur leere ©emüther un« 
erfchüttert laffen fönnen. 

äöalther trug öon Anfang an in feiner SSruft eine hohe ibeale SBorfteHung 
bon ben Aufgaben feiner J?unft. @r mar unb blieb aeitlebenä ber Slpoftel einer 
öornehmen, fittlichen, mettlichen Silbung. 6t glaubte an baä ©bangelium ber 
mähren höfifch- ritterlichen (Suttur, meldte im 2)ie8fettä murjelnb unb fich bemühenb, 
alle ebeln Äräfte beS Menfchen entmicfelnb, neben unb außerhalb ber tirchtichen 
Slffefe ihren eigenen 2ßeg ging, ber aufmärtg führte ju ber £öhe echter 9{eligiofität, 
in jene überirbifchen 9tegionen, uon benen fie ein Slbglanä mar. ©leich SSolftam 
(2iturel 51, 2) leuchtete ihm ber ©tern einer tieffinnigen 2luffaffung ber Dinner 
^immel unb @rbe fchien ihm biefe gemattigfte aller ßebensmädjite au burchbringen 
unb mit einanber au berbinben (82, 9. 10). 

äBalther befannte ftch, fo roenig ba§ ©chicffal i^n auf eine glänaenbe <£)öhe 



SÖatttjer Don ber 33oge(n?eibe. 81 

gefteltt fjatte, nidjt ju einet bemofratifcfjen SebenSanfdjauung. Sßon feinem erften 
auftreten in äöien an, ba er fidj befirebte, in ber .^ofgefettfdjaft eine gefiederte 
«Stellung ju gewinnen , bis ju ben legten Aufrufen im S)ienfte be§ Äreu^jugS, 
immer toitt feine Jhinft oornetjtn fein unb ben f)öt)eren unb rjödjfien @efellfd)afta= 
freifen bienen. (5r refpectirt bie ©djranfen ber ©tanbeSglteberung roie bie Drb- 
nung ber 9tatur als etwas ^eiliges : bie Mäze bedangt, bafj Dtiemanb ben iljm 
einmal üerlietjenen Soften bertaffe, nidjt aus ber angeborenen ©ptjäre tjinauSftrebe. 
Saien unb Pfaffen, Pfaffen unb bitter, Sßeiber unb Männer, Ssunge un b Slüe 
— alle foöen irjrer 9lrt unb itjrem 9tecrjt treu bleiben unb nidjt über ben Se^itE 
i^reS äßefenS t)inroegfpringen (80,3—26). St, berfelbft feiner StjriE ben dtjaratter 
ftanbeSmäfjiger (Sjctufibität abgefireift unb fie auS ben eingefdjränften Greifen 
conbentioneüer ©itte befreit Ijatte, ber au§ ber tjöfifdjen Lanier je langer je 
metjr ;jur fünftlerifdjen greitjeit emporbrang unb immer tiefer auS ben Duellen 
bolfSttjümlidjer 2lnfcrjauung, Sitblidjfeit unb 2)id)tung fctjöpfte, ift weit entfernt 
bon jebem £)od)mutb, ber ©ngljerjigfeit : bie ©ebote d)riftlid)er Humanität leben 
in feiner ©eete ; roie ein mittelalterlidjer «gmmlet fragt er , Wer bie naeften ©e= 
beine ber Ferren unb ber $ned)te nad) bem ü£obe Reiben fönne; in ber ©efinnung 
fetneg großen 3°i t Ö eno Tt eri » ßatfer griebridTS IL, berfünbet er, baf; ßtjriften, 
3uben unb Reiben, bie gan^e llJtenfcrjfjeit otjne ©renje ber 9teligion, bem $nxn 
aHeä SöunberS , bem £errn bei SebenS bienen (22, 7). 2öie roeit ftetjt biefe 
Slnfdjauung ah bon ber ©efinnung eines «gjerjog Seopolb , be§ „^etjerfieberS" 
ober audj nur eines üttjomafin! Unb bodj ift unb bleibt 2Battt)er in feinet $unft 
Slriftofrat. ©teilte Söolfram ein $beal für 2ftenfd)enbilbung auf, inbem er 
ritterlidje 2Jtannt)aTttgfeit, bie Sreue, bie SBerjerjjtrjeit , bie unaerftütfelte (Sintjeit 
ber *ßerfönlict)feit in ben Sorbergrunb rüdte, fo prebigt 2Baltt)et mel)r bie Pflege 
ber inneren Sugenben unb ermattet baS §eit bon ben fanfteren 5ftädjten ber 
©crjönrjeit, ber geflärten ft^rn, ber geläuterten Sitte, ber Silbung be§ .gjerjenS. 
S)ie ere, bie werdekeit, bie hövescheit, bie fuoge finb unb bleiben bie ©e* 
bieterinnen, benen feine Äunft treu nachfolgt, bie fie berljerrlidjt. SBotfram ift 
metjr ber 2triftofrat im ©inne einer älteren fiebenSauffaffung , ber fid) Watjrer 
2lbel aHein burd) friegerifdje ütüdjtigfeit barfteüt unb etptobt. Sßalttjet befennt 
fidj ju einet Sttiftofratie ber ©eete. äöolfram enttoirft ^bealbilber für feine ©tan= 
beSgenoffen, für bie 9titterbüttigen unb ritterlidjem Ä'riegSbienfi (Ergebenen. 
SBattrjer vebet ju einer großen ©emeinbe aller Stänbe , bie ein gemeinfamer 
Sultuä berfeinettet 9Jcenfd)üd)feit öetbinbet. 25et SJtittelpunft biefet ©emeinbe 
finb für äßaltfjer bie £>öfe, unb baS fjöfifcfje ßeben, mie eS fein ^ßoetenauge 
fortwätjrenb, ganj beuttidj, aber in unerreichbarer fyerne bor fief) falj, foUte ba8 
neue Sfteal meltlid)er SBitbung, ba% ^beat eines SlbelS bei inneren 5R e n f dj e n 
berteirf liefen. @S maren träume, gteidj benen, bie fpäter ber ungtücfltcfje SEaffo 
träumte, bie im granfreid) Submig'3 XIV. ben Sefien, bie im ad)t,}ermten ^al;r- 
Ijunbert ben ^ttfjrern ^er großen beutfdjen ©eifteSbefreiung öorfdjroebten. 

S)er einfame S)id)ter, bet fein Seben lang um bie äufjete ©jiftenä rang, 
Wie fonnte er fein rjotjeS ^beal fiegreid) behaupten gegen eine SBelt bon 2Jttfj= 
berftanb, 9iol}eit unb 9ieib! 

2lm <!pof ju 2t)üringen befdjtoett itjn baS rolje 2teiben ber ritter- 
lichen 9taufbolbe (20, 4) unb bort wafjrfd)einlid) aud) fpäter ein neibifdjer 
frttifitenber poetifdjer ßoneuttent Her Wicman (in C Volcnant), ben et mit 
harter ^oljnrebe abfertigt (18, 1). 3n Xtjüringen (äfjt ih^n, toie er ein anber 
«Deal flagt (103, 29), ein ©crjroarm lärmenber ©änger mit befjenbem 9Jcunbtoetf 
nidjt ju SÖort fommeu, fie erftiefen gefüeges mannes doeneu mit müftem ©efdjrei, 
baS ben ^unftbetftänbigen anmutljet Wie ^tönctjSgegtöb.le auf bem 6t)ot. «Ulan 

SlUfleni. beutfdje aSiogtapljte. XL1. 6 



82 SöaUber t>on ber Söogelweibe. 

begreift auS biefer ftoljen Seradbtung be§ ©efange bei Möndje, toarum ©ottfrieb 
öon ©trafcburg in feinem Siiftan fo nacbbrücflitf) preifenb bie mufitaltfcbe ©eite 
ber Sieber 2öaltber'8 beröorbebt. ©et £offtaat bc3 ßanbgrafen erfaßten 2ßaltt)er 
toie ein ungejatetet ©arten üoüer Unfraut (103, 13). 3lm fyoje be§ £ärntner§ 
machen it)tn bie hovebellen baä ßeben fcbroer, jene Älätfäer unb «Reibet unter 
bem <£)ofgeftnbe, bie feinen ©aug verkeren b. b. falfcb unb böätüittig entftetten 
unb auf biefe Auslegung 93erleumbungen grünben (32, 27). 2lm ©ofc ßeopolb'S 
bat fein 'ljöfifdjer ©ang ; üiele fteinbe unb wie ei fcbeint, baben biefe fidj einen 
anberen Äunftgenoffen , ber Stolle biefj, ju ibvem aSortfübrer erforen (32, 7, 
über ibn nicbt überjeugenb, aber im Sin^elnen beacbtenStoertb, Samuel, Blätter 
b. »eteinS f. Sanbeäfunbe >)tieberöfteneicf)8 26, 261 ff., 27, 111 ff.). $n ber 
Umgebung beä ©rajen öon .ffafeenettenbogen bereiten tfjm plebejifcbe ©änget üble 
Saune , bie er als snarrenzaere jut äftubc roeift unb bie , roie e§ fcbeint , auä 
«JJHtteU ober ÜJlotbbeutfdjlanb flammten, ba er fie aU »polen unb Muffen lädjerlidj 
r.iadjt (80, 30 ff.). 2)er lanbfcftaftlic&e litterarifc^e ©egenfat; atoifcben bem 
Ijöftfdb/ ritterlichen ©üben unb ben bolfätfyümlicb^bemofratifcrjen, bürgerlichen, 
mittleren unb nörblidjen ©egenben ®eutfcf)lanb§ , ber im 13. ^abrbunbert eine 
mtcbtige «Rotte fpielte («Burbacb, «Jieinmar unb «Jßaltfcr, ©. 134 ff., «Roetbe, 
««Reinmar öon praeter, ©. 239 ff.), toirb bier unb in Söaltber'S Serhättniji jum 
üLfyüringer ^>of bemerflidb. 

©cbroieriger aber unb fcbmeraticber mar ber Äampf, ben er für feine $unft 
gegen begabte ©änger, nacb oben unb nacb unten hin, ju fübren batte. $n 
äöien tjatte er fidj gegen bie unlebenbige «IRanter, gegen bie ©aftlofigfeit unb 
Monotonie, gegen bie (Snge unb ßeere ber mobifdjen ©efettfctmftspoefie eineö «Jteinmar 
ju mehren gehabt; ein Sieb be§ unftjmpatbifcrjen SebrerS unb «Jüöalen überfcfcüttet 
er mit beifjenbem ©pott (111, 23 ff.); «Jteinmar roieberum fticfeelt mebrmatS gegen 
feine angebliche Unjartrjeit (äöitmannS, ßeben, ©.450 f.); unb Warf)! länge befc 
aroifdben beiben SDidcjtetn befteljenben ©egenfateeä üernebmen mir noch, in SBalttjer'e 
«Radbruf, fo marm er bie Äunft be§ älteren «DleifterS aucb rühmt (83, 5). Sr 
fetbft tjatte ben «Utinnefang au8 feinen berftiegenen Salinen, aus ber SBett etneä 
^feubo=3ft>ealiemu8 \ n oa § rea ( e geben tjerabautjolen gefirebt. äöegen feiner 
freieren, menfchlicberen «Jtuffaffung be3 gefettigen ßebenä unb feine«* 2Biberftanbe8 
gegen bie Uebertreibungen ber tjbftfc^en ©alanterte mufjte er immer roieber «ilnfedj* 
tungen erfahren. 3)iefe Eingriffe mufjte er parken, er mufjte ben S3erleumbungen 
gegenüber, baf$ er bie ben 2)amen fchulbige Sbrcrbietung beriefe, fich auj fein 
unfterblicbeS «pretSlieb ber beutfcb,en gfrau (56, 14) berufen (58, 34). S)en 2lu8= 
müctjfen tjöfifcrjer ßultur miberftrebte fein geraber ©inn unb fein einfaches ^pera 
(ogl. 70, 22): er fuc^te ber Statur, ber äßab.rfiett nätjer $u fommen; er fübrte 
ber fjöftfcben Sichtung frifcbere« Sßlut auä ber ©btjäre be8 üolfStb^ümlicben @e= 
fctjmacfesl ju. s Jtun aber fdjritt bie ßntrotcf lung , bie feinem genialen Slnftofj 
folgte, über ib,n l)inroeg. 3lu§ ber übergeiftigen ^öb,e Ijerabfteigenb , fiel bie 
beutfdje Stjrtf nad) ber anbem ©eite in llebertreibung : es erftanb at* Üleaction 
gegen bie Söerbilbung unb 33erjärtetung bie b,öftfc£)e ©orfpoefie 'Jleibbart'g öon 
Oleuentb.al (31. 2). 33. XXIII, 395 ff.) unb feiner näheren unb entfernteren 
©djüler, unter benen ©ottfrieb bon «Reifen (XXIII, 401 ff.), ber Sannfjäufer 
(XXXVII, 385 ff.) unb Ulrict) öon SCßinterftetten (XXXI, 68 ff.), bie b,erbor= 
ragenbften finb. 

SDiefer ©trömung fefete ficb, äöalttjer mit allem «ftadjbrucf entgegen : er mottle 
feiner biefer 9Jcobernen fein; ich bin niht niuwe (fein Steuer) ruft er bolt 
©tolj (Jpilbebranb , 3eitfcbr. f. b. Slltertb. 38, 5 ff.), »ttter unb jornig mufe 
er am Ijofe ober in ber Umgebung Seopolb'3 feinen 5ßla^ bertbeibigen gegen 
bie ©törer be« Ijöftfcben ©angeS, gegen bie unhöveschen , bie nun am £>ofe ge= 



2ßattf)er Don bet ffiogelroetbe. 83 

neunter feien alä et (31, 33 ff.)- Gr Ctagt übet mannidjfadje s Dli|$t)anblung, 
bet et auggefetjt ift , unb bioijt , fid) jutücf jujietjeu unb baburd) allen ein ßeib 
31t bereiten (ßactjmann ©. 185, 31 ff.); et geißelt bie Unbanfbarfeit unb Un= 
bertd)enbarfeit bex Söelt, b. *). bet ©efettfäaft (59, 37. 116, 38. 117, 15 ff.). 
Unb aud) mit bem selbwahsen kint, bem et 101, 23 ben SDienft auffünbigt 
rocgen feiner Ungefüge, feinet Unbänbigfeit unb 3 U( ^tIofigfeit, meint et roiebet= 
um bie entattete SOßelt, bie iunge oietleid)t, bie et 37,24 unter bem Silbe 
eintg fteiterS, bet auf roitbcm ftofj mit tiertjängtem 3ügel teitet, bargeftettt 
tjatte, bie f)öfifd)e üDictjtung unb fjöfücrje (3efettid)aft, roie fie irjm im Steife be§ 
jungen $önig§, |)einricb/ä VII. fdjliefjlid) am uneiträglidjften entgegenttat. 9leibt)att 
felbft abet Ijat birect gegen 2Baltt)er'ö Sichtung bie SBaffe be§ Spottes gefdjroungen ; 
ob al§ Singreifer, ob jut ©egenroetjr, bleibe batjin geftellt. (5r Ijat (93, 15. 
98, 26 ff.) 2öaltf)ei J ä s ^tei§lieb auf 2)eutfd)tanb§ ebte Stauen unb Männer 
(56, 38) unb feine JHage übet ben Sigennutj (31, 14) ttaoeftitt, inbem et ben 
üZöiberfprud) aroifdjen biefen beiben Steuerungen butetj 3 u f Qminen f°PP e h*ng unb 
Uebetttagung in bie 3ßelt bet Sauernftegel grell beleuchtete. äöaltrjer tüdt in 
biefem $ampf einmal ganj beutlid) mit ber ©prad)e IjerauS: ein erregtet 
Sieb (64, 31 Owe hoveltchez singen), baö jjuerft Utjtanb in ben richtigen 3 U= 
jammenfjang getücft tjat, ftöfjt biefen parobiftifdjen 9teali3mu§, biefe but= 
legte SluSnufjung öotfättjümtidjer Sichtung jomig unb doli 3}erad)tung öon fid). 
S)ie grofjen -£)öfe roünfctjt Söalttjer roenigften§ bon jener s JJtobeftrömung frei; 
n* benft roafy:fd)einlid) an ben öfterreid)tfd)en £)of, bod) märe, falls ba§ @5ebid)t, 
toaä nid)t unbenfbar ift, in bie fpätefte 3eit be§ 3)td)ter6 (1228—1229) gehört, 
aud) eine 33ejiet)ung auf ben föniglidjen Jpof beS jungen <!peinrid), auf ben 
fviüolen $rei£ Weifend nid}t au£gefd)toffen ; ben ^anbjunfem motte er biefe t)atb 
bäurifdie Äunft gönnen, bon ba fei fie aufgefommen. 

(SS liegt beinahe etroaS £ragtfd)eS in biefem teibenfdjaftlicrjen unb bergeb= 
liefen Sßroteft gegen eine littcrarifctje Strömung, bie SÖalttjer felbft Ijatte ent= 
feffeln Reifen unb bie fein Sfbeal beS fcfjönen 'DtafteS, ber lünftlerifd) gebänbigteu 
äßatjrrjeit, bei- öerflärten Statur, baS ^beal ber gefunben Glitte jettrümmerte. 
Lanier unb Sentimentalität einerfeitS unb als ©egenmad)t 9laturaliSmuS unb 
^arobie nnberfeitS — bajtoifdjen blatte Söaltrjer'S Äunft einen fdtjroeren Stanb. 
unb er mod)tc rootjt mit ©runb fürdjten, böttig ju erliegen. Unb bennodj ift 
nod) lange ^dt nacrj feinem £obe ein fräftiger WadjtoudjS beutfdjer Srjttf in ben 
Legionen, ba fein Siebten rourjelte, Ijerangeroadjfen. 



2öaltt)er'S bidjterifdje $unft in ber 3 e ^ feiner Steife eingetjenb 
ju roürbigen, liegt aufjertjalb ber biefen blättern geftetlten Aufgabe, (Jinigc 
©runblinien nur jur ßljarafterifttf fetner *poefie feien tjier angebeutet. 

2Baltb,er mar, roie oben (S. 51) betont roorben ift, ausgegangen bon ber 
f)öfifct)en ©efellfd)aft8ll}tif im ©tit 3teinmar'3 unb ^aufen'ö. 3febc erfd)öpfenbc 
Sßeftimmung feiner ©igenart mufe bem bereite ffijjirten s ^3rocefe feiner ©maneipation 
auä ber önge biefer s IRanter nadjgerjen unb eine ftreng gefdjidittidje 9Jtett)obe 
anmenben, ma§ t)ier nur in fetjr befd)tänftem 5)taa^e gefd)er)en fann. 

2Öaltr)et gewinnt allmä^lid) bet finntidjen Söelt in bet £l)tif einen 
9vaum , roie eg UZ baljin im 5)tinnefang nidjt etljött mar. @r gibt ber S)ar= 
ftellung feiner ©mpfinbung unb ^Betrachtung einen feften förperlidjen .g)att, einen 
^intergrunb burd) beftimmte Situation, Scene, .^anblung. (Jr üerfätjrt babei 
epifd) ober bramatifd) ober öeibinbet aud) beibe Äunftformen. Unb er liebt e§, 
toon ber lt)rifd)en äöirfung bet ©t)tnbolif , be8 tt)pifd)en 23ilbe§ ben 
toeiteften ©ebraud) 311 madjen. (£r roivft nietjt blo§ roie ein Sramatifer auf bie 



84 2öaltf)et Don ber 33ogclwcibe. 

3lnfd)auung, fonbern mie ein fötaler ; er jc^afft mit ber $t)antafie ber bilbenben 
Äunft unb er fdjöpft babei meift aui bem alten (Sctjatj eingebürgerter, öolfitrjüm= 
lief) geworbener SSorftettungen. 

©ein üieidjiton (8, 4 ff.) bringt bai ©efüljt über bie jammerbotte Sage bei 
Sßaterlanbi nidjt birect zum 2lu*brud, fonbern epifd) eingefteibet unb an einen 
fidjtbaren Vorgang ber Ülufjenmelt bon tttpifd)er SSebeutung angelehnt. @r fü^xt 
fiel) felbft erzäfjlenb ein , tote er forgenboll , öon ber SBelt entfernt , auf einem 
(Stein ftdj in finnenbem 9tad)ben£en nieberliefj, in ber Stellung, bie öon ber bilben= 
ben $unft feit früher Seit, öielleidjt im 2lnfd)luf$ fogar an bie antife <ß(af!tit, ali 
ütüpui bei trauernben s Jlad)benfeni auigebilbet mar unb in ©eulpturen mie in 
Miniaturen bei beutfdjen Mittelatteri oft begegnet; mie er bie (Serjeimniffe ber 
fämpfenben, aber georbneten Statur gleid) einem ©etjer überfdjaute; mie er ben 
Urfprung bei SEljronftreiti in 9tom belaufete; mie er bie Älage bei einfamen 
Klauineri aui ber gerne öernaljm.. 2>ai 33ilb ber beiben großen Sieberrjanbfdjriften 
tjält bie im erften ©prud) bezeichnete (Situation feft, aber ei illuftrirt bamit nidjt 
bie Söorte h^ 2)idjteri, fonbern ei fdjöpft nur iljren bilbtidjen ©eljalt mieber 
aui, ben fie aui malerifdjen ober bilblidfjen Sßorlagen übernommen f)aben. Unb 
menn SBalttjer bann bie zerrütteten 3 u fiänbe öerförperlidjt , inbem er ben mit 
einanber ftreitenben Sebenimädjten menfdjlidje ©eftalt leitet unb griebe unb 
9tect)t barfteUt, mie fie öon SBegelagerern unb im ^>tntett)alt tauernben ütäubem, 
bon Untreue unb (Semalt bebrofjt finb, fo fnüpft er mieberum an bie £rabition 
ber bilblidjen $unft an, bie auf ©runb ber ^fbdjomacljie bei 5ßrubentiui immer 
mieber ben Kampf ber Stugenben unb ßafter in ber s Megorie friegimäfeig ge» 
tüfteter grauengeftalten bor Slugen gefteüt rjatte. |>ier mie bort aber folgt 
SBaltljer zugleidj ber 3Sal)n ber älteren, öolfitrjümlid) gefärbten beutfdjen Sichtung, 
ber tüpifdje S)arfteüung im ©inflang mit ben feft geprägten formen ber bilbenben 
Äunft geläufig mar. (Sin anber 9Jtal erfdjeint itjm grau Salbe (43, 1) ali eine 
gürftin , bie Kleiber zuredjtfdjneibet unb auitljeilt unb fid) babei zu tlngunften 
bei ©ängeri öergxiffen fjat. SDieäöelt fiellt er ali Leiterin auf milbem Sftoffe, 
itjrem muot, bor, ber er zuruft, fie foüe ben Qaum fefter anziehen unb um fid) 
bliden, bamit fie nidjt zu gatl fomme (37, 24). 3n einem feiner testen ©prüdje 
(102, 15) t)üllt er bie Trauer über bie zerfahrenen $ert)ältniffe, bie burd) bie ©djulb 
tti jungen König Jpeinrid) unb feiner Serfüljrer rjereingebrodjen maren, in bie 
6rzäl)tung, er fei auigezogen, um Abenteuer unb 5leuei zu erleben, ba Ijabe er 
bie ©türjle, auf benen früfjer SBeiirjeit, Slbel unb 3llter fafjen, leer gefunben; 
barum tjinfe 9ted)t unb traure 3ud)t unb fieetje ©ctjam. Sßieberum ein SSilb ber 
Kunft : bie 5ßerfonificationen ber £ugenben unb bai rjergebradjte ©tombol rid)ter= 
tidjer ober föniglicijer Söürbe, ber £rjronftuf)l. 

ßrgebentjeit unb S)anf bezeichnet er burd) SSerneigung ober burd) SBeugen 
bei Äniei (18, 20. 31, 24. 74, 33. 116, 21; 11, 11. 28, 23); 33erfd)ämtf)eit 
bei jungen s J)täbd)eni burd) 91ieberfd)lagen ber 3lugen (74, 32); pfiffe greunb* 
lidjfett unb tamtl) ber Same burd) teidjtei Um^erblirfen (46, 14); 3lb= 
neigung burd) äBangenbieten unb ©eitroärtibliden (32, 18. 49, 18; 50, 22; 
73, 1); 3oru unb «Reib burd) Stielen (57, 36. 84, 37); Slerger unb Unmille 
burd) SBerzietjen ber Augenbrauen (75, 31); ©djmerz buret) Seifeen ber Sippen 
(61, 18); eutfdfjulbigenbe 3lblel)nung burdj 2lct)felzuden (36, 3); Sßermunbemng 
burdj 3e«gert mit bem ginger (120, 2); Trauer unb greube burd) ©ang unb 
Kopfhaltung (19, 32. 33. 20, 2): aud) bie Miniaturmalerei bü 12. unb 
13. Sctrjttjunberti üeranfd)aulid)t feelifdje Vorgänge burd) eine ganz äljntidje 
tüpifdtje ©eberbenfpradje , bie Ujeili aui ber Uuiäljigleit , in ben ©efid)t§zügen 
©emütfjibemegungen auizubrüden , tljeili aui langer f efigemurzelter , bii ini 
2Utertt)um zurüdreidjenber Srabition abzuleiten ift. 



2Baltf)er Don ber SJogetweibe. 85 

2lus ber Xrabitton ber bilbenben Äunft enttetmt SBalttjer auct) mandje $üge 
ber j£t)ierft)mbolif. tränier) unb *Pfau brauet er als Silber bes ©tolles 
unb ber Niebergcfcljlagenljeit (19, 31); bie untere im Sßappen Äaifer Otto's, 
bie alle ^pörer bor klugen tjattcn, 2Iar unb 2öroe, beutet er altegorifcl) als 
2ftannt)eit unb ^^eigebigfext (12, 24). ©ein ©ctjüler, Stcinmar bon 3roeter, 
t)at biefe ©rjmbotif bann jur Planier ausgebilbet. 

SGÖaltt)er objectibirt feine Srjrif, inbem er bas Söefenntnife ber (Smpfinbung 
an eine bestimmte Situation fnüptt. Seim 2lbfcl)ieb auf Nimmerroieberfeljen — 
bielleidjt roirb ei ein 2lbfct)ieb auct) bom Seben — macljt er fein üTtftament unb 
berttjeilt fein UngtücE, fein Seib, feine Siebestotttjeit (60, 34). ©ein äöanberleben 
läfjt er in feine S)idjtung tjineinfpielen : er berichtet bon feinem erfotgtofen Söefuct) 
am Itjüringer $of, um anbere j$u roarnen (20, 4); er tritt als Kläger gegen 
©ertjart 9lt}e in ben &reis ber |>örer (104, 7); er gibt, fct)etnbar burd) fragen 
ber Neugierigen gebrängt, troden referirenb, Slusfunft über ben Nürnberger £)oftag, 
um in 2öat)rtjeit nur ^erjog ßeopolb's Äargtjeit <ju ftrafen (84, 14). 

Sie frühere tjöftfdje Sieoeslrjrif tjatte als reine (Sefütjlspoefie nur feiten 5Be* 
Verjüngen auf einen beftimmten Moment, auf einen befiimmten äußeren Vorgang 
geboten. Söalttjer trägt in ben alten Natjtnen bes 9flinnebienftes einen färben* 
reidjen, greifbaren 3>nt)att. Cur bert)errlict)t bie ©djöntjeit ber ©eliebten nictjt 
meljr mit allgemeiner birecter CHjarafteriftif roie in ber geit feiner Anfänge: er 
jeigt fie uns in einer beftimmten Situation, im feierlichen 5lufjug mit ttjrem 
©efolge (46, 10), ober roie er fie nacft im Sabe belaufet (54, 21). @r öffnet 
uns dinblide in bie fleinen ©reigniffe feiner Siebesgefctjictjte : er mar jum 9luf= 
geben bes Sienftes entfctjloffen , ba l)at jljn ein £>atmorafel getrcftet unb mit 
neuer Hoffnung erfüllt, bas, fo oft er nacfcj ber SBeife ber ßinber bas ©trot) 
am Ringer auf 3a unb Nein abmafj , immer mit einem $a fdjlofj (65, 33). 
6r roünfdjt fiel), ifjr nod) fo natj ju liegen, bajj er ir)r 2lug' in 3luge fätje unb 
fie itjm erfüllen muffe, roas er bitte; ba roerbe er fie fragen: „SBittft bu mir 
jemals roieber fo tcet) ttjun?" S)ann roirb fie -$ur Slntroort lädjeln (185, 11). 

SDie äufjere Natur, ber 2Becr)fel ber ^atjresaeit fpielte in ber tjöftfctjen 
©efeUfctjaftibicrjtung Neinmar's unb -gmufen's roie aucr) in ber boltsttjümlictjen 
ritterlichen ßtväf ber $ürenberg=ßieber eine berfd)roinbenbe Notte. äöaltrjer 3tet)t 
fie mit unbergleid)tict)er Äunft als belebenben unb ftimmungroecfenben hinter» 
grunb in feine ^ßoefie hinein. üDaburct) nähert er fiel) in getoiffer ^>infictjt bem 
©ebvauct) bes bolfsmäfeigen 2an^liebc§, roie es Neibtjart's Neien am treueften 
roieberfpiegetn, roo Natur* unb Siebesgefüb/l fiel) ttjpifct) öertetten. 2lber 3öaltl)er 
entfernt fiel) bod) weit öon biefer 33et)anblung bei N^otib§; über einen blofc 
ttjpifctjen s ^arallelt§mus ober Gontraft jtDifdjen Naturbilb unb menfctjtictjer 
Ghnpfinbung ertjebt er fiel) tjoct) unb bie Vorgänge ber natürlictjen SCßelt geben 
itjm meljr al§ ba§ blo^e 6inleitung§motib ber Segrü^ung. 5Die Natur fütjrt 
er nirgenbi als 3 u rtcinb oor, fonbem in 93eroegung, unb ha» eigene roie 
ber |)örer 93ert)ältnife ju il)r fetjt er in |>anblung um. 3fn bem t)errttct)en 
f5früt)lingelieb (So die bluomen üz dem grase dringent 45, 37) jeigt er unä 
ben fyrütjling, roie er fid) regt unb rütjrt: 93lumen, ©onnenlid)t, Söglein — 
alles in brängenbem ßeben unb frötjlictjer 2t)ätigfeit. S)ie berounberte fixem fütjrt 
er uns bor Slugen in bem 'Moment itjrer @rfct)einung, it)rer SBirfung auf 
bie Umgebung, unb mit rounberbarem Silbe bergteicljt er ben alleß überftratjlen» 
ben Qcuibex, ben fie ausübt beim ^ereintreten in ben töreis ber oerfammetten 
Samen, mit bem 2lufgel)en ber ©oune, bor ber am t)cllen Nlorgentjimmel bie 
©terne berblaffen. ©ae ©emälbe bes 9Jtaien unb bas ©egeubilb ber grauen« 
fd)önl)ett l)ilft nur bie ©egenroart gleid)fam ctroas 3urüdfd)ieben in bie richtige 
©eficljtsroeite , in ber bas s Jluge fie erft orbentlict) bergleictjen unb prüfen fann: 



gg üüaltfjcr Don bei; s -üogcltrcibe. 

in ben £)örern folt baburd) bie bemufjte ftreube an bem f^eft bes Senaeß, bas 
mit bem ©lana fdjöner grauen unb ben gteijcn ber blübenben Watur bopbett 
btenbet, crft redjt fid) ftetgcrn, unb nacfibcm ibnen fcheinbar eine unmögliche 
2öal)t gefietlt ift , für einß ober ba$ anbere fid) ju entleiben, jotten fie an* 
gelocft nnrbcn, nun obne Untertreibung beibeß bereint au genießen unb bei 
«ßogetfang unb (Sonnenschein ben Sana mit ben ftrabtenben tarnen au beginnen. 
5Der ©ebaufe: „IDcaienroonne ift roeniger toertf) alß grauentiebe" geftattet fid) 
bramatifd), alß eine ungebulbige Slbfage, bie ber gteicbfam fid) anbreifenbe 9J?ai 
Dom Siebter erhält: „.öerr Sftai! üertoanbett eud) meinetroegen in ben ^QRätj ! 
baß »iE id) cber tragenalß bafj id) meine #errin fahren liefe". Sie -!perriict)= 
feit beß SDdoien aeigt SBalttjer 51, 13 in Söitfungen: er bergnügt, erfreut, be= 
lebt IRenfdjen unb Söget unb bie £)eibe, auf ber SBlumen unb $(ee mit einanber 
ftreiten: „Su bift fürjer, id) bin länger." Ober in (Sebnfucbt nach bem grüb-= 
ttng ruft er feine elften fiebern Vorboten: bie beginnenben Sattfpiele ber *öläbd)en 
auf ber Strafe (39, 1). 2Benn er Siebeßglüd mit Waturfreube bertnübft, fo lä|t er 
beibeß fid) burcbbringen : im £raum fiebt er fid) mit ber ©eliebten bereint unter bem 
Saume, bon bem bie Stützen ins ©ras nieberfaßen (75, 17), unb bem tiebenben 
9fläbcben legt er ben naiben Sßeridjt in ben $ftunb über ein feeimlicheß «Stell* 
bidjein auf ber |>eibe am 2Balbesfaum unter ber Sinbe , auf ber bie Wacbtigall 
itjr Sieb fang, ben tieblicfien Refrain ju ben greuben fünfter Siebe (39, 11). 
2Bie l)ier bie WacbiigaU all berfebtoiegene tbeilnebmenbe TOtoifferin, fo erfebeinen 
bie roilben SCBalbböget betrübt bind) bie JHage ber ^tenfdjen über bas (Slenb ber 
3eit (124, 30). Unb alß bie allgemeine Wotf) frobeß «Singen berbietet, ba fiebt 
ber Siebter , roie fid) aud) ein Äuglein berfiedt aus 3tngft bor ber Wacht unb 
flogt: ,,3d) finge nid&t, bebor eß tagt" (58, 21 ff.). 

2lus Watur unb s }ftenfcbenfeele f)ört 2Baltl)er benfelben Saut bon Svauer 
unb greube, fpürt eu benfelben .§aud) bes Sebcns. Sie Sdjönbeit, bie auf ben 
äöangen reiner grauen leuchtet , ift ibm ein Slbgtana ber bunten Slumenpracht 
auf bem Singer bee SBalbeß. gür t)eimlid)e «Sorge roeifj er fein beffer §eil= 
mittel, als an eble grauen ju benfen. SGßie bie .«peibe im grübting fid) rottet 
bom blübenben $tee, als fd)äme fie fid) bor bem äöalb, ber fdjon ergrünt, ibreß 
tointerlicben JHeinmutbß, fo berfd)eud)t SBaltber, roenn ibn bie Wotf) ber finftern 
SLage brängt, mit bem Silbe meiblicber ©üte allen £rübfinn. 9lber er fdjeint 
fid) felbft au toiberlegen: baß Glittet ift geiäbrlid). Sie ©ebanfen roenben fid) 
ber Sinen ju unb bie SBirfung ift überroältigenb, unerträglid) : lä stän! du 
rüerest mich mitten an daz herze da diu liebe liget. £)alb abmeftrenb erftidt 
bas Sieb im ^ubet beß liebenben -gjeraens (42, 15). 

SÖaltber treibt bie Objcctibirung nod) weiter, inbem er feine ©ebanfen unb 
(Smpfinbungen im. Warnen irember ^erfonen, auß ibrer Sage fierauß, borträgt. 
Sid) felbft fteEt er auf eine böfiere «Stufe, inbem er fid) gern einfübrt alß ben 
überlegenen, roett= unb menfebenfunbigen Sebrcr unb s 3Jtabner, at§ Unterroeifer 
ber Sfugenb, alß Sittenbrebiger, alß Watbgeber. Slber er fdjreüet fort biß ju mirf= 
Itcben bramatifchen Wollen, in benen er auftritt. 3llß fabrenber roeltgereifter 
OJtann bringt er neue Wacbricbten auß ber grembe mit unb trägt bann alß folebe 
baß Sob SDeutfcblanbß bor (56, 14). Um bem aurüdfebrenben Otto bie «gmtbigung 
ber dürften außaubrüden, nimmt er baß 5lmt beß gronboten an fid) , ber bon 
©ott Sotfcbaft ausrichtet (12, 6). 

SDtefer 3ug a" m Slramatifdjeu b'ägt fid) 2Baltber'ß Sidjtung je länger 
je mebr ein. 3tn ben Siebcßliebern bebanbelt er bie ©eliebte nun immer als 
gegenwärtig unb roenbet fid) mit feinen äBorten birect an fie. S)ie Dialoge er» 
balten ben (Sbarafter roirflieber ©efbräcfce mit funftboller Setflecbtung unb gra» 
aiöfer Steigerung ber ©ebanfen (43, 9. 70, 22. 85, 34). Sallabenartig componirt 



äßaltrjer Bon ber äJogelweibe. 87 

ift bas Sanjlieb: Nemt, frowe, disen kränz 74, 20, bas in toirffamfier Söeife 
SBergangenljeit unb ©egenroart, ü£raum unb SCßirfüc^fett conttaftitt. 

2ßic et bie ©eltebte apoftropljirt, fo aud) mtt Vorliebe ^erfonificationen : 
bie grau 9Jcinne als Kläger (40, 19) ober «gmljefudjenber, ber bei ber beliebten 
£ausfud)ung »erlangt (54, 37); bie grau Mäze als bon Siebesleibenfdjait SBe» 
brängter (46, 32); bie grau äöelt als ©trafrebner (21, 10. 33, 15. 37, 24. 
59, 37. 67, 8). ©eine 93itte um SJerbefferung feiner eigenen Sage enttoidelt er 
in f leinen bramatifdjen ©cenen, bie fidj) atoifcijen iljm unb bem ©lud ab= 
fpielen. @in älterer ©prud) (20, 31) t)ätt babei bie ©intjeit ber s Megorie nidjt 
fheng feft: ber Sinter ftet)t bot bem t)erfcf)lof|enen Surgttjor ber grau Saelde, 
toie ein äöaifenlinb , bergeblid) flopfenb , im ärgften Siegen — unb toirb babei 
bod) nidjt nafe. 2)as ift ber SOßitj: ber Stegen ift nämlid) bie greigebigfeit bes 
gtitften bon Qefterreid) unb trifft itm nid)t; bann aber nennt er tt)n eine 
blütjenbe «g>eibe , bon ber man fd)öne 231umen brechen fann, unb ^erftört bannt 
felbft bie 2Sirfung bes erften 33tlbes. SDßett fünftterifdjer erfd)eint baffetbe Wo- 
tib in einem fpäteren ©ebid)t (55, 35): grau ©älbe tt)eitt it)re ©aben ringsum, 
roenbet aber bem Siebter erbarmungslos ben Stüden; bergeblid) läuft er fort* 
toätjrenb um fie t)erum, i^re Sßorberfeite 3U getoinnen; enblid) reifet il)m bie ©e= 
bulb unb jornig roünfdjt er it)r bie 21ugen in it)ren Warfen , bafi fie itjn gegen 
it)ren SBitlen anfeb>n müfjte. 5Den $o] bon 2ßien läfjt er in einem Monolog au 
ifjm rebenb auftreten, unb mit tounberboHer $laftif roat)rt er bas 33itb : fRitter 
unb grauen finb babon; ©olb, ©über, Stoffe unb Kleiber finb berbraudjt; es 
festen bie tanjenben tarnen-, bas S)acf) bes ^alaftes ift baufällig unb bie 
äßänbe ftür^en ein (24, 33). 

(Sine böllig ausgeführte bramatifdje Allegorie mad)t ben Teufel äum SBe= 
fitjer eines 2ßittb>t)aufes, in bem bie 3öelt als lod enbe Sirne itjr SBefen treibt : 
JEBalttjer b>t lange bort gelebt ; nun toill er, ba er feine Siedjnung be^tt t)at, 
bon bannen jieljen, nad) £aufe (100, 24). — S)en leblofeften SDingen fdjenft 
28altt)er's $l)antafie $etföntid)feit, ©eftalt, Sollten: grau 58ob,ne bertoünfd)t 
er mit uns unberftänbttdjen ©ier^en (17, 25); ben Dpferftod fät)rt er an mit 
Her Stoc unb fluttet über itm jornige gragen (34, 14); ben -frerrn flJcai 
begrabht er mit gertngfdjätjigem äöunfd) (46, 30). ©o tritt er aud) ben 
gürften unb Äaifern , ben drängeln, feinen Stibalen immer unmittelbar mit 
feiner ^ßerfou gegenüber, roie feinesgleid)en fie birect anfpred)enb, begtüfjenb, er» 
malmenb, tabelnb, aud) (Entfernte bergegenlüärtigenb. 2lls er für ben in Italien 
abroefenben J?aifer gnebrid) roirfen toill, fingirt er eine Slnrebe an einen Soten, 
bem er einen Auftrag an feinen £errn eint)änbigt (10, 17). <5r liebt ei, roenn 
er ftd) auf -gmnbtungen ober Dieben anberer ^erfonen bejietjt, aus ber (Srjäbtung 
in bie leibhafte 23ergegenmäxtigung überzugeben, an irjter ©teile fbrecb^enb: bei 
ber erften (Sinmtjtung bes Klausners (9, 39); in bem ©ebid)t, ba? ^nnocen^ III. 
miberfptudjsboßes Sertjatten gegen Otto aufberft buref) toörtlidje 2Öiebetl)olung 
feines einfügen ©egens (11, 13); in ber SBiebergabe bes Dialogs jtoü'cben 
61)riftu8 unb ben Jüngern bom ^insgrof^en (11, 25), ber triumpljttenben 
•ipoljnrebe bes Sßapftes nacb; Sluffteüung bes Opfetftorfs (34, 5) unb öfter. 

«istoeüen fteigert fid) bas SDramatifdje feiner $oefte bis jum fötmlicb, 
s }Jtimif d)en: ber S)id)ter bermanbelt fid) in einen ©cb>ufpieler. Wit 
©ttmtne unb ©ebärben marfirte er im Vortrag offenbar bas 2öed)felgefpräd) 
3rr?ifd)en fiel) unb feinem knappen 2)ietricb; (82, 11), amifeben SBirtb, unb OJaft 
(31, 23); mit fomifcb; toixfenben ©eften gemife auc| ben bitter fdjerjenben 
©pottfprud) auf Dtto, beffen Wilbe er erft nad) feiner ßänge, bann nad) feiner 
ei)te gemeffen: ber frühere Stiefe fd)iumpfte ba jum Stoerg; bagegen , als n 
baifelbe «mafe an ben jungpn Äönig griebrid) gelegt l)at , ba touct)S biefer auf 



88 äBaltber bon ber Sßogclroeibe. 

in 9tiefengröfce (26, 33). $n bem unmittelbar boraufgehenben ©pruch (26, 23) 
bringt SCBattrjer es" fertig, mit Wenigen äBorten ein ganjei ©cbaufpielenfemble 
um fich 3U fammeln : ben SUater , ber feinem ©otm £et)ren gibt ; «gjerrn Otto ; 
ben Äönig ftriebrid). @r äroingt ben ^)örer, alle ^ßerfonen in ber ^Jfjantafie fidj 
anroefenb, rebenb, agirenb öor^ufteHen. 

Slucrj baä publicum jierjt er mit in bie Stetton unb rjierauä fliefjt 
ein großer Stt)eil feiner beften rjumorifiifctjen SBirfungen. Smsbejonbere liebt er 
es\ am ©d)lufj feiner ©ebidjte auf alle |)örer ober auf einen beftimmten 
gtabju losvjugefjen mit einer grage ober Slufforberung ganj unerwarteter Slrt. 
Sie nedenbe Ueberrafdjung , ein ^auptmittel feines" «gmmorS, roüijt biefe immer 
fjödjft anmutigen ^Beübungen. 2ll§ ihn $önig ^ijitipp an feinen -£>°f auf* 
genommen tjat, wirft er unmittelbar gegen bie ^)örer in ben Slusbrud feiner 
greube ben 3uruf: wol üf! swer taDzen welle nach der gigen (19, 37). $n 
ber Sefdjwerbe gegen ©erhart $fce, bie er gang gelaffen entwidelt, ruft er jum 
©djlufj plöfelid) nach einem Sibfpredjer : ist ieman der mir stabe? (104, 22). 
S)ie bitter geben, behauptet ber 2)icr)ter, ben grauen ©d)ulb an bem traurigen 
guftanb ber 2Belt; er teferirt bas rubjg unb fragt plö|Iid) in§ publicum hinein, 
natürlich befonbers ju ben Samen geroenbet: wer sol rihtenV (45, 6). üDie 
©räätjlung tion bem lieblichen -IRäbdjen, baS er früher fennen gelernt unb beren 
Neigung er gewonnen, unterbrich, t er jätj auf bie tan^enben 2ftäbd)en 
äufdjreitenb , für bie bas Sieb beftimmt ift: „OiücEt bie ^püte aus bem ©efidjt 
(bamit ich, eud) anfeljen fann) ! SöieEeicbt get)t bie (Befudjte in biefem Zeigen" 
(75, 5). @r feiert bie geliebte Herrin unb rürjmt bas" eble Äleib, baä fie 
trägt, itjren reinen ßeib; ben wolle er, obgleich, er fonft niemals fich, auf 
ben ©tanbpunft niebeifter ©picüeute tjerabgelaffen unb getragene ©ewänber 
nie genommen Ijabe, für fein ßeben gern gewinnen; felbft ber $aifer mürbe um 
biefen s ^rei§ ©pielmann ; unb nun bie burch, bopf elte ^ointe überrafdjenbe 
2öenbung an ben, wie natürlich, öoraus^ufehen ift, anroefenben $aifer (Dtto): 
da! keiser spil! nein, herre keiser, anderswä! (63, 7). 21t§ 5 l 'i e bnct) II. it)m ein 
ßetjen öon unerreichbaren Qrinfunften berliet)en Ijat, fd>erjt er, ba§ ßinfehä^en ber 
Pfaffen felbft (©erjönbaeb, 3eitfd)r. f. b. Siliert^, 39, 347) mürbe baüon feine 
greifbaren 9tenten bei ifjm entbeden, unb öerwanbelt bann plöijlid) ben Qtinfatl 
fdjeinbar in (Jrnft , öieKeicht auf Sßriefier im gutjörerfreis etwa tjinweifenb, mit 
Stufforberung unb fomifctjem, üielfagenbem äßinf : nu priieven her ! nü prüeven 
dar, son habe ich drinne niht! (27, 16). 

SSaltber toirb im ßaufe feiner (Sntmidlung im jjunetjmenben 9ttafje ein 
9Jleifter ber inbirecten, beranbeutenben (Sharafteriftif. Surch einzelne concrete 
3üge, bie auf bie ^ßhantafie unb bie Stimmung mtrfen, weifj er ißeifonen unb $u* 
ftänbe, ,£>anblungen unb ©efühle ^u Oeranfchaulicben unb nachleben ^u laffen. ©einen 
eigentlich metaphonfehen Slusbrud fdjöpft er au§ biblifcher, theologifcher, öolfötljüm* 
lieber ileberlieferung. ©ein Junior, nicht fo urwüchsig aber auch nicht fo bizarr 
at§ bcr Söolfram^, arbeitet mit ben Rütteln ber lleberrafchung unb be£ 6on= 
traftefe. ßr ift geneigt ju üerbüllen unb 9tätbfel aufzugeben, bie er nur batb Ibft. 
(5r ironifirt unb übertreibt. (£r geftattet fich äöortfpiele. @r liebt über alleä 
bie im (Gelächter plahenbe ©d)tufepointe. SDer öjruubjug biefe» ^umorä ift finb= 
licheS Mieden , liebensroürbigfte ©chalfbaftigfeit. 2lber, too ba% Sieben ben jart= 
organifirten Siebter jufammenbrüdt, ba wirb biefer ^>umor aud) grimmig, fdjarf 
unb beifeenb unb fchlägt äöunben , aber niemals wirb er menfehenfeinblich , ge= 
häfftg, niemals fall unb giftig. 25a8 Temperament Sßaltber'S erfcheint als eine 
s )Jiifcb,ung öon humoriftifcb=fanguinifdben unb choterifd)uuelancholifd)en Elementen, 
complicirt icbesfaüS, Wie e§ reichen unb fenfibeln Naturen eigen ift. SBaltber'g 
©til im engereu ©inn bcS SBortS, feine ©pradje, feine metrifc|e unb rl)t)thmifche 



SBaltfjer r>on bet Söogelumbe. 89 

ihinft bemätjren itjn Bei näherer llnterfudjung alä ben genialften 23er)eufd)er ber 
poetifdjen gorm , ber alle überlieferten ©djätje fd^öpferifd^) berroertrjet unb be= 
reihert. 

gür ben gerammten 9Jlinnefang bei 13. Satjrlmnbertö unb für ben Dladj* 
Hang beS 14. ^atjrrjunbertä f)at Söatt^er ben £on angegeben, ben äöeg gemiefen. 
2JHnne= unb ©pructjbidjter, ernfte unb Ijumoriftifdje Naturen, im ©üben roie im 
Sorben, tjaben bon feinem @rbe ge^e^rt. 2)en fatjrenben bürgerlichen Sängern 
Ijat er bie 33alm frei gemalt unb bie ©djranfe niebergelegt , bie nad) alter 
Xrabition iljr Repertoire auf letjrtjafte (Stoffe befctjränfte unb bom ^Jtinnetieb 
augfdjlofj. Sllsi ein ^Befreier, atä ein 2lusgletd)er ftänbifdjer ©egenfätje t)at er 
gemirft. ©eine neue Setjanblung be£ einigen Stjemae öon ^rauenreij unb 
9iaturfd)önt)eit , feine tebenbige ©rjmboli! unb Äunft ber Allegorie, ber $er= 
fonification ift Don ungezählten gcfd)idten unb plumpen ©eiftem nadjgebilbet 
roorben. (Sine ®efd)id)te beä 9iad)teöen§ SBaltljer'fdjer ^Jlotitie unb äöalttjer'fdjer 
Sedjnif märe eine ber lotjnenbften litterartjiftortfdjen Aufgaben, für bie in 
2ad)mann'3 unb SBilmanns' Sluägabe fotoie in mandjen anbern arbeiten zum 
2Jtinnefang ^erftrentei Material geliefert ift, unb mürbe bis über bie Glitte be§ 
14. i^arjrtmnbertä rjinabfüljren. S)abei mürben nad) 3"* un ° ©egenb , nad) 
focialer ©tellung unb poetifdjem Salent bie mannidjfaltigften Slbftufungen ber 
2lbr)ängigfeit fid) unterfdjeiben laffen. 9lm nädjften ftetjt SBaltrjer ber ÄreiS 
feiner zeitgenöfftfdjen, perfönlidjen ©djüler: bie tiroler 9tubin (f. 51. 3). 35. XXIX, 
432), unb ßeutolb öon ©eben (XXXIV, 73), ber ©crjmei^er Utrid) bon ©ingen= 
berg (XXXIV, 390), bemnädjft ber ©teirer Ulridj bon Siedjtenftein (XVIII, 620), 
audj ber fat)renbe ©djtoabe Warner (XX, 396). 2lber aud) bie testen ©pät= 
linge geigen oft genauefte ß'enntnif} be§ unerreichten ^ReifterS. 5lud) i>a% 3Bieber= 
auftauchen beä böttig Söergeffenen feit bem 2lu3gang be§ 16. Sarjrljunbertä unb 
bie aHmärjtidje SÖieberentbedung feiner oerfdiütteten ^errlict)feit lofjnte eine 
monograpt)ifd)e llnterfudjung. 



Wan fann alle ©idjtung in jmei grofje Glaffen fdjeiben: bie eine umfaßt 
bie temporären Söerfe, bie mit unb in iljrer 3 e 't leben, blüt)en unb fterben; 
bie anbere jene, bie, mit etoiger 2)afein3fraft unb ^ugenb ausgelüftet, über ben 
SBanbel ber (Spodjen bauern. äöalttjer gehört ju ber jmeiten, ber rjöfyeren Glaffe, 
beren beibe 5ßote ©t)afefpeare unb ©oettje bejeidjnen: jener ber unperfönlidjfte, 
biefer ber fubjectibfte Siebter; jener ber berförperte S)ramatifer, biefer ber reinfte 
SlnpuS be§ ßrjriferi; aber beibe jufammen offenbaren baS gemeinfame ©etjeimnijj 
bid)terifd)er ©röfje unb itjrer unbergänglidjen äßirfung. SBeiber Äraft fliegt au8 
einer Quelle: au8 ber ßdjtfjeit beä bargefteEten ßebenä. Sludj Söaltrjer t)at 
ein föedjt, in it)ren .ßreiS gerüdt ( }u merben, unb jmar nätjer an ©oettje. ©eine 
poetifdje 93ebeutuug rut)t roie bie ©oettje'ö ganj in bem perfönlidjen 6lement 
feiner Äunft. ©leid) ©oett)e ift er im ©oetf)ifd)en ©inn ©elegent)eit§bid)ter. 
Sn feinen Siebern unb ©prüdjen lebt er felbft mit feiner ganzen ©jiften^ , teib= 
tjaft, mit rebenber ©timme, in Erregung unb 33emegung, Ijörbar , fid)tbar. ßr 
tljeilt mit ©oettje bie aufecrorbentlid)e Receptibität, bie jeben (Sinbrud auffaugt. 
6r übertrifft it)n burd) bie Energie unb ©djlagfevtigfeit, mit ber er jebe poetifdje 
©enfation toieber au§ fid) l)erau§ fe^t, fte fünftterifd) geftaltet. ©leid) ©oetrje 
gebietet er über aüe ©djä^e ber naibett ©pradie; gleid) ij)m mei§ er in feine 
33erfe atten Räuber lebenSboHer 23üb(id)feit , allen mufifalifdjen SBo^Ilaut unb 
allen rt)t)tl)nüfd)cn gieij p bannen. 2fn bem Zeitalter ber ©ebunbenljeit, ber 
Slttmadjt ber ftänbifdjen Slffociation unb ber corporatiben ©lieberung ragt äöaltliev 
burd) eine g-ülle unb ©tärfe inbibibuetten 53eben§, eigenfter (Jmpfinbung unb 



90 SBaltfyer üon ber 23ogelwetbe. 

5ßt)antafie Ijerbor, bafj man tt)n mit 9fcdjt ben einjig mobcrnen unter allen 
mittetattertictien 2>ict)tern genannt Jjat. Unb boctj beurteilt man itjn ungerecht 
unb falfd), feine Äunft mie leinen fittlictjen (Stjarafter, menn man im @rnft 
moberne s ]Jtajjftäbe an it)n legt. @r murmelt trotj aEem unb aEem im 9Jtittel= 
alter, in ben focialen unb litterarifctjen guftänben feiner Seit, bie toon un3 
burd) 2lbgrünbe gefctjteben finb. Unb aud) ber 2}ergteid) mit (5$oett)e, fo treffenb 
er in mancher <g)inftd)t erfctjeint , fo menig läfet er fidj mirflid) burdjfütjren. 
©oettje ift ber grofje ^erjengfünbiger : bau Seelenleben ber ^nbiüibuen , in§= 
befonbere ba§ eigene , gibt itjiu fein £t)ema. 23erfagt aber mar e§ tljm , ba8 
Seben einer ®emeinfd)aft Don 9Jtenfdjen , eineä 23olfe£ ober Staates, poetifd) ju 
erfaffen. @r mar im eminenteften Sinne ein unbolitifctjer Siebter, äßalttjer 
hingegen, ben aEerbing§ einer ber genialften unb urfbrünglidbjten 2t)rifer aller 
Reiten, <£)einrid) -!peine, in feiner SDenffdjrift über SSörne (Alfter 7, 104) ben 
größten beutfdjen £ürifer genannt tjat, befitjt jene getjeimnifjüoEe ©runbfraft ber 
eckten ßrjrif, bie bal mnerfte Sdjmingen unb SBogcn ber Seele tjinauetönt, nietjt 
in noEem, jebenfaEl nid)t im tjödjften 9Jlafje. ©emifj, er tjat ßieber gef Raffen, 
au8 benen un8 bie tjeimlidjfie Regung beS @emütf)3 mit ber aaubertjaften 5Mobie, 
in ben anfctjmiegenben 9tt)ütf)men ber magren ßtjxil unmittelbar anä £erj raufetjt, 
aber meiftens" [teilt er ba§ (ReidE» ber ©efüfyle metjr beobadjtenb , metjr au6 ber 
gerne , mit btjantafieooEer Setractjtung bar. ©ein eigenfter , fein befonberfter 
unb föftlictjfter 33efitj, ba§ ift feine Spmctjpoefie. @r ift im eminenteften Sinn 
ein botittfetjer 2)id)ter, üieEeictjt ber größte aller 3 e i*en unb Golfer. i2fn feiner 
politifetjeu 2)id)tung umfaßt er ba§ ganje Seben feiner <5pod)e: ba§ ftaattidje 
mie bas fittlictje. Sitte bemegenben ^agen unb ^nterefjen, alle geiftigen Äämpfe, 
alle großen (Sreigniffe, alle gefeEfd)aftttd)en unb litterarifdjen Strömungen feiner 
3eit finben an it)m ben ttjeilnetjmenben 3ufctjauer, ben gebanfentootten SBe= 
urttjeiter , ben erregten 2Jcitftreiter, ben fouberänen SarfteEer. SDie ganje 2Belt 
beä bcntfcf)en 2JUttelalter§ Riegelt fid) in feiner ^oefte: nietjt fo »ie fie in 
2üirflicl)feit mar, fonbern mie ein marmblütiger 9Kann, in ben abliefen Greifen 
ber Nation ermactjfen, aber über fie tjinaugblidenb , boE tjotjen Strebend unb 
glüfjenber SBaterlanbsliebe , tjeftig in feinen Neigungen unb tjejtig in feiner 
geinbfct)aft, tafd) in Gmtfdjlüffen unb Srjmbattjien , embfinblid) unb nerböä, 
toecrjfelnb in feinen Stimmungen gleict) einem Äinbe , aber auet) fo t)eE unb 
fonnig unb tactjluftig mie ein Hinb , babei ein tieffinniger Äenner menfd)lid)er 
5latur, im SBefitj ber feinften unb ebelften S3ilbung beö Seitaltexä , aber audj 
öertraut mit ber 2Bei§t)eit unb ber 3lnfct)auung be§ Solfeö, auf tjarten Der» 
morrenen äßegen be§ SctjictfalS geftätjlt unb buretj aEe dualen enttäufctjter 
Hoffnungen geläutert, burd) aEe§ ©lüct unb aEe§ Seib ber 2iebt unb be8 <!paffeä 
gemeitjt, au§ irbifetjer 9iott) unb 33ebürftigfeit aufmärtS fetjauenb 3ur göttlichen 
Siebe, immer ringenb , immer in SBetoegung, unbermüftlirf) — toie ein foldjer 
9}tann bie SBelt be§ jmötften unb breijetjnten 2{ab;rt)unbert§ auffaßte. ®as S3efte 
aber, mal biefe§ tjerrlicbe 5Jlenfctjenbilb fein eigen nannte, fam ir)m aus ben 
unerforfcb/lidjen Urtiefen ber Sdjönb^eit : e8 ift ber borgen glan^, ber über feinen 
Schöpfungen mebt, bie ttjauige ßeben§frifct)e , bie barin atb^met, ber gefunbe 
5put8fctjlag ber^ugenb, ber fid) in itjnen regt unb ba§ Sbenmafe i^rer mannict)= 
faltigen 9tt)t)tl)men unb go^men burct}bringt , bie flare Stimme ber Statur, bie 
baraul Ijerborbricbt, fo ooE unb fo ftarf mie auS bem btütjenben 2Batb, menn 
im grütjting bie SSögel jubitiren unb bie 23äume flingen unb bie Sonnenlictjter 
fpielen. 

Sie miffenfeftafttietje gotfdjung über SBaltfjer beginnt mit Ub^tanb'S noc§ 
bleute nicfjt entbeb^rlictjer, liebeüoEer 35iograöt)ie: 2öattt)er öon ber 33ogelmeibe, 



SBaltfjer bon öer Sogetroeibe. 91 

ein altbeutfcrjcS ©idjterlebcn. (Stuttgart unb Tübingen 1822 («Sd^riften jur 
(Seilte bei- Sichtung unb ©nge, 33b. 5, 1870, ©. 1—109). 3$m geroibmet 
„jum ©auf füi beutjetje ©efinnung, ^oefie unb ^oijdjung" erfdjien 1827 Äarl 
ßa^monn^ etfte roiffenjd)ajtlid)e 9tu§gabe ber ©ebid)te 3öaltrjer'§, bie in @in= 
^elrjeiten bet Xejtrjerftettung unb ber dijronologifcrjen SBeftimmungen längft übet= 
t)olt, bod) btö tjeute bie einzige geblieben ift: bie alleinige ©vunbtage aller ernften 
Sejctjäftigung mit bem 2>id)ter. ©ie liegt, bon £)aupt unb 9Mtlenrjoff berichtigt 
unb ergänzt, gegenwärtig in 6. Auflage bor. ©erjon baä 3ar)r 1833 brachte 
eine lleberfeijung bon ©imrod, mit einem reidjtjaltigen Kommentar, beffen ätoeiter 
SEtjeil bon Söademaget £)enüt)rt unb befonberä toertt)bott ift. Seiber blieb er 
in ben jpäteren Auflagen fort. — ©en bollftänbigen 2Bortfd)a£ Söaltfjer'ä 
üerjeicijnet ,g)otnig3 ©loffarium (£}ueblinburg 1844). 2Me nad) 8ad)mann er» 
jdjienenen ausgaben entbehren beö bollftänbigen rjanbfdjriftlicrjen 33arianten= 
apparate§: jroci commentirte, bon fixan^ Pfeiffer (Öetpjig 1864, 6. 2luft. 1884) 
unb 20. SBilmannä (£alle 1869, 2. 2Iufl. 1882, ba^u ©djerer, «njeiger f. b. 
2Utertf). 10, 305 ff. [AI. ©djnften 1,627 ff.]., brei ftitifdje: bon SBarfernagel 
unb Stieget (©iejjen 1862), ßatl ©imrorf (Sonn 1870)), «ßaut (£atte 1882, 
2. Slufl. 1895, ba]u Beiträge 8, 161 ff.) , äöUmannä (£alle 1886). 3cbe 
biefer ausgaben tjat ifjre befonberen Serbienfte , am fcrjtoädjften ift bie Seiftung 
©imrod's unb $aul'3. Söllig mertt)toä ift ber lejt, ben bon ber Jpagen'8 
^innefinger geben , roäfjtenb feine ungeorbnete unb gana unfritiferje ©aiftetlung 
oon SBaltfjer'S ßeben (9Jcinnefinget IV, 160 ff.) bereinaelteä brauchbarem «Diaterial 
birgt. Seacijtung berbient aud) bie ftitifd) t)ergeftellte 2tu§roarjI in SattfdjenS 
beutfd)en 2iebetbtd)tern (Ceipaig 1864, 3. Slufl. 1893), in geringerem Utafje Die 
©d)ul= , be,}. populären ausgaben oon Sedjftein , £ornemann , $faff. — 9iid)t 
bergeffen baif werben -Jflcir. 9tieger'3 ieinfinntgeS unb felbftänbigeS Seben 28altt)et'8 
bon ber Sogelroeibe (©iefcen 1863). — fyür bie fritifdje (Stfenntnifj ber 
lleberlieferung 2Baltb>r'§ Ijaben Öadjmann, Senede (Beiträge jut $enntr.if$ 
ber altbeutfcfjen ©pract)e unb Sitt. IL, ©öttingen 1832, ©. 301 f.), SBilmannä 
(Seitfdjr. f. b. Slltertt). 13, 217 ff.) ben ©runb gelegt. 

lieber bie tueitere gotfdjung bii 1880 unterrichtet 20. Seo, Sic gejammte 
ßitteratur äÖaltrjer'ä bon ber Sogelroeibe (äöien 1880, baau s Jlac^träge bon 
91. «Dl. Söerner, ^inaeiger f. b. 2lltertf)Uin 6, 353 ff.; ßöfdjrjorn, 3eitfd)r. f. b. 
©bmnafialmefen 34, 501 ff.; Sit. Genttalbt. 1880, ©p. 1424 f.). 

5ßon jüngeren Stiftungen feien genannt : $. Surbad), 9teinmar ber Sitte unb 
2öaltf)et bon ber Sogeltoeibe. Sin Seittag aur ©efdjidjte beS «Dlinnefangg, 
Seipjig 1880 (ba^u äöilmannä, «njeiger f. b. Slttert^. 7, 258 ff.). — 2B. SBil« 
mannS, ßeben unb Sitten aßalt^er'8 bon ber Sogetroeibe, Sonn 1882 (baju 
öurbac^, Slnaeiger f. b. ?lltertt). 9, 239 ff.): ein äujjerft roert^boHeg, reid)f)altige8 
unb bequeme» ^anbbuet) ber 2Öaltl)eriorfd)ung. — Sine populäre, anregenbe 
SBiograpfjie gab 51. @. ©c^önbad) (Söattfjer oon ber Sßogelroeibe , ein ©über- 
leben. ©reSben 1890, 2. 3lufl. 1895 mit einem bibtiograprnfdjen Sln^ang; 
baju ejegetifd)e Seiträge, 3eitfd)r. f. b. Slltert^. 39, 337 ff.). 

3lu§ ber jum Serflänbnife ber ^iftorifdjen Sejiefiungen bienenben ge« 
fd)ic^tlicb,en ßitteratur finb bie 2Berte Söinfelmann'g am roid)ttgften : fein ,,^t)iüpp 
bon ©d^roaben unb Dtto IV. bon SSraunjcfjröeig" (ßeip^ig 1873—78) ift oben ein* 
fad) nad) ber Sanbaaljl ob^ne roeiteren SEitet citirt. Slnbere in S3etrad)t fommenbe 
Schriften (bon ©c^irrmac^er, ßnoc^ent)auer, ÄroneS u.f.ro.)beraeid)net fflilmann« in 
leiner SBiogtaptjie, bod) bleiben au^erbem immer nod) 3lbel,.$?önig^l)ilipp betten« 
ftaufe (Berlin 1852) burd) lebenbige 8luffaffung unb ©arftettung foroie burd) reiche 
»elege au§ ben Queüen; ipurter , ©efd)id)te $apft Snnocena' be« ©ritten unb 
feiner ^eitgenoffen (Hamburg 1836—1842) burd) eingefjenbe 9lüdfid)t auf ba§ 



92 SBalrtjer. 

Ätrd&liccjß; Sangerfelbt, $aifer Otto ber Vierte (£annober 1872) burdj mandjen 
einaelnen NacfjroeiS roertb>ott. 2lud) bebütfen jejjt Söinfelmann'S djronologifd^e 
SSeftimmungen fdjon mefwadt) ber «eridjtigung , bie trjeiltoeife in neueren ©pe= 
cialunterfucrjungen gegeben ift. 21m eifrigften rjat bie l)iftorifd)e ftorfcfjung ben 
©treit aroifdjen ber Surie unb beut ßaifertljum bet)anbelt: 9t. ©db>emer, 
Snnocena III. unb bie beutle ßirctje toä^renb be£ SfjronftreiteS (©trapurg 
1882); Sinbemann, Ärit. ©arft. b. «ßerrjanblungen $apfi ^nnocena' III. mit 
ben beutfctjen ©egenfönigen (^Jtagbeburg 1885. Programm Nr. 239). Sie 
potitifcrje ©eite ber SBarjlfrage bei 9Jtaurenbrect)er , ($efcf)icrjte ber beutfct)en $ö= 
nig§toaf)ten (Seidig 1889), ©. 181 ff.; föobenberg, 2Siebetl)olte beutfcfje $ö« 
nigStoarjlen im 13. Sar^rrjunbett (23re3lau 1889), fotoie in ben ©iffertationen 
bon ©euffen (fünfter 1879), (Sngelmann (Breslau 1886), ©oenifc (#atte 
1891). — fyür 2Battt)er'§ 93eaierjungen ju Defterreid) mufj man jetjt bctücf» 
listigen: Surttfdt), ©efcrjtdjte ber «abenberger (^nngbrucf 1894). — 2öict)tig 
finb audt) bie 3at)lreict)en ^onograprjien über bie $irdjenfürfien ber 3eit: 
2lbolf oon Äöln, £ubolf Don OJtagbeburg, $onrab bon Ärofigf, Engelbert bon Äötn, 
SBoIfger Oon ^üaffau u. f. ro. , fotoie über bie s £äpfte .jponoriuä III. (Staujen, 
Sonn 1895) unb ©regor IX. (gelten, greiburg 1886). — »efonbere 93e= 
adgtung betbient bie^reujaugSlitteratur: über ßreualieb unb Äreuaprebigt 
Sßolfram, 3eitfdt)r. f. b. Sllterttj. 30, 89 ff. (in ben (Srgebniffen nur 3um £fjeil 
fidler) ; jonft bie arbeiten bon Nöfjrict)t, £)oogetoeg, 9tiant, ©treit, Jpopf. lieber 
alt bie§ geben bie bekannten rjiftorifdjen Quellenfunben unb 23ibliograpf)ien 
näheren NacrjroeiS. Slüein nüfelicrjer als bie gelehrte Sitteratur ber mobernen 
#iftoüfer auSaufdjöpfen bleibt immer noct) ein unmittelbares ^urüctgerjn auf bie 
mittelalterlichen f)iftorifdt)en Qu eilen felbft, nict)t btofe auf bie autrjentifdjen, 
bie unferc moberne ©efctyicrjtSforfcrjung berücfficrjtigt, fonbern auet) gerabe auf bie oon 
ib,r bei ©eite gelafjenen unfritifetjen, befangenen, parteiiferjen, fabutirenben, foroeit 
fie gleichzeitig finb. 2)enn gerabe biefen fieljt ber Siebter, ber ©timmungen be= 
ftimmter Greife feiner 3«t, nidjt bie objectiüe Söarjrfjeit roiebergibt, oftmals am 
nädjften. S)ie trefflichen Regesta imperii Oon 23oer)mer, Rietet , äöinfelmann, 
9Jteitter'S Üiegeften ber 93abenberger unb $ottfjaft'S Regesta pontificum eröffnen 
ju ben Nactjrictjten ber 3 c 'tgenoffen ben bequemften 3 u 9 an 9- ^^ botftetjenbe 
biograptjifdje Slbrifc , ber auf erneuter 2)urcr)arbeitung unb Nachprüfung ber ge= 
fammten gorfct)ung über baS Seben beS $>icrjterS beruht, fefet bie üon SadEjmann 
eröffneten unb meitauS am glänaenbften burcfjgefütjrten Bemühungen fort, 
SÖaltfjer'S ©prüct)e ju erffären buref) bie naitien ©timmen feiner lateinifdt) fct)rei= 
benben 3 e itgcnofjen , unb fucfjt barin über bie bisherigen Srtenntniffe IjinauSau« 
fommen. 

Vorarbeiten ju einer tünfttgen erjct)öpfenben ^Inattjfe unb (£t)arafte = 
riftit ber poetifdt)en iiunft 2Baltt)er'§ gaben: $. SBiganb , ©et ©til 
äöaltfjer'S öou ber 9}ogelroeibe (Harburg 1879); mein SBudt) über Steinmar unb 
Sßatttjer; SS. ©ccjerer'S ©ejcf)ict)te ber beutfäen Sitteratut (©. 204—209, baju 
feine oben angerührte Sftecenfion bon SBilmanne' Jtoeitcr Ausgabe); bie S3iograpl)ien 
Pon äßitmannS (baju bie Einleitung jur jrociten Bearbeitung feiner Ausgabe) unb 
bon ©erjönbadj; @. ^amann, ber Junior 2Battt)er'S bon ber SBogelroeibe 
CSftoftodEer 5Differtation 1889). Surbadt). 

SÖalt^cr: S)er ^ünftlerfamitie 30. gehörte roät)renb beS fcdt)§äet)iiten 
unb fiebaet)nten Satjrrmnbertä eine 9teib,e ber bebeutcnbften fäcrjftfcrjen Sitbtjauer 
unb 2lrct)ttelten au, bie nidjt nur bem Äuiiürften bon ©act)kn , fonbern auet) 
bem 2lbel be§ l'anbei unb ber 23ürgerfct)a!t SreSbenS toefenttidtie 2)ienfte geteifte! 
unb itjren Namen roeit über bie ©renje ©actjjenS InnauS glän^enb befannt ge= 
maetjt b^aben. Xa bie Familie äö. roeit berjroeigt mar unb bie Duetten über 



Söaltfjer. 93 

jie nur beweiben fliefjen, enthalten bie bisherigen Angaben über itjr SBttfen 
mancherlei ^rrttjümer unb Bermedjfelungen , meStjatb grofje Borfidjt bei ifyrer 
Benutmng geboten ift. 911S an ber ©pifee biefer Familie ftetjenb mürbe bisset 
immer .g>ieronrjmuS 2ö. genannt unb behauptet, bafj er bem im $. 1527 öer= 
ftorbenen ©egner ber Suttjerifdjen Deformation, JpieronrjmuS (Smfer, ein prädjtigeS 
@pitapt)ium auf bem ehemaligen öwiuenfirdjijof in SDreSben errichtet rjabe , öon 
bem mir roenigftenS nod) eine 9tad)bitbung in einem ber jtoeiten 9luSgabe öon 
6mfer ; S Ueberfetmng beS neuen üEeftamenteS (Seipjig, B. ©djumann, 1528, 89) 
beigegebenen $upferftid)e befitjen. Bei biefer Behauptung aber rjat man baS in 
ber $nfd)rift öorfommenbe SBort: consecravit falfd) gebeutet, ba eS ntd)t mit 
errietet, fonbern mit — geftiftet überfetjt merbeu barf. .gueronrjmuS SB. mar 
fein Bilbrjauer, fonbern ein Kaufmann, ber als Factor eines SOßelferfdjen 
ßomptoirS in Seipjig lebte unb über reidje Mittel öerfügt ju tjaben fdjeint. 
Gr flammte öermuttjlid) aui Nürnberg (nad) einer anberen, unmatjrfdjeinlidjen 
2lngabe auS £)e[terreid)) unb unterhielt ju ^irdtjeimtr unb Ca^aruS Spengler, 
ber al§ fein ©djulgefell bejeidjnet mirb, briefliche Beaietjungen. 2luf ber anbeien 
©eite ftanb er GodjläuS natje unb gehörte <$u ben eifrigften ©egnern ber ÜRefor= 
mation in ©adjfen, morauS fidj auctj bie fjfreunbfdjaft mit (Smfer unb fein nat)eS 
Berfjättnijs ju bem &erjog ©eorg öon ©adjfen leidjt erflärt. (Bgt. bie ^loti^en 
Ui 3. B. Üiiebner, 9iadjridjten aur £irdjen=, ®elet)rten= unb Büd)er«©efdjidjte. 
Slltborf 1764, I, 80—95, 337—344; ^ot). £eumann , Documenta literaria. 
Altorfii 1768, ©. 66, 74, 120; ©. 38. ^anaer, Berfud) einer ©efd)icf)te ber 
römifd)=catl)olifd)en beutfdjen Bibelüberfetmng. Nürnberg 1781, ©. 54.) SBenn 
man alfo in guhmft |>ierontimuS 2ö. nid)t metjr als 9Jcitglieb ber Äünftler= 
familie 20. »irb anfütjren fönnen, fo finbet fid) bod) in SDreSben eine fo grofse 
Slnjacjl öon ^ünftlern gleidjen WamenS, bafc mir faum nod) beftimmen lönnen, 
in meldjem öermanbtfdjaftlidjen Bertjältnifj fie ^u einanber geftanben fmben. 
$n ben 2)reSbner Bürgerbüdjem merben genannt ßtjriftopt) ber Weitere unb ber 
jüngere, £>anS, SlnbreaS, 9JUd)aet, ©ebaftian unb (Srjriftopt) Slbratjam 2S. 
3u biefen fommt nod) ein (Stjrifiopt) SB. auS üDreSben, ber im $. 1539 in 
ßeipjig bie Brunnenfigur auf bem ^auliner ,$ird)l)of anfertigte. 9lm be= 
fannteften unter itmen t)at fid) .g>anS 28. gemadjt. <5r mar im 3- I 526 in 
Breslau geboren unb fam öermuttjlid) fdjon als J?inb mit feinem 23ater, ber in 
©reiben Bürgertest erlangte, in bie fädjfifdje |>auptftabt. 2lm 2. ^JJlärä 1548 
mürbe er felbft als 2)reSbner Bürger öereibet. Bei feinen Mitbürgern erfreute 
er jid) großen 2lnfet)enS. infolge beffen mürbe er fctjon im 3- 1561 9iatt)S^err 
unb, obmol etft 45 ^a^re alt, im 3. 1571 einer ber brei Bürgermeifter. %m 
3. 1572 fertigte ber berühmte ©reSbner 2Jteijier SobiaS SBolff eine Mebaitte 
auf iljn an, auf ber er mit bem Sixld in ber <^anb bargeftellt ift. 6r ftarb 
in bemfelben 3fa^re, mo er baS 9lmt eines regierenben BürgermeifterS inne chatte, 
am 10. September 1586. Bon feinen SBerfen finb bie meiften ber gevftörung 
anheimgefallen, unb ein anberer SE^eit läfjt fidj nidjt metjr beftimmt nadjmeifen. 
BiSljer mufete man, ba^ er baS hobelt ju bem im 3- 1582 öollenbeten 2^uim 
ber Ärcuafirdje entmarf, alfo aud} als ?lrd)iteft tljätig mar. Bon feinen Bilb= 
rjauerarbeiten finb folgenbe befaunt: 1) ®er fteinerne Brunnen auf bem Unter= 
marfte öor bem töatrjrjauS in ©örlife, ben er öom 4. «üiai bis (Snbe September 
1565 anfertigte. 2) (Sin nidjt näljer bezeichnetes Bilbmerf, baS er im 3. 1567 
nad) einem s JcedjnungSöermerle in ber Äämmereiredjnung für 8 fl. 48 gr. für 
baS ®re8bner Stat^QuS tjerfteltte. 3) @in Ijeute öerfdjollener Saufftein für bie 
S)resbner Äreujfirclje öom äa^e 1568, für ben ifjm nad) ben BrüdenamtS= 
redjnungen 500 fl. auSgejat)tt mürben. 4) 2>er 2lttar ber Äreujlndje, ben er 
im % 1572 auf Befefjl beS Äurfürften Stuguft, aber auf Äoftcn beS ©rafen 



94 äöalttjer. 

Slnton üon Dlbenburg als 9lnbenfen an ben am G. Sluguft 1570 au SE>re§ben 
üerftorbenen ©raren (ifjrijttan VIII. ju Dlbenburg unb 2)etmenf)orft für bie 
Summe üon 800 üEtjalern ausführte, unb ber gegenwärtig feine 2tuffteUung in 
ber 9Innenfird)e gefunben tjat. Reibet nidjt mefyr in feiner urfprünglidjen ©eftatt 
erhalten unb burd) bie ©iniügung bei jfanjel entfteüt, ift biefev 2Iltar bod) als bie 
erfte ber in ©adjfen angefertigten '■Dtarmoraibeiten üon großem 3fntercjje unb jomol 
in arctjitet'tonifdjer |)inftd)t lote in feinen ptaftifcrjen Sttjeitcn üon tjoljer Sollenbung. 
3u biefert fdjon früher befannten, auf fädEjfifc^em SBoben entftanbenen 2ßerfen 
fommt nad) einer 33ermutt)ung ©tedje'i, bie einer genaueren 9lad)prüiung wert!) 
fein bürfte, bas Schweriner ©djlofjportal , bas im 2lm6au unb S)urd)jüt)rung 
grofce 2ler)nlicr)feit mit mehreren benjelben 3weden bienenben fäd)fifd)en 93tonu= 
menten au§ jener 3 ei t *)°t- Uuterftütjt wirb biefe SBermuttjung burd) bie ü£l)at= 
fadje, bafc ber ^erjog ^orjann 2Ubred)t I. üon 9ttedlenburg mit jädjfifdien 
Söerfmeiftern unb ©teinmetsen in Serbinbung ftanb unb bie Steine jum Sau 
ber ©djmeriner ©d)lotjfird)e aus $irna fommen liefe. Söenn wir nun t)ören, 
bafe ber <g>er<wg im %. *560 perfönlict) in ^irna eine fteinerne Xrjürüerfleibung 
bei bem ÜBilbtjauer ^ans 2öald)er in Bresben beftettte, bie im $. 1561 fertig 
würbe unb als Eingang für bie ©d^to^capeUe biente, unb weiter erfahren, bafc 
berjelbe £an§ 2öald)er im 3. 1562 nod) ein nachträgliches Honorar für biefe 
Äirdjentljür bewilligt erhielt, fo liegt es nalje, biejen £ans 2Bafd)er für ein unb 
biejelbe ^erfon wie .Ipans 2ß. au galten unb einen ©d)reibfet)ler in bem 
©djmeriner föentereiregifter, bem biefe Angaben entnommen finb, anaunetjmen. 
(Sgl. ©. S. g. £ifd) , ©eftf)id)te ber fürftlidjen 9tefibena=©d)löffer au äöismar, 
©djmerin unb ©abebujcfj. (Schwerin 1840, ©. 53, unb griebrid) ©arre, 33ei= 
träge jur Sftecflenburgifdjen ^unftgefd^id£)te. Berlin 1890, ©. 98.) 

ßbenfo bebeutenb wie £ans 2B. war fein Setter (Styriftopf) 20. Sr war 
im %. 1534 in Breslau geboren, fdjeint aber, obgleidj adjt %a\)xt jünger al§ 
-grnns 2B. , fdjon in bebeutenb jüngeren $ar)ren feine ütrjättgfeit alä Silbfjauer 
begonnen au tjaben. (Sr würbe am 11. ftoüember 1562 als «ärger in Bresben 
aufgenommen unb errichtete im $. 1564, erft 30 3at)re alt, für 2Bolj .£>errn 
üon ©d)önburg bas Slltarmerf in ber ßirdje au $entg, beffen ebele 2trd)iteftur 
unb beffen burdjaus proteftantiftfjer Snlplt Sletjnlidjteit mit ben Altären ju 
Dtieberplanifc unb im ©djlofee ju 9tod)sburg aeigt. 2Benig 3af)re fpöter, im 
3. 1567, üottenbete er bas @pitaprjium für |)ugo -Iperrn üon ©djönburg (f 1566), 
baS urfprünglid) in ber ©djlofjcapetle au SBalbenburg aufgefteEt War, feit bem 
3at)re 1847 aber in ber ©tabtfudje bafelbft feinen ^la^ gefunben rjat. 3luf= 
faüenb ift bie grofje ^etjnlic^feit biefes SBalbenburger äöerfee mit bem ©djlofc 
capettenportal au Bresben, mit bem ©rabmal be§ £>an8 ü. S)et)n=9totfeIfer in 
bor Äirdje au fieuben bei Bresben unb mit einem äßanbgrabmal auf bem alten 
Slnnenmebrjof in S)re§ben , beffen ^nfdiriften nid)t me^r au erlernten finb. 3)ie 
s 2letjnlid)feit tritt nictjt nur in bem ard^iteftonijdjen ?Iuf6au, fonbern in nod) 
leerem ©rabe in ber Sßetjanblung ber plafüjdjen Streite fjerüor, bie namentlich 
bei ben Kapitalen, Reliefe unb Figuren bewunberungswürbig erfdjeint. @s 
liegt batjer ber ©d)tufe natje unb ift aud) üon ©ted)e gewagt worben, bafe bie 
genannten arbeiten, über beffen Urheber wir nodj nichts ©id)ere§ wiffeu, fämmtlid) 
üon Srjriftopb, 20. Ijerrü^ren , „ber fid) im äöalDenburger SBerfe auf ber £)örje 
feiner fünftletifcfjen Slnfdjauung unb Äraft aeigt". ^m übrigen war Glrriftoprj 
20. ljauptfäd)lid) für bie alte, im $• 1584 abgetragene grauenfircfje tb.ätig, Tür 
bie er ben beim Sresbner Sranbe aerftörten Ijotjen 2Utar aus $irnaifd)em ©anb= 
ftein antertigte. Stm 3at)re üorfjer war er im Stujtrag bes i?urfürften Sluguft 
nadj Äartftein in Sötjmen gereift, um bie bortigen ^Rarmorbrüdje au befid)tigen, 
bodj fd)eint ba§ (5rgebnit3 feiner Unterfudjung fein bejriebigenbe» gewejen ju fein. 



Süalttjer. 95 

Siemfelbcn Gtjrifiopb, 20. mhb aurf) bie Anfertigung eine« jetjt im rjiftorifctjen 
3Jtufeum ju SDrefcben aufbemarjrten, in ©eftalt eines Slttarä aufgeführten ^ofitiüs 
äugefdjrieben , bas Äurftirft 2luguft im $. 1583 crroarb, unb für baä fid^ audj 
nodj eine fetjr faubere burd)gefür)rte geberjeictjnung mit ber eigentjänbigen Untev= 
fctjrift be§ $ünftlerä, nad) ber eä angefertigt mürbe, ermatten tjat. grjriftopb, 2B. 
ftarb am 27. 9Zoöember 1584; er mürbe in einem ber ©djroibbogen be£ alten 
grauenfirctjrjofeS begraben, mo er fid) felbft bereits im 3- 1580 ein ©pitaprjium 
errictjtet rjatte. 

Unter ben übrigen i£>re3bner ßünfttern biefei Samens berbient öor allen nodj 
©ebaftiau 20. tjeröorgetjoben ju torrben. 23on itjm fterjt feft, baß er bereite 
im 3- 1608 für ben furfürftlidjen Jpof tfjätig mar, für beffen ©djloßcapelie er 
bamatä ein marmornes Srucifir rjerfieüte , unb für ben er gleichzeitig in 2Bactj§ 
pofftrte. $m 3f. 1616 bollenbete er ba§ gemeinfdjaftlidj mit bem Silbljauer 
^admriae .gjegeroalb gearbeitete S)enfmal, btö fid} ber 23ilbrjauer ftoffeni für fid) 
unb feine brei grauen in ber ©opljienfircfje errieten liefe. (53 beftanb auä ber 
©tatue beä gegeißelten SrjriftuS (Ecce homo). ^Darüber mar ein 23a3relief an» 
gebradjt, ba§ baS jüngfte (Serid)t barftellte, mäljrenb unten linfS bie brei grwfn 
ftoffeni'g, red)tä er felbft fniete. 211S 9ioffeni im September 1620 ftarb, roinbe 
©ebaftian 3B. ali furiürftlidjer 2lrd)itectu3 unb ©tatuariuS fein Dtadjfolger. 
9lußerbem mürbe ifjm bie 2luffid)t über alle 9Jtarmor=, ©erpeutin= unb 2llabafter= 
brücfje im Sanbe, fomie über bie ^erlenfifdjerei übertragen. 3fn biefer ©tettung 
bollenbete er ba§ im $. 1619 begonnene furfürftlidje 2uftr)au§ auf ber efyebcm 
bie Jungfer genannten großen Slbbaftei öor bem Seugtjaufe, baä biä ju feiner 
3erftörung im 3. 1747 ju ben ©etjenSroürbigfciten 2)re§ben3 gehörte, ^m 
3. 1624 erhielt er ben Auftrag für bog ©rabmal ber flutfftrftin ©opljte, ber 
SOöittme ßtjriftian'ä I. , ba% große furbranbenburgifdje SBappen unb außerbem 
brei^erjn ^roöinäfdjilbe aug 2llabafter ^er^uftetten, unb ebenfo mürbe er mit 
ber "UJcobettirung ifjrer ©tatue betraut, an ber er nod) im $. 1628 arbeitete, 
^nbeffen fam ba£ S)en!mal nidjt ju ©taube, ba bem 6rjgießer .£>an§ billiger 
üermuttjlid) ber ©uß mißlang. 3)ic le^te feiner arbeiten , öon ber mir Ijören, 
mar ein im 3- 1640 öollenbeteg 5llabafterrelief, bag bie SÖerfünbigung ber ©e= 
burt G^rifti barfteEt, unb baä im fgl. grünen ©emölbe ju SDreäben aufbetiftirjrt 
mirb. <5r ftarb im 3llter t»on 69 Sagten, mir miffen aber nictjt mann, ©eine 
le^te Ütulieftätte fanb er in bemfelben ©djmibbogen bei alten 5rauenfircfräofS, 
in bem ber im 3. 1584 üerftorbene 6r)riftopt) 20. begraben mar. SBir bürfen 
barum fct)ließen, baß beibe ^ijlitglieber ein unb berfelben gramUte maren. ©a^ 
gegen gehörte ber im ftebaefmten ^aljrrjunbert tf)ätige 6ifenfct)neiber ^aut Sß. 
fid)er nidjt ber au$ SBreSlau ftammenben S)re8bner Äünftlerfamilie an. 2öir 
tennen öon ib,m im ganzen jmanäig S)en!= unb ©elegenr)eit§münaen , bie faft 
burd^meg <ju ^leuja^rS^, ^)od)jeit8= unb ^at^engefcljenfen beftimmt maren unb mit 
bem Sonogramm *ß. 2B. bejeidjnet finb. S5ie ättefte biet}er befannte biefer 
^Jcebaitlen flammt aus bem Safyxt 1635, bie jüngfte au8 bem $af)re 1644. 

SJgl. ^uliui unb Gilbert ©rbftein, ®er furfürftlicb, fäcb.fifdje Gifenftfjneiber 
$aul 2Balter unb feine arbeiten. ÜJlit Sorbemerfungcn über bie älteren 
2)re§bner Äiinftler 9lamen§ Söalter. S)re8ben 1886, ©p. 1—7. — 31. ©tedje, 
S3efctjreibenbe 5Darftettung ber älteren 93au= unb Äunftbenfmäter be§ ^önigreidjS 
©ac^fen. 13. ^eft ©laudjau, Bresben 1890, ©. 39. (SBqI. aud) ba8 
Otegifter ju ben übrigen <£ejten.) — S3enu^t mürben ferner bie tjanbfcrjriftlictjen 
5iotijen, bie fid) ür. ©tec^e für feinen am 12. S)ecember 1890 im Sreöbner 
©efcrjidjtSöerein gehaltenen Vortrag über bie SDreäbner Sßitb^auerfamilie 
Söaltb.er gemad)t r)at. (Manusc. Dresd., c. 52.) 

.&. 21. Sier. 



96 SDBalttjer. 

2öalt^cr: 2luguftin ftriebridj SB., 2lnatom, tourbe am 26. ßctober 
1688 in SBittenberg geboren. (Seine mebicinifdjen ©tubien macrjte er feit 1705 
an ben Uniöerfttäten ju Söittenberg unb 3ena, unternahm 1709 eine größere 
toiffenfcf)aftlicf)e Steife, bie itjn nad) $ot(anb unb Gmglanb führte, erlangte nad) 
feiner 9iütffet)r 1711 in Söittenberg bie örjilofoöt)ifd)e , 1712 bie mebicinifcrje 
£)octortoürbe unb tjabititirte fid) 1713 als 2)ocent an ber Uniöerfität au ßeifyjig. 
£>ier tourbe er nad) einanber 1723 ^ßrofeffox ber Anatomie unb Stjirurgie, 
1730 SDirector beS botanifdjen ©arten§, 1732 $t)t)ficu§ ber ©tabt Seipjig unb 
*}kofeffor ber ^attjologie, 1737 *ßrofeffor ber Slfjeraöie. 3n letztgenannter 
©tellung toirfte er bis m feinem, nad) langem, fdjtoerem Seiben am 12. Dctbr. 
1746 erfolgten SebenSenbe. 20. tjat fiel) um bie Uniüetfttät Seip^ig burdj lieber» 
laffung eines roertljüollen 2t)eitS feiner eigenen 33ibliott)ef an bie UniöerfitätS= 
bibltottjef , fomie buretj Stiftung eines anferjnticrjen ©ttpenbiumS für 9Jtebicin= 
ftubirenbe öerbient gemacht. 6r mar ein beliebter Slr^t unb ßeljrer unb tjat 
eine aufjerorbentlid) fruchtbare fdjriftftetlerifdje Stljätigfeit auf ben öerfdjtebenften 
(gebieten ber ^eilfunbe entfaltet. Söidjtig finb namentlich feine ßeiftungen für 
bie (Srtoeiterung unferer anatomiferjen $enntniffe tjinfid^tlid^ ber 9JluSfel» unb 
©eiäfjlerjre. ©eine Unterfudjungen über ben 3?au ber ^craotjren, über bie 2luS= 
fütjrungSgänge ber Unterpngenbrüfen , über ben 33au beS Trommelfells Ijaben 
jum £f)eil einen Umfdjroung ber früheren Slnfdjauungen herbeigeführt. (Sin 
SLtjeil ber hierauf beäüglidjen 9lbb,anblungeu , bie jumeifi als afabemifdje ©e= 
tegentjeitSfdjriften erfdjienen, finb öon £>al!er in feinen Disputationes anatomicae 
(I — VI), in ben Disputationes ad morb. hist. (III) unb ben Disputationes 
cbirurgicae abgebrudt. 'änbere arbeiten 2£altt)er'S bejiefyen fidj auf ©egenftänbe 
auS ben Gebieten ber 23otanif, *pt)t)fiologie , allgemeinen ^atbologie , inneren 
ÜJtebicin unb Stjirurgie. 3Bir nennen nur bie £itet folgenber ©djriften (nad) 
Söinter'S Bearbeitung in ber unten bezeichneten Duette): „De usu et prae- 
stantia solidioris in anatomicis seien tiae u (1723); „Uterus gravidarum"' (1723); 
„De loto aegyptiaca in nummis antiquis" (1746); „De silphio in veterum num- 
mis ac diversis plantarum speciebus" (1746). Qfolgenbe 2lbt)anbtungen Sßaltljer'S 
ftnb o in ben Acta eruditorum enthalten: „Sacroceles eximiae historia" (1725); 
„Descriptio penis monstrosi" (1729); „Anatome duorum herniosorum" (1731). 
33gt. 23iogr. ßej. VI, 184. $agel. 

SSalt^cr: SBattfjafar 9B. (©ualtrjcr), luttjerifdjer @ei[tlid)er, t als 
braunfdjtceiger ©uperintenbent 1640. 33attjafar 2ö. tourbe am 1. ÜJtai 1586 
in SWenborf in £t)üringen geboren, roo fein 93ater ^aftor war. 9iad)bem ex 
feine Ottern früf) üertoren r)atte , erhielt er feine SSorbilbung öon 1600 — 1602 
auf ber ©djule ju ftranfentjaufen, öon 1603 an auf bem ©rjmnaftum ju ©otrja 
unb bejog 1606 bie Uniöerfität ju 3ena. 9tod) in bemfelben SJarjre mürbe er 
bort SJiagifter. 1607 begab er fid) auf bie eben geftiftete Uniöerfität ©iefjen, 
fehlte aber 1608 öon ba nad) $ena jurüd unb lag bis 1610 Ijier ben ©tubien 
ob. 9iadj einem furzen Slufenttjalt in SBittenberg erhielt er 1610 eine 3ln- 
ftellung an ber Uniöerfität 3ena at§ ^rofeffor ber griecfjifc^en ©pradje, moju 
i^m 1612 aud) noct) bie ^rofeffur ber t)ebräifct)en übertragen mürbe. $n biefer 
©tellung ift er Ütector ber Uniöerfität unb auet) 3)ecan ber öb.itofoörjifo^en 
gacultät getoorben. @ine Berufung in bie ©uöerintenbentur ^u ©oth^a führte 
it)n au§ bem UniöerfitätSleben in ba§ geiftlicb.e 2lmt. ^ünfjetjn Safyxe roirfte 
er an biefer ©teile mit gfleifj unb ©orgfalt; ba gelangte 1636 an il)n ein 9tuf 
als ©uperintenbent naef) 33raunfct)toeig. 9tocb, befa^ bamalS biefe ©tabt irjre 
^ob^e ©elbftänbigfeit aueb, in $ircr)enfacl|eu , fo ba% bie ©tellung iljreS ©uper= 
intenbenten an ber ©öi|e be§ geiftlid)en ©tabtminifteriumS eine fer)r eitiflu^reictie 
mar unb balier aud) auf 2ö. it)re Slnäierjungäfrajt rtidjt öerfet)lte. Srat er bodj 



äBaltfjer. 97 

in bie üleifjc ber ausgezeichneten Männer, bie fett *Dt artin (£t)emnitj 3i et0en ber 
23raunfd)toeiger Äirc^c getoefen waren! 3n ber „SBrüberfirctje" ^iett er am 
17. 3uft 1636 feine SlntrittSprebigt bafeXbft. Seiber toar it>m hier feine lange 
SÖirffamfeit üergönnt. 9tadjbem ihn fdjon 1639 eine fchroere Jhanfbeit befallen 
hatte, tourbe er am 1. ^fingfttagc toährenb ber 3)ormittagSprebigt öom Schlage 
getroffen , baf? er bie ©brache öerlor unb öon ber «^anjel fjerunter nach <£)aufe 
getragen toerben mufjte. 2)a§ ©iechtbum , roelcbeä barauf folgte, trug ber 
Seibenbe mit großer ©ebulb , bi§ ihn ber £ob am 15. 9tobember öon feinem 
Seiben ertöfte. 20. chatte fein Sehen auf 54 Srabre, 6 Zonale unb 15 S£age 
gebracht, $n ber ©t. 9Jtartinsfirche tourbe er am 20. 9lobember beigebt, 
toobei fein (Soabjutor D. ^acob 2Better (au3 bem berühmten ©efchlechte ber 
5)tolSbovf) it)m bie ©rabrebe hielt. — „Seine guten ©aben unb anftänbigen 
©Uten (fchreibt 9tef)tmet)er, f. unten) haben biete bornehme unb berühmte Seute 
in gebrueften Carniinibus gerübmet." ©ein SBilb befinbet fich in ber 9Jcartin8= 
firdje 3« 53raunfd)toetg , bie Unterfchrift beffelben gibt SRebtmetjer (f. unten) 
©. 539 toieber. — 2öa§ 2Baltb,er'§ Satnilienöexrjättnifjc betrifft, fo blatte er fid) 
mit SSarbara ^poffmann, Slodjtcr be§ 93ürgermeifier§ öon ^rtebrid^Svoba , 1613 
berbeiraüjet unb auö biefer @he adjt $inöer gehabt. 9tachbem ihm biefe grau 
1628 geftorben toar, ging er 1629 eine jtoeite (Sbe mit einer öertoitttoeten grau 
ßlifabetb, ^urgolb ein , toetdje itjn überlebt hat. ©ein Söirfen fiel in bie $eit 
be§ breifjigiäbrigen Krieges unb hat tool be^batb feine lange bauernben ©puren 
hjnterlaffen. 

Sgl. D. Jac. Welleri Concio funebris in obitum Grualtheri. Brunsw. 

1640. — Freheri Theatrum vir. dar. p. 489. — ^h. %ül. föehtmerjer, ®er 

©tabt 23raunfchtoeig j?irchenhiftorie bierter ütheil. sßraunfebtoeig 1715 (4°), 

7 fäap., ©. 504 — 539. £)a 9tehtmerjer nict)t blofj bie beibeu öorgenannten 

©chriften, fonbem aud) bie bieten be§ 23raunfchtoeiger 9tatb§=9trd)tü§ benutjt 

hat, fo finb feine Angaben ben föäter in 3 e ^ e ^** llniöerfat'Serjfon ge= 

gebenen, ba too biefe öon ifjnen abtoeiefcen, entfehieben öorpäiehen. $ei gebier, 

Uuiö.=Sej., 33b. 52 (1747), ©ö. 1827 toirb nämlich noch berietet, baf$ 3B. 

öon 1633 — 1636 ©uöexintenbent in äöürjburg getoefen fei, auch bafj er ein 

Iateinifchei geiftlicbeS Sieb „Mihi sacellum coelicum", „2Jtir ift ein geiftlichä 

Äirdjelein" u. f. ro. gebichtet habe. 2luch ftnbe man feinen tarnen in bem 

SBerjeicfjnif} berer, toelche bie Söeimarifdje Sibel ausgearbeitet haben; er fotte 

bie erften feeb^ig Sßfalmen commentirt haben, toährenb ihm anbere bie 6om= 

mentirung be3 3od)aria§ unb 9Jtaleachi jufchreiben. 35ort toerben bafür citirt 

Otearii Siebetfchah, 2b. IV, ©. 15. SBe&el'a 2ieber=£icbter, 2b. III. ©. 355. 

Mylii Bibliotheca Anonymorum et Pseudonymorum, p. 155. Stengel, s JJto= 

natlictje ®efpräd)e be§ ^abreö 1693, ©. 815. Eyringius in Vita Ernesti 

Pii. Calovius in Bibliis illustratis, p. 13. Unfchulbige Nachrichten 1704, 

©. 402; 1708, ©. 103. — ®ic SBraunfcbtoeiger rfuftänbe in ber ^eit öon 

1634—1640 fiefje bei ^ob. ©efle, ®efcb. b. braunfebto. ßanbeSEircfee (1889), 

©. 230 ff. 5P. Sfcbatfert. 

Soltbcr: SSernbarb 20. , Slftronom , geboren ju Nürnberg um 1430, 

t ebenba (Jnbe 3Jiai 1504. 2)afj 2B. ein ^ßatricier getoefen fei, toie man pm 

öfteren tieft, ift unptreffenb, tool aber geborte er einem geachteten, ratljöfäfjigen 

S3ürgergef(i)led)te an. ^ßierjig %at)xe feinet Sebene üerfloffen, ob,ne ba^ bie ©e= 

fdjicbte ibr 2lugenmerf auf ibn gerichtet bätte , ba bradjte bai 3fabr 1471 eine 

burebgreifenbe ^enberung. 5Damalö traf nämlicb ber grofje Slftronom 3ob. s IRüUer 

(f. 91. 2). S. XXII, 564), genannt ftegiomontattuö, in Nürnberg ein, um bier 

bauernben Slufenttjalt ju netjmen, unb mit feiner Slntoefenb^eit beginnt fidj ba§ 

SUIflcni. beutfe^e 25ioflta}>i)u. xj.i. 7 



98 SBalujer. 

über SB. lagernbe 2)unfet zu listen. @r Würbe ber 9Jtäcen be3 genialen ©afteS 
unb fteüte bemfelben reidjlicrje Glittet zur Verfügung, um eine medjanifdje 
SBerfftätte, eine 2)rucferei unb bie befannte Sternwarte (auf bem £)aufe SBaltljer'3 
in ber Nofengaffe) einzurichten. Nadjbem Negtomontan Nürnberg Perlaffen Imtte, 
um balb nacb,t)er ju Nom einen allzu frühen Stob zu ftnben, fetjte SB. bie 93e= 
obadjtungen auf eigene £)anb fort unb fuctjte auet) baburdt) baS Slnbenfen beä 
toerbtietjenen ^reunbeg in 6f)ren ju galten, bafj er beffen ^nftrumente nnb naerj- 
gelaffenen 23üd}er auffaufte; babei mar ifjm, wie eine b^nbfdjriftlicb, auf unä 
gekommene Notiz Stl). b. 9Nurr'g befagt, ber Umftanb betjülftict), bafj SBattfjer'ä 
©ctjwefter ben S3ürgermeifter (Bdfcjirling in 9Jtütter'3 ©eburtaftabt Königsberg i/Qp. 
getjetrattjet tjatte. SDiefe 23ibliott)ef mujj, bem üon !J3e^ gegebenen SSerzeidmiffe 
Zufolge, aufjerorbentlict) reichhaltig gewefen fein; fein matljematifctjer (Slaffifer 
beg 5lltertt)um§ fehlte it)r, unb auet) bie Wtdjtigften orientalifdjen SBerfe waren 
in £mnbfct)rift öor^anben; allein bon SBaltljer'ä (Srben mürbe ber SBüdjerfdjatj 
in unoerantwortlicbjter SBeife tierfcfjleubert. 6r felbft fdjeint über benfelben 
bei Lebzeiten geizig gemacht zu fjaben, benn Niemanb burfte benfelben benütjen, 
unb eä mag babei ber unfreunblictje (Xfjarafter be§ alten 3funggefelten Wol ftarf 
Zum Sluäbtucf gefommen fein. 5Der treffliche SBerner wenigften§ (f. b. Slrtifel), 
ber fo gerne biefen «Iport für bie SBiffenfctjaft ausgenützt t)ätte , fidtj aber immer 
abgewiefen faf), nennt beSfjatb SB. einmal einen „melandjolifdjen £>üter be3 it)m 
anöertrauten ©ute§" unb ein zmeiteä 9Jtal „einen garten, gänztid) unerbittlichen 
s ]Nenfdjen". SBa§ ben alternben 5Rann bewogen l)at , noeb, mit breiunbfiebzig 
3fal)ren feine lange befeffene SBotjnung mit einer anbern zu üertaufdjen , fann 
nicfjt aufgeftärt Werben. SB. ftarb unbeweibt als lejjter feineg ©efdjledjteS. 
2118 ber 3%att) merlte, wie wenig gewiffentmft mit SBalttjer's ^interlaffenfcbaft 
»erfahren würbe, fdjritt er ein unb rettete burdj Anlauf noctj mancherlei. 
(Sinige s ücanufcripte Negiomontan'S gab nadjmalS Schöner fjeraufi; ein paar 
anbere zählen noeb, ietjt zu ben Äimelien ber Nürnberger ©tabtbibtiottjef. <Bo 
würben auet) bie ^Beobachtungen erhalten , Welche Füller unb SB. zufammen 
nier i^aljre lang angeftettt fjatten; fie würben bon ©cfjöner 1544 zu Nürnberg 
unb öon ©neUiuä 1618 zu Seiben tjerauägegeben. ©ie erwiefen ftcb, bielfadj 
nüfciict), wie benn ßoppermcuS unb ütrjdjo S3rat)e au§ ber ^anbfdtjrift felber 
wichtige 3)aten für bie 93atmbeftimmung be§ feiten fidjtbaren Uterfur entnommen 
tjatten. 

2lu3 unferer 2)arftettung tonnte öieüeidjt gefdjloffen werben, bafj SB. einzig 
unb allein in ber Unterftütmng feines ^xeviribti unb in ber Pflege 9legiomon= 
tan'fctjer Ueberlieferungen aufging, aber ein folcb,er ©ctjlufc mü^te al8 Ooreilig 
bezeichnet werben. SB. ift ber erfte, ber bie ftotfjwenbigfcit erlannte, bafe auf 
bie Don ben ©rieetjen blofj prjtjfifalifd) erlannte ©tra^lenbrectjung in ber ßuft 
auet) bei aftronomifd)en Jpöt)enmeffungen 9lüdEfidt)t genommen werben muffe, ^tjm 
eignet ferner ba§ gro^e 93erbienft, bie Niiberutjr in bie pratufetje 3lftronomie 
cingefüljrt zu b.aben; infolge beffen bürfte auet) in Nürnberg feit 1488 neben 
ber üblichen (antifen) Stageäeinttjeilung in ungteicf)e (Stunben (ztoölf je auf ben 
Xag= unb Nacb.tbogen ber ©onne entfaUenb) bie ^eute allgemein gebrauchte 
Seitmeffung fid) Eingang öerfdt)afft Ijaben. (5nblidt) fagt 3Bolf : „SB. fdt)eint 
auet) ber erfte gewefen zu fein, ber ftatt be§ 3JlonbeS bie 3}enuä zur Ortäber» 
gleid^ung mit ber ©onne anwanbte, toaZ bei guter donftetlaiion unb fcliarfem 
Sluge wirf lieb, fetjon Dor ©tfinbung beä gernroljrä ausführbar war." s Utan ftetjt, 
SB. War bureb, feinen gieunb unb 2et)rer auclj zu fetbftänbiger ©ebanfenarbeit 
unb Srfinbertljätigfeit erzogen worben. 

2)oppetmat)r, -gjiftorifcb.e Nactjricb,t bon ben Nürnbergifdjen 5Jtatljematici3 
unb Äünftlern, Nürnberg 1730, ®. 23 ff. — P. SBurzelbau, üranies Nori- 



SBattrjer. 99 

cae basis astronomico-geographica, Nürnberg 1719, ©. 37 ff. — ^etj, W\U 
tljeüungen be§ Bereineä für ©efdjidjte Nürnbergs, 7. #eft, ©. 122 ff. — 
9t. SBolf , ©efdjidjte ber Slftronomie, «Dtünd&en 1877, ©. 87, 118, 153, 
157 ff., 181 ff. ©untrer. 

SBaltljcr: Daniel 2B., proteftantifdjer ©ramatifer be§ 16. Satvdjunbertä. 
DIl§ ©dmtmeifter ju Badja bei ©aljungen führte er 1559 bor bem ."perlfelber 
2lbte Iftidjael unb bem 9latt)e Don Badja eine „£)iftoria Pon ber enttjauptung 
3fol)anniö Baptiftae, in ein £ragebiam geftalt", auf, bie bann ju (Jrfurt bei 
®. Baroman im 2)rud erfdjien. @r benutzte babei , roie er in ber SBibmung 
an ben ©aljunger Ütatr) entlief) cingeftet)t , ein fedj§ ^a^re juuor gebrudtes 
©tüd be§ ©atjburger Pfarrers ©imon ©erengel, tiermetjrte aber biefe Borlage „mit 
Dielen s $erfonen unb keimen". ©0 t)at er ba§ <£)ofgeftnbe be§ £)erobeg, ba§ 
©erengel nur bureb, aroei Vertreter, ben etjrlidjen Ularfdjatd unb ben geroiffen= 
lofen Burggrafen dmrafterifirt, erl)ebüc^ pergröfjcrt ( s Jtarr @lau§, ftärrin Sütte). 
9teben $efu läftt er im 2. unb 5. 9Icte , reo bie Saufe burdj ^oljanncS unb 
bie Befragung burdj bie Boten be§ gefangenen ^Jkopljeten bargefteüt toirb, audj 
bie 3ro5lf 9lpoftet auftreten unb fid) äufjern. 9leu ift ferner ber im 3. ?Icte 
nad) ber llnterrebung beä ;2fof)anne§ mit .£>erobe£ erfdjeinenbe Teufel, ber mit 
feinem Blafebalge ber Königin unb itjrem ©emarjl arge ©ebanfen einbtäft, unb 
ber Bauer, ber im 4. 9Icte rtergcblicb, feine ©upplif bei <£)ofe anjubringen fudjt 
(ein fpäter bei ©aniet gramer unb Slnbern oft roieberfet|renbe§ 'Utotit)). 2)er 
auf offener Bütjne bolljogenen Einrichtung be§ S£äufer§ folgt fein Begräbnis, 
bei bem bie jünger ben lobten baüontragen unb bie ßngel bie proteftantifdje 
Söeife anftimrnen: „ftun laft ünS 3ol)an begraben". Dbfdjon 2B. bureb, foldje 
Suttjaten 3U feiner ftraff componirten Borlage ba§ S£empo ber <£>anblung tter= 
langfamt, bleibt feine üDarfteltung boeb, lebenbig unb geftattet fid) nur im @pi= 
löge letjrrjafte Breite. S)ie 3Bat)l ber lateinifdjen Gljorgefänge am Slctfcb^ufj 
ftettt er ben Benutzern antjeim, am @nbe täfjt er beutfd)e Sieber Cuttjer'g: „(Srtjalt 
unä, £>err, bei beinern Söort" unb „Berleib, un§ 5rieb genebiglidj" erfüngen. 
Bei bem ©elage im 5. Stete tanjt bie ütodjter ber £)erobia§ nid)t cor ben 
©äften, roie e§ in ber Bibel Ijeifjt, fonbern fingt <}ur Saute ein ßiebeälieb im 
£on „Bon eblet 2Irt" auff gut reiterifd). — 1580 mürbe Sßatttjer'ä ©tüd Pon 
einem SBeimarer ©djulmeifter einer neuen Bearbeitung unterzogen , bie aber 
nidjt jum S)rudc gelangte: „Xragebia Pon ^iotmnne bem Seuffer, 2)urdj 3)a« 
nieln Söattem, ©djulmeiftern jue gadja Slnno 59 aufgangenn, %\$t aber ann 
toilen Orten gemetjrt, 2)urd) W.. ©eorgium ^Dlitonem, ©colae Binarienfiä 
Ütectorem" (©ottjaer Cod. chart. B 929). 

©oebefe , ©runbrifj 2 2 , 362 (mit einem irreleitenben ^inroeife auf 

Ärügtnger'S ^otjanneäbrama oon 1545). — lieber ©erengel pgl. 2öagner im 

©erapeum 1864, ©. 289. 3. Bolte. 

SÖQltficr: (Smit Slbolf fjferbinanb 20. , ©djaufpieler , mürbe am 

6. gebr. 1820 ju ©reiben al§ ©or)n be§ l)odjangefeb,enen SlrjteS unb fpäteren 

£>ofratb,e§ Dr. gerbinanb Ütumpelt unb feiner ©attin ©milie, beren gamitien« 

namen SÖatt^er er at§ ©djaufpieler fütjrte , geboren. 9Bie er felbft beridjtet 

(ügl. 9lu§ meiner 2öerfftättc. S)re§ben 1873, ©. 549), erhielt er im elterlidjen 

^>aufe „eine feljr ernfte, ftrenge unb geregelte ^jugenbeqie^ung, bei ber bie ©träfe 

bem Bergetjen fo fielet folgte, mie ba§ b bem a im Slbc". 2)aburcb, rourbe 20., 

beffen Sfjarafteranlage urfprünglidj jur 3«fab,renb,eit unb ©innlictjfeit hinneigte, 

bon frütjer Sfugenb an an ba§ ©ebot ber ^flic^t gewöhnt, fobafe ber fategorijcQe 

^mperattb unb bie ©ntfagung filr ib,n jjum ßebenSprincip rourben. äöäljrenb 

er fieb, aber fd^on früb, bemütjte, fid) ben ftorberuugen ber ?lu|enwelt ju untere 

roerfen, mu^te er bie ibeale SBett, bie in feinem inneren lebte, Por jeber Be= 



100 SEBattfjer. 

rütjrung burcrj eine frembe Wlafyt ju bematjren. %n feiner ©pmnafialaeit, bie 
et an ber üSreSbener Kreuafcfjule oerlebte , erfüllte fidj feine leidet erregbare 
^tjantafie mit marmer SSegeifterung für bie SBett beS alten ^>etta§, unb f&cfjttler'S 
©ebicfjt : „S5ie ©ötter ©riedjenlanbs" entjünbete in irjm eine nacrjrjaltige ©lutr). 
dagegen empfanb er Jdjon in feinen SünglingSjatjren „einen mafjren £>afe unb 
Slbfdjeu Por ädern confeffioneften Kircfjentljum", in bem itm bie gleite ©efinnung 
feinet überaus fittenftrengen, aber nichts roeniger als fircrjenfreunblicrjen SSaterS 
beftärfen mocfjte. 9tacfjbem er bie Maturitätsprüfung mor)l beftanben fjatte, 
bejog er im $. 1838 bie Uniöerfität Seipjtg, an ber er nadj bem 2Bitten feines 
S3aterS bie ^ed^tStoiffenfcrmft fiubiren foUte. Dbroot er feine innere Neigung 
für ben ir)m jugebadjten SSeruf eines ^uriften ijatte, liefe er fidj bod) in Seipaig 
bie 33orbereitung für itm angelegen fein. ®r befuctjte bie Sßorlefungen ber 5J3ro= 
fefforen fleißig unb führte feine ßoEegientjefte muftertjaft. ^m SBinter beS 
SarjreS 1839 fiebelte er an bie Uniöerfität SSertin über, um an itjr feine juri» 
fttfcfjen ©tubien fortaufe^en. $n 23erlin aber trat bie entfdjeibenbe Söenbung 
in feinem Seben ein. 2)urdj ben 33efudj beS föniglicrjen StjeaterS unb butcr) bie 
muftergüttigen iäDarftettungen , bie er in SS erlin fafj , angeregt , fam er ju bem 
längft in itjm im geheimen herangereiften (Sntfcfjlufe , bte juriftifcfje ßaufbarjn 
aufjugeben unb fiel) bem SSerufe eines ©djriftftetterS unb ©tfjaufpielerS au mibmen, 
obmol er mufete, bafe biefer 5ßlan nid^t bie SSittigung feines 33aterS finben mürbe, 
unb ba% er auf toeitere Untetfiütjung bureb, baS elterliche £>auS nietjt merjt 
rennen büvfte. Um ju feinem ^xek au gelangen, fetjrte er naef) ßeipaig aurücf 
unb fing rjier an joutnaliftifd) trjätig au fein, inbem er für ben „dornet", für 
©uttfom'S ,,£etegrapb/' unb für ben üon Spfjitippi rebigirten „planet" eine 
Üteifje öon 2luffä|$en fdjrieb, bie fämmtlictj eine bramaiurgifdje üEenbena Per» 
folgten. $n jenen ^aljren Perfafete er audj einen Äünfiterroman, ber unter bem 
Xitel : „dbuarb ©terntfjal. ©ine (Sfmrafter^fiaae" im $. 1841 in Seipjig er» 
festen. S)er Jpelb biefeS StomanS ift ber Slutor fetbft, ber in itjtn feine eigene 
®tuvm= unb ©rangperiobe p ferjitbern berfudjt fjat. £)amalS nafjm er audj 
ben Flamen ©mit äBaltfjer an, unter melctjem $ßfeubonpm er feine Slrbeiten er» 
fctjeinen tiefe, unb unter bem er fpäter als ©ctjaufpieter befannt mürbe. ©in 
ametter, amet Söänbe umfaffenber Vornan erfdjien im $. 1852 au 2)teSben 
u. b. £.: „$unft= unb ßiebeSteben . . . nebft einem bramatiferjen ^ntermeajo". 
2IIS 2QB. enblidj Don £)aufe bie mibermillig erteilte grlaubnife, aur SSüfjne au 
gefjen, erhalten tjatte, manbte er fic^j nacb, 2Q8eimar, too er als SSolontär beim 
Sfjeater jugelaffen murbc. S)a er in SGßeimar nid)t öormärtS fam, begann er 
ein SCßanberteben, baS ifjn öer gleite nacb, an bie SSüfmen au ©otija, SSremen, 
2)etmolb, glberfelb, flöln, Stachen unb an anbere mef^r führte. %m. 3. 1845 
mar er am Äpnigftäbtifcfjen £f)eater in SBerlin , fjierauf in Königsberg unb in 
§atte engagirt. %m ^afjre 1847 erfjielt er einen Antrag a« einem ©aftfpiel 
am 5DreSbner -g)oftf)eatct. 6r gaftirte als ©buarb in „@ine Familie" unb als 
Sauft unb rourbe, ba fein auftreten öon grofeem (Jrfolg begleitet mar, für baS 
^oftb.eater engagirt, an bem er Polte Pier Safjraefmte tb^ätig geroefen ift. ^n 
biefer Stellung bracfjte er eS im Saufe ber 3>af)ve Permöge feiner treuen <<pin= 
gebung an feine Äunft, feiner ftrenQen 5pflicb,terfütlung unb giec^tfctjaffenfjeit au 
einer allgemeinen SBerttjfctjä^ung bei feinen Kollegen unb bfim publicum. Ob» 
mol er jebe S3irtuofenleiftung Perfdjmäcjte unb bie SSebeutung ber SSütjnenfunft 
immer nur in einem möglicfjft gleicrjmäfeigen unb guten ©nfembte fudjte, fo galt 
er boct) in ber ©tanaacit beS S)reSbener ©ctjaufpielS , a u o en 3" ten ©u^fom'S 
unb S)eörient'S, als einer ber beften DarfteHer feiner Kunft. 6r fpiette auerft 
jugenblict)e Siebtjaber= unb ^elbenroüen, machte bann faft alte 9tottenarten, bie 
auf ber SSüfjne öorfommen, buvctj unb fam fcrjüefelict) bei bem ^actj ber Reiben« 



2Battt>er. 101 

öäter an. 9ltterbingä mußte et bas ^Ibeal feiner ^ugenb, „baß bie 3Mtr)ne an bie 
©teile ber Äirdje treten foflte unb baß bie clajfifcrjen 9Jleiftermerfe unferer National' 
literatur bas gefammte Volt" 31t jener ©djöntjeit ber ©eele unb jenem botlenbeten 
9Jienfd)entr)um fütjreu müßten, meldje mir mit bem griedjifdjen Söorte £atofaga* 
tt)ie Bejeidjnen, als bas ernennen, mas es mar, als einen fdjönen, göttlich fdjönen 
ütraum", aber roenn er itjn aud) nid)t erfüllt fat), fo ließ er fic£> babei in feinem 
fünftletifd)en ©treben „nadj ber naturgemäßen SDarftettung bes menfdjtidjen 
(Stjarafters auf ber 23üt)ne" nidjt irre madjen. 2Bie ibeat er über feinen Beruf 
backte, barüber fprad) er fid) in einer am 22. Robember 1869 in Bresben ge= 
rjaltenen SBortefung aus, bie er unter bem Stitel: „2)er ©djaufpieterberuf in 
fünftlerifdjer, gefeltfdjaftlid)er unb ftttticfjer SBe^ie^ung" (SDreeben 1870) erfögeinen 
ließ. 9Jlit befonberer SBegeifterung unb Eingabe aber mibmete er fid) ben 58e= 
ftrebungen bes £$freimaurerorbens , bem er feit bem 23. S)ecbr. 1847 angehörte, 
©eit feinen ,$?nabenjar)ren tjatte er fidj für nidjts in ber 2Belt fo intereffirt, als 
für „geheime ©efetlfdjaften , Sßerbinbungen unb 93ünbniffe, bie burdj bas ©e= 
rjeimntß , in meldjes fie fid) tjütttcn , eine gleidjfam geifiertjarte 9Rad)t überall 
ausübten unb S)inge bermod)ten , bie fonft außer bem SBirfungsfreife ber ge= 
mölmlidien menfdjtidjen Beftrebungen tagen". Später aber natjm er eine 3 e it 
lang an ber fittlid)en Haltung iljm befannter SSrüber Stnftofe, bis it)m 9fteb,er's 
Seben bes ©dmufpielers Submig ©crjröber in bie |)änbe fiel unb aufs neue fein 
$ntereffe an bem greimaurerttjum mädjtig feffelte. Einmal in ben SSunb auf* 
genommen, machte er fdjnetl bie berfctjiebenen borgefd)riebenen ®rabe burd), bis 
er im %. 1869 3U ber 2Bürbc eines 9Jccifters bom ©turjt borrüdte, bie er feit= 
bem neunjerm 3at)re lang an ber ©pi|e ber Sresbener Soge ju ben brei 
©djmertern unb 2lfträa jur grünenben Staute i. £). innegehabt t)at. SGß. mar 
aber nictjt bloß ein überzeugter 9lnt)änger bes Sunbes, fonbern (jat aud) als 
Reformator baburd) bafjnbredjenb getoitft, baß er eine „gemiffe gefunbe SBerein= 
fad)ung bes Rituals" in bie ©djroerterloge einführte, „bie, otjne bas SBefentlidje 
3U bernad)läffigen , an ©teile eines leidjt bas ^ntereffe abftumpfenben Einerleis 
Stbmedjfetung unb 33ereinfad)ung fetjte". Unter feiner 9Jtitroirfung ertjiett bie 
Soge ein neues ©efangbud) unb ein neues ©efefcbud), bor allem aber brachte er 
ber Soge bie Slnerfennung als juriftifdje 5]3erfon unb bamit bie erfte officielle 
Betätigung an ©teile ber früheren ftitten 2)ulbung. Nebenbei mirfte er als 
©djriftftetter für bie Ausbreitung unb Vertiefung bes Bunbes. 6r mar 9)tit= 
tjerausgeber unb Mitarbeiter bes „5Dresbuer Sogenblattes" unb beröffentlic§te 
eine Slusroatjl feiner 2luffä^e unter bem SEitet „31us meiner äöerlftätte" (Bresben 
1873) unb „Srudgfteine jum 33au" (Seip^ig 1882), bie auc^ bem ferner ©tefjen» 
ben @inblide in fein ibeales ©treben geroäb^ren. — @r ftarb ptö^üd) an einem 
©djtaganfall am Abenb bes 30. Auguft 18S8 unb mürbe, feinem 2Sunfd)e ent= 
fpredjenb, jur 5 e uerbeftattung nad} <35ott)a überführt. 

33gl. Sagebud) ber fgt. fäögf. Jpofttjcater bom 3a$re 1888 bon gfriebr. 
©abriel u. gfr. Roßtet. 72. 3a^rg. Bresben 1889, ©. 77—83. — 3fefi« 
fc^rift 3. Jubiläum bes 150jäl)r. Sefte^ens ber ßoge 3U ben btei ©djmettetn 
unb 2lfträa sut grünenben Raute im Orient. Bresben 1890. Manufcript 
f. S333r. %.m. Bresben 0. 3. , ©. 66—81. — 3t. $otmt, SDas 3)resbner 
.Ipofttjeater in ber ©egenmart. Bresben u. Seipjig 1888, ©. 214—216. — 
Sresbeuer Stmeiger 1888, Rr. 245. 1. September, 4. Seitage. 

£>. 21. Sier. 

SÖaltljrr: ^tiebric^ 3Jß. , ÜJlater unb 3eidmet für ben gformfdgnitt, ge» 

boren ju S)ünrel8bü^t, erhielt 1460 bas Bürgerrecht ju Rörblingcn. gfür fünf» 

jäfirige ©teuetfrei^eit mußte er afljär)ttid) ein bemattes ^ßabcfe (mit @ifenbtedj 

befdglagene ©e^tartfd&e, ftang. pavois) an ben Ratt) abliefern. SB. rjeirattjete 



102 SBalttjer. 

in ftörbtingen, fant jebod) wegen SJcifjtjanbtung feineä Sßeibei auf einige Sage 
in$ ©efängnifc. 2)a8 war öielleicfet bic llrfadie, meibatb er im %. 1472 mit 
feiner üfamitie w$ 23afel öer,$og, womit feine ©pur erüfcbt. 3n8 3 un f*b U( $ 
biefer ©tabt ift er nidjt eingetragen. 

20. fpiett eine fleine föotle in ber ©efdjidjte ber 33lodbücher. 3*°" oerr 
artige jblographifcfie ^robucte finb öon ü}m befannt. ®a§ eine ift eine mit 
beutfcbem Sejt berferjene 9lrmenbibel, biblia pauperum, bon 1470, Weldje auf 
bem testen ^Blatte bezeichnet ift: Friderich walthern mauler zu Nordlingen und 
Hans Hiirning habent dis buch mitt ein ander gemacht. 68 beftetjt au§ 40 
nur auf einer Seite bebrudften blättern. 2B. war offenbar ber 3 e kfmer unb 
ber ©cfcreiner ^Urning, ber feit 1461 at§ Singer ju 9törblingen borfommt, bat 
ben ©ctjnitt beforgt. 2)a3 anbere SDßerf finb bie Safein $u bem Defensorium 
inviolatae perpetuaeque virginitatis castissimae genitricis Mariae. 3 u f°^Ö e 
Magier, Iftonogrammiften II, 9tr. 2593, gibt e§ jwei 2lu8gaben; bie eine bat 
16 SSIätter mit leeren föüdfeiten, bie anbre befielt in 8 Stottern, welche auf 
beiben (Seiten bebrucft finb. ®a§ erfte 33Iatt ift mit ben Initialen F W unb 
ber ^abre^abl 1470 berfeben. 68 fann feinem 3 tt, eifet unterliegen, bafj biefe 
23ucbfiaben mit fjfriebricr) SBalttjer ju ergänzen finb. 3n „Anfänge ber 5Druder= 
fünft in S3ilb unb SBort. 23on %. £). SBeigel unb 21. ^eftermann", 93b. II, 
s Jtr. 272 u. 281, wirb über bie Sjemplare beiber Sßerfe, bie hei £. £). SBeiget 
in Setpjig waren, geljanbelt, auch finb 5acfimile§ zweier Sßtätter beigegeben. 

SB. ©cbmibt. 

Salthct: M. grieb rieft 2lnbrea§ 20. , hitberifcber ©uperintenbent in 
$anau, geb. am 26. ©eptbr. 1727 in SBormä, f am 26. (nicht am 16.) SWära 1769 
in £>anau. @r war ein ©or)n beS D. Reinritt) 2lnbrea§ 2ß. (f. u.), ber bamalS 
al» ^rebiger in SBormS lebte, fpäter aber ©enior in granffttrt würbe, ©cfjon 
in jungen i^abren berrietb, 20. eine grofje Begabung. @rft fün^ebn 3fab,re alt 
be^og er Bereits bie fjotje ©cftule. 3 uet f* ftubirte er in (Siefeen. £rier würbe er 
1745 ^ftagifter. 6in 3abr fpäter gab ber, als aScetifcber ©djriftftelter befannte 
^aftor %o§. 5|3bitipp $refeniu§ ju 5*anffurt a. 9Jt. eine ©ammtung Don ©e= 
bicfiten berau§, bie ben adjtjebniäbrigen 9Jtagtfier <}um 23erfaffer batten. ©ie 
trägt ben Sitel: „M. gtieb. 2lnbrea§ SSalttjer'S groben poetifdjer liebungen in 
geiftticben unb bermifdjten ©ebicbten, berauSgegeben u. f. W. bon grefeniuä". 
Sin feinen 23egteitmorten nennt ber Herausgeber biefe groben „Wohlgerattjen" 
unb rürjmt be8 SBerfafferS „fcböne ©aben, feine ungetjeuchelte ©ottelfurcfjt unb 
feinen unermübeten pfeife in ben tbeotogifcben Sßiffenfdjaften". 2lucb fpäter ift 
SB. nodj auf bem ©ebiete ber ^Joefie tbätig gemefcn. 1748 erfcfiien ein ©e= 
bicht Don ibm, betitelt „®ie Sßor^üge ber ©tabt granffurt a. 9tt.", 1750 gab 
er feiner ©djWefter ©opbte Eleonore ©ebicbte in ©öttingen beraub unb 1766 
öeröffent(id)te er noct) eine ©ammlung „geiftlicher Öebichte" öon ficb felber. 

?Iud9 als tbeologifcber ©cbriftfteUer trat er hüt) beröor. ©cbon feine ©ie^ener 
3nauguralbiffertation(1745) beb.anbette ein tb.eotogifcbeö Sl)ema („De vera origine 
phrasium sacrarum videre et gustare mortem, ex lapsus historia Gen. II, 16, 17, 
III, 67 derivata et a diversis objectionibus vindicata, ad varia N. T. loca expli- 
canda"). 2fbr finb noct) eine ganje bleibe öon gelehrten 2Ibbanb(ungen, t^eilö in 
lateinifcfjer, tfjeili in beutfdjer ©pracbe, gefolgt, bie fid) auf nabeju alte ©ebiete 
ber gefammten Srjeologie erftrecfen unb in ber Stjat öon bem unermübeten 
Sfleifje SQBalt^er'i ein rütjmticbeg 3^ugnife ablegen. Dieben ben miffenfd^jtlicrjen 
©cbrifton, Siffettationen, 5Jtouograpt)ieen, größeren Söerfen, fteben aucb fotd)e, 
beren Sitel auf einen mel)r prafttfcb/erbaulicfeen ^nbalt fd)lie§en taffen , \. 33. 
bie „üurje Slbbanblung öon ber geiftlidjen Srfabrung unb bem Unterfd)iebe 
einer blofeen Srwedung unb balligen Sefebrung für Anfänger im ßbriftenttjume" 



aöalrtjer. 103 

(1757). äßaltfjer'ä IjauptfädGlidjer tfjeologifdjer Seljter War 8. b. $Roäf)eim. 
2>er 3tuf biefeö berühmten Stljeotogen 30g ifm 1745 nadj ipclrnftebt, unb bie 
(Sunft unb greunbfctjaft , bie ber grojje ®elet)rte bem ftrebfamen ©djüter balb 
fdjentte, bewogen biefen , 1747 ieinem „(Samaliet" nact) (Söttingen ju folgen. 
^>iet blieb er fünf ^ntjre al§ 9lb|unct ber pt)ilofopt)ifcb,cn gacultät. 9jtit ^00= 
{(eint aber ftanb er audj fpäter nodj in freunbfdjaftltdjer Sßeibinbung ; awei 
feiner SSüdjer finb mit einer Sorrebe be§ j?analer§ 0. lfto§l)eim erfd)ienen (baä 
eine entljattenb eine „fturfe gefaxte (hflärung ber 1. (Spiftel beS $. SlpoftcIS 
$etri", 1750, ba§ anbere betitelt „5Die ftorberungen ber Vernunft unb beä 
(SlaubenS an ba§ menfd)lidje ©efdtjted^t ober djriftlid)e Sittenlehre", 1753). 

1752 ging 20., nunmehr fünfunbaWanaig ^aljre alt, al§ Oberpfarrer unb 
£>ofprebiger nad) Homburg ö. b. $. geljn 3Ja^' e fpäter rief man itjn gleiche 
jeitig nadj SBieäbaben unb nadj ^anau. S)en 9tuf nad) ^)anau naljm er an. 
@r rourbe bort juetft Sonftftorialratf) unb $nfpector ber lutfjerifdjen Äirdjen 
unb Schulen in ber ©raffdjaft |>anau, foWie erfter ©tabtprebiger ber ;$oljanni3 s 
firdje, awei Satjte fpäter aber, obmol nod) fein ^ierjiger, ©uperintenbent (1764). 
2Il§ er biefeä 3lmt fünf iSaljre toerWaltet l)atte, ereilte iljn ein früher ütoo 
(1769). 3u ben Veröffentlichungen au§ feinen legten 8ebenäjal)Ten gehören 
neben anbern arbeiten awei Sammlungen t»on ^rebigtgrunbriffen (über alle 
©onn= unb $efttag§ = Gsbangelien unb =@pifteln, 1760 — 1762, unb über bie ge= 
fammte ©tauben§= unb Sittenlehre ber Sfjriften, 1766) unb fobann eine „$urae 
grflärung beg Satedjtemi ßuttjeri jum ©ebraudj ber Ijeff. Ijanauifdjen lutf). 
Atrien unb Schulen mit Sanbeäljerrlidjer ^Bewilligung" (1765). 

9tadj ©trieber'ä ©runblage ju einer |>eff. <5$elet)rten= unb ©djriftftetter= 
©efd&icb,te, 16. 8b., f)r§g. Don SBatfler, ©. 463 ff. ©iefje bafelbft aud) ba§ 
toodft. SBeraeidjnifj b. 2Battf)er'fdjen «ec^riften. — Teufel, Serjfon. 9Jtetj. 
Saltljer: $riebrid) Subwig 20. , Dr. ph. , Gameralift, geboren am 
3. Suni (naef) ©trieber) ober am 3. 3uli (nad) ©criba u. 91.) 1759 in ©ct)roa= 
ningen (bei 2ln§bad)), wo fein SSater Sfotjann (Srbmann So. ©djlofeprebiger mar, 
t am 30. Wäx& 1824 in (Siefjen. SDa er beibe (Eltern fdjon im aarten $inbe§« 
alter berlor, Wutbe er toon SöerWanbten erlogen. ^unädift naljm iljn feine 
(Srofjmutter toon mütterlicher Seite , bie SBittwe be§ ©edjanten 3atob griebrid) 
(Seorgi, in Uffentjeim auf; nadj beren £ob (1773) fam er 3U feinem Onfel, bem 
üreil}errl. öou 3;ruct)fe^'fc§en ©djilofjprebiger S3ud)enröber in SBonnborf. ^tac^bem 
er ein tjatbeä %afyx l)ier äugebvadjt blatte, bejog er al§ 2llumnu§ i>a% ©tjmnafium 
in Slnebac^. Ülact) me^rj ädrigem SSefudb beffelben ftubirte er üon 1777 nb an 
ber Uniüeifität ßrlangen fieben ©emefter Ideologie unter ben ^rofefforen ©eiter, 
föofenmüfler unb 9tau, b,örte aber nebenbei, meil er ein 5?aturfveunb mar, aud) 
pl»t)ftfalifcb,e unb naturgefditditlic^e (SoHegien bei S)eliu§ unb ©djreber. _2lli er 
fein afabemifdieg ©tubien abgefdjloffen Ijatte, nab.m er eine ©teile aU ^ofmeifter 
bei bem ©etjcimeratt) unb Oberft b. ^ ö ^nife §tt ^>aimer§grün bei |>of (im 
Söoigtlanbe) an. 3)ie itjm tjiet berbliebene ^Jtufee, fomie baö Sebürfni^ feiner 
Söglinge Oeranla^ten it)n, fid) in biefer Stellung feiner Neigung au ©tubien in 
©eograptjie, Technologie, ßanbbau* unb gorftmiffenfe^aft l)inaugeben. 1785 309 
er mit feinen 3öglingen nad) ßreglingen an ber Zauber, Wo ber ©ntfdjtufj in 
ib,m reifte, bie £t)eologie gana aufaugeben unb fid) awSfdjliefetid) bem ©tubium 
ber angewanbten 9taturWiffenfd)aften, inöbefonbere ber ftorftbotantf, a" wibmen. 
2luf Sßeronlaffung feines greunbcS ^HooS ^abilitirte er fid), nadjbem feine x ^öß» 
linge fo weit tjerangewac^fen roaren, ba§ fte feiner Seitung nidt>t meb,r beburften, 
im October 1788 als $riüatbocent für Öanbtottt^c^aft, gorftwiffenfdjaft, öfono= 
mifdje Staturgefc^ic^te unb 2ed)nologie an ber ßubeWtg8-Unit)etfität au ©iefeen. 
©q feine Sßorlefungen über biefe petjer SSeifatt fnnben, rüdte er am 16. ©ep-- 



104 äBalttjer. 

tember 1789 z um aufjerorbentlichen ^rofeffor in ber pbitofotofjifcben ftacuttät 
auf unb fchon am 1. *ftobember 1790 erfolgte feine 33eförberung zum orbentltchen 
*ßrofeffor ber öfonomifchen ÜBiffenfcbaften. 33om 3 obre 1800 ab tourbe ib,m bie 
9Jcttauffxcht über ben neu angelegten iorftbotanifchen ©arten unb bie 9iechnungS= 
iübrung über betreiben übertragen. @r mufjte fich aber lange gett mit einem 
febr befcheibenen ©ehalte begnügen , roeil ba§ Orbinariat für 9iationalöfonomie 
burch ben ©eheimeratl) ^rofeffor Dr. Grome befetjt mar, bem auch ber obige 
©arten mit unterftanb. @rft bon 1809 ab mürbe ibm Unterer zur alleinigen 
23eroirtt)f Haftung überroiefen. $n beiben Stellungen mirfte er unermüblich bis 
au feinem £obe; nur in feinen beiben lebten SebenSjabren mar feine geiftige 
ibätigfeit infolge eine§ 1822 eingetretenen Schlaganfattg geläbmt. ©anz feinem 
33erufe Eingegeben, ftarb er unberbeiratbet. 31uf 33eranlaffung be§ 5ßrofeffor3 
©nett ift ibm im botanifchen ©arten zu ©iefjen bon feinen $*eunben ein 2)enf= 
mal in ©eftalt einer Urne auf einem 9JcetattfocM erricrjtet roorben. S)iefer trägt 
bie auf brei Seiten üertcjeilte i^nfdjrift „Friederico Ludovico Walther Nat. 
MDCCLIX Denat. MDCCCXXIY" — „non sibi sed litteris | ac patriae vi- 
venti | sui memores alios | facienti merendo | nihil humani a se | alienum pu- 
tanti — posuerunt moerentes amici." 

2B. nimmt unter ben fogen. i^orftcametaliften, benen ba§ Jöerbienft juerfannt 
roerben mufj, bie forftmtrtbfcbaftlicrje ©mpirie be§ borigen 3abrt)unbert§ juerft in 
ein Softem gebracht unb bierburch bie gorftroiffenfehaft formell begrünbei ju 
haben, eine herborragenbe Stellung ein. 93on £)au£ au8 ein febarfer $opf , be= 
triebfam, Doli Sntereffe für bie berfchiebenartigften 2öiffen»jmeige , richtete er — 
obfehon urfprünglich £t)eologe — feine 3(ufmerffamfeit öon jeher auf bie ^Jiatur. 
6§ mar ü)m ein 93ebürfuifj, biefe ju beobachten, 9caturobiccte zu fammeln unb 
ba§ ©efammelte frjftematifcb ju orbnen, IRobelle anzufertigen, 2}crfudt)e mit neuen 
(hfinbungen betmfä beren Prüfung anzuftelten, frembe Holzarten in ibrem 23cr= 
halten $u beobachten unb bergt, mebr. @r mirfte nach biefen üiiehtungen Irin, 
inebefonbere im ©ebiete ber befchreibenben 23otanif, in ©iefjen mit unermübltchem 
gleite, großem Pflichteifer unb entfebiebenem Erfolge, gleichkam al§ Vorläufer 
ber forftmiffenfehafttichen Sdjule, bie nach feinem £obe burch ben genialen 
^unbesiagen (f. 31. ©. 33. XIII, 401) im $. 1825 begrünbet mürbe. 5Denn 
ibm felbft fehlte, bei aller 33ielfeitigfeit, boeb bie Äenntnifj ber forftlichen üLecbnif. 
Söie baä nacfjfterjenbe (nid)t einmal ganz botlftänbige) Serzetchnifj bemeift, ent* 
roicfelte er al§ Scbriftfteüer eine fiaunenäroertbe gruebtbarfeit. 2Werbing§ gel)en 
feine Schriften, bie fich auf ©eograptjie, s Jiatur£unbe (namentltct) 23otanif), gorft* 
mirtbfehaft, Sanbroirtbfdjaft unb SMebjucbt erftreefen, nicht in bie £iefe. ®urdt> 
sogen öon meljr tjumaniftifebem al§ naturmiffenfchaftlici)em ©eifte , bemegen fie 
fich mebr in einem enerjetopäbifetjen «Rabmen, ber (Srbfünbe aller Gameraliften. 
Sie zeugen jmar bon einer großen 93elefenbeit be§ Slutore unb öon fleißiger 
33enutmng ber öitteratur, allein fie baben boeb, ju fet)r ben Gbarafter öon ülepro= 
buetionen bejm. Sammelmerten. Originalität tann ibnen nicht nacbgerübmt 
roerben. heutzutage befiben fie nur noeb biftorifeben Söertb. 3118 ^Jcenfct) roar 
SB. ausgezeichnet burch ImmaneS 2öefen , gro^e 33efcbetbenbeit , Pflege treuer 
§reunbfc|aft unb Sinn für 2Bobltbättgfeit. 

§. 6. Scriba z a ^t ^ n feinem 33iograübifch=lttterarifdjen Serif on (f. unter 
ben Duellen) 37 bon SB. berfafjtc 2Berfe unb Schriften auf, öon benen mir 
uacbftebenbe berzeicfjnen : „^eutfdje 931umenlefe für Scbulen" (1784); „^ieuefte 
(Srbtuube, toeldje Slfien, Slhifa, Europa, Slmerifa, bie Süblänber ober ben fünften 
(Srbtfoeil unb bie s ^olarlänber enthält ic." (1785); „3lntteifung für Schulen ^ux 
©ichtfunft" (1785); „^latürlicbe unb roiffenfchaTtliche drbfunbe" (1785); „lieber 
ben 2lcferbau at§ ©egenftanb ber «politif" (1786); „kurzgefaßte öfonomifche 



SBoItber. 105 

9taturgefätd&te Seutfcrjtanbs , für greunbe ber 9tatur, Sierate, Äatnerattften, 
ßanb* unb gorftttnrtlje , Äunftter, Äaufteute, ftabrifanten, .gmnbmerfer unb bie» 
jenigen, bie eö »erben motten" (1787); ,,.§anbbuc$ ber gorfinHffenfd&aft für ftorft« 
bebiente, 2anbttnrtb,e, ^oüaeibeamte, Äameraliften, 9ticf)ter, ©ericfjtgbertoalter unb 
biejenigen, bie es »erben »ollen" (1787); ,,£eb,rbucf) ber ÜRaturfunbe, 1. Stjeit, 
öfonoinifcjie ^aturgefdjictite 2cutfd)lanbß für ©ciiulen, baäSUjierreidj" (1788); „Vom 
2Biefen= unb fyutterfräuterbau für ßanbnnrtfjc, ftutsbefitu'T k." (1789); „©runbrifj 
ber ftorftmiffenfcrjatt für Vorlefungen" (1789); „Vom SInbau ber boraüglictjften tn= 
unb auslänbifdjen ^oljarten ober bon ber ^ota=6uItur" (1789); „©runbfäfce ber 
gforfitotffenfäaft" (1790); „Sie boraüglictjften in= unb auslänbiftfien £)olaarten, 
nad) itjrem berfdj)iebenen ©ebraudje in ber ßanb»irt^fct)alt, ^auswirtlijc^ait, beb, 
©eroerben unb in Officinen mit itjren beutfcfyen, tateinifdjen , engtifd)en unb 
Tranaöfifctjen tarnen unb einer botlftänbigen 9cutjungätabetle unb Dtegifter" (1790 ; 
2. Stuft. 1813); „Setjrbegrtff ber teuren 8anbtt>irt^fdtjaftS=3Biffen?(*aft nad) 
ben Vebüriniffen unferes Zeitalters" (1790); „2$eoretifdHraftifäe8 £anbbudj 
ber «Raturgefcrjicöte ber |>oljarten für ben gorft» unb Sanbmirtl) ic." (1793); 
„Verfud) eines ©bjtems ber Äamerat»Söiffenf^aften" f 5 Steile (1793—1799); 
ber 2. £E)eil (1795), toeldjer bie ftorftmiffenfrfjaft befuntbett, erlebte (äuglet* 
mit bem 1.) eine 2. Stuft. (1803); „Verfud) eines ©runbrifjee ber allgemeinen 
Defonomie für Vorlefungen" (1795); „Vefdjreibung unb SIbbitbung ber in ber 
fjforftttriffenfdjaft bortommenben nü^li<$ften ©erättje unb äßerEaeuge", ein Slntjang 
au feinem ßetjrbud) ber ftorftunffenfdjaft ; 2 £efte (1796 unb 1803); „Öetjrbuc^ 
ber Senologie" (1796); „Seljroud} ber ©taats»irtb,fcf)aft" (1798); „Setjrbutf) 
ber gorftbtjtjjtograbtjie ober ^tatutbefdjreibung berjenigen £t)iere , ©etoäcfjfe, 
Mineralien , meldte Objecte ber 3agb= unb ftorftnnffenfdmft ftnb" ; 3 Vänbe, 
1. Slbtljeilung Sotftaoograbtjie (1800; 2. Slufl. 1816, 1818 unb 1820), 2.31b- 
Rettung 2)enbrograbtne f l)r§g. in 2 Vänben (1803; 2. Slufl. 1813 unb 1814); 
„5tora bon ©iefjen unb ber umtiegenben ©egenb, ein ^anbbuct) für Anfänger 
unb junge greunbe ber ©emääjsfunbe , nebft einem itluminirten $tan be» neuen 
forftbotanifctjen Uniberfitäts=@arten§ in ©iefjen" (1802); „^anbbudj ber ^orft» 
tectjnotogie" (1802; 2. Stuft. 1818); „Einige Vemerfungen über bie miffen= 
fcrjaftlictje @intt)eitung ber .Ipolaatten, nebft XI Tabellen" (1805); „Colona, ein 
Iänbtid)es ©ebidjt in 12 ©efängen" , 2 £t)et(e (1806); „©bftem ber neueren 
ßanbnmtbjctjaft'' (1814); „©runblinien ber teutfdjen fyorfigefrijicfjte unb ber ©e= 
fd)irf)te ber ^agb, bee Vogelfangs, ber roilben frifc^erei unb ber Söalbbienenaudjt" 
(1816); „2)as Ütinbbiet) , feine berfdjiebenen Waffen, 3 u $ten unb (Spielarten, 
©efcfyidjte feiner Verbreitung, (Sraiefmng , Venutumg, ßtanf fjeiten , geiler unb 
geinbe" (1817); „©« £unb, feine berftfjiebeneu 3 u $ten unb Varietäten, ©e» 
fcb,id}te feiner Verbreitung unb ©djtcffale k." (1817); „3)as $fetb, feine bei= 
fctjiebenen 3ud)ten unb ©bietarten, feine (Sraiefjung ic." (1819); „Manuale 
georgicum latino-germanicum et germanico-latinum — tateinifct)-teutfd)es unb 
teutfcHateinifdjes lanbtoirtljfdjaftlidje«' ^anbmörterbucb, a um ©ebraud) ber 
ftubierenben Sugenb" (1822); „©cognoftifdje Fragmente" (1822). 

£$fr. äßilt). Strieber'ö ©runblage au finer ^peffifc^en ©eletjttcn^ unb 
©ctjriftftetter^Sefctjicfjte , 16. Vanb , 1812, fjerauögegeben bon Dr. Subraig 
2Bacf)ler, ©. 473 unb 17. Vanb, t)crau«gegeben bon i)r. $arl SBiltjelm Sufti, 
S. 397. — «Reuer ftefrotog ber S)eutfctjen bon gr. St. (Scfjmibt , 2. 3af)rg., 
1824, 2. |>eft, ©. 1098. — ftegensburger botanifcfje 3eitung, 1825, 91r. 11. 
— Slttgemeine gorjl« unb 3agb«3eitung , 1826, ©. 230. — $. e. ©criba, 
S3iograbl)ifct)=literäiifct)eg Sejifon ber ©diriftftelter bee ©rofetjeraogtfyums Reffen 
im neunjeljnten Satjrtjunbert. 3^eite Slbtljetlung, 1843, ©. 761. — ftraaS, 
©efcf)icf)te ber Saubbau- unb ftorftnuffcnfcljaft, ©. 490, 544, 545 unb 576. 



106 Söaltljer. 

— 3fr. bon ßöffetyota-GoI&erfl, 3forftiirf)e Gb>ftomatf)ie, I, ©. 36, 9lr. 114; 
V, 1, 6. 6 unb 7, 9tr. 33 b. — S3ernb>rbt, ©efdudjte be§ 2ßalbeigentf)umä 
ic, II, ©. 81, 156, 2Inmer£ung 16, ©. 159, 160, 369, 370, 371, 390 
unb 397; III, ©. 245, 248 unb 334. — ftott), @efd}id)te beä gorft« unb 
^agbwefenä in 2)eutfd^Ianb, ©. 608. — £efj, S)er forftwiffenfd)aftlid)e Unter* 
ttd^t an ber Uniberfttät ©te&en ic., 1881, ©. 1 big 6 unb befonberS ©. 77. 

— §e&, ßebenäbilber tjerborragenber gorftmänner «. , 1885, ©. 392. — 
S^toapbad), £anbbud) ber gorft« unb $agbgefd)id)te ffieutfälanbS, 2. 23anb, 
1888, ©. 829. ». £>efe. 

Saltljer: griebrid) 28. , Sriminaiift , geboren am 6. 2Iuguft 1822 au 
Sonn, f am 1. Cctober 1874 au 9Jlünd)en. 20. War ber britte ©oljn beS 
gfjirurgen unb Ophthalmologen $b,ilipp ftr. 20., ber jute^t in 9Jtünd)en lebte; 
beffen ©djmefter (eine Sante unfreä äöaltber) mar mit bent £>eibelberger ©er« 
maniften TOtermaier bertjeiratfjet. griebrid) 20. begann feine ljumanifttfd)en 
©tubien am ©t)tnnafium ju SJtündjen, unb befudjte fobann at§ 9ted)t§canbibat 
bie Uniberfität borifelbft. Sie criminaliftifd)en ft-ädjer ^örte er bti 2)otlmann, 
mürbe am 8. Januar 1848 mit ber ^nauguralabb.anblung „über ben gunb= 
biebfta^l" (2Jtündjen 1848) aum SDoctor ber föedjte promobirt, unb Ijabilitirte 
fid) am 13. Sluguft 1849 als ^riöatbocent an ber 9Mnd)ner ^uriftenfacultät 
mit ber ©djrift „Beitrag jum twd)berrätf)erifd)en ßomplott" (2Jtünd)en 1849). 
9lm 5. 9)lära 1854 würbe er jum auBerorbentlicfjen — fed)§ %al)xt fpäter, am 
4. 3fuli 1860, jum orbentlidjen ^rofeffor bei 6riminalred)te3 unb =<Proceffe8 
in ber juriftifdien gacultät ber Uniberfität 9Mnd)en ernannt, gortbauernbe 
Ätanftjeit nötigte ilm, im $. 1871 um Skrfe^ung in ben 9tuljeftanb nadßu» 
fudjen, unb erlag er am 1. October 1874 feinem langwierigen Setben. 

30. berfeljrte infolge feiner äufjerft äarten ©efunbljeit feit feinem Knabenalter 
nur mit einem fleinen Greife bon 23efannten, in bem er toegen feines offenen, 
bieberen GljarafterS, feiner SiebeniWürbigf eit , feiner gebiegenen SBitbung unb 
feines anfprudjSlofen 2£efen§ fietS gern gefetjen war. 2ll§ ©eleljrter jeidjneten 
ilm grünbltdje gorfdjung, umfaffenbe Sitteraturfenntniffe unb $latt)eit ber 2)ar= 
fteHung aus, mäljrenb fid) in feinen Seb/cborträgen fritifd)e ©djärfe bemeifbar 
madjte. 2113 jeitweiligeS 9JHtglieb be& 23erwaltung§ausfd)uffeg unb beS afa= 
bemifdjen ©enateS tjat er fid) aud) um bie llniberfität berbient gemalt. — 
Slufjer aaljlreidjen Sluffäfeen unb Slbfjanblungen in |)itjig unb ©djletter'S Slnnalen, 
©euffert'S blättern f. 9ied)t§anWcnbung, im SReuen Shd)ib f. @riminal=9ted)t unb 
^ßrocefe, in ber OJftündmer) Äxitifdjen Ueberfdjau, in SSluntfdjü'e ©taat§Wörter= 
budje, enb(id) im ©eridjtefaate , beffen 5Jlitt)erauggeber er feit 1864 geworben, 
finb bon littaarifcfoen arbeiten äBattb.er'S nod) b^etborau^eben: „S)ie üiecrjtS- 
mittel im ©trafbetfaljren nadj ben ©runbfä|en be§ englifdHranjöfifcrjen ©traf= 
proaepred&teS" (Wunden 1853—55, 2 9(6tt>l.), unb „Ce^rbud) be§ bo^rifc^en 
©trafpro3efe=9Re(f)te§ mit 3ftüc!fid)t auf anbere ©efe^gebungen" (^JJtind)en 1859) 

— toiffenfdjaftlidie Stiftungen , meiere il)m eine bauernbe ©teile unter ben 
juriftifdjen SSertretern ber beutfd^en SBiffenfctjaft fidjern. 

Dteben feinem Berufe befd^äftigte fid) 20. eifrig mit ber beutfdjen ^olitif 

— in felbftlofer Siebe <jum engeren unb Weiteren Sßatertanbe. @ine mad)t= 
gebietenbe 9leugeftaltung 2>eutfd)lanb§ unter breufeifdjer Hegemonie War ba§ 3"1 
feiner äöünfdje. ^eft unb überjeugungStreu ftanb er bei jenen, Welche fdjon ba« 
mal§ bie güfyrung h nx nationalen Einigung $reufjen juWiefen, „burd) feine ©e« 
fdjidjte unb bie ma^gebenben SBertjältniffe" tjierju berufen. Sn religiöfen S)ingen 
tjatte er nad) feinen Söorten „bie confeffioneEen Süffeln tängft abgeftreift" , unb 
befömbfte mit ©djärfe bie 9Befd)Iüffe be§ baticanifdjen (SoncilS, in Weldjen er 
eine ernfte ©efab^r für bie fattjoüfdjen ©taaten erblirfte. ©einen 2lnfd)auungen 



aäJalt^er. 107 

unb SÖünfdjeit tjat er jutn öfteren fomol in ber £ageipreffe Slusbruif bertierjen 
töte in jjroei anonrjmen 23rofd)üren : „Ueber ben 9lnfd)lufj ©übbeutfd)tanb£ an 
ben 91orbbeutfd)en 23unb ; ', bon benen bie eine in Wölbungen 1866, bie anbere 
in IRündjen 1867 erfd)ien, letztere mit bem SBeijatje: „^oljenlotje, 23arjern unb 
2)eutfd)tanb". SB. mar öerrjeiratrjet mit ber jüngeren ütodjter bei Oberftabiaratei 
Dr. 2öurm in 9Jtfind)en , bie @t)c blieb jeboct) finbertoi. äßäljrenb ber |>erbft= 
ferien pflegte er ftd) auf feiner reijenb gelegenen S3iüa ^u Slmbad) am ©taxnbetger* 
fec aufhalten. 

ßhjonif ber SubroigS^ayJmiliamUniberfität 9Jcüna;en für bai ^atjr 
1874 75, ©. 7. — Beilage jur allgemeinen Leitung bom 12. 2)ecbr. 1874, 
<Jlr. 346, <s. 5413 u. flg. Ottefrolog). — smerjer'i (Sonberf. Sericon, 16. 33anb, 
©. 374. ©fntirt. 

Saltljer: ftriebtid) 2Bitcjetm bitter SB. b. äöalbetftötten, 
föniglid) bairifdjer General ber Infanterie, au§ einem $atriciergefd)led)te ber 
freien Üieidjsftabt ftoujenburg an ber Sauber am 4. 9(Jtär<$ 1805 bort geboren, 
ber Sotjn einci bairifdjen 5JlajorS, tarn auf (Srunb einer borjüglidj aufgefallenen 
Prüfung 1816 in bai ßabettencorpi ju 9Mnd)en, mufjte tjier, ba toegen Mangel 
an freien Dfficierftellen Sluimufierungen nidjt ftattfanben, ^roei ^aljre, bie er ju 
feiner roeiteren 2lu§bilbung gut anroanbte, über bie normale 3^t berbteiben, fam 
enbüd) am 11. £)ctober 1824 ali ^unfer ntm 7. Infanterieregimente unb marb 
am 9. Cctober 1825 jum Unterlieutenant beim 16. ^wanterieregimente ernannt. 
9Jcit feiner roeiteren SSeförberung ging ei junäcrjft nicijt rafdjer. (Srft am 
20. Januar 1840 marb er, nad)bem er fd)on 1825 du bem in @id}ftäbt , bem 
Sitje bei .§>eraogi öon Seudjtenberg , garnifonhenben 3. ^ägerbataitton, reo ber 
23erfet)r im ©alon unb bie 3fagb au einem fröb,lid)en Sugenbteben (Megentjeit 
boten , unb 1830 ni bem in ^ünerjen ftetjenben 5. Infanterieregimente berfetjt 
toorben mar , Oberlieutenaut , unb am 7. 2lprif 1847 Hauptmann 2. Slaffe. 
3njmi?d)en aber rjatte er fdjon 1832 ati ßetjrer beim (Sabettencorpi 23erroenbung 
gefunben , too er 3unäd)fi ©eogroptjie, fpäter aud) 5caturgefcf)id)te unb ($efd)id)te 
lehrte unb an einem großen 2Berfe über bie £opograpf)ie bei ßönigreidjS 23aiern 
arbeitete, beffen erfter 1844 erfdjienener £t)eil bem ßronprinjen 9Jlajimilian ge= 
mibmet mar; ©toboro (f. 31. ®. 23. XXVII, 279) fmt ei ein topograpf)ifd)ei 
llcufterbucfj getjeifeen unb bie Slfabemie ber Söiffenfdmften mahlte ben 33erfajfer 
ni Uvtem 93titgliebe; 1848 erfd}ien nod) ein öon it)m gefd)riebener „©runbrijj 
einer s Dtilitärgeograpl)ie unb ßriegigefdjidjte öon 23arjern". £ann aber mibmete 
er fid) gan,} bem Sruppenbienfte, nad) merjrfad)er SBerfetjung commanbirte er feit 
bem 9. «ölai 1859 ali Dberft bai 1. Infanterieregiment, am 2. Januar 1865 
mürbe er jum öeneralmajor unb nim Gommanbeur ber 6. 3Jnfanteriebrigabe $u 
Nürnberg beförbett. 2)iefelbe 1866 in bai gelb ju führen, mar itjm öerjagt, ba 
er fura bor bem Slusmatfdje bei einem Sturze mit bem 5)3ferbe ben 2lrm brad). 
9tad) 23eenbigung bei ^riegeö marb er in gleicher ©teHung jur 2. 3fnfanterie= 
brigabe nad) ^Jtündjen berfe^t unb am 15. Januar bort ^um (Sommanbanten, 
am 8. Januar 1869 aber sum ©eneraHieutenant unb pm 6ommanbeur ber 
3. S)iöifton in Nürnberg ernannt. S)iefe befehligte er im Kriege 187071, bem 
II. 3lrmeecorp§ unter ©eneral b. ^artmann angefjörenb. 2ln ifjrer ©öi^e focfjt 
er bei 2öei§enburg, aßöitt) , ©eban unb bor $ari§. 93ei ©eban erhielt er für 
ben SSorftojj ber 2)ibifion auf 93atan unb für ba§ aätje gehalten beä S)orfe8 
gegenüber ben fortgelegten 23erfud)en bei SeinbeS ti mieber au nehmen ben 
«militär=«IRar=3iofebt)=Crben, für bie bor $cni§, befonberö in ben (Sefedjten bei 
5Petit=33icetre unb Gljätillon fomie bei 53agneuj unb Glamart, betätigte Um* 
fidit unb Sapferfeit mürben i^m ba§ ©rofefreuj bei ^tilitär=33erbienftorbeni 
unb bai giferne Äreuj 1. klaffe ju Srjeil, bie ©tabt Nürnberg berlieb, irjm nad) 



108 2Baltr)er. 

ber #eimfet)r baS ©rjrenbürgerredjt. 2lm 22. Märj 1873 tourbe it)m bie er= 
betene SJienftenttaffung betoilligt, aeljn Saljre fpätet ertjielt er ben (Stjarafier als 
©eneral ber Infanterie. 9tactj feinem 9lu3fct)eiben lebte er, bis an fein @nbe 
geiftig frifdE) , in s JMncr)en , too er am 19. (September 1889 geftorben ift, „ein 
intelligenter , dmrafterfefter ©olbat, ben Untergebenen bei aller (Senauigfeit in 
ben 2lnforberungen ein toobltoollcnber Q3orgefet}ter, feinen Oberen ein benfenber 
Untergebener bon bclter Eingabe an bie ©actje." 

3fat)reSbericr)te über bie 23eränberungen unb g-ortfdjritte im Militärtoefen, 
tjerauSgegeben bon Oberft §. b. ßöbetl, $al)rgang 1890. 33. 5ßoten. 

2ßaltl)cr: £>einridi) 2lnbreaS2ö. , ^aftor an ber ,£>auptlirdje ju ben 
SBarfüfjern , ©enior beS MinifteriumS ju $ranffurt a. 9JI. , D. , mürbe am 
21. 3)ecember 1696 ju Königsberg bei ©iefjen geboren. 311S ©otjn beS bor* 
tigen ^rebigerS SlnbreaS SB. erhielt 2B. feinen erften Unterricht im ^>anfe feines 
injtoifcrjen als Metropolitan nactj SSiebenfopf belferten 33aterS, ber iljn im 
Vereine mit gelehrten fjfreunben fotoeit förberte, bafj er bereits im $. 1712 bie 
Uniberfität (Sieben besiegen fonnte , um fiel) auf Verlangen feines 23aterS ber 
£t)eologie ju toibmen, toätjrenb er fetbft meejr jum ©tubium ber Stcd)tStoiffen= 
fdjaft neigte unb neben ben tt)coIogifcr)en juriftifd^e Söorlefungen tjörte. 

UöaS alle bätertidjen ©rmatjnungen, auet) ein längerer Slufenttjalt im bäter» 
lidjen §aufe nid£)t bermod}t tjatten , beroirfte naefj äBalttjer'S eigener Sleufjerung 
ptörjticl) ein einziger Umftanb. S)er ^eilanb erfdjien ifjm im 2/caum, ber= 
fpradj auf feine $rage, mie er feine Qufyöxex feiig maerjen fönne, it)m bann 
am nädjften fein ju roollen , menn eS in feinem 2lmte um iljn am bunfetften 
fein mürbe, unb überreichte it)m einen <5tah , mit bem er feine ©ctjafe 
meiben fotle. 2)on ba ab ftanb Söaltfjer'S Sntfctjlu^ feft. 1715 mürbe 2$. 
jum Major ber ©tipenbiaten ju ©iefjen ernannt, erroarb alSbalb bie 5Jiagifter= 
mürbe unb entfaltete eine rege ütrjättgfett. 33orlefungen tjielt er über £)ebrätfdj, 
(Stjatbäifcf) , Sateinifd) , ßogif, 9Mapfm[it, ßtfjif, 9iaturrectjt unb ^olitif. 3m 
$. 1720 tourbe 20. jum Kollegen beS ©iefjener ^äbagogiumS beftettt, nac^bem er 
im felben ^atjie auf Soften beS SanbeSfjerrn pro licentia legendi et praesidendi 
bisputirt tjatte. ©eit 1724 laS 2B. aud) tf)eologifd}e ßottegien im eigentlichen 
©inne, beftieg aud) nid)t feiten bie Kanzel, namentlictj tjielt er für ben frän!= 
tietjen Obertirdjenratl) 23ielenfelb bie ©onnerftagSprebigten. SSuf (Sintotrhmg beS 
SanbeSfjerrn, bei bem er fer)r toofyl gelitten mar, lehnte 9B. mehrere an it)it er= 
gangene ecjrenbofle Berufungen als *ßrofeffor bejto. als s ^rebiger ab, leiftete je« 
bod) im 2f. 1729 einem toteberfjolten 9tufe als ©eifttidjer nadj SBormS mit ©c= 
neljmigung beS !i3anbgraien ^olge. 2öät)renb feiner bortigen 2Birffamfeit in ben 
3arjren 1729 bis 1733 gab 2B. gleid^eitig Unterrictjt in ben oberen (Slaffen beS 
(SrjmnafiumS. 23ei ©elegentjeit einer 9ieife im $. 1732 befugte 2B. ©traPurg 
unb l)ielt bafelbft auf Srfuc^en beS MagiftratS eine ©aftprebigt , bie ungemein 
gefallen tjaben mufe. äöenigftenS empfahlen ©trafeburger Kaufleute, bie uadj 
granffurt a ^üt. jur Meffe reiften, 9B. für bie foeben ^ur Srlebigung getaugte 
©teile an ber bortigen Äattjarinenfirctje. 2)iefe Smpfeljlung t)atte jur fjolge, 
ba§ ber gwmffurter Magiftrat nätjere (Srfuabigungen über 3B. einjog unb itjn 
nact) beren günftigem StuSfaH an bie Katljarinenfircrje berief. 2)ie ©ntfcfjeibung 
über biefen 9tuf tourbe 20. fetjr fdjroer, ba fein Slmt^genoffe ©ö^e nunmetjr ber= 
fcljieben unb in SßormS allgemein ber SBunfcl) Ijerrfcrjte, ba^ 3B. beffen yiafy 
folger werben möge, ©ein 23ert)alten in biefer 3lngelegent)eit ift red^t bejeicrjnenb 
für feine ®eifteS= unb ©emütc)gart. „9luf ber einen ©eite festen iljn biefe un= 
gebulbigen 2Bünfcf)e in 2Bet)mutt) unb Unruhe, auf ber anberen ©eite fal) er bie 
offenbaren ftufctapfen ber göttlid)en SSorftcrjt. Um fid) M biefem ©emütt)S* 



Sßaltber. 109 

fampfe nidjt lebigiid) felbft übertaten ju bleiben , übergab er bie ©adje mit 
itjren llmfiänben fünf au§mäitigen (Mehrten , beren 5lnäfpiud) it)n bann buid) 
^eljitjeitsbefdjlufj beftimmen jottte. 3ltte etflärten einmütt)ig bie Berufung nad) 
gfianffuit Tür göttlid). 5Die3 beruhigte it)n unb feine ©emeinbe". 20. fiebette 
im $uli 1733 nad) fjfranffuri über, roo er fein ßeben befdjlicfcen foüte. %m 
3. 1741 tourbe er jum Sßaftor an bei elften .gmuptfirdje 3U ben 23arfüfjern, aum 
(Senior beä *Dlintfierium§ unb donfiftoriataffcffor beförbeit, aud) Don bei tijeo» 
logifdjen gacultät bei Uniberfität ©iefjen jum D. ernannt. 6r ftaib am 5. 9to= 
Pember 1748 untei £>interlaffung Pon 2 Softem unb 2 (Sötjnen, bie feiner 
im 3. 1720 eingegangenen Slje mit Sftaittja Gtfjiifttane 9tube, ütodjtei beä t)eff.» 
bavmftäbtifdjen 2lmtmanne§ ju 93attenbeig entfpioffen toaren. hieben feiner 
SBerufSttjätigfeit entfaltete 20. eine lege litterarifdje äöiiffamfeit. 

©0 Peröffentlidjte et eine^ieiije feiner anfdjeinenb gern gehörten ^}rebigten, üer= 
fdjiebene 5Dtffeitationen, mehrere ^rogrammabb,anbIungen, bie ofyne tarnen eifdjienene 
(Sdjrift: „fjinftexni^ in bem Peimepnten ßidjte bei SHömifd) » (£att)otifd)en 2et)ie, 
obei grünblidje fomotjt aus bei Sdjrijt als auä bei .Siidjenfnftoiie unb ben 3eug* 
niffen papiftifdjer ©ciibenten fetbft tjeigenommene SBibeitegung eine§ üon einem 
Sefuiten otmlängft tjeiauegegebenen $Büd)lein§, genannt fiictjt in bei ^infteinifj, 
b. i. bie 2Baf)rt)eit ber Satfjolifdjen Cetjre; fjerausgegeben Pon einem ßiebtjaber 
bei 2Bat)rt)eit" (1721); „Exegesis epistolae Judae cum praefat. Jo. Laur. 
Moshemii", Heimst. 1727, Por allem: „(Srfie @rünbe ber äöeistjeit unb Sugenb", 
1731, 2. Sluft. 1735, 3. 2luft. 1749, üon ftriebrid) HnbreaS SCß. (bem <5ofme) 
befolgt. „Zeitige hieben übei roid)tige <Siüde bei d)iiftiicfc)en ©taubenä* unb (Sitten« 
letjie", SE^eit 1 1734, neu aufgelegt 1740, Sfjeil 2 1736, £t)eil 3 1737, 
%\)i\[ 4 1738, £§eit 5 1739, Streit 6 1745, XtjeU 7 1748, 2l)eit 8 unb 9 
(befolgt Pon grana ßubtoig SöaÜadjer) 1750 unb üßorrebe „SBon ber finbtidjen 
ßinfalt ber ©tjriften" au ben tyoetifdjen djrifiltdjen ßinbeigebanfen au3 ben <Sonn= 
unb $efttag§=(5Pangetien unb ßpifteln eine3 fiommen 3ied)tegelef)iten (fetneä be= 
reit§ genannten (SdjtoiegerPateiä ju ^Battenberg) 1737. Sßoirebe „35on bem gött» 
lidjen Urfpiunge bei tjeiligen <Sd)rift", au bei 9lu3gabe ber beutfdjen -gmnbbibel 
(1742) unb SBorrebe „bor ben granffurtifd)en Gated)i3mu§" (1742). ferner gab 
20. tjerauö be§ D. u. $iof. 33ielenfelb'§ @iflarung ber (Sonn* unb gefttagä- 
ßöangelien, untei bem SEitel „SDa§ boppelte 3 e ugni£ ©otteä an ber 9Jienfd)eu= 
fcele" (1725) unb „Gürtäuterter $ated)i3mu§ £utt)eri, barinnen alle äöorte be§* 
felben beuttid) erfläret unb bie 2öat)if)eiten felbft Poiftdjtig auSeinanbeigefetjt, 
giünbtid) betoiefen, aud) ju 5Jflid)t unb Sioft angewenbet roeiben in einei ganj 
gleiten Set)r=2trt nebft einem 2lntjang ber fjeftlectionen , bei ßet)ie Pon ber 
Konfirmation unb einei Dibnung be8 ^>eil§ au§ bem Satedjismo, auf SJeilangen 
d)iifüid)ei greunbe herausgegeben" (1746). Unter ben 20 bon ifun befannten 
geiftüdjen ßiebern finb u. a. fotgenbe: „9hm rooEen meine ©lieber nad) ©einer 
Oibnung mieber" :c; „©ro^er ßönig 3[efu ^ienfdjenfreunb" it.; „^err unfer 
|)ort, |>err unfer ^peil" ic. ; „©ebbet fei bae t)öd)fte @ut" ic. 

SCß. mar ein äufjeift fiud)tbaiei ©djiiftftettei , fo fiud)tbai, bafe ei buid) 
feine <Sd)iiitftetleiei biömeilen mit ben «ßflidjten feine§ -pfarramtg in SBiberftrcit 
fam unb ©efatjr lief, nun feinem Pon beiben ^Berufen Polt geredjt au merben. 
2fn ber (Einleitung au bem 6. SSanbe feiner ^eiligen 9teben b,ielt er eä für 
nbttjig, auäbiüdtid) bie Sitte an feine ßefei au§aufpied)en, e§ gütigft entfdjulbigen 
au wollen, menn baö 33ud) infolge be§ £)iangeä feinei ©efd)äfte l)iei unb ba 
felüd)tigfeit§fpuren aufmeife. 2ll§ Äanaelrcbner ber pietiftifdjen s ,Hid)tung fdjeint 
äß. fegenereid) gemirft a»» ^aben unb eS bürfte b,ier ber S^tocrpuntt feiner 
Stjätigfeit liegen. 



HO Söaltyer. 

$riebr. Neubauer, ftactjridit öon ben ifetlebenben @üangelifd)en ßutfjerifdjen 

unb Oteformirten £f)eotogen in unb um 2)eutfd)tanb. gütltdjau 1743, 

©. 990—1013. — (SliaS ftriebrid) ©d)tnerfat)t ; S juberläffige 9tadjrid)ten Don 

jüngft oerftorbenen ©rieften. 3eHe 1748, ©. 713—730. — fjfriebti^ SBil- 

tjelm ©trteber'S ©runbtage ju einer ^effifd^en ®elet)rten= unb ©djriftfteller= 

®efd)id)te. Harburg, üBb. 16. ©erauSgeg. oon Submig SBacljler 1812, 

©. 451—463. SBiltjelm ©rotefenb. 

SBültljer: ©ermann SB., Slrjt in ©reiben, bafelbft 1815 geboren unb 

am 16. Slptil 1871 geftorben, ftubirte feit 1834 in ßeibjig bie ©eilfunbe unb 

erlangte bafelbft 1838 mit ber bemerfenSroerttjen ^nauguralabr)anbtung „De vi 

nervorum in secretionibus regendis" bie 5E)octorroürbe. 2)arauf madjte er 

längere toiffenfdjaftlidje Steifen burd) 2)eutfd)ianb unb gfranfretdj, lieft ftd) als 

5lrjt in S)reSben nieber, mürbe 1850 Oberarzt beS neu errichteten ©tabtfranfen= 

tjaufeS, fbäter fucceffiöe fömgl. Seibarjt, geheimer Mebicinatratt) unb Referent 

im Minifterium beS Innern, fotoic 1864 *ßräfibent beS SanbeS « ^Jlebicinal= 

GollegiumS. ©ein £ob erfolgte an ber ^uderrjarnrurjrfranffyeit. SB. mar ein 

tüdjtiger unb fetjr beliebter ^ßraftifer, ber fiel) um baS fädjftfdje Mebicinalroefen 

fotoie um bie »Vörberung ber ©tanbeSintereffen ber fädjfifdjen Slerjte ein grofjeS 

Stferbienft erworben, bagegen fdmftftetterifct) nidjtS öon 33ebeutung außer ber ge= 

nannten ©octorarbeit tjinterlaffen t)at. ^3agel. 

3Balt^cr : 3 o \) a n n SB. , ber greunb unb Mitarbeiter ßuttjer'S im mufi= 
falifdjen ftadje . geboren 1496 ju Sola in SEIjüringen , f bor bem 24. 2lüril 
1570 in Sorgau. @r trug audj ben Flamen 23lantenmüller nad) einer ber 
Mutter gehörigen Mütjte, bie SBlanfmürjIe genannt mürbe. %m $. 1524 treffen 
mir it)n als 33affift in ber ©oicabeHe ju ütorgau, mo er aucrj balb barauf nod) 
jum domboniften ernannt unb öon ßuttjer nadj SBittenberg erbeten mürbe, um 
bie ©inridjtung ber fird)tid)en ©efänge ju beforgen. üDa bie ßrgebniffe biefer 
SBerattjung bereits 1524 in ber Verausgabe beS SBittenberger ©eiftlidjen ©e* 
fangbudjeS ju Sage traten, fo muß bie Berufung nad) SBittenberg feijon ein 
ober jroei Satjre öor 1524 gefdjetjen fein, benn bie SluSgabe umfaßt 43 öier= 
unb iünffttmmige ©efänge (fieb,e bie neue *ßartiturauSgabe im 7. 33anbe ber 
^ublication ber ©efellfdjaft für Mufifforfdjung , Seidig), ©erjon 1526 be= 
abfidjtigte ber Äurfürft ^otjann ^riebrid) bie Gabelte aufjulöfen , ba er bie 
©eiber jjur Lüftung gegen ben fatljolifdjen SSunb gebrauste. (Sin ©djreiben 
iß&itiW Meland)tf)on'S an ben ßurfürften bom 20. 3uni 1526 machte aber 
ben Sntfdjlufj mieber rüclgängig (abgebruclt in MonatSf). f. Mufifg. 10, 85), 
jebodj fdmn 1529 fefcte er bie ©etjälter ber ßapellmitglieber bebeutenb Ijerab 
unb enblid) 1530 fab, er fictj gejroungen, bie Gapette ganj aufjulöfen. @t)e 
aber bie (SapeUmitglieber fiel) jerftreuten, faftte bie Sßürgerfdjajt 2orgau§ ben 
ßntfcb^luft, eine 3ln3at)l Mitglieber unb befonberS 30. au feffeln, inbem fie fidj 
ju einer ©efeUfd^aft bereinten , ber fie ben s Jtamen „ßantoreigefeUfctjaft" bei= 
legten , um bie itjnen lieb gemorbene Äirdt)enmuftf ^u erhalten, ©ie ftcllte 2ß. 
bie ©änger jur Verfügung , befolbete iljn , unb um ib,n ganj fidejer an Xorgau 
ju feffeln, fdjuf man an ber ©djule eine neue ßeb.rerfteUe unb fetjte ib,n bort 
ein. Man trennte an ber ©cl)ule ba% (Santorat bom Drganiftenamte, übergab 
bai erftere SB. unb als ßelrgegenftänbe ©efang , 9teltgion unb lateinifdjen 
©pracf)unterricl)t bis jur leicbteren Seetüre. 2>er Crganift erhielt bie 6(ementar= 
gegenftänbe. 3)ie (Sinricljtung ber ßantoreigefettfetjaft fanb fetjr balb in anbern 
©tobten Wacrjaljmung , ba bie beutfdjen dürften überall buret) bie $riegSDor= 
bereitungen baS ©elb für bie Gabelte jurücfbetjielten, ober bie Sürger erfannten, 
baft fie fid) nur in biefer SBeife eine tfirdjenmufif fdjaffen fonnten, mie bie= 
jenigen ©täbte fie befafjen, in benen fiel) eine fürfitierje ßapelle befanb. ßuttjer 



äßalttjer. 111 

toar über bas gänatiße aufgeben ber Gapette in Borgern fefjr aufgebraßt, benn 
fie mar baS 3»beal feiner SBeftrebungen , ben Äirßenbienft mufifatifß auSau^ 
fßmücfen unb 31t beteben. 6r richtete baljer an ben Kurfürften ein fetjr enev= 
gifß abgefaßtes (Schreiben, WaS toenigftenS ben einen ©rfolg blatte, baß berfelbe 
ber (SantoretgefeUfßaft einen jäljrlißen 3 U H U B öon 100 (Bulben jufagte. Site 
nun ber <£)erjog i)lorit$ an ©teile beS gefangenen $utfürften trat, berpflißtefe 
er fiß jur Söeiteraarjtung biefer 100 ©ulben järjrliß unb erft im $• 1548, als 
er bie <£)oßaeit feines 33ruberS Sluguft ausrichtete, ber fiß mit einer bänifßen 
^rinjeffin Oennäljten tootlte, entfßloß er fiß , felbft eine Sapette einaurißten. 
bie borläufig bei ber $oßaeitSfeiertißfeit mirfen füllte unb itjm bann naß 
Bresben folgte, gum berufe ber 93ilbung ber &ofcapelte erhielt ber Wector 
(Fruciger an ber äöittenberger UniPerfität ben Auftrag, bie ©tubentenfßaft buvet) 
9lnfßlag am fßtoaraen Sßrett aufauf orbern, ber neu au grünbenben gabelte als 
©änger beizutreten unb fict) aur Prüfung bei Sotjann 20. in SLorgau au melben. 
2tm 22. ©eptember 1548 unteraeic^nete ber Äurfütft 9ftorit} bie ©tiftungS= 
urfunbe; am 8. Dctober fang bie neugegriinbete Gapetle unter ber 5Direction 
2Battb,er'S bei ben -gjoßaeitSfeierlißfeiten in £orgau unb fiebelte bann naß 
©reiben über. SB. mar fomit jum furfüifttißen £ofcapetlmeifter emporgeftiegen 
unb ber erfte in ber langen 3teif)e berühmter ^ofeapettmeifter in 2)reSben. — 
20. tjat bie geit in Xorgau fleißig benü^t im ©inne ßutljer'S weiter au arbeiten, 
©ßon 1525 bruefte «Peter ©ßöffer baS äöittenberger geifttiße (Sefangbuß in 
2. 2luSgabe. 2Jtan glaubte feiger üielfaß , baß eS ein Waßbrucf fei, bieg ift 
aber ein ^rrtljum, benn ber neue S)rud£ toeift bielfaße Söerbefferungen auf, bie 
nur bon 3B. felbft rjeuürjren lönnen. ©ielje bie Slnmerfungen in ber neuen 
«PartiturauSgabe in Sßublication 23b. 7. 3m übrigen ift eS ein getreuer 2lb= 
bruef ber 1. SluSgabe bon 1524. Stoölf $at)re fpäter gab 20. baS (Sefangbuß 
in neuer Permeljrter SluSgabe fjerauS. SBir erfahren aus bem Sitel beS 
SrucfeS baß it)n ber Äurfürfl Sotjann ftriebriß I. fßon bamalS aum ©änger= 
meifter, b. f). aum Gapettmeifter ber Sapelte ernannt blatte. 2>er S)rud bon 
1537 erfßien in ©traßburg bei ^eter ©ßöffer unb «flcatttjiaS SlpiariuS. Cr 
befielt aus 5 ©tb. , bie fiß in ber ^ofbiblioiljef in äöien complet, in ber 
©taatSbibl. in s münßen oljne S3aß unb in ber ©tabtbibl. SlugSburg nur im 
2ltt, £enor unb SBaganS befinben. ©et £nl)alt befterjt auS 53 ©efängen, ift 
alfo um 10 Hummern permetjrt. — Sarauf folgte bie 4. Auflage 1544 mit 
63 (Befangen, bie bieSmal in SBittenberg felbft bei ®eorg 9tt)au erfßien. 
©ie 5 ©tb. befinben fiß in ben SBibliottjefen au Berlin, boß festen bei 
einigen ©timmen au Anfang mehrere SBlätter, bie aber burß bie anberen 
(fjemplare in ^toiclau unb «Hamburg, benen bie 23aganS fetjlt, eifert toeiben 
fönnen. ©ie Iefcte SluSgabe fällt fßon in 2ßaltb,er'S Slufenttjalt in ©res= 
ben, benn fie erfßien 1551 bei 9ttjau in Sßittenberg , bie beutfßen ©efänge 
bis au 74 Wummern bermerjrt unb bie lateinifßen bis au 47 Wummern. ©ie 
5öorreben bleiben immer biefelben; (Sjemplare befi^en bie S3ibliotr)efen in Serlin 
unb Königsberg i $r. complet in 5 ©tb., in SMnßen fehlen im Xenor Wr. 38 
bis 74, in ßaffel festen im Senor bie legten a»ei SSlätter, in Upfala fet)lt ber 
S)iScantuS unb ßeipaig befi^t nur ben 33affuS otjnc Titelblatt. (Sine ber-- 
gleißcnbe atpljabetifß georbnete ^nb,aÜSangabe atter fünf ausgaben- finbet man 
©palte 17 ff. im Sßorroort ^ux neuen 3luSgabe bon 1524. — äÖaltfjer'S 
©ßreib= unb 5luSbrudStoeife leibet noß an einer gemiffen ^)ärte unb ©teifb,eit 
in ber ©timmenfüt)rung, bie eS au einem äBoljlflange fetten fommen läßt. 2öie 
bei alten bebeutenben 3eitgenoffen liegt aber $raft unb Söürbe in feinem mufi= 
latifßen ^luSbrurf, bie bem ©egenftanbe fe^r mol)l anfleht unb mie befräftigenb 
ben proteftanttfßen ©laubenSeifer beaeißnen roitt, ber nißt manft unb toeißt. 



112 Söaltycr. 

3n ben beibcn legten s 3lu£gaben ftnben fielt) fdjon ©efänge mit milberem 2lu3= 
brude. ©o öeröffenttidjt b. Sßintetfelb im 1. 53anbe feine§ ©banget. Äirdjen« 
grfangeS, ©. 4 bev «Diufifbeifpiele, SBaltfjer'S fünfftimmigen ©efang über eine 
rci^enbe geiftlidje SJolfsmelobie „Sfofepi), liebet Sofepf) mein", mit ber SJlelobte 
im SiScont, bev fdjon ba§ 33eftreben funb ttjut, metjr bem tjavmonifdjen 2Bot)t= 
ftange ju tjutbigen; bod) eS gtücft itün nur jum SCbeil. SDafj er babei bie 
ÜJlelobie burd) ben 2. S)iecant, ber ben 1. 2>i§cant fortwät)renb freuet unb öer= 
bedft, bottftänbig bem gurjörer gegenüber bernidjtet, ttjeilt er mit feinen 3eit= 
genoffen , benen bie benutze SBolfSmelobie nietjt at» £)auptf adtje galt , wie ei 
tjeute ber galt ift, fonbern benen bie gewählte 9!Jtetobie nur jur ©runbtage 
btente, um $u berfelben einen neuen £onfat$ <ju erfinben. S)est)alb get)en fie 
auet) mit bem fogenannten Cantus firmus gan^ wittfürlid) um , lürjen unb 
öerlängem bie ftoten ganj nactj belieben; unb ba§ gefdja^ im geiftlidjen, roie 
Weltltdjen ülonfafee; beätjalb tjätt e£ tjeute fo fdjwer, bie alten beutferjen 23olf3= 
metobien au§ ben oierftimmigen Bearbeitungen ju reconftruiren unb gerjen 
bie 9Jnfidjten ber 9Jtuftft)iftotifer barüber weit auseinanber. GHn ©nburttjeit 
über 2Baltt)er'§ Seiftungen ift 6i§ je£t faum möglich , ba unä bie Uonfätje au§ 
feiner fpäteren geit mit 2lu3nat)me einiger weniger ööÜig unbefannt finb. Äabe 
öeröffentlidjt ^War im 5. SBanbe t»on Slmbroä' 9Jtufifgefdjid)te 6. 404 ff. atoei 
©efänge öon 1561 unb 1566, boct) bieten biefelben feine neuen ©efidjtäpunfte 
bar, ftet)en etjer tjinter bem obigen, Sofept), lieber Sofept) mein, nocl) jurttef. — 
lieber äöattljer'ä fernere Sebensumftänbe ift nur nocl) wenig ju berichten, %m 
^jerbfte 1554 tieft er fiel) penfioniren unb 30g nad) £orgau, wo er fdjon feit 
1537 ein eigene^ ^>au§ in ber ©tümpferftrafje befafj. (Seit 1526 mar er ber= 
l)eiratf)et mit 2lnna, Softer be§ <g>an8 Reffen, ber beim Äurfürften üteitfdjmibt 
gewefen mar. S)iefer Gütje entflammt ein ®ot)n, ber ebenfalls ben tarnen 3o= 
l)ann trug, Gantor in -gmtju (©rofjentjain) war unb 1551 auf SBunfd) be§ 
23ater§ nad) ;£orgau 30g unb Äornfdjreiber würbe. ®ie fpäteren 9tad)fommen 
laffen fid) bis in bie 9Jtitte bei 18. ^atjrbunbertä berfolgen, boct) feiner wibmete 
fidj ber IRufif. 2) er le^te war ein Sudjmadjer. — äöatttjer'S übrige @ompo= 
fitionen beftet)en au§ einer „Cantio Septem vocum" (Wittenbergae s. a., ©eorg 
9U)aw) gegen 1544 componirt, ferner „(Sin fdjöner getftlidjer bnb djriftlidjer 
newer Sercfretjen bon bem füngften tage, önb ewigem Seben" (2ßittenberg 1552 
bei ad^au unb in neuet Auflage in Harburg 1555 hei Stnbreg Kolben gebruclt, 
fowie in 2lu§gaben 1561 in Nürnberg unb jwei auberen of)ne ^atvr gebrudt); 
„Magnificat octo tonorum 4, 5 et 6 voeibus" (Jhenae 1557 bei 6t)rift. 9tl)obii 
in 5 ©tb.); „Sin newe§ d)riftlid)e§ Sieb, baburdj 2)eutfd»lanb jur Sßufte üer= 
manet, bierftimmig gemadjt" (SBittenberg 1561, iei Üttjau's ßrben, 6 Stätter 
mit gegenüber geftettten ©timmen); „S)a§ d)riftlidj Äinberlieb D. Martini 
ßutt)eri , ßürtjatt un§ |)err ic. s Äuffö new in fed)8 Stimmen gefefet" (2öittem= 
bergf 1566 bei ©djwertet, 21 ©efänge). Äabe tl)eilt einen SLonfafc im 9lm= 
broS 93b. 5 barauS mit. — 9lud) als ISidjter lernen wir SBattb.er in feinem 
„Sob unb preiö ber töbtidjen ^unft TOufica" (3Bittembcrg 1538) fennen. 
@§ befielt auS 322 Werfen. @in ^weite§ ©ebidjt, am 6nbc feines SebenS ent= 
ftanben, ift betitelt: „Sob önb preis ber £imlifd)en Äunft MVSICA : «Kit 
einer Ijerrlidjen, fd)önen Soitebe . . . Sutljeri" (ge^eid)net mit 2orgaw am legten 
2lugufti 2lnno 1564, gebrudt ju SBittenberg burd) Soren^ ©djwend). ©jemplar 
in ber 6tabtbibliott)ef ^u 33veStau. 93efd)reibung in dmit 23oljn ; i Katalog. 
3)ie übrigen 2)rude finb befdjrteben, jum ü£ljeit mit ülegifter öerfct)eu , in ben 
9Jtonatsl). X, 86 ff. 52>ie in neuen ausgaben erfd)ienenen ©efänge finb in 
meinem 28er^eid)ntft neuer 2lu§gaben alter s Dlufifwcrfe nebft «Jladjtrag in 9Jto= 



SBaltfjer. 113 

natät). IX 3U finben unb 37 ©efänge in alten ©ammelmerfen ftnb in meiner 
Bibliographie üerzeidjnet. 

21% mufif. 3tg. 2pz. 1863, %r. 14 u. f. — Säubert, ©efd)id)te ber 
Pflege ber 9Jcufif in Sorgau, Programm 1868 unb S)er @t)mnaftal=©tnged)or 
in Morgan, Programm 1870. — Rabe, ©ine f efte bürgt tft önfer gott. ®er 
neuaufgefunbene 2utt)er=Gobej Dom iSafjre 1530. Bresben 1871 , nebft ben 
oben bereite Derjeicrjneten Quellen. tft o b. Sitner. 

2öaltljer: ^otjann ©otttrieb 28. mar, äljnlid) mie ^otjann ißadjelbet 
im ©üben unb SDietrid) 23u;rtef)ube im 9torben , in !ftittelbeutfd)lanb ber be= 
beutenbfte Vertreter ber $unft beä OrgelfpielS öor unb neben ©eb. Bad), ©eine 
©elbftbiograptjie (^Dlatt^efon'S „dütjrenpfotte" ©. 387) gibt unä genügenbe 2lu£= 
fünft über ben äußeren 2eben3gang beä ^Reifterl, mie über bie beftimmenben 
(Sinflüffe, bie feinem fünftlerifdjen ©Raffen unb 2Birfen bie 28ege miefen. ©eboren 
mürbe 28. am 18. ©eptbr. 1684 (getauft am 21.) in Srfurt, roo fein Bater 3ot). 
©tept)an 28. als „3^ug= unb 9lafd)mad)er" fein Brot öerbiente. ©eine »JJlutter 
s Iftartt)a üDorottjea, eine geb.2ämmerf)irt, mar eine nalje SlnOerroanbte beS Bad)'fd)en 
©efd)led)teS. S)er $unge erhielt zunädjft brei 2fat)ie lang *priüatunterrid)t im 
2efen unb ©abreiben unb mürbe bann in bie Erfurter ■ß'aufmannSfdjule gettjan. 
,!pier traten fd)on bie mufifalifdien gätjigfeiten beS Änaben zu Sage. 3iot). 
Berntjarb Bad, ber bamalige Organift an ber $aufmannSfird)e, unb fein 9iad)= 
fotger 3of). SlnbreaS ihetfdjmar unteimiefen tfjn 1696 — 1697 im Glat>ieifpiel ; 
unb in ber ©ingefunft förberte it)n ber dtantor 3fafob 2lb(ung gleichzeitig in 
ben breiüiertel 3°f) ren berart, bafj ber $nabe als „ßoncertift" (©otofänger) 
Oerroenbet roerben tonnte, %m SSRax 1697 bezog ber 13jät)rige 28. baS s Jtatt)S= 
gömnaftum, mo er eifrig feinen ©tubien oblag, aber aud) $eit fanb, bie Orgel* 
banf aufzufud)en. Sie ©trebfamfeit beS Jünglings ermarb itjm baS 2Bob,lmoHen 
eineä unbefannten ©önnerS, auf beffen Beranlaffung 28. 1701 zum ^robefpiel 
aufgeforbert unb am 8. Woüember 1702 jum Organiften an ber (Srfurter 
£t)omaSfird)e berufen mürbe (2)iSpofition ber Orgel bei 2lblung, mus. mech. 
org. I, 226). 9tun roibmete fic^ 28. Döüig ber Iftufif, bie feine ganze 3*u | n 
2lnfprud) nafjm: ba mar fein neues 9lmt, feit bem 11. ©eptember 1702 trieb 
er ba^u bie ßompofition , in ber s $rajiS beS ©pieteS untermieS er Slnbere unb 
übte er fid) felbft. llngemölmlid) ^ät)e 2tuSbauer unb eiferner gleifj ftetften 
augenfdjeinltd) in bem jungen Äünftler. ©eine 2et)rmeifter in ber ßompofition 
unb in ber Stjeorte maren Partituren unb Büdjer. (Srft nadjbem er aus itmen 
gefd)öpft, maS z u letnen mar, begab er fid) auf 9teifen, um feinen muftfalifdjen 
@eftd)tSfreiS ju ermeitern. 1703 befudjte er ftranffurt unb ®armftabt, 1704 
^alberftabt unb ^Ragbeburg , mo er ju tüctjtigen unb berühmten ^tufitern, 
S Ä. äßertmeifter unb 2?ot). ©raff in nätjere Beziehungen trat. s JJMt bem Stieo* 
retifer Sßertmeifter , ber SB. mit S5ujteb;ube'g Söerfen befannt mad)te, tjielt it)n 
fpäter nod) ein tebtjafter Brief med)fel jufammen. 1706 enblid) befud)te 28. in 
Nürnberg mit), ^pieron. $ad)elbet, beö berühmten 3>ot) $ad)elbet ©of)n. Sluf 
foldjem fünftlerifd)en 35oben reiften bie 23orarbeiten ju 2Baltl)er'§ (Sompofitionä= 
leb^rbud) , ju feinem 2eyiton , zur eigenen compofitorifdjen Sljätigfeit. — 3lm 
2. 2)ecember 1706 ftarb 3|ot). ©eorg 5lt)le, ber Orgauift oon ©t. sölafiu« in. 
"JJtü^l^aufen. S)er bortige Orgelbauer 28enber, ber aud) in Erfurt mehrere 
Orgeln erbaute, roottte 28. oeranlaffen , fid) um ben öacanten Soften zu be» 
merben. 28. unterliefe bieg aber auf s ilnratl)en einiger ßeute; bie ÜJiü^I^äufer 
ermatten, mie befannt, ©eb. %a$ (©pitta , 3. ©• 23ad) I, 332). ftfir 28. 
fanb fid) aber balb eine anbere ©elegent)eit. 9lm 29. Sfuli 1707 erhielt er bie 
23ocation als Organift an ©t. $eter unb 5paut in 28eimar an ©teile beS bct- 

^tagem. beutf^e SionroDhie. XU. 8 



114 2ßaltf)er. 

ftorbeuen Drganiften |)eint$e, roo er ein „auS 25 flangbaren (Stimmen unb 
5 «erlügen beftet)enbe§ Otgcl^SGßercE" antra! (2Baltf)er'S ßeirton ©. 333; S)i8« 
pofition bei Drgel bei Slblung, mus. mech. org. I, 281). S)ie mufilalifdjen 
«erljältniffe in SBeimar (bgl. ©pitta a. a. £>. I, 374 ff.) fc&einen SB. fe^r 
augefagt au ljaben. (Sleicb, bon Anfang an burfte er au b«n muftfliebenben 
,£>ofe in fe§r günftige SSejie^ungen treten: er tourbe ber ßtabierleljrer beS jungen 
^rinjen Mann (Srnft unb feiner ©ctjmefier Spanne ßtjarlotte. 2)em 23eifpiele 
beS <£>ofeS folgten Siele, Slbelige unb SBürgerlicrje , fobafs 30. neben feinen 
^flidjten unb Neigungen eine „tägliche inSgemein mübjame Information" au 
berridjten fjatte („QJorbericrjt" jum Sejüon). @ine für bie 3ufunjt gefiederte 
ßjiftena bor ftdrj feljenb, fd&lofj 20. am 17. ^uni 1708 ben eljetidjen 33unb mit 
Slnna 9Jtaria Xrefjler, eines ©djmeiberS Stodjter. 3Benige SBocrjen banaclj rüdte 
©eb. 93adj als J^oforganift unb $ammermufiluS in SOßeimar ein. 6ine geiftige 
58eaieb,ung amifdjen beiben Orgelmeiftern mar fd)on früher angefnüpjt burdj 
2Baltt)er'S 33crmanbtfd§aft mütterlicrjerfeitS mit bem 23acb/fcr)en ©ef^led^t, burdj 
äöaltljer'S 33erfeljr mit $• Sßernb,. 33adj, burdj bie gemeinfame 33efanntfdjaft 
mit bem Orgelbauer Söenber in SJtüljl^aufen. 3ufammen lebenb aber in gleichen 
35ert)ä(tniffen , ftrebenb nadj gleiten $unftaielen , mürben fte balb bertraute 
greunbe. ©eb. 23adj bertrat bei äöattljer'S älteftem ©ofjne $ofjann ©ottfrieb 
am 26. September 1712 ^attjenftelte (©pitta a. a. £). I, 386). äöäfjrenb 
biefer ganzen 3"t galt 2Baltb,er'S ,,.£)aupttl)ätigfeit ber mufifalifdjen ^rajiS in 
©piel, £eljre unb ßompofition". SDem ^rinaen Sodann (5rnft, ber übrigens als 
^auptinftrument bie Biotine tractirte, mibmete 20. bereits am 13. $Rära 1708 
fein umfaffenbeS GompofttionS=2eb,rbudj ; unter äöalttjer'S „geringen unb unter* 
tfjänigften 9lnjüljrung" betrieb ^otjann @rnft nodj breibiertel 3>al)re bor feinem 
Stöbe (1715) SompofitionSftubien — ein beutlidjeS 3 e i$ en bajür, eine mie 
grofje Sebeutung äö. als Stljeoretifer fetbft neben ©eb. 23adj befafe (Söaltljer'S 
Sejifon ©. 331; £. (Seemann, 3- ®. Salier als Srjeoretifer , Söiertelj. f. 
9Jtufifm. 1891, ©. 504). 28attb,er'S „i^auptintereffe mar aber bem Orgelctjoral 
jugemenbet". 2luf biefem (Gebiete fammelte er alles, maS er bon bem Seften 
feiner 3 f itgenoffen unb älterer 9Jleifter erreichen fonnte. günf eigenljänbige 
©antmelbänbe legen 3 e ugnifc ab bon Söaltljer'S unermüblidjem ^tet^ unb 
brängenbem ütrieb, fieb, auf feinem ©ebiete aÜfeitig au bilben. Unb felbft ent= 
faltete er eine rütjvige grudjtbarfeit : er componirte ganje ^arjrgänge bon (£(jorat= 
bariationen unb Bearbeitungen. 2)ie SBeimarer Seit mar aueb, ©eb. 35acb/S 
©lanjperiobe als Drgelcomponift. SBeiben gemeinfam mar bie SJorliebe für alle 
fünfte beS SontrapunftS unb bie fpielenbe ßeicljtigfeit im ßöfen fdjroierigfter 
Probleme. SllS 3^ugniffe ib,reS fünftlerifdjen Sßerle^rS barf man ätoei ©tamm= 
budjblätter mit. \t einem $anon bon SB. unb S3ad^ unb bie Uebertieferung einer 
tleinen Slnefbote anfe^en (bgl. ©pitta a. a. D. I, 383, 386). bitten in ben 
rjer^lic^en 3luStaufcr) freunbjdiajtlicrjer ©efinnungen 30g ficlj jeboctj aümäcjlidj 
ein 9ti^- ßb ba^u ein äufjerer Slnla^ borlag, erfahren mir nidjt; berfd^iebene 
^titjeiccjen laffen eS aber untrüglich erlennen , bafe meb,r unb me^r eine innere 
@ntfrembung ^mifetjen beibe Äünftler trat, bie 2B. in feinen immerhin einfeitigen 
Äunftanfc^auungen meiter geb,en liefe , SBacfj aber ju immer auSgebreiteterem 
©Raffen führte, ftüi 93ad£? fanb 2B. fpäter in feinem ßejrifon nur Sfiaum au 
einem furaen, inhaltsleeren , faltblütigen ^rtilel. ginige ^at)re nacb, 93acl)'S 
Söeggaug auS 2Beimar mürbe 20. ein neuer 23emeiS ber ©unft feines dürften 
au tljeil. S)iefer ernannte irjn 1721 a u m -öofmufifuS. Um biefe 3eit Ijerum 
gewann nun eine $bee immer meljr greifbare gfotn 1 . a ^\ °i e 28- bureb, feinen 
gauaeu 53itbungSgang Eingeleitet morben mar: nämlicr) nacr) bem 23eifpiel beS 
granjofen Sroffarb atleS auf ^Jlufif unb ^uftfer alter unb neuer 3^it 5Beaüg= 



SBaltber. 115 

lictje in lerjfalifcrjer gorm .jufammen ju [teilen, ©eine früheren Sammlungen 
ergänzte et mit bermet)rtet Stnftrengung , copivte f etbft unb bat g^unbe , itjm 
fefteS, ftdjereS Material rjerju tragen ^u Reifen („33orbericr)t" jum Serifon). 
©o erfdjicn benn bereits 1728 im Vertage beS SlutorS baS erfte ©tüd tn 4°, 
ben SBudjftaben 21 umfaffenb , unter bem Stitel „2llte unb neue Q3ibliotr)ef" ic. 
2)ieS |>eftct)en führte irjm bon allen Seiten neue Seiträge ju unb ianb bei feinen 
ßunftgenoffen fobiel 33etfall, bafj ber Seip^iger Verleger 2Solfgang 2)eer ba§ 
ganje SBerf übernahm unb eS mit gutem ©runb 1732 auf einmal fjerauSbractjte. 
Sßatttjer'» „9Jtuftcalifd)eS Lexicon ober 'ülufkattfdje 23ibliotr)ec, barinnen nidjt 
allein bie 9Jtuftci, meiere forool in alten als neuern 3 e ^ en - ingteietjen berj 
betfdn'ebenen Stationen , burd) Jtjeorie unb ^rarin fid) rjerborgettjan , unb roas 
bon jebem befannt roorben, ober er in ©djrifftcn tjintertaffen, mit allem ^-letffe 
unb nad) ben bornetjmften Urnftänben angefüljret, Jonbern audj bie in ©riedjtfdjer, 
2ateinifd)er , 3tatiänifd)er unb 5ranpfticl)er ©praerje gebräudjlidjc 9Jtuficalifdje 
Äun[t= ober fonft baejin gehörige SBörter, nadj 2ltpf)abetifd)er Drbnung bot= 
getragen unb erftäret, unb jugleictj bie meiften borfommenbe Signaturen er= 
läutert toerben" — ift fomit baS erfte beutfdje mufifalifdje gerifon. 20. roibmete 
fein 2Berf feinem dürften, ^evjog @tnft Sluguft. @in SluSjug auS Söaltfjer'S 
Sejifon rourbe fdjon 1737 in Gfjemniij bei ben (Sebrttber ©töfjel anonrjm als 
„ßurtsgefafjteS 9Jtuficalifd)eS £ertcon" in bie äöelt gefe|t (neue Auflage 1749) — 
man fietjt, 38. tjatte einen richtigen ©riff gemalt. $n feiner gamilte t)atte SB. 
bie 2Bed)fetfälle bee SebenS roie ieber Slnbere ju tragen. 21m 23. $an. 1727 ftarb 
feine Butter, am 18. 5Decbr. 1731 fein 81jäf)riger Sßater. $on adjt ftinbettt 
blieben nur bier am Seben. SDer ättefte ©orjn mar 33ad)'§ ^atljenfinb , bet 
jroeite, %ot). Grjriftopt), mar am 8. $uli 1715 geboren (f. u.). SBeibe ©ötjne, 
oon benen ber erfte Violine, ber jtoeite ßtabier fpielte, bejogen 1732 refp. 1736 
bie Unibcrfität 3ena. S)ie ältere Xodjter toar nadj Sera t)in berrjeiratrjct ; im 
Suni 1745 „machte fte 20. jutn 3ten 9Jlab,le ju einem ©rofjbater". 3n mu ft = 
falifdjer 23e3ief)ung aber rourbe ÜB., ber nun bodj im teijften s UtanneSalter ftanb, 
met)r unb metjr ein (Spigone feiner felbft. SBie er einerfeitS im Drgeldjotal 
fteefen blieb, otjne nad) fjötjeren unb roeiteren giden Umfctjau <ju galten, fo ber= 
engerte fid) audj anbererfettS feine Üfjätigfeit. SöaS ifjm frütjex als großer 
äöutf gelungen mar, fein Serif on, bae flidte er jetjt in fleinlidjer ^iadjarbeit 
aus, baju beffelben SaHafteS bon Sorrefponbenjen unb mutanten ©ammelnS 
benötigt (Monatshefte f. Wl. XXII, 51 ff.). Safe SB. geiftig nid)t auS fid) 
tjerauS roud)S, baS empfanben rool aud) feine SRitmenfcfjen ; fd)nelllebig genug 
fdjritten fie über bie berbraucrjte ^taft l^inroeg. s IRit bitterer SBecjmutl) äiel^t 
SCÖ. in einem ©riefe bom Sa^re 1737 felber baS ftacit feines ßebenS: „®ct 
ßffect meines nunmetjro 30jäl)rigen ^' et 1 e ^) n S. in roeldjer Seit id) bielen, mit 
muficalifcrjem Unterricht aufrichtig, unb orjne 5lnfet)n ber ^erfon, gebienet fyabe, 
ift nun biefer: bafe jene ißrob gefunben, unb noct) gegenroärtig finben; id) aber 
fotdjeS berlietjre. — — ^d) tan für Information meiner ©polaren, ^u feiner 
metjr gelangen. Unb fo getjtS aud) in ber ßompofition. S)er, fo nur 6 ^arjr 
babet; ift , t)at Sugang , unb bie Duelle roirb berlaffen , ja rool gar Deradjtet. 
^ier^u fommt nod) , bafc bie SBefolbung nidjt richtig erfolget. — — 93et) fo 
geftaUten ©adjen toeife fürroafjr nid)t, roaS Ijinfüro anfat)cn fott, fo als ein 
9leben^2Berd, ber eblen 9Hufic, als meinem ^auptroerefe, nid)t despectirtid) fet)". 
Unb in einem Sriefe bon 1745 fdjreibt ber 61jäl»rige 5Jteifter: „^eber boÜ= 
gefdjriebener SSogen fo rool in Partitur als Partien fott für 1 Marien' ©rofetjen 
berlaffen unb toeg gegeben roerben" — fürroatjr, ein fjerber SebenSabenb ! 6v 
bauerte nidjt metjr lange. 2tm 23. Warb 1748 fdjlofj 20. bie 3lugen, nadjbem 



116 2öaltf)er. 

audj fein legtet äßunfd), bie feit 1739 fertigen Supplemente aum Sejifon ge* 
brutft au fet)en, nit^t in ßrfüEung gegangen mar. — — — 

SOBalttjei's SBerfe leben nodt) Ijeute. ©d)on, mag ber 24jät)rige Äünftler 
fdjuf, baß GompofuionS * Setjrbud) (1708), mar ein 2Jceifteiroerf. „<B nimmt 
ben tjerborragenbften ^latj unter allen tt)eoretifcr)en ©djriften ein, bie feit 3a* s 
lino begannt geroorben roaren. 5Denn erftenS ift es bas umfaffenbfie Som« 
penbium ber für ben 6ompofitton8unterrici)t am ßnbe bes 17. 3>af)rt)unbert8 
gültigen ©efetje unb ba^u gehörigen 2)i*ciplinen , ein (Sompenbium , metdjes 
aber nidjt nur biefe ju Söattrjer'S 3"t gebräuctjlidje Serjre aufammenftellt, 
fonbern aud) auf ba« in früherer gut liebliche , foroeit es für ben ©djüler 
ju miffen nöttjig ift, föütffidjt nimmt unb beibes, alte unb neue ßetjre , oft 
einanber gegenüberfteEt. 3n biefer 33oEfommeni)eit ift bas SQßerf bie erfte 
beutfdje SJcufifletjre. ^nfofern, als ber SSerfaffer bie üuinteffenj bes älteren 
ßetjrftoffes mit feinen ber rjeraufbämmemben neuen SSlüttjeaeit narjeftetjenben 
3lnfct)auungen audj fdjöpferifd) beiarbeitete, ift in 28altf)er ; s SBer! audj oielfadt) 
bie Anregung ju einer t)iftorifdjen ©ntmidelung ber einzelnen SDisciplinen ge= 
geben roovben" (£). ©etjrmann a. a.D. ©. 577 f.). — 9tad) abermals 24 ^atjren 
etfdt)ien SBalttjei's ätoeites ^aupttoerf, bas Sejifon. $ür ben ttjeoretifdjen £t)eit 
tjatte er in feinem Setjrbud) bie nöttjigften Vorarbeiten gemacht (bgl. «£). ©et)r= 
mann a. a. £). ©. 564 ff.) , ber gefd)id)tlid)e Stjeit entftanb fpäter. ©erber's 
Unheil (2lttcs ßejifon, 6p. 765) über SBalttjer's ßejifon: „<£in unentbehrliches 
äöerf für jeben benfenben SEonfünfiler" txifft für unfere 3"t nodj ju. „2>ie 
güüe ber mit großem gleite pfammengetragenen biogiaptjifdjen 9iotijen madjt 
bas Sud) nod) tjeute ju einem fdjmer entbehrlichen Ouettentoerf" (©pitta a. a. D. 
©. 381). — 2lls Drgelcomponift nimmt 20. in ber ©efd)id)te einen nidjt 
minber ifit)mlid)en $tatj ein. 9tur eine fleine 2lnaat)l öon Sßerfen erfdjien ju 
äBalttjer's Segelten (f. ©erbex's 2lltes ßejifon , ©p. 765 f. , ©pitta a. a. £). 
I, 382, 2lnm. 12). üDie meiften finb Ijanbfdjriftlict) auf größeren unb Heineren 
SBibliottjefen ertjalten ; oereinjelte Weubrude bieten bitter (3- ©efd). b. Drgelfp.), 
Sommer (Mus. sacra). äöaltfyer's SSorbtlb unb Seitfiern mar s 4}ad)elbet. ©ein 
©eift ift in ben 5 fjugen, in ben ^rälubien unb in ben |mnberten üon <£t)oral= 
bearbeitungen ausgeprägt. „3n ben meit ausgefponnenen formen bes norb= 
beutfc^en ßrgeldjorals l)at er fid) nur gana flüchtig öerfuctjt. Dilles, toas 
$ad)elbel tedjuifdj meljr ober toeniger unau§gefürjrt gelaffen tjat, ift üon äö. 
oollenbet. S)ie ßontrapunfte ftet)en freier noctj ber 9Jtelobie gegenüber unb bilben 
einen felbftänbigtn Organismus unter fid) , in bem bie einzelnen ©timmen in 
grojjer Ungebunbentjeit fid) bemegen; mit gleicher ßeictjtigfeit fütjrt balD ber 
^3a§, balb eine s ]JUttel= ober Oberftimme ben Cantus firmus, bie s ^tbatted)nif 
ift oott enttoidett. 3)aju gebietet er über einen bebeutenben 9ieid)ttmm combi= 
natorifdjer (Jrfinbung unb über jene ©etoanbtrjeit im Söfeu fctjroieriger contra« 
punftifdjer Probleme, toeldje nur burdj ausbauernben %lti% geroonnen mirb" 
(©pitta a. a. £). I, 383). >Ulattt)efon (Crit. mus. II, 175) nannte bestjalb 
20. ben feiten, „roo nidjt au Äunft ben elften ^ad)elbel". ©egen 33ad), ben 
big b,eute fouöeiänften <g>ertfdcjer in ber Crgelcompofition, ben eigentlichen 3}ott» 
enber bes ^adjelberfdjen ^bealS, ftet;t 2B. fieitid) nod) um einen ©djiitt &üxM, 
aber neten 33ad) mu| er bod) als ber größte Stifter bes Crgelctjorals gelten. 
S)er Drgeld)oräle „geintjeit unb tedjnifdje 23oÜenbung, bie 93iottt)efon (Soll!. 
Sapellm. ©. 476) ; 3ietttgfeit' nennt, üerbieneu berounbert ju merben" (©pitta 
a. a. D. ©. 386). @S ift bebauernstoertl) , bafj 2Balt^ei J 6 Drgetmevfe immer 
nod) nidjt anS fiidjt ber ©egentoait geführt rooxben finb. ©erabe feine £)rgel= 
djoräte, bie muftergiltigften in itjrer 2lrt, fönnten für unfeie ©otteSbienfte ein 
liturgifdjeS Äunftibeal jju nact)t)altigem ßeben roieber ermeden, über baS fictj gan^ 



2Baltf)er. 117 

311 Unredjt Sßergeffenljeit unb Unfenntnifj gebreitet rjaben. — 9tod) einen $)an? 

jd^utbet 20. bie 9Jtufifforfd)ung. Sßon feinen ©ammlungen ber Stjoralfätje älterer 

unb neuer 95ceifter eriftiren nod^ fünf autograpfje Sänbe (3 in 33erlin, 1 in 

Königsberg , 1 im IJcadjlafj bon 5ßtöf. ©pitta). 2)a3 finb unfdjäfebare Quellen 

für manches fdjöne Söerf, Tür mandjen Gomponiften, ber uns fonfl nur aus 

bürftigen 9tothen befannt toäre. ^ _ ..„ 

9Jcar. Set|fert. 

SÖQltljcr: Sodann Sfjriftopb, 20., ein trefflicher Drgetfpieler unb ©oljn 
beS ^ofmnn ©ottfrieb 20. in SBeimar (f. o.), geboren am 8. ^uli 1715 au 
SBeimar, t am 25. Sluguft 1771 ebenbort. @r [tubirte bon 1732—36 bie 
Steckte in %tna, bertrat ben atternben Sater bon 1747 bis 48 als ©tabt* 
organift unb mürbe barauf jum ^Jtufifbirector unb Organiften an ber Sattjebrale 
p Ulm gemäfjlt. 21m 20. September 1770 fam er wieber nad) Sßeimar, bod) 
genofj er ber 9tub,e faum nod) ein 3ab,r. ©erber bejeidmet bie 1766 in 9türn= 
berg erfdjienenen Sonaten für (Slabier als fdjmadje (Srjeugniffe , läfet it)m aber 
bie ©eredjtigfeit feiner tedjnifdjen gertigfeit im £)rget= unb ßlabierfpielen miber* 
fahren, nebft bem Sobe, bafj er ein redjtfdj offener unb etjrtidjer Surift mar. 
Son feinen Gompofttionen ift mir nur eine ©onate für ßlabter in Es-dar be» 
fannt, bie fid) in Ulrid) .^affner'S Oeuvres meines, £t)eit 2 9tr. 6 befinbet. 2Benn 
bie ©onate aud) feine bebeutenbe ßeiftung ift, fo fann man fie bodj nictjt als 
jd)led)ter mie bie feiner 3 e itö e: offen bejeidmen. @r lebte in einer 3ett , mo 
geniale Seiftungen beradjtet unb bie ntittetmäfjigen ©eifter bereljrt mürben. 

«Utattfjefon, gtjrenpforte, ©. 390. — ©erber, 1. u. 2. — 9tieberrt)einifd)e 
Wufifjtg. VI, 324. 91 ob. Gitner. 

SSaltljer: Sofjann #ar£ 2Billjelm 2B.. SXr^t, geboren am 6. Januar 
1796 in ßeipjig unb bafelbft am 3. fjrebruar !859 berftorben, ftubirte unb er= 
langte 1820 mit ber 3lnauguratabt)anblung „De hernia crurali" bie 2)octormürbe 
in feiner Saterftabt. yiaify mehrjähriger miffenfd)aftlid)er fReife tjabilittrte er 
fid) 1823 als 2)ocent an ber llniberfität, mürbe 1828 ©ertdjtlmunbarat unb 
1830 jufammen mit @. 91. SaruS, fpäter mit 6. ©. ^ranfe S)irector ber 
djirurgifdjen llniberfitätSpoliflinif. Sßaltlier'S £ob erfolgte an ßungenfdmnnb= 
fudjt. @r mar Serraffer mehrerer 9tecepttafd)enbüd)er, mit $. 9tabiuS unb 9Jtid). 
^aeger ^Mitarbeiter an einem „«gmnbmörterbud) ber gefammten ßtjirurgie unb 
Slugenfjeilfunbe" (Seipjig 1836—40) unb tmt aufjerbem einige auSlänbifdje 
©d)riften in beutfdjer Ueberfefcung {jerauSgegeben. 

Sgl. Siogr. Sex. VI, 188. $agel. 

Söoltöcr: 3faf ©ottlieb 2B. , geboren 1738 in Sern. @r mar ur» 
jprünglid) ütljeologe, ba man iljn aber im 3- 1762 megen feiner freien 9lnfid)ten 
bom @ramen ,}urüdroieS , manbte er fid) bem ©tubium ber 9ted)te unb ©e= 
fdjidjte ju. 1775 mürbe er ^ürfpredj bor bem Statte. Männer mie ©manuet 
£atler unb Sltejanber ü. SBattenm^l miefen je^t fd)on auf bie ungemeine 3Be» 
gabung 2öaltf)er'8 b,in unb namentlid) burd) be§ le^tern tjödjft el)renbe ©mpfetjlung 
ftettte man if)n im 3- 1778 auf jeljn 3a$)xe probemeife al§ .^onorarprofeffor 
mit bem auftrage an, Vorträge über baterlänbifdje unb bernifdje 3ted)tSgefd)id)te 
ju galten unb fxe nadjljer brutfen ju laffen. Slber bie Sieberlidjfeit in ber 9lu8» 
Übung feines SetjramteS , bie @igenmäd)tigfeit in ber 2)rucftegung feiner 2öer!e 
erregten ba§ WifefaHen be§ 9tatt)e§, ber ebenfalls SSebenfen über bie 33raud)bar» 
feit bon SBaltb.er'S 33üd)ern tjegte , in bem s 3Jcafec , bafj man if)n nad) Ablauf 
feiner ^robejeit feines SetjrauftragS enthob, iljn bagegen als „^iftoriograpl) ber 
Wepubtif" meiter anerfannte. 6r ftatb im Seccmber 1805, ganj herunter» 
gefommen burd) baS Srinfen. — ü£rotj feiner liebertidjen Lebensführung mar 20. 
ein ungemein fruchtbarer ©djriitfteller. Sßon i^m finb folgenbe SBerfe in ben 



118 äöaltrjev. 

5)rucf beförbert Worben: „Serfud) 3 U Erläuterung ber ©efdjidjten beS batter=- 
länbifdjen ftedjtä" (385 ©. Sern 1765); „Eritifdje «Prüfung ber ©efdjidjte bon 
2lu§rottung bei 3äringif<£jen ©iamme§ burdj Sergiftung ameier ©ötmen Serdj= 
tolb'e Y." (77 ©., Sern 1765); (Slnon^ni) „©üftematifdje 2lbt)anblung bon 
ber $lb(jug«gered)tigfeit" (mürbe 1765 im auftrage be§ 9tatf)e§ gefdjrieben, ge* 
brutft in ber ^lärjnummer bei ©djweiäer^ournal 1770, 67 ©. 35ann unter 
feinem Flamen erweitert herausgegeben im 3>. 1775 unter bem Xitel: ,,©t)ftem 
ber 2lbjug§gered)tigfeit au8 ben baterlänbifdjen föedjtSgefdjidjten erläutert", 
204 ©., Sern); ,,©d)WeMer^ournal 1770—1771". (Sern, 6 ©tücfe.) (ffiafe 
2B. ber #erau8geber beffelbeu ift, beweift ein Srief ©. E. ^afler'i an Saltljafar 
in Cujern Dom 27. 3uli 1771); „9tebe bon bem Urfbrung bei äujjeren ©tanbeä 
1771". (ftadj 2eu, fiejifon , ©ubbt. VI, ©. 289; Rätter, Sibliotljef VI, 
9tr. 1690 nennt baZ 3at)r 1773. ©te ütebe mar nid)t aufeuftttben.) „Otcbe 
bon ber Scränberung fcijrDeiäexifdEjer ©Uten", (©etjalten 1767, gebrueft in 
^atriotifdjen Sieben, gehalten bor bem äußeren ©tanbe ber ©tabt Sern, 48 ©., 
1773). (9lnonrjm) „Serfud) einer Einleitung ju ben ©efd)id)ten be§ bernerifdjen 
©tabtredjtä", 108 ©., nebft genealo_gifd)e/ Tabellen (Sern 1780); (Anonym) 
„©runbfäfce ju Seurtfjeilung ber Serfaffung unb ©Uten ber alten |>elbetier bor 
ber iömifd)en £>errfd)aft" (XV u. 94 ©., Sern 1781); 8. 2Sa(tf)arb, „Idea biblio- 
thecae helveticae" (98 ©. , Sern 1782. ftad) ßeu a. a. O. unb . #atter'S 
Sibl. II, ftr. 33 ift äöalttyr ber Serf affer biefer ©djrift.) (Anonym) „Eeltifdje 
Slltertljümer 3u Erläuterung ber älteften ®efd)idjte unb Serfaffung ^elbetiens" 
(LXIV u. 192©., Sern 1783); „Serfud) über bie ättefie ($Wd)id)te £elbetienä'' 
(LXX u. 208©., Sern 1784); (Slncnüm) „©efdndjte $etbetien§, ^Weiter 2t)eit. 
tinter bem römifdjen Beitpunfte" (XCV u. 205 ©. , Sern 1791); ,,©efd)id)te 
be§ bemerken ©tabtred)tg" (Sb. 1, XLVIII u. 88 u. 104 ©., nebft XCV ©.. 
llrfunbenbeilagen , Sern 1794). SDie ganje gebrückte Auflage beg 2. Sanbe* 
bernidjtete 30. felbft bi§ auf ein einziges Exemplar. &od) t)at fid) bie Original* 
tjanbfdjiiit auf ber ©tabtbibliotljef unb eine Eopie bon 1821 auf bem ©taat§= 
ardjib Sern erhalten. SDer 3. Sanb mar Ijanbfdjrifttid) ebenfalls* fertig geftettt. 
Db bas auf bem ©taatöardjib Sern aufbewahrte 9Jianufcrtpt : „Allgemeine Ein* 
leitung bei batterlänbifdjen Sledjtö" barunter berftanben werben fann, wage id) 
nidjt äu entfd)eiben. Ebenfo fann id£) nidjt fagen, ob unb wo bie bon 
21. b. 2öattcnwt)l gelobte Abljanblung „Ueber bie golbene Sülle" gebrueft Worben 
ift. Aufjer biefen beröffenttidjten arbeiten fjinterlicf} 2B. nod) mandje nid)t un= 
Widjtige redjtet)iftorifd)e Unterfudjungen bon localer Sebeutung, bie fiel) auf ber 
©tabtbibliotljef in Sern befinben. — ^n bem „©djweiacr^ournat" ^igt fid) 2B. 
als ein ganj tüdjtiger Effai)ift unb ljumoriftifdjer 2)id)ter; aber alle übrigen 9lr= 
Beilen bewegten fid) auf bem Selbe ber föedjtsgefdjidjte. 2>enn aud) feine — 
jettf Wertljlofen — Abljanblungen über bie Antiquitäten bienten bem einen 
3wecfe, einen fidjern Unterbau für bie fbätere red}t8gefd)id)ttid)e ©ntwieftung au 
legen. @r beifügt über eine ungemeine Selefentjeit , eine bor^ügüdjc Äenntnijj 
beS ßatein, männtidjen Wutfj burd) bie offene Ütüge bortjanbener ^JliBftänbe, unb 
öeigt eine für bie bamaligen 3» ten ungemötjnlidje fritifdlje Serantagung , burd) 
bie er überrafdjenbe, nod) t)eute anfbredjenbe 9tejultate erhielte, ©o tjat er mit 
6ntfdt)iebenf)eit fdjon in feiner erften ©d)rift ben beutfeljen llrfbrung be§ 
fdjweijcrifd)en 9ted)te§ berfodijten , tjat all ber @rfte bie bernifcfje ^anbbefte — 
aÜerbing§ nur nadj einer ßopie — beröffentlidjt unb mit trefflidjen red)t§= 
Ijiftorifdjen Erörterungen berfel)en , bie einer unberbienten Sergeffentjeit antjeim= 
gefallen jutb; er rjat al§ ber (hfte ben öigurinuö für bie ©dtjweiäergefdjidjte 
rjerangejogen (in „Serfudj einer Einleitung <ju ben ©efdjictjten beö bernerifcfjen 
©tabtredjtä 1780", im 5lnl>ang) unb fid) bemüljt, für bie öebeutenberen 



SBattfjer. HO 

SDrmaftenrjäufer ber ©crjmei,} urfunblicrj fidjere (Senealogien ju getbinnen. 3 ttar 
fetjlt eS bei it)m burctjauS ntd^t an irrigen 23erjaubtungen unb falfcrjen ©djlüffen 
— fo roenn et bie (Seimanen unb Gelten ibentificixt — , aber bocr) bleibt it)tn 
baS SSetbienft unbenommen , bafj er als ber (üürfte burcr) Slnroenbung eineS 
tbiffenfcrjaftticj) fritifcrjen unb auf Urtunben bafitten 9}erfar)renS , — wobei trjm 
atterbingS baS 9Jti£hauen ber Regierung tjinbetnb in ben 2Beg trat, — ber 
fdjmeiaerifdjen 9ied}tSgefcr)ici)te bie SCßege getoiefen tjat. 

©. (£. Rätter, 33ibliotrjef. — ßeu , ßejifon, ©ubblementbanb VI. — 

®. Sobler, 3)ie Gfjroniften u. (Sefcrjicfjtfctjteiber beS alten Sern, in ^eftfdjrift 

im fteier ber (Srüubung 23ernS 1891, ©. 81—87. — @. b. 2öt)fe, ©efc^id£)te 

ber #iftoriograbtjie in ber ©ch>eia, ©. 12 u. 287. (S. SEoblet. 

Salier: «Dlid^ael 20. warb am 6. Slbril 1593 ju Nürnberg geboren, 

ftubirte au 2Bittenberg anfänglich 9ftebicin, bann Geologie, toeldjeS ©tubium 

er in (Siefjen unb 3ena, mo er als 2lbjunct an ber p^ilofopt)tfc^en gacultät 

angefteüt mürbe, iortfetjte. 2)anadj matb er ^ofprebiger ber ^erjogin Gslifabett) 

bon 33raunfct)toeig unb $tofeffor ju ^etmftebt, 1626 (Seneralfuberintenbent in 

DfrfrieSlanb , 1642 beSgteidjen ju Seile, too ex am 9. gebruar 1662 ftarb. 

(3öcb>r, 23b. 4, ©r>. 1804.) 

2B. gehörte $u jenen älteren broteftantifefien 23ibelforfcriern , bie im (Seifte 
beS lutrjerifctjen OrtrjobojiSmuS, aber mit grünblidjer (Selerjrfamfeit bie fritifdjen 
fragen ber)anbelten. ©eine „Officina biblica" 1636 (mieber aufgelegt 1668, 

3. Stuft. 1703), f. ben boEft. Eitel bei 9Ket)er, (Sefcr). ber ©cfjrifterftärung, 
58b. 3, ©. 392, umfafjte bie ©toffe, metdje jefet gemörjnlidj in ben fogen. 
biblifdjen (Einleitungen beljanbelt toerben unb etftrecfte fiel) über baS 91. unb 
9t. £. 2fm erften Slbfcrjnitt tjanbelt ber 23rf. bon ben fanonifdjen 93ücrjern, bie 
er als bie erroeiSlict) ben ^robrjeten unb Stbofteln infpirirten befinirt. SDodj 
untertreibet er beim 91. X. fanonifdje 33üdjer elfter Crbnung, an beren apofto* 
lifetjer Söerfaffetfd^aft niemals ein 3*t) e ifet entftanben fei , bon folgen jrüeiter 
Drbnung, bei benen mie beim ^»ebräerbriefe , ben Briefen beS $acobuS unb 
SiubaS, ber 2lpofalt)pfe berartige 3toetfel auSgefprodjen feien. Slber aud) Ui 
biefen rjabe nur über ben auetor seeundarius ober ministerialis eine Unftctjerrjeit 
gerjerrfdjt ; bajj biefe SBüctjer ebenfalls bon (Sott als bem auetor primarius Ijer* 
rühren, fteb> abfolut feft. S)er 2. Slbfctjuitt beS SBcrfS fptidjt bon ben Slpofvtjb^en. 
3n beiben Slbfcfjnitten mirb bei jebem einzelnen 23udje auf baS forgfältigfte 
ber gefammte bamalS erreichbare Slpparat t»on 9Raterialien betreffs ber fritifcb.en 
unb ejegetifeb^en ^^ase« aufammengetragen. Ueber bie Slrt roie er babei berfur/r 
bgl. ^eöer a. a. £)., S3b. 3, ©. 398—404. UeberaÜ mirb bie ft)nagogal= 
fire^tic^e Strabition über bie einzelnen 33üc^er feftgeljalten (bgl. 6b. Äoenig, 
@inl. in baS 31. X. 1893, ©. 5 f.). — £>er 3. 2lbfd)nitt de libris deperditis 
bon ben nadb ©iniger Meinung berloren gegangenen ^eiligen S3üd)ern unb ber 

4. de libris spuriis bon einzelnen untergefetjobenen S3ücb,ern enthalten nur einige 
menige 2Rittr)eilungen p biefen ^aQ 6 "- — 3n bemfelben ©eifte mar feine 
„Harmonia biblica", 7. Slufl. 1654, 9. 2lufl. 1696 (f. ben öottft. Stitel b. gKe^eu 
a. a. D. , S3b. 3, ©. 426) berfajjt. ©ein 3iel mar 31. unb 91. X. als in 
boEfommenfter Harmonie befinblicb^ erfdjeinen <ju laffen, jeben Sßiberfprucrj 
Sroifcljen benfelben als einen nur fdjeinbaren 3U ermeifen unb aus^ugleicrjen. 
S)aS fonnte tro^ aller fubjeetiben ß^rlidifeit beS 33erfafferS unmögtid) ob^ne 
grofee (Setoaltfamfeiten abgetjen. ©o mürbe j. 93. bie Differenz ,^rotfd5en 2. Äön. 
8, 26 unb 2. 6b,r. 22, 2 (SltjaSja beim üiegierungSanttitt 22 bjto. 42 Starre 
alt) bamit befeitigt, ba§ baS eine 9ftal ber gatjlmert^ in 33uct)ftaben, baS anbere 
9Jlal in Ziffern bageftanben fyahe. 93ei Slbmeicb^ungen ber ©ebtuaginta mufete 
ftetS ber mafforetifdje 2ejt Ütedjt betjalten (bgl. tieftet, ©efef). beS 21. 2'S. 1869, 



120 SOßalther. 

<3. 478 f.). Sluf ®. 477 führt tieftet eine postilla mystica Don 20. an, oB 
bieS nicht ein ©ebreibfebter für postilla mosaica ift? Denn nach Röchet a. a. O. 
hat 20. aueb eine p. prophetica, eine p. hiero-psaltica unb eine p. evangelistica 
gefchrieben. 23on äöaltfjer'S übrigen (Schriften berbient nod) Srtöätmung fein 
„Spicilegium controversiarum illustrium de nomine divino", eine Sammlung Pon 
2lnfid)ten übet ben ^abbenamen unb feine threnologia (f. ben Potlft. Xitel b. 
Pieper a. a. £)., 33b. 3, ©. 125) ju Gshten beS namhaften btbltfcben Philologen 
©laffiuS. — Zahlreiche Xitel finbet man noch bei ^ödjet a. a. D. 

6. ©iegfrieb. 

SBaltljer: 9Jtichael 20. iun. , 9Jcatbematifer unb lutherifcb>r Geologe, 
f 1692. 2113 ©olm beS (p Gette 1662 öerftorbenen) ßüneburgifcfcen ©enetal« 
fuperintenbenten 2B. (f. o.) ift Wich. 2B. am 3. «Dtära 1638 in Zürich in OfttrieS* 
lanb geboren. $m Sitter bon 16 ^atjren bejog er bie Unibetfität in |)elmftebt, 
brei 3fahre barauf bie in äöittenberg. ^>ier tourbe er 1659 s IRagifter ber freien 
fünfte, roibmete fidh aber äunädhft ber matljematijchen Sehrtbätigfett unb erhielt 
1666 eine ^ßrojeffur ber Wathemattf ba jelbft. s Jlach bem Xobe beS ftübrerS 
ber bamaligen SBittenbergtfchen Xbeologen, Slbraham (Salob'S, trat 28. 1687 
in bie bortige tbeotogijche gacuttät als üterter orbentlichet ^rojeffor ein unb 
berblieb in biefer Stellung bis an feinen ütcb 1692, am 21. Januar; er ftarb, 
noch nicht 54 Sfaljre alt. 33ier 5Ral ift er Perheitathet geroefen. Unter feinen 
Äinbern gelangte ein auS britter @f)e ftammenber ©ob,n Sluguftin ftriebtieb 
(f 1746) als ^rofeffor ber 9Jcebicin in ßeipjtg ju anfer)nlict)er 23ebeutung. 
2llS Xtjeologe üertrat 28. ben ©tanbpunft ber bamaligen luttjerifeben ©chotaftif, 
als beffen ebarafterifttjehet Vertreter fein eigener ©ebroiegeroater Deutfdjmann 
befannt ift , in ber $eit nach, Galob unter ben Epigonen ttjeologifch einer ber 
engljerjigften. 

©Triften äöaltfyer'S : IDlatfjematifctje Disputationen: „Analecta mathe- 
matica" ; „Diss. de Eclypsibus" ; „De cometis" ; „De longitudine geographica" ; 
„De zona torrida" ; „De aureo numero" ; „De via sabbathi". — Xljeologijdje 
S)iSputationen: „De fidei Nicenae veritate, antiquitate et necessitate" ; „De 
iustitia inhaerente" ; „Quid circa clavem ligantem liceat" ; „De fide baptiza- 
torum infantium" ; „De Jesu ante Mariam" ; „De catechizatione Veterum" ; 
„De coneursu Dei" ; „De satisfactionis Christi certitudine ex Es. LIII, 
5, 6, I. Tim^II, 5, 6 imprimis contra Socinianos" ; „De Ostac; xoivcovia 
(pvoewg ex 2. Petr. 1, 4"; „De abusu distinetionis inter praesentiam intimam 
et extimam" ; „De disputationibus academicis" ; „De dissimilitudine ortus nostri 
et Christi hominis" ; „De Christi hominis ccva/jagT^aicc 11 ; „De novo legislatore 
Christo contra Socinianos et Arminianos" unb anbere mehr. — Die Don 28. 
hinterlaffenen 9Jtanufcripte anberer äBerfe finb Pon jeinem ©ohne, bem oben 
genannten ßeipjiger ^rofeffor 9Iuguftin gfriebtieb 28. , ber bortigen UniPerfitätS= 
bibtiotbef gejd)enft worben. ©ie führen folgenbe Xitel: „üniversa philosophia, 
thetice, qua partem theoreticam methodo synthetica, qua partem practicam 
methodo analytica pertraetata" ; „Metaphysica didactico-polemica" ; „Elementa 
arithmeticae et geornetriae" ; „Varia de cometis"; ."Ey/.r/.hog dytoyi) eig za 
/Lta&rj/jaTcc" ; „Geographia mathematica" ; „Dictata in Calovii theologiam posi- 
tivam" ; „Consideratio syncretismi quem Heideggerus molitur" ; „De libris 
symbolicis ecclesiarum nostrarum" ; „Brevis et hoc tempore necessaria admonitio" ; 
„Institutiones Hebraeae' ; " : „Collcgium exegeticum in IV Evangelistas" ; „Colle- 
gium exegeticum in loca biblica" ; „Collegium Theologiae theticae' : ; „Isagoge 
in systema controversiarum anti-calvinisticarum''; „Systema controversiarum 
anti-calvinisticarum" ; „Theologia polemica. ordine Koenigiano traetata". 

Sgl. $ipping, Memoriae Theologorum. — 3ebter , Unibetfallerrton, 



2Baltfjer. 321 

52. 33b. (1747), ©p. 1857—1861. — 3ur Sfjaraiteriftif bet geiftigen 

21tmoföf)äre 2Baltf)er's: 2lug. 2b>lucl, 2)er (Seift ber tut^etifc^en Geologen 

SBittenberg« im Berlaure beö 17. 3af)rf)unberts (1852), ©. 161—284, be= 

fonbers bie ©d)itberung ^eutfdjmann'e ©. 221 ff. , aber au<$ bie 9Ibfdjnitte 

über bie lut^exifdje ©d)olaftif, über bie Berblenbung ber 2Bittenberger £t)eo= 

logen gegen bie firdjlidjen 9Jiißftänbe, über ifrre ©treitfucf)t unb Unbulbfam» 

feit. «p. Sfcrjarifett. 

Saltljcr: «Philipp ^lejanber fterbinanb 20. , |>tftorifer, geboren 

3U ©armftabt am 25. ©ecember 1812, f bafelbft am 26. ^Jlai 1887. 6r be= 

fudjte ba8 ©tjmnafium feiner Baterftabt unb bann bie Uniöerfität (Sießen, roo 

er Geologie ftubierte. 1833 rourbe er .^auSlecjrer bei einer englifd)en Familie, 

bie er aud) auf Reifen begleitete. 1835 trat er bei ber |>ofbibliotl)ef ju 2)arm= 

ftabt ein, rourbe 1836 ©ecretär, 1850 Bibliotfjefat unb 1873 S)irector biefer 

2Inftalt. 1885 trat er in ben 9tut)eftanb. daneben mar er feit 1840 Borftanb 

be« bnmale unter feiner Anregung gegrünbeten Sabinetemufeums unb ber 

(Sabinetsbibliotfjef. Bon # feinen ©djriften feien Ijier genannt: „ßiterärifcfjeö 

«gmnbbucfj für ®efdjid)te unb ßanbesfunbe öon Reffen im allgemeinen unb bem 

©rojjtjeräogtcjum Reffen insbefonbere" ($)armftabt 1841. 2Jtit äroet ©uöble= 

menten, ebb. 1850, 1855); „StjftemattfcfjeS föeöertorium über bie ©Triften 

fämmtlidjer rjiftorifcrjer ©efeWdiaften ®eutfd)ianbs" (ebb. 1845); „$)as ©roß= 

r^eräogtejum Jpeffen, nad) ®efd)id)te, ßanb, Söolf, ©taat unbOettlicfjfeit" (ebb. 1854); 

„Beiträge" unb „9teue Beiträge ^ur näheren $enntniß ber ©roßtjeraogtidjen £of* 

bibtiott)ef 311 SDarmfiabt" (ebb. 1867, 1871); „2)er ©armftäbter ?Intiquariu§" 

(ebb. 1857); neue Bearbeitung u. b. %. „Sarmftabt mie eS mar unb mie ei 

geworben" (ebb. 1865); „2)armfiäbter £iftorifdje tfleinigfeiten" (ebb. 1879); 

„ßanbgraf ^tjiliöp Don Reffen genannt ber S5ritte ober öon Butjbadj" (ebb. 1866); 

„S)ie ^lltertljümer ber ljeibnifcrjen Sorjeit innerhalb bee ©roßfje^ogtfjumä Reffen" 

(ebb. 1869); „ Brief roecrjfel ber c @roßen Sanbgräfin' Caroline öon Jpeffen" 

(2 Bbe. Söten 1877). 

©criba, ©crjriftftelterterjfon bes (Sroßlj. Reffen II, 764 f. — ftefrolog 
in ben Duartalblättern bes rjiftorifdjen BereinS für ba§ ©roßt). Reffen 1887, 
9tr. 3, ©. 118—120. 5lrtt)ur B3r;ß. 

Salier: Bf)tliöÖ ftran3 ö. 2B., 2Irjt, geboren am 3. Januar 1782 
3U Burtoeilcr in ber 9ftt)einpfalj, f am 29. 2)ecember 1849 ju 9Mnct)en, mürbe 
fetjon im Sllter öon 15 3af)ren als ©tubent ber 9Jtebicin an ber .gjeibelberget 
^>od)fcr)ulc immatricutirt unb ftubirte bann in Söien unter *Peter Qrianf unb 
Beer noct) brei Safyre. 9iact)bem er in Sanbstmt 1803 jum 2)octor öromoöirt 
mar, rouroe irjm, ber bamals erft 21 3fat)re jätjtte, eine ©tellung als 9Jtebiänal= 
ratt), orbentlictjer ^rofeffor unb Dbermunbarjt am ©pitale ju Bamberg 3U ttjeil. 
$n Bamberg trat er in nähere Be^ietjungen 3u feinem borttgen ßotlegen ©ctjetting, 
beffen 9caturöt)i(ofopt)ie itm tief beeinflußt t)at, mie aud) feine „^tj^fiologie be8 
^Jtenfcfjen mit burdjgängiger 9tücfftci)t auj bie öergleictjenbe ^titjfiologie ber Jiere" 
(2 Bänbe, ßanb§t)ut 1806-1808) erroeift. @ine Steife nac^ ^ari§ ließ itjn 
bie großen ^ortfctjritte in ber SDiagnoftif unb patt)ologifdt)en Anatomie , meldtje 
bie 5 tan äojen bamalS bereite gemaetjt fjatten , jmar fennen lernen, aber nictjt 
mürbigen. 2Benigften§ fertigte er balb nadjtjer ßoröijart im ^a^buetj ber 
gjlebicin öon $Rarfu8 unb ©Delling 1805, I, 1, ©. 154 folgenbermafcen nb : 
„(Sr oftentiert ganj eigent^ümlidie Slnficfjten unb ^enntniffe att biagnoftifc^e (Sin» 
fiefcten in bie organijctjen Äranffjeiten be§ Serien«; er unterfc^eibet 3. B. bie 
Berfnöcfjerung brr Balöeln ber arteriellen TOünbungen öon jenen ber öenöfen". 
1804 rourbe er nadj SanbS^ut all ^rofeffor für ^fiologie , fpäter auc^ Tut 
Sfnrurgie berufen unb geroann tjier großes Slnfetjen als ßtjirurg unb Wugenaijt. 



122 SBaltyer. 

9tod) bebeutenber mürbe fein 9tuf a!8 genialer 9Jteifter auf btefen ©ebieten, alfc 
er üon 1818 6i8 1830 an ber neubegrünbeten Umbetfttät SBonn mirfte. 2>ie 
legten atoei Satjraerjnte feinet ßebeng mibmete er ber tlniberfität 9ttüncrjen, flu» 
gleicb, als Seibat^t be§ $önig8 ßubmig I. tljätig; boct) gab er 1836 bie Seitung 
ber djirurgifdjen unb 9lugen£Iinif auf unb rjielt bis au feinem £obe bann nur 
noct) tf)eoreiifcr}e SBorlefungen. — £)bmol ein Slnrjänger ber Ülaturptjilofopljie, 
berfannte er nie bie ftottjtoenbigfeit ber inbuctiben 9Jtetr)obe für bie 2ttebicin 
unb bertor nie ba8 praftifdje 3^* in feinen SIrbeiten au3 ben 2Iugen. 33on 
utnfaffenber , gebiegener SBilbung, genrinnenber unb imponirenber Haltung, babei 
ein dufter ärjtlicljer Humanität unb eblen coflegialifctjen (StjarafterS , übte er 
burd) ^erfönlicrjfeit unb Setjrtrjätigfeit einen meit reicrjenben (Sinflufj auf feine 
3eitgenoffen unb bie (Sntmicflung ber beutfdjen SJtebicin. 9iamcntlicr) mirfte er 
toaljrrjaft reformatorijctj auf bie nnffenfcrjaftücrje ^Bearbeitung ber Sfururgie unb 
2Iugent)eilfunbe , ber er eine folibe anatomifdje ©runblage ju geben unb natur= 
ttn^fenfdjaftlidjen (Stjarafter ^u berteitjen beftrebt mar. ©eine ^Beobachtungen unb 
@rfaf)rungen legte er in äatjlreidjen SJeröffentlictmngen nieber, bor attem in 
feinem „©rjftem ber Chirurgie" (1833), in bem er erflärte, „er fei „feit ber 
frütjefien 3 e ü b" leitenben %bu gefolgt , bafj bie ^>eil!unbe , in itjrem tieferen 
©runbe betrautet , nid)t nur auf 9taturforfctjung berutje , fonbern fortgefetjte 
sjcaturforfctjung felbft fei, tooburrf), wenn ba§ äßerljältnifj richtig aufgefaßt wirb, 
Weber itjrer fünftterifcrjen 9tidj)tung, nocb, itjrer tootjttrjuenben 2)ieuftbarfeit für 
teibenbe 9Jcitmenfcr)en irgenb ein 3lbbruccj gefctjiefyt". S)er ©egenfafc ber inneren 
unb äufjeren ^»eitfunbe, ber SJtebicin im engeren ©inne be8 SBorteg unb ber 
ßtjirurgie, entfpringe toeber in ber *ßrjt)ftologie, nodj in ber allgemeinen !ßatr)o= 
logie unb Sttjerapie. SDiefer 2luffaffung gemäfj, bie er nocb, weiter in einer 
eigenen ©cfjrift („lieber \>a% S3erf)ältnif$ ber SRebicin ^ur Chirurgie unb bie 
2)uplicität im ärätiictjen ©tanbe" 1841) oertrat, mar er ftetS ein 23orfämpfer 
gegen bie bama(3 noctj beftetjenbe unnatürliche Trennung ber Chirurgie unb 
inneren "DJtebicin unb für bie ©teidjftetlung be§ ccjirurgifdjen ©tanbeä. 35on 
feinen einzelnen arbeiten fei nur feine ©djrift über bie fctjtoammigen 2lu§roücrjfe 
auf ber garten ^)irnt)aut, bie über ^arnfteine unb über bie erfte gelungene 
Teilung be§ Kropfes burcf) Unterbinbung ber Arteria thyreoidea genannt, ferner 
gab 20. ben erften 2luffd)luf$ über bie @ntfiet)ung be§ grauen ©tar§, über 
bie (Sntjjünbungen ibeä ßttiarf 5rper§ , über ba§ 3ri§=6olobom, über |>ornr)aut= 
trübungen u. a. m. Sluctj für bie ^ntereffen bei ävjtUc^en ©ianbeS trat SB. 
toatm ein; er ertjob in bem 9teformcongrefj ber bairifdjen Slerjte für bie $rei= 
gebung ber ärjttict)en $raji§ unb eine mütbige ©teHung be§ är<$tlicrjen ©tanbeä 
feine ge»icE)tige ©timme. 9ftU Srfotg fämpfte er für Sßefeitigung ber lanbärät» 
lid^en unb crjiTurgifdjen ©(^ulen in Jöaiern, au§ toeldjen nur tjatbgebilbete Sterbe 
auf bie Sßebötferung loifgetaffen tourben, bie ifjrer Aufgabe nidjt geteactjfen maren. 
2113 ßerjrer mar er Itar, anregenb, ja begeifternb. allgemeine Trauer roar um 
ben trefflichen 50tann , at§ er nacb, furjem Äranfenlager bem UnterteibStrjp^ug, 
ber ©ei^el beä bomatigen 5Jlüncr)en, erlag. 

5ßgt. bie beutfdje ^Jlebicin im 19. iSarjrij. (Jine ^eftgabe 5. 40iät)r. 
2)ienftjubiläum tyfy. gr. 0. 3BaUt)er'g, b. ärjtl. SSerein in 9Jtüncr)en am 
23. «ölai 1843, 4°. — g. ©ei^ , 9tebe am Grabe <ßf). ö. SBalt^et'd aU 
ftefrolog in 5ßrof. b. ßang'S Arabern. «KonotSf^rift (3§g. 1850.) — ffietf., 
Sej. ber. berste, VI, 188. — 21. Martin, 0. Söolt^et'd Seben unb SBirfen 
in b. aCßaUt)er u. 2lmmon'§ Journal f. @f)ir. u. 2tugenb,. IX, £eft 5. — 
b. 9ting8ei§, ©ebäcb.tniBrebe auf 5ß^. 0. SGßatt^er in b. 2tfab. b. SBiff. au 
«münden 1851. — ö. «Rupaum , ^eftrebe ju $t). 0. SBatt^er'S lOOjä^r. 
©eburtätag 3. $an. 1882 im ärjtt. herein ju «münden. @. Äorn. 



Söalttjer. 123 

Söaltljer: M. ©amuetSÖ., geboren am 18. fjfe&ruar 1679 ju SBegenftebt 
bei ©arbelegen als So^n beS ^aftorS ^obanu 2ß., ftubirte p ^elmftebt, -Jpatle 
unb Sena, mürbe 1711 ßonrector an ber ©albern'fcben Schute p SBranbenburg, 
fiebelte aber fcfjon 1712 nact) s J)cagbeburg über, Wo er am 13. SDecember baS 
(Sonrectorat an bem ftäbtifchen ©bmnafium übernahm. §ter mirtte er unter 
bem 9iector M. ©ottfrieb SSergner unb würbe nact) beffen £obe (4. ©ept. 1731) 
ju feinem 9tact)folger erWärjtt; am 17. gebruar 1732 mürbe er als Dector ein= 
geführt. 3n biefer Stellung rjat er big ju feinem am 10. 9Jtai 1754 erfolgten 
Stöbe gewirft. äöaltrjer'S amtliche jttjätigtcit war befonberS auf bie innere @r= 
neuerung ber bereits ferjr im Sßerfatl begriffenen ©ctjule gerichtet. 5lber alle 
bon it)m berfudjten Mittel Ratten bodj leinen rechten (Jrfotg , weit Umftänbe, 
beren 9lbänberung nicrjt in feiner 9Jcacr)t lag , feine SBemütjungen bereitetten. 
2Bir f önnen biefe Slngetegenrjeit tjier um fo eber übergeben , als SBalttjer'S S3e= 
beutung nictjt in feiner Srjätigfett als ©djutmann, fonbern bietmetjr in ber a(S 
©djriftftetler beruht. 21IS folctjer war er unermüblict) ttjätig unb er ift unter 
aßen Sitteraten 9JtagbeburgS im borigen ^atjrljunbert ber bielfeitigfte unb fructjt= 
barfte. ©eine elften ©ctjriften finb pcjtlofop^ifdjen unb trjeotogtfcben SnrjaltS 
otjne größere 33ebeutung. ©eine erfte ©ctjrift ift Wol bie 1716 crfctjienene 
bfntofobtjifctje 2lbt)anbtung : „Thaies sive de contemplatione , quo loco sit 
habenda, commentatio, cui accedunt philosophumena quaedam ex huius philo- 
sophi vita et studiis haurienda". $t)r folgten nod) 6 weitere nact) ben Flamen 
ber übrigen äßeltmeifen benannte gleichartige ©djriften. Sßalb wanbte fidj 28. 
ber ©efct)ict)te unb ber 2lltertt)umSfunbe ju , worüber er ebenfalls eine treibe 
©Triften berfafjt t>at. SSon größerem SÖertlje finb iebod) nur biefenigen, welche 
fictj auf bie 5Jtagbeburgifct)e ®efd)ict)te bejietjen. |>ier rjat er Quellen benutjt, 
bie jefet jum üTtjeil nictjt metjr bortjanben finb, tjier tonnte er ferner auS eigener 
2lnfct)auung 2)ert)ältniffe unb Oertlidjfeiten u. a. fctjilbem, bie wir nict)t meljr 
tennen. Sßenn auct) feiner gforfctjung ber fanget, ben man bei llnterfuctjungen 
auS bem borigen Satjrtmnbert fo oft finbet, nämtid) eine gewiffe (Bteictjgültigteit 
unb Ungenouigfeit in ber Setjanbtung ber Urtunben, gleichfalls anhaftet, fo finb 
feine fleinen 9Jtonograbr)ien boct) immer noct) bon SSertt) , jumal 2ß. über eine 
grofje Äenntnifj ber einfdtjlägigen ßitteratur berfügte. Unter biefen ©ctjriften, bie 
jum Sttjeil als ©djutprogramme, jum Ittjetl als (MegentjeitSfctjriften für Jubiläen 
ober feftlictje SBeranlaffungen erfctjienen, finb ju nennen bie über bie Ulrich> unb 
über bie $attjarinenfircr)e, über bie ^ieronrjmitenbrüberfctjaft, über ben (Salbarien* 
berg, über ben Urfprung ber 9iofe im 9Jcagbeburgifct)en SCßappen, über ben 5Dom= 
propft (Seorg bon 2lnt)alt, über bie (Sinfütjrung ber Deformation in 9Jtagbeburg, 
#unbertjät)rtgeS ©entmat ber 3ei'ftörung ^agbeburgS u. a. 3(öe biefe ©djriften 
t)aben nur geringen Umfang, ba fie eben faft alle ©elegentjeitSfctjriften waren. 
S)ie bebeutenbften aber bon feinen ©ctjriften nictjt foWol itjreS UmfangeS , als 
ganj befonberS itjreS ^ntjaltS wegen finb feine „Singularia Magdeburgica" in 
12 ©tücfen, Welche fidj jum größeren Stjeile mit ber ©efct)ict)te berjenigen ©e= 
genben, weldje feiner ^eimott) benachbart waren, befctjäftigen. 3)ie erften ©tücte 
betjanbeln ^Jcagbeburgifctje unb ^)alberftäbtif($e 5lngelegent)eiten , ©renäftreitig= 
leiten unb Verträge ^wifctjen beiben ©tiftern u. a. ^n bem 5. ©tuet gibt er 
eine ©efcrjidjte beS 3lmteS SBefertingen, bann beS 2lmteS OebiSfelbe, beS ®röm- 
lingS, beS ÄlofterS ^llttjalbenSleben unb beS ÄlofterS ^illerSleben , ber SSurg 
3lltent)aufen unb eines ©treiteS übet baS Jpalbgericbt jWifdtjen bem Greift 
5Jtagbeburg unb bem ^)aufe S3raunfct)Weig. @S finb bieS fo Weltabgefdjiebene 
©ebiete, ^umol in früberer 3eit, bai bie gefcbic^tlicben ^actjtictjten baiüber fetjr 
bürftige finb. |)ier rjat nun 2B. mit feltenem gieife unb bielem ©efdjict eine 
Sflenge gefc^idjtlictjer 9tacbrict)ten äufammengebtaebt , fo bafj feine S)arfteEungen 



124 SBaittjerin. 

immer nodj at§ grunbtegenb angefetjen roerben muffen, Sogar genealogifdje 
Tabellen bet abeügen ©efd)lect)ter unb harten, bie bie bamaligen örtlichen f8tx- 
rjaltniffe äut 3lnf^auung bringen , tjat er feiner ©arftettung beigefügt. 2)iefe3 
Sßerf toirb baljer, abgefeljen bon feinen anberen äatjlreicrjen Scfjrtften, SO&altljer'ä 
Manien als gorfdjer immer unbergeffen machen. 

«gjolftein, Seiträge jur ©efdjicrjte be8 Slttfiäbtifctjen ©tjtnnaftumS ju 

gjlagbeburg, in ben 9Jtagbeb. ©ef<$idjtsblättern "V, S. 9. — 2)ittmar, Samuel 

2ßaltt)er'3 Historia litteraria Excidii Magdeburgici , in ben 9Jtagbeb. ©e« 

fdjürjtäbl. XXV, S. 364. ©. Wertet. 

2ÖQltI)Crttt : (Sophie Eleonore 3JB. , 2)idjterin be§ 18. 3a|rtmnbert§, 

rourbe geboren am 6. Januar I 723 3 U ©tefeen, mo it)r S3ater, |>einr. Slnbr. 

Sßaltljer, bamal§ ©rjmnafialleljrer unb ^riöatbocent mar. SSatb tourbe er nadj 

äöormS unb bann al§ ^ßaftor nacrj granffurt a. 9Jc. berufen. Sin berftanbeSftarer, 

ftrebenber ©eift, lebte er ber Ueberjeugung , bafj bie ÜEßiffenfdjaft ber 9tetigion 

nur jur Stütje bienen fönne, unb in biefer ftuberfidjt, bie audj feine populär* 

pf)ilofopt)ifci)en 'dürften ©rünbe ber 3Bet8t)eit unb Stugenb' bet>errfdjt, erjog er 

feine Äinber. üDer lernbegierigen Soptjie Eleonore jumal extt)eitte er einen 

Unterricht , ber meit über baä t)tnau§ging, ma§ fonft jur fjfrauengimmerbilbung 

ber 3eit gehört: fie unb eine greunbin füljrt ber öon bornetjmen 3öglingen 

bielummorbene unb gefudjte $äbagoge felbft in bie 2Belttoeiät|eit ein; fie lernt 

f5franäbfifct) unb fiatein; ja fogar ©riedjifcr) unb £>ebräifd) treibt fie, um ba§ 

tjeilige Original berfietjn 3U fönnen. 2)ie poettfdjen Neigungen ber S2B. fcrjetnen 

mef)r burdj it)re Butter unb beren gomilie beförbert p fein; in§befonbere aud) 

burclj ttjren jüngeren 23ruber griebr. Slnbr. SB. (geboren 1727, feit 1747 $Ra= 

gifter unb 2)ocent in ©öttingen), beffen groben poet. liebungen 5 fcfjon 1746 

burcfcj ben betannten granffurter *Paftor 3fot). ^tjil. gfrefeniuS beröffentlicrjt 

mürben. @r mirb bte Sctjmefter audj beranlafjt traben, it)re '©ebanfen in ge= 

bunbener 9tebe auf bte 9teligion3=Spötter unb ©otte3=ßäugner' ber beutfdtjen 

©efeflfcljaft in ©öttingen borjulegen; Ijier, mo man mit Sprüngen be§ ge= 

lehrten 5 l 'auenÄimmer§ eine gcfdjmacflofe 3>erfcr)roenbung trieb, mürbe fie am 

2. 9luguft 1749 jum (Jljrenmitglieb geroät)lt , unb bie £)elmftebter ©efetlfdjaft 

folgte bem 33eifpiele , ba§ aud) 3jena nad)at)mte , al§ ber eifrige 23ruber miber 

3öiffen unb SBillen ber 2B. it>rc c @ebtcf)te' (©Ott.- 1750) blatte brucfen laffen. 

S)iefe fäjlanfe c erfte Sammlung', bie aud) bie einzige blieb, geigt un8 bie 

2)id)tertn in angeregtem poetifdjen SBerfetjr: mit einem SSaron b. (£. (jebenfatlä 

dreuj) taufet fie poetifd^e Komplimente aus, unb it)rer liebften gfreunbin, ber 

lieblichen yjlaria 9ftagbalena b. Älettenberg, burcb bie c Olorena' auct) mit ben 

Greifen ber fcljönen Seele in 33erül|rung fam, reicht ber 20. ^Dlufe bie Siege&balme. 

•Dctober 1751 fuc^te ber ©öttinger 9iationalöfonom ^rof. S(cl)enmatt bie itjm 

burdj itjre S)id)tungen befaunte 20. in granffurt auf; ber fcrjnellen Verlobung 

folgte am 24. Wai 1752 bie ^>eirat^. Slber ba§ <5l)cglüdE be§ ^ßaareS ift lurj : 

Soptne Eleonore ftirbt am 23. 9Jtai 1754 im Äinbbett. ^n prunlenben afa= 

bemifcfjen ©ebädjtnifereben feiern ^ot). 3CRatt). ©e^ner unb ber Secretär ber 

beutferjen ©efeüfc^aft $ot). tyffi- s ^urra^ baS 3lnbenfen ber ©efdjiebenen; aber 

aucij ber trefftidje ^arl f^^iebr. b. 5Rofer (^b^ilo) nimmt au§ bem erferjütternben 

ülobeäfatle Slnlafe , itjrer 5 teu nbin 9Jtaria s Dtagbatena 'betj bem ©rabe ber 

ttjeuren Olorena 1 ein in tief pietiftifdjem ©eifte gehaltenes c 2roft=Scrjreiben über 

ben ütob ber ^reunbe' ju mtbmen. 

grau s ^ßrof. 9lcr)enmatl l)at menfcljlicr), baS geljt au§ allen biefen ^Jlacrjrufen 
l)erbor, unbergleicijlicrj metjr bebeutet al§ bicrjterifcrj. 5 r bnimigleit mar itjt jeit= 
lebend ber föftlictjfte 55efi^; er bertielj itjr eine ftiHe ütulje, bie fie rootjltljuenb 
itjrer Umgebung mitjutijeilen mu|te. 3)ie grauenfunft ber |>au8ljaltung fcrjien 



2Boltt)erin. 125 

it)r ftetä bie «gwuptfadje ; fo fet)r fie burd) regelmäßige Silbung unb einnetjmenbe 
ßebenSart anjog, fo beweiben mar fie in bet Unterhaltung, unb geflif|entlid) 
betbarg fie ifjre ©etetjrfamfeit, bet fie allenfalls ein paar 'gerufuge 2lbenb= 
ftunben' gönnte. $n ©öttingen tjat fie fid) fdjnftftetlerifd) benn audj nut burd) 
einige Setträge jum 3. Banbe bon £>eint. (Sitl). ©djröber'ä c 5Jceifterftürfen 
moralifdjer 9lbf)anbtungen ©ngtifdier unb 2)eutfdjer ©ittenlet)rer" beteiligt, in= 
bem fie groben aus engtifdjen ßteblingämoraliften aushob unb in freiet SBe= 
atbeitung berbeutfdjte. ©ie felbft mag bie engen (Stengen itjreä Äönnenä beffer 
gefüllt tjaben , aU it)re lauten Serounberer. s Jcid)t gan^ freiließ fefylt ber 6rjr= 
geij ber gelehrten $rau itjren c ©ebid)ten' : in einem ©enbfdjreiben an bie 
Jungfer Söberin, baä fie 1750 im s Jiamen ber beutfdjen ©efellfdjaft ju £)etm= 
ftebt öerfafjte, rütjmt fie ftolj: 

3a aud) bet fctjtoädjfte Üfjeil, ba§ toeiWid)e ©efcrjleäjte 

prangt burd) (Mefjrfamfeit 

©onft ^atte e§ näj nie ju forfdjen unternnmben, 
311^ ifjnt ber 2Jlänner 9ieib bie 'JJIugen jugebunben, 
Unb ob man es gleid) nod) in engen Srenjen fjält; 
©o bringt e§ bennod) burd)! 

^)ier, mo fie ju ber gefeierten Poetin rebet , gibt fie irjrem ^erjen einen ©tof}; 
fonft zeigt fte tool 6et)nfud)t nad) 9Beiet)eit unb ©eletjrfamfeit; aber itjr c be- 
roufjteä Unbermögen' t)ält fie öon ©efdjmadlofigfeiten jutürf. %t)x poetifdjeä 
$beal toar jebe§faü§ Rätter, an ben fie j. 33. in ber ©djilberung vergangner 
beutfdjer Barbarei natje fid) anfdjlufjt; fetjon bie SBerbinbung bon Sßiffenfdjajt 
unb ftrenger fyrömmigfeit fidjerte bem großen ©elefrrten in itjren Greifen i)ot)ti 
Stnfefjen. 2Iber fie öermag mit feiner gebantenooÜen ©djroere nid)t redjt etroaä 
anzufangen, öiel weniger atä fetbft it)r Slltersgenoffe unb falber Sanbsmann, 
ber 5mr)etr ö. Greuj. ©o geben bie geroanbten , aber teicrjtttnegenben Berfe 
be§ 33ruber3 bas bequemere unb nätjere Sßotbitb t)cr. $n 2lleianbrinern, 
SStanföerfen unb troct). Setrametern öerftd)t fie mit billigen ©rünben bie Un= 
fterblidjfeit, preift fie bie Qüjxit'benfyit, feiert fie ©ottes *Dtad)t unb ©üte: ben 
Sfteligionäfpötter toiberlegt fie fpielenb, inbem fie itjn oor bem ©eridjt fdjaubern 
läfjt, unb ben ©eiftern , bie ftetö im ©aufe leben, t)ält fie fülle SBefdjaulidjfeit 
al§ macjreä ©lud entgegen. c ^roar fd)ted)t bodj rool gemeint', baä felbftertrjeilte, 
fteitid) nidjt in unferm Sinne gemeinte ^räbicat perbienen ebenfo it)re att^u 
tjarmlofen religiöfen ©ebid)te roie namentlid) it)te äu^etft banalen unb leeren 
©elegentjeitSpoeme. S5on poetifdjer ©eftaltung^fraft tjat fie feine 3lt)nung ; arm 
töie an ©ebanfen unb SSorfteßungen ift fie an Silbern unb Söorten, unb roenn 
it)rer 3tebe menigften§ ein gemtffer glufe eignet, fo finb irjre 33erfe redjt in= 
correct, rjiatenreid), burd) fdjledjte Betonungen (Qrriebfamö, lebhafter, ©otttöfen) 
unb bbfe 3teime (Jpöt)' : 2lHgütig6) entfteüt. ©ie ergebt fidj ebenfo , raie 
aÜe bie anbern Mieterinnen, bie man bamalä in ©öttingen fo beieitroiüig 
feierte, in 5lidjtö über baS ^JJlaafe bei naiöften SJilettantenttjume. 3lber ber 
Jßortourf barj nidjt bie eble g^u treffen, nur bie fritiflofen ÜJtänner, bie fie in 
eine ungemottte Deffentlidjfett geirrt tjaben. 

ßappenberg, Reliquien bei grl. ©ufanne ßatb^arina bon ^lettenberg 
(,g>amb. 1849), ©. 203 fg. — Jo. Matth. Gesneri ßiographia academica 
Gottingensis, Vol. II (Halae 1768), ©. 69 ff. — 3otj. «P&ü. s JJturrat), «Rebe 
toeldje im tarnen ber Ägl. beutfdjen ©efeltfdjaft jum ©ebcdjtniffe it)Xrt ber- 
flehten TOgtiebeä bet gtau ^tofeffotin ©optjieu ßteonoren 5ldjentoaH ge- 
bognen Sßalttjer in berfelbeu 33erfammlung«fale gehalten roorben 

3lm atoölften 2age be£ Sfuniug, im 3al)re 1754 (®ött. o. S-)- — 2age» 
unb SJcatrifelbud) ber Ägt. beutfdjen ©efeUfdjajt in ©öttingen. 



126 Söalttjet — SBoltmann. 

Sßltljer bon ©tiben, Setjrbidjter beg 13. ^atjrlmnbertg, ftammte tt»a^r= 
fdjeinlict) aug Kärnten: ob aug ©riffen bei SSötfermarft, bag alg 53urg, Softer 
unb ftatttict)er ^Jlarlt aunäcrjft liegt, ober au§ 2)eut?d) ■ ©rifcn bei (Surf, baS 
weife ict) nidjjt p entfcfjeiben ; aug beiben Orten waren abetige ©efctjlecfjter t)er= 
borgegangen (2öeife, Kärntens 2Ibel big 1300, ©. 71 f.), unb ict) tjalte ung 
obenbrein nid)t für berechtigt, aus bem Flamen abelige 9lblunft 3u erfdjtiefjen. 
©ein furjjeg, nur 25 Reimpaare urnfaffenbeg (Sebidjtdjen, bon -£>aubt c 2Beiber= 
jauber' betitelt, gibt in fauber gebauten unb gereimten Söerfen öon guter tedj= 
nifctjer £rabition (nur wirb 4- fdjon bor 3- bebor^ugt) bag atlegorifctje Sfieccpt 
eine§ Siebegbulbetg , bag aug je^n ihäutlein, lauter Stugenben unb ÜBoraügen, 
,3ufammen ju brauen jei unb ber grau bau ^ev^ itjteS 5Jtanneg unfehlbar frdjern 
Werbe. S)ag fxnnreicfje 5Jcotib ift nictjt neu: aucr) ber ^Jtinnefang tennt 5let)n= 
üci)e§, unb 20. fdjlofj fiel) unmittelbar, ^um £b,eit wörtlid), an bag Söorbilb 
,£>artmann'g bon 3lue an, ber im erften (einer SSüdjtein (SB. 1275 f.) in ftitt= 
fcrjmeigenbem ©egenfatj ju bem SÖolfgaberglauben einen ät)nlict)en Siebegtranf 
componirt, nur ift biefer auf grauentjeräen berechnet. £>afj ber 91act)at)mer feine 
Äräutlein fcfjon etwag fünftlid£)er wärjlt als bag $orbilb, bag ift natürlich : bon 
ben attegorifdjen SBürjgärten unb SBlumenfrän^en beg 14. unb 15. ^alitljunbertg 
fieljt Söaltrjer'g SiebeSrecept bodö nodj toeit ab. $ür feine SSeliebtljeit jeugt, 
baf; bag ®ebtcf)tcf)en in nicfjt Weniger alg oier £>ff. auf ung gefommen ift. 

s Ecorit$ .gmupt gab ben 'Söetberaauber 1 3f. f- b. 2llt. 15, 245 nact) bem 

Cod. Palat. 341 t)eraug; er überfat), bafj Imltaug, Sieberb. b. Imtjlenn 

@. XXXIV— XXXVII bereits ben Sejt ober bie Varianten bon allen 4 &ff. 

mitgeteilt tjatte. Sgl. ferner SBedcj, @erm. 16, 333 ff. unb eridj ©d)tnibt, 

9teinmar bon |>agenau, ©. 113 — 115. 9toetrje. 

SÖJaltmoim: ©regor 3B., geboten am 20. Sluguft 1661 ju Sübingljaufen, 

trat am 17. Sluguft 1680 in bag Söenebictinetftofter ju Siegborn unb mürbe 

am 27. Dctober 1681 ju ben ©elübben, am 22. Februar 1687 pr ^riefter» 

toeitje jugetaffen. ©päter befleibete er eine $eit lang bag 2lmt beg Lettners 

ober $üd)enmeifterg bi§ er am 14. 3uti 1698 ,jum 3lbt gerodelt rourbe, wop 

it)n am 8. ©eptember ber DSnabrücfer 2öeit)btfd)of Otto bon 93roncb,orft feierlid) 

meiste. SllS ber SLob am 6. Ütobember 1739 feiner metjr alg bier<$igiät)rigen 

entfd)iebenen unb ftäftigen Regierung ein @nbe madjte , mar nicfjt nur bie ge= 

fammte ©dtjulbenlaft beg Älofterg getilgt, fonbetn aucb^ beffen (Srunbbefitj er= 

roeitert, ber Neubau faft aller nodj je^t befte^enben Moftergebäube beenbet unb 

bie SBibliotb^ef burcrj ben 2lnfauf bieler 2öerfc bereichert. ?lu^er ber bon Slriber 

(Bibliotheca Monasteriensis, p. 157) ermahnten, mir nicfjt befannt geworbenen 

„Scala mystica Benedictina" fcrjtieb SB. alg ffartfetjung ber bon ©eorg f^uifling 

(f 6. ©eptember 1668) begonnenen „Memorabilia Liesbornensia" (^IJcfcr. beg 

21ltertt)umgbereing au fünfter) eine SBiograptjie feiner Vorgänger, ber klebte 

©eorg ^-uifting (1651-1668), Naurus ©gröber (1668—1678) unb 35oni= 

faciu» ^ütibbenborf (1678 — 1688) unb legte auctj bie „Compendiosa relatio de 

initio, progressu ac privilegiis sacrae congregationis Bursfeldensis" (Gitterte). 1 

S3er. llJcünfter, ^Jcfcr. 153) an, meldtje bon oevfd)iebenen ^)änben big ^um 3at)re 

1737 roeitergefül)rt ift. 

Sine augfütirlictje Sebengbefcfjreibung Söaltmann'g enthalten bie im Sieg* 
borner ^ßfarrarcfjib beftnblidjen Annales Monasterii Liesbornensis Ord. S. Bene- 
dicti, bermutt)lict) nacl) einer jetjt berloren gegangenen |)anbfct)rift 3unnüt)len , g 
(f. unt.) unb bie bon Setjterem 1732 begonnenen Descriptiones Abbatiarum 
Liesborn, Marienfeld etc. (Eiterte). » SSer. fünfter, 9Jcfcr. 152). — 93gl. 
S- 35. ftorbfjoff, ©tc 6tjroniften beg ßtofterS Siegborn (©ep.^bbr.). fünfter 
1866, ©. 69 ff. u. 90. «ß. SBatjImann. 



SBala. 127 

äöalä : (Srnft Sljriftian griebrtd) SB- ift geboten am 28. ftebruar 
1802 in Hänflingen (mürttembergifd>en Dberamteä Seonberg), mo fein Sater 
£)abib gwbrid) SB. Pfarrer mar. ftacb, 33eftet)ung beg ßanbejamenS, auf roelcrjeg 
er in ber Sateinfdjule a u Nürtingen borbereitet morben mar, gehörte er alg 
gögltng ben nieberen ttjeologifctjen ©eminarien ©djöntrjat unb 9Jtaulbronn 1815 
bis 1819 an; barauf mibmete er fid) 1819 bi§ 1823 im Tübinger ©tift bem 
©tubium ber Ideologie, nadj beffen 53eenbigung er mit einem tb/ologifdjen 
«PteiS auggeaeidjnet mürbe. 9ca$bem er bann bter ^afjre im Sefjramt als Ste= 
Petent (1823—25 an bem nieberen Seminar in Uradfc, 1825—27 am ©tift in 
Tübingen) bermenbet gemefen mar, trat er im $uli 1827 eine über brei ^arjre 
bauernbe Steife an, beren Äoften (5000 fl.) er felbft beitritt. Siefe Steife ift 
für feine miffenfdjaftüdje Stiftung beftimmenb gemorben; tenn bie Don irjm 
fbätetfjin bertretene fßerbinbung ber prjilologifcrjen ©tubien mit ben ard)äologifd)en 
unb bie ßogtrennung betber bon Geologie unb ^rjitojobrjie mar in bem bamatigen 
2Bürttemberg, nod) lange uad) griebr. Slug. SBolf'ä Job, etmaS 9teueS. 2)urd) 
gorfd)ungen in ben 33it>liott)elen (für meiere itjm 2Bitt>. fÖarbili mistige Ringer* 
jeige gegeben blatte) unb Äunftfammlungen 3>eutfd)lanbS, Italiens unb 3ranf= 
reidjs bereitete er fid) auf ba§ afabemifdje Setjramt bor, in meinem er, Dctober 
1830 aurüägeferjrt unb roieber Ütepetent am lübinger ©tift gemorben, mit einer 
toribaten Sorlefung über 2lriftobrjane8 im fXöinterfemefter 1830—31 ben erften 
fßerfuet) machte. 2Bid)ttger ift, bajj er im ©ommerfemefter 1831 ein neue§ ftac&, 
in ben Secttongfatatog ber Sübinger Uniberfität einführte, inbem er alg ©rfter 
eine jmeiftünbige öffentliche Sßorlefung über Äunftgefdjid^te tjielt, roeld)e bon 
42 ©tubirenben gehört mürbe. 3n ben folgenben Mren Qetong eg it)tn att» 
mätjlid), fiefj neben £afel, bem feit 60113' £ob einzigen Server ber SlltertfjUmS* 
miffenfetjaft in Tübingen, eine ©teEung 3U erringen: 1832 mürbe er aufjer= 
orbentlidjer ^rofeffor, 1834 erhielt er, nacfjbem er fdjon 1833 aum correftoon= 
birenben «JJUtglieb beS beutfeben ar<$äologifd)en 3nftitut8 in Stom ernannt 
toorben mar unb 1834 einen Stuf nadj 2>orpat auf bie ^rofeffur ber fÖereb= 
famfeit, 3leftt)etif unb ©efdjicfcte abgelehnt t)atte , Sitel unb Slang eineä 
orbentlidjen Sjkof eff or§ ; in bemfelben 3af)r mürbe it)m aunädjft unter Oberleitung 
£afel'g bie Staffiert über bag nod) fet)r ftoärlicrje Etüna« unb Slntiiencabinet 
im norböfilicrjen St)uim beg 2übinger ©d)toffe§ (bgl. ßubro. ©crjtuabe, ©efd). ber 
arctjäot. ©ammtung ber Uniberfität Tübingen. £üb. 2)oftorenber3eidjuifj 1891), 
über meldjeg er in ben 3ar)rbü$ern ber SllterttjumSfreunbe im Stt)einlanb 1846 
Söerictjt erftattet rjat, anbertraut unb eine ©umme bon 2000 fl. aur (Srünbung 
einer ©ammlung bon ©ipSabgüffen für Unterricrjt§ameäe in ben Stäumen ber 
UniberfitätSbibliott)ef aur Verfügung gefteltt. ©elbftänbiger Seiter ber ©amm* 
lung mürbe er erft nad) Safer« Dtücf tritt 1842. Surdj ben Sarjregetat bon 
nur 100, feit 1840 menigfteng 150 fl. unb bie fßeftimmung, bafe bormiegenb 
Slttertrjumgfunbe aug ber Umgebung Tübingens ermorben merben follten, maren 
ber SluSbeb.nung beg SlntifencabmetS freilid) enge ©renaen geaogen. — 3n bie 
3eit bon 1831—39 fällt 2öala' frucb.tbarfte miffenfc^aftlidje £t)ätigfeit : bor 
feiner Steife blatte er nur eine Ueberfe^ung bon Senopfjon'g ßbropäbie (1827) 
berbff entließt; nun berarbeitete er bie gfrüctjte ber Steife: feine „Epistola critica ad 
J. F. Boissonade" (1831) enthält einige Seiträge aur griedj. s ^atäograptjie unb 
ber Äritif ber grte<$. Statoren; 1832 erfdfcjien feine 3lu§gabe beg Sioletum bon 
2lrfeniu§, melier eine bon ib,m 1828 in Bresben copirte 3lbfcb,rift eineä s )Jtogfauer 
9Pionufcrtbte§ bon gjlatt^äi aur (Öiunbtage biente; bon 1832—1836 in neun 
föänben feine miefttigfte ßeiftung, bie 3lu§gabe ber feit 9llbu8' unbollftänbiger 
©ammtung (1508) nid&t meb,r, tljeilmeife übertäubt noeb, nidtjt im SJruci ber= 
öffentlic^ten Rhetores Graeci nad) ^>anbfd)riften in «Ölungen, 2Bten, «Dlaitanb, 



128 2Bal 3 . 

SBenebig, Surin, ftlorenj, 9tom, Neapel unb $ariS; 1837 — 39 bie mit bem 
Äaffeler SBibliottjefar ©Hubert ijufammen ausgearbeitete burdj ifjren Apparat 
nod) jetjt brauchbare fritifdje SluSgabe beS ^aufaniaä. 9lud) ben ÄreiS öon 
33orlefungen , über meldjen er nad) 1840 feiten hinausgegangen ift, f)at er in 
biefer $eit angelegt: am tjäufigften las er ©efdjidjte ber alten Jlunft unb 3lrctjäo= 
logie, baneben an fnftematifctjen Söorlefungen mätjrenb biefer 5ßeriobe nur (5n= 
ctjtlopäbie unb ^ftettjobologie ber Ätiologie, römifdje Sllterttjümer unb einmal 
(1835 — 36) gried). unb röm. 9tumiSmatif; aufjerbem interpretirte er in be= 
fonberen SSortefungen meift bie griectjifdjen 3)ramatifer unb ben SttileS beS 
SßtautuS, Don $rofaifern öfter «ßlaton'S ©rjtnpofton unb SlriftoteleS' *poeti£, 
öon Sateinern aufjer $lautuS nod) Serenj unb Jporaj , roo<ju SnterpretationS= 
Übungen in bem 1838 eröffneten pf)itologifd)en ©eminar fommen. — 3Jn biefen 
3at)ren grünbete 30. aud) feinen £auSftanb: 1837 öertjeiratt)ete er fidj mit 
Slnna, Stodjter beS Seiner Hauptmanns Suttjarbt, nact) beren frühzeitigem £ob 
1839 mit ber noct) jetjt (1896) lebenben 9Jtarie, Stoctjter beS Stuttgarter Dber= 
tribunatrattjä fteuerlein. 3n erfter ©fje mürbe itnn eine £odjter, in ^meiler ein 
©olm unb ätoei £öd)tcr geboren. 

1840 ertjielt 30. ein öoüeS ßrbinatiat mit 1200 ft. (Setjalt. ©eine 
^nauguralrebe (14. San. 1841) „lieber ben gegenwärtigen ©tanb ber s 3ltter= 
tt)umSroiffenfd)aft'' geigt mit fdjarfer Äritif, roie fetjr im Tübinger ©tift, auS 
meldjem fid) bamalS bie tjumaniftifctjen ßetjrer äöürttembergS auSfdjliefjlid) 
refrutirten , ber Stuffdjroung ber ptjitologifdjen ©tubien burd) ben SDruä ber 
Geologie unb ber Jpegeffdjen 5pt)Uofop{)ie gehemmt rourbe. 2)aran t)at übrigens 
aud) SBatä' ©tellung als @pt)orue beS ©tiftS (1842—49) nictjtS geänbert: er 
mar leine burdjgreifenbe 5tatur unb namentlich ben biSäplinaren ©djroierigteüen, 
toeldje bie politifctje SBemegung beS SatjreS 1848 aud) innerhalb beS ©tiftS tjer= 
öorrief, nictjt geroactjfen. 2lud) bie roorjtgemeinte unb marme (hmatmung, meiere 
er in feiner geftrebe jur (Sinroeifmng beS neuen UniüerfttätSgebäubeS 1845 als 
ütector an bie ©tubenten richtete, fie füllten biefe ©elegenrjeit benufcen, um burd) 
Slblaffen öom 2)ueHmefen alten beutfetjen Uniöerfitäten tin gute* Seifpiel au 
geben, jeugt amar öon tjumanem, aber, bei foldjem Stntafj ins allgemeine au«= 
gefprodjen, nictjt öon praftifd)--päbagogifd)em ©tnn. — ©eit ben öierjiger 
^a^ren tjat er ftd) litterarifd) nur nod) mit 2lrd)äotogie unb s JJttjttjologie be= 
fetjäftigt unb aus biefen ©ebieten aud) bie ©egenfiänbe ber einzigen neuen 
ftjftematifdjen Sortefungen genommen, toelctje er in ben letjten amölf Satjren 
feines SebenS mehrmals t)ielt (römifdje Religion unb ©taatsoerfaffung feit 1844, 
Religion, 5Jtt;tt)ologie unb Äunjt ber Sitten feit 1852). 2lud) als Sefudjer ber 
^tjilotogenoerfammlungen , an metetjen er öon ber 2. bis pr 10. immer tb.eil» 
narjm (als Sßicepräfibent an ber lllmer 1842) t)at er fiel) auSfctjliefjlid) an 
ard)äotogifctjen S)iScuffionen , an biefen aber regelmäßig bettieiligt. ©päter tjat 
er nur nocl) ber Stuttgarter ^tjilotogenöerfammlung 1856 als SSicepräfibent 
angerooimt unb tjier bei ber ©rünbung ber ard)äologifctjen ©ection mitgemirft. 
— Slbgefetjeu öon fteinen 5luffä^en in £eitf driften tjat er in biefen Satiren 
einige «Programme unb fteftfdjriften üerfafet ; am öerbienftooÜften ift unter itjnen 
bie Interpretation unb 33efpred)ung aüer auf S3emalung ber ©tatuen bejüg= 
lid>en ©teüen ber alten Sitteratur in ber geftfdjrift jum 50jätjrigen 2)octor= 
Jubiläum beS Triften g. D . ©grabet („lieber bie ^oltjctjiomie ber antifen 
©lulptur", 1853), metdje in einen bamalS brennenben unb noctj je^t nid)t att= 
feitig entfe^iebenen ©treit erfolgreich eingriff. 311S ©teEenfammlung noi je$t 
brauchbar ift bie 2lbt)anblung „de Nemesi Graecorum" (Sübinger 5Doctoren= 
öeraeictjnif} 1852), bagegen öeraltet „de religione Romanorum antiquissima", 
part. I (fteftfdjr. a. ßinroeitjung beS UniöerfitätSgebäubeS 1845), öerfetjtt „turi- 






äBoij. 129 

buli Assyrii descriptio" (fteftfdjr. ber Uniöerfität Tübingen 3. 4. ©äcutarfeier 
ber Uniöerfität (Sreifsmalb , 1856). (Snblid) fällt in biefe $eriobe feine 9Jlit= 
mirfung an ber öon $ault) begonnenen 9tealenct)flopäbie ber claff. 2IUertl)ums= 
miffenfdjaft , beren 9tebaction öon 33b. IV an er nad) tßault/S £ob mit bem 
bamaligen $ribatbocenten 2B. ©. Xeuffel Slnfang ^uni 1845 übernahm unb 
311 welcher er eine Steige arcfjäologifdjer unb funftgefd^ic^trictjer Slrtifel (öer^eidinet 
in 33b. VI, 2 ©. VII) beigefteuert t)at. ©cfjon 1847 inbeffen trat er megen 
$ränflicb,feit öon ber 9tebaction jurüd, unb als es öorübergetjenb beffer mit itmi 
tourbe (1851), mar Seuffel mit bem äßerf bereits allein fertig geroorben. $n ben 
fünfziger $al)ren tourbe er nod) metjtfad) ausgezeichnet (9litter bei Drbens ber 
mürttemb. Ätone 1852, jutn jmeiten Wtale föector ber Uniöerfität 1854—55); 
aber förperlidje ßeiben unb gemütt)lid)e fßerftimmungen nahmen <ju, unb menige 
Monate nad) bem £obe feines (Sollegen ©djmegler machte er feinem ßeben ein 
@nbe (5. 3lpril 1857). 

3tn 28aty ardjäologifd)=mött)ülogifd)en 3lrbeiten fteljt faft immer bas 3nter= 
effe für ben gufammentjang ^toi^en griedjifdjer unb orientalifdjer Gultur im 
33orbergrunb unb er befafet fid) mit Problemen, beren Söfung, beim bamaligen 
©taub ber £>enfmä(erfoifd)ung überhaupt unmöglid), burd) Sreuaer'ä ^tjantasmen 
nod) befonbers erfdjmert mar; zmifcfjen ben Srgebuiffen öon Sreu^er's unlritifd)em 
©rjntretismus , öon meinem er mot juerft angeregt aar (f. feinen 33ortrag in 
ben 23erf)anbtungen ber 5. ^rnloiogenöerfammlung au Ulm 1842), unb bann 
öon $. £). SMllcr's anatöttfdjer gorfcfmngsmeife fud)te er bie Glitte au galten 
(f. feinen ardjäol. ^aljresberidjt , ^fnlologus I, 745 f.; Serljanblungen ber 
9. 5J3rn(ologeiiöerf. 1849, ©. 55 f.), ofme aber metljobifd) förbernb auf bie 
Klärung ber ©runbfvagen einäutoirfen. — ©eine ^auptöerbienfte liegen in feiner 
£r)ätigfeit als Herausgeber, bem öon iljm ausgegangenen 3lnftofj jur Befreiung 
ber pfjitologifd)en ©tubien in SQßürttemberg öon bem trjeologifdjen unb pljilo= 
fopt)ifd)en 3tod) unb in ber Gnnfüfjrung bes ardjäologifdjen Unterrichts in Tübingen. 

SB. ©ctjmtb. 

Sßßalj : ©uftaö 2ß. , bebeutenber Serjrer ber Sanbmirtbjdjaft, geboren am 
30. Secember 1804 in Stuttgart, f am 30. Dctober 1876 ebenbafelbft , mar 
ber ©ofm bes Slpotljefers griebrid) 2B. unb ber ©opfjie geb. 9tagel; beibe 
filtern gehörten altangefeffenen müvttembergifdjen Familien an unb aud) in biefem 
jüngften ©otjne berfelben ift ber fd)mäbifd)e ©tammesd)arafter entfdjieben b / eröor= 
getreten. $m £aufe feines Dljeims Kaufmann £einr. 9tapp (21. ©. 33. XXVII, 
290 ff.) , mo er öiel öerfeljrte , lernte er bie meiften 33erüb / mtb / eiteu ber 3eit 
menigftens oberflädjlid) fennen, leiber öerlor er feine treffticfje 9Jtutter fcfjon im 
neunten ßebensjatjre , jmei 3ar)re fpäter ftatb ber 33ater, ber ältere 33ruber 
gfriebridj, ber als ©emeinberatt) ber ©tabt ©tuttgart unb als 2Ibgeorbnetev fpäter 
eine jiemlid) bebeutenbe potitifdje 9toÜe fpielte, natjm fid) amar bes 3Jermaiften treu» 
ltd) an, aber bie Unterbringung in bem pebantifdjen Slecanatfyaus in greubenftabt 
roirfte nidjt günftig auf ben gemüttjüollen Knaben ; bodj tonnte er bie öom 33ater 
ererbte 93orliebe für bie 9iatur unb itjre Srforfdjung in bem fleinen ©djmarjmalb» 
ftäbtdjen befriebigen. @r b,alf beim gelbbau, bei ber Urbarmachung eines SOßalbei 
unb übte bei 9iagelfd)mieb , 5Dred)Sler unb anberen ^aubmerfem bas praltifd)e 
@efcl)icf, bas ib,n äeitlcbens auszeichnete. 3lud) im bbergömnafium ju ©tutt» 
gart, mo^in er nad) feiner Konfirmation fam, blieb er ben ftatutmiffenfdjaften 
treu; fein 33ruber, meldjei biefe Anlage mürbigte unb förberte, mies ib,n auf 
bas ©tubium ber ßanbmirtfjfdjaft b,in, meil bas ©tubium ber 9iaturroiffenfd)aften 
allein als zulünftiger 33eruf bei ben befdjränlten Mitteln ber gamilie unb in 
ber bamaligen 3ett unmöglid) mar. ©0 bejog 2B. 1821 bie lanbroirtb,fd)aft= 

9lHjiem. beutle S8ioflrapi(ie. XLI. 9 



130 SBols. 

lidje 2tfabemie .gmljenljeim. Der aufgemeclte , fleißige unb praftif^e Jüngling 
burfte fictj ber ftreunbfäaft bon ©tolj unb «pabjt (f. 21. D. ». XXV, 38), fo= 
mie be3 Söoljlmolleng be§ bamaligen Director§ ©djmerä erfreuen; nadj atoei 
Sagten ging er nadj Tübingen, um unter ©djübler, $RoljI, ©melin u. a. m. 
Sotanif, Hernie, ©eognofie k. ju ftubiren; praftifdj übte er ftd) baneben burdj 
bte Semirtfdjaftung be§ fleinen benachbarten ®ute§ tRofedf. 2lnbere 23err)ältniffe 
lernte er fennen burdj einen längeren 21ufentljalt bei bem audj al§ ©ctjriftfteller 
motjlbefannten ©utäbefitjer 21. Slocf in ©djierau (©einleiten) , mo er aueb, mit 
3;b,acr befannt mürbe ; fpäter mürbe er Sermatter bei ©ute§ ©iebeneidjen (®raf 
ö. ^onieft) gerjörenb), feierte aber nadj einer längeren ©tubienreife burdj Deutfdj= 
lanb in feine ^eimattj aurücf , mo er 1826 ben ©djmeijerljof bei (Sllmangen 
taufte. Salb bradjte ber unermüblidj fleißige mit praftifdjem ©djarfbtief be= 
gabte Wann baS Heine (300 mürtt. s JJtorgen große) jetjr Ijerabgefommene ©ut 
mieber in 2lufnarjme unb führte mit Srfolg bie <g>ot)enljeimer ©iebenfelbermirtlj= 
fdjaft, auSgebetmten gutterbau mit ©taltfütterung u. f. to. ein, errichtete audj 
eine Srennerei, natjm ^rattifanten in bie £ef)ie unb gewann burdj fein fdjlidjtei 
aber befiimmteS SBeJeu, burdj Ijeitere greunblidjfeit unb feine entfdjiebenen Sr* 
folge rafdj großes 2lnfet)en. 9lidjt 2lutobibact ober reiner Sßrattifer, aber nudj 
nid)t reiner ülljeoretifer gehörte er jju ber madjfenben ©djar Pon Defonomen, meldje 
bie (Srgebniffe ber ftaturmiffenfdjaften für bie Sanbmirtljfdjaft ju Permertfjen 
fuctjten, aber feine confertiatioe 9latur Ijielt gern feft an bem ^ergebradjten unb 
2ltterprobten. Der tanbmirtljfdjaftlidje Serein, ber 1829 in Gsllmangen ge* 
grünbet mürbe , bot feiner Sfjätigfeit ein reidje§ £5fetb , ein bebeutungSboltereS 
aber mürbe trjm 1842 mit ber ©rünbung ber 2ttferbaufdjute in Sllmangen au 
Sljeit; er mürbe iljr ßeiter mit bem SLitel DeEonomieratlj unb Ijattc bie banf= 
bare 2lufgabe , bie Domäne Sttmangen in eine ^ftufiermirtbjdjajt umjuroanbeln. 
1850 (8. 2luguft) erging ber 9tuf an itm, bie Directorftelle in -gmljenrjeim ju 
übernehmen; nie blatte er bie Serbinbung mit ber 2lfabemie abgebrochen, bei 
öen breiiätjrigen Serfammlungen ber ßetjrer unb ©djüler fetjlte er feiten; aud) 
fdjriftftellerifcb, mar er befannt gemorben burdj) 2Iuffä|$e in lanbmirtb.fdjaftlidjen 
blättern, befonberä audj buvctj feine Seiträge au bem Söerfe öon ©djnijjlein 
unb griefinger: Die SegetationSPertjältniffe ber ^ura= unb ßeuperformation in 
ben tftufjgebieten ber 2Börni£ unb 2lltmüt)l (1848). 9ladj längerem 3ögern 
naljm er bie ©teile in -gmtjenljeim an , feine Vorliebe lag in ber praftifdjen 
Untermeifung , mobei er mit Jpodj unb lieber ben richtigen 2on fanb; bodj 
fonnte er audj in £)orjenrjeim fein ©efcrjicf bei ben llebung§gängen jeigen unb 
gemann baburdj bie Jper^en oieler banfbarer ©djüler. s Jteben feinen Sorlefungen 
(er lag über lanbmirtrjfdjaTtlidje Setrieb3let)re, ©ütertajation, Pflanzenbau unb 
lanbmirtlifc^aftltctje iöaufunbc) befcb,äitigte it)n ernfttid) bie 9teorganifation ber 
2lfabemie; er trennte bie 'JJtuftertoirtrjfdjaft öon ber Serfucb,iroirtt)fd5ait, unb be= 
trieb eifrig bie Srodenlegung fumpfiger 2Biefen, bie Sefd^affung beffern gutterg 
u. f. m., für 2lgriculturcb / emie mürbe ein Set)rftul)l erridjtet, neue ©ammlungö« 
fäle befdjafft unb bie SBo^nungen ber ©tubirenben öerbeffert. 6r mar jugleidj 
2Ritglieb ber lanbmirtl)Jd)ajtlidjen Sentralftette, lieferte ja^lreidje Seiträge in baä 
2lrdjio für politifdjc Detonomie, ba§ ^orjen^eimer 2Bodjenbtatt, ba§ 6orrefpon= 
benjblatt u. f. m. <£>äufige Reifen führten ben manberluftigen ©djmaben, ber 
mit Sorliebe ©eograpfyic [tubirte, unter anberem aud) ju ben 2lu§fteHungen nadj 
ßonbon unb 5parig unb bie Dantbarfeit anfänglicher ©djüler, bie überatt jer= 
ftreut maren, erb.öb^te ben (Senu^ beifetben. Diefe reidje 2b,ätigfeit mürbe Per* 
fdjönt burd) ein glüdtidjeS gamitienleben ; 1826 ^atte 30. feine 3»ugenbgefpielin 
unb Sermanbte ©opb,ie ©d)urr au§ SBangen bei Stuttgart, in beren elterlichem 
|>au)e er gern feine gerien jubradjte, ge^eiratb^et ; ber @§e entfpro^ten Pier 






2Bameftu§. 131 

$inber, toetdje 2B. , folange et auf bem ©d)tt>ei,}erf)of war, fetbft untetttcfjtete, 
WeSroegen er bau roürttemb. 3Mf3fdjulter)rerejamen tjatte befielen muffen (!); 
txefftid) öerftanb bie madere £)au§frau aud) bie fdjarffantigen (Seiten bei» s ]Jianne§ 
ju milbern. ©erjr getrübt aber rourbe feine Söirffamfeit in |)orjenr)eim burd) 
einen tjeftigen ©treit mit $. ßiebig. 2B. cjatte ftet§ an ber burd) ßiebig ent= 
fadsten 33eroegung lebhaften 9lntljeU genommen, ttjeitte aber nictjt aüe ßefjren 
be§ ÜJlcifterS unb nod) meniger bie bavauS gezogenen Sonfequen^cn , unb neigte 
fid) entfdjieben ben „©tidfiöfffern" (gegenüber ben „9Jtineralfiöff(ern") ju. SDer 
(Streit mürbe nidjt burdjauS fadjlid) geführt. Siebig, ber feinem ®egner roiffen* 
fdjaftlidj weit überlegen mar, tiefe benfetben bieä unangenehm fügten, unb 
ridjtete gegen bie SSertoaltung in £)orjenrjeim ben rjerben unb tool nid}t be= 
grünbeten 23ormurf , bafe öon ben tiefgreifenben ßntbecfungen im (Sebiete ber 
ßanbmirttjfdjaft feit bem iSarjre 1840 feine biefer @rrungenfd)aften bort SCSur^el 
gefaßt unb fyrüdgte getragen rjabe. SCiefe 23erftimmung barüber unb ein ftärfer 
auftretenbeS Verleiben öerantafeten 2£. im $uni 1865 ju bem Sßunfdje, feiner 
©teüe enttjoben ju werben; mit atten Srjren gcfd)af) bie§. 3)er öerbiente 9Jiann 
30g fid) nad) Stuttgart jurüd, ben SIbenb feines Sebens uaturroiffenfctjaftüdjen 
unb lanbtoirtfyfcrjüftiicrjen ©tubien roibmenb; er öetbtieb «UUtglieb ber ßentral* 
ftetle für SanbtDhtfjfdjaft , gab 1867 feine „Sanbtoirtrjfdjaftlidje 33etrieb§lefjre" 
tjeraue, narjm aud) £tjeit an ben Vorarbeiten für ein neues ©teuergefe^. 1867 
öerlor er feinen einzigen ©ofjn, ^toei $ar}re fpäter feine ©attin , ba§ .gjeimtoer) 
nad) itjr öerliefe ifjn nid)t merjr, bi§ ein ^erifdjlag am 30. Dctober 1876 
feinem Seben ein @nbe mad)te; fdjöneS evfolgreidjes SOßtrfen mar it)m bergönnt 
geroefen, aud) ber SBunfd) nad) einem rafcfjen 2bbe mar in @riüttung gegangen. 
Slufeer ben oben genannten QBerfen finb nod) befonber§ ju ertoärjnen bie 
öon 2B. tjeraussgegebenen «Dlittcjeitungen au§ .fporjentjetm I — VI, 1853 — 65. 

— Slefrotog über 2Batj (öon feinem ©d)miegerfor)n ißrof. Söeber) in 3at)re3= 
tiefte b. SBercinS f. baterl. ftatutfunbe in SBürtt. 33b. 34, 1878, ©. 52 ff. 

— Unfere 3eit 1858, ©. 351. — ©djtoäb. «Hierfür 1876, ©. 2881. — lieber 
Sanb u. gjleer 1877, 33b. 1 , ©. 422. — 2Öod)enbtatt f. 2anb= u. gorft» 
mirtrjfdmft, 33b. 29, 1877, ©. 114. — 2Mg. 3tg. 1864, Seit. 9ir. 126 ff., 
158, 159, 191, 192. £rjeobor ©djott. 

2öatncjtu3: 3of)ann 20., Suttft, geboren ju Süttidj im $. 1524, f au 
ßöraen am 21. $uni 1590. @r macrjte feine afabemiferjeu ©tubien in Söroen, 
neben ber 9fced)t§U)iffenfd)aft aud) in ben alten ©pradjen, namentlid) ber gried)i= 
fdjen, murbe bafelbft am 29. Sluguft 1553 Dr. inr. utr., im $• 1555 orbent=> 
lictjer *J3roieffor ber 9led)te unb 1570 professor primarius bei fanonifdjen 9ted)t§. 
hieben einer b.eröorragenben 33egabung für bie 9*ed)t§fpred)ung, einer gleid) tüd)= 
tigen 33ilbung für ba§ Siüil^ unb Äirdjenredjt aeidjnete itju au§ eine gro|e 
Seb.rgabe. 31m Se^ramte rjing er mit ganzer ©eele, fud)te barum ba§ if)m öon 
Ssnan b'Sluftria übertragene 3Imt eines 9Hitgliebe§ be§ ©et)eimeratrj§ aufzugeben 
unb behielt ba§ Serjramt bei. ®iefc§ tiefe iljm feine 3 e ^ ä ur Verausgabe öon 
©d)riften. ©eine 2Berfe finb fpäter tjerauSgcgcben öon bem itjm öerfdjwägerten 
©tepfjan 2Bet)nS, metdjem nebft ©errjarb (Sorfet er fie rjinterliefj. ©ie finb: 
„Recitationes ad tit. decretalium de appellatiouibus" (Lovan. 1604); „Re- 
sponsa s. Consilia de iure pontificio" (ib. 1605, 1618, 1643, 2 vol.); „Re- 
sponsorum s. Consiliorum ad ius Ibrumque civile pertinentium centuriae VI" 
(ib. et Antw. 1639, Lov. 1666, 3 vol.), fie gehören ju ben beften 3ßerfen für bie 
Äenntnifj ber ^rajiö ber geiftüdjen unb metttidjen 33eb / övben unb ©eridjte 
S3etgien§. 

9lieberlänbifd)e 93efd)reibung öon Dtid). ö. Sli^inger 1585, II, 239. — 
©erf., Leo Belgicus 1585, p. 114. - ?lbam , Vitae, p. 305. — Swertii 

9* 



132 SBampen. 

Athenae Belg. — Sftiraeuä, Elogia. — 23al. Slnbr. , Bibl. belg. (öor ber 
2luäg. bon 1643). — goppenS II, 752. b. Sctjulte. 

SBatltpett: 6b erwarb b. 20. , ntebetbeutfrfjer Serjrbicfjter beg 14. 3ar)r= 
b,unbert£, flammte toa^rfc^einlid) au$ einem bei ©reif^toalb ober auf Stügen ge= 
legenen Oertdjen be§ 9camen§ 20 , nactj bem feine roappenfätjige Familie tjiefe. 
Siebe <jur 2öiffenfd)aft, nid)t äußere (Stünbe, beranlafjten itm, im 2luälanbe, na= 
menttict) wol in Italien, mebicinifctje Stubien p treiben, in benen er e§ jur 
SÖßürbe eineS 2Ragifter3 ber 2lranei£unbe Braute. @r übte feinen SSeruf in 
(Sdjweben aul, nid)t unangefochten: aU in ben elften S^ren be3 blutjungen 
$önig 5Hagnu§ 6rid)fon8 beffen leichtfertige Butter ^ngeborg, bie felbft beutfdjeg 
33tut in ben 2Ibern tjatte , bie 2lu§länber begünftigte , ba berfdjärfte fiel) ber 
(Segenfatj ber (Sinrjeimifctjen unb ber gremben; 2ß. tjatte auf ber einen (Seite 
unter ^Jtifjtrauen unb SBerleumbung ju leiben, auf ber anbern fanb er Warme 
Slnerfennung, wie er uni baS felbft anbeutet. $n SctjWeben nun fcfjrieb er 1325 
für ben ivönig fein mittelnieberbeutfcf)e§ ße^rgebidjt 'de spegel der naturen' ; biefeS 
bon itjm felbft angegebene SDatum ift ba§ einsige un§ bekannte feines SebenS : er 
Wirb nirgenb fonft ermähnt, audj in fctjwebifcrjen llrfunben nidjt. ,3eue 2>icf)tung 
nun, bie an 2000 SBerfe ju umfaffen fctjeint (fictjer ift ba§ nicrjt, ba minbeftenS 
ein Statt in ber Jpf. auigeriffen ift), ftef)t in bem allerlei intereffante mebicinifctje 
Sitteratur bevgenben ©otljaer goliocobej , 9lr. 980, 15. ^atjitjunbert. S§ ift 
nicrjt nur bie Sctjulb ber Uebetlieferung , wenn un§ SBampen'3 SÖerf formell 
äufjerft rot) erfctjeint. 3n bie Reimpaare fctjieben fictj tjier 25rei= unb 33ierreime, 
bort reimlofe profaartige Qtilen ein; bie p ©runbe Itegenbe 2)iertjebtgfeit wirb 
butcij wiUfüttidje £actfüttung fo unb fo oft faft gefprengt; bie föeime ftnb bon 
ungemötjnlidjer 9lactjläffigf eit. ®er 5)ictjter täufctjt ftctj barüber nidjt : er beruft 
ftctj auf f5^ a wentob , ben er fagen läfjt: c beter ein nm wen ein sin verloren", 
getoifj eine apohtjptje 9leuf$etung. 9luf$er itjm wirb einmal SJceifter @ato unb 
ein paar 9Jcal 2lriftotele§ citirt , biefer fctjwerlictj au§ birecter Äenntnifj. S)ie 
formale s Jtadjläffigfeit be§ 5Dictjter3 offenbart ftctj auctj barin , bafj bie gereimte 
^ntjaltSüberfidjt, bie er boranfd)icft, gar nidjt ju ber wirflictjen SJerttjeilung beS 
«Stoffs auf bie bier SSüdjex pafjt. Siefe Sßieraatjl ift Wotjt beabfictjtigt : fctjon 
im ütitet treten c de conplexiones' , bie bier SEemperameute auf , unb ju itjnen 
werben bie biätetifctjen unb fonftigen tjögienifctjen Sßiffenfctjaften , bie baS jur 
mebicinifdjen S3eletjrung öon ßaien beftimmte 93uct) pfammenftellt , in m5gliä)ft 
enge 23e<jiefmng gefetjt. 5Da§ entfpratt) gan^ ben Strjeorien ber 3^it, beren Wiffen= 
fd)aftlicl)e ^>öt)e äöampen'i ©ebid)t burd)au§ abfpiegelt. $ux 6t)arafteriftif ber 
öier complexiones benu^t SB. lateinifdje Sßeife , bie auS bem berühmten Flos 
medicinae ber Schola Salerni entnommen ftnb. $ftit ib,m 6erüt)rt ficrj 20. überhaupt 
in Weiter s 2lu§bcr)nung : ju ib.m ftimmen im mefentlictjen feine 23emerfungen über 
bie mebicinifctje SBebeutung ber ^aljre^eiten, über Reinigung unb ^Bewegung beS 
ÄörpetS, über ^Irpeimittel aller Slrt, über bie Söe^ietjungen beS 2t)ievheife§ ju 
ben meufcftliclien ©liebem, über bie Stjmptome, bie ber -gmrn ergibt, SSieleS in 
ber bon 20. ftarf betonten Slberlafeleljre. 9lber jener Flos medicinae war min»- 
beftenS nid)t SBampen'S einzige Cueße. <Jr wiberfpricljt iljm grabep in ber 
uneingefdjranfteu fanitären 2öertt)fci)ä^ung be§ ^ammelfleifclieg; er gibt für btö 
ttjolerifci)e unb ba§ pljtcgmatifcije Temperament je 4 Unterarten, bie in be 9tenjiä 
2ejt be§ Flos fehlen, aber freilicb, in anberer falernitaner Sitteratur, wie in ben 
(Soncorbantien be§ So^l- b. St. 2lmanb, in be§ 2Ji. Naurus Regulae Urinarum 
auftreten; er treibt ben $aratteli8mu§ jwifdjen ben Temperamenten, bie er gar in 
Spieren unb ^flan^cn wieberfinbet, unb allen möglichen anbern 33err)ältniffen 
biefer 3öelt ungteidj Weiter al§ baö Regimen salernitanum , tiergleictjt i^nen 
ä- 33. 3Jtonbtiiertel , XageSftunbcn, #auptwinbe, Klimata unb 3 0n en, bor allem 



SBoncfel. 133 

aui^ bie öon ben Saternitanern nod) nid^t berangeaogeuen , öon 2B. fetjr um= 
ftänblidj wieberbott erörterten Planeten. Wem t)at ffit bkfe (Stganjungen etloa 
an münblidje Stobttioti gebadet. 2lber gerate bei fotdjen, bem Flos medicinae 
feljlenben ©teilen beruft er fid) auf bie c schrift\ Der £itet feiner Dichtung 
febeint auf bes 33incentius Speculum naturale Ijinjubeuten : inbeffen tjilft bas nidjjt 
öiel; bai meifte, was in Söetradfjt tommt, finbet fiel) aud) ba nidjt ober in einer 
gotm, bie ben ^ufammenbang jebr unmabrfcbeintid) mad)t: fo wenn SB. als 
ßetjre bes SIrtftotetei bie (ünntbeilung ber ©eele in eine anima vegetiva, sensitiva 
unb intellectiva angibt, wäbrenb bei Jßincenj an britter ©teile eine anima ratio- 
nalis erfebeint. (Sntweber alfo ift bie Wahre Quelle Sßampen's noeb nidjt ge= 
funben, ober er tjat aufjer bem 5U ®runbe liegenben ©alernitaner ßehrbud) nodj 
ein zweites benu^t, bas etroa aus ben Greifen ber fpäteren mebicinifdjen Slriftotelitcr 
ftammte. Sine foldje Kombination aus jroci Quellen ift mir um fo wahrfdjeinlidjer, 
at» aufjer ben aus bem Flos medicinae entnommenen lateinifdjen Sßerspaaren noctj 
jroei Weitere, robere tat. Seimpaare öon ganj anberer gorm citirt »erben, bie un= 
möglich mit ben falernitanifchen Seoninen au einem tat. föebidjt bereinigt fein 
tonnten. 2Ius Eigenem wirb SB. wenig hinzugefügt fjaben. SQßenn er bie 
^ßtanetennamen öerbeutfdjt (j. 58. Jupiter = 2)onner), bei ber 23efdjreibung ber 
ßlimata rjeröorrjebt, Wo 'Doringk 1 unb 'WestvaP wohnen, u. a., fo gehört bas 
natürlich bem beutfehen Siebter felbft. 2lber auch bie Etagen über bie weiblichen 
^fufdjevinnen , bie ©ctjelte über bie c unloveghen kater' , bie burdj guf a mmen= 
gießen öon zweierlei ^>arn bem Slr^te bie llrinofcopie unmöglich machen, manche 
Detail in ben trjpifchen ^ßorträtS, bie er Don ben Pier Temperamenten entwirft, 
roirb er aus eigner ^Beobachtung bem überfommenen ©toffe eingefügt haben. 
2)af$ er biefeS (Stoffes poetifch |>err geworben wäre, baöon fann feine 9tebe fein, 
©eine ©prache, in bie fieb tateiniferje SQßorte ftörenb einmifchen, enttjält manchen 
bemetfenewertrjen ?(usbrud ( auch ©uebismen? bliven = 'werben' ?) ; im ganzen aber 
ift er recht wortarm unb rjat fieb felbft fetjr oft burdj ganze SBersreitjen wörtlich, 
ausgefebrieben, namentlich im 1. unb 2. 33ucb. $bm lag es ficherlidj fern, auf 
einen anbern SBot^ug ber 9tebe SOßettc) ju legen als auf bie Ätarrjeü. 2)as 
einige poetifche Glittet , bas er anwenbet , finb fdjtithte SJergleidje : ber redjte 
2trjt ift ihm ein ©teuermann ; ber ©anguinifer ragt tjeröor wie ber galfe unter 
ben Vögeln unb ift ein ©aal ber lUtinne; ber Grjoterifer fcfjreit wie ein $äger 
unb ficht wie ein ober; ber s Hle(and)olifer erinnert itjn an v JJlöndj unb 2)ieb. 
kleben biefen, einer be^aglidjeu Slulmatung ber 6ompIejione§ bienenben 33itbd)en 
treten etwa nod) ein paar fetjr befd>eibene ^eime ^u "Jtaturbitbein bei ©etegen* 
^eit ber ^afjre^eiten rjerüor. S)ie t)umoriftifd)en 3lnfä^e SBampen'ö, auf bie 
er bodj 2Berttj legt ( c ik geve umme ein bok nicht ein stro , sin ende were 
gemelich vnde vre- 5 ), finb gan^ bürftig unb mifjgiüdt. Srotjbem würbe baS 
überfid)Uicbe 3Bud) feines praftifeben Stnbalte wegen getefen unb benufet: bie 
(Sbftorfer SieberbanbfcBrift entbätt minbeftens 3 Sitate aus ßberbarb u. 30. 
( s Jib. ^abrb. XV, ©. 16, ©tr. 1—3), freilid) nad) einer anbern, etwas ah* 
weidienben ^anbfdjrift. 

Sögt, ©eetmann, ^abrbuef) bes Vereins für nieberb. ©pradjforfctjung, 

«b. 10, ©. 114—131, 33b. 11, ©. 118-125; fjier finb Einleitung, 93uc6 

1 unb 4 DoUftänbig, aus $8ud) 2 unb 3 groben abgebrudt. — $rof. .r-)ufe= 

mann unterftüfete mid) burd) nadjbarlidjen Statt). 9loett)e. 

SBülttfcl: S ob an n es 2B., poeta coronatus unb Herausgeber ber precationes 

piae, beren ©ebraudj bis in ben Anfang bes 19. äa^^u«berts binein 23arn= 

t)agen's 2)enfwürbigteiten bezeugen. 3obanne§ war ber fiieblingsfofjn s Dlattbiaö 

SBandel's (f. u.), jebodj lein Snfel 33einbarbi'8 , ba er aus ber ^Weiten @t)e 

feines 33aters ftammte. (geboren würbe er 1554 ju Sromberg. ^obannes War 



134 äBan&L 

baS eigentticfje fdjriftftefieiifd)e Xatent ber ganzen gamiüe 2ß. 2Benn audj 
TOattfjiaS burd) feine 3)erbinbung mit fiut^et unb SBerntjarbi eine größere S3e» 
beutung erlangt tjatte, jo bafj er faft fetbft mit in ber 9teit)e ber ^Reformatoren 
ftetjt, fo t)at bod) aud) ^otjanneS mit feinem £)t}eim 2InbrcaS (f. 9Jcattt)iaS unb 
Seberedjt 2ß.) fdjon atS ©tubent unb angetjenber fäd)fifd)er 5Jcagiftet toenigftenS 
bie SLorgauer Slrtifet, gebtutft ju äöittenberg bei «gmnS ßufft 1574, au mehreren 
(Stellen mit unteräeictjnen bürfen. ©eine ©eifteSgaben matten itjn alsbalb bei 
großen Ferren unb Potentaten berühmt. S5ex SIbminifirator ^cr^og griebridj 
2Bill)elm au ©acrjfen berief itm 1595 an feinen |>of. £>ier überlebte er ßuttjer'S 
«gmuSboftiÜe ober bod) beren jtneiten Slrjeil in baS ßateinifdje. daneben „bro= 
fitirte er beimaßen in cjiSpanifcrjer , roelfdjer unb fianjöfifdjer ©pradje", bafe er 
aud) bie fiittcratutprobuete anberer als ber beutfdjen ©pradje burd) Ueberfetmngen 
in§ £ateinifd)e ber bamaligen SBettlitteratur einverleiben berfudjen tonnte, 
©ein horologium prineipum mar eine Ueberfetmng aus bem ©panifdjen „mit 
fdjönen 9ioten für bie ftubirenbe £$ugenb iüatftrirt". 3>n feinen lateinifdjen 
©elegcnf)eit§gebid)ten, bie itjn für beu fädjfifdjen £>of einigermaßen als 33or= 
(äufer bon 3rinfettb,auJ3 (f. ©aldjmann) erfdjcinen laffen, betoegte er fid) aufteilen 
in ben tunftboHften formen. 1602 madjte mau itjn gum Professor historiarum 
in SBittenberg. 1605 beröffentlid)te er, aunädjft ju Srjren feines r)ot)en ©önnerS, 
bie „Precationes piae Friederici "Wilkelmi collectae, ctjrifiltdje ©ebete fo £5f l 'iebrid) 
3Bilt)eIm ^er^og su ©adjfen felbft coHight unb gebraudjt." 1609 mürbe er 
2)ecan bev btjilofoprjifdjen gacultät unb 1614 9tector ber Uniberfität SOßittenberg. 
@r ftarb bajetbft 62 3af)re alt am 16. 3uni 1616. 

<£>anbfd)rifttid)eS 23eräeid)nifj ber in ber ®. 33ibüotr)ef im 3apouifd)en 

^alaiS w S)xe8ben befinbltdjen Sßandelfdjeu 2)ru et f ad) cn. Söon .£>rn. £ber- 

Dibtiotfjefar 5ßrof. Dr. ©djnorr bon (Sarolsfetb angefertigt unb bem Dberbauratt) 

Otto Handel ju S)reSben im 9Mra 1891 übergeben, $n biefem Sjev^eidjniffe 

befinben fid) 16 arbeiten bon ^otjanneS, baruntcr jum SEljeil jebod) nur ©e= 

Iegenl)eitSgebid)te unb 2Ieb,nlid)eS bon itjm in anberroeitigen SDrudroerfen auf= 

gefunbeneS. Unter biefen 16 arbeiten netjmen bie precationes bie 11. ©teEe 

ein. jp. $röt)Ie. 

SBancfd: Äart 20., ©eiftlid)er, 91aturforfd)er unb Sinter, rourbe am 

4. 3uli 1811 in ^otjened hei ©toübetg im ©rägebirge als ©otm bei Suftij« 

unb 9tentamtmannS 20. ju ©toHberg geboren, ©einen elften roiffenfct)afttid)en 

Unterrictjt erhielt er burd) einen ,§auSIerjrer , ber itjn für bie 5ürfienfd)ule j n 

©rimma borbereitete, an ber er im ^erbfte 1824 2Iufnat)me fanb. 9tad)bem et 

ijin fed)§ 3acjre tjinburd) mit Erfolg ttjätig getoefen mar, be^og er im |)erbfte 

be§ ^at)re§ 1830 bie Uniberfität Seip^ig, um an ttjr im Stnfang unter .ßrug 

^lElitofobrjie unb unter ©ottfrieb ^ermann ^tjitologie, fobann aber aU gad)= 

miffcnfd)aft bei 9liebner, ^atjn, 2t)eile, SBiener, finget unb ©rofjmann Sb.eologie 

,^u ftubiren. ©eine 9Jcufjeftunben bermanbte er tjauptfäcrjlid) auf bie Pflege bet 

aRujif. @r gehörte bem ^auliner=©efangberein an, bem er in einem feiner ©e= 

bidjte („S)ie ^auliner") ein fdjönes SJcnfmat gefegt b^at. 9ladjbem er ba% 

ßjamen pro candidatura beftanben tjatte, berlief er am 23. 9lbril 1834 bie 

Uniberfität £eip-jig unb befteibete nun fünf ^arjre tjinburcr) bag 9Imt eines 

«ipauSleljrerS in einer gearteten ganiiüe in ©djneeberg. 3»m Slprit 1837 beftanb 

er baS (Sjamen pro ministerio. 3 roe i Sa^rc fbäter (1839) rourbe er Seiter 

einer ©ammelfdjute ju ©toüberg, an ber er mit biet (Srfotg ttjätig mar, bis er 

im S- 1841 a(S ßetjrer unb «SpilT^prebiger nad) SBUbenfelS berufen mürbe. S)a 

itjm aber baS bortige rautje Älima bei feiner fd)mäd)üd)en ©efunbtjeit nidjt ju= 

fagte, entfctjloß er fid) , ficrj um eine ©teftung in SreSben ju betoerben , bie er 

am 1. Sfuni 1851 als ßetjter ber Religion unb 91aturfunbe an ber 9iealfd)ule 



Söancfet. 135 

ju 2)re$ben=91euftabt erhielt. 3 U biefem 2lmte braute er eine öoraügtidje 33c= 
fäfjigung mit, ba er nidjt nur für ben Seljrerberuf befonberS öevantagt mar, 
fonbern aueb, in feiner ^»auSle^rerjeit unb in SöilbenfelS feine freien ©tunben 
eifrigft auf ba£ ©tubium ber Dtaturmiffenfcrjaften , namentlid) auf baS ber S5o= 
tanif öermenbet rjatte. i^n ®re§ben fanb er ©elegenljeit, fieb, in feinem 2iebling*= 
fadj metter ju bilben. 6r mürbe 9flitglieb ber naturforfetjenben ©efettfdjaft 3fft§, 
befugte bie afabemifdjen Q3orlefungen berfetben unb [teilte ben reichen ©d)at$ 
feiner eigenen $enntniffe unb gäfjigfeiten jeber 3^it bereitmitligft in itjren Sienft. 
(Sin befonbereS 53erbienft aber ermarb er fid) um bie 9teuftäbter 'JReatfrlmte 
baburdj , bafc er ben ©runb $u ifjrer natutmiffenfcb,aftlicl)en Sammlung legte 
unb fie in toenigen ^atjren ju einem beträchtlichen Umfange brachte. ^nbeffen 
fottte feine 2Bir!famfeit in SDreSben nur öon lur^er 2>auer fein, ba er plötjlict), 
nacr) faum eintägigem Jhanfenlager, am 26. SDecember 1858 ftarb. @rft ge= 
räume Stxt nad) feinem £obe öeröffentlicrjte fein greunb ^rofeffor üLafdjenberg 
in $aüe auS feinen rjintertaffenen papieren feine „Orttjopterologifcrjen ©tubien" 
(3eitfd)rift für bie gefammte ftaturmiffenferjaft, 33b. XXXVIII, 1871, ©. 1—28), 
bie 2B. für eine Soctorbiffertatton beftimmt unb t)auptfäd)lidj bei einem 93abe= 
aufentljatt in 93ab Söitteünb im ©ommer feines £obe3jal)re§ burdj fleißige 
@i-cutfionen geförbert tjatte. ©leicrjfaÜS erft nad) feinem £obe erfdjtenen feine 
„5)id)tungen unb ßebenSbitber", bie fieb, bureb, Snnigfeit unb gormcngeroanbtljeit 
auszeichnen. 

3)g(. bie SBorte ber Erinnerung gefproetjen öon 2. föeicrjenbadj, abgebrudt 
in ben Sichtungen unb SebenSbilbem öon $arl SBantfel. 9llS 9tnbenfen für 
bie aaljtretcrjen greunbe beS Sßerfiorbenen l)rSg. bureb, Hermann SBalbom 
[Otto 23?ancfel] , SreSben 1859. — (SinlabungSprogramm ju ben öffentlichen 
Prüfungen an ber föealfdjule ju 9leuftabt=2)reSben , 9ieuftabt=2)reSben 1852, 
©. 24, 25 — Bresben 1859, ©. 33, 34. §. 91. gier. 

Sailtfcl: (Stjriftian Seberedjt Sraugott So., beliebter ^an^ehebner, ftacrj* 
fontme öon 23ernr)atbi unb öon SlnbreaS 2ö. (f. 2Jiattt)iaS unb 3ot)anneS 20.). 
33on biefen flammten junädift burdj ^mei Generationen Ijinburd) bis 1732 bie 
^rebiger in SSurgliebenau unb in SDöHnitj bei 9Jterfeourg ab. S£)rei it)rer ©rab» 
fteine finb nodb, morjlerb, alten. ©0 fafjte bie sjcadjfommenfdjaft öon SlnbreaS 20. 
in ber nochmaligen preufjifdjen ^robin^ ©adjfen gufj , öon mo fie jebodj bann 
aud) nad) ben £>auptftäbten beS J¥önigreid)S ©acbjen äurücfferjrte. 6iner ber 
©örjne bei legten 2B. in 33urgtiebenau mürbe ^rebiger in ^otleben bei $aUe. 
9)on beffen elf Äinbern mürbe Äonrab Sebered)t au§naljmgmeife 2lböocat in 
©djfeubi^ jmifcb.en -£mü*e unb fieiöjig. ©ein ©ob,n 2ebered)t mürbe bafelbft 
am 18. 3llprit 1785 geboren, ftubirte 3 1 2 3af)r in fieip^ig, mo ^ßlatner unb 
Söeifje unter feinen Seljrern maren, mürbe 1810 ^farrfubftitut 31t ^ct)entor)e 
hei Sü^en unb erhielt bereits 1811 bie einträgtidje ©teüe befinitiö. ©djon 
am 6. 2funi beffelben S^eS t)eirat^ete er bie üEodjter be§ ^rebigerS 2fct)orn in 
©rofjgörfctjen , bie ir)n überlebte. 3*°ei Sab.re fpäter 30g fiel) ber beginnenbe 
5reit)eit8frieg in bie ©egenb öon ©rofegörfeb^en unb öon l'ütjen. S)ie ©cl)lacb,t 
bei ßü^en am 2. 9ftai 1813 brachte burdj ^ptünberung einen bebeutenben 33er= 
luft für So. @r mu^te fogar mit feiner grau unb einem öier Monate alten 
üEödjterlein bie glucrjt ergreifen. 3 U biefer 3 e 't lebte in ber gleichfalls nidjt 
felir entfernten ©labt "»Dierfeburg als ^rebiger in ber Sßorftabt Slltenburg (©t. 
Sßtti) mit bem reijenb unter bem ©d)loffe gelegenen gilialborfe ^Jteufcb.au ber 
gemüttjöolle 3t- ^- ß$t. ßöb,r, S3erf. be8 „f leinen 9lnbrea§" unb einer anbeut, öon 
Hilmar neu herausgegebenen ^ugenbfctjrift. SBaljrfcrjeinlidj nidbjt feiner ©efunbr)eit 
megen toie e§ gemöljnlid) tjei^t , fonbern um metjr 3 e 'l für feine naturmiffen* 
fc|)af Hieben ©tubien unb für feine ©crjriftftetterei ju geminnen, tiefj fidb, Sö^r 



136 SBandel. 

nad) bem |äd^fifd£>en ©täbtdjen gtnenfau berfetjen. £>t)ne 3toeifet empfahl er 
babet fetfeft unfern ßebered)t al§ feinen Wadjfolger, beffen ^rebigten bann 1824, 
1827 unb 1831 in btei 33änbeu erfc^ienen unb tro£ bc§ töufeg, bcn fid) 303. 
auf bem £anbe bereite etroovben tjatte , burdjauS ein ftäbtifd)e§ , ja gebilbeteg 
publicum »erlangten. 91m 18. 3funi 1813 tjielt et nad) einer burdj bie für 
biefe ©egenb befonberS fdjmietigen 3 e itberl)ältniffe t)erbetgefüt)rten Belagerung 
in Wetfebutg feine Slntuttsprebigt. SBatb mürbe Berleburg eine preufjifdje 
9tegieiung§tjauptftabt. Sie metjr ©ebilbete in bie ©tobt einbogen , um fo me^r 
bemätjrte ftdt) äBanrfel'ä Berufung. (Sr mar fein föebner im gemöljntidjen ©inne 
be§ 2öorte§. 3)ie geinljcit oer Beobachtungen, meiere er auf bie Äanjet brachte, 
bettrug fid) im allgemeinen menig mit bem rt)etortfd)en SßatljoS. 3fn ber merf» 
roürbigen 5J3rebigt übet 8uca§ 18, 31 — 43 „©eljet, mit gefjen hinauf nad) 3feru= 
falem!" bilbet er fidf> ba§ Stjema „SGßte Ijaben mir un§ ju üert)alten im 
Umgange mit SRenfdjen, bie un§ nic^t öerfte^en?" |)ier mar nidjt Jfrrigge'3 Um= 
gang mit 9Jtenfcrjen auf eine geroötjnlicrje SSBeife auf bie $anjel gebracht, fonbetn 
Befenntniffe im ©inne be§ ©oetfye'fdjen ,,3d) mufj mein ©lud nut mit mit felbft 
geniefjen" mürben ju ©unften ber 9Jtitmenfdjen auf ein fittlidje§ 9Jtafj 3urüd= 
geführt unb mit ber unertäfjlidjften Begrenzung ber 9tüdfidjten be§ Sänften» 
tfjumS umbogen. ©djliefjlid) aber mürbe eS gerabe bem Ütebner felbft fdjmer 
ba§ nur egotftifdj genoffene ©lud beüor^ugter ©eifter, um ba§ e§ fid) fjier 
tjanbelte, einsubämmen. Söar er bod) ju einer tjoljen jDurdjbitbung gelangt, 
etje er ba§ erfte geiftlidje 2lmt antrat. 9tacf) bem ju frühen £obe beä Baterg 
tjatte er in ber golbnen 2lue feine ebenfo fpeciefle at§ tüchtige llntertoeifung ba= 
burdj empfangen, bafj er in bie gamilie feine§ £)Ijeim§ 2B. aufgenommen mürbe, 
roeldjer in 9tofjleben donrector unb bann Spafior in Bottenborf bei SRofjteben 
mar. $n ba§ ,£>aug biefeS ausge^eiebneten (SrjiefyerS, ©djulmanneä unb ©etft» 
lidjen mar aud) fetjon ßebetedjt's älterer ©tiefbtubet aufgenommen gemefen, 
üon beffen ©otjne, bem Geologen $atl (geboren am 4. 3uli 1811 in £ot)enecf 
bei ©toübetg im (h^gebirge , f al3 £eljrer an ber 9tealfd)ule ju 2)teeben am 
26. S)ecember 1858) 1859 ^»ermann SBalbom „3)id)tungen unb Sebenebilbei" 
Verausgab unb bon beffen jmeitem ©otjne, bem ^utiften ^ermann (geboren in 
,§>oljened am 15. üecember 1812, f in ßeipjig) 1856 otjne feinen Manien bie 
SDidjtung „SloljanneS" erfdjien. ©eine fdjönften ülage blatte unfer £ebered)t, ber 
Pfarrer ^u St. Bitt, einft al§ -gmuälerjrer bei bem ©rafen Brüljl in 2Jtetfeburg, 
befonberö aber auf bem QSrütjl'fdjen SBeinberge bei Naumburg unb im Umgange 
mit ber fcerroittroeten grau Dr. 33oigt bertebt, beten ©ebidjte Xiebge 1826 unter 
bem Stitel „2Beir)eftunben einer ebten ©eele" au§ bem 9tad)laffe Verausgab, 
©djon feit ber ^>au§let)rerjeit mar ßeberedjt IJJHtglieb ber greimaurertoge ju 
^Jierfcbutg. %n itjr fanb er aud) fpäter nod) al8 ©eifttid)er bie meifte 93c* 
friebigung unb man behauptet, bafi „ber ©eift biefer 93erbinbung" fein ganjeS 
ßeben burd)brang. 6r fcE mit ^unigfeit an iljren Unterhaltungen unb 33c= 
fd)äftigungen gegangen unb in ib^r feinen „^meiten ?et)tftul)l" gefunben b,aben. 
2febenfaü§ festen il)m bie gteimautet einen ©tabftein auf feinem $itd)t)ofe, nad)= 
bem er am 3. 9Mrj 1829 im "Älter bon nur 44 Sagten geftotben toat. 2)ie 
Uebetnarjme ber ©uperintenbentur in ©angertjaufen tjatte er mol meb^r mit 9lüd= 
fidjt auf bie ^tetfeburger 33e,jierjungen al§ auf feine fdjon lange fdjmanfenbe ©e-- 
funbtjeit abgelehnt. S5on feinen je§n Äinbem überlebten ifjn fedjS : ©uftao, ge= 
boren am 12. $uli 1820, ftubirte 5Ratt)emati! , lebte in 9iouen unb befinbet 
fid) feit 1883 in Seip^ig; 2t)eobor, geboren am 23. 3uli 1826, ftarb als $re= 
biger ju ©odjfa am ©übljatae am 5. Äptit 1882. 

©ebtudte§ unb «g>anbfd)riftlid)ei im 33efitje non ©uftaü 3Jßandel. 5tad) 
letzterem ift aud) fdjon bie furje Sebensbefdjreibung im 3. 33anbe ber ^rebigten 



SBamfel. 137 

abgejafct, ber erft nad) Seberedjt 2BantfefS ütobe öon Dr. 6r)riftian äöeifj, 
bem langjährigen Seiter bei 33oIföfd£)ultt)ejen§ im ÜtegietungSbe^irf 9)cerfeburg, 
IjerauSgegeben rourbe. <£). $röt)Ie. 

Handel: 9Jcattt)iaS 20., ©djüler unb Orreunb Sutfjer'S. Sic Familie 20. 
foll auS ©crjroeben fiammen unb nod) jetjt bort üertreten fein. ©od) fotlen audj 
©lieber berfelben auS ©eutfdjlanb roieber nad) ©canbinaüieu aurüdgeteljrt fein. 
BefonbetS aber toanberten foldje nad) 2lmerifa auS. 3»n 2)eutfd)lanb follen bie 
SBandetS fdjon 3at)rt)unberte lang bor ber Deformation geblüht unb junädjft 
ttjren SBorjnftfe ju ^amelburg in ftranfen genommen fjaben. 9Jcattt)taS 2B., ©ofm 
eines $RanneS, ber ^uletjt Kaufmann in Siebenbürgen mar, rourbe in ^amelburg 
am 24. gebruar 1511 geboren. @r tarn mit 2 Brübern SlnbreaS unb Bartfm* 
tomäuS nad) SBittenberg 3U ßutljer. 9Jtattt)iaS mar ber ättefie unb begabtefte 
unter irjnen. @lf %at)xt lang tjötte ber morjlljabenbe junge £rjeologe Suttjer'S 
unb 9Retand)tr)on'S Borlefungen. Sie funftboll üer^ierte £>anbfd)rift öon Suttjer'S 
Söeltdjronit au? ber t. Bibliotfyet au ©reiben rüfjrt nad] ©ötje'S Eingabe öon 
iejm tjer. öon SBtttenberg ging IJJtatttjtaS junädjft als leijter ©djulcollege unb 
ßotlaborator nadi '»Jftagbeburg. S)arauf üerroaltcte er fünf 3tat)re lang baS 9tec= 
torat feiner Baterftabt .gmmelburg. ©einen beiben großen öeijrern öerbantte er 
ein IjinlängtidjeS Söiffen um nunmehr als erfter luttjerifdjer Pfarrer ^u ©t. Gloria, 
in |>alle a. ©aale angeftellt ju werben, roo it)n SuftuS 2fonaS am 26. Sluguft 
1542 einführte, ^n Ijoljem ©rabe roidjtig rourbe jeljt für biefen „gelehrten 
unb morjlüerfud)ten Biaxin" fomie für feine beiben jüngeren tuttjerifdjen Brüber 
aud) bie Betanntfäaft mit Bartholomäus Bernfjarbi (f. 21. 2). 35. II, 459), 
brffen ältefte £od)ter er tjeirattjete. Sie aroeite marb feines BruberS SlnbreaS, 
5ßaftorS in Srebit; unb fpäter in ©djmiebeberg, bie brüte beS jüngften BruberS 
Bartholomäus grau. 3m %. 1545 rourbe unfer 2ß. Don bem dürften ©eorg 
öon Slntjalt mit ßuttjer, 9Jtetand)tt)on , Bugentjagen, SuftuS SonaS unb anbern 
üieformatoren ju ber Berfammlung in ber SDompropftei ju 9Jierfeburg berufen, 
bamit er biefem rjeilfamen consilio beiroorjnen unb ben ©djaben Sofeptj'S mit 
beobachten folle. Unmittelbar nad) Sutljer'S ütobe erfdjien bann 1546 bie ©djrift, 
bie $Rattf)iaS bem gtitften öon Slntjalt mit ben SBorten zueignete, er ljabe beS 
Ijodiroürbigen unb rjodjgetacjiten £errn Doctoris Martini Suttjeri smo ^rebigten, 
bie eine öon bem Steige ßt)rifti, bie anbere öon ber djrifttidjen 61je (bem $errn 
üDombedmnten ©igismunb öon Cinbenau pm Srofte) , roeldje beibe ßuttjer „in 
©egenroärtigfeit" beS dürften in ber ©tiftSnrdje geljatten ^abe, als fonberlid) 
föftlid)c 5ßroden aufgelefen, nad) feinem Söermögen erfaffet unb bem S)rude 
übergeben. S)ie f. 5Bibtiot^e! ju Berlin berjeidjnet aud) nod) nad) ben ^roo 
^rebigten einen öon lötattlnaS 20. IjerauSgegebenen ßutt)er'fd)en „©ermon über 
Sob,anneS V, 39, 40, 43." 2rofc ber öon 2B. erhielten Erfolge brad)te jebod) 
bie ©djladjt bei ^tüb.lberg ber 5amrti e 9 l 'ofee ©efatjr. 8u tiefer 3eu Ijatte 
öermutl)lid) bie Berljeirat^ung aller biet Biüber mit ben S£öd)tern SBern^arbi'S 
bereits ftattgefunben unb ber jüngfte SSruber BarttjotomäuS mag burd) feinen 
©d)roiegeröater Serntjatbi fd)on baS Dectovat in Äemberg erlangt gerjabt braten. 
S)urd) bie Bedienungen fetner £öd)ter 3U ben brei geiftlictjen Brübern müfete ber 
tropft Berntjarbi als ber eigentliche ©tammöater beS aufblür)enben eöangelifd)en 
5P?arr^aufeS erfdjeinen. Um fo roeniger tonnte eS U)m gänjlid) öergeffen merben, 
bafe er, lange beöor er als ^rofeffor ber s ^t)fif an bie llniöerfität 2Bittenbeig 
gelommen mar, in aller Sform bie fat^otifd)e ^rieftermei^e empfangen fjatte. 
SBä^renö nun in jenen Jagen $art V. Ttd) gegen SucaS ßranad) gnäbig unb 
gegen ßut^er'S ©ruft fdjonenb erioieS, hängten bie fpanifd)eu ©otbaten beS 
ßaiferS Bernb^arbi in ^emberg über feinem £ifdje auf. ©eine grau löfte ben 
©trid, bie ©panier aber tarnen roieber, fd)lugen i^n unb fdjleppten it)n bis inS 



138 SBanbalbert. 

Sager hinter ütorgau. ©in beutfdjer Dreier befreite it)n aud) r)ier. 91adj 
feinem jobe 1551 folgte irjm in Äemberg fein ©djmiegerfob,n 9Jcattrjia§2B. Sr narjm 
bort an ben bamaligen $irdjen= unb ©dmlbifitationen lebhaften ^Intrjeil. SDie 
alte Äemberger tropftet bcrroanbelte fid) unter iljm in eine ©uperintenbentur. 
SBon feinen fedjä £öd)tem au§ bet 23crnb,arbi'fd)en @b,e mürbe bie ijmeite, 9ttarie, 
bie $Rutter be§ $Jtattjematifer§ 9if)obe, ber fid^ SSerbienfte um ben gefhmgsbau 
ju Söittenberg ermarb. 9tad) bem 2obe ber erften ©attin führte «£err 9ftattb,ia3 
nodj $rau (Slifabetfj Söffler, aus bem benachbarten ©djmiebeberg t)eim. @r ftarb 
am 2. Qfebruar 1571 im 2ltter bon 60 ^arjren. %m ganzen mar er 33ater 
bon 13 Äinbern. 5Die Wefyxtafyl , biet ©öljne unb btei SLöd^tcr , gehörten ber 
^weiten Slje an. $n ber .ftirdje 311 ^emberg liegt er am ©ingange nad) Sorben 
ju begraben. 

3)ittmann, 9tad)rid)ten bon einer erjrtoürbigen ^riefterfdjaft unter 6inem 
t)or)en ©tiftSconfiftorio ju 9Jcerfeburg, 1759. — ^oljanu Rehmer) fjfeufiling, 
3)ompropft unb ©uperintenbent <$u Äemberg, geben be§ erften (?) bercfjeüdjten 
*ßrebiger§ 23artb,olomäi Serntjarbi in einer @ebäd)tnif}prebigt die Bartbolomaei 
borgetragen. $. *prötjte. 

Öanbalbcrt, 9Jtöndj im ßl. $rüm, rourbe 813 geboren, mir toiffen nid)t 
too , aber er be^eidmet fid) aU aus ber ftexw ftammenb , rütjmt ben SDiafonuS 
Otrid), augenfdjeinlidj einen angefer)enen SJtann, meil er fid) feiner, be8 gtemb= 
lingä, angenommen t)abe. $n feinen Werfen über ben £anbbau tjat er, mie er 
fagt , bas gaüifcrje Sanb <jum Söorbitb genommen , unb ba er aueb, ju bem be= 
rühmten ©ubbiafonuS fJfloruS in Srjon nähere Se^ieljungen Ijatte, fo mag er 
mot auS bem Söeftreid) gefommen fein, toenn aud) baS 3tf)einlanb gelegenttid) 
©aEien genannt roirb. 25afür fdjeint aud) bie ©teile ber Mir. S. Goaris $u 
fpredjen , toorin er ben mütljenben |)afj eines bornerjmen 2>eutfd)en gegen äße 
Romanae nationis ac linguae homines ermähnt. — 3)a§ Älofter 5ßrüm, bon 
$. ^ippin geftiftet, mar bamal§ feb,r angefetjen unb mürbe 833 jjum 2luf= 
bemaljrungSort beg jungen <$?atl (beS ßü^len) aueerferjen, $aifer S3ott)ar befdjlofj 
f)ier 855 all $ftönd) fein Seben. 9Jtit ben meftfränfiferjen ^ird)en unb ©d)uten 
mar man tjier in lebhafter SSerbinbung , unb menn aud) in *prüm felbft bie 
SBiffenfctjaft gefdjätjt mürbe, fo mirb bodj SB. aueb, anbere ©djuten befugt rjaben, 
toa§ audj bei ^Jlönctjen bamats nierjt fetten mar. @r b^at fidj eine gan^ un= 
gemö§nlicrje ©icrjerrjeit unb ©emanbtb.eit im lateinifdjen 2lu§bruä ermorben, 
namentlid) auetj im metriferjen, unb mu^te bie berfdftiebeneu fcfjmierigen S3erS= 
formen, melctje er bei 5ßrubentiu§ borfanb, mit großer ©ef<$idlicf)feit ansumenben. 
©ebid)te populärer ?lrt, mit benen er nadj ber (Sunft ber <Dlenge geftrebt l)abe, 
ermähnt er felbft, aber mir fjaben nichts babon. ^m S- 829 gab irjm fein 
2lbt 'DORarlwarb., ein einfidjtiger Kenner unb ^öiberer Ijbtjcrer SBilbung, ben 
Auftrag, ba§ Seben be§ b,. ©oar neu <ju bearbeiten, benn bie bon biefem ge= 
ftiftete ^elte gehörte bem AI. $rüm. ßr I)at eS ftiliftijcf) aufgepufet fammt ben 
barin berichteten 2Bunbcrn, unb baju bie feit 765 neu berichteten rjinjugefügt, 
gut gefdjrieben unb nierjt ob,ne gefc^idjtlic^en SBertb,; namenttictj audj in bem 
©d)luf$roort über bie Srmerbung bon ©t. ©oar unb bie SBeljauptung be§ be= 
ftrittenen SefitjeS burd) einen ©prud) ^arl'S beS ©rofeen. Sine gröfere 2luf= 
gäbe ftellte i^m, als er fid) in ßöln bejanb, ber oben ermahnte Dtrid}, nämlicr) 
ein 2Jtarttjrotogium in SSerfen, mol otyne Steifet, um bie tarnen ber ^eiligen 
unb ic)re fjolge bem ©ebädjtnifj leidjter einzuprägen; ba8 fertige 2Berf fanbte 
er 848 an Dtrid) unb fügte audj eine poetifdje äßibmung an ßaifer Sottjar 
^inju. 2ll§ S)id)tmer! ift ba§ 3Jlortt)rotogium faum genießbar, unter ben ber* 
fdjiebenen ^Beigaben aber ^eidmet fid) eine über bie 12 Monate buvdj fetjr ge= 



äöcmber. 139 

lungene Säuberungen auä bem Saubbau unb ber 3iagb auä. Seiber ift fonft 
nidjtä über bieje merftuürbige -petfönlidjfeit befannt. 

2luäg. ber V. S. Goaris bei Wcibiüon , Act. II, 298 («öiigne 121). 
33otrebe unb bie Miracula Don Jpotber=(3:gger, Mon. Germ. SS. XV, 361 big 
373. — ©innige frit. 9luäg. bei 5Rattt)ioI. Don Summier , Poetae lat. aevi 
Carol. II, 567—622. Sögt, benf. 51. Slrcfciö IV, 305—312. — (Sbert, 2Wg. 
©efd)td)te b. Sitteratur beä 9Jtittelalterä II, 185—191. 

äöattenbad). 
ÜBailbcr : Statt griebrid) 2Bitr)etm 28., 5ßäbagog, SBolfämann unb 
<&prid)toörterfammler , tourbe am 27. Secember 1803 jju f5if^>^ a ti) bei -§>itfd)= 
berg in ©d)tefien alä <5oc)n eineä Sdjneiberä geboten , baä ältefte t>on ben btei 
Äinbern einer roenig öetmöglidjen , aber für bie fteinen böxflidjen SSertjältniffe 
geiftig ftrebfamen unb aufgegärten fJantiUe. £)er ütrieb ju eigenem Senfen unb 
ber auägeptägte Unabr)ängigfeitäfinn , bie feiner fpäteren (ümttoidlung 2Beg unb 
3iet roiefen, mürben fdion batjeim, mittelbar jtoar, fräftig genätjrt; ber ®rojj= 
nater öätetlidjerfeitä , ein bäuerlicher föationaüft, ber grunbfätjtid) bie Äirdje 
mieb , t)at nad)biüd(id)er auf baä aunädjft metjr üetftanbeämäfjige SBefen 28an= 
ber'ä eingeteilt! alä bie tüetdje gotteäfürd)tige s )Jtutter unb bie (Srojjmutter, beim 
fleißigen 9iäb,en eine gute 6rjäf)lertn toon 'JJlärdjen unb CStfatjrungen. S5er 
Änabe burfte, menn er aud) feit bem fünften Satjre roie alte bortigen $inber 
tüchtig gefponnen tjat, nod) beim 23efud)e ber 2)orfortäfd)uIe (feit gtütjting 
1810), bie fdjon ^e[talo3ji ; |d)e ^been benutze, ein aiemlid) ungebunbenes Seben 
fütjren, unb tjat fid), namentlid) bei ©elegentjeit beä 9Jlatfd)eä ju Segräbniffen 
in ber Umgegenb, too^u er, anfänglid) redjt unanfteüig jur 3Jtufif, alä $ird)en= 
djorift get)en muffte, muttjtoittig im freien auägetummelt. <So erjog itjm bie 
$ugenb, ber übrigenä ein burdjauä retigiöfer Stempel aufgebrüdt mar, jeneä 
entfdjiebene f^ret^eitSgefü^t an , oa^ bereinft fein innereä ®lüd erzeugen , aber 
aud) alle äußere -Bein tjeraufbejdjroören follte. S)abei la§ er jeben bebrurften 
getjen, mit Vorliebe Suberoig'ä „berliner Söürgerfreunb" unb 3. ®- ©djnabel'ä 
(f. b.) „Ssnfel gelfenburg", beren föealiftif er für bare 9ttünae unb 9lnlafj 
3U einem $lane baä ©ilanb auf^ufudjen nal)m. 9tad) ber Konfirmation, 
15. 3Jtai 1817, entfdjieb er fid) für ben Setjrerberuf, roarb aber, ba ber Später 
trofe feiner 3uftimmung bie ^Rittet nid)t erfd)tuingen tonnte, Sifdjterletjrtiug in 
SBarmbrunn. dür fürjlte fid) ungtüdüdj genug babei, biä er bei einem Äranfen= 
aufentfjalte im (Hterntjaufe bod) nod) mit feinem |>er<jenäröunfd)e burdjbrang. 
Wlit 15 ^atjren routbe er ^räparanb bei ben Secjtfräfteu ber ^)eimatt), bie iljn 
befonberä aud) in ben ted)ni|d)=mufifalifd)en Singen förberten , unb 1820 füllte 
er fdjon alä Vertreter bie Skcan^en in fleinen 5iad)bargemeinben auä, ^u beren 
großer 3«f^ e benl)eit. %m Slpril 1821 fiel er, root infolge beä ben SBebarf Weit 
überfteigenben Slnbrangä, in ber ^lufnatjmeprüfung fürä 33unj(auer Seminar, ju 
ber er aufgeforbert mar, burd), beftanb [ie aber ein %af)T barauf. 23iä Dftem 
1824 ift er bort berblieben, ob,ne in ber llnterroeifung fonberlid) angeregt ju 
toerben; metjr gefd)a^ baä im ITteinungäauätaufd) mit ben Oknoffen, roobei 28. 
freilid) meift ber geuerfopf mar. S)er officielle 5ßietiämuä bafelbft tjat it)n ber 
Äird)e enbgiltig entfrembet, unb alä er nad) tooHenbetem 6urä oom Sürector 
in bie ^ülfäleljrerftelle beä nal)en ©ief^mannäborf gebradjt muibe, begannen bie 
feiner ßaufbalm fo öerc)ängnif3öoll merbenben 3ufammenftöf3e mit bem jeroeilig 
Oorgefe|ten ^aftor. 3u ^eujab.r 1827 folgte 20. einem 3ftufe an bie neu= 
organifirte ebangelifd)e ©tabtfdjule ju §irfd)berg. $ftit Oiet Vertrauen unb ben 
ebelften 2lbfid)ten überfiebelte er, nid^t afmenb , baB |ier baä ©djidfat mit ib,m 
ein roeit auägefponneneä S)tama aufführen toerbe. 

©ar balb gerietb, SB. tnegen feiner mi&lidjen 3lmtäroob,nung , bann roegen 



140 Sßanber. 

9}idjtöergütung mieberfjolter Uebeiftunben , ernftlicfjcr wegen jetner felbftänbigen 
Orttjograpfjie mit ben Söefjörben jufammen. 2Ils et nun baju 1832, um frifcfen 
3ug unter feine dottegen 3U berpflanjen, einen päbagogtfdjen Sefeberein grünbete, 
ber in 18jätjtiger äBirffamfeit feinem 3 toe & bott entfpradj, unb 1834 bie 9te= 
baction be§ „33olfäjreunb§ au§ ben Subeten" übernahm , um „manchmal einen 
guten ©ebanfen unter bas Solf ju bringen", ba melbeten fict) fcfjon bie Sor» 
boten be§ fünftigen UntoetterS. S)er neue ©djultebifor ^5aftor Mendel, mit beffen 
Vorgänger «Raget 20. gut au§gefommen mar, unb ber nunmehrige 9tegierung8= 
commiffär, Sonfiftorialratfj £>abenftein, 2B. bon beffen ehemaliger $nfpectot= 
ifjätigfeit in übtet Erinnerung, jjogen fcfjätfere (Saiten auf. S)em Söorgetjen 
biefer beiben Männer ift ber Sosbructj bet übet it)m rjangenben SBotfen ju<jU= 
jctjteiben, bamit bet llmfctjlag feines (Sefdjicfg. Sie 2lntäffe jener fleinen 9tei* 
bungen mürben berbrerjt unb aufgebaufctjt , unb e§ gelang 20. faum , ftcr) bor 
ber ^>anb nodj au§ ber ©klinge ju jie^en. 3lflerbing§ mufjte et ben geliebten 
beutfdjen Unterricfjt opfern unb auf bi? bitect beim ÜJltniftertum beantragte 
Sßerfetmng oetjicfjten. ©o fdjuf er ftdj ben erfefmten toeiteten 3Bitfung§ftei§ in 
einbtinglictjen ©tubien, ttjeil§ päbagogifcfjet fragen, ttjeit§ bet itm immet mefjt 
feffetnben ©prictjmörterfunbe, fotoie in litterarifdjet Satbietung feinet (Srgebniffe. 
ßbgteidj et nun mit bem 1840 einttetenben i^nfpicienten !J3aftor Säfel, beffen 
3ltt, bie Äinber nidjt bottjupfropfen , fonbern „an<jurüfjren", itjtn fetjr besagte, 
fidj recfjt mofjt ftanb , fo entftanben bodj au§ ber Stjatfactje , bafj bie bon irjm 
bon ba an in «gnrfdjberg beranftalteten „©ctjlefifcfjen ßefjrerfefte" feiten§ ber 
Regierung oerboten mürben , ferner au§ feinen ©djriften „Sie 33olf§fdjule als 
©taatäanftatt" (1842) unb „Set gefcfjtnäfjte Sieftermeg" (1843), bie itjtn 93er= 
t)öre jungen, enblicr) feiner regen £fjeilnafjtne an bem potitifcfjen gortfd)ritt3= 
ftteben eine§ bafigen $reife§, ben ein ^Berliner ^oli^eifpitjel al§ „communiftifdje 
föerfcfjmörung" überroadjen mufjte, unabläffige 23erroidlungen. Vlad) einet 
.Ipauefuctjung am 14. ÜQflätj 1845 mürbe 2B. bom ßefjramte fuSpenbirt unb 
roenn er auet) am 13. Januar 1847, nadjbem er geiidjttidj freigefprodjen unb 
bon ben Mitbürgern begeiftert gefeiert toorben mar, in überaus efjrenbcr SBeife 
mieber eingeführt mürbe, fo mar bod) feine praftifct)=päbagogifd)e Stolle bamit 
eigentlict) auägefpielt. Sie alte f5fveubigfctt an ber Seitung ber ^ugenb mar, 
ma£ fein Söunbet , itjtn unmetflidj abfjanben gefommen, unb bie 9tebolution§= 
jatjre 1848 unb 1849 lenften feine Slufmertfamfeit immer metjt auf Singe 
bet allgemeinen äöorjlfarjtt. 316er , mie et bie amtlichen Obliegenheiten nicfjt 
barob bernactitäffigte , fo erbtiefte et in feinem potitifcfjen SBitfen eine „päba= 
gogifdje '"Uttffion" unb rjat bie bielfadjen 3}erfuct)ungen , in ber Deffentlidjfeit 
als Sfüfjtet aufzutreten, ftet§ abgelehnt, mie fetjr er audj bag 3 eu 9 *> a 3 u * n fü$ 
berfpürt fjaben.mag. «JJterfmütbig ift8, bafj bet Unermüblictje , bem im lieber* 
maf$ ber ®eicfjäfte fjtiefenfräfte ju macfjfen fctjienen. erft im September 1849 
bon einem neuen (Sonflicte f)eimgefud)t mutbe; infolge einet falfcfj tappottirten 
„Äinberfcff'rebe auf baS beutfetje Söaterlanb marb er, ofjne fid) bon feinen ©äjütetn 
betabfctjieben ju bütfen , tafet) entfjoben. Oftern 1850 beenbigte et auet) feine 
23=jätjiige ununterbroetjene Scfjvtüjätigfeit an ber ^ribatanftalt be§ gräutein 
20. ©cfjönborffer, am 23. «JJtärj, mit einer ftarf progvammatifdtjen tiefgreifenben 
fjtebe. 3ßie er bajumal nnctj oben angefcljrieben mar, jeigt fein ©ignalement 
im „©ctjroarzen S3udj" , b. i. „Sinniger für bie politifd)e ^oli^ei S)eutfcfjlanb§ 
auf bie $(\t bom 1. Januar 1848 bi§ 3ur ©egenmart" (tjerau^g. bon Sftang), 
©. 51: „feit 1846 im 35erbacfjte tjocfjberrätfjerifctjer ©efinnungen ftefjenb, bot= 
jüglicfj mit ©cfjlöffet betttaut , 1848 roütfjenbet SSolfgmann , Slufmiegler unb 
Söetfüfjtet ju Slufruljr unb Dtebettion , 1850 feinet ?lmtei entfe^t, ber 9tetiolu= 
tioni=@miffärfcfjaft bringenb berbäctjtig". 



Söauber. 141 

,3unädjft ging 9B. nun üon 2luguft 1850 bi§ in ben ,£>oc£)fommer 1851 
nactj ben ^Bereinigten ©taaten , rjauptfäcrjlicr) um feinem angefttengten Äörper 
unb (Seift unter anbern 3uftänben etmaä 9tuf)e su gönnen. Sr fanb , burdj) 
beutfdtje Flüchtlinge in intereffante (Sinroanbererfreife eingeführt, im amerifanifcrjen 
Seben reidjen ©toff jum SBeobactjten unb ftacrjbenfen. ^n §irfd)berg empfingen 
irjn öerfduebene ©traiüerfügungen, unb er befd)Iofi, al§ e§ für i^n ba immer un= 
erträglicher tombe, mit feiner engern gamitie * n oer ^öt)e ein bürgerliches ©e^ 
fcrjäft ju eröffnen, %n Söroenberg, Sunjlau, ßauban mürbe irjm runtereinanber 
bie 9tieberfaffung auf bie 2)auer unterfagt. (Jnblidj erhielt er im gtütjling 
1852 in ^ermsborf unter bem «fitmaft bie obrigfeitlictje ©rlaubnijj unb fürjrte 
baä bafelbft begrünbete ©pecereigefdjäft trofc lanbrätrjlidjen (Segenbecrets unb 
ber SBetroeigerung eine§ (Seroerbefcrjeinä. @r Ijatte tjier nocrj mancherlei ©djlimmeä 
burdj jufoften : 1853 eine plöfclicrje .«pausfucfjung , für bie er erft 1859 tjalbe 
©enugtfmung erlangte, ben £ob feines ätteften ©otmeS, ber für ifm ben in Sötten* 
berg begonnenen ^Jtateriattoaarenrjanbel führte, ben feines einzigen , geliebten 
33ruber§, eineä freireligiöfen 5J)rebiger§, ber mit SBanber'S beiben jüngeren ©ötjnen 
natf) Slmerita gegangen toar, ben feiner (Sattin, feiner treuen ©efäljrtin in alt 
ben plagen. 1874 berjog er nadj Quirl, einem £)orfe ätoifcrjen -Jpirfcrjberg unb 
©djtniebeberg, unb feierte unter fdjier aüfeitiger (Gratulation ein fünfunbaroanäig* 
järjrigeä „9lmt8entl)ebungi=Subiläum". Sßiele ©egner unb Slnb erggläubige tjatten 
mittlerweile itjre 9lnficr)t über ir)n geänbert, unb an feinem 75. (Geburtstage 
überreizte if)m ein 2lu§fct)iif3 öon ^reunben unb früheren ©djütern bie ©djtüffet 
ju einer eigenartigen Segräbnifjftätte, für bie er eine einfache Sfnfcrjrijt auf= 
gefegt t)atte. 3lm 4. ^unt 1879 erlag er fdjnetl einem ©djtagfluffe. 

üDie breifältige 9ticr)tung üon Söanber^ Söirfen fpaltete jeittoeife root feine 
Jhaft, nie aber bie Unöerbrüc^tictjfeit feineS ©trebenS. 3unäd)ft lehnte fiel) fein 
öffentliches Umtfmn, fomie bie ©cfjriftftellerei, bie bieS im (Befolge Ijatte, nur 
an bie ©djule an: er fpenbete üerfcrjiebenartige Beiträge ^ur SBeroegung inner* 
rjatb ber ßerjrerfdjaft unb beren Organifation , er f uctjte ben ßefe= , ©efdjictjtS* 
unb mutterfprad)lid)en Unterricht ber SBollsfc^ute du tjeben, inbem er gramma* 
tifdje ©treitfragen in intuitiü = mettjobifdjem ©inne erörterte unb bequeme 
$ülfSbüdjet sufammenftettte, er freute entlief) nid)t bor unmittelbarem SIppett 
an baS breitere publicum unb bie berantroortlictjen s Ucinifter jurütf, roo er bann 
bie ganjje SCÖucrjt feiner 5ßerfönlidjfeit einfe|te. §ier rüljrt fiel) ber ^ublicift 
fdjon beutltcrj in iljm. £t)pifcf) Ijiefür ift fein „Offenes ©enbfcfjreiben an 
©. ejceltenä ben . . SJUnifter Dr. @id)t)orn" (1846), baS (©. 49 f. u. ö.) wie 
alle giugfctjriften SBanber'S unb bie meiften fonftigen 3eugnifje feiner 3journa= 
liftif eine midjtige ßuetle für baS SBerftänbnifj feiner 9catur , audj mannen 
©inbltcf in bie SBirrfal jener aufgeregten Sage geroäcjrt. 2luct) fein Sieben 
unb ^anbeln im 2)ienfte ber 2tllgerneint)eit begleitete bie x^ebn: bon „S)ie 
SBolfifdjule att ©taatßanftalt" (1842) unb „Dr. ^faffiu§, S^eologifc^er $e= 
roeiS, ba^ bie ©cljule eine 5Dienftmagb ber Äirctje" (1845), moneben bie flaren 
fdjarfeu Slrtifel feiner Seitfdjrift „^ßäbagogifc^er 2öädE)ter" (1849—53) treten, 
getjt bie a3at)n ^u „ßrnft 2öiH, ober ba§ 2eben in ber ©emeinbe ©trebmannS« 
borf" (1848; 2. Slufl. 1856), „®er 2lu§toanberung3=$atecl)i§mu3" (1852) u. a.; 
auetj bie anflägeriferjen autobiograptjifctjen |>efte fielen tjier. 3fu (enteren, ben 
bezüglichen gingaben, @rflärungen u. bgt. ent^üttt fidj 2öanber'§ 3fnbiöibualität 
am greifbarften : offen, roarjr, unerfd^roefen beutfZ, burcfjauS tiolcatfjümlidj, berb, 
überaE ben ©ab „ s Jted)t mu| 9ied)t bleiben" bis 3" ftatrer Unbeugfamfeit öer= 
!ötpernb. @r ^at in biefem S5etrad)t a(§ ein mufter^after 6t)ara!ter ju gelten, 
bem man bei ben ebeln 9Jtotiben unb feiner Uneigennüfcigfeit manche §ärte unb 
SBerftiegenb^eit toeraeitjt. S)ie bemo!ratifd§e ©trömung ber ^Jeriobe, ber er mefjr 



142 Söanbec 

SeibenS» als ©citjitbträger mar, fatj bererjrungSbotl ju itjm empor, tmb Äarl 
ßnorrn'ä („®ebid)te", 1847, Seite 36—38) mit SBanber'8 tarnen betitelte 
©tropfen übertreiben faum mit bem SSitb : ,,§)urd) bie greifen {Jfötjrentbälber 
2)er ©ubeten tönt 2)ein äßort, SBieber tjaflt e§ bon ben gelfen äöie ein braufen« 
ber 2lccorb". 

SDtejenige ©eite feinet ©d)affen§, bie 3B. am befannteften gemalt tjat, bie 
parömiotogifdjen ©tubien, ift nictjt etroa bon Anbeginn mit ber bei it)m fdjein» 
bar öfters oortjanbenen unfreiwilligen 9Jcujje in 3ufamment}ang ju bringen, (üür 
erjäfjlt un§, mie ber S)rang aur s -8efd)äftigung mit proberbialem Senfen, unb 
beffen bolf3mäfjig=litterarifdjer 9cieberfd)lag frül) in ifjm ermadjt fei. ©d)on 1831 
geriete) er mit feinem ehemaligen ©eminarbirector megen ber felbftgebilbeten 
,,©d)etbemünäen. Ober: 9ceue ©pridjmörter" in öffentlidjen üSiSput. ©eitbem 
fam er in jeber freien ©tunbe auf bie§ ifjm an§ ^erj geroadjfene ©ebiet äurücf 
unb beröffentlictjte : „2öeir)nad)t§nüffe, ober 500 neue beutfdje ©pricrjmörter für 
Äinber" (1832), „2)aS ©pridjmort angeroanbt ju Unterrebungen über bie ©onn= 
unb ^efttagSebangetien" (1836), „Slttgemeiner ©pri^mörterfdjat}" (1836), 
„2lbrarjamifd)eS 5parömiafon. Ober: 2)ie ©pridjmörter u. f. m. bee 2lbrat)am 
a ©aneta ßlara" (1838) u. f. ro. SDabei fammelte er raftloS an einem bott= 
ftänbigen Sßerjeictjntffe aller irgenbroo abgelagerten ober umlaufenben Selege unb 
begann im 9tobember 1862 nad) miebertjolter mächtiger ©rroeiterung be£ feit 
über 30 ^afjren angemadjfenen 9ftanufcriptS bie 33eröffentlid)ung eines „3)eutfd)en 
©prid)tt>örter=ße;rtfon'\ ba§ er, feiner (Stimmung 3lu§brucf berleitjenb unb aud) 
mit Stecht, im Untertitel „(Sin .fmuSfcrjatj für ba§ bcutfdje SBolf" fjeifjcn burfte. 
©r t)at biefeS gemaltige SBerf, ba§ SBanber'S Flamen unfterblid) ju macfjen be» 
rufen ift, botifommen burd^gefütjrt, menn aud) baZ (Srfdjeinen ber ©d)tuf$liefe= 
rungen be§ fünften unb legten 23anbe§ (1880) nictjt mer)r erlebt, ©in ärjntictjeS 
9Jconumentatarfenat feines fprid)mörtltd)en 23efi|tl)um3 ift für feine anbere 
©pradje bortjanben , meber maS 2lu§fürjrlid)= unb (SrünblidjEeit — mit feiner 
rutjetofen 2luSfd)au nad) parallelen ift gereift bie berbürgte £l)atfad)e ju ber» 
binben, bajj er mehrere $af)re tjintereinanber je eine neue ©pracfje erlernte — 
nocl) Originalität in ber ©rftärung anlangt. Srotj fo mandjer Mängel im 
©in^elnen ift e§ als ©an^eS eine erftaunlid)e ßeiftung, aud) in ber 'üJcettjobif, 
ber alpfjabetifctjen ?lnorbnung (meld) letztere 9Jt. Öanbau i. b. SBiener „$Jcon= 
tags -- ftebue" bom 10. £uni 1895 nad) äßanber'S 33eifpiel in ©. 9lbalberg'S 
großer polnifdjer ©ammlung c Ksiega Przyslöw etc." [2öarfd)au 1894] mit ©e= 
fcfjid unb SSortrjeil befolgt ftnbet) u. f. m. 3n ber SBorrebe jum 1867 ab» 
gefd)toffenen I. 23anbe gibt ber Söerfaffer eine mit biel 5)5erfonatien (mid)tig 3. Sß. 
©. XXIV) burdjmirfte 2)arftellung beS äöerbenö fetne§ ©djoft» unb ©d)meräen§= 
tinbe§, ferner ebenbarin unb in ben angetjängten ßiften fjöd)ft merttjboEe 33ei= 
träge jur ©efdjidjte ber 5Parömiograpr)ie. ©ie bemeifen, mie bie fünf biden 
©rofjoctabbänbe biefeS ®runbbud)g überhaupt, feinen eifernen @ifer im SSerfotg 
borfd^mebenber feftgeftedter 3 ie ^ e » feine golbene @rjrlid)feit unb unerfdjütterlidje 
©etotffenStreue, feine unaärjmbare güiforge für 3ted)t unb Pflege beutfefeen 5Bolf§= 
mortS. %ix aufjerorbentlidje Oteictitb.um bes 2Banber ; fd)en 2ei-tEon§ ift nod) nad) 
feiner ©eite richtig auSgefdjöpft. 5lud) tjat leiber bie gfadjfritif fid) tljeite ju 
menig, ttjeilg ju ftüdjtig bamit befafjt, in bem Umfange mie ©anbbo| 1863 i. b. 
33lätt. f . liter. Unterl). ©.541—544 rool überfjaupt nidjt mieber (bgt. ft.2atenboif8 
^eröffentlidmngen, bef. bie 2lu§g. ©eb. 5ranE ; §, 1876, bef. ©. 256—259). 

3ur S3iograpl)ie bieten bielc feiner ©djriften unb Slrtifel 23aufteine (f. 0.). 
2Beit au§gebel)nte ^luf^eidjnnngen über bie aufgeregteftcu 3lbfd)nittc feines SebenS 
befi^t fein ©ob,n i^ugo, fie mürben fomol bon Sofept) Sergmann in bem lebend 
gefd)id)tlid)en „9cad)mort" bor SBaiib V (©. V— XIV) be§ Sei"ifon5 als nebft 



2Banbet§leben. 143 

fonftigen Urfunben u. bergt, in Otto 9turj|d&, „2)er c Dtote 2Banber\ Sin SebenS* 
bitb Ä. gf. 2B. SSanbcrS. 9Jlit Senu^ung feineä §anbfäriftlid&cn ftadjtaffeä, 
feiner ©Triften, SPtocejjacten nnb anberer Quellen" (1892) berwertb>t; baju ifl 
nur ber, aucrj bon 2B. gefüllte 2lbrifj in $. 35. Jpeinbl'S „öalerie berühmter 
^äbagogen, berbienter Schulmänner u. f. W." II (1859), ©. 587—592 nadj= 
jutragen (wo ©. 590 f. jene wichtige ©dptabfdjiebgrebe bon 1850 ftetjt). Sie 
9tof3dr)lung ber wefentltdjen 9tefrologe Ui Sergmann a. a. D. ©. XIV* foWie 
befonberä bie fleißige ^Bibliographie unb Quettenüberfictjt in 9tut)fd}' trefflich 
gemeintem unb, faßt man ben engen 9taf)tnen ins 2luge, töoljlgelungenem SBüdj« 
Iein ©. 197 ff. überlebt uns tjier ber Angabe bon Untertagen. Söanber'ä Heine 
Sßeröffentlicfjungen oetjcidjnen #einbl ©. 592 , 3turjjd& ©• 198 ff. (meift mit 
5?ergmann's £>ttlfe). (Sin breiteres 23itb bon Söanber'S Sehen unb ©Raffen 
Wäre eine, aud) culturgefctjict)tli<f) totmenbe Aufgabe ; babei müjjte aber aucrj ber 
©pridjwörterfammter unb = auäleger, ber bisher überatt Diel 3U furj fam , fein 
füed^t finben. 2)aä au§Tüt)rlicb> nachträgliche (Meitwort jum erfien Sßanbe beä 
Serifons enthält tro£ ber ftarfen ©ubjectibilät allerlei bebeutfame Mtrjeilungen 
jur einfdjlägigen (Srf enntnifj ; tote au§ bem 33olföfc%uUet)ret ber 33otfötet)rer 
i)erauSwud)3 , toirb einem bajetbft am beften begreiflich. «Dt. -^Ijilippfon rjat 
biefen Drang bei feinem föejerat über üturjfcb/ Setjanblung Söanber's in ben 
„3af)reäbericf)ten für neuere beutfcqe Sitteraturgefdjictjte" III (1894), sub IV lb, 
140. ni«t »etanWiagt. ßubwig Raufet. 

©anbcrölcbcn: Martin 20. , ebangelifdjer Sljeolog unb Äirc^enlieber= 
bitter, geboren am 6. Dcobember 1608 ju 2JBaffertr)alt)eim im 2lmte klingen 
(©d)mar3burg=©onber3t)aufen) , war ber ©ob> be§ bortigen ©djulbienerS unb 
nacrjfjer anberäwo trjätigen $farrer§ 3ot). SB. unb ber SSarbara geb. griffet), 
einer Softer be§ Älingener 5lmt§fct)Teiber§ 3ot). öfntfä. 23on 1618 an befugte 
er bie ©ctjuten in ©reuten, ©otlja unb 9Jiüt)tt)aufen unb ftubirte feit 1632 in 
Sena £t)eotogte, berliefj aber 1634 bie Uniüerfität , weit bort bie $eft auS= 
gebrochen War. ©teidj barauf als Pfarrer nact) Söpfer auf bem @idt)sfelb be= 
rufen unb bor feiner @infüt)rung erft noctj in 2Mt)lt)aufen orbinirt, lernte er 
bie Srangfale ber £eit fdjon t)iet in reifem Wafc fennen; benn neben perfön= 
ticb>r SInfeinbung in ber meift fatb>lifcb>n 8anbfd)aft erlebte er in feinem 2)ore 
Steuerung unb §ungeränott) unb eine ©euerje, bie feine ©emeinbe 3ur |)ätfte 
bat)inraffte. 9I(ä bann ber $rager triebe (20. 2Jcai 1635) bal bom fcb>ebifcb>n 
©eneraltieutenant ^erjog Söitfjetm (IV.) ju ©act)fen=2Beimar im gebruar 1632 
eroberte ßidjitetb feinem früheren <£>errn, bem 2Jcainaer ^urfürften, öon neuem 
überlieferte, mufjte auet) 2B. gleicr) ben übrigen ebangelifctjen »Pfarrern auä feiner 
©tellung wetzen unb flüchtete im fdjneereicrjen SBinter Don 1635 36 mit 2eben§= 
gefafjr nadt) 6fcb,wege, worjin er als ein echter Siener beä SBortei auet) feine 
unter bem Hantel üerborgene SBibel mitbrachte. 5)e§ Sebrängten nal)m ficr) 
^erjog drnft, äöitt)elm'3 trüber, gto^müt^ig an: er befcrjieb ib,n öortäufig nacr) 
feiner bamatigen Üiefibenj 2öeimar unb beftettte ib> nac^tjer jum Pfarrer in 
3tietrmorb^aufen. Söäb^renb ber fünf 3ab,re, ba SB. b>r wirtte (1636—1641), 
erneuerte fid) it)m bae burdj junger unb ^eftilenj l)eroorgerufene ßlenb, fobafj 
bon ben Sinwo^nern, bei feinem Antritte 600 ©eelen, ^ute^t nur einige 70 übrig 
blieben unb it)m unb feiner ©attin — feit 1640 war er öerf)eiratt)et — aE= 
mäb;ticf) ber nötfjige Unterhalt ju fehlen begann. 2)oct; ber eble Surft üerga^ 
ib> auc| je^t nietjt. Diactj ber ®rbtb>ilung mit feinen Srübern SBiltjelm unb 
9«6ved^t (9. 2lprit 1640) ^erjog bon ®ott)a geworben, berief er it)it jur $rü= 
fung bor bas bortige Sonjtftorium unb öerfe^te ib,n, ba er Wot)t beftanben blatte, 
am ©onntag gjaubi (6. Sunt) 1641 a(S Pfarrer nacb; Sc^önau üor bem Söalbe, 



144 2Banbcr*lcben. 

brauste itjn baneben nod) als 5lctuar bei ber angeorbneten „©enetal^itdjen* 
unb Sdjulöifitation" unb ernannte itjn nad) beten SXbfcfjluffe (|)erbft b. $.) nod) 
jum Slbjuncten unb ^nfpector bet Äirdjen unb Sdjulen in ben Slemtern ©eorgen= 
tt)at unb 9teint)atbSbrunn. SDie im $uni 1645 ir)m angetragene Stelle eine! 
Pfarrers unb 9lojuncten in Ummerftabt, baS bem £>eraog nad) bem ü£obe feines 
33ruberS Sllbredjt in (Sifenad) (f 20. SDecember 1644) mit anberen ftänftfd^en 
©ebietSttjeilen augefallen mar, lehnte er atoar ab, unterzog fid) aber bem 9luf= 
trage, an ber @infüt)rung beS ,,(Ir)riftlid)en ^njormationStoerleS" unb an ber 
Sßerbefferung ber Sd)ulen in ben neuen Slemtern £)elbbuig, CEiSfelb unb SüeitS= 
borf mitzuarbeiten. 3fm folgenben ^atjre entbot it)n bann ber ^erjog als einen 
ber tjerüorragenben ©eiftlid)en beS SanbeS jur jttjeünarjme an ber (Sintoeiljung 
ber neuen Ätrdje auf bem griebenftein (17. Septbr. 1646). 3in bem feftlid)en 
3uge , ber fid) bom bisherigen 9tefibenat)aufe (ietjigen 9tatt)t)aufe) nad) bem 
l)od)gelegenen Sdjloffe Ijinauf betoegte, Tratte er nebft feinem Sollegen, bem 
gott)aifd)en SDiafonuS SlnbreaS ©nüge, einen ber bergotbeten SlbenbmaljlSfeldje 
au tragen unb ertjiett für feine ^ftitroirfung toie bie anberen beteiligten 8anb= 
geiftlictjen 2 9frtt)lr. „als gnäbigeS ©efcrjenE". 9lm 5. $uni 1648 fam er bon 
Srfjönau als Pfarrer unb 9lbjunct nad) SBalteritjaufen unb tourbe am 22. 9)tai 
1657 jum Superintenbenten beförbert , fobafj er ber erfte einer bis auf unfere 
Sage fortlaufenben 9teÜ)e bon ©eifilidjen gleichen 3ftange§ getoorben ift. 
Seine Güinfütjrung in baS neue 9lmt boHaogen ber Sonfiftoria(ratt) , nad)l)eiige 
®et)eimratt) unb Äanjler Dr. iur. 28ill)elm Schröter (f. 91. ffi. 33. XXXII, 530 
unb 532 , roo übrigens nidjt aUeS richtig ift) unb ber «gofprebiger unb Gon= 
ftftotiataffeffot Gt)tiftobl) 23tund)orft (f. §1. ©. 23. III, 440). ftodj mufete er 
ben letztgenannten greunb, ber nad) met)rjät)rigem treuem $itd)enbienft auf bem 
@id)Sfelbe mit it)m baS SooS ber Verbannung geseilt l)atte, am 30. 9Jtäta 1665 
au feiner 9tub,eftätte in ber gott)aijd)en 9lugufiinerfird)e geleiten , bebor er felbft 
öon biefer @rbe jdjieb. 9lad) einer getoiffentjaften unb jrudjtbaren 9lmtStl)ätig= 
feit, in toeldjer er ben fittlidjen SCÖanbet ber ©emcinbemitglteber ert)eblid) ge= 
förbert tjatte, erfranfte er am Sonntag 9iogate (26. Slpril) 1668 auf ber Hansel, 
©in öon Seitenfted)en begleitetes ftitbex t)atte irjn ergriffen unb fürjrte am 
nädjften Sonntag ©raubi, b. t). am 3. $ftai a. St., fein Gmbe fjerbei. 3lm 
7. 9Jiai tourbe er in ber äöaltcrStjäufer £ird)e befiattet. — Sie brei öon 20. 
ijerrürjvenben geiftlidjen Sieber ftet)en auerft anontjm im ©ott)aifd)en ©efangbudje 
öon 1682, toogegen baS ©ott)aifd)e ©efangbud) öon 1702 ben tarnen beS $Bet= 
fafferS nennt; in bemjenigen öon 1699 finbet fid) unter bem brüten Siebe bie 
St)iffre M. W. $m einzelnen finb eS folgenbe: ,,2ld), fei uns gnäbig, treuer 
(Sott, | SDurd) Sfefu 6l)rifti 33lut unb 2ob" (4 öteraeil. Strophen); ,,^eut fangen 
toir in ©otteS ^iam | (Sin neue 2Bod) ju leben an" (4 öier^eil. Str. nad) ber 9JteI. : 
D 3fefu 6l)rift, meinS SebenS 2id)t) unb „2Bir banfen bir, o t)öd)fier ©ott, 
2)afe bu uns Ijaft ertjöret" (2 fieben^eil. Str. nad) ber äöeife: @S ift baS fgeil 
uns fommen tjer). 2lm befannteften ift baS jtoeite geworben. 5iod) 1795 et» 
fdjeint eS im 2öeimarifd)en ©efangbud), ift neulid) bei 2B. Tümpel (f. u. an 
2. Stelle) toieber abgebrudt unb r)at aud) in bem neuen Coburg * ©otrjaifctjen 
©efangbudje (»Jtär^ 1896) "ülufnatjme gefunben. 

3Sot). 6l)rn. ©otter, Christianorum Peregrinatio ober S)er frommen 
6t)rtften geifilidje Söanberfdjafft. 33ei ber öoldreidjen 2eid)eubeftattung beS 
toolgelat)rten Jgjetrn Martini 2B. . . . 3n e. begehrten 8eid)en=Sermon fürtjüdj 
öorgefteüet. ©otl)a 1670. 4°. (£er<jogl. 53ibliotl)el au @otr)a.) — @. ©. 
ßöprian, Hilaria evangelica, I. 2t)eilS II. 6ap., ©otrja 1719, S. 284, 9ir. 13. 
— 3. 6. SBefcel, ßieber=®id)ter, 3. 2^cit (1724), S. 359 f. — Weue 3ei= 
tungen öon ©eierten Sad)en, 1730, ßeiba-/ ©• 422. — 3ebtet ; S Uniöetfal» 



SSartbt — SBangemann. 145 

ßej., 52. 35b. (1747), ©p. 1967 f. — ($. ®. »rüdner,) J?irc&en= unb 
©dmtenftaat im &eraogtr). ©otfm (I. Xt>l), 7. ©tüd, ©otfja 1756, <§. 48 f.; 
III. 2f)l., 12., 13. u. 14. ©tüd (1763), ©. 150—153; »gl. audj: (I. Zty.) 

2. ©tücf (1753), ©. 99 u. 7. ©tücf (1756), ©. 13. — % £. ©elbfe, 
$ird)en= u. ©d)ulen=23erfaffung beg ^er^ogtt). ©otfja, 2. 3$l., 1. 35b., ®otf)a 
1796, ©. 580 u. 364; bgl. aud) ©. 337. — ©. ß. «Ritter, ßejifon alter 
u. neuer geiftl. ßieberbidjter , ßeipa- 1804, ©. 428. — 91. 23etf, (Srnft ber 
gromme, 2. SJl v SBcimar 1865, ©. 74 f. — 31. 5. 2ß. Sifdjer, $ird)en= 
lieber*ßej., 2. Jpätfte (1879), ©. 481a unb unter ben Anfängen beg 2. u. 

3. ßiebeg. — 20. Pumpet in ben 23tättern f. Jptjmnologie, (4.) Safjrg. 1886, 
ßatyta, ©. 155—157. — Derfelbe, ©efdj. beg ebangel. Ätrdjengefangeg im 
£etaogtt). ©otfm, II. 2rjl., ©ottm 1895, ©. 46 f. — Slufcerbem gef. 3lug= 
fünft bon -grni. 53ibtiotf)efar ^rof. Dr. ,£>. ©eorgeg in ©ott)a. (Styprian u. 
bie nidjtgottjaifdjen Quellen nennen irrig ben 7. 9Jtai atg £obegtag. ©. oben 
im 2ejt. — 93ei $od) unb ©oebefe fetjlt 20.) 

31. ©djumann. 
Sanbt: Safob 3fofepf) 2B. , SBifd^of bon £ilbegfjeim, geboren am 
16. Sluguft 1780 ju Dingeiftabt, t am 16. Cctober 1849 au £ilbegrjeim. 20. 
madjte feine ©tubien au ^>ilbe§r)eim , touxbe 1805 jum ^riefter geroetejt unb 
aunädjfi alä ßerjrer am btfdc)öftidc)en ©timnafium angeftettt. 1824 rourbe er 
Director beffelben. ©eit 1823 toar er augleidi) ißrofeffor ber Dogmati! am 
©eminav. 1824 tourbe er föegeng beg ©eminarg unb Domcapitular. 9ladj> 
bem £obe beg 33ifd)ofg gri$ (1840) fonnten fidj bei ber 9teutoat)l am 4. $a= 
nuar 1841 bie fieben Domherren nid)t einigen. @g rourbe eine jtoeite 3ßaf)l 
geftattet, bie am 9. December 1841 ftattfanb unb auf 2B. fiel. 6r rourbe am 
14. Sluguft 1842 bon bem SDßeitjbifrfjof ßüpfe confecrirt. Die bon 3B. beabfid)« 
tigte (Srridjtung eines Änabenfemtnarg rourbe bon ber Regierung nidjt geftattet. 
3J8. ^atte aud) fonft mandje llnannef)mlid) feiten au ertragen. SÜBenige Sage bor 
feinem Stöbe fjielt er nod) für einen großen £f)eil feiner ©eiftlidjfeit ©jercitten. 
Jpilbegfjeimer trjeotogtfdje 2Jtonatgfd)rtft 1850. — bleuer Wefrotog 1850. 
— &iftor.--poüt. »lütter, 33b. 89, ©. 650, 749. 9fteufd). 

äßangemann: £ ermann Srjeobor SB., 9Jtiffton§birector , geboren ju 
SöitSnod in ber $riegni£ am 27. 9Jtära 1818, f au 23erlin am 18. $uni 
1894. Der 93ater Sorjanneg £rjeobofiug 20. aog fdjon 1821 mit feiner Familie 
nad) Demmin , roo er ©ubrector rourbe unb fpäter ben Xitel 9Jtufifbirector er= 
t)ielt. Der ©ofm befud)te bie ©tabtfdjule r)ier unb bon 1832—1836 bag 
©tomnafium junt grauen JHofter in 33ertin, bag er au Dftern be§ genannten 
Safjreg atg >ßtimug berliefj. Qtx mufjte fid), ba er bon |>aufe aug feine Unter» 
ftütmng erwarten tonnte, bamalg unb fbäter fümmertid» burdjfdjlagen, gab neben 
feinen ©djulftunben big a« 23 ©tunben 5pribatunterrid)t , berlor aber nie bie 
CSIafticität feine§ ©eifteg unb ßörperg. 33aterlanb , greunbfdjaft , ßiebe toaren 
bie ©terne feineg jugenblidjen ^bealigmug, ber ü)n roäfjrenb feiner ©d)ut* unb 
UniberfttätSaeü erfüllte unb auf bem Xurnplafc unb in frifdjer ©efeüigfeit 
yiatjrung fanb. Sr ftubirte big 1840 bier 3fat)re lang nur in 33erlin Stjeologie 
unb ^fjitotogie, madjte gteid) im erften ©emefter eine geroaltige ^u^Ue burd) 
©üb= unb s JJtitteIbeutfdjlanb unb tourbe bon 9teanber, bem er mit 93egeifterung 
fid) anfdjto^, autn gamutug auggeroätjlt. 3fn 33ertin beftanb er bie erfte, in 
©tettin 1842 bie jroeite Prüfung, beibe „fefjr gut", unb promobirte aud) in 
bemfetben Saljr in spalte. Daneben roar er 1840 — 1844 ^augler)rer bei ben 
©ö^nen beg in 3lfgt)aniftan fämpfenben englifdjen Dberft b. 2Mb in 93ern. 
-€>iex nat)m fid) befonberg ber preu^ifdie ©efanbte b. 33unfen freunblidj feiner 

aUflem. beutle SSiofltopljie. XLI. 10 



146 SSangemonn. 

an unb braute it)n mit öielen toiffenfdjaftticrjen ©elftem in 93erür)rung. 9}cet)r 
unb metjr mar er in ein rein pofitiö gläubiges (Sljriftentrjum tjineingemadjfen. 
3m Dctober 1845 trat er fein erfteS Slmt als föector unb VüljStorebiger ju 
äöottin i. ^3om. an, beseitigte ftcrj 1848 lebhaft an ben öotitifdjcn kämpfen 
unb Würbe bon feinen Sftitbürgern , bie er in einem batriotifcrjen herein ge= 
fammett ^atte, in baS fogen. ^unferparlament abgeorbnet. $m ©ommer 1849 
mürbe er ©eminarbirector unb SlrdjibiafonuS p ßammin i. $om. £)ier, mo 
er burct) ©rünbung beS SomctjorS unb burct) fräftige ©emeinbebftege feinen 
praftifctjen unb organifatorifcrjen ©tnn betätigte, begann er auct) feine littera= 
rifdje unb öffentlid^ firdjticrje Slrbeit, mit ber er unter bie gfüfyrer ber confeffio= 
netten 5j3artei innerhalb ber preufjifctjen ßanbeSfircrje trat. 2)te Sjßirfungen ber 
pommerfdjen Ermecfung Ratten itjn felbft ergriffen. $n bem ©eifteSfambf biefer 
Sage, fc^reibt er 1855, „tjat ber $exx mir ben üon mir einjjunerjmenben ©tanb= 
punft flar unb beftimmt in bem Setjrbegriff unb ber ßebenSgemeinfctjaft ber 
ebangelifdj = luttjerifctjen Äirdje unb meine (SetfteSridjtung in bem $etbtager ber 
objecttö = real = fird)Iid£)en 23eftrebungen angeroiefen." ©o t)at er neben feinem 
Eamminer SlmtSgenoffen 5Jletnr)otb mefentlict) jur ©ammlung unb geftigung ber 
confeffionetlen Sßartei burct) Sttjeitnaljme an Sonferenjen unb burdj feine ©Triften 
beigetragen. Stbgeferjen öon berfctjiebenen Füllmitteln für ben .gmnbgebraud; 
beS ßetjrerS unb ©eifilicrjen („Äur^e ©efctjictjte beS eöang. ®irdjenliebeS", 1. Stuft. 
1853, 2. Stuft. 1855; „93iblifct)eS £anb> unb £ülfSbud) ju ßutt)er'S kleinem 
$ate<i)iSmuS", 1. Stuft. 1855, 2. Stuft. 1857, u. St.) übernahm er mit bem 
3at)re 1858 bie Slebaction ber „2)tonatSjct)rift für bie ebangelifctj=lutt)er. $ircr}e 
^reufjenS", gab 1859 unb 1860 feine „©ieben 33üd)er preufcijdjer Äirdjen* 
gefcrjictjte , eine aftenmäfjige S)arftettung beS ÄampfeS um bie lutfjerifctje Äirctje 
im 19. 3ar)rt)unbert" in 3 23änben mit einem 9tacr)trag „©eifilidjeS Siegen unb 
Ütingen am Oftfeeftranbe" (1861) unb 1865 eine „(SJtaubenSletjre" tjerauS. 
lleberatt jeigte er reidje 93elefent)eit, gemanbte SDarftetlung unb bei ben gefd)iccjt= 
lictjen äöerfen auct) großen Eifer in ©ammtung münbticrjer unb fctjriftlictjer 
Uebertieferungen. SDie formette ^Durcharbeitung tritt bagegen prüd. — 2)aS 
3at)r 1865 rief itjn auf einen anbern $latj. SDie erfte 23erliner s 3Jliffion§gefeH= 
fdjaft (gegrünbet 1824) tjatte burct) ben Slbgang unb £ob iljreS bisherigen 
^njpectorS SBattmann itjren ßeiter öertoren. Einftimmig tourbe nad) bieten 
Sertjanblungen 2B. Dom Eomit6 ju feinem ftadjfolger gemäljlt. Slm 2. October 

1865 trat er im 9JcijfionSt)aufe (Sebaftianftrajje) fein neueS Stmt an, bem Ijin* 
fort feine san^e tt;atfräftige unb gefegnete ßebenSarbeit gehörte. Um fid) auS 
eigner 2Baf)rnet)mung grünblict) mit ben 93errjättniffen unb SBorauSfefmngen be§ 
■»Dtifftonöbetriebeä bertraut p machen, unternahm er öom 14. 3fuli 1866 bis 
^um 24. SDecember 1867 feine erfte SJifitationSreife, bie ftd^ üom 17. ©eptember 

1866 bis jum 27. ©eptember 1867 ununtcrbrod^en auf afrifanifcrjem 33obeu 
beroegte unb it)n burct) bie 20 bamaligen 93ertiner ©tationen in Äaplanb, 
Ü3ritiid)--Äaffertanb, Dranjefreiftaat, StranStiaal unb ftatat ^inbuvdjfü^rte. ®r 
bereitete felbft miebertjott Reiben moctjentang auf bie Saufe bor, orbnete mistige 
äufjcre ©tationSangetegentjeiten unb tjerbanb bie jungen ©emeinben ju ©uber= 
intenbenturbe^irfen. 9tad) feiner 3tüa*te^r entfaltete er bacjeim unter SJermerttjung 
ber gemad)ten Erfahrungen eine fetjr rege SÖirtfamteit. 6r öeröffentlidjte 1868 
fein 2agebud) („Ein 9teifciar)r in ©übajrifa"), leitete feit bemfelben %a$xt bie 
Verausgabe ber ^Berliner 5JiiffionSberict)te, fcr^rieb eine bierbänbige grünblictje 
„©ejc^ic^te ber 33ertiner 9ftifftonSgefetlfcf)ait" (1872—1877) unb berichtete ba= 
neben münbtidj auf jaljtlofen Q3erfammtungen unb geften. 5Die näd§fte fict)tbare 
f^rucljt ber neu getoedtten ^JlijfionSliebe jjeigte fid^ , als feit bem Januar 1872 
ber 93au beS neuen 'üJUffionSljaufeS am griebrictjS^ain jum Erfa^ beS nic§t metjr 



äöangcmaim. 147 

auSreidjenben alten begonnen unb im <£>erbft beS folgenben ^a^-eg Pollenbet 
tourbe. 3)ic jum 93au erforberlictjen bebeutenben ©elbfummen rourben grofjen= 
trjeitS burdj Sßangentann'S Vermittlung, in Soften bon s }>fennigbeträgen bis zu 
einer ßinzelgabe Don 60 000 9Jtf. burdj bie ^UffionSfreunbe immer rechtzeitig 
aufgebraßt unb fdjliefelid) ftanb baS ganze £>auS fcrjutbenfrei ba, orjne bafj e§ 
an ben für bie laufenbcn ^atjreSauSgaben bamalS nötfjigen etwa 200 000 9Kf. 
gefehlt f)ätte. £cfligc Angriffe, bie im SBinter 1869—1870 feitenS einiger 
s Dlitglieber ber ftovtfdjiittSpartei im preufjifdjen Abgeorbnetenrjaufe unb im 
%. 1877 feitenS ber „(Savtentaube" gegen bie ePangelifdje WliffionSarbeit ge= 
rietet mürben, fomie grofje 9Jtinbereinnar)men in ben ^atjren 1875 ff. unb 
1886 ff. mürben für SB. nur neue Anläffe, bie 9JUffionSgemeinbe mit gutem @r= 
folg ju crtjötjtem Sifer aufzurufen. 9flit ber Ausbreitung beS SSerfeS in Afrifa, 
tDOjju 1882 nodj einige Stationen in ßtjina gefommen toaren, muffen audj 
bie Seiträge in ber .^eimatb, unb ftanben bei feinem SLobe auf jäljrlicrj etroa 
320 000 mt. Sefonbere 9totr}flänbe beS itjm unterfteEten SBerfeS legte er ben 
greunben roieberljolt in cingetjenbeu S)enff Triften bor (1869, 1874, 1878, 1886, 
1889). in benen er bie Unerläfjlidjfeit einer befferen Organifation ber rjeimifcrjen 
9JtiffionSgemetnbc immer roieber mit ^iacrjbrud betonte unb 33orfd)läge zu it)rer 
Ausführung machte, bie feit bem $ab,re 1887 zum Streit inS ßeben traten. 
2)af5 feine fielet manchmal ju fdjnell unb aggreffib mar, tjat er felbft anertannt. 
3ur Organifation bc§ äßcifcö in Afrifa mar 1875 feine „Superintenbentur= 
orbnung" unb 1882 feine „ s ))liffionSorbnung" Pom Somite angenommen unb 
eingeführt. Ueber bie ©renken feines eigentlichen 33erufeS griff feine £t)ätigfeit 
nur feiten tjinauS. 1875 beteiligte er ftd) perfönlid) unb litterarifd^tritifcrj 
an ber Sßearfatt ©mitr/ferjm ^Bewegung, 1878 an Stöder'fcrjen unb fociatbemo= 
fratiferjen SßolfsPerfammlungcn , 1880 an ber fogenannten Auguftconferenz ber 
confeffioncKen Partei, in bereu iöorftanb einzutreten er jeboeb, mit 9lüdfid)t auf 
fein neutrales Amt ablehnte. 1879 gab er ein biclgetefeneS SebenSbitb feineS 
berftorbenen greunbeS (Sufiab final b/rauS, 1883 „2>ie lutljerifcrje ßirdje ber 
©egentoart in irjrem Söerb,ältnij} zur Una Sancta", eine Ergänzung unb (Sin* 
fdjränfung ber oben genannten Sieben 33üdjer preufjifdjer iHrctjengefcrjicrjte , bie 
it)tn heftige Angriffe ber uictjt unirten ßuttjeraner äujog. 3um Sut^erjubiläum 
1883 erhielt er bon ©veifstualb auS bie ttjeologifdge ffioctorwürbe. 1884 bis 
1885 unternahm er, fedjSunbfcd)ztgiäl)rig , feine 2. SßifitationSreife nad) Süb= 
afrifa, beranlafjt burd) baS 50=jät)iige Jubiläum ber ätteften bortigen SSerliner 
^DciffionSftation, 33etr)anicn im Dranjeftaat, unb gab 1886 „Qwt jmeiteS 9teife= 
jatjr" JjerauS. Sein $8erb,ättnifj zu ben lltiffionaren, für beren 3Gßot)l er immer 
nad) Äräften eintrat , mar faft burctjtueg ein bäterlicb/S , bie meiften bon ifjnen 
toaren burdj feine Sdjule gegangen, ^m $. 1891 erlebte er eS nori), bafj feine 
©efelifcrjaft infolge ber cotonialen Aera ben 5 U & nadj 5Deutfcr)--£)ftafrifa fe^te 
unb am 2. Dctober beS gen. ^atjreS itjre erfte bortige Station SßangemannSljör) 
im Sorben beS 9il)affafecS begrünbete. Seine fonft ungemein roibetftanbsfäljige 
körperhaft tjatte feit ber legten Jpeimfel)r aus Afrila gelitten. |)erzberfettung 
unb roieber^olte ©rippenanfälle bcrurtb.eitten it)n öfter monatelang zur lln* 
t^ätigtett. %m 18. ^uni 1894, nadgbem er Pier äöoerjen zubor noeb, einmal 
Ztoei oögtinge naci) bem ^Jtafc^onalanbe abgeorbnet tjatte, erlag er einem er» 
neuten Anfall. 2B. ift brei mal Perb,eiratl)et gemefen ; baS erfte ^Ulal in 2Bottin 
mit ber £od)ter beS Stettiner Sonfiftoriatpräfibenteu b. «Dlitteljläbt , bie itjm 
fc^on nact) ^ab.reSfrifi genommen roarb; baS zweite s I)tal in ßammin mit ber 
Sdjroefter feines ftreuubeS ü. 33lan!enburg in 3inimerf)aufen , bie nad) fünf= 
jäljriger @l)e ftarb , unb baS brüte $Ral gleichfalls fd)on in Sammin mit ber 
Sdjroeftcr bee s J^iffionarS s )JlerenStp, bie tf)n als SGBtttwe überlebt. — 30. !ann 

10* 



148 2Bartgenr)eim. 

als SD)puS eines norbbeutfdjen -DtiffionSmannS beS 19. ^afjrrjunbertS gelten, 
©enärjrt an bem ©taubenSleben ber (JrtoecfungSjeit, ungemein fleißig unb pftidjt* 
treu, mit preufeifctjer OrbnungSliebe unb unöerfennbarem organifatorifdjem latent 
begabt, perfönlid) liebenSmürbig unb jugleidj jäl) feine 2lnfidjt berfolgenb — 
fo mirb bie Dtadjroirfung feiner Amtsführung in ber 1. ^Berliner 9JtiffionS» 
gefeUfdjaft roie in bem 9JKffionSteben beS beutfdjen 9iorboftenS nod) lange ju 
fpüren fein. 

SBangemann'S £)anbfd^ttftltcf)e Aufjeidmungen. — ^Berliner ^IRiffionä- 
beridjte 1865—1894 a. o. £). — ßbb. 1894, ©. 390—403 (SebenSbitb 
SCßangemann'S bon Äratjenftein). — *ßetrid) , Jp. XX). 20. ©ein Seben unb 
äßirfen. 33ert. 1895. £ ermann $etrid). 

SSongcn^eim : fyriebrtd^ Ab am 3uliu§ ü. SB., gorftmann, geboren 
am 8. gebr. 1749 in ©onneborn (bei ©ott)a), als ©orjn beS fadjfemgottjaifdjen 
Jlammert)errn Abam Julius t>. 2ß., t am 25. Wäx^ 1800 in ©umbinnen. 
(5r roibmete fid) äunädjft bem militärifdjen Berufe unb trat nod) fefjr jung in 
gotrjaifdje üDienfte ein. @inem inneren triebe folgenb , gab er biefe aber fdjon 
nad) furjer 3 eir — mit ber Stjarge eines ßieutenantS beltetbet — roieber auf, 
um fid) 5um gorftmann auSäubilben. Als Äammerjunfer abfolbirte er bic 
forftlidje ßetjre im gottjaifdjen £t)üringertoalbe unb jeigte fuerbei fo grofjen (Sifer, 
bafj ber itjm auSgeftellte fteljrbrief propt)etiftf) batjin lautete: „bafj er nad) feinen 
fetjr guten Anlagen unb unermübetem gteifje getoifj einem großen |)errn burdj 
feine ertoorbenen Äenntniffe unb feine treuen SDienfie Diel 9tutjen berfdjaffen 
metbe". 6r fam inbeffen nid)t baju, biefe in ©otlja ju betätigen. Um jene 
geh ftettte nämlid) ber Sanbgraf bon <£>effen= Gaffel ber Ärone ©ngtanb ein 
£ülfScorpS , meines im engtifdjen ©olbe nad) Amerifa ging. S3om 2)range 
nad) Staaten befeett unb bon bem 2öunfd)e geleitet, ben neuen 2ßelttt)eil auS 
eigener Anfdjauung fennen <ju lernen, natjm 3B. feinen Abfdjieb in ©otlja, liefe 
fid) 1776 als Lieutenant in bem ju biefen Sruppen gehörigen ^ägercorpS an* 
roerben unb fdjtffte fidj 1777 mit biefem nadj 9torbamerifa ein. 2öät)renb 
feiner adjtjätjngen Anroefentjeit bafelbft beruätjrte er fiel) ftetS als tapferer ©olbat, 
inSbefonbere in ben ©efedjten bei 33ranbt)rotc unb Gtjartefton. Nebenbei roibmete 
er fid) aber in freien Stunben bei feiner feinen SBeo&adjtungSgabe mit öor^üg« 
liefern Erfolge aud) bem ©tubium ber bortigen unermefjlidjen äöalbungen. 
InSbefonbere intereffirten ifjn bie Verbreitung unb baS forftlidje Verhalten ber= 
jenigen amerifanifdjen SBaumarten, meldje er 3U einer 9taturalifation in Seutfdj« 
lanb als geeignet eradjtete. Als öorläufige grud)t feiner bezüglichen Stubien 
üeröffentlidjte er nodj roäb^renb feines bortigen Aufenthaltes 1781 eine furje 
„Sbefdjreibung einiger norbamerilanifd)er |)olj= unb 23ufd)arten, mit 2lnroenbung 
auf teutfdje görften; jum ©ebraud) für ^oljgeredjte $äger unb Slnpflanjer". 
5lad)bem er 1784 als StabScapitän nad) Europa jurücf gelehrt mar, fat) er ju» 
nädjft feiner SBeförberung im furb^effifdjen fjorftbienfte entgegen. 3 u 9^ e ^ toai: f 
er fid) aber bon neuem auf bie unb ^mar nunmerjr auSfül)rlidjere ^Bearbeitung 
ber in 2lmerifaS 2Bälbern gemachten SSeobadjtungen unb gefammelten Erfahrungen 
unb beröffentlidjte als ©nbrefultat berfelbcn 1787 einen „Serjtrag jur teutfi^en 
|)olägered)ten gorfttoiffenfdjaft mit 2lnmenbung auf teutfdje gorften betreffenb". 
2)iefeS auSfü^rtidje , mit 31 naturgetreuen Äupferftidjen (nadj Criginal^eid}- 
nungen) auSgeftattete, inbepg auf Slnorbnung, 3 u f a mmenfteltung unb 93earbei= 
tung beS Stoffes muftergültige forftbotanifdje 2Berf roibmete er bem $önig griebridj 
Söiltjelm II. bon ^reufeen. S)iefe SBibmung roar öon Einfluß auf bie ©eftaltung 
feiner tünftigen ßaufbatjn, inbent ex burd) fönigl. patent üom 18. 2lug. 1788 ^um 
Dberforftmeifter ber Sittcjauen'fctjen ÄriegS^ unb üDomänenfamnter in ©umbinnen 
ernannt mürbe. Gür erhielt b,ierbur(f) einen fet)r auSgebetjnten SöirfungSfreiS unb 



äßattgenfjeim. 149 

Begrünbete burd) Skrrjeivatljung mit bet 9iid)te fetne§ $reunbe§, be3 06erforft= 
meifterä 5. ^- & ö. 33urg§borf, einen eigenen ^äu§lid£>en §eerb. hieben feinen 
umfangreichen 2Imt£gefd)äften fanb er nod) $eit , fid) burd) 9lbt)anblungen in 
ber 3 e ^f(^tift ber ©efellfcrjait ber naturforfdjenben Qfteunbe in Berlin (3. 93. 
1795 über ba§ ®lenü)ier) unb burd) öerfdjiebcne 2lrtifel in (Srünitj' @nct)floöäbie 
and) an ber Verbreitung naturroiffenfdjafttid)er Äenntniffe mit ju beseitigen. 
1798 mürbe iljm feiten§ ber $rone ber efyrenöotte Sluftrag ju ülljeil, bie Sßalbungcn 
in ben neu erroorbenen polnifdjen ^roöinaen 23ialrjftocf unb s $locf, roetdje ein 9lreat 
öon 1,5 ^Rittionen 2Balb umfaßten, „felbftänbig unb otjne (Sinroirtung ber 
Sftentfammer" einzurichten, foroie ben ganzen fjforftbetrieb bafelbft ju organifiren. 
Seiber öereitelten eine fcfjroere ©rtranlung im SBinter 1799 unb fein inseitiger 
Job bie öoltftänbige 9lu§füt)rung biefer großartigen Slrbeit. dür mürbe im ©arten 
feineä ©ure§ 8asbinef)(en (bei ©umbinnen) begraben. 

SBangenljeim'S ^auptüerbienft liegt in ben oben genannten felbftänbigen 
©djriften, burd) bie er jum ^auptbegrünber ber 93eroegung mürbe, bie 
in ber ©efdndjte ber ^orftroiffenfdjaft unter bem Warnen „forftlidje 9lu§= 
länberei" befannt ift. liefen ©djriften ift unbebingte guöertäffigfeit ber 
eingaben , ©djärfe ber ^Beobachtungen , $tarf)eit in ber ®arfteltung unb 
9tid)tigfeit ber Slbbilbungen nad)jurür)men. (£r bemütjte fid), baö, ma§ er 
hierin niebergelegt tjatte, aud) infofern ju öertoirf lidjen , als er in ben feiner 
Cbtmt anöertrauten SBatbungen bie öon itjm für bie beutfdjen 95ert)ältniffe 
als geeignet eradjteten ^oljarten tfjeilS einzeln, ttjeitS in fleinen 23eftänbd)en 
anbaute. 3 eu Qniß hierfür gibt u. a. ein (inaroifdjen jum Slbtriebe gelangter) 
2öer)tnoutlj§fiefernbeftanb , ben er bei feinem tljüringifdjen ©ute SBinterftein an= 
baute unb fdjerzfjaft „Slmerifa" nannte. Selber mürben aber feine claffifdjen 
©djriften öon feinen geitgenoffen öiel ju roenig gemürbigt unb bie öon iimt für 
ben Stnbau ber auSlänbifdjen ^»oljarten gegebenen Fingerzeige nid)t befolgt. 
9Jtan fäete unb pflanzte mol t)ter unb ba einzelne norbamerifauifdje Saumarten 
— roenigftenä in $arf§ — an, madjte jebodj entroeber bejüglid) ber 2Bat)l ber 
Holzarten ober be§ ©amen-, eö. *ßflan3enmaterial§ ober ber tjierfür auSgefudjten 
©tanbörtlidjfeiten unb aud) inbejug auf bie 2lnbaumett)oben fo große gebier, 
baß ein Mißerfolg nad) bem anberen eintrat. SDie burd) 28. angebahnte 
9taturalifation ber ftremblinge mad)te baljer im 2ßalbe feine ^ortfdjritte , fon= 
bem öerblieb ben ©ärtnern. @rft in neuefter 3eit fam bie betreffenbe SBemegung 
micber in fttuß, inbem bie beutfdjen forftlidjen 33erfud)§anftalten ben Einbau 
unb bie Söeiteröerbreitung einer größeren 3ln^at)l norbamerilantfcljcr ^oljarten, 
fpeciell 2Batbbäume, benen unfere flimatifdjen 9)ert)ältniffe 3ufagen , fett 1880 
auf ©runb eine3 forgfältig aufgearbeiteten unb gemeinfam öereinbarten SlrbeitS» 
ÖlaneS in bie ^>anb genommen tjaben unb eifrig betreiben. 20. getjörtc mit ju 
ben ßenforen ber 1796 öon 3?ed)ftein ju 2Baltei§l)aufen in§ Seben gerufenen „©0- 
cietät ber gorft= unb ^agbfunbe" unb mar (Sljrenmitglieb ber ®efeHfd)aft ber 
natutforfdjenben 5 l 'e u nbe ju 23erlin. 

5raa3, ©efd)id)te ber ßanbbau= unb gorftmiffenfdiaft, ©. 564. — .Hart 
Stoä), ©enbrologie, I. S^eil, 1869, ©. 182. - ftafceburg, ^orftmiffenfdjaft= 
lidjeä ©djriftfteller=2eEicon, ©. 157, Slnmerfung * (al§ ©eburtSjat^r ift tjier 
unridjtig 1747 angegeben). — ißerntjarbt, ©efdjidjte be§ 2Balbeigentb^umö it. 
II, ©. 82, 147, 392 u. 397. — 3or)n Sßootrj, 2)ie tfaturalifation au§länbifd)er 
OBalöbäume in ©eutfdjlanb, 1882, ©. 2, 4—18, 19, 122 u. 123. — Jpeß, 
8eben?büber Ijeröorragenber ^orftmänner ic. 1885, ©. 394. — ^riöatmit- 
tb,ei(ungen. 5t. .Oeß. 

3Battßcnl)etUl : Cöeorg Sluguft ö. 20., furfürftlid) braunfdjmeig«lüne» 
burgifd)er ©enerat ber Infanterie, geboren am 9. 9toöember 1706, trat 1722 



150 Sßangcnfjetm. 

als gärjnbridj in lanbgräfltct) tjeffen'Caffelfctje SDienfte, in benen er 1731 bem 
Snfanterieregtmente ^ßtinj griebrtd) angehörte, bertaufdjte biefelben im näct)[t=» 
folgenben $atjre mit ben furiürftttct) braiuifcrjmetg^üneburgifcfjen, in roelcrjen er 
am 13. (September 1732 als ©tabscapitän bei ber gufjgarbe ju ^annoöer an» 
gefteUt mürbe, motjnte 1734 unter $rinj (Jugen als 33olontär bem gelbjuge am 
9trjetn bei unb naijm mit feinem 9tegimente 1743 am 5Ratn unb bon 1744 bis 
1748 in Trabant am öfterreidjifdjcn (Srbfolgefriege ttjetl. 21m 12. ßctober 1741 
mar er jum 5Jcajor beförbcrt, in ber ©cfjlacfjt bei Saffetb am 2. 3fuli 1747 be= 
fetjligte er bas ^Regiment, roetcrjes tjier 300 9Jtann bertor, im Wäx& 1751 marb 
er jum ßberft unb (Sommanbeur bes mit bem ©tabe in £)ot)a fietjenben 14. ^n» 
fanterieregimcnts (etgentlid) nur ein ^Bataillon) ernannt. 9Dttt biefem getjörte er 
1755 56 3u ben jum ©ctjutje gegen eine franjöfifcfje Sanbung nad) (Sngtanb ge* 
fanbten tjannoberfcrjen Gruppen unb befehligte ei am 26. ^uli 1757 in ber 
berlorenen ©djladjt bon ^aftenbccf. ^m nämtidjen ^arjre marb er jum ©eneral* 
major bejörbert. 2lts folctjem toaren icjm in ber Drbre be SSataiHe , roeldje 
^erjog 5 er ^ na ^° öon SBramtfcrjroetg , als er baß Sommanbo übernahm , er= 
liefe, brei ^nfanterieregimenter in ber ^eeresabttjeilung bes (Senerals b. ©pörcfen 
(f. 31. 2). SB. XXXV, 267) unterteilt; als aber ber Herzog im beginne bei 
Sfafjres 1758 gegen ben 9tt)etn aufbracf), erttjeilte er 2ß. ben Auftrag mit 6 93a= 
taiÜonen, 6 ©djmabronen unb 10 ©efcfjüijen am 18. Februar bon 33remerbörbe 
aus gegen bie äßümme borjugecjen unb Rotenburg fomie Dttersberg ju nefjmen. 
2)ie 33efatsung bes 5°*t § bon Rotenburg ergab fidj am 20. nactj fiebenftünbtger 
SBefdjiejjung , bie bon Dttersberg 30g freimütig ab, ebenfo bie bon Bremen, ju 
beffen dinuatjme 2B. mitmirfen füllte. SDann errjielt biefer ben 33efet)I 9JHnben 
auf bem regten SBeferufer einjufcrjliefjen, mäfjrenb bie ©tobt auf bem tinfen bon 
anberen ütruppen angegriffen merben mürbe. 2lm 16. 9Jtärj ftrecfte bie ©arnifon 
bas ©emetjr, otjne bafj SBangenfjeim's „SDiüifion" juin 5 e ^t f n gefommen märe. 
Set bes ^erjogs Uebergange über ben Sfctjein errjielt biefer ben Seferjl mit 4 33a= 
taiEonen unb 4 ©cfjmabronen auf bem rechten fjflügel ©cfjeinbemegungen ju 
madjen um bes geinbes 2tufmerffamfett abdienten. @r brad) baju am 28. aus 
feinem Sager bei SDorften auf , ging , nadjbem bas Unternehmen gelungen mar, 
bei Effenberg felbft über ben glufj unb mar pr ©teile als ber -£>erjog am 
23. Sunt bie ^anaofen bei Gtrefelb angriff , in äöangenrjetm's Seite gab er in 
ber borangefjenben s ]iad)t feine SBefetjle an bie ©enerale aus. $n bem SSeridjte, 
meieren er an $öntg ©eorg IL erftattete, fagt er, bafj bem Srbprin^en, beffen 
©neigte, £apjerfeit unb ^tug^eit über alles Sob ergaben gemefen feien, unb ber 
Xlnerf c^rocfentjeit # mit roelctjer SB. bie erhaltenen SSefetjle ausgeführt tjabe, am 
meiften ber (Srfotg bes 5tages ju banfen fei; Äönig grtebrictj II. gegenüber lobt 
er SBangentjeim's Xüctjtigfeit, dtfer unb jtapferlett. 6ntfctjtofffn, ben erfoctjtenen 
©ieg nactj Gräften auszubeuten, entfanbte er 3B. fdjon in ber ^rütje bes 24. 
um fidj S)üffelborfs ^u bemädjttgen. 31m 27. erfdjien biefer bor ber ©tabt, 
fctjloß fie auf fcetben Ufern bes 3rtjeins ein unb lief? fie, ba bie SSefatmng bie 
Uebergabe bertoeigerte , in S3ranb fctjie^en. (Ss folgte nun ein Söaffenftittftanb, 
metctjer am 7. Sfult burctj eine ßapttulation beenbet mürbe. 

2fn ber am 1. 2Iuguft 1759 gelieferten fiegreidjen ©ctjlacrjt bei 9flinben 
befestigte 2ö. ein abgefonbertes ßorps bon 12 300 5Wann (15 ^Bataillone, 
19 ©ctjmabronen), toetdies im Sager bon Sobtentjaufen auf bem äufjerften tinfen 
Flügel ftanb. 9taä) ben 3lbfictjten ber fran^öfifdcjen Heeresleitung fottte ber öer^og 
bon SSroglie gegen biefes ben erften ©tofj fütjren. 2ß. marb botlftänbig über= 
rafctjt, ha aber ber Eingriff ntccjt mit bem befoljlenen 9tact)brucfe auegefücjrt mürbe, 
fo tjatte bas Söerfä'umntfj feine metteren folgen. Seffere S)ienfte leiftete er im 
gereift bes nämlictjen ^acjres, in metdjem er jum ©eneraEieutenant beförbert 



2ßangenf)eim. 151 

würbe, bei mancherlei Unternehmungen in Reffen unb be3 ^erjogS befonbere 3ln= 
erfennung roarb ben Gruppen erttjeilt, roetctjen er bie bon 20. unter großer s )Jtüf)faI 
unb ©efafy: am 7. Januar 1760 ausgeführte SSerproüianttrung öon 3)itlenburg 
aufgetragen tjatte. 3tm 19. (September, aber rourbe biefer mit 5 SSataittcnen, 
9 ©djroabronen , 9 iparfgefdjü^en unb leisten Gruppen in einer borgefctjobenen 
©tettung bei Söroentjagen in ber Dtätje öon SDranSfelb ftetjenb, öon 33rogtie am 
tjeÜen Gage überfaEen unb 3U einem berluftreidjen 3lücf juge genöttjigt. S3ei bem 
Söorftojje nactj ©üben, burd) roeldjen im gfebruar 1761 bie 3Binterrutje ber 
granjojen geftört rourbe , befestigte 30. eine ber beiben Kolonnen , in roetctje 
©pörcfen feine ,£)eereSabtt)eilung gegliebert t)atte, barauf ben ßorbon an ber 
unteren SDiemet jum ©djuise ber öon ben eigenen Gruppen belogenen 9iufje= 
quartiere unb hei äBieberbeginn ber gdöbfeligfeiten 5500 9Jcann im Sager öon 
Üiütrjen. 3 U tjeröorragenber Gtjätigfeit fam er in biejem ^atjre nidjt; ein in 
©emcinfdmft mit bem tjeffifcijen ©eneral ö. SButgenau ausgeführter Söerfudj, jtoet 
fran^öftfctje 2tbtf)eilungen in ber ©egenb öon ©tabtberge am 5. 3luguft roo= 
möglieb, gefangen ju nehmen, glücfte nictjt. %m gelb<juge 1762 ftanb er unter 
ßorb ©ranbrj, roeldjer am 24. ;3uni baS treffen bei SCÖittjelmSttjat entfdjieb. 
3um ©ctjtufje beS Krieges machte itjm gretjtag (f. 2t. SD. 35. VII, 374) ben 
SSorrourf , bafj er in ein am 27. Sluguft bei 3llSfelb gelieferte! ©efedjt nictjt 
eingegriffen fjabe. ©onft mürbe „öom feinblicfjen SorpS nictjt öiet edjappirt 
fein." 

äßangentjeim'S lefete nennenSroerttje militärifdje Gtjätigfeit beftanb in ber 

Leitung einer größeren Gruppenübung, roetdje in ber 3eit öom 16. bis jum 

26. ©eptember 1779 in ber 9cäf)e ber ^eftung -pameln, ju beren Sommanbanteu 

et ernannt mar, abgehalten tourbe. %m $. 1777 mar er jum ©eneral ber 3»n= 

fanterie ernannt morben. 2lm 24. ©eptember 1780 ift er <ju <£>annober geftorben. 

ß. öon ©idjart, (Sefctjidjte ber Jlönigtict) <£)annoüerfctjen 3Irmee, 3. 33anb, 

1. unb 2. 3lbtb,eitung , ^annoüer 1870. — Seiträge <ju einer 5amtlien= 

gefctjicrjte ber greitjerren öon 2öangent)eim , äufammengeftettt öon $• .$. 31. 

öon äöangentjeim. 3IIS SRanufcript gebrucft. (Söttingen 1874. 

SB. 5ßoten. 
SongcHÖCtm: ©eorg (Stjriftian (Srnft ßubroig 3luguft (SJraf öon 2B., 
föniglidj tjannoöerfdjer £)bert)ofmarfct)alt , mar am 17. 3luguft 1780 ^u .öau= 
noöer, mo fein Söater bie gteicfje ©teEung befleibete , geboren unb trat im 
^atjre 1796 als «gmfjunfer in ben nämlidjen SDienft, roeldjer infofern ein 
gan^ eigenttjümlidjer mar, als ber SSefjerrfdjer beS SanbeS — bamalS König 
©eorg III. öon ©rofjbritannien unb ^rlanb , melctjer im Saufe feiner fect)äig= 
jatjrigen Regierung ben SBoben beS ÄurfürfienttjumS , fpäteren Königreichs , nie 
betreten Ijat — in ßonbon refibirte , ber SDienft an feinem |)ofe in ^anuoöer 
aber , foroeit ftet) bieS in feiner 2lbmefenb / eit ausführen liefe , fortging mie 
roenn ber ^)errfct)er anmefenb märe unb ber abmefenbe Jperrfctjer ber au« bem 
3lbet unb ben Dfficieren, ben ©attinnen ber letzteren aber nur, foroeit fie 
altabetiger «g>er!unft roaren, beftetjenben .öofgefettfetjaft bie gerootjnten gefte gab 
(23). ö. ^)affett: S)aS Äurfürftentlmm |>annoöer öom SSafeler 5^ e oen bis jur 
preufeifcljen Dccupation im 3ab,re 1806, ^annoöer 1894, ©. 81). 2B. roarb 
äunädjft mit einem £>ofmeifter auf bie Uniüerfität ©öttingen gefctjicft, mo er bis 
s Dtic6,aeti8 1799 ftubirte, baneben roor^nte er eine 3 e ii lang ben SÖertjanbtungen 
beä ütaftabter (SongveffeS bei, toie bamats mannict}facr) gürftenfö^ne unb anbere 
junge Seute tjötjeren ©tanbel als 3lugen= unb Dtjrenaeugen beim aieidjgtage, 
tfteidjscommiffionen unb äfjntictjen ©elegent)eiten eine ©djule in ber SDiplomatie 
unb praftifetjen 5Politif burctjmactjten. ^njwifctjen mar fein SSater geftorben; 
feine Butter, eine geb. ©räfin @iclftebt»^eter§roalb, tooltte fiel) mit bem t)anno=> 



152 SDßcutgettfjetm. 

berfdjen «Dltnifter b. ber 2)eden toieber bertjeiratljen unb 2B. toarb für bofljäljrig 
erftätt , bamit er bie 23ertoaltung fetner im ©öttingenfdjen unb im ©ott)aifdjen 
belegenen ©üter felbft übernehmen fönne. 2)urd) ben Slufenttjalt auf bem burdj 
ben Dbercommiffär Söeftfelbt , einen angefet)enen ßanbtoirtl) , betoirttjfdjafteten 
Äloft ergute 2öeenbe bereitete er fid) baju im ©ommer 1801 nod) beffer bor. 
1802 mürbe er Oberf d)enf , im näd)ften Safyxe aber madjte bie 33efitmat)tne beS 
ÄurfürftentbumS burdj bie granjofen ber ^offyaltung ein (Snbe, 2B. ging auf 
feine ©üter unb auf Steifen. 3m 5Jtai 1806 berljeirattjete er fid) mit ber 
ütod)ter feines ©tiefbaterS. SDie burdj ben ^rieben bon £itfit gefdjloffenen 33er» 
tjältniffe führten itjn in bie 9teib,en berjenigen, toeldje in ber (Stille für be8 
beutfdjen 33aterlanbeS Befreiung toirften. ©ie Ratten einen ^auptbertreter in 
ber ^erfon bei früheren furt)annobetfd)en ©efanbten am öfierretdjifdjen Jpofe, in 
bem ©rafen förnft ^arbenberg, toeldjer in 2Bien berblieben mar unb namentlich, 
ben 33erfet)r mit ßonbon unb bem bort befinblidjen ®rafen örnft fünfter ber* 
mittelte. 9Jtit ^arbenberg, fotoie mit beffen Setter, bem gleichnamigen breufeifdjen 
9Jcinifier , mit ©tein unb Subroig SBallmoben , mar 2B. ttjeilS bermanbt , tljeilS 
befreunbet unb fo fam eS, baf$ er bielfad) ©enbungen unb anbere Aufträge über= 
nat)tn , beren ©biije fid) gegen bie grembljerrfdjaft richtete. Sludj mit ©djttt 
ftanb er in 33erbinbung. 211S biefer loSgebrodjen mar, mürbe 28. in llnterfudjung 
gebogen unb entging mit genauer s JtotIj ber 93erurtr)eitung. 2)afj er ftanbf)aft 
fid) meigerte in ben 5Dienft beS Königs bon SBeftfalen, feines nunmehrigen 
SanbeSIjerrn , fotoeit eS fid) um SBangentjeim'S 33efi^ungen im ©öttingenfdjen 
tjanbelte, ju treten, madjte ib,n um fo berbädjtiger. ©eine abletmenbe Haltung 
begrünbete er bamit, bafj er als ^nljaber einer $räbenbe ju Jpabelberg aud) 
breufjifdjer Untertan fei, biefeS SSanb fnübfte er baburd) nod) enger, bafc er 
1812 bie 2)omäne ßlbenburg in ber Slltmarf faufte. 23efonbereS Serbienft er= 
toarb er fid) bei ber Bergung bei lurfürftlidj=>föniglidjen 5]3ribateigentIjumS. 
5Eer 2lrgtoot)n ber granaofen gegen tljn mar fo ftarf, bafj er 1813 bor^og fid) 
über bie @lbe nad) 9Jtedlenburg in ©idjerfjett ju bringen, mo in ©djmerin bie 
tyannoberfdjen *Dtinifter bereits eine borläufige Regierung gebilbet Ijatten. S)ie 
toeftfälifdjen 23cljörben berfolgten itjn mit ©tecfbriefen unb liefen fein Güigenttjum 
berfiegetn. @r übernahm nun junäcrjft eine ©enbung nad) ©todfjolm um bie 
Sanbung fdjroebifdjer Gruppen in 2)eutfdjlanb ju betreiben unb befanb fid) fo= 
bann im Hauptquartiere beS Äronprinjen $art i^otjann, als aber bie furfürftlidje 
Regierung in ^annober toteber tjergeftettt tourbe begab er fid) bortljin unb trat 
bon neuem in ben ^ofbienft, in toeldjem er 1814 ©djlofjljaubtmann , 1816 
£)bert)ofmarfd)atl tourbe. 3m $. 1821 toar er 'JRitglieb ber ©tänbeberfammlung, 
in entfpred)enber SBeife beteiligte er fid) in ©ottm am öffentlichen ßeben. 1828 
tourbe er 9Jtttglieb ber ^ofbaucommiffion, toeld)e ^auptfädjtid) burdj ben ©djlofj* 
bau befdjäftigt toar. SDie ©tabt <£>annober ernannte iljn ju iljrem ©Ijrenbürger ; 
am nörblid)en anfange ber grtebrtdjftrafje erbaute er fid) ein ftattlidjeä 2öol)n= 
b.auö, metdjeä nad) feinem 2obe juerft $önig ©eorg V., bann bie ©tabt befafe; 
jener refibirte bort, biefe benutjte eö als üRat^^aui. 3 U -^önig (Srnft 3luguft 
unterhielt er bor beffen 1837 erfolgter ütljronbefteigung , als biefer in Berlin 
lebte, bielfadje Schiebungen, toelcrje aber, als ber Peinig jur Regierung gefommen 
toar, erfalteten, fo bafj SB. im $. 1839 feine 6ntlaffung nat)m. Äönig ^ebrieb, 
äßilljelm IV. bon ^ Teu fe en berlieb, tljm bagegen 1840 ben ©rafentitel. SB. 
lebte nun biel auf Steifen, ging aud) nad) ^ßariS, toeldjeS er bis bal)in auS 2lb« 
neigung gegen bie 5tan,}ofen gemieben blatte, unb ftarb ju §annober am 21. Oc= 
tober 1851. (5r toar ftnberloS , feinen -§>aubterben ^atte er berpflid)tet ein 
gibeicommifj (SBafe bei ©öttingen ic.) ju erridjten. 

Steuer Stefrolog b. ©eutfe^en, 29. 3al)rg., Söeimar 1853. 33. ^oten. 



2öangenf)eim. 153 

SBanßCn^cim : ßarl Sluguft Sfrljr. b. 2B. entftammte einem alten tt)ü= 
ringifctjen 2lbelsgefcl)lecl)t unb tourbe als" Sotjn bes gottjaifdjen ©enerals j¥arl 
SSernfjarb |jeinric&, 0. 2B. am 14. s Ulärj 1773 ju ©otfja geboren, wofelbft er 
audj feine ©bmnafialbilbung empfing. 3fn Sfena unb Erlangen toibmete er fidj 
ber $ect)tstoiffenfct)aft, intereffute ftd) baneben aber lebhaft für alle (Srfdjeinungen 
auf anbern ©ebieten geiftigen ßebens. 2113 9tatt) in ben 2)ienft ber Coburg» 
faatfetbifcfjen Regierung unter bem $Rinifter b. &retjfä)mann getreten, erfreute itjn, 
ben man als geiftreidjen ©efeüfdjafter aud) bei ^pofe gerne fat), äugletdj eine 
angeregte ©efettigfeit. 3 um SHcepräfibenten ber Regierung ernannt, fat) er fict) 
bei näherer 'Befanntfdjaft genötigt , fein Urttjeil über 0. $ret}fd)tnann'3 S5er= 
toattung au änbern unb fudjte aud) feinen dürften bon beffen 33ermerflid)feit ju 
überzeugen. Slltein otme (Srfotg, bietmetjr mürbe 20. felbft bom ^erjog bei 
£)ienftes entlaffen. ßtagenb manbte er fiel) an ben 9teid)st)orratl) unb bertrat 
aud) litteratifd) in einem jroeibänbigen 2Berfe : ,,21ud) ein Seitrag jur ©efdjidjte 
ber Drganifation ber coburg=faalfelbifd)en ßanbe buret) ben 9Jlinifter 5£t). b. £ret$fd)= 
mann" (ßoburg 1805), feine (Sadje. Sie itjm günftige 6ntfd)eibung be§ 9teid)S= 
IjofrattjS blieb nactj bem 3uf fll *imenbrud) bes 9leid)§ otjne praftifdje folgen für 
2B. Sntfdjeibenb für fein ferneres ©efdjttf mar ein 2luftrag ber ^er-jogin bon 
«gnlbburgfjaufen , ber it)n in ganiitienangetcgenljeiten biefer fjfürftin nad) <Stutt= 
gart führte. 2)a3 energiferje Söefen Äönig griebrieb/ä 30g tfm an unb er trat 
im 3f- 1806 in beffen SHenfte als ßeiter ber ginanjjen in ber (Stellung eines 
Sßräfibenten ber Obetfinanjfammer. 9tad) furjer 3 f it (1811) mürbe er jebod) 
jum Spräfibenien bes £)bertribunat§ unb zum Kurator ber Uniberfität Tübingen 
ernannt. £er 5* eu nb ber SBiffenfdjaften unb regen gefeiligen Sßerfeljrs fam balb 
in bie angenerjmften 23ejietmngen ju ^rofefforen unb (Stubenten. SGßeniger günftig 
für ben (Staatsmann mar es, ta% er fiel) unter bem (Sinflufj einzelner ^rofefforen 
toie ßjdjenmarjer'i ein mit naturptjilofoptnfdjen Sbeen burd)tränftes polittfdies 
Softem erridjtete, in toeldjem er jjur £öfung aller fragen einen Sd)(üffel ju 
Ijaben glaubte. 3»n Söürttemberg mar im grürjjatjr 1815 ber Streit über bie 
Serfaffung ausgebrochen. 2B. trat in ben Äampf ein mit einer 3toifd)en ben 
2lnfid)ten bes «Königs unb benjenigen ber Stänbe bermittelnbcn , übrigens feb,r 
boctrinären Schrift, bie im Sommer 1815 unter bem ü£itel „SDie $bee ber Staate 
betfaffung mit befonberer 9tüdfid)t auf 2Mrttembergs alte £anbesberfaffung k." , 
frfdjien. Sie berantafjte ben Äönig ben 33erfaffer <jum 9Jlitgliebe einer 6om= 
miffion 3U ernennen, bie ben ^rieben 3toifd)en ber ßrone unb ben Stänben t)er= 
fteüen füllte, ^m ^erbft 1815 mürben ben letzteren 14 bon SB. aufgeteilte 
Slrtifel als ©runblage für if)re Serattjungen borgelegt, bie bebeutenbe 3 u Q e= 
ftänbniffe in itjrem Sinne enthielten. 3lllcin nur bei menigen Stänbemitgliebern 
mie bei ©riefinger, bem grofjen fünften, unb Sotta, bem grofjen Äaufmann ge= 
long e§ 20. , politifc^e Unterftüfeung unb perföntierjeä Vertrauen ^u geminnen. 
@r fjielt jeboef) aud) auffteigenben Sebenfen be§ Königs gegenüber an bem 3^ 
bie 33erfaffung ju ©tanbe ju bringen feft, fo nocl) in einem im 3- 1816 ber= 
öffentlichen 5ßerid)te an ben $önig, in bem er eine Sßerfaffung at§ ba§ einjige 
5Jlittel gegen ©etjeimbünbe prie§. 2ro^bem mürbe feine im September 1816 
erfdjienene ©ctjrift „lieber bie Trennung ber Solfäbertretung in jmei 2lbtb,eilungen 
unb über lanbfdjaftliclje 2lusfcb,üffe' fogar al§ ein Söerfucf) 2Bangent)eim'§, bie 
^Ingelegenfjeit ju berfdjleppen , angefetjen. Selbft ^)egel'g QJerttjeibigung feiner 
3fbeen in ben -£)eibelb erger ^atjrbücb,ern ber ßitteratur (1817, 9tr. 66 ff.) nü^te 
20. bei ben ©ä)maben nichts ; aud) bie perfönlidje Serftänbigung mit ben Stänben 
tourbe erfdjtoert, alz er ooUcnbä feine ©egner ali „Schreiber" berfpottete. 

2lm 30. Dctober 1816 ftarb $önig ^riebrief). Ä5nig 2Bilf)etm begann 
alsbalb mit einer 9teit)e bon Reformen auf allen ©ebieten. 2B. übernahm ba§ 



154 Sßcmgenrjctm. 

(SultuSminifierium im logenannten „Reformminifterium 3Bangenb,eim=,f?erner". 
2lber bie SBerfaffungSangelegentjeit rüdfte nictjt borroärtS. 2B. würbe immer un= 
populärer, man roarf iljm in (Stuttgart bie genfter ein. Scrjtiefclicrj öerantajjten 
itjn ^JieinungSöerfcrjiebenrjeiten mit bem jum Seiter ber ginanjen berufenen toet= 
lanb röeftfälifcb,en 9Jttnifter *Dcatct)uS im ftoöember 1817 feinen Slbfdjieb su 
nehmen. 5E)aS SkrfaffungSroerf tourbe otjne irjn mefentlicr) burctj (Sotta'S ber= 
mittetnben (Sinftufj ju Stanbe gebracht, er fetbft aber jum ©efanbten am 
33unbeStage ernannt, ©eine angenehmen gefettfdjaftlicrjen formen, feine biel= 
jeitigen Sntereffen öerfctjafften irjm biete greunbe in frankfurter Greifen, jeine 
2;l)ätigfeit unb ©efctjäftSfunbe machten irjn balb auct) ju einem angelesenen 9JUt= 
gtiebe beS SSunbeitagS. @r gab fiel) 2Rür)e auf politifctjem, toirtSfdjafttidjem unb 
firctjlidjem (Sebiete einen engeren SBunb ber confiitutionelten Staaten beS „reinen 
SJeutferjlanbS" gegenüber' Defterreicr) unb 5ßreuf$en , bie SSertoirflidjiung ber fog. 
SriaSibee , roelctje audj feinem naturütjilofoöcjifclien ©runbfatje öon ber Grintjeit 
in ber Dreitjeit als bem ©efetj alles SebenS entfpracr), ^u Stanbe ju bringen. 
3Jtit einer mecrjfelnben Qafyl gleidjgefinnter Sollegen leiftete er ÜJcetternicrj'S 
5ßolitif rjierburrf) mehrere iSatjre tapferen SBiberftanb , hierbei freitidj ber Sßclt 
baS eigenttjümlictje Sdjaufpiel einer Partei öon ©efanbten bietenb, bie eine mit 
ber irjrer Regierungen biStoeilen nictjt einmal übereinftimmenbe eigene ^otitif trieben. 
Slufjertjalb beS SSunbeStagS entroicfelte er eine befonberS lebhafte SEtjätigteit bei 
ben ßonferenäen ber Staaten ber obetrtjeinifdjen Äirdjenörobins , bie er am 
24. 9#är3 1818 ju ftranffurt eröffnete unb öon roelcrjen er bie ^erfteßung beS 
6piScoöalft)ftemS erroartete. 9luctj bie ^oHöerein§angeIegen^eiten fanben fein 
regfieS ^ntereffe. gunädjft auf ©eftattung eines SonberjottöereinS für fein 
„reines SDeutfdjianb" bebaut, mar er ber 2Jcittelöuntt ber 5Darmftäbter ^panbel§= 
conferenj öon 1820, too er entfprectjenb ber «Gattung feiner um baS 3uftanbe= 
fommen lebhaft bemühten Regierung äörifetjen ben r^einiferjen greitjänblern unb 
ben bairifetjen Scrjut^öEnetn ju öermitteln fictj bemühte, otjne bafj eS gelungen 
märe, in üDarmftabt ein greifbares Refultat 3U erzielen. 9toctj in fpäteren ^atjreu 
als Äönig 2öüt)etm auf ben Slnfdjlufe Württembergs an ben preufjifdjen 3°tt* 
öerein Einarbeitete, unterfiüfjxe 2ß. nun, ebenfalls einen eint)eitttd)en 3ollbunb 
als $\d öor 2tugen, biefe 33emütjungen. 2lm SBunbcStag aber maren bem dürften 
9Jcetternictj 20. unb feine Partei immer unbequemer geworben. Setjon im Sommer 

1822 ^atte eufterer mit ^reufjen „bie Söuration beS SBunbeStagS", roorunter er 
bie 23erbrängung jener öerftanb, inSgetjeim öerabrebet. Ücactj 33eenbigung beS 
SSeronejer (SongreffeS betrachtete er bieS als nädjfte Aufgabe, ©leictjfam sum 
Unterpfanb für bie SBiebertjerfteüung ber namentüct) buret) eine ©rttärung 
SBürttembergS gegen baS SJeronefer Runbfcfjreiben geftörten greunbfcSaft btefes 
SanbeS mit bert ©rofemäcSten, öertangten DefterreicS unb $reu|en im grürjiarjr 

1823 birect SBangenSeim'S Abberufung, bie, bodj erft im ^uti 1823, bann auct) 
erfolgte. 

SB. lebte in ber fjolgejeit junäctjft in 2)reSben, bann in ßoburg, feine 3eit 
ätoifcSen ber ©efettigfeit unb ben Söiffenfdjaften t^eilenb. 2)ie (Sutmitflung ber 
potitifclien S)inge öerfolgte er mit reger Slufmerffamfeit. °$m %. 1833 mollte 
i^n ein roürttembergifcljer 2öal)tfrei§ in ben ßanbtag toärjlen. Sllttein bort brang 
nacS lebhafter Debatte bie 3lnficf)t bureb,, bajj nacb, ber SBerfaffung ber ©emärjtte 
in Württemberg mo^nen muffe. %n ber tjierburcb, öeranla^ten Sdjrift „Sie 
3Bar)l beS f^reiljerrn ö. äöangenrjeim , ^. toürtt. StaatSminifters a. 2). , in bie 
roürttemb. Stänbeberfammlung" (1832), legte er noc^ eine 9lrt öon politifc^em 
©taubenSbefenntni^ ab. 3tt>ei Schriften: „Defterreict) , ^reufjen unb baS reine 
S>eutfct)lanb auf ber ©runblage beS beutfcljen StaatenbunbeS organifdj ^um beutfcl)en 
SBunbeSftaat bereinigt" (SBeimar 1849) unb „S)aS S)reifönigSbünbni^ unb bie 



SOangermann. 155 

gtaboroitffdje ?ßotitif " (1851), äeigen, bafj bie ÜriaSibee ir)n noct) immer betjerrfdjte. 

3lm 19." 3uli 1850 ift SB. su Coburg geftorben. @§ gibt öon if)tn ein Delbilb, 

gemalt öon #erb. Jpartmann, in ber ©taatsgalerie 3U Stuttgart unb eine S^" 

nung nact) bem Seben öon 6. Diej (1843), litt), öon 3- SQÖölfCe. 

0. 2reitfd)fe, f)i|torifcr)e u. politifctje 9Iuff% 1, 1886, 6. 197 ff. — 

2>erfelbe, Seutfcrje ©efct)ict)te im 19. 3af)rt)unbert, 25b. 2 u. 3 a. m. £). — 

Sßatjl, üSenfmürbigfeiten auS meinem Seben, Tübingen 1840, ©. 412 ff. — 

^Beiträge ju einer gfamiliengefdjidite ber greitjerrn ö. SBangenrjeim , öon 

3f. #. 91. ö. SBangenl)eim , al8 s JJt. gebr., (Söttingen 1874, ©. 447 ff. - 

Ä. 9}. ö. 9tiecfe, 3ur SJorgefdjidjte be& beutfd)en 3oHoerein8 (Slu^üge aus 

Briefen be§ greirjerrn ö. SS.) in SBürtt. 33ierteljat)r8t)efte für ßanbeSgefdjictite, 

II, 1879, ©. 101 ff. _, . . ., m . .. -. 

11 guebridj Sßtntterltn. 

Sangermamt : fyrtebrtd) SBiltjelm SB., lanbgräflid} t)efjen=caffetfdjer 
©eneralaubiteur, mürbe geboren am 28. $Rärj 1706 ju ©djönflieS in ber 9teu= 
marf, befugte ba§ ^oadjimSttjatfcrje (Stymnaftum in 23erlin unb be^og üon ba im 
3. 1724 bie llniöerfität |)atte, um auf SBunfct) feines 93ater£ fftecrjtämiffenfcrjaft 3u 
ftubiren, mätjrenb feine eigene Neigung metjr für ba§ ©tubium ber Stjeotogie fpract). 
$m 3Jcai 1728 nact; SBtenbigung feiner gadjftubien mürbe SB. f. preufeifctjer 
©arnifonaubiteur 3U SBefet. SOÖie SB. in feiner turnen ©elbftbiograptjie fdjreibt, 
tourDen bort bie tjäufig öorfatlenben ^nquifitionSproceffe feine 23efctjäftigung. 
„Sic ^ürje, SJoHftänbigfeit unb Seutüctjfeit, bie man beim herausbringen ber 
SBatjrrjeit öon mir forbeite, ftrengte meine 2Iufmerffamfeit um fo metjr an, ttjeitS 
meit id) ben t)ot)en Söertt) ber ©actje fetbft anerfannte unb ttjeilS auct), roeil ict) 
Säbel unb Erinnerungen gern öermeiben tootltc. ^ct) empjarjl mictj bergeftalt 
unb manchmal miber meinen SBitlen, bafj mir bie fdjmerften unb getjäfftgften 
llnterfucfmngen, bie fonft meine ÄoÖegen tjätten mit übernetjmen muffen, jur 
Saft fielen." fteben feiner £rjätigteit als Stubiteur, bie SB. beibehielt, trug it)m 
baS fönigl. preufjifctje ©eneralbirectorium im $. 1754 bie ©atjfbebition auf, 
auctj ertjiett er ben $att)Scr)arar'ter. SBegen ber mit biefem 2lmte „bei aller 
93orfict)tigfeit öerfnüpften möglichen ©efafjren" gab SB. baffelbe im $. 1756 auf 
unb trat jutn Regiment bon S)offom als 2lubiteur über, mit roelcrjem er „brei 
Gampagnen" in SBeftfalen unb ©acrjfen mitmachte. S)ann berief itm ber ßtjef 
beS genannten Regiments ßanbgraf griebrict) (II.) öon Reffen, ber 3ugleict) ®ou= 
öerneur ber f^eftung Iftagbeburg mar, um bem überbürbeten ©arnifonaubiteur 
■Öülfe 3U leiften. 2U3 Sanbgraf griebrid) im $. 1760 bie Regierung in Gaffet 
antrat , folgte itjm SB. al§ ßrieg§ratt) bei bem Jhiegäcotlegium nactj Saffet. 
2B. , fctjon länger mit bem auftrage betraut, bie Reibung aller jur 2XnfteEung 
gelangenben ^lubiteure entgegen ju netjmen, fie auf ifjre gätjigteiten ju prüfen 
unb ilmen bie erforbertic^en ^nftructionen ju erttjeiten, mürbe im 3». 1773 tjeffifctjer 
©eneralaubiteur ; erhielt 1779 ben (Srjarafter als ©e^eimer $rieg§ratt) unb im 
September 1782 ben als ©erjeimer 3ftatt). SB. ftarb am 2. Januar 1785. SB. 
fdjrieb: „2lnmeifung ^um ^nquiriren", (1770. $n ^meiter, öerbefferter Auflage 
1777; nact) SBangermann'S 2obe noctjmalS aufgelegt in neuefter Auflage 1796). 
2luS biefem Suctje getjt tjeröor, ba^ Söangermann's ^tettjobe barin beftanb, ben 
5lngeftagten einem tangmierigen, öermirrenben 93erf)ör ju unter^ierjen unb itjn ba= 
burct) jum ©eftänbni^ ^u bringen. 3ln bie ©teÜe ber Tortur, beren 93efettigung 
er empfahl, münzte SB. barnad) etma§ gefegt ju fetjen, mag auf eine moralifctje 
Tortur fjinauStief. 

Strieber, ©runblage ^u einer tjeffifdjen ®etef)rten« unb ©c^riit[teller= 
©efd)icf)te. Harburg, 33b. 16; 1812, @. 480—482. 

SBiltjetm ©rotefenb. 



156 Sßanfat. 

SBanfrlt: Sodann SB. (33anf)al, 33an #al), ein im 18. 3ar)rl)unbert unb 
6i8 roeit ins 19. tjinein gefdjätjter unb öiel gefptelter Gomponift, geboten am 
12. $)tai 1739 ju Redjantcä in 93örjmen oon atmen leibeigenen Ottern, f am 
26. 21uguft 1813 ju 2Bien. @r befugte au «Utafd^etborf bie ©djule unb ehielt 
aud) 5R ufif un te trid^ t , ber befte Setjrmeifter aber, roie er felbft fagt, mar ber an 
feinem ©eburtSorte lefjrenbc ÜJlufifer Slnton drban, unter beffen ßeitung er e8 
befonberS im Otgelfpielen fotoeit brachte, bafj er im 2Ilter öon 18 3ar)ren fd)on 
ben Drganiftenpoften ju Dpotfd)na erhielt unb batb barauf im ©täbtdjen 
RtemtfdjotDeS als Regens chori angefteEt mürbe. 2lud) als SSiotinift fudjte er 
fid) auSjjubilben, fanb aber befonbere 2lufmerffamfeit burd) feine elften 23erfud)e 
in ber (Sompofition, rooburd) bie ©räftn ©djaffgotfd) auf it)n aufmeiffam mürbe 
unb it)m bie Mittel gab im $• 1760 nad) Söien ju getjen um fid) toeiter auS= 
■jubilben. 6r erhielt einen gemiffen <5d)leger jum Secjrcr, mit beffen Iftettjobe er 
ftd) aber nictjt befreunben fonnte, fo bafj er fid) burd) baS ©tubium guter 
9Jteifter fetbft fortbilbete. 23alb mürbe er ein gefud)ter s IRufifler)rer in Söien 
unb erübrigte foöiel, bafj er fid) hä feiner ^ervfdjaft als Seibeigner loSfaufen 
fonnte. ^e^t ftanb itjm bie ganje 2Belt offen unb ber 3 U 3 oer 3 e ^ trieb it)n 
nad) Italien , mop iljm ber ftreirjerr ö. fRtfdg bie Mittel gab. 3 U ^ om traf 
er mit Florian ©afjmann ^ufammen , jju beffen Opern er einige 5lrten fd)rieb 
unb nad) Verlauf öon aroei $al)ren mit itjm nad) 2Bien jurücffecjrte. |)ier öer« 
fiel er in eine ©eifteSfranf fjeit , öon ber er aber balb genaS unb nun als Gotm» 
ponifi fid) fo t)eröortr)at , ba£ er ju ben bamalS beliebteften gehörte. SBurnerj 
berietet in feinem ütagebud) über 2)eutfd)lanb , bafj er SB. in Söien auffud)te, 
ba er ben Biaxin fennen lernen roollte, ber fo öorjügticrje 2Berfe jcfjrteb unb 
mar erftaunt , ben 9Jcann , beffen SBerfe bie ganje SÖßelt berounbert , in einer 
2)ad)fammer ju finben. SB. fd)tteb mit großer ßeidjtigfeit unb brachte eS ju 
einer erftauntid) großen ^robuctiöität. Dbgleid) aber feine SBerfe nid£)t nur in 
5)eutfd)Ianb , fonbetn in ^ranfrctd) unb Snglanb ju ben gefudjteften gehörten, 
mufjte er beS 33rotermerbS t)alber $Ruftfunterrid)t erteilen unb äugleid) für 
bie ©djüler bie ©d)utroerfe anfettigen, an benen eS ju ber 3 e ü n °d) mangelte. 
9Jtan fann barauS fd)tiefjen, mie fd)led)t ber ßomponift öon ben 33erlegern be= 
3af)lt rourbe unb in mie erfdjtecfenber äöeife ber 9tad)biud — bie Raubritter beS 
18. ^Q^unbertS — im ©ctjtounge mar. ©elbft ein Slbfctjreiber öerbiente metjr 
als ber ßomöonift , roie fcfjon ^Jiojart Ilagte. S)labaq, ber SSerfaffer beS 
böl)mifcl)en ÄünftlerlejifonS , lernte itm im ^. 1795 in SBien fennen unb öer= 
fetjrte öiel mit ifjm. @r fdqteibt: „idcj fanb nictjt nur einen grofjen SEonfünftter, 
fonbern auctj einen eifrigen ßfjriften, magren Patrioten, eblen unb marinen fjrreunb 
unb einen järtlicljen 33ater ber leibenben ^enfdgljeit" . SDerfelbe gibt aucl) ein 
93eräeid)nife öon 98 Hummern, beren jebe oft aus jacjlreidgen ßompofttionen be« 
ftefjt, fo 9ir. 1: 100 ©timötjonien, 2: 100 Quartette, 3: 25 grofje unb fteine 
5Jleffen u. f. f., barunter aud) ein Oratorium, bie Ober „S)emofoonte" u. a. 
9todf) in ber3eit öon 1840 würben bie Gtatoierfdjülcr mit SSanljarfcljen ßompofitionen 
reid)Udc) gefüttert, bis fid) nad) unb nadg bie Slaffifer 33al)n bradjen, benn 5Rojart unb 
Söeettjoöen gehörten bamalS in ben nieberen Regionen beS ^JtufiflebenS nod) ju ben 
5Reiftetn, bie man mol bem 9tamen nad) fannte, beren äöerfen man aber lieber auS 
bem 2Bege ging. Wlan finbet übrigens SB. auf unferen öffentlidjen ©taatSbibliotljefen 
nod) fe^r reidjlid) öertreten. ©eine mufifalifdje SluSbrudSmeife unterfd)eibet fid) 
in feiner Söeife öon ber feiner Sollegen: otjne tieferen ^nljalt tänbelt er öon 
5)telobi?d)en 5U 9JMobied)en , ober aud) nur allgemeinen mufifalifdjen RebenS» 
atten. @S f)etrfd)t aber ein getoiffer lebtjafter 3 U 9 barin, mie er aud) S)itterS= 
borf eigen ift, ber fid) in Qformengeroanbtrjeit unb einer fliefjenben SluSbrurfStoeife 
funb gibt unb bem bamaligen publicum ©enüge leiftete. 



Sßanfer. 157 

SDlabaq' Äünftler = 8eitfon. — ©erber'S beibe Sejifa. 

9tob. gitnet. 

Saufer: gerbinanb ©eminian SB., fatf)oti|d§er Geologe, geboren 
au ftreiburg im SBreiSgau am 1. October 1758, f bafelbft am 19. Januar 1824. 
(Sr ftubitte als ©tipenbiat beS Collegium sapientiae öon 1777 an au greiburg 
£rjeologte, beftanb nad) SSottenbung feinet ©tubien bie 9tigorofa, rourbe am 
23. 3Jlat 1782 311 ^onftana öon bem prftbifcfjof SJiar. 6l)riftopb, ö. Stobt aum 
s 45xieftex geroeiljt, mar furae 3eit 93icar au g^bütcr) bei guibutg, b alm ^xsiefjer 
eines jungen SIbeligen ju greiburg, bann Pfarrer ber ber Uniöerfität gerjörenben 
Pfarrei SBenbelSrjeim. 3lm 3. ßctober 1783 ttmibe er aum ©ubrector bei öon 
ber öfterreidjijctjen Regierung errichteten ©eneralfeminarS ernannt unb tjatte als 
fotcfjer bie rjomiletifcrjen unb fateerjetifdjen Hebungen ju leiten unb ben litur= 
giften Unterricht au erteilen. 1788 rourbe er pm ^rofeffor ber 5Jloraitb,eologie 
an ber Uniöerfität ernannt, ©eine am 9. October gehaltene SlntrittSrebe ('über 
bie Urfactjen, roarum bie ÜJtoral beS (3r)riftentl)umS bei ben SSefennern beffelben 
fo fetten itjre tjerrlicfjen grüctjte cjeröorgebradjt fyat 5 ) ift in ©. 9tuef'S gretburget 
Beiträgen abgebruett. S3alb barauf lieft bie Regierung, roie bei anberen $äcfjem, 
fo audt) für bie ^Bearbeitung eines SefjrbudjeS ber *Uioraltrjeotogie eine öffentliche 
(Sinlabung ergeben. SDer öon SB. öorgetegte @ntwurf , obfdjon in beutfdjer 
©pracfje abgefaßt, erhielt bie Approbation unb SB. im $uni 1793 ben Auftrag, 
benfelben als bei ben tb>ologifct)en Serjranftalten einaufürjrenbeS Gompenbium 
auSauarbeiten. %'xt „djriftlidje Sittenlehre" erfdjien perft in ätoei SSänben au 
Ulm 1794, in aweiter Auflage 1803, in britter 1810, in bierter 1836. 1804 
erfd)ien bie fleine ©ctjrift „Ueber Vernunft unb Offenbarung in |>infidjt auf bie 
moxaüfcljcn SSebürfniffc ber 3Renfä$eit", 1806—1810 lieferte SB. einige Beiträge 
für baS SBeffenberg'fcfje 3lrcf)iö bei 23iStb>mS Äonftana : „Ueber bie S3erbinbung 
ber wiffenf<$afttidjen mit ber fittlictjen Sultur ber ©eifitidjen" (1806), „Beiträge 
aur ©efdjicfjte ber ^olrjgamie unb ber ßb>trennungen" (1810). <5in größeres 
SBerl, „93orlefungen über Religion nadj SSernunft unb Offenbarung, gür 5*fa = 
bemifer unb gebilbete 6t)rtften" , erfcrjien erft 1828 nact) bem £obe SBanfer'S. 
(Sine ©efammtauSgabe feiner ©Triften öeröffentlidjte gfx. SBeicf 1830—33 in 
Pier 2Jänben: bie aroei etften SBänbe enthalten bie ©ittenterjre , ber brüte bie 
„SBorlefungen" , ber Pierte bie fleinen ©djriften unb eine Siograptjie. — 5DaS 
©utadjten ber greiburger ttjeologifcrjcn gacultät Dom 3at)re 1794 über bie 
2lmtSöerrid)tungen ber franaöfifdjen ©eiftlicfjen , bie ben SSerfaffungSeib geleiftet 
(herausgegeben öon #. Slmann, ftreiburg 1832) ift Pon SS. als SDecan juerft 
unteraeicfjnet, aber nietjt öon itjm öerfafjt. Unter bem 4. 25ecember 1806 fanbten 
*|}rorector unb (Sonfifiorium au ben ©rojjtjeraog eine S^orfteHung gegen ben $lan, 
5. S- §ug unb SBernarb 33oÄ öon ber greiburger Uniöerfität au entfernen, um 
für bie öon £eibelberg baljin öerfe^ten ^rofefforen 5Derefcr unb ©djmitt ^ßla^ 
au madjen. S5ie SSorfteEung, bie (Sriolg blatte, war öon SCß. als S)ecan ber 
tljeotoQtfcrjen gacultät oerfafjt. — 35on 1811 bis a" feinem 2obe mar SB. SDirector 
ber $. ©auttet'ft^en ©tiftung (f. 31. ©. 55. XXX, 423), ber er auefr, ein Gapitat 
Permacb^te. 1810 Peröffentltcb^te er eine „^acrjricfjt Pon ber ©autter'fcfjen ©tif« 
tung au ^reiburg". 

SllS eS fid) um bie SBefe^ung beS neu errichteten erabiStb^umS greiburg 
Ijanbette, fotbette bie babiferje Regierung bie Saubbecane auf, Drei danbtbaten au 
beaeiermen. ©ie beaeieb^neten an erfter ©teile Sßeffenberg, an atoeiter 333. 9cadj= 
bem SBeffenberg Pom $apfte Pertoorfen toorben, fdt)lug bie «Regierung im 3. 1822 
SB. Por. 2luc§ iljm rourbe anfangs in 3ftom bie 33eftätigung üerroeigert, toeil 
man an ber 3Bab,t burefj bie 2)ecane Slnftoft nab,m, bann aber aud), roeil man 
SB. befcfmlbigte, er b^abe baä erroäfjnte @utact)ten öon 1794 Derfaftt unb er fjabe 



158 SBaenfer — 2Banuenmacf)er. 

äu bei granffurter .ftirdjenpragmatif feine 3 u fti mmun 9 erficht. 2B. erflärte, ex 
tjabe fid} ju nid)tS befannt unb werbe fidt) 31t nidjtS befennen ober öerpflidjten, 
was ber $apft bei ben Vertjanblungen mit ben pereinten £)öfen unb 9iom öer= 
werfe. SB. würbe allem 2lnfd)einc nad) fdjliefjlid) in 9tom beftätigt morben fein, 
ftarb aber öor bem @nbe ber Vettjanblungen. 

3. 8. Jpug, 9iebe auf |)errn SBanfer, ©itector u. ^rofeffor ber Geologie, 

®rofet). (Seiftl. 9tatt) unb befiimmten erjbifdjof, greiburg 1824. — 

S. SJudjegger im greiburger Hirctjenlerjton 11, 808. — f$f. Koeffing in SBeedj'S 

babifetjen Biographien 2 , 423. — $. König im greiburger S5Diöcefan=2lrd)iö 

10, 110, 269, 289, 299. — Songner, Dberrcjeimfdje Kird-enprobinj, ©. 519, 

548. — Kattjolifdje 3uftänbe in Baben 1841, ©. 37. Üteufdt). 

Söaenfcr: ßubwig 21 n ton ö. SB., Slrjt, würbe am 8. $uni 1805 als 

©olm beS grofjt)er3oglidc)en -gwfrattjS unb ©tabtamtSptjrjficuS Dr. Slnton ö. SB. 

3U (Jnbingen geboren. @r ftubirte in ftreiburg unb ^eibelberg, madjte 1822 

wiffenfdt)aftlid)e Reifen mit längerem 2lufentrjalt in Berlin, Königsberg, S)orpat 

unb ©t. Petersburg, ertjiett 1827 bie Sicenj als Slr^t , SBunb= unb £ebear*jt 

unb ging bann abermals jroedS Weiterer wiffenfct)aftlid)er unb praftifdjer 2luS= 

bilbung auf Steifen, Wobei er $ariS, Oberitalien, SBien unb anbere ©täbte be= 

fud)te. !Ra«Jt) ber 9tüdfet)r l)abititirte er ftd) 1836 als ^>ribatbocent ju fyreiburg . 

i. Sh\, erhielt 1839 bie Stellung als 3lmtSWunbarjt beS grofjt)er-ioglict)en £anb= 

amteS bafelbfi, würbe 1855 9tad)folger feineS VaterS als ©tabtamtSpt)t)fiEuS, 

fpäter aud) als SanbamtSprjtjficuS, erhielt anfangs ber fettiger %a$xt ben SLitel 

eines 9Jtebicinatratt)S, leitete im Kriege öon 1870/71 in greiburg ein Sßrtbat* 

lajarett), mürbe 1877 ©et), ^ofratt), feierte 1879 fein 50jäc)rigeS SDoctorjubitäum 

unter jat)lveid)en SluSjeicrjnungen unb ftarb am 9. ^Jlärj 1880. SB. War ein 

tjcrPoriagenber , öielfettig ttjätiger Slrjt , ber auet) einige Heinere Slbtjanblungen 

d)irurgifc!t)en Spalts beröffentlictjt t)at. 

Vgl. Vigor. 2ej. VI, 161. $agel. 

SBaitlt: 5ßaul SB., Sltjeolog, geboren ju Kemnatcj in ber Oberpfalj, war 
nad) ben Titeln feiner ©djriften magister artium, ^rofeffor ber Sltjeologie, 
KanonifuS unb 2)omprebiger 3U ^5affau, Wo er im °$. 1489 ftarb. @r ragt 
tjeröor burd) ^rebigten , meldje burdjweg im 15. $at)rt)unbert gebrudt Würben, 
tnnterliefj aufcerbem ein Confessionale unb SlnbereS tjanbfd)riftlict). 

£ain, Ta. 16143—49 2)rude. Slnbere u. ©Triften bei $öd)er, ©efjner, 
0. Slretin, 23eitr. 3. ©efd). ©t. 2, ©. 65. — Kobott, 33air. @eI.-Sej. 
©. 729. @rg. 291. 9ta$tr. 419. — f. ©djutte, (Scfct). II, 529. 

0. ©djulte. 
SÖamiCHDiadjCr : 3»o^ann SB., latinifnt in Vannius. ©tarean fagt im 
$obecad)orb , neue SluSg. beutfd), ^ublication S5b. 16, ©. 259, bajj er auS 
bem SreiSgau flammte unb fiel) um 1516 in greibiirg i. b. ©djWeij nieber» 
gelaffen ^abe. ©dmbiger in: Pflege beS KirdjengefangS in ber ©djWei^ (@in= 
fiebeln 1873), ©. 33 fdjreibt: er bcfleibete in ben Mren 1510 bis 1530 am 
©t. s JtifotauSmünfter 3U Qfreiburg baS 3lmt eineS (Sfjortjerrn unb 6antorS, würbe 
aber in letzterem Sdfyxe wegen Ke^erei, b. t). Weit er ftd) ber eüangetiferjen Seljre 
anfcr)lo| , öerbannt unb ging nad) ®eutfd)lanb , Wo er jum ^roteftantiSmuS 
überhat. 9tad) bem SSafeter ^JJianufcript F. X. 5—9 fdjcint er fiel) boer) aber 
nact) ber Verbannung au§ ^reiburg an berfdjiebenen Drtcn ber ©crjweij auf= 
gehalten ju l)aben, beim man lieft unter 9h*. 26 (fielje ben gebrudten Katalog 
©. 56) über bem Sonfatje „Encomium urbis Berne" : „Vannius faciebat 1535" 
unb unter 9tr. 30 (©. 57 beS Kat.) „J. Vannius, 1544 Novemb. inter lacus". 
S)ieS inter lacus fönnte man fetjr Wol)l für ^nterlafen in ber ©cb^Weiä tjalten. 
9luS bem Vorworte 3U feinen Bicinia, bie 1553 in Bern erfdjienen, erfährt man, 



2Banmrtgu§ — Söanlteben. 159 

bafj 2B. bereits ein Serftorbener tji, bafj fein eigentlicher ülame 2Bannenmad)er 
fei unb bie ©efänge burd) ^otjanneg Wiener, Setjrmeiftcr in Sern, gebammelt 
unb <jum 2>rude übergeben ftnb. ferner bafj ber ©d)reiber ber Sorrebe, 9Jlatf)iaS 
SlpiariuS, ber einfüge Kompagnon *ßeter ©d)öffer'S in (Strasburg i. (Slfafj, int 
Sefüje nod) anbercr Gompofitionen 2Bannenmad)er'S fei. 2luS äße bem fann 
man rool ben ©d)tufj jiet)en, bafj 3B. fid) in Sern nieberliefj, als er auS grei= 
bürg oeranefen tnurbe unb bort geftorben ift. ObigeS Sorroort ift abgebrudt 
in s IftonatSt). f. IHufifgefd). VIII, 101 ff. Son feinen ßompofitionen beftnbet 
fid) ein fet)r fdjöner inijaltSreicfjer ©efang ^u 3 bis 6 ©timmen in ^ot). Dtt'S 
115 beutfdtjen Siebern toon 1544 CJieuauSgabe in ^ublication Sb. 3, ©. 300). 
ferner bringt ©larean bie öierftimmige Motette „Attendite popule meus" 
(/JieuauSgabe in Partitur ©. 261). Sie jroei ©efänge in ber Safeler Unitoer* 
fitätSbibliottjef finb bereits oben ermähnt, fie beftet)en auS einem fünfftimmigen 
Salve magnificum unb einem bierftimmigen Invidie telum. S)ie „Bicinia" (Sern 
1553), in 2 ©tb. erfdjienen, luaren bisher nur burd) ein ©timmbud) in ber fgl. 
Sibliottjef ^u Sertin unb ber ©taatSbibliott)ef ^u 9Jtünd)en betannt, eS t)at fid) 
aber in ber UnibcrfitätSbibliotfjef ju ©öttingen baS 2. Sud) „Vox libera" ge= 
funben, merfroürbiger äßeife mit bem (Stempel ber ©taatSbibliottjef ju 9flünd)en. 
Südjer tjaben aud) itjre SebenSgefd)id)te. 'Dieben 8 2)uoS befinben fid) nod) 
2 ©efänge bom Bruder 9lpiariuS barin. Gnn toeltlidjeS bierftimmigeS Sieb 
„Juebt auff ben riegel Don ber ttjür" befinbet fid) in ©djöffer'S Sieberbud) bon 
1536 (fierje meine Sibliograpf)ie). 91 ob. Sitner. 

Samttttguä: Joannes 20. refp. Soljann SSanning , mit ber ©eburtS* 
ftabtbeaeidmung „Campensis". 2)iefeS SampenfiS rourbe biSt)er mit Kempten 
übeTfetjt unb etft $err SoerS in ben Bouwsteenen, 1. Jaarboek, madjt barauf 
aufmerffam , bafj bamit nur baS r)ottänbifd)e Rampen in ber ^ßvoöinj Dbertjffel 
gemeint fein fann. 2luS ben Sitein ber jDrudroerfe feiner ßompofitionen roiffen 
mir, bafj 2B. in ben 3af)"tt 1580 bis 1590 ^Jtufifbirector an ber 9Jtarienfird)e 
ju S)anjig mar, toie benn ber 9tame 2ß. in 2)anjig aud) fjeute nod) borfommt 
(fiet)e gJtonatStj. f. Wcufifgefd). IV, Seilage ©. 53). %m %. 1871 fudjte id) 
in ben .ßird)enbüd)ern 2)anjigS nad) irgenb einer 9lad)rid)t über it)n, bod) fein 
Sud) reid)te foroeit prüd. 2lud) ein gebrudter Seidjenfermon mar nid)t 3U 
finben. Gür gab nad) unferer heutigen Äenntnifj jtoei grofje 9Jlotettenfammlungen 
in ben $af)ren 1580, 1584 in üDreSben unb Nürnberg IjerauS, betitelt: „Sacrae 
cantiones 5—8 voeibus" unb „Sententiae insigniores 5 — 7 voeibus" ju 44 unb 
52 (Befangen. 2)er 9tame Söanning'S erflang bis nad) Italien unb Slngelo 
©arbano in Senebig brudte beibe Sammlungen 1590 in ©tb. nad). Sjemplave 
beiber 2luSgaben t)aben fid) reid)lid) auf unferen öffentlichen Sibtiotf)efen in 
9ftünd)en, Siegni^, @tbing, ©rimma, SreSlau, Raffet, Söbau, Königsberg, 3lugS= 
bürg unb anbern Orten ermatten. 5 Motetten gab id) 1878 in 2lmfterbam bei 
9tootf)aan auf Soften ber Maatschappij tot bevordering der Toonkunst in 
Amsterdam IjerauS. ©ie geigen 20. als einen tüd)tigen ßomponiften , ber im 
©eifte unb ber Sefjanblung ber £ed)nif beS 16. ^at)rt)unbertS ben erften ©rö^en 
gleid)fommt. ©eine ©timmfüt)rung ift meifterljaft; fie altein bitbete bamalS bie 
©runbpfeiler jeber SompofitionSart , benn eine ^armonieletjre fannte man nod) 
nid)t; bieS ifl erft eine Srrungenfd)aft beS 18. ^al)rt)unbertS. infolge ber ge= 
fd)idten contrapunftifdjen f^üljrung ber ©timmen gelangen fie aber ju 3lccorb= 
folgen unb Ktangtoirfungen , bie unS <^armonifer überrafd)en unb benen mir 
2le^nlid)cS ticrgebenS an bie ©eite ^u ftetlen fud)en. "St ob. Sitner. 

SÖaitÖlcbCH : Sojjann 5Jltd)ael 20. , auf bem £itel feiner fran^öfifdien 
unb italienifdjen ©d)riften SanSleb genannt, Drientatift unb 9leifenbcr, rourbe 
am 1. ftobember 1635 ju (Srfurt als ©ot)n beS lutl)erifd)en ^rebigerS Sforjann 



160 SBansleben. 

3B. geboten. 6r befudjte bie Sateinfdjule feiner 33aterftabt, erwarb fid) tjier 
eine tüdjtige ©runblage p^ifologtfdjer 23itbung, be<$og bann bie llniberfität 
Königsberg, um Geologie unb alte Sprayen ju ftubiren, würbe -"paullefn'er 
eineä jungen föbelmannei, liefe fid) bann al§ ©olbat anwerben, nafjm an einem 
getbjug nad) Jpottanb ttjeil unb fetjrte hierauf in bie <£>eimatb, jurüd. Salb 
nad) feiner föüdfefjr lernte er in ©ott)a ben berühmten £>rientaliften |)iob Su= 
bolf fennen, ber itjn in ba! ©tubium be! 2letljioüifdjen einführte unb all «g)ütfS= 
arbeiter bei feinen umfangreichen grammatifcrjen unb ter.tfograpt)ifdjen Söerfen 
üermenbete. £a3 erfte biefer SBerfe, ba! ßubolf ju beröffenttidjen wünfdjte, 
mar fein ättjiopifdie! SBörterbud). S)a er in üDeutfctjlanb feinen Verleger fanb, 
fdjitfte er SB. 1660 mit bem 9Jlanufcript nad) ßonbon, um eS f)ier brutfen ju 
laffen. 2B. führte ben Auftrag feine! 2et)rer3 nierjt ju beffen botler 3 u frieben» 
tjeit au8. @r gab jwar ba! SBerf unter bem £itel Jobi Ludolfi Lexicon 
aethiopico-latinum, nunc primum in lucem editum studio et cura J. M. Wans- 
lebii (ßonb. 1661, nidjt, wie gumagalli, Bibl. Aethiopica irrtfjümlid) angibt, 
1656) fjeraug, aber mit bielen f$fef)lern, bie öon nadjläffiger 2)urdjfid)t unb 
mangelhafter ßortectur aeugen, Weätjalb ßubolf fpäter felbft eine neue Sluägabe 
üeianftattete (fyrtf. 1699). SBärjrenb feine! Sonboner ^Aufenthalte! öertiefie fid) 
SB. aud) anberweit in ortentalifdje ©tubien unb tjalf namentlid) bem englifdjen 
5ßtjilologen ©bmunb (Saftetl bei ber Bearbeitung unb £)rudlegung feine! Lexicon 
heptaglotton. 2)ann fetjrte er nad) ü£)eutfd)tanb prüd, um einen feinen $ennt= 
niffen angemeffenen 2Birfung!frei! ju fucrjen. 2lll er tjörte, bafj ^erjog (hnft 
ber fromme bon ©ottja einen ©elefjrten für eine miffenfdjafttidje Steife nad) 
Slelljiopien fudjte , ftettte er ftd) it)tn jur Verfügung unb erljielt ben Auftrag, 
bon< 2legt)pten au! nad) SIbefftnien borjubringen , ben 3uftanb ber ätt)iopifd)en 
Äirdje ju unterfudjen, Wenn mögtid) bie bortige (Seifttidjfeit für bie Seljre 
£utrjer ; ! ;ju intereffiren unb enblid) einige bitbungSjätjige junge (Eingeborene 
mit nad) Stjüringen aurüdaubringen , bie tjier in ben ©runbfätjen be! eöangeti= 
fdjen Sf)riftentf)um! unterrichtet unb bann al! 9JUfftonare nad) itjrer |>eimatt) 
jjurücfgefenbet werben füllten. 2lm 15. Sfuni 1663 reifte er ab unb traf im 
Januar be! folgenben 3ar)re! glüdtid) in 2legt)&ten ein. Slnftatt aber fogleid) 
bie 9ieife nad) ©üben fortaufetjen , jog er in Unterägrjpten umtjer, tn'elt fid) 
längere 3 e it in 2lleranbrien unb ßairo auf, ergab fid) einem au!fd)Weifenben 
Sebenlwanbet unb öerbradjte bal ir)m anbertraute (Mb be! ^)erjog8 in leidjt» 
finniger äöeife. MerbingS fammelte er aud) foptifcr)e 23ücr)er unb fdjrieb eine 
Slnjatjt ab , bie er nid)t fäuflidj ertoerben tonnte. 211s er ficf) enblid) jur 
SBeiterreife entfd}toffen tjatte, überrebete itjn ber foptifctje ^ßatriarcr) 5)tattt)äu§ 
bon 3ltejanbiien , toetctjer bie Obertjerrfdjaft aud) über bie abeffhtifdje Äirdje 
beanfprudjte, toteber nad) Europa jurüdjufe^ren. 20. fanbte einen Beridjt über 
feine bisherige SCIjätigfeit an ben ^er^og unb fudjte fid) im günftigften Öidjte 
barauftelten , bodj öermocrjte er fid) nidjt öon bem 93erbad)te ju reinigen, ba^ 
er fein Steifegetb unnü^ bergeubet unb bie Aufträge feine! «Iperrn mifeadjtet tjabe. 
©ein ßetjrer <g)iob Subolf befdjulbigte itm miebertjolt ber Veruntreuung unb 
unfitttidjen 2eben!fü^rung , bodj oergatt ifjm ber unbantbare ©djüter biefe üble 
9tad}tebe fpäter reidjlid), inbem er itm ber 93ielmeiberei unb anberer fdjamlofer 
33ergetjungen anflagte. ^n ben erften £agen be! 3faf)re! 1665 fdjiffte fidj 2B. 
in Stteranbrien ein unb lanbete am 16. {Jfebruar ^ n ßiöorno. Slnftatt aber 
nad) 2)eutfd)lanb aurüdaufetjren , um Ijier feinem ^»errn perföntidj 9tedjenfdjaft 
abptegen, begab er fidj nad) 9tom, trat tjier jur tairjoüfdjen Äirdje über unb 
naljm im folgenben 3af)re ba§ DrbenÜleib ber Dominicaner. 6r fe^te in 3tom 
feine ätt)iopifd)en ©tubien fort, üerfefjrte öiel mit bem großen beutfdjen ^efuiten 
Sltljanafiu! Äirdjer, fanb aber fonft meber Slnerfennung nodj gfaberung unb be= 



SD3ati5lc6en. 161 

gab fich beäljalb 1670 nach, ^ari§. |>iet gab er einen „Conspectus operum 
aethiopicorum , quae ad excudendum parata habet J. M. Wanslebius" Oßariä 
1671) Ijeraug unb erregte baburch bie Aufmerffamfeit be§ 5)Unifier§ Solbert, ber 
ihn beauftragte, nach Aegrjpten ju reifen, um hier für bie fönigliche Sibtiotbef 
orientalifche -gmnbfchriften zu ermerben. 28. fub,r am 20. s ücai 1671 öon 9Jcar= 
feilte nach Sorten, hjelt fid) mehrere 2Bochen in Sriöoti, Aleppo , 25ama3fuS 
unb Sibon auf, fegelte barauf nadj üDamiette, öeröotlftänbigte hier feine 9teife= 
au§rüftung unb begab fich bann nach Äairo. ^)ier befuchte er bie Indien unb 
Ätöfier ber einzelnen djrtfttidjen Secten, namentlich ber Gopten, toohnte beren 
©otteäbienften unb J?irchenfeften bei, beobachtete ihre retigiöfen Zeremonien unb 
bemühte fich , iljre (Blaubenölefrren unb bie ©efdjtdjte it)rer Kirche auf bai ge= 
nauefte zu erforfchen. S)ann burchjog er bie nähere unb roeitere Umgebung ber 
Stabt, brang bis in bie nitrifche äöüfte öor, unterfuchte überall bie altchrifiticften 
(Sräberfelber unb (Sinfiebeleien , fammelte ^nfchriften unb s JJcanufcripte unb er* 
lernte bie Sprache ber Gopten. 3m grühjahr 1673 trat er eine Steife nadj 
Cberägtjpten an. 6r fuhr in Begleitung eines chriftlichen nubifdjcn Sflaöen 
nilauiraärtä bi» zu ben Ruinen öon -tfjeben, befidjtigte eingeljenb bie großartigen 
5£rümmerfelber öon $arnaf, Suffor unb Iftebinet £>abu, unternahm einen längeren 
Ausflug in bie tljebaifcbe 2Büfte mit irjren Sinfieblergrotten unb ^)öhlengräbem 
unb begab fich bann zu Schiffe nach SRofette. 33on hier au§ fchicfte er eine 
Senbung öon 334 arabifchen , türtifchen unb perftfchcn .£>anbfd)riften an bie 
fönigliche Bibtiothef nach $aris\ @r roäre gern nod) längere geit in Aegrjpten 
geblieben unb big nach. Abeffinien öorgebrungen, boch fab, er fich überall in 
feinen Unternehmungen gehemmt, roetl ihn bie Beworben für einen franzöfifdjeii 
Äunbfchafter hielten unb bie Eingeborenen allerorten an feinem auSfchroeifcnben 
Sebenäroanbel, namentlich an feinem |>ange zur Srunffudjt Anftoß nahmen unb 
iljn beätjalb mit £mß öerfolgten. dir befctjloß barum, nach (konftantinopel zu 
getjen, hier burcb Vermittlung bei franzöfifchen ©efanbten öom Sultan einen 
*ßaß z ut ungehjnberten ftortfetjung feiner Steife nach Aethiopien auäjutoirfen unb 
bann nach Aegtjpten zurüctzufehren. ^m grühjahr 1674 fegelte er öon Stofette 
ah, erlitt aber unterroegS Schiffbruch unb traf in fehr heruntergefommenem 3u= 
ftanbe in (Sonftantinopel ein. 35a er hier fein roüfte§ Sehen foctfetjte, fanb er 
öon Seiten ber franzöfifdjen Golonte tocnig (Sntgegenfommen unb mußte fich 
troh feiner SSerbinbungen mit ßolbert aU Abenteurer behanbetn laffen. @nbe 
1675 mar er enblid) mit feinen Vorbereitungen zu ber geplanten äthiopifchen 
Steife fertig, boch bemühte er fich öergeblich, einen >}}aß zu erhalten, unb ba 
unterbeffen auct) ©erüchte öon feiner fdjfedjten Aufführung nach $ari§ gebrungen 
toaren, rief ihn Gotbert zurütf. 3m gfühjahr 1676 begab er ftch jur See nach 
ftranfreicb, ba er aber auch t)ier feinen fctjlimmen Seibenfchaften feine 3^get 
anlegte, tourbe er öon bem DJiinifter fefjr ungnäbig betjanbelt unb erhielt meber 
eine Belohnung für feine Berbienfie, noch bie nöthjgen ©eiber aur Beröffent* 
lichung feiner äthiopifchen Sßerfe. £iefgefränft unb in großer 2lrmuth lebte er 
nun ttjeilä in $ari3, ttjeitg in öerfchiebenen Drten ber Umgebung, ©egen @nbe 
bei Jahres 1678 erhielt er enblich ein geiftticheS Amt al§ Bicar ju Bouroit 
bei gontainebleau, aber bereite am 12. %uni 1679 ettag er hier im Alter öon 
43 Rohren ben folgen feiner Au§fchtoeifungen. @r mar ein Sttann öon be= 
beutenben ©eifteögaben unb auibauernber Arbeitsfraft unb hätte in georbneten 
3Jert)ältniffen toahrhaft ©roßeä leiften fönnen, boch zerrütteten feine Seibenfchaften, 
namentlich fein ^>ang jur Jrunffucht feinen Körper, fobaß er in feinem fpäteren 
Sehen nirgenbö bie geh,offte Anerfennung unb Unterftü^ung fanb, fonberu überall 
auf Mißtrauen unb ßätte ftieß unb barum an fid) felbft unb an feiner roiffen* 
fc^aftlichen SebenSaufgabe öer^roeifelte. 

«üflem. beuifc^e »ioflroHie. XU. 11 



162 Sßappäui. 

Sin noch, borljanbenen SBerfen bjnterliefj er ben fcbon ermahnten hanb= 
fd)riftlid)en 23erict)t an ben ^erjog (Jrnft über feine erfte Steife , ber fich gegen* 
roärtig auf ber Söibliottjef in ©ottja befinbet (Cod. chart. fol. 101), ferner 
einen italienifchen Slusjug au§ biefem Bericht : „Relazione dello stato presente 
deir Egitto" (Parigi 1671), bann ein franjöfifcbeS äöerf über feine atoette Steife : 
,,Nouvelle relation en forme de Journal d'un voyage fait en Egypte par le 
P. Vansleb R D. en 1672 & 1673" 0ßati3 1677; 1698, auch englifch Sonbon 
1678), enbtict) eine merthbotle 33efchreibung ber fobtifdjen Äirche in Slegtjpten: 
„Histoire de l'öglise d'Alexandrie , fondöe par S. Marc, que nous appellons 
celle des Jacobites-Coptes d'Egypte, öcrite au Caire möme en 1672 et 1673" 
(ißartS 1677). 9tach feinem £obe erfchien unter feinem tarnen: „A brief 
account of the rebellions and bloodshed occasioned by the antichristians prac- 
tises of the Jesuites and other popish emissaries in the Empire of Ethiopia" 
(Bonbon 1679). Db biefe ©cfjrift roirflich bon ihm herrührt, ift ungeroifj. 
2)a3 bebeutenbfte 2ßerf äBanäleben'S ift feine „Nouvelle relation". @ä enthält 
nid^t nur eine bortrefflidje , auf genauen eigenen Beobachtungen betufienbe 
Schilberung 2legrjpten§, feiner 33eroobner unb ber roicbtigfien bort borfommenben 
üttjiere unb $flan<jen , fonbern auch roerthbolle 9cachricbjen über bie cferiftlicben 
Slltertbjümer bei 8anbe§. 2lud} bie ©chrift über bie alejanbrinifche ihrche ift 
eine grudjt eingebenber geroiffent)after ©tubien. ©ie enthält ausführliche 2ln= 
gaben über bie ©laubenSlehren unb (Zeremonien ber foptifdEjen Strebe, foroie ein 
Serjeicbni^ gelehrter Gopten unb ihrer SBerfe. 

Locher 4, 1812. — »Jticeron, Memoires («Paris 1734) 26, 7—17. — 
Grjprian, Bibl. Gothana 64. — Socterabt, De J. M. Wanslebio ®otha 1708. 

SJiftor £anfefch. 
üBaMältS: Johann Sbuarb SB., Ijerborragenber ©eograpb unb natu* 
hafter ©tatiftifer, rourbe am 17. Mai 1812 all ber britte ©otjn beg roobl- 
babenben ßauünannS unb 9tbeber§ (Seorg «£>einrich 2ß. (f 1836) unb beffen 
Ehefrau 2lnna ©optjie, geb. ^otft, in Hamburg geboren unb erhielt f)ier in einer 
■»ßribatfcbule unb in ben oberen Stoffen be§ ^otjanneumä f?ine SBorbilbung. 5lue 
Stücffictjt auf feine garte ©efunbfceit fich ber ßanbtoirtbfchaft mibmenb , befugte 
er eine geitlang bie öon 2llbred)t b. £haer geleitete tanbroittbfcbaftlicbe ßehr-- 
anftalt ju Möglin (bei granffutt a. b. £).), rourbe hier aber bureb feinen ßebrer 
$örte für bie ^aturroiffenfchaften gewonnen unb fefete beebalb nach einer über= 
ftanbenen fehroeren ßungenentjünbung Oftern 1831 ba§ ©tubium berfelben auf 
ber llniberfität ©öttingen, namentlich unter bem Mineralogen «g>au§mann, fort. 
Mit bem juleht genannten ©elehrten blieb 20. bahn at§ beffen nachmaliger 
©chroiegerfolm unb tloüege ein Menfchenalter in engfter SSerbinbung. S3on 
Oftern 1832 finben mir 2GÖ. an ber Berliner llniberfität immatricutirt, reo Äarl 
Stifter, bei bem er burch £>au§mann eingeführt roar, bon großem (Jinflufj für 
bie Stiftung feiner ©tubien mürbe. 2öie lange 20. in Berlin blieb, ift nicht 
genau feft^uftellen ; infolge feines SungenteibenS maren feine Uniöerfitätlftubien 
toahrfcheinlicb, öfter unterbrochen. Bon Oftern 1835 bi§ Michaelis 1836 ift 
SB. roieber in ©öttingen immatriculirt, roo er im <§erbft 1836 mit einer Ziffer» 
tation „De Oceani fluminibus" promobirte. $n biefe ©tubienjeit fällt fefjr 
roahrfcheintich (bielfach mirb bie $eit bom Sfuni 1833 bi§ ^uü 1834 angegeben, 
boef) lauten bie eingaben berfch^ieben) auch, bie grofje Steife in bie SEropen, bie 
SCß. auf ärjtlicb^en Statb^ auf einem ©d^iffe feines SBatcrS unternahm unb bie ü)n 
nac^ ben ßapbcrbifdjen unfein unb S3rafilien füfjrte unb bie itjm äugteiel) bie 
günftige ©elegenfjeit bot , feine geograprjifdje 2lnfc^auung unb namentlid) auch, 
feine bortugiefifchen unb fpanifchen ©prachfenntniffe, bie ibm bei feinen fpäteren 
Sirbetten fo febr gu ftatten famen, gu erroeitern. 9tach feiner Promotion pribati= 



Söappäuä. 163 

fixte et in Hamburg, Sonn (too ©. 33. >DtenbelSfot)n , ein ©djüler 9titter'S 
lehrte) unb $ariS unb ^abilttittc fid) bann i. 3. 1838 als ^rioatbocent für 
©eograptn'e an ber ®eorgia=Augufta=llnibetfität ©öttingen, bet er bann 41 ^atjre 
ununterbrochen angehört tjat unb ^mar fett 1845 als aufjerorbentlidjer, feit 1854 
atS orbentlidjer ^tofeffor ffit ©eogtaptjie unb ©tatiftif. ©eine 93orlefungen, bie 
burd) oielfad^eS Äranffein oft unterbrochen maren, erftredten fid) auf geograpf)ifd)em 
©ebiete faft nur auf „Allgemeine Grtbfunbe" unb „©eograptne bon Amerifa", auf 
ftattftifdjem auf „Allgemeine ©tatiftif", 23eoölferung§ftatiftif unb ©tatiftif einjetnet 
eutopäifcrjet Sänber, befonberS beS $önigreid)§ -Ipannober. %m legten ^atjrje^nt 
waren „©inteitung m baS ©tubium ber allgemeinen ©rbfunbe" unb „(Einleitung 
in baS ©tubium ber ©tatiftif" feine beiben getöötjnltcrjen 23ortefungen. AIS 
afabemifctjer Serjrer b,atte 2B. faft roäljrenb feiner ganzen ßer)rtl)ätigfeit 
unter ber ©eringfdjätmng ber ©eograptjie, namentlich als UnterridjtSfad) 
in beu t)ör)eren ©dmlen, j$u leiben. 9Jlet)r als burd) baS Söort t)at 20. 
beSbalb burd) feine gelehrten geograp^ifd^en unb ftatiftifdjen ©Triften getoirft. 
©eine erften arbeiten, fo bie „Unterjudmngen über bie geograpb,ifd)en (Sntbedungen 
ber 5ßoriugiefen unter .g>einricr) bem ©eefafjrer" (©öttingen 1842), feine 1843 
begonnene ^ublication „S)ie föepublifen ©übamerifaS geogtaprjifd) unb ftatiftifdj" 
(1. Abt. ißenejuela, ©öttingen 1843) ftnb 33ruc^ftücEe geblieben; aud) bon feinen 
„^Beiträge jur ^unbe bon ©übamerifa", bie als ^ortfetjung feiner ©cr)rift über 
„SJeutfdje AuStoanberung unb JMonifation" (Seipjig 1846) erfdjienen, fam nur 
|)eft I (S)ie ^robinjen beS 9tio be la ^.Uata, Seidig 1848) IjerauS; bod} ge= 
büt)rt ibm baS 23erbienft , petft baS füblidje Ametifa als ein für bie beutfdje 
AuStoanberung im fjöctjften ©rabe geeignetes (Bebtet roiffenfdjaittid) begrünbet 
unb nad)t)altig empfohlen ju b,aben. ©päter tourbe 2B. benn aud) lange 3eit 
baS Gonfutat für Stjtte unb Argentinien übertragen. 

2)aS tjerborragenbfte 2Berf bon 20. auf geograptjifcfjem ©ebiete ift feine 
neue (fiebente) Auflage bei ©tein^örfctjelmann'fdtjen „§anbbuctj§ ber ©eograptjie 
unb ©tatiftif für bie gebilbeten ©tänbe" (Seibjig, ^intictjS'fdje SSerlagSbud)» 
rjanblung, 6. Auflage 1834 bon ^örfdjelmann), für baS er bie ©efammtrebaction 
unb bie Abfaffung einzelner Abteilungen Bereits im $. 1847 übernahm, beffen 
Aufgabe aud) im 3uli 1849 begann, beffen ©cfjtufjtieferung aber erft 1871 er= 
fdjien. SDiefe monumentale geograptjtfcrje Snctjclopäbie , ^etm 33änbe (nad) ber 
SSntjattSbeaetdmung 4 23änbe in 11 Abteilungen) umjaffenb, bereinigt freilieb, in 
einer ber tjeutigen Auffaffung bom miffenfctjaf Hieben fitmrafter ber (Stbfunbe 
roiberftrebenben Söeife auS ©rünben ber ^roetfmä^igfeit ©eogtaptjie unb ©tatiftif, 
trotjbem aber roirb fie toegen ber aufjerovbentttd) grünblidjen 53enutmng cineS für 
mand)e Sänber großartig teidjen QueltenmaterialS bauernben SBertt) behalten. 
S)ie roertfjbollften Stjeile biefeS geograpt)ifd)en .!panbbud)3 bilben bie bon 20. 
felbft bearbeiteten brei ftarfen 33änbe über Amerifa: 5lorbamerifa erfdjien 1855, 
6entral= unb ©übamerifa nebft ^ßatagonien 1858—71 unb SBrafitten 1871. 
AIS ein eifriger Vertreter ber 3fbeen feines großen ßeljrerS ^arl bitter befunbet 
ficr) SB. faft auSfdjtiejjlid) in ben jarjltcictjen 9fiecenfionen # bie er für bie ,,©öt= 
tinger (Seletjrten Anzeigen", beren Sebacteur er bom ^uni 1848 bis April 1863 
unb bon 2Jtttte 1874 bis ^u feinem Stöbe mar, fdjrteb. |)ier tjat er bei ber 
Anzeige unb 33efpredjung toidjtiger @rfd)einungen auf bem ©ebiete ber roiffen= 
fd)aftlid)en ©eograptjie unb befonberS ber befferen geograpljtfcrjen ^eb,rbüd)er oft 
unb gern ©elegenljeit genommen, feine Anftd^ten über bie 3^ wnb s 3Jletb^obe 
ber giitter'fdjen ©d)ule in langen Anmerfungen ober in ber ^orm bon Ab= 
fd)roeijungen barjulegen. SBefonberS roictjtig ift in biefer 33eaief)ung bie fritifetje 
Anzeige ber 3. Auflage bon ^ermann Dberlänber'S „©et geograp^ifdje Unterricht" 
(.©ötting. gel. Anj. , ©t. 27, 1879), bie er felbft gclegentlid) als fein ©elbft= 

11* 



164 Söappäuä. 

befenntnijj unb roiffenfd)aTtlid)e§ £eftament be^eidmet Ijat. 9tur einige SluSjprüdje 
mögen feine Sluffajfung bon bet ©eograptjie t)ier djarafterifiren. %m ©tuet 27 
bet ©ött. gel. Slnj. 1879 fdjreibt er: „SEie (hboberflädje nad) ifjrer Konfiguration 
unb 3?obenplaftif, nad) ben Sßer^ältnifjen bee heften unb ftlüjfigen au ^ betreiben 
unb in iljrem $ert)ältniffe jur Statur unb ©efd)id)te ju erforfdjen unb pr 9ln= 
fdjauung p bringen , ba§ ift bie eigentliche 2luigabe ber rDiffenfd)ajtlid)en 6rb= 
funbc". — ©ötting. gel. Slna-, ©t. 27, 1875, erflärt er: „^olitifd^e ©eograprjie 
ift eine 33erbinbung ber ©eograpbje mit ©tatiftif p einem nidjt eigentlich 
roiffenfdjaftlicrjen , fonbem gan^ übertoiegenb praftifetjen Qtot&e, nämlid) jur be» 
quemen Seleljrung über bie 9Jcerfroürbigfeiten ber Perfd)iebenen ©taaten auf geo* 
grapt)ifd)er ©runblage, toie fie baS äBebürjnifj be§ prafttfdjen Sebenä für jeben 
©ebitbeten erjorbert. 5£>iefe £)i§ciplin tjat nid)t mel)r 91nfprüd)e auf ben Ütang 
einer Sßiffenfdjaft aU bie ßitteratur ber Üteifet)anbbüct)er". 2ln bemjelben Drt 
{JB. 860) Reifet e§ roeiter: „S)ie ©eograplrie foll nur tt)atfäd)lid)e 33erf)ättniffe 
in§ Sluge faffen unb barftellen; barin, bajj bie ©eograpljie fid) öon <£>r;potf)efen 
jernfjält, ift roefentlid) ba§ ©eroidjt geograpljifdjer ße|ren unb ©efetje begrünbet. 
2)eät)aib t)at bie (hbfunbe e§ aud) nur p tfjun mit ben realen, factifdj be= 
ftefjenben S3errjältniffen ber (hboberflädje; b. t). für bie (hbfunbe ift ber Anfang 
erft gegeben mit ber gegenwärtigen, pr SBeroorjnbarfeit für bie $Renfdjen fertigen 
unb für bie £f)ätigfeit ber 9Jtenjd)en öorbereiteten 6rbe. SDenn für bie (hbfunbe 
getoinnt bie ^Betrachtung ber (hboberflädje itjre öotte SBebeutung erft um beä 
menfd)lid)en ©efidjtäpunfteä wegen". 

S£)em Umftanbe, bafj 2ö. burdj ben Sößunfdj ber rjannoberfdjen Regierung, 
©tatiftif bes Königreichs Jpannober gelefen p fet)en , aud) fid) ber fo bieliadj 
mit ber ©eograprjie bcrüljrenben ©tatiftif proanbte, üerbanft biefe äßiffenfdjaft, 
bie einft in ©öttingen p 2ld)enroalT§ SeiUn itjre Söiege rjatte, ba§ borpglidje 
Söerf „23orlefungen über allgemeine 33ebölferungßftatiftif" (ßeipjig, 23b. I, 1859, 
23b. II, 1861), baS nidjt nur wegen feines reichen wiffenfcrjaftlidjen ^riljalig, 
fonbern aud) roegen ber anfpredjenben 3lnorbnung be§ ©toffeS unb ber Haren 
Darlegung ber biötjer geroonnenen ©efeije allgemeine Slnerfennung unter ben 
Fachmännern fanb. Sm Sluftrage ber Ijannoöerfdjen Regierung naljm 2B. aud) 
an ben 2)erfammlungen ber internationalen ftatiftiferjen ßongreffe 3u $ari3 (1853), 
ju 2Bien (1857), ju Sonbon (1860) unb «Berlin (1863) ttjeit unb erwarb fid) 
burd) feine perfönlidje ßiebenetoütbigfeit unter ben ftadigenoffen aarjlreidje 5"unbe. 
^n ber Sluffaffung ber ©tatiftif tjielt er an bem 2ld)entoaE ; fd)en begriff berfclben 
feft. gut eine SBiograpljie biefeä 93egrünber§ ber ©tatiftif fammelte er fdjon 
feit Dielen Sötten Material, fam aber leiber nidjt mel)r pr Slu^arbeitung beS 
93ud)e§, roeldjeS ifjm ein Sieblingögebanfe geroorben roar. ©eine öfter getjaltene 
33otlefung „Einleitung in baö ©tubium ber ©tatiftif" rourbe nad) feinem 2obe 
öon £). ©anbil (Seip^ig 1881) tjerauägegeben. 

©o milbe unb lieben§tt)ürbig 2B. in feinem perfönlidjen SSerfeljr mar, fo 
unbeugfam mar er in feinen politifd)cn 2lnfdjauungen : er roar ein ©egner ber 
neuen ©eftalt, in roetdjer ba% beutjd)e 9hid) roieber erftanben ift unb er ftarb 
al§ ein treu ergebener 2lnr)änger beS rjannoDerjd)en König8f)aufeS. 

2lm 12. 2)ecember 1879 erfranfte 2B. an feinem oft im SBinter roieber= 
fefjienben Sungenteiben unb erlag bemfclben nad) toenigen Sagen, am 16. SDe= 
cember 1879. 33i§ in fein 9llter in inniger 33erer)rung unb tiefer ^ietät feinen 
beiben einftigen ßetjrern antjängenb, tjatte er nod) fur^e ^eit öor feinem 2obe 
jum ljunbertjäljrigen ©eburtStage Karl Ülitter'g beffen Söriefroedjfel mit 3otj. 
grieb. Subto. J^augmann (ßeipjig 1879) fjerausigegeben. 

2ß. mar aroei 5Jial oext)etratt)et , juerft mit 9)largaretrje, geb. 2öel)ner auS 
|>annoDer (f 1844), au§ meldjer 6t)e ber einzige ©ofjn Dr. med. @. ^. 2Bap= 



äBappler — Söarbecf. 165 

päu3 (t 1893) ju Hamburg ftammte; Jobann feit 1847 mit ber Softer beä 
Mineralogen |>au§tnann, meld)e im gdoi'uar 1859 ftarb. 

3or)ann Sbuarb 2Bappau3. 93on ^ßrofeffor .£ertn. Söagner in $eter= 
mann'3 Zuleitungen, 26. 33b. , 1880. — 3. @. äöaööduS. @in biogra= 
pt)ifd)er Dtefrolog öon Dr. Otto ©rofj in ben Witt, ber f. f. geogr. ®ef. ju 
2öicn 1880. — ^otjann (Sbuarb 2Bappäu§ öon Dr. 91. gider in ber 3Jßiener 
©tatiftifdjen Zonatäfdjrift , VI. Mrg. 1880. — Ättrjere ftadjrufe in ben 
9lad)rid)ten Don ber f. ©ef. ber äßiffenfd). unb ber ©eorg 2Iuguft3=Uniöerfität 
ju ©öttingen, 1880, ©. 203—204, unb in ber SDeutfdjen Siunbfdmu f. ©eogr. 
u. ©tattfiif, II. Safrrg. 1880, mit Porträt. — Stufjer biegen bienten brtefltäje 
Zuteilungen beS 23ruber3 be§ 93erftorbenen al§ ©runblage. 

20. äöolEentjauer. 
3S5o^4Jlcr: SInton 28. , fattjolifcrjer Geologe , geboren 1823 p üEtjaja, 
t am 12. Stuguft 1887 p SBien. (5r mürbe 1845 ^riefter unb 9teIigionsIefjrer 
an ber 2Biebener Oberrealfdjute ju 32ßien, 1848 ^Jrofeffor ber $ird)engefdi)id)te 
an ber bortigen Uniüerfität, fpäter $anonifu§ an St. (Stefan. @r rjat mehrere 
9tetigion§büd)er fftt Zittelfdjulen t»etöffentttd)t : „ß'atrjotifdje 9tetigion#ler)re für 
^öl)cre Se^ranftatten" (1853, 5. Stuft. 1870); „Seljrbud) ber fatt). Religion 
mr bie oberen ßlaffen ber ©vjthnafien" (1869, 3 53änbe); ,,©efd)id)te ber gött= 
ticken Offenbarung, jum ©ebraud) an Uuterreatfcfjulen" (1863, 2. Stuft. 1868); 
„guttut ber fatt). föircrje, 3um ©ebraud) an Untergrjmnafien unb Untetrealfdjulen" 
(1864); ,,©efd)id)te ber fatt). $irdje, Sefjrbud) für Dbergrjmnafien unb £)ber= 
reatfdmten" (1864, 2. Stuft. 1871). 

Sit. #anbmeifer 1868, 104; 1871, 425. fteufd). 

Scrbcrf: 93eit 20., ber Ueberfetjer ber ©djönen Zagetone, ift um 1490 
ju ©djmäbifd) ©münb geboren, ©ein 33ater, ber angefetiene 93ürger ü£t)oma8 
2B., ben Äaifer [yriebridj III. burd) 33erteit)ung eines SöappenS etjrte, beftimmte 
itjn at8 jüngeren ©ofjn für bie biplomatifdje ßaufbatjn unb fanbte ü)n auf bie 
Uniüerfität 5ßari#, too er 1508 pm Zagifter ber freien fünfte promoüirt mürbe. 
Seine .ftenntnifj ber fran3öfifcr)en ©pradje empfatjt itjn, nacrjbem er ftdj 1514 
nad) SBittenberg begeben tjatte , bei bem Äurfürften ^rtebrid) bem SÖeifen , ber 
itjn als ©ecretär an feinen &of 30g , auf feinen Reifen mitnafjm unb ju üer= 
trautietjen ©enbungen benutzte. ©0 motmte er 1519 in ßeipjig ber SDiSputation 
feines innig üeretjrten ßetjrerS Sutfjer mit Sc! bei unb faf) 1521 ßuttjer'S @in= 
pg in 2BormS mit an. Zit feinem f5 r cunbe ©patatin pflog er in biefen i3at)ren 
einen intimen 93riefmed)fel. ©eit 1522 lebte er ju SEßeimar atS ,£>ofgeifilid)er 
(er fjatte 1519 bie Söeitjen empfangen) beS ^rin^en ^otjann unb untermieS aucr) 
beffen ©ofjn , ben fpäteren $urfürften ^ot)flnn ^riebricrj , in ber franjöfifct)en 
©pradje. 9tl8 biefer 1532 jur Stegierung fam, machte er feinen früheren «g>of= 
meifter jum 93icefanjler. SDocrj ftarb 2B. .fdjon am 4. ^unt 1534 3U 2orgau. 
@r tjintertie^ au8 feiner 6b,e mit UInna ö. |>acfen ^mei ©ötjne unb eine ^orfjter 
9Inna, bie 1554 ßutt)er'§ ©or^n *paul r)eiratf)ete. 

2Öarbect ; § einzige litterarifcf)e ßeiftung ift bie 23erbeutfdjung be8 fran^öfifetjen 
9toman§ öon $eter öon ber ^roöence unb ber frfjönen Zagetone, bie er 1527 
bem ßurprinjen $otjann ^riebrid) p feiner 3>ermät)tung mibmete, bie aber erft 
©patatin nact) feinem 2obe jum 2)rude befbrberte (Augsburg 1535). @r tjatte 
bamit unter ben franaöfifdjen 9titterromanen , für bie bamalä am furfäd)fifd)en 
£>oie ein entfdjiebeneg ^ntereffe t)errfd)te, eine gute Söarjl getroffen; benn öor 
anbern aeidmet ftd) biefe ©rjätjtung, bie ben au§ 2aufenb unb einer 9lad)t be= 
fannten ©toff öon ber Trennung eines mit einanber ftüdjtenben ßiebegpaare« unb 
feiner munberbaren 2Bieberöereinigung an ben lüften bc?s ZittetmeereS tocatifirt, 
burd) bie jarte Stnmutb, ber S)arftettung unb bie 93ermeibung attei ©djroutfte« 



166 SBarbcnberg. 

unb aller <£ffecit)afdjerei auS. 2)aS S3erfa£)ten beg UeberfefcerS vermögen toir ge= 
nau ju öerfolgen, ba aufcer SBatbcd'S eigener ^ianbfd£)rift audj baS öon itjm be* 
nutjte (Sjemplar beS franaöfifdjen Originals, ein 3terlid)er ^etgamentcobey mit 
einer (öermutljlid) Don 20. felbft rjerrütjrenben) tateinifdjen iSnterlinearöerfion auf 
un§ gefommen ift. 3JB. t)at fid) alfo gleich bem Pfaffen i?onrab, ber bierljunbert 
$at)re öortjer baS 9lolanbStieb juerft inS Sateinifdje unb barauS in beutle 
^unge übertrug, einer toortgetreuen latetnifdtien Ueberfc^ung, ber aud) gramma= 
tifdje Erläuterungen beigefügt ftnb, als ^ülfemittel bebient. (Jr übevfetjt ge= 
toiffenljaft , otjne in SBorttoaljl unb 9IuSbrutf je unbeutfd) p toerben. 5Durd) 
fleine 8ufätee öerbeutlidjt er bie ©eelenftimmung ber tjanbetnben ^perjon ober 
madit bie Situation anfdjaulidjer. Eine Slnnärjerung an baS beutfdje 9titteribeal 
ift eS, toenn er an ^eter bon Sßroöence bie „3ud)t" l)eröorr)ebt unb au§ feinen 
grünlidjen 2lugen unb röttjlidjen paaren „freuntlidje äugen unb gel Ijar als golt" 
madjt. 2llS entfdjiebener ^ßroteftant ftreidjt er confequent alle ©puren ber 
^eitigentierefjrung, alfo bie ©ebete ju 5ßetruS unb 90taria, wie er aud) catholique 
ftetS buret) „djriftlidj" toiebergibt. äöarbed'S 33erbeutfd)ungSarbeit gewann rafet) 
eine grofje Verbreitung , unb jtoar nidjt nur in 2)eutfd)lanb , too JpanS ©ad)S 
fie breimal bidjterifd) geftaltete unb ßubtoig Stieß fie 1796 einer jjart empfun* 
benen 9Jlobernifirung unterzog , fonbern aud) im 2IuSlanbe. 2IuS einer nieber* 
beutfdjen Uebertragung ging baS bänifdje 33olfSbud) tjeiöor, baS in i^Stanb unb 
©djtoeben nadjgeatjmt tourbe; auf bem tjodjbeutfdjen Stejte fujjt bie böJ>mifd)e 
Ueberfe^ung, auS ber eine polnifdje unb eine rujfifdje floffen. 

Sie fdjöne 9Jcagelone, auS bem granäöfifdjen überfetjt öon 33ett äöar&ecf 
1527. 9lad) ber Originalrjanbfdjrift tjerauSgegeben öon $• SSolte, SBeiinar 
1894. % 35 ölte. 

Savbcilbcrg: gutfelb 20. , 2lbmimftrator beS 23iStrmmS ©djtoerin, 
ftammte auS einer angesehenen ©tralfunber ^atrtciexfamilte , toeldje, gemein* 
fdjaftlid) mit ben Familien öon Sitten uno £>ot)er, einen Slblerflüget mit 
einer $laue unb einem barübergelegten gefdjadjteten SSatfen, im Söappen fütjrt, 
unb mar ber ©orjn beS ©tralfunber 33ürgermeifterS Henning SB. , welcher , feit 
1482 in ben 9tatt) getoätjlt, im $. 1505 ftarb. ©einen Vornamen empfing er 
roatjrfd)einlid) öon einem 5)iitgliebe ber gamilie ö. ^utptjen, beren SBappenemblem 
anfctjeinenb ebenfalls auf bie SEßarbenbergS öererbt mürbe. Von feiner Butter 
s JJcargaretf)a er^lt SBeffet (f. b. 51.), bafj fie an ber ^rebigt eineS (Seiftlidjen 
9lnftofe genommen unb bie ®irdje öertajfen f)abe. S)efjenungead)tet blieb i|r 
©o^n 3 ul tdb ein eifriger Stntjänger ber römifcrj=fattjolifdjen ^irdje, in toeldjer 
er öermöge feiner ^eröorragenben 33cgabung batb ju ijo^en SBürben gelangte. 
33on feinen UniöerfitätSftubien al§ IJtagifter unb S)octor beö tanonifdjen föedjtfc 
prüdgefe^rt , errjielt er balb barauf bie SSürben eineö S)ecan§ bei ben SDomen 
ju (Süfirom unb ©cljtoerin, eines ^ropfteg -ju SSü^om unb eineS 3lrcl)ibiafon8 ju 
9loftocE, unb tourbe bann, als man ben bisherigen Vertreter 9JtecflenburgS beim 
Zapfte, ^ßetet Söolfoto (1508) jum S3ijd)of öon ©crjtoerin ernannte, nad) fur^em 
Vertoeilen auf ber ©reifStoalber llniöerfität (1509), nadj ütom gefanbt, too er 
baS 2lmt eines päpftlidjen ^ßrotonotarS unb (SapeUanS empfing. |)ier fütjrte er 
nid)t nur für bie mecflenburgifdjen ^erjoge, fonbern aud) für ben $aifer ^Jtaji» 
milian I. mehrere midjtige ^roceffe, u. a. in ben Slngelegentjeiten beS 3o^anniter= 
orbenS unb beS ©tralfunber 33rigitten!lofterS , zeigte babei aber eine fo grofee 
^arteilidjfeit gegen ben 33ifd)of äöolfoto, bafj man ben Xob beS tetjteren (1516) 
burd) bie öon SB. tjcrbeigefütjrteu Slergemiffe befdjteunigt glaubte. Sßiefer 33er= 
bad)t erfdjien um fo begrünbeter, als 3B. toenn aud) nidjt nominett, fo bod) 
factifd) beffen 5(lad)folger tourbe. S)a nämlidj Jper^og ^»einridj, anfdjeinenb burdj 
SBarbenberg'S ©influfe in 9tom, eS erreicht r)atte, feinem fiebeniätjrigen ©otjne 



SBarbenburg. 167 

2Jtagnu§ bie bifcfeöflicfee SBütbe äu^umenben, whfte 20. feit 1516 als beffen 
Slbminifttatot , unb betbanb bamit jugleicfe baS 2lmt eines SltcbibiafonuS bon 
StibfeeS unb bifcfeöfticfcen OfftctatS, wobei et feinen 2öot)nfib in ©ttalfunb nafjm. 
3n biefer ©tetlung ertaubte et ficfe aafelreicfee, öon feinem Sßorgänger 9tonnegatme 
(f. 31. 2). 33. XXIX, 136) betmiebene llebergtiffe bet geiftlicfeen ©ericbtSbatfeit, unb 
ettegte baburcb nicfct nut beim tRat^ , fonbern aucb bei ben SBütgern Wegen bet 
£öt)e bet ©trafgebütjren einen erbitterten £)aJ3. infolge befjen belegte bet ftattj 
im bänifcfeen Stiege (1522) bie ©eiftlicfefeit gleichfalls mit Ijöfeeren Steuern, unb 
bebrotjte fie im SBeigetungSfatle mit fettetet ©träfe, liefet ju entgegen, f!ot> 
2B. fowie bet Gbetpfatttjert Jpipp. ©teinWefrt (f. 21. ®. 3*. XXXVI, 25) unb beffen 
$ice*^teban Dr. Otto auS bet ©tabt unb fefjtte nac& 9tom autütf, öon Wo et, 
mit -gmlfe be§ .^er^ogS bon 9Jcedlenbutg , ©enugtfjuung gegen ©ttalfunb, foroie 
bie 93efteiung feines SBrubetS ^oacfetm 20. (bet Dom $ath wegen ber ben @nt= 
flofeenen geleiteten Jpülfe mit ©efängnife befttaft Wat) ju ettangen fucfete. ©eine 
üBemübungen blieben jebocfe betgeblid), ba bie Deformation (1525) in ©ttalfunb 
eingeführt mürbe, bielmebr fanb er (1527) bei ber ^Belagerung 9tomS feinen £ob. 
©ein SBorname gutfetb ging ebenfo wie fein SBappen auf bie gamilie ^orjer 
über, bie bon 1516 — 1640 im ©tratfunber 9tatb,e toirfte, wälrrenb fein Ifteffe 
Dr. (SaSpat £. , 2)omrjett ju Stijen, SBarbenberg'S Sfjätigfeit (1546—81) in 
9tom fottfetjte. 

2)innieS, stem. Sund. s. n. — Alb. univ. Gr. I, 113. — Lib. her. Gr. XVII, 
57. - ©ttalf. Ghton. I, 22. — ©afttom'S ßeb. b. «ötofenife I, ©. 54, 
318 ff. — Sifcfe, >Dtcdt. Safetb. I, 24, 182; III, 89, 171, 174. — ßofe= 
gatten, «alt. ©tub. XVII, 2, ©. 103 ff.; ©efdt). b. Unib. I, 176 ff. — 
3obet, gr. SBeffel, <£tt. ©tücfe b. ^abeftbbome, 1837. — gorf, 9tüg. $om. 
@efch. V, 106—125. — 21. SBaltfjafar, ius pastorale II, 880. ■ $r;l. 
üffiarbcitburg : Söilbetm ©uftab 3f vi eb tiefe SB., geboten am 15. 9Jcai 
1781 ju gebbermarben in bet ^ettücbfeit $nipfeaufen, Wo bet SSater ^hebiger 
war. 3fn Ratten, einem SDorfe im |>eräogtfeum Olbenburg, wofein bet 93atet 
betfetjt roat, betlebte 20. feine tönabenjafete untet Leitung eines -gmuSlehtetS unb 
empfing biet, al£ im 3- 1795 infolge bet im Safetet Rieben ftipulitten S)emat= 
cationslinie mebrere Monate lang hannoberfebe Gruppen in Ratten einquattitt 
waren, bie etfte Anregung ^u feinem bemnäefefttgen SBetuf all ©olbat. SJon bem 
Sßater jum Theologen beftimmt, mutbe et auf baS ©rjmnafium in Otbenbutg 
gefchidt; auf bringenbeS Sitten gab iubefj bet SBatet feine (Sinmitltgung , bafj 
20. all ©ecunbanet bie ©cfeule betliefj unb im 3. 1797 in baS otbenburgifefee 
flJtilität — eine ßompaguie bon 100 geworbenen Seuten untet einem IRajot 
— als Gäbet einttat. 3m anfange bei 3ab,teS 1799 etbielt 20. auf fein Sin- 
fuefeen ben 2tbfcfeieb all Offtcier (gäbntiefe), um, mit einem SmpfebtungSfcfereiben 
beS ^er^ogS *ßeter bon Dlbenburg berfefeen, in ben tuffifeben ^Dtilitätbienft p 
tteten. (St begab fiefe naefe bem ^rieggfctjauplafe in ^talien, um fid) bem gelb" 
marfcfeaU ©uWaroW boraufteüen. 9lacfe einer greife, bie, fo fefer et fie ju beeilen 
fudjte, bolle biet äöoeben Wäfette, traf et ba8 Jpauptquattiet bc§ g^bmarfcfeaHi 
in 2lleffanbria. SÖon bem letjteren freunblicfe empfangen, erbielt er ben 33efcfeeib, 
bafe bet ßaifet !ßaul jebe SlnfteEung einc§ gremben bei bet 3ltmee untevfagt 
babe; 20. alfo warten muffe, bis in Petersburg feinetWegen angefragt fei; übrigen! 
fei bet SelbmatfcfeaE bereit, ifem einen 5]ß(ab in bet öftetteiebifefeen Slrmee ju ber= 
febaffen. SB. nabm biefes Erbieten fofort an, trat junäcfjft als (Sabet bei bem 
Otegimente gretiefe ein unb Würbe, naebbem er fiefe bei ber 33elagerung unb 6in= 
nabme be§ gott§ bon ©ertaballe auSgeäeicfenet batte, ^um Dfficiet (gäfentiefe) 
etnannt (2luguft 1799). @t nabm an bet ©cfelacbt bei 3iobi (15. Sluguft 1799), 
an ber Selagetung bon 2ortona unb an bieten bet aarjlreidjen ©efedtjte beS 



168 2Barbenburg. 

,!pe\bfte8 1799, foroie an ber Belagerung tion ©enua im grübjatjr 1800 ttjeit, 
fod)t in ber (£ntfd)etbung8fcr)tad)t tion 5ftarengo (14. 3uni 1800) mit unb rourbe 
in bem treffen bei ^ojjolo (25. S)ecember 1800) tierrounbet. 9tac£) feinet 9tüd£= 
fet)r aus bem .groSpitat ju ^ettau in ©teiermarf mürbe er jum Lieutenant be= 
förbert unb 30g mit bem Stegiment in baS griebengftanbquartier ju Äuttenberg 
in Böhmen ( v #prtl 1801). 2lber baS Einerlei beS ©arnifonlebenS unb bie 3urüä= 
fetmng , meldte er burd) bie tion ber öfterreid)ifd)en Regierung tierfügte 9Biebet= 
einfütjrung beS ÄaufS ber DfficierfteHen erfutjr, tieranlafjte itjn, tote Diele feiner 
Äameraben, im Anfang beS 3ab,re8 1805 feinen 2lbfd)ieb ju nehmen. Gr reifte 
in bie ^eimatc) unb begab fid) bann, toieber mit (Smpferjluugen beS .gjerjogS tier* 
fc^en, nad) Petersburg, too er alSbalb bei bem Infanterieregiment 2tforo eine 2ln= 
ftettung als ©econblieutenant fanb (©eptember 1805). 3n $remS an ber 
S)onau traf er nad) einer tjödjft befdjtoerlidjen Greife baS jur Slrmee beS ©eneralS 
Äutufoto getjöienbe Slforo'fdje Otegiment, frütj genug, um an ber ©d)lact)t tion 
2lufterlit$ (2. 3)ecember 1805) ttjeil ju netjmen. 9ladj berfetben bejog baS Regiment 
nad) einem mütjfeligen jtoeimonattidjen 9flarfd)e fein ©tanbquartier in ©djitomir, ber 
«£)auptftabt BolrjrjnienS, unb fämpfte bann in ber ©d)lad)t bei Gilau (7. unb 
8. Februar 1807). Bei bem ©turmlauf gegen eine bcrfdjan^te Batterie an ber 
s 4$affarge (6. 3uni 1807), an roeld)em SB. als ^freiwilliger tiortvat unb für roeldje 
■^elbenttjat itjtn nadjmalS baS gotbene ©turmfreu,} tion s ^}teu^tf(i)=@ilau tierlietjen 
rourbe, rourbe er burd) eine 9RuSfetenfugel tiertounbet; unter unfäglidjen ©djmeraen 
nadj ÄöntgSberg tranSportirt , mufjte er roegen be§ £)eranrütfen8 ber granjofen 
toeiter nad) 9ftitau gebracht toerben, too bie $uget glüdlid) auS ber Bruft ent= 
fernt tourbe. 3m (September begab er fidj , obgleidj feine Söunbe noctj nidjt 
tiöltig geseilt mar, ju feinem 9tegimente jurüd, baS in 2Ut=Büd)oro am ©nieper 
ftanb , unb crt)tett jetjt enblidj ein patent als ^remierlieutenant. 3m 9Jtärj 
1808 tourbe baS Regiment nad) Petersburg beorbert, um in bem Kriege gegen 
©djroeben tiertoanbt ju toerben. ^n ©t. 2ftid)el in ginnlanb rourbe 20. jur 
perfönlidjen SDienftleiftung bei bem ©eneral Barflab, commanbirt (9Jtai 1808) 
unb teiftete namentltdj in bem ©efed)te bei $orroi8 (2. Sfuni) ausgezeichnete 
üDienfie, bie burd) ben ©t. 9lnnenorben 3. (Stoffe am 2)egen ancrfannt rourben. 
Bei einem nädjtlidjen Ueberfafl. geriete er in fdjroebifdje ©efangenfd)aft, tourbe 
nad) Uteaborg , bann nadj Jornec unb toeiter nad) $itra tranSportirt unb 
bemnäctjft auSgeroed)felt (Anfang 1809). 3n5toifdjen Ratten bie puffen Uteaborg 
genommen; 20. tourbe tiom ©eneral 2utfd)toto jum ^latjabjutanten bafelbft er= 
nannt unb blieb in biefer ©teüung, bis er im 9Jtai 1810 tion bem ^rinjen 
(5eorg tion Olbenburg, bem ©emarjt ber ©ro^fürftin ^atrjarina, ju feinem 21b* 
jutanten ertoärjtt unb gteicfßeittg in baS *preobafd)enSfifd)e ©arberegiment tierfe^t 
rourbe, roaS sugteid) ein 9ltiancement um jtoei ©rabe bebeutete. 3m ©eptember 
1810 rourbe er tion bem ^rinjen als Gourter nad) Dlbenburg gefdjidt, um bem 
.iperjog bie ©eburt eines ©ntelS anjuäeigen. Beim 31uSbrudj beS franjöfifdjen 
Krieges tion bem ©enerat Barf(al) jum 2tb|utanten erbeten , fod)t er in ber 
©c^tadjt bei ©motenSf (17. Sluguft 1812), rettete bei Batutina=©era einen 
Slrtiltcriepart , roofür er jum ©tabScapitän beförbert rourbe , unb nar^m an ber 
©djlacfjt tion Borobino (7. ©eptember) ttjeil, roo er ficb, ben äötabimirorben 
tierbiente, foroie an ber ©d)lad)t bei Jatutino (18. Dctober). Wad) bem £obe 
beS ^rinjen ©eorg (27. ©ecember 1812), beffen 2eid)e er tion SDner nad) 
^)Beter§burg ju geleiten blatte , trat er , tior fur^em jum rohtlictjen Gapitän tion 
ber ©arbe ernannt, im 3<muar 1813 als Oberftlieutenant in bie tion bem 
|>erjog tion Olbenburg gebilbete ruffifcb.^eutfdje ßegion, befehligte in ber ©ctjladjt 
bei ber ©ötjtbe (16. ©eptember 1813) bie auS brei Bataillonen gebilbete britte 
Brigabe , roofür iljm ber ©t. Slnnenorben ätteiter ßlaffe tierlietjen rourbe , unb 



SBawnborö. 169 

naljm an ben weiteren Operationen beS ©eneralS SBattmoben im nörblid)en 
2)eutfd)tanb t^eil. Kaü) bem flbfälufc beS bietet griebenS (Januar 1814) 
würbe SB. , injrcifdjen jum Dberften beförbert, öon SBaltmoben in baS Jpaupt* 
quartier beS ÄaiferS 2ltejanber gefanbt, um megen ber ^ufunft ber ßegion 3fn= 
ftruction einjutjoten, unb mar, nadjbem bie Uebernarjme berfetben in bie preufjifctje 
■Armee befd^tofjen mar (14. Sunt), im 33egriff, in bie ruffifdje Slrmee jurücfju= 
treten, als er öon bem eintrage beS .£)erjogS öon Olbenburg überrafdjt mürbe, 
bie Organisation unb baS ßommanbo beS in ber Formation begriffenen olben= 
burgifdjen Militärs p übernehmen, ^rotj ber glänjenben 3luSfid)ten, bie itm, 
ben 33iäljrigen Oberften, im SluSlanbe locfen tonnten, mtlligte er ein (/Äuguft 
1814) unb blatte bie ©enugtfmung, im Kriege gegen ^ranfreid) (1815) fein 3te= 
giment tnS $elb p führen , melcrjeS bei ben SSelagerungen öon ©eban unb 
Möp'reS ©elegenljeit fanb, feine £üd)tigfeit p bemeifen. SB. mürbe ber Orben 
pour le mörite p tljeit. — ^n ben bann folgenben <yriebenSjat)ven mar SB. 
unabläffig unb erfolgreich, bemüht, bie SluSbilbung ber Struppcn p förbern unb 
inSbefonbere baS OfficiereorpS p tjeben. 3im anfange ber breifjiger Starre 
änberte ftd) feine Stellung, inbem er infolge ber unter bem ©rofjtjerpg Sluguft 
eingeleiteten Weuformatton beS MilttärroefenS 311m ©eneralmajor unb 33rigabe= 
commanbeur ernannt mürbe. 3m $. 1834 traten bie brei .£>anfeftäbte mit 
Olbenburg in einen gemeinfamen Shügabeöerbanb, SB. mürbe an bie ©pitje beS= 
felben berufen. — ©eit ber 9tücitet)r in bie 4?eimatt) betrieb SB. neben ber mili= 
tärifdjen Ütjätigfeit eifrig baS ©tubium ber ^Itertljümer unb ber ©efd)id)te 
jeineS engeren 33aterlanbeS. 6r evforfd)te bie Spuren ber föömerjüge, unter* 
fudjte bie SDenfmäter ber .^eibenjeit unb beS Mittelalters , fammelte, maS fid) 
an SBaffen, Münzen u. f. ro. ber 23orjeit fanb unb tbeilte bie Ütefuttate feiner 
gorfdjungen in pljlreidjen Slbfjanbtungen burd) bie „Otbenburgifdjen 331ätter" 
feinen SanbSlcuten mit. — SB. ftarb p Olbenburg am 29. Mai 1838 nad) 
5monattid)er feftmerer ßranfljeit, tjodjgeetjrt unb geliebt öon allen Greifen ber 23e= 
öölferung. Seit bem giürjjatjr 1816 mar er mit einer SEodjter beS Kaufmanns 
unb 9catljßjjerrn Tegeler in Olbenburg öertjetratljet. 2>ie @t)e blieb finberloS. 
— „®r mar" — fo fdjitbert itjn ein 9cadjruf — „ein Sljaralter ! 6r öerftanb 
eS , ftarf unb feft p motten, unb niemals für fid) felbft! 6r mar ein 23aum, 
in beffen ©chatten e§ fid) fid)er rubren liefe. £>a liegt baS ©etjeimnifj feines 
SBirfenS , ba ber Magnet , ber iljm bie ©emütljer ber Menfd)cn tjerbetpg unb 
untermarf, ber ©djaren fjinter feinen ©arg unb aus taufenb Siugen üttjränen 
locft, menn fein 9lame genannt mirb. 9iie fjat tine eigennütjige ©d)mäd)e feine 
reine ©eeete beflecft." 

ßeben beS ©ro^etjl. OIbe>burgifd)en ©eneralmajorS SB. ©. ft. SBarben* 
bürg, herausgegeben öon einem SSruber beS SSerftorbenen (bem ©uperinten= 
benten Sl. 53. SBarbenburg), Olbenburg 1842. — 3luS bem Seben beS ©eneratS 
SBarbenburg. ©tei Vorträge (öon MoSle). Olbenburg 1863. 

M u ^ e n b e d) e r. 
SÖmtnborp: 35run SB., tübedifdjer SSürgermeifter im üieraefjnten 3fab,r= 
t)unbert, entflammte einer fdjon feit bem ^mölften ^al)rc)unbert in £übecf an= 
fäffigen, urfprünglid) aus SBeftfalen eingemanberten Familie, öon ber metjr* 
fad) Mitglieber bem 9tatf)e ber ©tabt angetjört tjatten, mie aud) fein SJater, 
Samens ©ottfdjald. S3run J S ©eburtSjab^r ift nid)t überliefert, im $. 1362 er= 
fdjeint er auerft als Jpauptmaun einer ©ölbnertruppe im SDienfte ber S3aterftabt, 
öon 1366 an als 9datr)St)err öerfolgbar, mar er meb^rfad) in auswärtigen 3lngetegen= 
Reiten unb als ©efanbter auf £anfetagen tljätig. %m aroeiten ficgreid)en Kriege 
ber §anfe gegen ßönig SBalbemar IV. öon S)änemarf ift er ^ü^rer ber b,anftfd)en 
©treitmad)t fomol 1368 mie 1369, toie unöerfennbar ber leitenbe ©taatSmann 



170 2Bareniu§ — SBarirt. 

ber ©tobte. $m testeten ^atjre tag er als OberbeferjlStjaber beS ©efcfjmaberS, 
baS bie menbifdjen ©täbte unb 9tiga auSgerüftet Ratten, in ©ctjonen ju gelbe 
unb leitete bie ^u ßübed am 11. ^Dcärj 1369 befdjloffene 93elagerung Don £el» 
fingborg, baS fid) enblicf) nad) langem Söiberftanbe im (September ben ©tobten 
ergab. %n biefen kämpfen janb 2ß. am 21. Sluguft feinen SEob. ©ein @rab= 
ftein befinbet fid) in ber ©t. s Jftarienfird)e ju ßübetf. 

2). ©d)äier, S)ie |)anfeftäbte unb Äönig äöatbemar bon SDänemar!, ©. 431 ff. 

— SB. Mantels, «Beiträge 3. 2übifd)=£>anfifd)en ©cfd). (t)Sg. D. $. Äoppmann), 

©. 194—207 u. 3. drjronotogte beS SarjreS 1368: #. ßoppmann in ber gcft- 

gäbe ). 2Bürj. SreceliuS (ßlberfelb 1881), ©. 198—204. $. £aSfe. 

SBarcntUÖ: &enricuS 9JB., 2lrjt in 9to|totf, blütjte bafelbft ju @nbe beS 

16. 3arjrt)unbertS utl0 tjerfa^te eine nad) feinem 2obe öon 3foad)im £and 

tjerauSgegebene: ^Nosologia seu affectuum humanorum curatio Hermetica et 

Galenica thesibus comprehensa ac consentiente Senatn medico in Academia 

Rostochiensi disceptata" (Seipjig 1605). 

93gl. ßeftner, «öteb. ©elerjrtenteikon, ©. 906. $agel. 

SSarid): 2BenaeSlauS 9B. , eDangelifdjer ©eiftlidjer, einer ber frütjeften 
©djriftfietler auf bem ©ebiete ber menbtfdien ßitteratur. 3>n ©röbitj bei äBeifjen* 
berg als ©olm beS bottigen tjerrfdjafttidjen 93erroalterS im $. 1564 geboren, 
befud)te er bis jutn 12. ^atjte bie ©djule feines .<peimatt)ortes , mehrere Satjre 
lang bie lateinifdje ©djule ^u 93autjen, ftubirte in Söittenberg l 1 2 3af)r, rüdte 
1587 in baS Siafonat, 1589 in baS Pfarramt ju ©öba bei 93aut$en ein, baS 
er bis ju feinem Stöbe im $. 1618 »ermattete. 3>n ben 9)ifitationen mürbe er 
roegen feiner 93erebfamfeit in roenbtfcrjer, lateinifdjer unb beutfdjer ©pradje ge= 
rüt)mt. 211S Slbjunct unterftütjte er ben 93ifd)oiStDerbaer ©uperintenbenten bei 
ber üßifitation ber toenbtfcrjen SDörfer. 1594 Deröffentlictjte er bie roenbifdje 
lleberfetmng beS Suttjer'fdjen $ated)iemu§, ju ber Spttidnus bie 93orrebe fdjrieb. 
Sin grammatifdjer Slnrjang gibt Slnmeifung über bte 93ebeutung unb 2luSfprad}e 
ber 93ud)ftaben u. f. m. 

21. «$. $ret)f$ig, 9llbum ber eöang. = tuttj. ©eiftlictjen im %r. ©adjfen. 

2)reSben 1883, ©. 168 f. — S)ie ^nfpection ©rofjenrjain, 9iabeberg unb 

93ifd)ofSroerba als 8. 2lbtt)ettung Don ©adjfenS Äirdien = ©alerie. VII. 93b. 

2)reSben. ©. 205. — (Stjr. Änauttje, S)erer Oberlaufitjer ©orbertoenben um= 

ftänblidje $ird)engefd)id)te. ©örlifc 1767, ©. 408 t. — @. §f. Otto, Sertfon 

Dbertaufij. ©djrtftftetler u. Äünftler III, 2, 465, aud) im ©upptementbanb 

s.v. — -£mupt=6taat<S=2lrrf)iD in Bresben: Loc. 1999. 93tfitationSprotocoIIe 

ber ©up. 93iftf)oisroerba 1568 — 80. 93t. 103. Loc. 2003. SocatDifitation 

natfjDolgenber ©uperintenbenten. 931. 111. — Album Academiae Vite- 

bergensis. Vol. II. Halis 1894. p. 301b. ©eo r g 2Jtütter. 

Sarttl, erfter erroät)lter 9tbt Don ßorDeö (836—856), gehörte burd? feine 

b^alb fränfifcrje, tjatb fädjfifdje Ulbfunft fotoie burct) feinen SebenSgang jenen 

Männern an, bie mit itjter Sttjätigfeit baju berufen roaren, bas ftarre unb fpröbe 

©arfjfenDolf mit ber itjnen getoaltfam auferlegten ^errfd^aft ber gnmfen unb 

ber ctjriftticrjen ßirdje innertid) auSäufötjnen. ^ür bte 93efcftigung beS 6t)tiften= 

t^umS in bem burd) Äarl'S b. ®r. ©djmert untermorfenen Sanbe tjatte Subtoig 

b. gr. Don Anfang an aud) bie 93egrünbung Don Ätöftern als 93itbungSanftalten 

für bie ©ötjne ber (Sbelinge ernfttid) inS Sluge gefaxt. 211S baS erfte unter biefen 

erljob fid) , nadjbem ein früherer Äeim nid)t red)t Ijatte gebeitjen toollen , feit 

bem $afjre 822 an einer ^u bem Ärongute ^pö|ter an ber SBefer getjbrenben 

©tätte bie neue (Sorbeia als Slod)ter ber alten an ber ©omme (dorbie). 3n 

einem anmutigen Sttiale Don ber SQßefer unb fanften Jpö^en^ügen umgrenzt, 

jebod) nid)t abgefdjloffen , rourbe bie neue (Stiftung , ju @t)ren be§ 5JtärtrjrerS 



Sßarin. 171 

Stephan cingetoei^t , tior allem burdj bie 23emüf)ung beS 5lbte8 2lbalt)arb öon 
Gorbie unb feines .^albbiuberg SDBala begrünbet, ber als bet ©otjn einer fäd)= 
fifdjen 5Jtutter gan^ befonberä ein $ex% für it)re ßanbsteute fjattc. 2)a beibe 
Settern $arl'S b. ©r. maren , jo fonnte man Goröet) mol mit $ug eine faio= 
lingifdje gamilienftiftung nennen, unb bamit ftimmt bie 23eöorjugung beffelben 
burd) bie Jperifd^er gan3 überein. ©o lange 2lbalf)aib lebte, blieben beibe JHöfter 
in einer $anb Bereinigt, mie ja aud) baä neue feine erften 9Jcönd)e au§ bem 
alten empfangen Ijatte, unter ifjnen ben nadjmalä fo berühmten iötiffionar beä 
Sorbens, Slnäfar. SSei 9lbatf)arb'S 2obe, ber am 2. Januar 826 eintrat, fiel 
fein 23lid auf Söarin als 9tad)folger. 

20. fonnte fiel) ber ebelften ^erfunft rütjmen , ja man t)at ir)n fogar 3U 
einem SBermanbten beö farolingifdien |>aufe§, namentlich aud) feinei SBorgängeig 
^Ibaltmrb matten motten. 3fn Ermangelung älterer ^eugniffe ift bie§ jebod) 
unermeislid) unb mir miffen nur, bafj er ein 33ruber be§ frtjr reidjen unb mäd)= 
tigen ©tafen Äobbo unb ber fpäteren Slebtiffin 2lbbila öon -gjerforb mar. (5r 
felbft, begütert unb t)od)angefet)en, aud) bertobt mit einer fd)önen unb öornetjmen 
Jungfrau t)ätte am |>ote unb im 9teid)e eine glänjenbe 9totte fpielen fönnen, 
roenn bei Jüngling ei nidjt öorge^ogen, plöfeltd) atte§ im ©tidje ju laffen unb 
in ben .§afen ber flöfterlidjen ©title einzulaufen. 9ll§ s }Jtönd) öon Gorbie ge- 
nojj er bort unter 2lbalt)arb ben Unterricht be§ t)od)getet)rten labbert. S)iefen 
20. alfo, ber fd)on tjinlänglictje groben feiner £üd)tigfeit abgelegt Ijatte, erforen 
bie ^Dtöndje öon Soröeo am 26. \Mpril 826 auf ©runb ifjreö 2Baf)tred)tes> unb 
auf bie mafjgebenbe (Jmpfetjtung Stbaltmib'S ju itjrem 5lbte, mäljrcnb in Sorbie 
2öata feinem 23ruber folgte. ©0 löfte fid) ber unmittelbare gufammenfjang bei 
Butter unb £od)ter. 

2B. entfprad) burdjauä ben in it)n gefetjten (hmartungen : Don anfängtid) 
9 flieg bie S^ ber trüber unter feiner Seitung auf 57. 33or allem aber 
bemieä bei ßaifer it)tn eine fid) ftetS gteidjbleibenbe ©unft, mie er aud) felbft 
im ©egenfatj ju SBala , aber in Uebereinftimmung mit bem fädjfifctjen SBotfe, 
in ben inneren Söirren an ber faifeilidjen ©adje fefifyiclt. 3()tn perfönlid) über= 
trug £ubmig baä ßlofter Dtebaiö (genannt 3ferufatem) im ©prenget bon 9Jleaur, 
bem Älofier aber madjte er feljr ertjebtidje ©djenfungen: fo bie auf ber alten 
(SreSburg (bei ©tabtberge) unter Äarl b. ©r. gemeinte ßapetle, bie gelle ju 
Meppen nebft ben ba^u get)örenben 3)liffionsfirc|en im D^nabrücler ©prenget, 
bie gfif<^erei in ber SBefer bei Süffum unb eine ©aljquette ^u Sobenfelbe an 
ber Söefer. 6r gemätjrte ferner bie Suidjtung einer föniglictjen ^Ulüuaftätte, 
beren (Srtrag er bem fflofter überliefe unb biefeS febte aucl) oljne fixeren urfunb= 
lidjen SBemeiä bie ^Befreiung feiner Plannen oom ^eerbienfte buict). 3öenn in 
jmei biefer llrfunben ber 23ifct)of ^ufbert bon 5Jceaur. al§ SBeimittler genannt 
toirb , fo mag bieg mit bem SBefi^e bes in feinem ©piengel gelegenen Ätofter^ 
Olebaig ^ufammenljängen. 2Uä ber größte unb glän^enbfte ©cttrinn aber mürbe 
bie ©rmerbung öon Reliquien bei Ijl. Sßituö betrachtet , bie 30. im 3. 836 
glücfte. gr üerbanfte fie ber ©unft be§ gelehrten 3lbteg |)ilbüin öon ©t. S5eni§, 
ber infolge feiner 2luflel)nung gegen ben Äaifcr 830 eine 3 e 't * Qn 9 a ^ Scr= 
bannter in (SorDeto, gelebt rjatte. S3om 19. 3Kära bi§ 13. ^uni über Weaur, 
Sieben, ©oeft fanb mit üblichem 5pompe bie feieilicl)e llebeitragung ftatt, öon ber 
man fid) buid) bie äatjtreidjen äöunbertjeilungen, bie 3. 2t). fetjon untermeg«, 3. Zi). 
fpäter ftattfanben, eine tiefe ßinmirfung auf ben nod) menig befeftigteu ©tauben 
bei fäcl)fifcl)en Sottet öcrfprad). SDer tjl. S3eit mürbe nun al3 ganj befonberer 
©c^u^patron ©adjfenä öereljrt unb feine Serpflanäung auä bem heften nad) 
Dften erfdjien mie ein ©innbilb, ja mie eine unmittelbar roiiffame $xa\t , für 
ba8 Smporfteigen be§ fädjfifdjen ©tammeä an ©teile beö fiänfifdjen. 



172 aöatlotfd). 

2)er Stob ßubmig^ b. $r. im $. 840 nötigte 20. fidj einem anbern .£>erm 
anaufdjließen unb fo entfanbte er im 2)ecember 840 juerft ben s $rior äöala an 
baS £>oflager ßubmig'S be§ SDeutfdjen nad) ^aberborn unb erlangte bon it)m 
mehrere ©üterfcfjenfungen , bann begrüßte er itm felbft am 14. 2)ecember in 
Ütoßbact) (bei SBifcenljaufen'?). ©tetcbjettig fe^en mir feinen SSrubcr $obbo unter 
ben mäcijtigften Vertrauten in ber Umgebung ßubmig'S. (Jr burfte e§ batjer 
magen bem längere geit berwaiften s -BiStt)um DSnabrücE einen großen £t)eit 
feiner auf bie 3 e ^ nien begrünbeten 6in£ünfte jju entreißen unb fie in miberred)t= 
üctjet Söeife tljeilS an dorbet), tfjeilS an Jperforb ju übertragen. 2)aS ©tamm* 
flofter ^perforb nämlid), etma gleichzeitig mit Sorbet), ebenfalls üon ben SBrübern 
9lbalr)arb unb SBala geftiftet, ftanb mit biefem gteidjfam in enger Verwanbt* 
fdjaft unb mürbe bamatS bon Söarin'S ©djwefter Slbbila geleitet. Submig felbft 
fügte feinen früheren Vergabungen 855 nodj bie (Seile Vtsbed rjinau. 3)te @in= 
Weisung ber bem 1)1. ©teptjan gemeinten (Sorbctjer JHofterfirdje erfolgte im Safjre 
844. SDie alten 33ejiefjungen p Sorbte, obgleich bieä jetjt einem anbern |)enfd)er 
gecjordjte, tjörten fetneSwegS auf: 9labbert als 2lbt bon Sorbie mibmete feinem 
trüberen ©djüter, bem er ben SSeinamcn ^tacibiuS beilegt, feine burd) itjn ber= 
anlasten gelehrten tfjeologifctjen 3Berle über ßeib unb SSlut be§ |>errn (jwifdjcn 
831 unb 833) unb über (glauben, Siebe unb Hoffnung (awtfdjen 826 unb 833). 
2B. ftarb nad) bretßigjätjriger Slmtebauer am 20. ©eptember im $. 856. $ür 
fein großes Slnfetjn jeugt eS, baß feine bret nädjften 9tad)f olger in Sorbet) 
93obo I, II unb III ir)m blutSberWanbt waren, wätjrenb in -fperforb auf jene 
9tbbila feine 9tid)te |mbuwi folgte. S)er ©treit über bie unrechtmäßig ent= 
frembeten DSnabrüder 3^nten fctjleppte fic^ nodj über 200 $at)re big auf 
^einrid) IV. fort. 

(Srljarb, Regesta historiae Westfaliae I. fünfter 1847. — SSilmanS, 
2)ie ßaiferurfunben ber »JSrobinj äöeftfalen I. fünfter 1867. — ©imfon, 
3at)rbüd)er beS fränf. 9teid)eS unter Subwig bem $r. II. Seidig 1876. 
— Summier, ©efcf). beS Dfifränf. Meiert i. ßeipjig 1887. 

©. Tümmler. 
SBtttfotfd): |>einrid) ©ottlob greiljerr b. 28, befannt burd) feinen 
Verfud) wätjrenb beS Siebenjährigen Krieges Äönig ftriebrid) ben ©roßen ben 
Defterretdjern in bie £änbe $u fpielen , war aus einem alten nadj bem gleich 
namigen im Greife ©treten belegenen 3)orfe benannten fd)lefifd)en 2lbelSgefd)led)te 
um baS 3fat)r 1706 geboren, biente im öfterreid)ifd)en «fpeere unb ftanb im ^arjre 
1756 im begriff als f. f. «Hauptmann im ungarifdjen Infanterieregimente 
93attt)t)änt) (nad) Sttnberen im s Jtegimente Söotta) in jenen Ahieg ju jjieljen, als 
er burd) ben £ob feines ju ßarlsbab plö^licb, beworbenen 33ruber§, bei breu= 
ßtfc^en Äammerrjerrn Äavl ^«binanb ^reitjeirn b. 2ß., in ben 93efi^ ber anfeljn= 
liefen in jenem Greife gelegenen (Mter ©ct)önbrunn, Dber= unb 9tieber=9tofen 
unb bcö 33ormerfe§ ^äfc^erei tarn , beren 2öertt) auf meb^r al§ 100 000 Xljaler 
gefdjätjt würbe. (Sr bat fofort um feinen 2lbfd)ieb , ber it)m freilid), toa% nid)t 
überfe|en Werben barf, nie ausgefertigt worben ift, unb lebte nun auf ©djön= 
brunn ber Verwaltung feiner Sßefitjungen. @r wirb aU ein Jjerrtfdjer , jä^= 
jorniger, harter 9Jcann gefdjttbert, ber ben ^reuben bc§ Sßedjerä unb ber harten 
juget^an war. Sern Könige bon Preußen blatte er ben Vafatteneib geleiftet, 
im ^er^en aber blieb er öfterreidjifd) gefinnt , fct)on beStjalb , weil er burdj bie 
SSieberfeljr ber bor ber preufetfeb^en Regierung beftanben tjabenben 53erl)ältnifie 
eine größere ©ewalt über feine ®utSuntevtr;anen erhalten t)aben Würbe. @S 
tjielt il)n bie§ jeboct) nict)t ab , mit ben preußifdjen Dfftcieren , bie tjäuftg bei 
itjm im Quartier lagen unb bie (Safttidjfeit feines <£)aufeS ju fct)ä^en wußten, 
ju fpielen unb au aedjen. 5Der Äöntg befud)tc 2Barfotfd)'S $au3~}um erften 



SBattotfdj. 173 

9Jtale in ber 9lad)t be§ 4. Sluguft 1761 , als er ertoartete burd) ßaubon bei 
©djönbrunn angegriffen ju merben. 3um 5toeiten 9Jtate betrat er baffetbe am 
2Ibenb beS nädjften 5. 9toöember. (5r mar bamal§ auf bem SBege nad) ©trefjlen 
begriffen, toocjin er nad) bem galle öon ©djroeibnitj ging, um Wetfje unb SBreelau 
ju beden. %n ber grülje beS 6. biente if)m 2öarfotfcb/3 Säger 9flatl)ia§ dappel, 
auä Sötjmen unb Äattjolif, ben ber König mit öier 3ld)tgrofd)enftüden ablorjnte, 
als gütjrer nad) ©treten ; in bem unmittelbar an bie ©tabt anftofjenben 2)orfe 
2Boifelmi& nafjm griebrid) fein Hauptquartier. 2)affelbe lag fo, bafj eS einem 
2Serfud)e beä geinbeS ben König aufgeben großen SSorfdjub leiftete, baju mar 
bie 93emad)ung ganj ungenügenb. 2)iefe SBerrjättniffe lernte 28. aus eigener 
2lnfd)auung fennen, als er ben ©eneralabjutanten 0. Krufemart, ber gteid) it)m 
bie greuben ber ütafel liebte, in SBoifelmife befugte unb aud) an bie beS Königs 
gebogen tourbe. ©eine äßarjrnetjmungen gaben it)m ben ©ebanfen ein, ben in 
ber 9cäb,e ftetjenben Defterreidjern bie ^IRttttjeilung ju mad)en, bafj eS nicfcjt ferner 
fein mürbe, ben König aufjutjeben; gerabe bamatS tjatte it)n felbft bie 3öeg= 
natjme einer grofjen ©d)aft)erbe burd) preufjifctje Gruppen gegen biefe unb itjren 
Kriegsherrn aufgebracht. 

(Sinen 9JtittetSmann fanb er in bem fatrjotifcrjen (Suraten granj ©dnnibt, 
melier in bem unmeit ©d)önbrunn belegenen 2)orfe ©iebentmfen amtirte; 20. 
öerfefjrte freunbfdjafitid) mit irjm, mätjrenb er mit bem ©eiftlidjen feinet eigenen 
©laubenSbefenntniffeS , bem Pfarrer ©eilad) ju ©d)önbrunn, feine SBejjieljungen 
unterhielt, ©djmibt übernahm bie 33eforgung eines an ben ju äßarttja com= 
manbirenben ©eneral gerichteten 33rie?eS, ben 2ß. gefd)rieben fjatte unb meldjer 
■DJHtttjeilungen über bie geiätjrbete ßage beS föniglidjen Hauptquartiers enthielt. 
(SS mar bicS ber ©eneral 3)raSfoüid), burd) ben t>it ©actje an tfaubon fam, ber 
einen Hauptmann äöaüis ober SöaHifd) öom Karlftabter ©ren^regimente beauf= 
tragte, mit 30. in Sßerbinbung ju treten. %m Saufe ber $errjanblungen über- 
gab am 29. beS nämtidjen Monats ©crjmibt ber grau beS SägerS (Sappel, burd) 
ben ber Serfefyr feines Jperrn m ^ 2öallis ging, einen Srief, metdjer fctjteunige 
äntmort errjeifdje. ©ie grau, 27 ^atjre alt unb eöangetifd)en ©laubenS, fcrjöpfte 
einen unbeftimmten Sßerbadjt; ba fie aber nid)t lefen tonnte unb niemanb fanb, 
ber ben 33rief erbrectjen mottle, fo gelangte berfelbe uneröffnet in bie ,£>änbe öon 
SÖarfotfd). S)iefer beantwortete benfelben fofort unb beauftragte nod) in ber 9ladjt 
ben Säger ßappel bie ©rmiberung am anberen borgen an ©djmibt ju beforgen. 
S)ie aufmerffam gemorbenen (Seeleute beratt)fcl)tagten nun roaS ju t|un fei unb 
(Sappel, ber feinem H ertn » unter & e ff en iätjjornigem unb gemalttl)ätigem 2ßefen 
er <ju leiben gehabt tjatte, menig jugettjan mar, tie^ fiel) t>on feiner grau über= 
reben, ben Sßxief äu öffnen. 3)er Sntjalt machte iljm ben ganzen ©adjüerrjalt 
flar. ®r begab fici) jet)t mit bem SBriefe aum Pfarrer ©erlac^. Siefer na^m 
eine Slbfcrjrift, morauf ber Srief mieber in ben Umfcrjlag gefteett unb burd) 
ßappel's Setjrburfcrjen an ben Surator unb burd) biefen an ben H au Ptmann 
äöaüiS, für ben er beftimmt mar, beförbert mürbe. 9Jiit ber 3lbfd)rift madjte 
6appel ftd) auf ben 2öeg nact) SBoifelmib; fie gab Anleitung jur Slusfütjrung 
beS SBortjabenS unb empfahl eS nietjt aufjufd)ieben. ©ofort roarb ein Wittmeifter 
ö. 9labenau mit ad)t,yg Dragonern abgefanbt um 20. unb ©cfjmibt ju öer» 
tjafteit, aber ber erftere roiegte ben 9tittmeifter burdj fein unbefangene« auftreten 
in ©idjerijeit, fanb aus einem 3inimer, in baS it)n biefer tjatte treten laffen, 
burd) einen jmeiten Ausgang ben 2öeg in feinen ©tau, roo in^mifd)en ein ^fnrb 
für i^n gefältelt mar, unb gelangte glüdlid) ju ben öfterrcidjifdjen Siorpoften; 
©djmibt enttarn gleid)faas. 2ß. magte fogar nad) ©djönbrunn jurürfjufefjren 
unb öon bort ©elb unb 2Bertl)fad)en oor ber 53efd)lagnab,me burd) bie SBcfjörben 
^u retten. (5r ertjielt barauf öon ber öfterreid)ifd)en Regierung ein ©nabengeljalt 



174 SQBatüfc — SBamberger. 

bon iärjrlicr) 4000 ©utben all ©ntfdjäbigung für ben Sßerluft feiner ©üter, 
augleidj aber bie ÜBeifung Drte ju meiben, an benen et mit preufjifdjen Officteren 
jufammentreffen fönute unb fotl unter angenommenem Flamen um 1764 ju 
Otaab in Ungarn geftorben fein. ©eine @t)e mit einer greiin Jg>oftr öon Soben= 
ftein mar finberlol. ©djmibt ertjiclt eine anbermeite Slnftettung. Sin am 
22. «Dlärj 1762 betfünbeter «Jtedjtlfbrud) ber Dberamtlregierung ju Sreltau 
erflärte beibe, 2B. unb ©djtntbt, für redjt* unb etjrlol unb öerurttjeilte fie jum 
£obe. (Srfterer fottte lebenbig gebierttjeitt , teuerer jubörberft enthauptet unb 
bann ebenfalls gebierttjeitt merben. SDa man itjrer nidjt fjabrjaft mürbe, fo toarb 
bal Urttjeil am 11. «JJtai 1762 auf bem ©abringe, bem fjeutigen SBtüdjerplatje, 
ju 33rellau im 23ilbe bott^ogen unb 2öarfotfcb/l SBappen aerfdjlagen. Goppel 
roorb ,§egemeifter ju ©ermenborf bei Oranienburg. 

©rüntjagen , ©Rieften unter griebridj bem (Srofjen II, 207. SSrellau 

1892. — (Sine actenmäfjige ©atftettung bei 23organgel tjat ©. |>i(tl in 

gflr. 50 51 ber ©artentaube bom 3at)re 1862 gegeben. * 33. $oten. 

Batlty: (Srjriftian SB., 3lrjt, geboren 1648 au ^>alle , ftubirte in 

Söittenberg , mar aufjerorbentlidjer ^rofeffor bafetbfi unb ßeibatjt ber ^ürftin 

©optjia «Dtargarettje bon &nb,alt=2)effau. @r ftarb 1717 ju äßittenberg. 33on 

feinen «Bublicationen nennen mir: „Scrutinium lachrymarum medico-sacrum" 

(2Bittenberg 1705); „Valetudinarium Salomonaeum medico-sacrum" (ebb. 1708); 

„Diatribe medico-sacra de morbis biblicis e prava diaeta animique affectibus 

resultantibus 11 (ebb. 1714). Sine 9teit)e bon tjintcrlaffenen «Dtanufcripten 2Barlil^ 

nennt bie unten citirte •Duette. 

^eftnerl meb. ©eletjrtenlerjcon, ©. 906. ^aget. 

iföania$: ©uftab £> einrieb, 2B., 2lugenar^t in ©reiben, geboren am 
27. gebruar 1810 ju ßamenj in ber fädjfifdjen Oberlauf^, ftubirte feit 1827 
auf ber cbtrurgifd)=mebicintfd)en ?lfabemte in ©reiben, feit 1830 an ber Seip= 
jiger Uniberfttät, erlangte tjier 1832 mit ber 3nauguralabf)anblung „De Cata- 
racta nigra" bie ©octorroütbe, mar bann anfangs s #rjt in feiner SBaterftabt, 
jog 1838 nadj ©reiben, mibmete fidj tjier all 2lffiftent bon $. 21. b. Sltnmon, 
fpeciett ber 2tugenf)eilfunbe, mürbe 1849 Slnftattlarat am fönigt. Slinbeninftitut 
1855 «Utebicinalratb, unb ätatltdjer Seifiger ber Äreilbtrection unb ftarb am 
18. «Dtai 1872. — SB. mar «Mitarbeiter ber ©djmibt'fdjen 3ab,rbüd)er feit itjrer 
SBegrünbung , SReferent über bie Seiftungen ber Dptjtrjalmotogie für ^aefer'l 
Slrdjib für «ülebicin bon 1830—1840 unb t)at noct) fonft eine greife bon 
©Triften pubticirt, über beren Stitel bie unten berjeidjnete Quelle Stulfunft gibt. 
Siogr. Ser, VI, 194. «Paget. 

Santberg: ßalpar b. 20., Sanbeltjauptmann au ©d)roeinit$ unb 3>auer, 
fott ber ©id)ter bei Siebel: „ftreu biet) fetjr, o meine ©eete, unb bergig alt 
s Jtottj unb Qual" geroefen fein. ©al Sieb ftnbet fid) auerft anonym gebrudt 
in ben bon (Stjriftopb, ©emantiul tjeraulgegebenen SBegräbnifjtiebcrn , metdje 
unter bem Xitel Threnodiae im 3f. 1620 erfctjienen. Um biefe 3 ß it tjat aud) 
ßalpar b. 20. gelebt, ©od) finbet fidj bie 2lngabe, ba^ er biefel Sieb berfafjt 
tjabe, tote el fdjeint, erft im 3f- 1720, fo ba^ bie <5ad)e mol nod] genauerer 
Untetfudjung bebarf. Sebenfatt! niirb bie ?tnfidjt, bafj bal Sieb bon Söaleriul 
£>erberger fei, nur auf Sßermutfjung berufen; unb alle übrigen eingaben über 
SSerfaffer beffelben ftimmen nidjt baju, bafe bal Sieb fcf)on 1620 gebrurft ift. 

©djamcliul, Steber=6ommentariul, Seidig 1724, ©. 84 im 9lntjange. 

— SBetjfl, Hymnopoeographia III, 360. — fjifdtjer, ^irdjentiebertejifon, erfte 

.gmtfte, ©. 193 f. t. u. 

SBanibcrgcr: Simon 2B. , Sanbfdjaftlmaler , ÜÄabüer unb Sit^ograpb, ; 

geboren 1769 au ^u^ad) (bei «Utündjen), erhielt im 3«(^uen unb 9tabiren ben 



SBarneftos — SBarnerlj. 175 

etften Unterricht öon $. ®- SBinter, bitbete fidj fpäter an ber 2lfabemie jum 
ÜJlaler, bereifte ©efterreid) unb Italien, roo er öiete, fetjr fctjätj&ore Bedungen 
fertigte. Site Ifteljrjatjl feiner £)elbilber entftanb ^u 9Mndjen. $m Söetteifer mit 
©tüte , Corner , j?obett , ßonjola unb Söagcnbauer ermarb 2B. einen guten 
tarnen; er liebte Sanbfdjaften mit Figuren, Slnficrjten au£ ber Umgegenb öon 
^IJtüncrjen unb au§ bem baitifetjen ©ebirge. S)ie 9Jtünctjener Slfabemie ernannte itm 
jum 9JHtgliebe; ^önig '»Btajimitian I. erteilte it)m ben SEttel eines ^ofmateri. SB. 
ftarb 1847 ju 2Rün($en. ©ein Porträt l)at $of. Räuber gematt unb rabirt. 
Slufjer feinen föabirungen lieferte 20. feit 1801 audj eine 2ln^af)l öon Sttt)o= 
grapfnen, meldje mit }u ben ^neunabetn öon ©enefelber'S (hfinbung gehören. 

23gl. ftaqrmSfi II, 370 unb 386. — Magier 1851, XXI, 126 ff. — 

Waittinger, «ilbercrjronif 1876, I («Kit. 2549 ff.), IV (ftr. 468 ff.). — ffiie 

Schreibung äöarcnberger ift fpäteren SDatumS. 

|>rjac. ^ollan b. 
Santefroö: |>einrict) dtjreufrieb 3ß., ^3f)ilologe, geboren am 8. £)c= 
tober 1752 in ©tralfunb, ein ©ofjn be§ 2lttermanni £$fr. ©^viftopt) 2B., befuctjte 
bie bortige ©erjute unb ftubirte (1772) in ©öttingen. 3n ber ftolge (1776) 
in (Sreifsmalb jum 2)octor ber ^tjilofopljie promoöirt , mtrfte er anfangt als 
^riöatbocent an ber bortigen llniöerfität, öon 1783 — 1807 aber als föector be§ 
©reifsrualber ©rjmnafiumS. 2Bäf)renb biefer 3"* H5 ie n iebod) feine afabe= 
mifd6,en 23otlejungen über Sjegefe unb Sitteraturgefctjictite beS clafftfetjen 2llter= 
tljumS, fomie über rjebrätjcrje 2Iltertf)ümer mit gleichem ßifer fort, unb mar auef) 
auf biefen ©ebieten fdjriftftellerifdj tfyätig. 'Jtamentlidj erroarben irjm fein @nt= 
muri ber tjebräijdjen 2Utertt)ümer (1. Stuft. 1782), unb fein anfctjeinenb buret) 
Söietanb'ö Ueberfetjung angeregtes 33uct) über ©fyafefpeare „S)er ©eift ©tjafe= 
fpeareS" (1786) allgemeine s 2lnerfennung. infolge ber $rteg§unrüt)en, in meldjen 
bae ©umnaftum als Cajaretb, berroenbet, unb ber Unterricht in bie 9tector= 
motjnung öertegt mürbe, ftarb er im October 1807 unöertjeiratfjet. ©ein 33ru= 
ber SDaüib SBittjelm 30. toar fett 1794 orbentHctjer «ßrofeffor ber 3dec^te 
unb 2>irector be£ (SonfiftoriumS in ©reifSroalb , la§ über ^nftttuttoneu , s }}an= 
becten unb beutfdjeS Stecht, unb ftarb 1809. S)e§ legieren ©ot»n 6t)regott 
Utrict) SB., geboren 1779, ftubirte 1796—1805 in ©reifäroalb, $ena, An, 
9Jtünd)en, Tübingen, $ari3, ©öttingen unb 23erlin, mürbe 1803 in $ena ^um 
3)octor ber 9Jtebicin promoöirt, unb bann (1813) ^rofeffor, fomic (1818) ©tabt= 
pb,rjficu§ in ©reiiSmalb , roo er 1830 ftarb. ©eine umfangreiche £upferfticr)= 
fammtung rourbe (1831) öerfteigert. 

Äofegarten, ©efef). b. Uniö. I, 311—314. — 33reitt)aupt, ©retfäroatber 

©ct)ulgefcrjid)te II, 13 ff. — Seemann, ©ejd). b. ®r. ©r;mnafium8, ©. 127. 

— 23ieberftebt, ^om. ©cb.riftftelter, ©. 144. — £appe, ^ommerbud), ©. 144. 

3Bantcri): 6 b,arle§ (Smanuet be 2B. , föniglicfj preufjifdjer Oberft, fpäter 
föniglic^ polnifc^er ©eneralmajor, im SOläx^ 1720 ju $RorgeS am ©enfer ©ee 
geboren, trat ganj jung beim ülegimente S)e8porte§ in farbinifetje S)ienfte unb 
naljm im polnifilen Srjronfolgefriege an ben kämpfen in Dberitalien gegen 
•Defterreid) tb^eil, namentlich) mo^nte er ben ©djlactjten bei 5ßarma am 29. Sunt 
unb bei ©uaftatla am 19. ©eptember 1734 bei. «Räubern 1735 triebe ge= 
fd)loffen mar nat)m er al8 gä^niict) ben 5lbfd)icb unb 1737, als ber $rieg 
Cefterreicb.S gegen bie Surfen auSbrad), al§ Lieutenant im ^njanterievegimente 
Äönigsegg unb' Slbjutant feines ÜJanbsmanneS, be§ ©eneralS ö. ßentutuS, faifer« 
tidje 5Dienfte, öertaujcbte biefe aber fcfjon im näcbften 3at)ie mit rujfifdjen, in 
benen er als ©renabiertjauptmann ben IFrieg gegen bie ©djroeben mitmachte. 
3n ber ©cb.tac^t bei SBilmanftranb am 3. ©eptember 1741 mürbe er öermunbet, 



176 äBatnerij. 

1742 »erlieft er Stufjlanb unb hat buid) Sermittelung bei franko fifdjen ©efanbten 
in SSertin, ©raf Gourtin, als Ütittmeifter im ^latuner'fctjen -frufarenregtment 9h. 4 
in baS ^teufeifdje ,£)eet. 3In ber ©pitje feinet ©djtoabron rüdte er in ben 
2. fdjlefifdjen Ärieg, foctjt bei Jpor)enftiebebexg, ©oor unb $attjotifctj=.£)ennerSborf 
unb mürbe roätjrenb beS gelb^ugel, als er fid} burd) einen mit ©efdjid unb 
©lud ausgeführten Ueberfalt tjetborttjat , öom jüngften 9tittmeifter jutn SJlajor 
beförbert. 2ludj jum Oberftlieutenant rüdte er au|er ber s Dteir)e auf. 33ei 58e= 
ginn bei fiebenjätjrigen Krieges bemächtigte er fid) ber SBergfeftung ©tolpen. 
Die rutjmrebige (Sraätjlung , bie er bon bem Sßorgange geliefert tjat , berutjt auf 
©rfinbung. S)er ßommanbant, ©eneral b. Siebenau, capitulirte otjne toeitereS, 
roeil er bie Unmöglidjfeit einfat), fid) ]u berttjeibigen ODHneroa 1806, 4. £)uar= 
tat, 136. 23anb). Stuf einen 23erid)t, meld)en 20. über ein öon ib,m gegen bie 
auS ©adjfen jurüdgetjenbe s Jlad)t)ut ber Defterreicrjer geliefertes ©efedjt erftattete, 
fdjrieb $önig gftiebrictj „Vous avez fait des merveilles" unb öerlietj itjm ben 
£)tben pour le mente. SDann toitt 28. fid) SBintetfetbt'S geinbfdjaft burctj einen 
SBeridjt jugejogen tjaben, in meldjem biefem nid)t genetjme Steuerungen über 
SBinterfelbfS 9Jtafjregetn bei ber @infd)ltefmng ceS fäd)fifd)en ßagerS enthalten 
geroefen feien, unb beS teueren (Sinfluffe mifjt er bie ttienig root)lrootlenbe ©e= 
finnung bei, roelctje ber $önig itjm fpäter geigte. SBorerft ftanb er bei biefem nod) 
in tjoljem Slnfetjen unb ©naben, roeldje iljm baburd) bemiefen mürben, bafj er, all 
©eneral f. ^Battenberg am 2. 9ttai 1757 einer SBunbe erlegen mar, beffen 9ie= 
giment, baS ^ufarenregiment 9h. 3, ertjielt, mit melctjem er an ben ©djtadjteu 
bei $rag unb bei $olin ttjeilnatjm. 3ltS barauf im |>erbft bie Deftetreidjer 
©ctjmeibni|} belagerten gehörte 3B. mit ber Hälfte feine! Regimentes jur 23e= 
fatmng unb geriettj mit biefer, ba ber (Sommanbant, Dberft t>.©eerS, itjn nidjt jietjen 
laffen wollte, burdj bie am 14. October Dottjogene Kapitulation in $rtegS= 
gefangenfdjaft. (Sin nad) feiner 9tüdtet)r auS berfelben auf feinen eigenen 9ln= 
trag abgehaltenes ihiegSgeridit fprad) itm frei ; er neilangte nun, bafy ein foldjeS 
über alle beteiligten (Generale abgehalten roerbe, erregte baburd) baS 9Jcififatten 
beS ßönigS, forberte feinen Slbfdjieb (6. D. ©eibt, ^kb^d) b ei * ©vofje unb feinp 
©egner, ©ottja unb @rfurt 1819) unb 30g fid} in baS ^riöatleben prüd. 1776 
mürbe er polnifcfjer ©eneral unb ©eneralabjutant beS Königs ©taniSlauS $onia= 
totoefi, lebte aber meift in Sdjlefien, ttjeilS auf bem ©ute ßangenljof bei £>el8, 
mcldjeS feine ©attin, ein griiulein D . ^ofd)embat)r, in bie @t)e gebracht t)atte, 
t^eilS in SBreStau, mo et am 8. 9Rai 1786 geftorben ift. (9ieue militärifctje 
23lätter, 38. S5anb, $otSbam 1886.) 

33ebeutenber als auf !riegerifd)em ©ebiete roaren 2öarnert)'S ßeiftungen als 
<&d)riftftetter. griebrid) ber ©rofee foE itjm in biefer Se^ietjung bei (£infenbung 
feiner erften Arbeit gefdjrieben tjaben : ,,3d) münfd)e, ba^ ©ie eben fo gut träten 
roie ©ie fdjreiben", ein Uvtljeil, roelctjeS er fpäter nid)t me^r gefällt fjaben mürbe, 
©ein 9ßerfe finb jarjtreid) unb meift erft lange nad) iljrer Slbfaffung oeröffentlid)t. 
©einer |>erfunft entfpred)enb fdjrieb er in fran,jöfifd)er ©prad)e. 3 uer ^ erfdjienen 
gegen feinen äöiüen (1766) in beutfctjer 3luSgabe „Remarques sur le militaire 
et la marine des Turcs et des Russes", meld)e bon itjm felbft in einer erweiterten 
Bearbeitung äu SreSlau (1771) unb in beutfdjer Ueberfe^ung burdj ü. Sefdjau 
1787 ju |>annober öeröffentlidjt mürben. 3Barnerrj'S ©elbftgetütjl mad)t fid) aud) 
bei biefer ©elegentjeit geltenb; er betjauptet , bafe er ber ßrfte fei, meldjer bie 
üEürfen entlatöt tjabe, bie bei rocitem nidfcjt bie gutctjt üetbienten, mit bei man 
fie meift behadjte. 5Retjt eine geiftteictje 5ptaubetei als eine ftreng miffenfdjaftlidje 
Strbeit, aber le^rreid) unb gebanfenbott, finb feine junädjft erfdjienenen „Comraentaires 
sur les commentaires du Comte Turpin sur Montecuccoli avec des anecdotes 
relatives ä l'histoire militaire du siecle präsent" (SreSlau 1777, ©t. Marino 1778), 



SBatnfönig. 177 

toetdje auctj üT6cr bie SSorgänge im ficBenjä^rtQen Stiege mancherlei ßtd^t ber» 
breiten. %l% eine ^ottfe^ung biefer Kommentare fünbigen jid) „Remarques sur 
plusieurs auteurs militaires anciens et modernes" (Dublin 1780) an, toeldje jtoei 
^arjre fpäter in bermefjrter 9teuau8gabe al§ „Melange de remarques surtout 
sur Cösar et autres auteurs militaires" (Söarfcrjau 1782) erfdjienen, fie fnüpfen 
an eine 93eurtb,eilung Gäfar'g allerlei SBemerfungen über bie ^riegättjaten anberer 
,£>eerfütjrer unb bie Steuerungen bon ©djriftftellern. (Sine bebeutenbe Arbeit ftnb 
ferner 2öarnerb/$ „Remarques sur la cavallerie" , um 1767 niebeigefdjrieben, 
äuerft 1781 ju Subtin gebrudt, 1782 ju Seidig unb 1789 au .gmnnober in baö 
®eutfdje, 1798 in baä (Snglifdje unb 1828 ju $atiS burd) ben ©rafen 2)urfort 
auS bem 2)eutfd)en in baä ftranaöfifdje jurüdüberfer^t; ber SSerfaffer berfpridjt bon 
ben Uebungen ber 9ieiterei toenig, melrr aber Don beren ©inticrjtungen unb 
Äriegäbetoegungen ^u jagen, ^auötjädjlid) mit ben ftelbjügen griebricb/g be§ 
(SJrojjen befdjäftigen jtd) „Anecdotes et pensees historiques et militaires" (gmtle 
1781, beutfdj 1782) unb, bem Sttel entfpredjenb, mit bem fiebenjälrrigen Kriege 
„Campagnes de Fröderic IL, Roi de Prusse, 1756—1762, par Mr. deW." (o. £). 
1789). 2>er Snrmtt be§ erstgenannten 39udjeS beruht tr^eitS auf eigener @r- 
iat)rung, ttjeilg toill er bielfadje s ])iittfi,eilungen non ©etjbürj erhalten unb tner 
berteerttjet tjaben; in bem jtoeiten, toeldjeä nid)t eine georbnete 2)arftellung ber 
Vorgänge, Jonbern (Sinjelnrjeiten bietet, tritt äBarnerr/§ 2lbfid)t flar t)erbor, fid) 
an bem Könige für bie ir)m toibeifarjrene 33etjanblung buxd) bie 2Jerfleinerung 
bon griebricb/s» ©röfje jju rädjen. Slufjerbem fdjrieb er „Remarques sur l'Essai 
geni-ral de Tactique de Guibert" (Varsovie 1782, 1791 ju -gmnnober in beut= 
fd^er Ueberfe^ung erfdjienen). „3)e§ £)errn ©eneralmajor bon äBatnerti fämmtlidje 
©djriften. 2lu§ bem granjöfifcrjen überfetjt unb mit planen unb Erläuterungen 
bermelrtt" tarnen in ben ^a^en 1785 bi§ 1791 auf ©djarnrjotft'S SBeranlaffung 
unb unter beffen sjJtittohfung in |)annober JjerauS. Safe ein 3B. jugefdjriebenes 
SBudj, toeldjeS juerft unter bem Xitel „Mömoires politiques, concernant la guerre 
et la paix" 1758 in granffurt unb ßeipjig beröff entließt tourbe unb fpäter 
unter beränbertem ü£itel unb eitoeitert in mehreren Sluflagen erfdjienen ift, 
toirflid) bon ib,m t)errüb,rt, Ijält 5Jlaj ^ätmä, beffen „©efdjiidjte ber $rieg3toiffen= 
fdjaften" (britte Slbtfjeilung, 3Mnd)en unb Seipjig 1891) nähere 9Jtittrjeüungen 
über 20. als ©djriftfteUer bringt, nidjt für toarjrfdjeintict). 35. $oten. 

SSarilfÖIltg: Seopolb Sluguft SB., ^urift, geboren ju SBtud^fal am 
1. Sluguft 1794, f au Stuttgart am ©djlagfluffe am 19. Sluguft 1866. ©einen 
etften Unterricht erhielt er im ©djiloffe $iälau, toorjin fein SBater al§ fürftbifdjöi* 
tid) fpeirifdjer Beamter berfetjt mar, in einer ^eftatojjr'fdien 2lnftalt, madjte 
bie Sßorftubien auf bem ©tjmnafium ju Srucbjal unb bem ßbeeum 3U 9taftatt, 
ftubirte 9ted)tämiffenfd)aft in $eibelberg feit 1812, bon Oftern 1815 ah in ©öt= 
tingen , mo er im folgenben ^ab,re ben jurifiifd)en S)octorgrab erlangte. Sßäl)* 
renb ber ©tubien rjatte er 1814 für eine römifcfy=red)tlid)e 9lbb,anb(ung eine 
^rei§mebail(e befommen. Sfn .Hpeibelberg tjatte er bie Sßorlefungen bon ,^)eife, 
Martin, 2b,ibaut unb Sadjariä befudjt, in ©öttingen mar er befonberS |)ugo 
nab,e getreten. Äurje Qtit bauerte feine balb nact) ber Promotion begonnene 
2t)ätigfeit al§ ^ribatbocent in ^eibetberg, ba er fdjon im ^. 1817 einem Otufe 
an bie neue Uniberfität ßüttid) für römifcb.eS unb 9iaturred)t folgte. ^Infänglicb, 
ber franabfiferjen ©prad)e nid)t böüig mächtig letrrte unb fc^rieb er lateinifd). 
3m % 1827 an bie Uniberfität Sbmen berfe^t tourbe er burd) bie Ütcbolution 
bon 1830 berantafjt, bem 9lufe ber probiforifd^en Regierung nacb, @ent ju folgen, 
roo er bom i?. Seopotb jum ^titgliebe ber ©efe^gebungScommiffion für ben Unter* 
rid)t ernannt tourbe. S)a§ %ah,x 1836 braute ib,n in baS Saterlanb jurüd, in= 
bem er ben föuf an bie Uniberfität ftreiburg annatjm, too er föottetf'8 ''Jlacb.folger 

aaqem. beutfe^e 58ioflraöt)ie. XLI. 12 



178 SBaxnfontg. 

«mibe; im $. 1844 ging er als ^rofeffor bes $ird)enred)t§ nad) Tübingen, 

roo er bis au bet auf fein Slnfuchen im 3. 1856 erfolgten ^enftonirung 

lehrte , er fiebette nunmehr nach Stuttgart über. SB. mar ein ©elebrtcr Oon 

einer feltenen Stttfeitigfeit. ©eine miffenfchaftlichen Seiftungen umfaffen ein 

meites ©ebiet. ©tc „ftlanbrifche Staate unb RechtSgefchichte" (3 Bbe., 

1835—42), „Histoire du droit belgique" (1837), „grantfftfche «Staats« unb 

Recbtsgefchicbte'' (in Berbinbung mit Sor. «Stein, 3 Jöbe., 1845—1848), traben 

ben Anfang ber Bearbeitung eineä gmeigeä ber Reibjs^efchichte gemalt, bie 

bleibenben 2Bertb bat; bie „Hist. des Carolingiens" (in Berb. mit ©6rarb, 

2 Jöbe. , 1862) , Ueberfetmng Oon Commentaires de Charles Quint publiäs par 

B. Kervyn de Letteuhove (ßeipaig 1862), bie „Beiträge jur ©efchi<hte ber 

Cuettenfunbe bc§ Sittlicher ©emobnfceit§rectjt§" (greift. 1835) haben nebft ben 

Dorberge&enben ihre (fntftetjung bem 2lufentt)alte in Belgien p banfen. «Seine 

Setjrbüdjer „Doctrina iur. philos. aphorismis distincta", „Institutiones iuris ro- 

mani", „Commentarii iuris romani privati" (3 vol.) finb nictjt blofj in Belgien, 

fonbern auch in Günglaub, Spanien unb Portugal biet benufet roorben, fie tjaben 

nebft ben a uer !t genannten unb ber „Histoire externe du droit romain" feinen 

Warnen außerhalb 5)eutfct)lanb£ ju einem ber betannteften gemacht. SDie „Rechti* 

philofophie atö Waturlebre be« Rechts" (ftreib. 1839), „Borfdmle ber Snftitu« 

tionen unb ^anbecten" (baf. 1839) bienen ebenfalls bem SeJjraroefe. (Sine 

s 2lnäabt oon «Schriften ift ben in ber 3^it be8 (hfcfjeinens brennenben firchen« 

politifd)en 2f ta 9 cn geroibmet: „SDte Kirche granfreidjä unb bie UnterricbtSfrei^eit" 

(öf"i&urg 1845); „2)ie Jat^olijc^e ftrage im Sommer 1848. Sin Berfuch it)rer 

ßöfung für äöürttemberg" (1848); „Sic fattjoiifcbe Kirche im anfange bes 

Saferes 1849" (greift. 1850); „lieber ben Gonfiict bes (Spifcopats ber ober= 

rtjeinifchen Ähdjenprobina mit ben SanbeSregierungen in berfelben" ((Srlang. 1853), 

franj. „Expose" historique et raisonne" du conflit entre l'episcopat et les gouver- 

nements composant la province ecclösiastique du Haut-Rhin en Allemagne" 

(Brux. 1854); „®ie ftaatsred)tticbe Stellung ber fattjolifcben Kirche in ben 

fatfooliftfjen ßänbem bes beutfchen Reichs, befonberä im 18. 3at)rhunbert. (Sine 

rechjsgefchjchtliche unb bogmengefchichtlidie Slbbanblung" (Sri. 1855). $u liefen 

«Schriften tritt noch eine grofje 8atjl bon 91bt)anblungen, Slnaeigen, Befpredjungen 

Oon juriftifchen Sdjriften, namentlich auch folctjer über firchenrechtliche Materien 

in berfchiebenen geitfchriften , fomie bie 2Jtttrebaction ber „geitfctjrift für ©ibil« 

unb ßriminalrecbt", ber „üLhemts" u. f. ro., äute^t noch eine Schrift über „2>on 

ßarlos" (Stuttg. 1864). @s ift nicht möglich, bafj bei einer folchen bietfeitigen 

fdjrijtfteHerifcben ütljätigfett jebe fieiftung berborrage. $eine ift feiert unb jebe 

berrätb boHe ßenntnife bes Stanbes ber ßitteratur. Stuf fireblichem ©ebiete 

tritt er fern Don $trd)enfeinblid)feit als liberaler $att)olif im ©elfte eines ge« 

mäßigten Sofefinismus ein für bie Rechte bes Staate, belämpft bie Slnmafjungen 

ber Hierarchie, melche er namentlich in bem rücfficfjtslofen Borgern bes ober= 

rtjeinifchen 6pifcopatö fat). 2)urd) feine aufgeführten Schriften in biefem Sinne; 

nod) mehr burd) bie Befprecfiungen ber einfe^tägigen Schriften unb burd) Slrtifel 

in Leitungen, toorin er bie s 4>olitil ber (Soncorbate befämpfte unb bie Regierungen 

marnte, |at er, roo^u aud) bie rutjige unb leibenfdjaftglofe SDarftellung beitrug, 

ganj äroeifelloä @influ| geübt auf bie Regierungen bon Baben unb SÖÜrttemberg. 

s 4$erfönlicfc mar 2B. ein anfprucbülofer , äufeerft gefälliger 2ftann, ber allgemeine 

2ldjtung genofe. Sefetereä bemieS bie 5)titgliebfd)aft öon 25 Slfabemien unb ©e= 

feEfcbaften berfdjiebener Sänber fomie bie feiten§ ber 9Jtonarcfeen, benen er biente, 

ihm au theil gemorbene @l;rung burch 2itet unb Drben. 

2lEg. Seit. 1866, Beil. ftr. 258. — b. Söeech, Biogr. II, 425 f. 

b. Sdjulte. 



SBarren*. 179 

Satltftebt: 5X b o t f ßbuarb giiebtid) ^otjanneS P. SB., geboten am 
9. Stpril 1813 in ber ©tabt ©djleSWig, ©ot)n be§ $ammerr)errn Öftanj Submig 
ü. 28., BefitjerS ber abeligen ©üter ßoitmarf unb (SSpeniS. Vorbereitet auf bem 
(jJömnafium in tylim unb bem ^äbagogium ju Slfetb am <£>at3, ftubirte er bie 
9tectjte auf ben Umderfitäten in i?iet unb (Söttingen unb beftanb 9Jtictjaeli§ 1837 
baS juriftifdje SlmtSejamen in $iet mit bem erften ßtjarafter. 6r matb barauf 
2ImtSfectetär auf bem 2lmtt)au8 p ÜieinbecE, 1840 commiffarifdjer Amtmann jju 
Ütaöenttjal unb 1842 TOgtieb ber fd)l.=f)olft. Sanbegfanjlei in ßöpentjagen. SDen 
gleichzeitigen 9Ruf ^um ^ßrofeffor ber *Rationalöfonomie in $iel an (Stelle beS 
nad) ßeip^ig berufenen s 4$rofeffot& ©eorg <§)anffen , tetjnte er ah, fomie gteidjfaEö 
fpäter 1852 bie Berufung als ftac^folger ftalf'3 (f. 91. ffi. 33. VI, 539). 'SBei 
aller Siebe jur äöiffenfdjajt 30g er bod) bie praftifdje ßaufbatm bor. 1850 er« 
nannte Um bie iurtftifdje gacultät in ßiel sum (Jrjrenboctor unb 1859 bie 
pt)ilofopt)ifdie gfacultät in (Söttingen jum Dr. philos. Bei ber ^Räraretiolution 
1848 in $opent)agen legte er freiwillig jein 2Imt als SDepartementSdjef ber 
$anjlei nieber unb trat im Dctober b. $. als Statt) in bie fd)l.=t)olft. Regierung 
in ©djIeSWtg. äöätjrenb biefer 3eit War er aucr) Slbgeorbneter jur fd)le3w.t)olft. 
ßanbeSPerfammlung. 2113 aber 1851 baS bänifctje Regiment in ben |)erjog= 
ttjümern wieber eingelegt warb, legte er aucr) tjier fein 5lmt nieber. @r machte 
barauf aunädjft längere Reifen in 2)eutfd)lanb , bis er im £)crbft 1852 als 
JKegicrungSratt) in 5Jterfeburg angeftettt Warb. 1853 folgte er bann einem Stuf 
als dortragenber fRat^ in baS f. tjannoderfdje s Utinifterium , wo itjm dorjugS* 
Weife bie 5lngelegentjeiten ber ©öttinger llniderfität übertragen würben. — Ber= 
fdjiebene Berufungen nad) äöetmar, Slltenburg, felbft nad) Berlin lehnte er ab 
unb warb bafür jum ©eljeimen StegierungSrattj ernannt, aud) mit bem ©uetptjen» 
orben gefdjmüdt. 2lm 1. Slpril 1868 ging er nad) ©öttingen als Kurator ber 
UniPerfität. «£>ier wirfte er, bei ber llniöerfität rote in ber ©tabt in t)ot)er 2lct)= 
tung ftetjenb, Ui förperlictje ©djwädje ilm 1888 nötigte, feine Smeritirung nadj= 
äufudjen. 6r ftarb am 20. 9Jtai 1894. gür fein engeres Batertanb ©d)te8Wtg= 
^)olftein fütjrte er bie geiftigen SGßaffen. 3fn ber erften ^eriobe erfctjien Pon it)m: 
„Stenbsburg, eine tjolfteinifdie ©tabt unb geftung" (1850); „35a8 ßronwert ber 
Sfeftung StenbSburg" (1851). 3fn ber jweiten 4 4* er i°be: ,,©d)le3Wig=,g>olftein3 
Stcdjt, SDeutfdjlanbS ^ßfXtc^t unb ber ßonboner Sractat" (1863 in 3 5lufl.); 
„©taat§= unb (hbredjt ber |>erjogt^ümer ©crjleSmig^otftein" (1864 in 3 2lufl.); 
„2>a§ ütecrjt ber ©rftgeburt in bem ©.=£). gütftenljaufe" (1864); „llrfunblic^e 
Beiträge $ur ©.=^>. ^-rage" (1865); „5Die Olbenburger unb Branbenburger @rb= 
anfprüctje auf baä ."perjogtcjum ©c^le§röig--^)olftetn" (1865). SDiefe ©Triften, 
roenn au<^ in erfter Sinie ber politifctjen SOßirlung innerhalb ber augenblicllicrjen 
©actjtage geroibmet, finb äugleid) aEe oon miffenfcljaftticlier Bebeutung. 

SUberti, ©^«ftftcHerlejif. II, 338. ftortf. II, 358. SarftenS. 

SScrrcilö: ßbuarb 2B., geboren in Slltona ober ©totftjolm im ^. 1820, 
t in äßien am 5. Januar 1872, roar ber ©o^n iübifdjer Altern — fein Bater 
rjtefj SBolf 2lren§ — , felbft ieboef) proteftantifc^er ßonfeffion. @r ging in jungen 
3ar)ren aus Jpamburg, roo fein Bater ein angef ebener Kaufmann war, nact) 
5lmerifa. 5iäl)ere§ über feine ßebenäfcfjidfate bafetbft ift nietjt befannt. IJJtan 
weife nur, bafe er fid) bort al3 ©acrjWaltet unb politifdier 5J}ublicift ©influfe unb 
Flamen Perfc^affte. ®r rebigirtc ben „Sinniger be§ äöeften§". 6r fpiette eine 
ljerüorragcnbe äiolle in ber agitatorifdjen 2|ätigfeit für bie 3öat)l be« Spx&ft« 
benten ^ame§ ^olf unb tarn bann in ben öicrjiger Satjren als amerifanifdjer 
(SonfuI nac^ Srieft. ©ort trat er balb in Berbinbung mit bem £)eftcrreid)ifd)en 
Stoöb unb würbe inäbefonbere oon Äarl Brutf, ber einer ber 2)irectoren biefeS 
Unternehmens War, fowie Pon bem ©ouöerneur ©rafen ^ranj ©tabion wegen 

12* 



180 SBarrraä. 

feines burdjbtingenben SßerftanbeS, feines metten ©efidfjtäfreiyeS unb feinet aujjer= 
gemöljntidjen pubttciftifcijen 23efät)igung gefdjätjt. ^m $. 1848 überftcbelte 20. 
auf SBunfd) beS ©rafen ©tabion, meldjer bamatS als 9ieid)8tag8bebutirter in 
Sßien meitte nnb fbäter als ^Jlintfter eine roidjtige ©teile einnahm , nadj Söien 
unb leitete bort bie feiner 3cit in ütrieft gegrünbete unb nun gteidjfaltS nad) 
SCÖien überfiebelte 3 e ^ utl 9 »2) et Oefterretdjifdje Slotjb". S)iefe 3 e üung, roeldjc 
urfbtünglid) einen botroiegenb commerciellen unb üolfStoirtrjfdjaftlictjen ßtjarafter 
fjatte, mürbe nunmecjr au einem politifdjen SBlatte umgeroanbelt unb erfjob ftdj 
namentlich roär)renb beS ifrimfriegS ju pemticc) Ijerborragenber 93ebeutung. «g>ier 
fdjon jeigte fidj jebod), bafj 30. mit feiner glänjenben Begabung als ©djrift» 
fteller feineSroegS einen feften (Stjarafter berbanb, unb im Saufe ber 3eit, als er 
nad) 3Iuft)ören beS ßlorjb in ber „Defterreidjifdjen 3eitung" unb fpäter im „SBot= 
fdjafter" füljrenbe Collen innehatte, biente er nadjeinanber ben tierfdjiebenften 
Strömungen , wie fie eben jur 9Jtad)t gelangten. %n ber ^eriobe ber 3}er= 
faffungSfiftirung unter Selcrebi berfod)t er bie ^olitif biefeS teueren , unb eS 
mar feine Gncftnbung, bafj pm Qtoedt ber ^oputarifirung berfelben unter bem 
Xitel „Söiener Sagblatt" ein t)od)officiöfe8 SSlatt gegrünbet mürbe, roeldjeS im 
Söiberfbrudj mit ben gefetjlidjen Seftimmungen Befreiung bom 3 e itungSftempel 
genofc unb baljer in ber Sage mar, im 9lbonnement8breiS ben anberen 3eitungen 
eine iHorjale doncurrenj ju bieten. ßine 33elor)nung für SOßarrenS' 2)ienfte lag 
in ber im i^ult 1866 erfolgten Söerleirjung beS ,£)ofratf)StitelS, meiere eine nidji 
geringe Sßerftimmung in bem Greife ber burd) langjährige, ernfte ©ienftleiftungen 
3U biefem t)orjen 9tang emporgefommenen roirflidjen unb legitimen .£>ofTätt)e fjer» 
borrief. 9118 nad) ber Söieberferjr ber conftitutionellen 2Iera unb bem erfolgten 
SluSgleid) mit Ungarn eine eigentliche botitifd)e SBermenbung beS ^ubltciften, ber 
fo biele SBanblungen offen jur ©djau getragen fjatte, nidjt gut meljr möglidj mar, 
grünbete er felbft eine 2öod)enfd)rift („äßatrenS' 28od)enfd)rift für ^olitil unb 
SßotfSmirttjfdjaft"), in beren erfter, am 10. fjfe6ruar 1868 erfdjienener Kummer 
er übrigens in bem einleitenben Slrtifel fagte, bafj „biefeS SBtatt btefleidjt nic^t 
einem allgemeinen Sebürfnifj, aber {ebenfalls bem SBebütfnifj feineS SeiterS ent* 
fbred)e". UcbrigenS erfreute fid) biefeS Statt bis ju SöarrenS' £obe einer nid)t 
geringen Söebeutung, inSbefonbere in ginanjimfen, ju roelcfjen 20. mit bem nid)t= 
bubliciftifctjen Srjeile. feiner *]3erfönlidjfeit aud) gehörte. SDenn er mar allezeit 
ein lüljner unb magtjatftger SSörfenfbeculant , bem, mie er felbft einmal fagte, 
baS ©biet al§ fotdjeS gerabeju SöebürfniB toar, unb ber in bem ©eminn in erfter 
Sinie ba% roittfommene Mittel fat), immer metter 3u fpielen. greilid) Oerfagte 
it)m aud) oft genug biefer ©eminn. 3fm Saufe ber jjmei S)ecennien , mät)renb 
melier er in 2Öien lebte, fdjmanfte fein 58ermögen§ftanb mehrere 9Jtale jmifdjen 
Millionen unb nid)tS ober meniger als nid)tS. S)od) aud) eine öoüftänbige 
ftnanjiette 9lieberlage brüdte iljn nid)t nieber. 6r acceptirte fdjlanfmeg unb 
offen öor aller Söelt bie burd) eine fotctje gefd)affene neue ©ituation, um mit 
toerboböeltem Stfer ftd) neuerbingS in ben ©trom ber Sörfengefdjäfte 3u toerfen, 
bis eS i^m mieber glüdte, ju anfeb^nlid)er Jpöt)e emporsteigen. 3fm $. 1872 
ftarb er, als er gerabe in einer feb,r günftigen ©peculation begriffen mar, nad) 
furjem Äranfenlager unb fjintetliefj ein beträd)tlid>eS Vermögen. 3öie auS bem 
©efagten IjerOorgeb^t, gehörte SB. ju jenen nacb^ einer beftiuimten 9lid)tung rjin 
Ijerborragenb begabten 9ftenfctjen, meldje megen Mangels eines feften (IfjarafterS 
Oon fittlidjem «g>att mit biefer ^Begabung objectiö 9lü^licb^eS unb 23teibenbeS 
nicr)t ju fctjaffen betmögen. ßinftimmig mar bie 3lnerfennung feiner publiciftifdjen 
^fä^igfeit. „3BarrenS , geber mar", fo t)iefj eS in einem 9iad)tuf, „mie man 
aud) über bie medjfeltoollen S)ienfte benfen mag, bie fie ben berfd)iebenften 
©rjftemen geletftet, eine geniale; in me(d)er 9tidjtung er aud) immer fdjrieb, im 



2Göarrens. 181 

Angriff , tote in ber SBerttjeibigung , immer fdjrieb er btenbenb unb geiftreid). 
2)en Dom ©tanbpunft ber 23emunberung publiciftifdjer gätjigfeit gefpenbeten 
SBeifaE rjatte er immer für fid), unb aud) feine (Segner Derfagten itjm biefen 
nid)t." 21I§ ©rgänjung rjieju fei eine ©teile aus einem anberen ftadjrufe an* 
geführt, meldje lautet: „63 Derfdjlug itjm nid£)tS, auf bie unrtdjtigften, mit ben 
Stjatfadjen im grettften ßontraft ftetjenben 93orau3fetmngen bie ejceffioften ©djlüffe 
aufzubauen unb S£f|eorien nad)<}uget)en , bie jeber Säte al3 unhaltbar erfannte. 
63 mar manchmal, al3 ob er ein SSe^agen baran fänbe , feinen ©djarffinn — 
unb fotdjen befafe er in fjoljem ©rabe — bafür einjufe^en, um bemufjt etma§ 
galfcrjeg als richtig barjufteüen, toie feine 93anftljeorie betoetft, bie ib,n in ber 
leisten $eit jum S)ogma Don ber gubertäffigfett ber enblofen s JtotenOermel)rung 
üerfütjrte , fo bafj er jebe metalttfdje ^otenbebedung perfjorre3cirte. s .Katürlid) 
mufjte er bagegen oft genug in ben Permitfeltften fragen burd) feine burd)= 
bvingenbe $ritif zu trappiten unb felbft bie ©egner ftutug 3U machen". Dbtoot, wie 
nadj bem (Sefagten felbftoerfiänblidj ift, e» aud) bei feinen Seb^eiten niemanbem 
einfiel, 2B. al3 politifdjen Stjarafter ernft ju nehmen, fo nafjm er bod) aud) im 
gefeüfdjaftlidjen Seben 2Bien3 eine tjerPorragenbe ©tellung ein, in3befonbere in 
ber ginanätoett, tooju nict)t menig aud) bie ungemein angenehme unb anregenbe 
3lrt be3 Serless unb ber ©efprädjgfürjrung beitrug, meldje ifm ju einem Diel* 
gefügten unb fetjr gefctjätjten gefigenoffen machte, ©ine, toie e3 fdjeint, feb,r 
jutreffenbe äötebergabe feiner ^nbioibualität finbet fid) in griebrid) Urjl'3 Dtoman 
„2)a3 |mu3 gtagftein", in meinem 28. unter bem Tanten „Dr. -gmfting" eine 
ber midjtigften Figuren bitbet. 91. 0. S)orn. 

SBorrenö: 9iofa 20. , eine treffttd^e Ueberfe^erin norbifdjer SöoU« lieber, 
mürbe am 24. gfebruar 1821 ju $ar(3frona in ©djtoeben geboren unb fem 
fdjon im 5. 3at)re mit ifjren 6ltern nactj Hamburg, roo fie aud) big <$u bem 
£obe ifjre3 33ater3 %en 28otjnfit| beibehalten t)at. Dirne je eine öffentliche 
©ctjule befudjt unb einen geregelten llnterridjt empfangen ju fjaben, eignete fie 
fiel) bod) ein umfaffenbe3 2Biffen an unb mar befonber§ bemütjt, itjr poetifd)e3 
Talent merjr unb metjr au^ubilben. 5Jlit befonberer 33orliebe Pertiefte fie fiel) 
in ben notbifdjen ©agenfreiS unb Oerfuctjte, bie 93olf3lieber beffelben im 33er3= 
mafj beö £higtnal3 roieberjugeben. %tyt erfte Slrbeit biefer 9lrt, „©djmebifdje 
Söolf3lieber ber SSor^eit. 2lu3 ben Sammlungen Pon ®eijer unb Melius" 
(1856), fanb eine fo günftige Stufnaljme , bafj fie baburd) p meiteren Ueber= 
fetmngen ermuntert marb unb in ben nädjften ^atjren noeb „Sänifdje S5olf§= 
lieber ber Sorbett. 2lu§ ber ©ammlung Pon <B. ©runbtoig" (1858); „©erjot* 
tifäe ©olfölieber ber «Borjeit" (1861); „3toei ßieber ber gbba" (1863); 
„9cormegifd)e, ielänbifdtje , farötfdje 33olf§lieber ber 33or^eit" (1868) fjerauögab. 
©eit bem Sfafjre 1861 lebte ütofa mit iljrer Ijocljgebilbeten unb Ijod^betagten 
9Jlutter in ftiller 3utücfgejogenb / eit in 93erlin, auS ber fie nur tjerauStiat, als 
e§ in ben Ärieg^eiten galt, bie 2öerfe ber Sarmfjeräigfeit unb £iebe ju üben. 
$n Setiin lie^ fie auclj eine ©ammlung eigener geift= unb gemütrjOoller ,,©e» 
bidjte" (1873) erfcfjeinen , in benen eine fdjmermüttnge ©timmung Ooirjenfdjt. 
3fm ©ommer 1878 t)atte 9iofa 20. itjre 84iät)rige Butter nadj ^reienmalbe 
3ur 6ur begleitet unb letjtere Ijier burcr) ben Stob üerloren; eine ältere, in 
$openl)agen molinenbe ©djmefter eilte 31t ber Skrlaffenen unb bemog fie ju einer 
Ueberfieblung nadj ber bänifdjen ^auptftabt. ©ie Üieife mar audj glücflid) 
^urücfgelegt , aber nad) faum adjt Sagen madjte ein ^erjfdjlag, bem ein furjeg 
linmotilfein Poranging, bem Seben ber 2)idjterin (8. 5loOember 1878) plö^lid) 
ein 6nbe. 

£ina 5Jlorgenftern, ®ie grauen b. 19. M^. 93iograpb^ifd)e u. futtur« 
fliftor. 3eit» u. Gfjaraftergemälbe III, 95 ff. 33erlin 1891. 

ftranj SBrümmer. 



182 Sßarebetg. 

SÖarSberg: 211 ej an ber greife rr b. 30. , (Sdjriftftetter unb Sourift. 
3)erfelbe, au§ einer uralten, fdjon 1150 florirenben Familie ftammenb , mürbe 
am 30. 5Rärj 1836 ju ©aarburg bei ülrier geboren; fein SSater mar ber preufjifdje 
Äammertjerr $of- Sllejanber f5"i^rr b. 28., feine Butter eine %xnt b. 2Bijtten= 
bad^i ; it)rem feinen ©inn berbanfte unfer Slutor, roie alle wahren s $oeten für 
iljre 23egabung immer bie ^Jlutter etjren, bie SBegeifterung für aHeS düble, ©djöne 
unb ©rofje. Der 93ater überfiebelte batb nad) Oefterreidj unb taufte fid) in 
©raj an, too Sltejanber baS ©tjmnafium unb bie Uniberfität, aud) ein 3at)r 
lang ju 9Mnd)en , befudjte. Obmol bon i^ugenb auf fränflidj, brängte e§ it)n 
bie SBelt ju feljen; frühzeitig mit ben claffifdjen Tutoren bertraut, lernte er 
niete ©pradjen , la§ gerne gefd)idjtlid)e Söerfe unb 9teifebefd)reibungen unb er= 
roarb eine enttmfiaftifdje Siebe jum Orient, inäbefonbere burd) baä faft unaus= 
gefetjte ©tubium be§ Jpomer, inäbefonbere ber Obrjffee, meldje ju bertjerrlidjen, 
er niemals ermübete. 2lud) oblag er ben einfd)lägigen 3caturn>iffenfdjaften , na= 
mentlid) ber 23otanif unb ©eologie unb culttbirte bie $unfigefd)td)te. ©djon 
tt)ät)renb feiner SßrajiS an ber ©tattt)alterei <ju ©raj befaßte er fidj mit Heineren, 
fdjriftftelterifdjen arbeiten unb ber gufammenfteltung feiner Stagebüdjeraufaeid)« 
nungen. %m %. 1858 mürbe 20. jur ©tattt)alterei nactj 33enebtg üerfetjt, bann 
1859 roieber nad) ©raa jurütfgerufen. ^ier mürbe er 1863 mit bem 33otfd)after 
Slnton gteitjerrn b. $rofefdj=Often befannt, melier ben itjm bielfad) geiftber= 
manbten Jüngling mieberfjolt jum ^Begleiter auf feinen Urlaubsreifen burd) 
Italien, bie ©d)meij, granfreid) unb enbüd) aud) nad) ßonftantinopet mäljtte. 
©eine fdjriftfteHerifdjen 33erfudje bradjte er juerft in bie ©rajer „Sageäpoft", 
bann in berfd)iebene SBiener 23Iätter unb inäbefonbere in bie Slugsburger „SIE« 
gemeine 3 £ itung" , in toetdjer bie meiften feiner nadjfolgenben 33üdjer juerft in 
einer 9teit)e bon 9teifeberid)ten erfdjienen, bie burd) ^orm unb ^ntjalt ein banf» 
bareä publicum toecften unb feffelten. ^nSbefonbere aber mar e§ SSenebig, 
meldjeä unferen 2lutor ent^ürfte. s Utit ber überljaupt fein ganjeS ©ein unb 
Söalten fennjeid)nenben ©tüdfetigfeit pries er bie ßagunenfiabt, wo eö it)m fo 
tt>ot)l mar, too er fo gern berroeilte, bie „fd)öne ©tabt, bie it)m nie ein ßeib ge= 
ttjan". «gner fafjte er ein lebljafteS $ntereffe für bie |>anbetebejiet)ungen Oefter= 
reidji jutn Orient, ^n befto größere „leibenfdjaftlidje 3Jer3meiflung" bradjten itjn 
bie Sßerb.ältniffe beö ^atjreS 1866. ^)err b. 20. trat at§ Soncibift in§ .g)anbel§= 
minifterium ju 2Bien. 2)en bolf§toirtt)fdjaftlid)en , inöbefonbere commerciellen 
fragen blieb fein Stugenmerf pgetoenbet; mit bem Orient aber unb £)efterreid)S 
SBertjältnifj 3u bemfelben befdjäftigte er fid) nun lebhafter al§ jubor. 5cun unter« 
na^m er feine erften 9leifen bal)in; at§ erfte grudjt erfdjiett fein „©ommer im 
Orient" (2Bien 1869 bei ©erolb). 35urd) bie llumittelbarfeit feiner färben» 
fprüt)enben S)arftellung ermarb er fid) fdjneU ben gearteten tarnen einei ©djrift« 
ftetterS, obtool er fid) immer nur al§ einen „Dilettanten mit ber fabex" , einen 
„$t)otograpt)en, einen ©üajenäeidjner nad) ber 9tatur" betradjtete. ©eit er bann 
— nad) turpem S)ienft im 9Jtiniftertum be§ SluStoärtigen — au§ ©efunbl)eit8= 
rüt!fid)ten als ßonful nad) Gorfu fid) berfe^en liefe , ging root taum ein 3at)r 
bortiber, in meldjem er nid)t über ba§ 5Jtittelmeer fut)r; 1868, 1869 unb 1871 
bereifte 208. 3legt)pten; 1870 berbradjte er jur Pflege feiner ©efunbljeit mehrere 
Monate in 6orfu, 1880, 1883 unb 1884 bereifte er Slttifa, £t)effatien, ßpiruS, 
ben 5|3etoponne§ unb bie griedjifdjen unfein ; 1868 ©brien unb 1881 ßibt)en. 
UeberaU fanb er fidj fdjnell b^eimifd). ©ein 3?ül)rer nU | tiefen ftafyxten mürbe 
itjm — ebenfo mie bem beinahe gleidj^eitigen ©d)liemann — ber alte treue |)omer ! 
%m 3f. 1878 trat er bann mit feinen „Obtjffeeifdjen Sanbfd)aften" (äöien bei 
©erolb, brei S3änbe) l)erbor, meldjen er mit üted)t ba§ 5Jtotto „2öer ben ®id)ter 
mitt berfteb/n, mufe in S)id)ter§ Sanbe geb/n" borauS fe^te. 2)er erfte 33anb 



äßarsfcerg. 183 

fd)ilbert ba§ ,,9teid) beS s 3Hfinoo£" , bet jtDeite bie Golonial=Cänbet bei alten 
$otftita=£rjtrr)acf)ium unb (JpibamnuS unb ba£ Vorgebirge üon Slctium (babet 
aucf) bie clafftfctje Scfjilberung biefer berühmten Sctjlacfjt !) , bet britte fjanbelt 
Dom „fReid^ be* CbtjfjeuS" , beffen fiebenteS Sucf) bie ^btotte Stfjafa enthält. 
35iefe glänjenben ffteifebriefe übet $tf)afa erfcfjienen juerft 1878 unb 1879 in 
ben ^Beilagen ber „allgemeinen 3*ttung" unb fpäter nodj als $radjtmerf mit 
5 gatbenbrucfen unb 40 $r)otott)pieen narf) OriginaUeicfjnungen bon ßubmig £an3 
giftet (äßien 1887 bei ©erolb). 3m 3f. 1884 folgte bet erfie Sanb bet 
„,£)omerifcb,en Sanbfcfjaften" (SBien bei 6. ©raefer), ent§attcnb : baS Sfteid) beS 
Sarpebon, fötmboS unb bie unfein beS Slegäer^eereS. 2ln ber SBottenbung beS 
jmeiten SBanbeS mit trojanifcfjen, ttjrafifcfjen unb bitf)t)nifcf)en ©ccncrien Einbette 
ifm leibet bet £ob. So. folgte auf feinen 2öanberfaf)iten ben ©puren beS an= 
tifen 2ebenS ; et glaubte fie nid^t nut in «Hamen unb Diuinen, fonbetn aucf) in 
ben 9Jcenfcf)en, ifjren äufjeren formen unb innerem Sßefen nacf) in 5'ülie ju 
finben. 2>ann aber jog itjn aucf) baS Otientalifctje an, baS er ber antifen SBelt 
näfjer unb tierroanbter mahnte, als unfere moberne, abenblänbifcfje Gultur: „So 
oft fictj bie ÜJtenfcf)f)eit bort (im Grient) fcfmn erfrifdtjt, neue Ütetigionen unb 
$been geholt f)at, leichter noef) toirb eS bem einzelnen auf jenem gefcf)icf)tS* unb 
gotteSgefjeiligten S3oben, feine «Seele mieberpgebären im ©etfte ber 2öat)rt)eit unb 
beS ©laubenS." So fjaben feine Reifen ein getoiffeS pietättootteS , Zeitiges $iti, 
gleicfjfam feie bie eines ^ilgerS nacf) Stella ober äerufalem : bie (Srbauung unb 
äßiebergeburt ber «Seele. SöaS bei SEituS Nobler ober gattmeratjer unter ben 
3)ornen ber Äritif unb *pt)ilologie üermudjerte , lobexte bei gleicf) grünblidjer 
©eleljrfamfeit im anbädjtigen $euer bon SBarSberg'S Segeifterung freubig be= 
lebenb unb ertoärmenb empor. S5er £efer befommt fjotje s .äcf)tung für fein 
fjforfcfjen unb äßollen. 2ßaS babei am meiften mitmirft, ift bie frifdje, fnappe 
Unmittelbarfeit beS ftorfcfjerS, 2)enfetS unb ^JtaletS. 2BaS er fcfjreibt finb feine 
nacf) ber 9iücffef)r am füllen 5Jhitt aus ftottjen unb ßrinnerungen regelrecht äu= 
fammengefteüten, betfctjönten 33erid)te, fonbein meift toafjre 2agbud)blätter , im 
^elt auf ben Üjfifcfjen Sergen, ober auf einem Segelboot, etwa jmifd)en $epl)a= 
tonia unb $tf)afa fjingemorfen , mie bie Sfi^en eines £anbfcf)aftSmalerS , apt)o= 
riftifdj unb fragmentarifcf) , immer aber baS ßrgebni^ ernfter ©tifte§arbeit unb 
in feffelnber, meifjeü oller Stimmung. SBismeilen tjat er bann toot noctj in feinem 
©arten ju dorfu ober auf einer ber Sitten am domerfee, eine letzte geile an 
feine ©ebilbe gelegt, aber nur feiten unb auSnafjmätDeife; betübelte er ja feinem 
Vorgänger unb ßefjrer ^rofefcf)=Dften (toelcfjem er übrigens bei beffen Ableben 
ein fo meifterl)afte§ btogtapf)ifcf)e§ 2>enfmat in ber „Slügenieinen Leitung" fetjte), 
bafe berfelbe gar ju öiel geformt unb gebeffert f)abe. S)a§ Sefte in allen SBücfjern 
mar itjm — „unb felbft roenn ti ba8 gefjlerfjafte ift" — baä SubjectiDe, bae 
allein neu ift. SBo itjm bie ^iftorie ben ©riffel füfjrte, mattete 2B. immer mit 
bem ganzen Setoujjtfein feines SßiffenS unb @efür)leö; er gab immer 21tlc§>, toie 
er eä erforfetite, fannte unb fafj; feiner 5Jtei|"terfcf)aft in ber Sarftettung unb 
9lact)empfinbung fcfjeint er nie inne geroorben ju fein. $ie ©cfjriftftellereitelfeit 
fannte er nicfjt; fie blieb jeitlebenö feinem ganj naiüen 6f)arafter ferne unb 
fremb. 

3m -perbft 1887 mürbe 30- junt f. f. ©eneralconful in Senebig ernannt, 
erlag aber fcfjon am 28. 9Hai 1889 einem itjn lange üeifolgenben Sruftübel. 
<Bo tjat itjm bie überaus geliebte ßagunenftabt jule^t boef) ein „Seib" getfjan, 
er toollte ja noef) leben, mar noef) immer Dotter Hoffnungen unb ^läne. @r 
gebaute nicf)t nur bie „^omeufcfjen ßanbfcfjaften" fortjufeken unb ^u tollenben, 
fonbern aucf) bie in Senebig entbeeften Briefe öon ©en^ an bie ©räfin gucfjS, 
„einen fjerrticfien Scfjat^" fjerauSjugeben. Unb Ruberes mefjr! Seine pflicf)t= 



184 äBatt. 

beroußte, patriotifdje ©efinnung, feine glänjenbe Begabung unb fein ausgebreitetes 
2Btffen , fein tjumaner ©inn unb bie eble üDenfroeife , roelcrje er in SBort unb 
Zi)at immer bemies, erroarben itjm öiete ^"unbe, melden er ©önner, 3}orbitb 
unb Slnetferer öerblieb. 2Ius feinem Dtac^laffe erfdjien nocfj ein ftattlidjer 33anb 
(2Bien 1892, bei SB. 23raumüfler) mit brei Sluffäfcen über „Sie Äunftroerfe 
2ltt)en§" , über ben $Raler ©aubenjio f$errari , beffen ftillee ©Raffen er bon 
s 3Jtailanb, über ben Somerfee unb Sago 9ftaggiore, über 33erceUi, Dtobara unb 
£urin öerfolgte unb bas Kapriccio „(Sin ©ommernactjtstraum in ber SBal^alla" 
(bei 2>onauftauf), roo 3B. burcrj 3 u t a ß eingefdjloffen eine ftadjt berbractjt tjaben 
roitt; roas tabei burct) feine ©ebanfen fpielte, ift eine in funftbollenbeter *ßrofa 
erjagte anmutige Sidjtung. — 2)as gleichfalls ferjr fctjöne SBucb, „Sine 2öall= 
fatjrt nad) sDobona", t)at 3>ot). gtifdjauf (@raj 1893 bei ßeufdjner unb ßubensfto) 
herausgegeben. 28. berbreitet fict) in feiner äöeife über bie ßage , über bie ©e= 
fdj)idj)te bes Orafels , bie 3nf($riften unb Ruinen. „2IIte biefe ©Triften finb", 
lote Dr. ßubroig ©teub fagt, „in einer Söeife gefctjrieben, bie man rootjl nirgenbs 
roieber finbet unb batjer unbebingt als originell beaeicrjnen barf. ©ie liegt barin, 
baß ber SDictjter altes roas irjm als äßanberer, als Souriften borfommt, jucrft 
in poetifcfjem (Seifte befdjreibt, bann aber biefer SSefcrjreibung einen ©innfprud), 
ein (Epigramm, eine ©toffe, ©nome ober ©ctjotte folgen läßt, bie faft rote ber 
ßljor in ber Sjagöbie bas (hlebte beutet, erftärt unb beffen tiefere SSeaiefmngen 
offen legt. 5£)tefe unerläßlichen (Jpitoge finb oft fetjr fd)Iic£)t unb einfach." 

33gl. ßubtoig ©teub, 2tus bem 9Jtorgenlanbe, in 33eitage 236 u. 237 ber 
„ungemeinen Leitung" bom 25. u. 26. 2luguft 1884. — 2öuräbad&, 1886, 
L1II, 98 ff. u. ber 9tefrolog in 23eilage 162, „allgemeine 3 e itung" bom 
13. ^uni 1889. £bac. #ottanb. 

3öart : |)err;3afob bon2B., fdjtoeijerifdjer 9ftinnefinger. @r gehört einem 
alten greiljerrengefcrjlecrjt an , beffen ©tammfcfiloß „in ber 9läb,c bes 3üridt)er 
äöeinborfes 9teftenbactj am rechten Ufer ber £öß auf einem SJorfprunge bes^fdjels" 
lag. 33on brei Jnrjabern bes Samens ift naeb, allgemeinem llrtb/il ber jüngfte 
unfer Siebter: Jafob III, 1272 — 1331 belegt. 6r mußte es büßen, baß fein 
33ruber föubolf 1308 an ber (Srmorbung ßönig SUbrecrjt's tfyeilnatjm; feine 33urg 
rourbe berbrannt, er felbft mußte $af)re lang in einer SBauernljütte leben, ©as 
23ilb ber ^»eibelberger ^anbfe^rift fteHt itjn aber als ©reis bar, roie er öon 
Jungfrauen im rofenbebeeften 23abe root)l gepflegt roirb. SDiefer 3eidjnung fann 
man urfunblidjes ©eröicfyt beilegen, roeil ^afob bon 2JÖ. am 6. Dctober 1304 
ftdt) bem föübiger 9Jtaneffe gegenüber für Sßatt^er bon ©fdjenbad) (ebenfatti fpäter 
einer ber $önig§mörber) öeibürgt. — ^ünf ^Jlinnegebicb.te unb ein Üagelieb üon 
ib,m finb (jufammen mit bem ^Ocarieulob bes @berb,arb b. ©aj) in ben ©runb= 
ftotf ber großen ^Dtinnefingerfammlung nacligetragen. S)ie Siebeslieber finb burd)= 
aus unbebeutenb. ©ie ergetjen fiel) in ben rjerfömmlicrjen klagen über bie 
©raufamfeit ber ©eliebten , roobei bie abgebrauctjteften Formeln unb 9teime in 
unfctjön flingenbe ftroptjifcfje Kombinationen mit übetlangen abgefangen gebracfyi 
roerben. 3}on Ulridt) 0. äöinterfteten , ben 2ecr)en als 33orbilb äloeier ©cbid^te 
erroies, ^at er feinesroegs bie ©eroanbttjeit geerbt, tool aber ein toenig bie Neigung 
,^ur Äünftelei: er meibet ben -Ipiatus, fucb.t ben Sluftatt ju regutiren. — Sluct) 
bas £agelieb ift in feinem ©ang — nactj Sieben bes SBäd^ters unb ber grau 
ein Slbfctjiebstoort bes Gitters — bon Söinterfteten (VII unb XIII) abhängig; 
übeigens ift es auffatlenb nüchtern unb „tugenbljaft" gehalten, ©ureb.aus er* 
fd^eint 2B. als ein unbegabter Dilettant, ber ber 5Robe 5U lieb bie gebräucijlid^ften 
formen nacr)fang. 

2ejt : SBartfdj, ©c^toeijer 2Jlinnefinger, ©. 247 f., Stehen, S)ie Sieber bes 
#errn Jafob Oon 2öarte, ffiifl. ©öttingen 1886. 



Sßartberge — SBartettberg. 185 

Viograptjifcrjes: b. b. Jpagen, <Dtinnefinger 4, 95 f. , SBartfdj a. a. D. 
©. CXXXVIII f. , Secrjen a. a. £). ©. 25 f. (rooau aber Vädjtolb, ©efd>. b. b. 
Stiftung in bei ©dqroeij 2lnm. 0. 42 au Dergleichen); ©rimme in «ßfeiffer'ä 
(SJetmania 35, 327. 

SBürbigung: D. b. £>agen a. a. D. 6. 97, SBäd^totb, ©efcrj. b. b. ©id&tg. in 
bcr ©djtoeia, S. 159. — 3" m Sagelieb: be ©ruhtet, üDa§ beutfdje Sagelieb, 
©. 17, «Roetye, 2Ina. f. b. 21. 16, 96. ffiic&aib 9R. SJteger. 

Sartbcrgc: -frermann D. SB., liDlänbifdjer (Stjronift beä 14. ,3al)rfjunbert§, 
mar ßaplan be§ liDlänbifrfjen £anbmeifter§ be§ beutfctjen £>rben£. Von fetner 
^erjönlic^feit ift roenig überliefert. 2luä ben ©ctjriften, bie er berfaßt t}at, getjt 
tjerbor, baß er aus 9Zieberfacf)fen flammte; benn er gibt ben Don itjm in beutfdjer 
©prad^e angeführten Manien bie nieberbeutfdje gorm. (Jin ^ermann o. 2Bart= 
berge, ber tjunbert Sfatjre bor unferem ßrjroniften (1278) at§ SBürgermeifter ber 
roeftfälifcfjen ©tobt IRariberg (aucrj ©tabtberge genannt) auftritt unb am! ber 
©tabt SBarburg an ber 2)iemel gebürtig mar, mar möglicher SGÖeife fein Vovfatjr. 

3)ie liDlänbifctje Gljronif SBartberge'g betjanbelt bie ®ejd)icfc)te ßitilanbö bon 
ben erfien Anfängen bis a um ^afyre 1378. 2>er erfte Stjeil beä in aiemlidj 
mangelhaftem Satein gefdjriebenen SBerfeö beruht rjauptfäcrjlicb, auf älteren, meift 
bekannten fdtjriitlid^en, an einigen ©teilen rool auct) münblidtjen lleberlieferungen. 
Vom Satjre 1358 an aber fctjreibt 2B. , raie eä fdjeint, al§ 2Iugenjeuge ber 
meiften bon irjm berichteten (heigniffe. $n feiner ©teüung alä Kaplan beS 
&anbmeiftei§ tjatte er nicfjt nur bie ©elegenfjeit , fonbern aud) bie ^fltd)t , fictj 
eine grünblictje J?enntniß aller für ben beutfdjen £)rben in ßiötaub roidjtigen 
2lngelegenc)etten anzueignen. 2>ac)er ift feine Gtjronif bon bebeutenbem SBerttj, roenn 
auctj bie natje Verbinbung mit bem Drben feine Veurtrjeilung unb SDarfteHung 
ber Vorgänge in ßiblanb beeinflußt tjat. SQßte er roiebertjolt ju biplomatifdjen 
(Sefdjäften für ben Orben Verroenbung fanb, fo mar er aud) auf ber glänjenben 
Verfammlung ju S)anjig 1366 Vertreter be§ £)rben§meifterä. Unter bem Sßrä» 
fibium be§ £>ojmeifterä SBinricb, bon Äniprobe unb in ©egentoart Don 7 Vi= 
fctjöfen, ^ar)lreid)en anberen Prälaten, ben ©roßroürbenträgern beö beutfdjcn OrbenS, 
bieten Üiittem geiftlidjen unb roelttictjen ©tanbeä , enblict) öon Vertretern ber 
©täbte Otiga unb Cübed mürben fyier bie langjährigen ©treitigfeiten amifdjen 
ben 6rabifd)öfen bon 9tiga unb bem liblänbifctjen Sanbmeifter ^u einem bor« 
läufigen 2lbfii)luß gebracht. S)ie Drbenepariei , alfo bod§ tjauptfädjlid) itjr 
©prectjer SB. fe^te e§ burctj, baß ber (Srjbifccjoj gromb,olb bon Siftjufen für aUe 
Reiten auf bie Oberfjorjeit über ben Orben, fei e3 in geiftlicrjent, fei eä in toelt« 
lictjem ©inne üeraidjtete , mätjrenb ber Drben§meifter äöiltjelm bon gormerötjein 
bet ©tabt 9tiga, bie ber Diben 36 ^atyre bortjer erobert tjatte, bie greitjeit 
äurücfgab. W\t großer 2Bat)rfc£)einiidt)feit mirb bie über biefe SSertjünblungen 
berfafjte Delation im ©anjiger 3lrcrjib unferem Srjronifien pgef daneben. Einige 
3fai)re nadj bem 2lbfct)luß feiner ßb.ronif (1378) roirb er geftorben fein. 

2krgl. @rnft ©treffe. Hermanni de Wartberge Chronicon Livoniae in : 
SS. rer. Prussic. 23b. II, ©. 9—21. %. ©irgeufotjn. 

ötortctlberg : grana SBil^elm ®raf Don SB-, ber 59. JBtfdjoi Don 
OinabrücC, ift neben bem tjeiligen SBenno at§ ber bebeutenbfte Sifctjof biefesi 
^)oct)ftiite§ au bejeictjnen, toeil er nidjt nur roie bie meiften feiner Vorgänger 
unb gtacrjfolger in bie große ^ßolitil Deutfcb.lanbg, ja Europas Derroicfelt rourbe, 
fonbern fogar meb^rfacb, felbfttb,ätig barin eingriff. S)a jeboct) über bie ©reigniffe 
feiner ^eit 2lu§funft gebenbe Quellen bi§ iefct überhaupt nur in geringer ^atjl 
beröffentlic^t finb, fein umfangreidt)er mit bieten bebeutcnben Männern feiner 
Seit geführter S9riefmecb,fel aber überhaupt nodj ber ^ßublication b,arrt (biejelbe 
ift al§ ein S^eil ber ^ublicationen au§ ben s ^reußifd)en ©taat8ard)iben in ber 



186 Sßatteriberg. 

Sßotbeteitung) , ift feine SBebeutung bis jefet nod) menig gemütbigt motben, unb 
bie ^Darlegung betfelben begegnet etljeblidjen ©djmietigfeiten. 

ftrans 2öilf)elm mat ber ättefte ©ot)n — 2 ältere $tnbet maren £öd)tet — 
bei ^jetjogS 2Bilt)etm bon Saietn au8 feinet morganattfcfyen Slje mit 9Jcatia 
^ettenbedin unb tourbe am 1. l, D f tät3 1593 in 9Jlünct)en geboren, ©ein SSatet 
tjatte ficb, in ben Stucbjeffifdjen SBirren am 3ftt)ein unb in SBeftfalen at§ eifriger 
unb erfolgreicher SBotfämpfet ber alten Ättdje einen berühmten tarnen gemacht. 
®t 30g fidj aber nad) feiner 3$ett)eiratf)ung au§ bem (Betriebe ber gtofjen SBelt 
3Utücf unb lebte, ben Uebetlieferungen feineg -gjaufei getreu, ber götbetung unb 
©tätfung ber fattjolifcfien Äittfje unb ber biefe götbetung befonbets al§ it)re 
Slufgabe betracfjtenben Drben. Dbmol er fdjon am 30. Januar 1608 frühzeitig 
üerftarb , blieb feine 9tid)tung für bie (Staiefjung feiner ©ölme unb SEödjtet, 
meiere bie Butter unb fein SSetter ^er^og 9Jtaj;imtlian in bie 4?anb nahmen, 
mafegebenb, unb eS ift d^arafterifttfd^, bafe bie ©djmeftern granj Söilljeun'ä alle 
OrbenSfdjmeftetn mürben, unb bon ben btei 3U tjöljetem SebenSaltet t)etan= 
macbjenben Srübern nur einer bon -gwui au§ ben mettlidjen ©tanb etmäljlte. 
Sropem bafj ber regierenbe ^erjog 2öilt)etm mit ber 2lu§ftattung feineä 33tubet£ 
bei feiner SBetfjeitattiung nidjt gerabe getargt tjatte unb audj fpätet nodj für bie 
Steffen fotgte, toaren bie 3ßett)ältniffe ber Familie feineämegS gtänjenb. ftranj. 
SBüljetm mürbe öon 1601 ab bei ben $efuiten in ^ngolftabt üorgebilbet unb 
ftebelte 1608 auf fedjä Staate nadj 9tom als 3 ö S un 9 oe§ beutfeb/ungatifdjen 
Sottegiumi über, ©ort t)at er bie ßinbrücfe gemonnen, meldje für fein ganjeS 
Seben beftimmenb mürben. 6t füllte fiel) ftetd al§ 23otfämpfet ber butd) ba£ 
^apftttmm bertretenen alten $itd)e unb jmar aud) ba, mo er meltlicb,e $ntet= 
effen p berfolgen tjatte unb 3U betfolgen fd)ien. ^n jmeitet ßinie mar et 
Sßetfedjtet ber bon bet baitifdjen Partei [tettenmeife gang befonbeti ftarf be= 
tonten SSeftrebungen 3ut (Sttmltung ber ©elbftfiänbigfett ber 9teict)3fütften gegen 
beten $etgcmaltigung butdj bie fpantfcb, » öftetteid)if(f)e 2öeltmact)t bet £abä= 
bürget. 

f^tanj SSilljelm mat bon Statut fetjt begabt, bot altem bon fdjarfer unb 
fcfjnetter Sluffaffung, jutiftifcb, unb ttjeologifct) fetjt gut auigebilbet unb ein 
s Uteifier bet lateinif&en Siebe, kernet befafj et gtofce SBitteniftärfe unb ßfjarafter* 
feftigleit unb führte feine einmal gefaxten SBefctjtüffe mit nacf)b,altiger Gonfequenj 
burd), fein Sifet für bie ©adje, metclje er bertrat, betleitete it)n ieboeb, jumeiten, 
ben Sogen ju übetfpannen. gtütjjeitig ju berantmottungsboEen ©teüungen be= 
rufen, ermatb et ftet) au8gebeb,nte ©efcb,äft8fenntni^ unb meiten Uebetblicf; aueb, 
fam ib,m bei allen feinen Unternehmungen ein bebeutenbeS Otganifation§talent 
feb,t ju ftatten. SDagegen fdjeint ifjm menfdjengeminnenbe ßiebenömürbigteit 
üerfagt gemefeu au fein. 

S M% et 26 3at)te alt mar , ernannte ifm ^et^og ^Jtajimitian bon Sßaietn 
3um 58orfi|enben feiner 9tatf)§coHegien unb mit 28 Sab.ren mutbe et an ©teile 
be§ 3um ©atbinal — fpätet 3um SSifdjo? bon DSnabrücf — erhobenen ©tafen 
Sitet griebrief) bon ^ob,en3oHern erftet 9catf)geber bei Äutfürften ^erbinanb bon 
$öln. ^lacb.bem ber Sarbinal bon gollern am 19. ©eütember 1625 unermattet 
3U 3burg geftorben mar, ermätjtte ib,n ba8 ©omeapitet 3U Dinabrücl auf bei 
SatbinalS (Smpfeljtung am 26. Detobet 3U feinem ftacbjolget , unb smat un= 
3meifelb / aft in ber bei bet 3öaf)l feines SßotgöngetS auäbrücElid) auigefproebenen 
^lbfxcb,t , ba§ et bie befonbet§ untet feinem 3meiten Vorgänger ^b.itipp ©igi§= 
munb bon Söotfenbüttet ftarf 3ettütteten 25ert)ältniffe im |>oct)ftifte im ©inne 
bet alten Äirdje refotmiten foHe. S)iefe 3 err üttung geigte fiel) gleichmäßig auf 
meltlicl)em mie fircb.lic^em ©ebiet unb ^atte nicfjt 3um getingften in bet bet= 






2ßarten6erg. 187 

mittelnben unb nachgiebigen, auf bie s Dtittebenben äußerft morjltbuenb wirtenben 
^Irt beS 58raunfd)Weiger3 itjren (Srunb. 

3unäctjfi war bie NegierungSgewalt biefeS Q3i|dt>ofö , ber jwar Negalienin= 
butte Dom j?aifer ermatten tjatte, mit ben Regalien felbft aber ebenfo wenig 
belehnt war, wie et eine Seftätigung beS ^apfteS erlangt t)atte, burct) bie 
immer weiter gerjenben 2lnfprüdje bes ©omcapitelS auf 9Nitregierung fetjr ein= 
geengt Worben. (£3 mar batjer bie Raffung unb üDurdjfütjrung energifcljer @nt= 
fdjlüffe um jo meniger mögticr), al§ alle, befonbere Soften öerurfacfjenben ^ta|= 
regeln außer öon bem 2)omcapitet noct) öon ber Nitterfdjaft unb ben ©tobten 
al§ ben übrigen Stifteftänben gutgeheißen werben mußten. ®iefer Uebetftanb 
erwies fiel) um bie SBenbe be§ 16. unb 17. ^acjrtjunberti beötjatb at§ nodj 
befonber§ jolgenfcrjmer , weil in ben Weftlictjen Nactjbargebieten be§ .gwdjftiftä 
Spanier unb Niebertänber ficr) tjerumfcrjlugen unb öielfacfje Streifige in§ 
Dinabrücffcrje unternahmen , fpäter aud) Quartier unb Kontributionen unter 
mancherlei SBortränben öerlangten unb erzwangen. 2)a3 Büttel, welctjeä baju 
bienen follte, biefe liebet abjuWenben, bie ^roctamirung ber Neutralität, ermieä 
ftc^ nidjt nur al§ wirtungloi. fonbern fogar als ftfjäbtict). $ebe Nadjgiebigfeit 
gegen eine ber ftreitenben Parteien gab ber anberen erwünfctjten SJorwanb, 
©leicrjei 3U öerlangen. S)a bie Mittel bei Sanbei jur ^lufrec^terrjattung einer 
bewaffneten Neutralität nictjt augreidjten , ja bie (Stäube fogar bie Glittet jur 
Anwerbung geringerer Üruppenmaffen jur SlbWeifung plünbernber Streifer ber= 
weigerten , erlitt bai Stift fdjon fctjWeren Sdjaben , erje bie Äämpfenben feine 
©renjen überfctjritten. 2lt£ aber (Sfjriftian öon Sraunfcrjmeig unb bie 2)änen 
einerfeiti, bie ligiftifcrjen Gruppen unter %\Ut) anbererfeiti in§ Sanb felbft ein= 
brachen, natjmen bie 2krerjrungen unb Sdjictungen an bie gürjrer, bie (Sontri* 
butionen unb Lieferungen an bie Gruppen fein @nbe. Nur ein unumwunbener 
2(nfdi)luß an eine ber friegfürjtenben Parteien tonnte r)ier Wenigfteni einigermaßen 
Srleidfjterung fctjaffen. SDaß fixan^ äöitrjelm einen folgen (Sntfdjtuß faffen 
würbe, tonnte ebenfo wenig jweifelljaft fein , wie welcher gartet er fict) an= 
fctjließen würbe. 

Öfaft nocrj fd)limmer, als in politifctjer ^»infic^t fat) ei in tirdjitidjer au§. 
So fetjr fiel) s £t)ilipp Sigümunb aucf) um bie ^ufrectjtertjaltung firctjlicrjer 3ucf)t 
unb Orbnung bemüht fjat, xoit j. 33. feine merjrfacrjen 3?tofteröifitationen er= 
weifen, fo mußte boct) feine gan<je Stellungnahme ei icjm unmöglich machen, 
Dtbnung ju fcfjaffen. @r felbft War ein 23efenner ber 2lugäburger (Sonfeffion 
unb fdjütjte fein SBefenntniß, befonberi in ber Stabt DinabrüdE, Wo ei wirtlich, 
ein= unb burcfjgefüfjrt war. Slber er tjiett fiel) nicfjt für berechtigt, ben tatb^o= 
lifd)en 6ultu§, ba wo er it)n noct) ali ju Nerfjt beftetjenb norfanb, abjufrfjaffen 
unb war ba^er in bolter Unparteitidjteit beftrebt, bie beftet)enben ^löfter bei 
ib^ren Neckten ju erhalten. So tonnte er, wollte e§ aber auet) nidfjt berrjinbetn, 
baß unter feiner Regierung ba§ S)omcapitet, weldb^ei au Anfang faft ganj auä 
9lnb)ängem bei 2lug§burger Sefenntntffei beftanb , fictj aHmätjlidt) ^u einem ber 
s IRe^tt)cit nact) altfirctjlict) geftnnteu Kollegium umbilbete. S5ie folgen jeigten 
ficr) in ben SOßafjlen feiner beiben Nachfolger. 33efonber§ fctjlimme 3uftänbe 
tjatte aber biefeä ©ewäl)renlaffen auf bem flactjen ßanbe gezeitigt. 2)ie y]axx= 
geiftlict)feit war t>iel»act) ungebilbet unb fittlicfj öerWarjrloft ; auch, Ratten fictj bie 
wenigften itjrer DNitglieber mit Slufridjtigfeit unb Sntfcb^iebentjeit einem ber 
beiben 35etenntniffe angefctjloffen. 3e nad^ bem Söunfctje if)rer ©emeinben lafen 
fie bie IJJteffe ober erteilten baö 2lbenbmat)t unter beibetlei ©eftalt. vner 
mußte SBanbel gefeb^afft werben. (B tonnte nic^t aweifett^aft fein , baß ftxans 
SCßilljelm in bie ^uB'tapfen feines Vorgängers ßitel ftriebticr) treten Werbe, ber 



188 Sßartenberg. 

freiließ bei feinet furzen Ütegierung^eit nietjt übet öorfidjtige Sßerfuctje Ijinauä* 
fommen tonnte. 

2lt§ fieb, grana äöilrjetm gleich nact) ber 2lnnab,me beS 33ifcrjofäfmteä ein= 
geljenb über btefe 33ert)ältniffe unterrichtet rjatte, toirb er ertannt t)aben, bafc er 
ebenfotoenig roie feine Vorgänger biefe Söet^ältnifje lebtgtictj mit ber ifym öer= 
faffungSmäfeig 5uftcb,enben ©etoalt buref) greif enb toerbe orbnen tonnen, bafj üjm 
öietmetjr jur Sßrectmng beä ju ertoartenben Söiberftanbeä aufjerorbentlidje Wadjt» 
mittel öon 9tötb,en jeien. SDtefe nötige (hfenntnifj toirb feinen Dtegierungäanttitt 
ebenfo öer^ögert t)aben , toie ber llmftanb, bafj gerabe 1626 baZ Stift öon ben 
£)änen befefct mar. Sie Ratten im 3Jlörj baö Sanb überflutet, bie ©tabt be* 
brotjt unb ba§ SDomcaöttel gejtoungen, ben ©ot)n itjrei Äönigi Gtjriftian jutn 
(Soabjutor ju toätjlen, nactjbem fie ju föät angekommen toaren, um feine 6in= 
fetjung jum SBifcrpfe ju erreichen. 2)ie ©djutb für biefen Erfolg ber SDänen 
tourbe — orjne genügenben 33etoei§ — ben s IRad^enfdjaften ber ©tobt 3uge= 
fdjrieben unb erbitterte iJfttinj Söiltjetm öon öom herein gegen biefelbe. £)a bie 
©tobt aufjerbem burd) irjr ©laubenSbefenntnifj feinen fd^ärfften , buref) itjre S3e= 
feftigung feinen am fctjtoerften ju befiegenben (Segner barftetlte, mufjte er 
folgerichtig äunädjft fein <!paubtaugenmert ber Sßejjtoingung berfelben ptoenben. 
Söeil aber baju, fotange bie SDänen im ©tifte t)auften, {einerlei s J)cöglid)£eit öor= 
auSjufetjen toar, blieb er jjunädjft bem ©tifte fern unb fetjte nur eine 9legierungä= 
commiffion ein. Erft qU bie Struppen ber Siga ben ©ieg STiür/ä bei ßutter 
am SSarenberge öoU auigenuijt, unb bie legten oänifdjen 53efat$ungen baä ßanb 
öerlaffen tmtten , erfdjien er in ben erften Sagen bei 3fat)reä 1628 in $burg. 
2)ie ©tabt rjatte unterbeffen ein öom 4. SDecember 1627 battrteg faiferlidjes 
Wanbat erhalten , toeldjei irjr befab,!, eine 33efaimng ligiftifdjer ütruööen einju= 
nehmen. SDiefe Slnforberung toiberfprad) iljren althergebrachten ©erectjtfamen. 
©ie chatte früher felbftänbig ©olbaten angenommen unb fiel) mit |?ülTe berfelben 
nod) 1626 burcrj irjr SBürgeraufgebot gegen bie hätten gehalten. E§ mar ta- 
b,er berechtigt, toenn bie ©tabt fieb, toeigerte, bem 23efeb,le 5 0l 9 e 3 U leiften, unb 
eä toar aud) fetjr erüätlidt), bafj fte in biefem SBejetjte bie Einleitung -$u toeiteren 
Eingriffen in itjre öerbürgte fiaat§redtjtlidt) fetjr freie ©teltung fatj. SDenn neben 
bem fdtjon ermähnten 23efa£ung§* unb 33efefttgungSredi)te befafj bie ©tabt faft 
öollfommene ftteiljett ber 23ertoaltung unb ©eridjtäbarfeit ; inibefonbere toäljlten 
bie SSürger it)rc Ütegierung, ben Drattj, ot)ne bafj bem dürften babei bie geringfte 
*ütittoirfung ^uftanb. 5)er gewählte 9latt) aber beburfte audb, nid)t ber S8e= 
ftätigung be§ Sanbee^erm, nocl) tjulbigte er it)m. 6r führte bann ferner bie 
33ertoaltung ber ©tabt burdjauS felbftänbig unb l^anb^abte bie ©erid)i§barteit, 
toenigftenö bie niebere, unbeftritten, bie &rtminalgericb / i$barfeit aber toenigflens» 
coneurrirenb mit ben Beamten bei dürften. S)aju toar bie ©tabt bem SBifcIjof 
ju feinetlei ©teuern, aufeer *u freitoiUig getoä^rten, öerpflic^tet unb aucrj bie 
Umlegung berfelben toar tebiglicrj ben |täbtifct)en v -ßeb^örben anheimgegeben. 
Slber auet) in firdtjtidtjer SBejieb.ung tjatte fieb, bie ©tabt unter 3 u frt m niung — 
ober toenigftenS otjne SBiberfprucf) — ber SSifcb.öfe fo gut , toie unabhängig ge= 
fteÜt: fie l)atte einen eigenen ©uperintenbenten eingefe^t unb ernannte bie an 
ben ftäbtifetjen ^farrfircljen ju ©t. Warten unb ©t. Äattjarinen ttjätigen Pfarrer 
unb ©c^ulte^rer burcb.aui felbftänbig. 

£)afj ber au8 feiner bairifdjen ^eimat^ an ein ftraffere§ unb uneingefdjränf* 
terei ^errfcb.errecb^t getoötjnte £$f ur ft 3löei baran fe^en toerbe, feine fo nadj allen 
©eiten befcrjränfte ©etoalt ju ertoeitern unb ju ftärfen, toar ju erwarten. Slber 
ol)ne Slntoenbung öon gtoang, oljne Sefeitigung alter ertoorbener Steckte toar 
bai unmöglich buretj^ufü^ren. 3ln8befonbere mar e% ob^ne folcb^e Waferegeln un« 
mögtict), größeren Einfluß in ber ©tabt ju getoinnen. ftüx eine Umtoätaung 



^Battenberg. 189 

auf firdjüdjem ©ebiete boten fid} bagegen , menigftenS unter bei- Sßorauäfetmng 
9iedjt3grünbe bat, bafj bie gange (Jntmicttung ber legten 80 Sfaljre, metctje aber 
öon ben früheren Sßifc^öfen unb ben Äaifern anerkannt mar, a(§ nidjt gu 9ted}t 
beftefyenb angefetjen mürbe. 23or bem 3af)re 1543 tmtte ba§ $)omcapitel butd) 
^ribitegien öon 1248 unb 1253 ein Stecfjt an ben ©tabtfirdtjen groar befeffen, 
aber aud} bamalä fdjon lange ntcrjt metjr ausgeübt. Slber ber Sifdmf griff 
hierauf gurücf. 

9tad}bem bie ©tabt trotj SBiberfprud} unb flerjentlidjer 33itten beim Sifdmf 
unter bem üDrutfe ber tingS im ßanbe befinblidjen Gruppen, metctje fte 
gerabegu blofirten , fid) gur CSünnafjme einer 23efatumg tjatte bequemen muffen, 
fjiett grang 2BiU}elm am 12. ^ülärj 1628 öon Sburg au§ feinen feierlichen 6in= 
ritt unb liefj fid} Ijutbtgen. (Sir gmang babei ebenfalls gegen alles ^erfommen 
9tat^ unb 33ürgerfd}aft ebenfo mie ßapitet unb 9titterfd}aft ben üEreueib gu 
fd}toören. 9ladjbem 5 ran 3 2öilf)elm fid) fo in ben SSefitj einer faft unein= 
gefdjränften ©emalt gefegt tjatte , begann er unter bem ©djutje unb SSeiftanb 
ber £itlr/fd)en Gruppen mit Der if)tn eigenen Umfidjt, Energie unb golgerid)tig= 
feit bie ©egenreformation in ©tabt unb (Stift, ©ein ^auptaugenmert richtete 
er gunädjft auf bie ©tabt. ©elang e§ biefe für ben alten ©tauben im großen 
unb gangen gurüd gugeroinnen , fo mufjte er mit ben fleinen ©tobten unb bem 
fladjen ßanbe leicfjteä ©piel tjaben, ba er bort ljöd)ften§ beim 9Ibel kräftigen 
aößibetftanb gu befaljren tjatte. 6r tonnte gur föedjtfettigmig feinet Sßorgetjenfc 
fidj auf bie 23eftimmungen be£ SlugSburger ÜreligionSfriebenS , in§befonbere aber 
auf ba8 ifjm übertragene bifdjöflid)e >£)irtenamt unb bie beftimmten 2}orau§= 
fetmngen, unter benen gerabe er gewählt mar, berufen. 2)a eS in bem Ijier ein= 
gutjaltenben üialjmen unmöglich ift, alle (Singelljeiten feiner üttjätigteit nadj biefer 
9ftidjtung aufgugäfjten , fo mufj e$ genügen bie mtdjtigften angufüljren. Sßenige 
Sage nadj feinem Einritt in bie ©tabt natjm er mit grofjem *ßompe gemaltfam 
unb nidjt, otme bafj e8 gu ärgerlichen Auftritten tarn , 33efit5 öon ben beiben 
ftäbtifdjen ^farrfirctjen, fefcte bort altgläubige ©eiftlidje ein unb toieS bie ebange* 
lifdjen ©eifttidjen au§ ber ©tabt au8, bemädjtigte fidj be§ ©djut=, ja beö gangen 
llnterridjtämefenä , löfte bie tjöljere 1595 roieber in§ geben gerufene SiatljSfdjule 
auf, ftärfte bie fdjon öon feinem Vorgänger inäbefonbere gu UnterridjtSgroecfen 
berufenen Sfefuiten, rief bie früher in ber ©tabt öorljanbenen flöfterlidjen 9lieber= 
taffungen, toetd)e öon tljren Sfnfaffen öor 80 — 90$at)ren g. Z§. freimütig aufgegeben 
roaren, mieber in§ Seben gurüct unb ftiftete neue, fjfür bie ^eranbitbung ber 
jungen ©eifttictjen grünbete er mehrere öon £)rben§gei[ttid)en geleitete 23ilbung§= 
anftatten , öeröffenttidjte bie ©atjungen beg Sribentiner 6oncit§ , berief gur 
geftigung unb Kräftigung ber 5|3farrgeiftlid)feit in i^rem 53erufe regetmä^ige 
©t)noben unb übergeugte fiel) über beren äkrtjältniffe burd^ eingeljenb öorgenom= 
mene SSifitationen. 2)er (5ifer, ben er in biefer §infid)t geigte unb ba§ tiefe 
SBerftänbnifj für bie S3ebürfniffe be§ ^farrrieruS, toetcr)e§ ausS feinen motjlburd)' 
badeten ^Raferegetn tjeröorge^t, erfrfjeinen bemunbern§mert^. 

Um fid) bie ©tabt in tDeltitd)er Segic^ung nod) gefügiger gu madjen unb 
gefügig gu erhalten, tiefe er fofort bie 1647 mieber gefdjleifte (Sitabelte, bie 
Petersburg, einen alten Stnforberungen ber bamatigen ^ngenieurfunft entfprerf)en= 
ben S3au aufführen unb betrieb bie ©ad?e fo lebtjaft, ba| fie, nad) fünf Sfa^ren 
öoütommen öottenbet, ben ©djmeben grofee ©djroierigfeiten bereitete. S)ann 
aber griff er in bie 9tatl)ämat)l ein, ma§ guöor öon feinem Sifdjof gefdjefjen 
mar, unb öerlangte, bafe nur ßattmtifen gemäht merben fottten. Cbroot bie 
Jßürgerfdjaft unter bem £)rutfe ber Sßer^ättniffe aud) tjiertn fid) fügen mujjte, 
mar bod) bie 8af)( ber in ber ©tabt gum 9tatt)8ftut)l nadj ©efct)äft8fenntnife 
unb Vermögen befähigten ^atb,oIifen fo gering, bafj eS befonberö in ben erften 



190 äßartenberg. 

3»atjren t^atfäd^üd^ unmöglich) »ar, biefe letjte ^orberung ju erfüllen. Um aber 
aud) auf bie Bürgevfdjaft im einjetnen einjutoirfen , mürben bie -ftattjolifen mit 
Einquartierung unb Sontribution nad) ÜJlöglidtjfeit berfdjont, bie Eoangelifdjen 
bagegen um fo ftarfer tjerangejogen. 2)er aus* biefer s iJcaferegel er» artete Erfolg, 
bafe 3ar)lreid)e Bürger fidj in ©laubenSfactjen „accommobiren" mürben, fdjeint 
jebodj nidjt in ge»ünfct)tem Umfange eingetreten ju fein. 5Da aber an £ttlt)= 
fctjen Gruppen ertjeblid) merjr, als in bem im grrü^ia^r 1628 abgefd)toffenen 
IHccorb mit ber ©tabt öereinbart mar, in bie ©tabt einmarfdjirt »aren, fo 
laftete bie Einquartierung unb Eontribution gerabe^u erbrürfenb auf ber ©tabt, 
ba i^r mit bemühter 2lbficrjt faft bie ganje Saft ber Unterhaltung ber eingelegten 
Gruppen aufget)alft »ar, »äfjrenb ba§ fladtje ßanb nad) 9ftöglidjfeit gefront 
mürbe. £>ie Eroberungen »aren trjatfädi)lid) berart tjotje, bafe Stillt) im Sluguft 
1629 bie 9iott)»enbigfeit einer 9ftilberung einfal; unb gegen ben SöiHen be8 
dürften fid) entfc§tofe, einen £t)eil ber Befatjung au§ ber ©tabt ju äietjen unb 
anbermeitig unterzubringen. 

Unterbeffen fjatte ber Äaifer ben Entfdjlufj gefaxt, ben Erfolg ber lattjolifdjen 
äöaffen öotlfommeu auäjunutjen, unb hai Oteftitutionsebict erlaffen. s JJltt ber 2lus= 
füljrung beffelben für ben nteberfädjfifdjen Äreiö rourbe Öranj SOßUtjelm betraut, 
äöenn aud) bie infolge beffen Pon itjm entmirfette lebhafte St^ätigfett einen bauern= 
ben Erfolg nidf)t gehabt i)at, fo geigte fie bod) feine f^fä^igletten im glänjenbften 
ßid)te. ©eftüijt auf bie überall im Greife lagernben ligifiifcfjen Sefatmngen, ge= 
mann er naclj gleictj^eitigen eingaben Pier SDomfircrjen , 15 Eottegiatftifter unb 
148 (146) Älöftet Perfdtjiebener Drben neben aarjltofen $farrfird)en für bie fatt)o= 
lifctje &ird)e jurüdE. S)abei griff er überall felbft mit an, prebigte, beteiligte 
fidg, fomeit bie äöeitjen, »elctje er biß batjin befafj, e§ geftatteten, am ©otteS» 
bienfte, f)ielt 2)iöcefanft)noben ab unb üerfud)te überall EräiefmngSanftatten für 
junge Elerifer , toie er e3 fdjon in Dinabrücf gettjan fjatte , 3U begrünben. 
darunter »ar bie in ©oSlar ju ftiftenbe Uniöerfität beftimmt einen -gmuptplat} 
etnjunetjmen. >ftadj üorübergetjenbem äöirfen in 9ftinben regelte er im |)crbft 
1629 bie Berrjättniffe ber ©iöcefen Bremen unb Serben im ©inne be£ faifer» 
ItcEjen Ebicteg. 3llS er bann 1630 jum Bifdjofe Don Serben ernannt morben 
»ar, traf er bort im *Dtai b. 3t. »ieber ein unb Ijielt eine feierliche ©rjnobe ab, 
um bann in bem 9ieft be§ Saljrel unb 1631 unb 1632 met)r burd) S)eputirte 
SU »irten. Som «RoPember 1632 »ar er bi§ jum gebruar 1633 äugleidj atä 
faiferlidjer unb lanbesfürftticijer Eommiffar in ber burdj 5ßappent)eim eroberten 
©tabt -gntbeSfjeim trjätig. Jpier griff er nodj gemaltfamer in alle Serljältniffe 
ein, »ie in DSnabrücf, »oju iljm bie allerbing§ üortjer fetjr ä»eifelt)afte Spaltung 
be§ 9tatl)e$ feinem lüanbeSrjerrn gegenüber, ba§ ütectjt ju geben fd)ien, »enn 
auctj anbererfettS ber Slccorb mit ^appenljeim bie 9leligion§frei^eit oerfidgert 
Ijatte. S)as SonüdEen ber ©darneben, »etc|e bann ,£)ilbe£t)eim ein %at)t lang 
belagerten, ä»ang i^n jur 9tüdtetjr nadj DänabrüdE. 21IS aber bie ©d)lad)t bei 
<g)effifc^=Dlbenborf am 28. $uni 1633 ba§ Ueberge»icr^t ber ©djtoeben unb iljrer 
Serbünbeten in ganj ^tieberfacrjfen unb bem norbbftlicfjen äöeftfalen über Siga 
unb Äaiferlidtje entfd&ieben ^atte, unb S)obo öon Änrjpfjaufen am 1. 2luguft 
jur Belagerung ber ©tabt DSnabrüdE auf bem ©ertrubenberge erfd£)ienen »ar, 
mu^te er fein ©tift üertaffen, um e§ nidjt öor 1650 »ieber^ufeljen. £>iefe3 
Ueberge»icf)t ber ©cfjweben unb irjrer Serbünbeten in Dlieberfactjfen Peranlafete 
aud) ben 3 u f a »»enbru(f) aßer fo wot)lburd)batf)ten unb öorforglicf) angelegten 
Drganifationen in ben bortigen S3iätl)ümern , benen fid) bie SBet^eitigten , »enn 
aud) »iber»illig, fo lange gefügt Ratten, at8 fie in ber §anb be§ ^>eere§ ber 
Siga »aren. 

Vlaä) üiertobdjentlicrjer Belagerung unb tapferer 6egen»er)r aucl) ber Bürger, 



^Battenberg. 191 

toeldje trotj beß fünf Saljre lang getragenen SDrucfeß treu bem Äaifer unb intern 
Sanbeßtjerm an ber SßerttjeibtgunQ mitgeroirft Ratten, ergab ficb, aucb, Qßnabrücf 
ben ©crjtoeben. 2)er bamatß mit ber ©tabt unb ben Vertretern beß ßapitelß 
vereinbarte SIccorb fctjlofj ben Vifdjof auß, geroät)rte itjm aber eine gtifi Oon brei 
Monaten, um fid) p „accommobiren", roas aber nicrjt gefdjat). ferner roarb ben 
SBetennern ber atten Religion freie 9teligionßübung geroätjrleiftet ; es f oüten iebodj 
aEe Vettjältniffe toieber auf ben ©tanb gebracht toerben, roie fie jur 3eit 3ßt)ilipp 
©igißmunb'ß geroefen roaren (als s 3lormaltag mürbe ber 1. Januar 1624 feft= 
gefegt). Smrcb, biefe SBeftimmung rourbe. ber Stccorb bie ©runblage ber ftaatß= 
redt)tli(f) fo eigenartigen fogenannten „immerroätjrenben (Kapitulation", meldte als 
2Iußfüt)rungßbefiimmung beß 13. 21rtifelß bes SBeftfältjd^en griebenß baß dürften* 
trjum OßnabrücC ju einem im mobernen ©inne paritätifct)en ©taate geftaltete. 
2)a bie ©djroeben Oßnabrücf ebenfo roie 9Jtinben, roo gran^ äöiUjetm 1631 alß 
Vifctjoi anerfannt mar, als ein nadj $riegßrect)t eroberteß ßanb betrachteten unb 
bem illegitimen ©otme ©uftab Slbolf'ß ©uftab ©uftabfon, ©rafen bon 2Bafa= 
bürg übertrugen, eß auä) biß jum ®nbe beß breifjigjäljrigen Jhiegeß biß auf 
geringe Jtjeile befetjt tjielten, mar ber Vifdjof in toeltlidjier Vejietmng bon jeber 
£(jätigf eit , felbft alß er in fünfter alß ©efanbter beß (Jrzbifcijofß bon $öln 
jum f^riebenöcongreffe meilte (1644 — 1648), in feinem ßanbe abgefcrjnitten unb 
bermod)te aucb, in firct)lict)er |)infid)t nur geringen (Sinftufj auszuüben. SBafj 
bie folange niebcrgetjaltenen ^roteitanten bie Veftimmungen beß Slccorbß bon 
1633 auf ba^> energifdjfte burdjfürjrten unb alle feit 1624 eingeführten 9teue= 
rungen beß 23ifd)ofß, meldte auf 'Mußbreitung unb gefiigung beß Äattjolicißmuß 
abhielten , gtünblidj rückgängig machten , braucht nidjt erft ermähnt j$u merben. 
©ie rjätten audt) am liebften bie SBiebereinfetjung bei Vifcrjofß ganj hintertrieben, 
©o t)atte bie .gmrtnäcfigfeit, mit melier forool fie, in erfter ßinie bie ©tabt, 
mie Sfran^ 2öitt)elm ifjxe gorberungen in fünfter aufredet erhielten , nad) ber 
^lußfage £rauttmanßboiffß ba^> ganje griebenßroerf errjeblid) berjögert. 2Iber 
nod) fdjärfer alß in eigener <Baä)t bertrat ftrana äßilrjelm auf bem Songreffe 
bie päpftlidjen gorberungen unb jmar in folgern s Iftaafje, bafj itjm ber fturfürft 
bon $öln jetttoeife feine Vertretung ju entjietjen fiel) genötigt fat). 25a tjier* 
burd) ber 9lbfd)tufj fiel) immer metjr berjögerte unb bie ©tabt Dßnabrücf ber 
Gitabelle lebig fein wollte, griffen fä)tie|licrj bie 23ürger felbft ju unb legten bie 
Petersburg nieber. Syrern SBunfdje aber, fid} ber <!perrfd}aft beß 23ifd)ofß burd) 
(jrroerbung ber 9teidi)ßfreib,eit ganj p entäietjen, bermodjte felbft ber Cjöctjft ge= 
roanbte 33ürgermeifter ©cijepeter nid)t Vermirflic^ung ju berfc^affen. 

S)a ber Slbpg beß ©djmeben ©uftabfon auß bem ©tifte mit 80 000 üieicb> 
ttjalern erfauft toerben mufjte, aud) bie ftaat8redc)tüc£)en Verb^ältniffe beß ©tifteß 
in bem auf baffelbe bezüglichen 3lrtifel XIII beß äßefifälifdjen griebenS eine ge= 
nügenbe Regelung nod) nidt)t erfabren Ratten , berjögerte ftdt) ber äßiebereinritt 
beß Sifcrjofß biß jum 18. £)ecember 1650. 2luf bem borljergeb.enben ütage 3U 
Nürnberg maren buret) bie „immermät)renbe Kapitulation" bie Ver^ältniffe beß 
©tifteß biß inß einäelnfte georbnet, inßbefonbere auet) bie alternatibe SfolQe U 
eineß latb^olifc^en Vifc^ofß unb je eineß ^itgtiebeß beß -gmufeß 33raunfct)meig= 
Süneburg genauer feftgeftellt, unb auf ©runbtage beS fogenannten 23olmar'fcb,en 
S)urdt)fci)lagß bie einäelnen ©tifter unb Pfarren je einer ber beiben (Sonfeffionen 
nacl) ungefährer 5Rafegabe ber Verrjältniffe bon 1624 — menn audt) nidejt otjne 
gro^e 2Biüfürlidt)feiten im einzelnen — jugefprocljen roorben. 

S)ie legten Sebenßjab.re Deß Vifdjofß berliefen ruhiger. Dbrool er bie 9lürn= 
berger Slbma^ungen nur unter $roteft angenommen b.atte , liefe er bodj beren 
gerechte unb unparteiifetje S)urcf)füb / rung fiel) angelegen fein, narjm auet) bie 



192 SCßortenberg. 

©tabt auf eine entfpredjenbe (httärung betreiben mieber ju ©nabelt an unb ber» 
fpracr) bie eigenmächtige ©djleifung bet Petersburg nidjt ju atjnben. 

©eines 9Jttnbener SBiSttmmS ging er, toeit eS an 23ranbenburg gefallen war, 
feines SSerbenerS, tociC eS bie ©ctjmeben fid) aneigneten, im SBeftfälifdjen ^rieben 
berluftig, folgte aber am 14. Slpril 1649 als 33ifcr)of bon StegenSburg, too er 
feit 1641 fdjon Goabjutor gewefen mar, unb roibmete ftdj in ber ^otgejeit mit 
grofjem Erfolge gan<5 ber Qiertoaltung biefer feiner SiSttjümer, inbem er balb in 
•DSnabtücf , balb in 9tegenSburg refibirte , öfter aud) am Ütt)ctne meilte , rao er 
auf bie 53ermaltung beS (SraftifteS k'üln btelfad) ©influfj übte unb für baS mit 
feiner ib,m 1623 junäctjft als Goabjutor übertragenen SSonner ^Propftet berbunbene 
Slrcrjibiafonat mirfte. gür bie Erneuerung unb Sefferung ber $farrgeiftlid)feit 
mar er unabläffig ttjätig , inbem er bie 33orbilbungSauftalten für biefetbe neu 
begtünbete unb förberte, auet) regelmäßige 23ifitationen unb 5Diöcefanft)noben ab' 
tjaltcn liefe unb oft felbft abhielt, ©eine SSerbienfte um bie $trcrje belohnte 
$apft Sllejanber VII. am 5. Slbrit 1661 burdj bie Serleiljung beS 6arbinal3= 
fmteS, auetj mürbe er nadj mie bor tjäufig ju mistigen politifdjen Sßerrjanb* 
lungen rjerangejogen , toie er benn autf) 1659 als faifertietjer (Sommiffar ber 
^ütftenberfammlung in ütegenSburg borfafj. Leiber finb mir über biefe meiter^ 
getjenbe >Et)ätigfeit ^ranj SBiUjelm'S , meil, mie oben gefagt, bie einfctjlägigen 
Quellen nod) ber SJeröffentlidmng tjarren, nur feljr mangelhaft unterridjtet. 

®er (Sarbinal ftarb am 1. 2)ecember 1661 nad) neunroödjentlicrjer ifranf* 
t)eit in StegenSburg, mo er in fpäteren ßebenSjatjren mol lieber meilen modjte, 
meil er bort feine bifcrjöflicrje Stjätigfeit meniger bef)inbert burd) fo enge ©djranfen, 
mie fie irjn in DSnabrürf feffelten, ausüben tonnte. 

S)urd) glänjenbe Einlagen befähigt, nacr) 2Ibfunft unb SluSbilbung ju einer 
meitgerjenben £t)ätigfett berufen, t)at er mit einer febe 9tticfftd)t bei Seite fefeen= 
ben Eingabe alle feine Gräfte an bie 2)urd)füt)rung ber ifjm gefteßten 2ebenS= 
aufgaben eingefe^t, aber obmol er gefctjicft bie richtige 3 e *t 3*ir SluSfüfyrung 
feiner $läne ab^utoarten berftanb, tjat bod) fein ftarfer 2ßiHe, ber fid) juroeilen 
bis aum Uebereifer geltenb mactjte, it)n nietjt immer bie richtigen 9Jtittet ^um 
3mecfe finben laffen unb feine oft bis jur £)artnäcfigfeit aufredjt erhaltene 
(Sonfequenj itm berleitet, efjer ben ganzen (hfolg aufzugeben, als fid) mit einem 
ttjeüroeifen ^u begnügen. SDabet erfdjmerte feine fübbeutfdje Slbfunft unb feine 
(Stäietjung in 9tom itjm baS Serftänbnifj für bie ^ertjältniffe unb ben ßfjaratter 
ber s Ucenfd)en, auf roeldje er im Sorben mirfen moltte unb foüte. ©o fam es, 
bafe er nur einen geringen Streit ber ftxtifytt feiner Arbeit ernten tonnte. 

©olbfdjmibt, ßebenSgefdjicfjte b. $arbinal=3h'iefterS gfrang SGßtIl)elm. £)§na= 
brücf 1866. — «Dleurer, ftrana Söitb.clm, Sifdjof b. £)., in gjtitty b. b,i[t. 35er. 
3U DSnabrücf X, 245 ff.; XI, 372 ff.; XXI, 1 ff. — ©tübe, ©efdyidjte beS 
£ocb,ftift8 O. III, 53 ff. (aud) in Wlittl). XII) unb bie in biefen ©djriften an- 
geführte ältere ßitteratur. — lieber fein Skrljältnifj ^u Stillt) bgt. Onno Älopp 
in ben gforfdjungen 3. 2). ©efd). I, 75 ff. g. ^ilipbi. 

Sartcnbcrg: griebridj Sßilb^elm b. 38., föniglicb, preufeifdjer ©eneral= 
tieutenant unb ©eneralintenbant ber 5lrmee, am 14. 2Ipril 1729 auf bem oäter= 
tid)en ®ute Suggenborf bei s $ritjtt)alt in ber ^riegni^ geboren, fam 1738 in 
baS ßabettencorpS ju Berlin unb fiel, als er balb nad) ber 2f)ronbefteigung 
£$friebtid)'£ II. im ©djmeiaerfaale beS ©tabtfdjloffeS bie 2&ad)t z)attt, bem Könige 
borttjeiltjaft auf, fo bafe biefer irjn unter feine 5pagen aufnatun. SllS foldjer 
begleitete 30. ben ßönig 1741/42 in baS ffclb, bann tourbe er jum Dfficier 
unb jum ^ügelabiutanten ernannt. SBärjrenb beS gelb^ugeS bon 1744 befanb 
er fic| ebenfaüS in ber Umgebung be§ Königs, naljm alSbann feinem 2öunfd)e 
entfpredjenb an beS dürften ßeopolb bon ®effau minterlidjen Unternehmungen 



^Battenberg. 193 

in Dberfd)Ieften ttjeü unb befanb ftd) 1745 toiebexum im Hauptquartier, gür 
fein SBerfjalten in ber ©d)lad)t bei i)ocjenfriebeberg warb er ßaöitän unb mit 
ber Racrjrictjt tion bem erfodjtenen ©iege nad) SSerlin gefdjidt. $n ber 3eit 
ätoifdjen bem 2. <§d)lefifd)en unb bem Siebenjährigen Kriege toar er in ^ot§bam, 
too er fotool als ^ügelabjutant tote beim SataiÜxm ©arbe SDienft ttjat. 2lud) 
Den fämmtlidjen ^elbjügen beS ©iebenialjrigen ÄriegeS tjat er, abgefeljen bon 
einzelnen ©ntfenbungen jur (Mebigung bon ©onberaufträgen , im ©efolge beS 
ßönigS beigetootjnt; fett bem 2Binter 1759/60 toarb er aber für biefe 3fal)re§= 
jeit regelmäßig nad) Sßertin gefanbt, um in SBertoattungSangetegentjeiten betmfS 
(Srgänjung beS leeres butdj 9Jtenfd)en unb $ferbe, 23efleibung, SluSrüftung unb 
SBetoaffnung ttjätig ju fein. ®ie 2lrt unb Söeife, toie er biefe Slufgabe löfte, 
beftimmte gfriebric| ttjm nad) £$friebenSfd)lufj bie Sßeforgung alter berjenigen <$e= 
fd)äfte ju übertragen , toeldje biSrjer bem ©enerallieutenant unb DberfuegScom* 
miffariuS b. 9Jtaffoto obgelegen fjatten. S)te ©parfamfeit, mit toetdjer er feines 
2lmte3 mattete, tmtte ebenfofeljr ben Söeifall beS Königs (£)tnterlaffene Söerfe, 
SSertin 1788, V, 3) toie fie ir)m im «gjeere ^einbe madjte. ®a er nebenbei für 
feine $erfon burcr) guten £>au§r;alt unb reiche ©elbgefdjenf e , toeldje ber .fönig 
itjm ptoanbte, fetjr tootjltjabenb toarb, fo tourben mancrjertei greifet an feiner 
ßtjrlidjfeit unb Uneigennütjigfeit laut, benen fein ÄriegStjerr inbeffen fein ©erjör 
fdjenfte. 91m 6. SIpril 1763 tmtte biefer itjn aum Dberft, am 28. 3M 1770 
jum ©eneralmajor (patent bom 22. Sluguft 1767), am 15. ^uni 1781 jutn 
©eneraltteutenant beförbert, am 25. ^Dtärj 1784 berliet) er irjm ben ©djtoaräen 
2lblerorbcn. 9113 tönig griebrict) 3öilt)elm II. im $uni 1787 baS Dberfrieg§= 
cotlegium erridjtete, ju beffen ©efdjäftsbereidje bie bon 20. toatjrgenommenen 
2)ienftjtoeige gehörten, fanb fiel) für biefen fein Ißlafe in ber SSetjöibe. GrS toarb 
bielmetjr eine Unterfudjung feiner 2lmt8füt)rung eingeleitet; biefelbe tjatte aber 
ein für if)n günftigeS drgebnifj. @S tonnte itjm mdjtS Unrechtes nadjgetoiefen 
toerben. 20. 30g fid) auf fein ©ut Srampe bei (JberStoalbe im Greife £)ber= 
23arnim jurücf unb ift im $. 1807 geftorben. — 9iact) il)m tourbe eine am 
9. fjfebruar 1763 errichtete (Saffe bie „2Bartenbergtfd)e ßaffe" genannt, in toelctje 
bie bi§ bat)in ber 9ttet)r3af)l ber Regimenter gejarjlten äöerbegetber floffeu unb 
bie nun für biefe Regimenter bit Soften ber auSlänbifdjen Söerbung beftritt. 
Rur einzelne Regimenter, mit bereu 23err)atten ber ^öntg im Kriege befonberS 
jufrieben getoefen toar, erhielten jene ©eiber aud) ferner ju eigener Verfügung. 
5)a Ijieiin ein großer SBorttjeil für bie betreffenben 6ompagnie= unb @§cabron= 
Sljefi lag, fo gab bie Stnridjtung p bieten Unäuträgttdjteiten 2lnlaß unb bie 
benad)tl}eiligten Dfftciere fud)ten öielfad) ftd) burd) ^älfd)ungen unb Unter» 
fdjleife fd)ab(o§ ju Ijalten. Äönig ^ e °rid) 2ötlrjeltn II. befeittgte bie @in= 
ridjtung balb nactj feinem Regierungsantritte (9JI. ßet)mann, ©c^arnljorft II, 139. 
ßeipaig 1887). 

®etjeime§ 2Irc3^ib be8 $rieg8miniftertum3 p Berlin. — ^af)rbüd)er für 

bie £)eutfc!b,e 2lrmee unb Marine, »ertin 1887, S5b. 65, ®. 17. -- ©enea= 

Iogifd)=mititärifct)er Äalenber für 1786. 33erlin. 

S5. «poten. 
SBartcnbcrg: öarttoig Ä art b. 28., fönigtid» preußifdjer Generalmajor, 
am 3. Slöril 1711 als ber <5ot)n eineg preußifien Rittmeifterä unb Sefi^erS 
ber ©üter Unje unb Rebelin in ber ^rtegnib geboren, fam 1725 in ba8 6a= 
bettencorbä gu Berlin, toar als (Sabett 1730 im ßager bei Wütjtberg unb toarb 
1731 Cfficier, öertaufcrjte aber im folgenben 3a^re ben preufcifdjen SDienft mit 
bem ruffifdjen, in toeldjem er gegen Werfer, Tataren unb Surfen foc^t unb toar 
aum ©econbmajor aufgeftiegen , als Äönig ^frtebrid) II. ib^n toie anbere feiner 

klugem, beutle SBioflra^ljie. XLI. 13 



194 Söattenburg. 

ßanbeSfinber in bie -gjeimat'b, jurücfberief. ftelbmarfdjatl ©raf s }Mnnid} fat) Ujn 
ungern Reiben, @nbe 1740 erhielt et jeboct) ben erbetenen 2lbfd)ieb unb $önig 
^riebrid) ernannte iljn jutn 5Jtaior bei betn neuerridjteten 9tai}mer'fd}en Ulanen» 
regimente, toerfeijte it)n aber fd}on am 2. 9JMra 1741 au bem SSanbemer'fdjen 
^ufarenregimente 9cr. 3, beffen (Sommanbeur balb barauf ber Dberft b. ^JtalacrjotoSft) 
würbe. $Rit biefem Regimente rücfte er als Dberfttieutenant in ben 2. 6d}te= 
fifd^en fhcieg, ertjielt für einen im SDecember 1744 mit ©efctjicf unb (Srfolg au& 
geführten lleberfatt ber «Stabt ^ßlefj ben Drben pour le mörite unb am 20. Slbril 
1745, al§ 9Jtalad)oto§ft) einer Söunbe erlegen mar, unter gleictjjjeitiger Söeförberung 
jum Öbetften ba§ Gommanbo be§ Regiments. ®er ^elbjug brachte itjm nur @e= 
legentjeit feine £ütf)tigfeit im fleinen Kriege in Oberfcblefien au ertoeifen. SDer 
Äönig aber toufcte trotjbem Söartenberg'S SBrauctjbarfeit unb feine SBefätjigung 
für ben .^ufarenbienft, Don toeldjem biejer jelbft fagte bafc er it)n bei ben Ruffen 
erlernt rjabe, 3U f erjagen unb bertoerttjete fie in ben grtebenäjatjren 1753 bi§ 
1755 baburd), bafe er Reiterofficiere au8 alten Regimentern nad) Söartenberg'S 
©tab§garnifon 23ernftabt in ©djlefien entfenbete , bamit fie bort unterrichtet 
mürben, ©egen 20. , ber am 3. (September 1751 pm ©eneralmajor befövbert 
mar, ertoieä er ficfcj fetjr gnäbig. 1750 fctjenfte er i§m ba§ bon 20. balb nad}* 
rjer mieber berfaufte ©ut ©olmenglin im gerbftfdjen, 1753 berliet) er itjm eine 
^räbenbe im (Stifte @ffen unb 1756 ein ßanonifat jju 2Jtagbeburg, gelegentlich 
einer 5Jhifietung bei Spanbau beret)rte er ib,m einen türftfcijen ©äbel unb be* 
milligte itjm bas fctjlefifdje 6injug§recrjt , morauf 20. 1755 ba§ ©ut ©djönfelb 
im Greife ßreujburg ertoarb. 33ei 3lu§brucr) be§ (Siebenjährigen Krieges führte 
20. ©djtoerin'S Sßotcjut au§ ber ©raffdjaft ©lau nadj SSötjmen, äeidjnete ficb, am 
22. 2lug. 1756 in einem bei 3lujejb gelieferten ©efedjte au§ unb befehligte fobann 
bie ftadjljut ber nacb, ©laij äurücftetjtenben ^>eere§abtt)eilung. 2113 im fotgenben 
ftrübjatjre ber Selbjug eröffnet tourbe, toar itjm bie gütjrung öon ©crjtoerin'S 
SSortjut bei ber Solonne be3 ©eneralg b. <£>autct)armot) anbertraut. 211S er am 
25. 2lpril bei 2llt=93unälau bie @lbe überfdjreiten tooltte traf er auf ben getnb, 
1500 ^anbuten unb ^ufaren. s Utit bem «Säbel in ber fjfauft griff er an, aber 
eine 9Jhi§fetenfuget bertounbete itjn tbbttid), am 2. 9)lai 1757 ftarb er unb 
tourbe bei ben ^etrinern in s Jllt=5ßun3lau beigefetjt. 20. toar ein gebitbeter unb 
in ben $rieg§toiffenfci)aiten unterridjteter , babei fetjt gottesfürctjtiger Dfficier, 
toelctjer fertig franjöfifd) unb ruffifctj fpractj, unöerrjeiratljet, aber mit einem fjrci» 
fräulein t>. SDtjtjrn öerlobt, toeldje it)n beerbte. — ©ctjroerin betrauerte 3ßarten= 
berg ; § Stob auf ba§ lebrjaftefte unb ber .^önig fcrjrieb : „Je plains de tout 
mon coeur le pauvre Wartenberg, qui 6tait un de mes premiers officiers, 
j'aimerais mieux nöcessiter mille pandoures que de l'avoir perdu, mais la chose 
est sans remede" (^ßolitifdje ßorrcfponbenj, S3b. 15, <&. 5). — äöartenberg'S 
9tame prangt auf be§ Äönig§ ©tanbbitbe unter ben ßinben ju 33erün. 

6. g- ^Pauli/ ßeben großer gelben be§ gegentoärtigen Äriegeg II. £mtle 
1758. 33. $oten. 

üBartntburg : Äart ^riebr. 9lnt. 3B., ^ublicift, gftomanfd^riftfteaer unb 
SOramatifer, tourbe am 13. 9toöember 1826 geboren, ju ßeipjig, nidt)t ju ©era. 
lieber feiner ^ertunft unb ^inbt)eit fdjtoebt ein SDunfel, ba§ er fetbft genaueren 
SSetannten gegenüber ftetä überging unb auct) ettoaige 'Jlact)forfd)ungen faum 
lüften bürften; er fott ber unetjelidje ©ob,n eine§ ©rafen Oon Söartenburg ober 
äöartenberg getoefen fein: ftanbegamtlid) tjei^t er ©otjn ber (Etjriftiane üerto. 
9toffin8ftj geb. Sucecf. Dlactj bem S9efucr)e be§ ©rjtnnaftumS in ©era tooüte er 
ftd) ber militärifctjen ßaufbatjn toibmen, berlefctc fictj aber beim ©turj öom ^ferbe 
für immer berart ba§ S3ein, ba| er fie aufgeben mufete, unb er bejog 1847 bie 
llniberfttät Seipäig, be§ 9tect)t8ftubium8 toegen, bem er bis 1851 oblag. 1848 



SUattenburg. 195 

beseitigte et, ber fdjon in einem Ueberburd)fd)nittSalter ©tubent geworbene, ftd) 
an ber bemotratifdjen 23etoegung ber afabemifdjen Bürger unb jtoar fotool ju 
©unften ber liberalen SinigungSpläne beS ^erjogl @rnft öon Coburg = ©ottja, 
als in 33erbinbung mit ben rabicaten Sfütjrern in Dieufj. 1851 abfolöirte er 
bie juriftifdje 23accalaureuS= unb 9totarSptüfung , tourbe aber in einem toegen 
ber potitifdjen 9lntt)eitnat)me toiber it)n angeftrengten ^roceffe ju anberttjalb= 
jätjriger $aft öerurttjeilt , bie er auf ©djlofj ^mbertuSburg üerbüfjen fottte. 
Obgleich bie 5lnflage in ber Unterfuctjung auf |)od)berratt) gelautet t)atte, tourbe 
er nad) einigen Monaten auS bem ©efängniffe enttaffen, toorauf er, ba it)m jum 
gortfommen in ber juriftifdjen ßaufbalm ßuft unb SluSfid^t mangelten, auf bie 
urfptüngtid) geplante 3 u * un ^ öeraidjtete unb jur ©djtiftftetlerei überging. 
SSieUeid^t flaute er ftd) fdjon bamalS in ©era, baS er furj befudjte, nad) einem 
geeigneten äßitfungSheife um ; {ebenfalls aber finben mir itjn bie nädjften 3>&t)te 
in Trüffel unb ^ariS, um baS politifdje unb gefellfd)aftlid)e Seben fennen jju 
lernen, feinen Untettjalt als ßorrefponbent beutfdjer 3"tungen ertoerbcnb. $n 
biefen joutnatiftifdjen 8eb,rjat)ren t)at er fid) audj in Hamburg, bem bamatigen 
(Hborabo üieter £itteraten, bie ber fiegreidjen ^eaction auS bem äöege gingen, 
unb in Jpotftein längere 3eit aufgehalten ; eS ift ungewiß, ob öor ober nad) ber 
2lbtoefent)eit im 2tuSlanbe. @nbe 1858 liefe er fid) bauernb in ©era nieber, 
too er mannidjfadje ältere Slntnüpfung befafj. Sr leitete t)ier baS öon itjm ge= 
fd)affene „ftorbbeutfdje 2Bod)enblatt", baS als Sentit fdjroff bemofratifd)er 5ln« 
jdjauungen öom Jone heutiger focialbemofratifdjer Agitation roenig jum feineren 
abroid), aud) nie fo redjt in ©djroung fam. 9Jlittlertoeile burd) fein entfdjiebeneS 
auftreten in ber enbgüttigeu -gietmatt) <$u s Jlamen gelangt, tourbe er 1871 öon 
ber ©tabt ©era mit in ben öanbtag öon 9leuf$ jüngerer ßinie getoätjlt, too et 
lange 3al)re mit *ftad)btud bie ^rincipien beS Unten 5^ U 9 C ^ *> er 3fortfdjrittS= 
Partei öerfodjten tjat. 33efonbereS $ntereffe bradjte er immer ben berechtigten 
2Bünfd)en beS öierten ©tanbeS entgegen unb öertrat barob feljr eifrig bie 33e= 
ftrebungen ber „5Deutfd)en ©ewerföeretne". 1874 übernahm er, als ber 23ud)= 
brudereibefitjer Dtto Sebe, $nt)aber ber ?$firma Sornfdjetn unb ßebe, baS 
„©eraifdje Tageblatt" als linfSliberateS Drgan bed öftlidjen £I)üringenS be= 
grünbete, beffen Stebaction unb t)at biefe bis 1885 geführt, trot; öfterer 2)iffetenjen 
mit bem mafjöolten (Sigentfyümet, bie benn fdjüefelid) 1885 einen toirftidjen Q3rud) 
tjeröorriefen ; erft jule^t toutbe bicfet Gonftict burdj beS 2B. lange befreunbeten 
Söerlegerg Sntgegentommen ftiUfdjroeigenb betjoben. 2B. ftarb, feit %crf)x unb 
2ag leibenb (namenttid) am Etagen) unb nidjt nur öerbittert, fonbern aud) 
au§ bem ^arteigetriebe mie bem 23erfet)r jurüdEgejogen, ju ©era am 24. 9lpril 
1889. 

20. ift trotj aEer übten Erfahrungen unb obtool er fdjon früt) in ben 6tel 
politifd)er 33erb,efeung grünbtidjen (Sinbtid genoffen ^atte, bis jule^t feiner ibeat 
angelegten 5latur treu geblieben. Dtobet im S)enfen, felbftloS im ^anbeln, mie 
er fid) ftet§ geigte , t»at er feine ftarf ejtreme Färbung niemals öerleugnet , ift 
aber eben infolge jener @igenfd)aften öietfad) auSgenufet toorben, jumal er letd)t= 
gläubig unb unptaftifd) mar. S)a er eine nid»t getoötjnlidje ©abe einbringlidjer 
Diebe mirfungSöott auSgebilbet tjatte, fpielte er in ©era in ber Kammer unb im 
©emeinberatt) eine tjeröorragenbe ütotte. S)ie 2lufforberung, fid) jutn fftetdjstag 
aufftellen 3U laffen, fdjlug er au§, ba er ©era auS äußeren ©rünben, namentlidj 
toot feines lahmen Seines toegen, nidjt öertaffen mottle unb tonnte. 9lad)bem 
^arl 5Braun(*2öieSbaben), ber linfS=nationallibcrate Vertreter ber ©tabt (f 1893), 
öerbrängt toarb, Ratten SB., fdjon aufolge feiner locaten ^Beliebtheit, feine Partei» 
genoffen unfdjtoer burd^gebradjt. Die gortfdjrittSpartei eTjrte ib,n, aufl^id) im 
©inne toeiterer Greife, burdj ein Denfmal auf bem ^friebljofe, ungeachtet feines 

13* 



196 Söartetibutg. 

in Dielen SDingen fet)r inbibibuellen ©tanbpunftS. 9Jtan feierte in ifjm babei 
aud) ben ttefflidjen 9Jlenfdjen, bet ftd) im Kampfe um bie materielttften gragen 
ein teineS ©emütf) geroaljrt fjatte. ®ie§ befunbete er aud) nad) bem frühen 
Xobe feiner erften grau, unb bie 2Beit)nad)tsnoöeIle „Sin fleiueS $inb" (1864), 
an bie jeitige gerftörung beä eigenen 33aterglüd§ angeleimt, rennet au feinen 
beften ßr^eugniffen. 3fn ber unetgennüljtgften SEBeife nidjt btofs , fonbern fogar 
aufopfernb tjat er feine SDienfte bem ftäbtifdjen ©emeinroefen geroetljt. ©o be= 
teuftet SBartenburg'S gan^e öffenttidje SBhffamfeit bie fdjönen ©eiten feines 
(£t>arafterS. 

2öol petfi 1856 trat ber polttifdje ^ournalift aud) als 23ettetrift üor bie 
Sefetoelt. 2B. £>at nad) unb nad) auf erjätilenbem ©ebiete fotgenbe 9tomane 
unb Lobelien öeröffentltdjt : „6ine Verlorne" (1856), unmittelbar ßrgebnifj 
ber SluSlanbSeinbrürfe, „®ie 33äter ber ©tabt" (3 SÖänbe 1859; 2. «ufl. 1863), 
„5fleue $ropf)eten" (2 33änbe, 1861; 2. SlufX. 1863), „Sin trüben Sagen" 
(2 SBänbe, 1861; 2. 2Iufl. 1869), „granaöfifdjeS Seben" (1863; 2. Slufl. 
1869), „©eutfdje Opfer" (1866), ,,©ertdt)tet unb gerettet" (1868), „Sine t>or= 
nefmie grau" (1868), „föobeSpierre" (2 23änbe, 1872), „2)er 3toerf t>eiXtgt bie 
rotel" (1874), „(Sin fdjrerflidjer SJtenfd)" (1877), „2Bie e§ fo getjt!" (1878), 
„6ine junge grau", „(SattlinaS ©öfnte" (1882), „SBann grauen alt toerben?" 
(1886), „Unöerftanbene grauen" (biefeS SCßerf, ebenfo „(Sine junge grau" unb 
tool aud) anbre, in ben adjtjiger ^a^ren entftanben unb im geuitleton poli= 
tifd^er gettungen, 3. 33. beS „^Berliner Tageblatts", veröffentlicht). SBie er in aßen 
biefen nidjt ettoa nur bie Unterhaltung, fonbern baneben 33erbreitung moberner 
9lnfid)ten im Stuge fjatte, mar öolfSujümlidje Haltung in 2öaf)t unb gormung 
ber (Stoffe iljm -gmuptjtoed , unb aroar überwiegen in ber erften ^älfte feines 
©djjaffenö ©egenftänbe ber großen geitprobleme , fpäter einfadjere gragen be§ 
SldtagSlebenS. gür jene bebeutenbere 9teit)e ift fein erfter grofjer Vornan „S)ie 
33äter ber ©tabt", äugteid) tool fein umfängtidjfieS 33ud), bejeicfjnenb ; ben £itel 
eines politifd)en STenbenäromanS roeljrt er af> , er „fdjtlbert in leidjten $ügen 
äeitgefdjidjtlidje kämpfe, beren 9Jtittelpunft ber Streit um eine altbeutfdje 6in« 
ridjtung ift, bie nur beStjalb Stielen revolutionären UrfprungS evfdjeint, toeil baS 
^arjr 1848 tl)r lange 3eit berbrängteS, toatjreS äßefen toieber jur ©eltung 
bradjte: bie freie ©elbftüerroaltung ber ©emeinbe". 2in biefe Söorte ber für 
jene gefammte @pod)e 2Battenburg'§ Urogramm atifdjen Sßorrebe fdjliefjt fidj ein 
2ob beS unter allem SDrud öerfjältnifjmäfjig freigebliebenen ©emeinbelebenS 
ber beutfdjen JKeinftaaten, befonberS Springend, befonberS(£oburg=©otf)a8; ferner 
weift er auf feine 93enutmng be§ ^umorS b^in, ber „toenn au8 bem mirtlidjen 
2eben berbrängt" „fidj in§ Sieidj ber S)id}tung flüdjtet" unb ertjebt ben 5ln= 
fprud), „einen nationalen, bidjterifdjer 33e^anblung nidjt unroert^en 33ortourf 
jur 2)arftettung getoätjlt ju b^aben". SlnberroärtS ift SB., tote ja audj als Sßoli« 
tifer, meb^r ober roeniger focialiftifd) anget)aud)t, inbem er ba8 9tecr)t ber fo= 
genannten fdjtoieligen gauft be§ Proletariers gegenüber ber 2Jtad)t be8 SaüitalS 
unb ber iljm öerbünbeten gactoren jur ©eltung <$u bringen fudjt. „%tx 3ttJed 
Ijeiligt bie Mittel" t)eifet gerabeju tool juerft in S)eutf djlanb , ein „focial=poli= 
tifdjer 3doman". 2lHe rücftäuftgen ©trömungen griff er bei @elegent)eit an, fo 
ben $ieti§mu§, ber im fedjften 2)ecennium fo oft als ©ünbenbod tjertjielt, in 
„(Sine tiornetjme grau". 20. fud)t im JRoman in ber 9tegel auf t)iftortfcfc)em 
Untergrunbe fociale ^eitbilber meift mobermlmmamtärer s Jlid)tung ju enttoerfen, 
er benutjt ba aber bie ffteflejion Ijäuftg in einem ©rabe, ber bie ^anblung be= 
einträdjtigt unb fjält fid) öon rein lerjrtjaf ten ßinfdjüben nidjt frei : unter feinen 
culturgefdjidjttidjen Romanen biefeS ©djtagS ftet)t „^Reue 5|}ropt)eten" boran, ber, 
um bie 9JHtte beS 19. SaljrljunbertS fpielenb, bie unflaren ftaatlidjen 3 u ft anoe 



Sßarteneleben. 197 

beuttid) roieberfpiegelt (bag <£>aupt bec „neuen $ropt)eten", bei rool felbfterfunbene 
9)larecampug , wirb $efuit). Sßon ben fpätetn ift „Stobegpierre" befonberg ju 
erroätmen, metdjeg Söetf bie ©efdjidjte biefer öer^roirften ©eftalt nur big pm 
Eintritte in bie potitifdje Slrena betjanbelt, unb jroar mit Dotter licentia poetica; 
ber gefctnctjtlictje — bieg Slbjectiö aud) im Untertitel — ©til mattet tjier öor, 
eg ift tjalb gamilien- , tjatb mrjftifcr) burdjbufteter ©enfationgroman, fo in ber 
£5figur beg proptjetifdjen ©remiten ^abafuf unb beg öon itjm gleidjfam jum 
Stadler ber 33ol£gunbttt gemeinten, aber aud) öerbammten Otobegpierre, beg 
„9ieiterg mit bem rotten ^ferbe". 2)iefeS SBerf erregte aud) beträdjtlicfjeg 2luf= 
feljen. 2llg SlbfonberlictjEeit ift nod) anjufüfjren, bafj 20. ein lebhafte c £t)ier= 
freunb mar, bem £eben unb treiben ber .gmnbe unb Äa^en feine Slufmerffamfeit 
fd&enfte unb biefe 33ierfüfjler miebert)olt gerabep p gelben bon (Sraärjlungen 
unb ©fijjen gemalt f>at. 

3Rtt feiner ätteften ßeiftung auf bramatifdjem getbe , bem S)reiacter „2)ie 
©djaufpieter beg $aifers", 1878 gebietet unb atg SBütjnenmanufcript gebrudt 
(2. 2lufl. 1880, 3. Slufl. als 9tr. 2322 öon ttectam'g Uniöerfalbibliottjef ; 
franjöfifd) öon 2B. peinig alg „Les acteurs de l'empereur", ©era 1885) ber* 
ijarrte 23). in breijaetjer |)infid)t in feinem bigtjerigen (Steife: SBerroerttjung 
moberner, mögtidjft felbftgefdjauter Vorgänge — Ijier mol in $arifer ©tubien 
muraetnb mie, fretlid^ in unmittelbarem Söejug, in bem ftoöettenbüdjel „granjö* 
ftfdjeg ßeben" — , 3idcn auf bag ^ntereffe ber breiteften gebilbeten 5Jtaffe, frei= 
ftnnigeg unb ibealtftifdjeg ßeitmotiö beim 2)id)ten. S)ag fpridjt aud) bag 3)or= 
mort öom 2)ecember 1879 beutlid) aug, bag ben äßitten funbgibt, jum 
'iluffdjmunge beg ernften beutfetjen Stjeaterg reblid) beizutragen. SDag ©tüd, 
„gefd)idt gemalt unb öon ber ^ritif atg ber 93ird)--$feiffer berroanbt bejeidjnet" 
(3. ßürfdmer in «öletjer'g ©eutfdjem Mrbud) 1879—80, ©. 600), mag feineg* 
toegg ftimmt, errang feit 1878 (erfte 2luffüt)rung tgl. ©ctjaufpiel^aug p Berlin) 
rafd) öielerortg einen fetjönen, jum üLtjeit einen fetjr ftarlen (hfotg unb öerbiente 
itjn aud) burd) ben rool)tburc|bact)ten Slufbau unb ben feffelnben ^n^alt, ber 
freiließ ben großen Napoleon tjinter ben ßoutiffen läfet unb nur bie offictellen 
9tampen = (5omöbianten biefeg geroattigften Äünftlerg auf bem „SBelttrjeater" 
(öergleidje bie gelungene bejüglidje parallele II, 12) öorfüfyrt. s Jteben biefer 
effectreidjften stummer feineg SRepertoireg lieferte 20. bag ßuftfpiel „$)er s Jting 
beg Agamemnon", bag SSeifatt bei ber SDarftettung fanb, mä(jrenb bag 2)rama 
„S)ag s Utäbdjen öon grontera" (1882) nidjt feine im obigen 23ormort aug= 
gefprodjenen (Srmartungen red)tfertigte. 2)ag ßuftfpiel „S)ie ^oce feiner ^rau" 
(1883) fomie „Die S3olfgfängerin" gingen gar faft unbeachtet öorüber. 

Sßeber allgemein litterargefct)id}ttid)e Jpanbbüdjer (©ottfdjall, 2)ie btfd). 
9tationattir. b. 19. 3fab,rf)S. 6 IV, 568 greift ööttig unangebracht nur „Sine 
bornefime grau" pr 3lnfüt)rung Ijeraug) nod) fotcl)e über Dtoman unb 2)rama 
beg neuen S)eutfc^lanb berjanbeln SB., ^Jle^er'g J?onöerfationglejifon 4 XVII, 817 
nact)tröglic^ ganj tur^, aud) beffen ©d)riftftetter=2ejifon öon SSornmütler ©. 756a. 
^ür ßebenggang unb perföntictjenStjarafter öerbanfe id) midjtige münblidje Angaben 
|>rn. D. Sebe aug ©era (f. o.) in ^Mnd)en, feiner Vermittlung aud) ben ftanbegamt* 
liefen ^lusrocig (ber betreffg beg ©eburtgortg Äürfdjnerg ßitteraturfatenber X, 
430a gegenüber Srümmer'g ßejif. b. btfd). 5Did)t. beg 19. ^rtjg. II, 450a, 
9ted)t gibt) fomie eine gebrängte tjanbfctjriftlidie biogrop!t)ifd)e ©liaie feitene ber 
beseitigen 9tebaction beg „®eraifd)en £ageblatteg". ^uttjentifd) ift s ^l. ^inridjfen, 
%. lit. 3)eutfd)tanb. 2. 9lufl. 1891. ©. 1360 f. ßubmig Jränfel. 

3öartenölcbcit : Slleyanber ^ermann ©raf ö. 20 , fönigtid) preufeifdjer 
©eneralfelbmarfiall , mar am 16. 2)ecember 1650 ju ßippfpringe, mo feine 
2Jtutter, bie ®emab,lin eineg ^>errn ö. 2B. auf ©jten bei Rinteln, bei it)rem 



198 Sßartenjlebert. 

33ruber, einem Jperrn ö. Jpajtfjaufen, jutn 23eiud)e mar, geboren, fam jung al£ 
«JJage an ben lanbgräflidjen .§>of ju Äaffel, mo er mit ben tjeffifdEjen ^rin^en 
erlogen unb in ben $riegsroiffenfd) arten unterridjtet marb, mürbe 1668 burd) eine 
$ranfr)eit, meldje if)n auf bem s Dtarfd)e überfiel, oertjinbert, mit ben Gruppen 
beS <£>erjog§ öon Seile, benen er fid) angefdjloffen fjatte, an bem tHbjuge auf 
ber äfnfel ßanbia tljeil ju nehmen unb trat nun in franjöfifdje Äriegibienfte. 
3n biefen fodjt er in ben nädjften ^al)ren in ben 9iieberlanben , natjm 
aber 1673, um nidjt gegen feine Sanbsleute fämpfen ju muffen, ben 2lbfd)ieb, 
mad)te 1674 unter Äurfürft ftriebrid) öon Sranbenburg al§ 5"imittiger bei 
beffen ©arbe ju ^ferbe ben ^elbjug am Dberrfjein mit unb trat 1675 alä ßapitän 
bei einem Infanterieregimente in t)effen=faffelfd)e 2)ienfte. 9Jtit .Spülfäöötfern, 
roeld)e ber ßanbgraf bem Könige öon Sänemart gegen ©djmeben gefiettt tjatte, 
rootmte er 1677 unb 1678 al§ £)berftraad?tmeifter im föegimente Sluffenteßet 
ben genügen in ©djonen unb in letzterem 3fat)re aud) bem auf tilgen bei. 
$önig Gfjriftian V. roottte ir)n in feine Sttenfte jiefjen, ber ßanbgraf öerroeigerte 
iljm inbeffen bie (Jntlaffung unb beförberte tljn 1680 gum Dberfttieutenant, 
1683 gab er it)m ein eigene^ Regiment, roeldjeg feit 5Jtai 1684 ben Flamen 
Seibregiment ju ftufj führte, 1684 ernannte er it)n jum Dberft. Shiamifdjen 
ftatte 2ß. al§ g^eiroilliger bem Sntfafce öon Sßien unb ben fid) baran fd)tief}en= 
ben friegerifdjen (Sreigniffen in Ungarn beigeroorjnt. 1687 öcrmittelte er einen 
©ertrag mit ber 9tepublif SSenebig, jufolge beren ber ßanbgraf biefer ein $n= 
fanterieregiment jum Kriege gegen bie Surfen überliefe. 2ll§ 1688 ffranfreidj 
mit geinbfeligfeiten brotjte, errichtete er auf ©runb einer mit feinem JhifgSljerrn 
abgefd)toffenen Kapitulation ein Regiment Dragoner; mät)renb bei balb nadjtjer 
au8bred)enben Krieges mar er, auf ben Söunfd) ber ©tabt, Sommanbant öon 
Ofrantfurt, rooljnte mit feinen beiben tjeffifdjen Regimentern ber ^Belagerung unb 
ber ßinnatjme öon 9Jtain<j (11. ©eptember 1689) unb 1690, nadjbem er 
(Seneratmafor gemorben mar, an ber ©pitje ber gefammten t)efftfd)en Infanterie 
bem tljatentofen ^elbjuge an ber $ftofel bei, führte im SBinter 1690 91 ben 
Dberbefetjl über alle jroifdjen 23onn unb Jpeibelberg beftnblidjen Gruppen unb 
öereitelte burd) ein gefctjicfteß Unternehmen einen 3}erfud) ber über ben gefrorenen 
9tt)ein gegangenen gran^ofen nad) 2)eutfd)lanb öorjubringen. ü£)ann öerliefj er 
ben t)efftfd)en 25ienft, um in ben bes «per^ogs gtiebrtctj öon ©adjfen=©otf)a ju 
treten unb ben £)berbefet)l ber Gruppen ber fädjfifdjen ^erjage öon @ott)a, 
SQöeimar unb (Jifenad) ju übernehmen (17. Sfuni 1691). @r begann nun fofort 
mit ber Gmidjtung öon fedjs" neuen Regimentern unb befanb fid) mit neun it)m 
unterftettten Regimentern, meldje bie ^perjöge bem Äaifer überlaffen tjatten, be= 
reiti auf bem 3Bege nad) bem jhiegsfdjauplatje am Üttjein, at8 ^er^og 5"ebrid) 
am 2. 2luguft 1691 plö^lid) ftarb, morauf SQ3. jur ^itöormunbfdjaft über bie 
t)interlaffenen ©öt)ne berufen mürbe unb mit feinen Gruppen öorläufig in bie 
^eimatt) jurüdfeljrte , 1692 aber marfdjirte er, nadjbem ber $aifer itjn am 
27. £>ecember 1691 jum f5felbmarfd)all(ieutenant beförbert tjatte, an ben Dber= 
rt)ein, mo ^JJcarfgraf Submig öon 33aben ben Oberbefehl führte. 3" eigentlid) 
friegerifdjer Jtjätigfeit fam er t)ter dunädjft ebenfo menig mie in ben lieber* 
lanben , motjin er entfanbt mar um mit ben bort befinblictjen |>eerfüt)rern ge» 
meinfame 9ftafjregetn ju öerabreben unb mo it)m al© befonbere 3luSjeictjnung 
ein (Sommanbo bei einem jum Qmtfatje beö belagerten ^tamur gebilbeten 6nt= 
fa|t)eere§ 3ugebad)t mar. S)ie ^feftung capitulirte am 5. 3funi, beöor ba§ teuere 
3ur ©teile mar, SB. fct)rte an ben £)berrt)ein jurüd, mar im ^erbft bei einem 
mifeglüdten 3 u 9 e ^ n ^ e ? s T a ^3 beteiligt unb fetjü^te bann, burd) einen ge= 
fdjidten SJtarfd) ^eitbronn bor einem Sefudje ber granjofen. 2Bät)renb ber 
fpäteren ^a^re bei tt)atenarmen Äriegei am Oberrfjein ftanb er bort ebenfalls 



Sßartensleben. 199 

im $elbe unb aud) jetjt, roie in ben früheren JhiegSiat)ren, roarb et mannid)fadj 
ju militärifdj=potitifdjen ©enbungen gebraust. 

9tad)bem fcfjon jroei s 3Jtal llntertmnblungen mit SBenebig toegen feines @in= 
tritteS in bie 2)ien[te ber SflepubliE fidj aexfd^taQen Ratten unb bet Äaifer iljn 
Tür ben Obetbefetjl feines ^eereS auf bem italienifdjen .JhiegSfcrjauplaije im 
3. 1702 in SluSftdjt genommen tjatte, trat ßönig «uguft III. öon $oten, 
roetdjer irjn im Stiege gegen ©darneben öerroenben rootlte, mit 20. in SSerbinbung. 
Ofme bafe ein Slbfommen gehoffen roarb, reifte biefer öon Söarfdjau nad) ^Berlin 
jurüct. £ier gelangte ein Eintrag Äönig ^riebrictys I- an ^ n > toelcrjer batjin führte, 
bafe 20. am 18. Sluguft 1702 jum preufeifcf)en ©cneralfelbmarfcrjall unb ©etjeimen 
ÄriegSratt) betlaritt mürbe. @r rourbe ferner jum ©ouöerneur öon 23erltn er* 
nannt, eS toarb itjm ber ©ctjroarje 9lblerotben öerlietjeu unb nadjetnanber graften 
t^n ber preufeifdje $önig unb ber beutfdje ßaifer. — SDie 23erantaffung 3U feiner 
^Berufung mar geroefen, bafe ber ©raf $olbe öon Söartenberg, beS ÄönigS aE= 
mäctjtiger 2Jiinifter, ben itjm unbequemen f$elbmarfd)atl ©rafen 33arfuS befeitigen 
unb burd) 20. erfetjen rootlte. 33arfuS ging in ber S£r)at ah. SBartenSleben'S 
s 2lnfteHung aber madjte böfeS SBIut , bie ©enerate bu -gmmel unb <yriebrid) öon 
■§>erjben nahmen itjre ßntlaffung, «StgiSmunb öon £et)ben unb ©raf Sottum 
liefen fidj nur mit 5Rüt)e galten. $m ^fetbc tjat ber Jfönig feinen gelbmarfdjaH, 
obgteid) ber ©panifdje (Srbfolgefrieg ©elegenljeit genug baju geboten tjätte, nidjt 
öerroenbet. 9llS im 3f. 1710 Söartenberg nebft feinem ©enoffen, bem ©rafen 
Söittgenftein , gefiürjt rourbe, fdjroebte aud) 2B., ber britte öon ben brei 2öet)= 
grafen, toie man biefe 5Ränner nannte, in ©efatjr. 6r blieb aber unangefochten 
in feiner Stellung, nur bie geitung ber .fhiegSöetroaltung, bie 3U feinen SDienft» 
Obliegenheiten getjört tjatte, rourbe itjm abgenommen. @S mufe alfo feine 33er» 
anlaffung ^u bem Slrgrootjne öorgelegen rjabm, bafj er roie %mt fiel) unerlaubte 
SBorttjeile öerfdjafft l)ätte, bod) badete er bamatS baran, bie gatme nochmals ju 
roedjfeln, benn <£>er<$og Qftiebvidt) Ulrid) öon $3raunfd)roeig--2Botfenbüttet fctjreibt, 
bat} er „ben in ^Berlin biSgoufiirten SB. in getoiffer SiBeife engagirt tjabe; er 
nennt itm bei biefer ©elegentjeit angenetjm im Umgange , einen tapfern $riegS= 
Reiben, erfahrenen Gabattetiften (?) unb gotteSfürdjtigen 9Jcann". 2lb er SB. blieb 
in ^reufeen unb aud) Äönig griebridj'S 9tad)fotger, ber am 25. gebruar 1713 
auf ben £t)ron gelangte $önig griebrid) SBUtjelm I., entjog itjm feine ©nabe 
nid)t, im $. 1715 begleitete SB. biefen in ben pommerfcfjen ^elbjug, bod) fonnte 
er nid)t öerljinbern , ba^ ber J?önig feinen ©nfelfotjn, ben Lieutenant ö. ßatte, 
toeldjer im ^atjre 1730 be§ ^ronprinjen griebrid) gludjt geförbett tjatte, l)in^ 
tieften liefe. @r fetbft ftarb am 26. Januar 1734 ju Berlin. Seinen JHnbern 
jtoeiter 6t)e unterliefe er , nadjbem er bie ber erften mit 44 000 2r)alern ab" 
gefunben tjatte, ein meift in ©tunbbefitj angelegtes Vermögen öon 90 000 Stjalern. 
SB. gehörte mä^renb feiner preufeifdjen S)ienftjeit juerft ju ben ^ilbepten unb 
fpäter ju ben (Srroedten, ben Slntjängern öon ©pener unb beffen s )tad)fo(gern. 

ßebenebefdjreibung öon griebrid) ö. ßretiben (SBertin 1734). - 5- ©w 
ö. 2Barten8leben , ?iact)rid)ten öon bem ©efd)led)te ber ©rafen ö. 2öarten£= 
leben. 2. 2f)eil: 93iograpt)ifd)e 9cad)tid)ten, ©. 47 (2. 2lu§g., Berlin 1858). 

23. 5Poten. 
SortCHÖlcbcn : ßarl Smil 9teid)Sfreif)err öon äö., lanbgräf Ud) tjeffen* 
faffelfd)er Dberft unb 23rigabier, Oberltjofnieifter unb Oberfämmerer ber ßanb= 
gräfin «Dtarie 2lmalie, ©ema^lin ßanbgraf Gart'S öon Reffen, Sefi^er beä ©uteä 
Söinterbürtn bei Äaffel, rourbe als 6ol)n beS t)oüänbifd)en ßberften (Stjriftian 
ö. SB. unb ber ßornetie 9liöiete b'5lrft)ot im 9Jlai 1669 im Jpaag (?) geboren, 
anfangs in tjoKänbifctjen be^ro. öenettanifdjen 5)ien[ten, trat er in baS t)effen= 
faffelfdje Militär über, ftiftete 1702 als Oberft ba§ öon 1709 bis 1755 nad) 



200 2Barten§teben. 

bent ^ßrinjen ©eorg, bon 1755 an nadj bem ißrin^en $arl bon Reffen benannte 
Infanterieregiment ^u 10 (Sompagnieen, roelctjeS als erfteö ^Bataillon beä brüten 
Cinien^nfanterteregimentS bis jum ^aljre 1832 beftanb unb fdjliefjtid) in beibe 
Bataillone be§ brüten Infanterieregiments berttjeilt rourbe. ©ein Dtegtment 
jätjtte im ©Paniken Srbfolgefriege ju ben 8000 'DJtann ,£)ütfätiuppen, bie fein 
£anbe§rjerr, ber 33unbe3genoffe ©rofebritannienS, beS $aifer6 unb |)oHanbss, be= 
tjufä lluterftütjung ber (Sngtänber ju ben Xruppen ber Sßerbünbeten ftojjen tie%. Sitte 
biefe Ijeffifdjen £ülf§truppen behaupteten im ©panifdjen Srbfotgefriege unter itjren 
tapferen güb^rern bei ben attiirten Armeen unb bereu gelbtjerren , tyünt Sugen 
unb bem ^erjog bon TOarlborougt) , ben alten 9hü)m tjeffifdjer Stapferfeit, bor 
allem in ber fiegreidjen ©d)lad)t bei <£>od)ftäbt, an ber aud) ba§ Regiment öon 
äÖartenäleben rjerborragenben Slnttjeit tjatte. 

28. tuurbe am 12. gjlätj 1706 ÜBrigabier unb 1709 auf furae £eit ßom= 
manbant üon 3i e 9 en ^ a ^ n - 2lm 20. ^Jlärj 1709 rjett)eiratt)ete ftd) äö. mit 
Äattjarine ßfjriftiane (6t)riftoptjine) b. Steffen , roeldje iljm aroei ©ötjne unb 
aroei 2öd)ter gebar, bie bis auf einen ©otjn, ben nadjtjerigen f. t Kämmerer 
unb tjoHänbifctjen ©enerallieutenant $arl fjfriebrid) b. 20. , ber bom Äaifer mit 
allen übrigen 5teir)erren bon 28arten§leben in ben 9ieid)3grafenftanb ertjoben 
tourbe , jung berftarben. Um biefe geit bürfte 2S. ben actitten s JJtilüärbienft 
berlaffen unb bie oben exrodtjnte ^»offteüung übernommen tjaben. @r ftarb am 
3. ftebruar 1714. 

3eblet'8 Uniberfalteiüon LH, 2378. — $or). 2lnbr. ■gjofmann'S 216- 

Ijanblung bon bem bormaligen unb heutigen ÄriegSftaate in Reffen. Semgo, 

2t). 2, 1769, ©. 515 f. — Sßauli, ©enfmate berühmter ^elb^erren. $alle, 

21). 1, 1768, ©. 277 f. — ©runblage jur *»Ulitär=(55efd)id)te be8 2anb= 

gräflich #effifd)en GorpS. ßaffel 1798, ©. 303 f. — ©tamm= unb 9tang-- 

lifte beä furfürfiltd) tjejfifcrjen 2lrmeecorp§ bom 16. 3at)rr)unbert bis 1866, 

S. 20—22. äöitrjelm ©rotefenb. 

SortCHÖlcben : Seopotb 5tlejanber ©raf b. 20. , föniglid) preufjifcrjer 

©enerallteutenant, ber ©otjn eines $ugenbgenoffen unb fpäteren ©eneralabju* 

tanten $önig fjriebrtctj'ä beS ©rojjen, rourbe am 29. Dctobcr 1745 ju SBerlin 

geboren, im 2lprit 1758 aum gätjnrid) beim Infanterieregimente 2llt=©tutterl)eim 

( s Jh. 2) unb am 22. gebruar 1762 aum ©econbtieutenant beim 1. Bataillon 

©arbe ernannt , natjm at§ 2lbjutant beS Iftarfgrafen $arl Don Branbenburg* 

©djroebt an ben beiben testen ^elbjügen beS ©iebenjärjrigen Krieges tfjeil unb 

gehörte nad) ^riebenSfdjlufj jum Greife bec 5 r eunbe beä 2t)ronerben, beS ba= 

matigen Sßrinaen bon *ßreufjen, fpäteren Königs gfriebrid) SBttrjetm II. ^riebridj 

ber ©rofje madjte 2B. für beffen Sluffütjrung mitberantroortticb^ unb fdjicfte 

ib^n , ba er mit biefer nid)t jufrieben mar, am 3. 9luguft 1769 als *ßremier= 

tieutenant in 2öarten§teben'S attei Regiment nadf) $reu|en, am 3. Slpril 1773 

ernannte er it)n jum ßapttän unb Sompagniecljef bei bem in 9Jtarienburg 

ftetjenben neuerridjteten Infanterieregimente ^rodtoro (5lr. 51). 5JIÜ biefem 

mad)te 20. ben 33airifd)en (Srbfolgefrieg mit, rüsfte am 1. 3)ecember 1779 3um 

^Jlajor auf unb ertjielt nad) griebrid) SÖittjelm'ö II. 2t)ronbefteigung hai in 

Sranbenburg a. b. <£wüel ftetjenbe Infanterieregiment 9iaumer (9lr. 36) foroie 

bie 2lmt8l)auptmannfd)aft ^\e]ax, am 30. ^uni 1788 mürbe er Dberfttieutenant, 

am 15. September 1790 Oberft, am 21. 'üttai 1792 üertaufd)te er fein 6om= 

manbo mit bem beö Regiments ^rinj |)einrid) (iJlr. 35) in ©panbau. 3ln ber 

©pi^e beffelben 30g er 1793 in ben Ärieg gegen bie franjöftfdje 9tepubtif, 

jeidjnete fid) berfc^iebentlid) burd) Umftdjt unb Japferfeit auS unb ertjielt für 

bie unter feinem S5efer)le ausgeführte Ueberrumpelung ber Sergfefte SSüfdj 

(5)tagaäin ber Äriegibegeben^eiten , 1. SBanb, gfranffurt a. 3JI. 1794) in ber 



Söartenäleben. 201 

9tad)t üom 16. 17.9tobembetl793 ben Otben pour le mörite. ©ein 9tegimentSd)ef 
fefcte itjm aus 2Inlafj ber guten Haltung unb bet Stiftungen ber Gruppe foroie 
in ?lnerfeunung bon Söartenäleben'S eigenem Serbienfte eine ^atjreSpenfion öon 
450 Spätem auS. Wad) ftriebenSfdjlufj bejanb biefer fid), nad)bem et am 14. $a= 
nuar 1795 jum ©eneratmajor unb jum ßommanbeur einer ©renabierbrigabe 
fceförbert morben mar, perft bei ben jjut Sefetjung bet 5)emarcationSlinie bet* 
toenbeten Gruppen in äBeftfalen, abet fd)on am 19. SJlai b. %. ettjielt et baS 
Infanterieregiment 9h\ 43 unb fam nad) ßiegnifc in ©attüfon. fttiebtid) 3Qßit= 
rjelm II. betliet) itjm furj bot feinem Xobe ben grofeen ftotrjen Slbterorben. 
3B. mat öon töaue auS öetmögenb unb routbe eS burd) feine ^ßertjeiratrmng 
mit einem graulein b. b. 9tecfe unb borttjeilrjafte Käufe unb SBerfäufe bon 
©ütern nod) mef)r, fobafj et bei SluSbrud) beS Krieges bom 3af)te 1806 in 
©djlefien einen ©runbbefi^ im 2Bett^e bon 290 000 SLljalern befafj. ©d)on 
1802 tjatte et ben SDtenft betlaffen unb fid) auf feine 93eft^ungen äutüd^ie^en 
motten, bet Slbfdjieb mar itjm abet oermeigert unb am 10. gebtuat 1803 toar 
et nad) bem neuerroorbenen (Srfurt betfe^t, toeldjeS et am 21. Sluguft 1802 
füt ^teuften in Sefit} genommen rjatte. ijpter führte er als ©ouberneur, feinet 
(Stellung unb feinen Steigungen entfptedjenb, einen glänjenben .gjauStjalt, als bie 
(Jteigniffe beS ^aljteS 1806 ben glücfticrjen Sßetrjältniffen, in benen er lebte, ein 
ptötjlidjeS Gnbe bereiteten (7. unb 8. Seirjejt jum SJtilitär=2Bod)enblatt 1887: 
3n Erfurt im ^. 1803 errietet, bei Sluerftäbt 1806 bernidjtet; eine ©efcfjidjte 
beS SBartenStebcn'fctjen Regiments 91t. 59). (St ett)ielt baS Sommanbo bet 
SDibifion beS SenttumS in ber Slrmee beS £>eräogS bon SBraunfdjtoeig, befehligte 
biefelbe am 14. Octobet in bet ungtüdlidien ©d)lad)t bei IJluerftäbt , roo et 
butd) einen ©turj mit bem ^ferbe befdjäbigt routbe, unb gelangte, lötpertid) 
teibenb unb geiftig niebergebrücft, mit ben gefcfjlagenen Gruppen nad) S)tagbe= 
bürg. 2US ber Oberbefehlshaber biefe ©tabt berliefj, mufjte 30. als ber ältefte 
©fftcier unter bem ©ouberneur, ©eneral b. Kleift, bort jutüdbteiben. Samit 
toar fein ©djitffal beftegett. SJttt steift Itjatte er bereits früher ©treitigfeiten 
gehabt, fefet öerbat fid) biefer, bafj 28. fid) um bie SBertrjeibigungSmafjregeln 
fümmere, roofür ber leitete fid) burd) Steuerungen über bie öorauäfid)tlid}e 
Unjutänglidjfeit beS 2öiberftunbeS tädjte; als bann bei einet 3 u f ammenfun ft 
bet ©enerale ber ©ouoerneur feine 2Ibfid)t bie 5 e ft un 8 übergeben *u motten 
ausfprad) unb einem jeben ber 9lnmefenben , roeldjer eine beffeve SBerttjetbigung 
toiffe, freiftettte, ba8 ©ommanbo ju übernehmen, unterließ 20., roeldjer ber Städjft» 
berufene gemefen märe, ebenfo roie bie Uebrigen , fid) baju ^u metben. %'xt 
Kapitulation fam am 7. Stobember ^u ©tanbe. 2B. gab ba§ fdirtftlidje 2kr= 
fpredjen bor feiner Sluömedjelung nid)t gegen fjftanfreid) bienen ju motten unb 
tjielt fid) biö ^um 3ftieben§fd)luffe aufeetljalb ^}teufeen§ auf, bann begab et fid) 
auf feine bei Stieg belegene .§>etifd)aft ©ctmrgaft, bat um feine ©ntlaffung unb 
erhielt biefe am 17. Dctober 1807. 9lm 19. Januar 1809 mutbe i^m eröffnet, 
bafe auf ®runb einer ßabinetäorbre bom 16. ©eptembet 1808 baS ftieg«ted)t= 
tidje 33etfal)ten roegen bet Kapitulation öon SJlagbebutg aud) auf itjn au§gebeljnt 
fei. Sladjbem et auf ©runb ber bieten burd) ©eneral b. ©raroert öernommen 
toar, ertannte ein am 25. ©eptember 1809 ju Königsberg unter bem SBorfi^e 
beä ©eneralS b. Söinning abgehaltenes Kriegsgericht mit 9lücffid)t auf 2BartenS= 
teben'S oben gefd)ilberteS Sertjalten für 9ted)t, ba^ berfelbe mit lebenSroierigem 
Slrtcft ju beftrafeu fei; ber Äönig beftätigte ben ©prud) bab,in, bafe SB. mit 
daffation , Slbnetjmung beS Kotzen 9lbler= "unb beS SßerbienftorbenS unb lebcnS^ 
toierigem fteftungSarrefte auf gort 93reu6en bei Weifje beftraft werben fotte. 
S)eS Königs 33efet)l mürbe burd) bie SB. am 6. Januar 1810 erteilte ©e^ 
ne^migung gemilbert , ben 9lufentf)alt auf bem gort mit einem foldjen in bet 



202 2öaxttnger. 

©tabt öertaufcfjen 3U bürfen, tjier aber blieb er als Slrreftant bis bie allgemeine 
©trafbefreiung com 30. $ftai 1814 aud) iljm bie t5frei^ett miebergab. 3lm 
15. ^uni roarb er entfaffen unb fjat nun bis ju feinem am 22. October 1822 
erfolgten £obe in SBrestau gelebt. 2>as Unglürfsjafjr 1806 tjatte aud) leinen 
ftnan^ieEen 9ftuin rjerbeigetüfjrt ; er mußte feine ©üter, roeldje burd) ben $rieg 
fdjmer gelitten Ratten unb eine ß^ 1 * an 8 m ^ 23*!d)lag belegt waren, ttieil man 
iljn für ben ©djaben, meldjer bem ©taate burd) bie llebergabe Don ^Ragbeburg 
ertoad)fen mar, aud) mit feinem Vermögen oerantmortlid) macfjte, üerfaufen unb 
mar, meit nid)t§ für itjn übrig blieb unb er fein 9tu(jegef)alt erhielt, für ftdj, 
feine grau unb eine Xodjter auf bie öom ^rinjen |)einrid) it)m ausgefegte 
$enfion öon 450 Sljalem unb auf baSjenige befdjränft, roa§ feine übrigen 
Äinber iljm gaben. 

3. ©raf öon 2Qßarten§leben, >Jtad)rid)ten Don bem ©efd)led)te ber ©rafen 
ton äöartensleben, 2. £f)eil: 23iograöf)ifd)e 9lad)ridjten, ©. 157 (2. 2lusg., 
Sertin 1858). 35. $oten. 

Sarthigcr: i^ofepl) 2ß., ®efd)id)tsforfd)er, geboren 3U ©t. ©tepfjan bei 
©tainj in ©teiermarf am 21. Slöril 1773, legte bie ©rjmnafial= unb juribifdjen 
©tubien in ©103 jurüd, mar einige 3 e ^ |)ofmeifier unb (Srsietjer , trat 1799 
al§ ^raftifant bes fteicrmärfifdjen ©uberniumi in ben öolitifdjen ©taatsbienft, 
meldten er 1801 mit einer ©rjmnafiallefjrerftelte w Harburg in ©teiermarf 
üertaufd)te. Jpier ttjat er fid) befonberS in ber (httjeilung bes Unterrichtes aus" 
bem ©ried)ifd)en fjerüor , er ermunterte feine ©djüler tjieju baburdj , baß er 
aus eigenen üJtitteln Prämien für bie beften ßeiftungen aus biefem ßerjrfadje 
föenbete; ferner legte er ebenfalls au§ eigenem ben ©runb }u einer ©djüler» 
bibliotfjef an ber genannten Setjranftatt. 3)a bas meid)e SBaffer üon Harburg 
feiner ©efunbfjeit nacfjtrjeilig mar, trat er 1805 öon biefer Sefjrfielle jurüd unb 
überfiebette nad) ©raj , roo er balb auSfjülfsmeife am Crjceum auf ben 2eljr= 
fanjeln ber Öefdjidjte unb ^Ijilofoöljie üerroenbet rourbe unb burd) licrjtöoEen, 
grünblidjen SSortrag unb geminnenbes SBenerjmen feinen Hörern gegenüber aus* 
gcjeidjnet mirfte. üDer 9tuf öon feinen umfaffenben Äenntniffen, insbefonbere 
»on feiner Sßertrauttjeit mit ber ©efcfjidjte unb Sßerfaffung bes ßanbes ©teier= 
marf mar Sßeranlaffung, baß er am 17. Slpril 1810 üon ben ©tänben beä ßanbes 
jum 9tegiftraturs= Slbjuncten ernannt unb fdjon am 18. S)ecember 1812 §um 
tRegiftrator unb 9lrd)iüar beförbert mürbe. 9ll§ foldjer orbnete er bas große 
2lrd)iü ber ©tänbe, eine reidje Quelle für bie ©efdjidjte bes Sanbeä, legte 9te= 
Perioden unb SSeräeidjniffe an unb madjte es baburd) ber SBenütjung , junadjft 
für örttidje ^toeefe, augänglid). „SSas er ... . für bie föcdjtsöertjältniffe beS 
Öanbes, in abfolutifiifdjen Seiten für bie 3Bab^rung feiner autonomen 9ted)te 
nad) feiner älteften greirjeitsurfunbe, für 8anbtag§= unb ©teuermefen, insbefon= 
bere für ©tamme^ unb Söapöenfunbe in gio^en Slbtjanblungen, bie alle ben 
S)rud nodtj nid)t erlebt tjaben, fotoie in fleinen, unenblid) müb^famen 3ufimmen= 
tragungen geleiftet r)at , fann nur ermeffen , roer in feine 3al)lreid)en 2lmtS= 
arbeiten otjne oerblenbete SBoreingenommenf)cit einigermaßen @infid)t genommen 
fjat" (^idjler). „dergleichen finb bie 9lbüjanblungen über ben Urfprung unb 
bie SBeränberungen bes ©ctränftajeS in ©teiermarf ; über ben ftänbifdjen 5teifd)= 
auffdjlag; über ba£ (Jntftefjen bes s ^ard)futter^af ers ; über bie ©renjftreitigfeiten 
jroifctjen ©teiermarf unb Ungarn ; über bas einft öom Sanbe erfaufte 9led)t, ben 
^fuben ben ©etreibefjanbet unb felbft ben 2lufentljalt in ©teiermarf ju Dertoeigern; 
über ben Urfprung ber ©anitäteanftalten; über bas ©ntftetjen eines großen 
Ifjeils ber ftänbifdjen ©d)ulben butd) bie Uebernafjme öon ÜJcittionen an ^>of= 
fdmlben; über bas 9ded)t ber ©tänbe, bas fteiermärfifcfje 3fncotat ju Derleiljen 
unb ju öertoeigern; über beren Stecht, ben SanbeSfjaubtmann felbft ju mähten, 



aOßattinger. 203 

auS eigener s Utad)tbotlfommenf)eit Sanbtage einzuberufen unb auf benfelben jeben 
©egenftanb otjne bortjergetjenbe Anzeige bei ber Regierung frei ju bertjanbetn; 
über ben ©itberbergbau in 3 e ^i n 9 un & niedrere ©olb unb Silber füt)renbc ©e« 
Wäffer beS SanbeS, foroie über berfdjiebene anbere Angelegenheiten unb Söertjält* 
niffe beS öffentlichen ÖebenS" (Seitner). 

9cad)bem ßrj^erjog Sofjann (1811) unter 'Dcitmirfung ber ©tänbe baS 
„^oanneum" gegrünbet tjatte, tourbe 20. neben feiner Stellung als Ard)ibar 
ber ©tänbe, bie ©djaffung unb Seitung beS ArdribeS, 9Mn5* unb Antifen= 
cabinetS am Sfoanneum übertragen. S)a mar er für bie 6rr)attung unb 33er« 
metjrung ber Uvfunben , |>anbfcrjriften unb Acten jjur ©efdjidjte beS SanbeS in 
unermüblidjer Söeife tfjätig; bie bortjanbenen bisher fdjledjt berWat)rten ©erjage 
rettete er bor bem Untergang , ftettte fie awetfmäfjig auf , fatalogifirte fie unb 
machte ^a^tretd^e neue Erwerbungen, fo bafe man fagen fann, bafj ju bem ietjt 
beftetjenben großen fteiermärfifdjen 8anbcäard)ibe eigenttid) 2ö. ben erften ©runb 
gelegt t)at. „(St brachte bie anfangt ganz djaotifdje klaffe bon Ardjibftüden 
nad) ©egenftänben, öänbern unb Ortfdjaften ber Zeitfolge gemäfj in Drbnung, 
berfafjte über fie ein berläfjlidjeS Söerjeidmifj unb befolgte bie urfprünglidje An= 
läge eines alpt)abettfd)=d)ronologifd)en WamenSinber, über alle in ben Urfunben 
ermähnten ^erfonen, Ortfdjaften, 23erge, ©ewäffer unb anbern Dbjecte" (Seitner). 
$)urd) feine perföntidje ^nterüention in ©raj unb äöien unb burd) Reifen in 
©teiermarf unb Kärnten (1812—1817) gelang eS ifjm , über 3000 Original 
urfunben unb eine nod) biel größere 3af)l ttjeilö bon ü)tn , tljeilS unter feiner 
Auffidjt angefertigter Urfunbenabfdjriften ju erwerben. %n gleicher SBeife wirfte 
er für baS s Dtünjcabinet am 2foanneum , brachte eS wätjrenb feiner Verwaltung 
üon unbebeutenben Anfängen bis auf 20 000 ©tüd unb ift als ber ftjftematifcbe 
©d)öpfer beS SanbeS= s JMnjencabineteS am ^oanneum $u bezeichnen. ©d)on am 
2. ©eptember 1819 äußerten fid) bie ©tänbe in einer Eingabe an bie 9te= 
gierung in fotgenber äöeife: ,,^n feinen AmtSerfültungen aeidjnet fid) 28. fo 
bor,}üglid) auS , bafj er feinen s Dcitbeamten ein mafjreS 53orbilb beS ftteifjeS 
bereint mit Jöejctjeibenljeit unb AnfprudjStofigfeit barftetlt. ©ein reger 2)ienft= 
eifer bebar? metjr beS 3 ut üdl)altenS als beS AnfpornenS zur ßrfjaltung fetner 
©efunbtjeit. 2)aS ^oanneumSardjib berbanft einen großen £t)eit feiner Oti» 
ginalurfunben biefem unermübeten unb patriotifdjen ©ammler, ber zugteid) bie 
9Jtünzenfammtuitg orbnet unb mit ber gröfjen Uneigennütugfeit bermefvrt". — 

SefonbereS Sßerbienft ertoarb fid) 2B. baburet), ba| er 1843 mit bem 
•öiftonfer Abalbert b. 9)cud)ar, bem 2)id)ter unb ©djriftfteller $arl ©ottfrieb 
s Jtitter b. Seltner unb mit bem Abt öon Stein ßubmig 6ropf)iuS Sblen b. ^aifer« 
lieg, ber ©rünber beS l)iftorifcl)en Vereins für 3fnnepOefterreict) mürbe, ber unter 
baS ^rotectorat beS @rji)er^ogS ^o^ann gefteEt mürbe; als biefer Sßerein 1850 
fictj auflöfte unb nad) ben brei ^3robinjen ©teiermarf, Kärnten unb Äratn 
feilte, mar 2ß. mieber für ben r}iftorifd)cn 33erein für ©teiermarf tfjätig, ber 
fid) jetjt nod) beS treffüdjften ßjebeifjenS erfreut. 

20. , ber unbere^elid)t blieb, roenbete nid)t blo^ bie .tfi'äfte feines ©eifteS 
ber Ijiftorifdjeu ©rforfdjung feiner |>eimatf) ^u, aud) mit materiellen 9Jcitteln 
förberte er baS ©tubium ber batertänbifdjen ©efd)id)te; boS Jponorar, roeldjeS 
er bon bem Verleger für bie bon it)m berfa^te „föefdjidjte ber ©teiermarf" et« 
f)iett, bermetjrt burd; bie Sejüge, toeldje ifjm als ©upptenten für ©efd)id)te unb 
if)ilofopt)ie ^ugemiefen morben waren, in Summa 800 ©ulben, beftimmte er 
jur ©tiftung einer filbernen ^reiSmebaitle für benjenigen ©djüler beS ©ijmna= 
ftumS in ©ra^, we(d)er fid) bei einer aUjärjttid) ftattfinbenben öffentlichen s ^rü= 
fung burd) bie beften Seiftungen im ©tubium ber fteiermätfifdjen ©efd)id)te 
auszeichnen würbe. SDiefe ©tiftung würbe fpäter bon ben ©tänbeu unb bon 



204 Sßarttnger. 

bem SanbeSauSfdjuffe Oon ©teiermarf übernommen, bebeutenb ertocttert, auf alle 
*DUttelfcrjulen (©rjmnafien unb 9teatfcf)ulen) bet ©teiermarf auSgebetjnt unb 
roirft fo roof)ttt)ätig förbernb toeiter. — ferner fpenbete er 1812 ein Kapital 
bon 900 ©ulben, bon befjen £infen jä£)v(td^ einem ©tubirenben ber llniüerfttät 
©raz, bei fid^ im Serjrfadje ber praftifdjen ^rjitofoptjie bei einer Prüfung unb 
2)isputation befonberS tjerborttnte , eine filberne *ßreiSmebaitte juerfannt toerben 
Jolle; fobann 300 ©utben zu Prämien für tüchtige Sanbibaten be§ ßanbfcfjul' 
bienfteS, meitere 500 ©utben, öon beren ginfen eine fitberne $)enfmünze ^er= 
gefieEt unb biefe bemjenigen ©c£)üler ber oberflen ©tjmnaftalclaffe in ©raz üer= 
lietjen toerben foEe, toetdjer bei einer Prüfung über bie 9tebe beS ^fofrateS „für 
ben 2)emonifo8" fidt) borzügtidj ertoeife. Unb atS itjm 1820 bie öietgeliebte 
Butter burd) ben Stob entriffen tourbe, übergab er, ftatt auf iljrem ©rabe ein 
prunfüoEeS SDenfmat ju fe^en, jur Erinnerung an fie, bie eine eifrige Pflegerin 
ber Dbftbaumzucrjt getoefen, Oon ba an jäf)rttcr) ber fteiermärfifd}en ßanbtoirtf)* 
fcrjaftSgefeEfdjaft einen betrag Oon 20 ©utben mit ber 33eftimmung, bafj SßolfS* 
f d§ultet)ter , toelctje it)re ©ctjüler am oeften in ber Einpflanzung unb SSerebtuug 
ber Dbftbäume unterrichten , babon mit filbernen s JJlebaiEen bettjeilt mürben, 
©ein Vermögen, ettoaS Über 5400 ©utben, beftimmte er in feiner legten 2öiEenS= 
erftärung jur ©tiftung Oon jmei ©tipenbien für bürftige unb ausgezeichnete 
©tubirenbe. 

3)ie arbeiten Söartinger'S beroegen fict) faft auSfctjltefjlicr) auf bem ©ebiete 
ber fieiermärfifcfjen ©ef ctjictjte ; eS finb fotgenbe: „kurzgefaßte ©efcrjicrjte ber 
©teiermarf" (©raz 1815, 2. Stuft. 1827, 3. Stuft. 1853); „^riüitegien ber 
Imuptftabt ©raz" (®raz 1836); „^riüitegien ber JfreiSfiabt 23ru<J" (©raz 
1837); „Sßriüilegien bei «UtarfteS Söorbernberg" (©raz 1841); „^rioilegien beS 
SJtarfteS Buffer" (©raz 1841); „^rioilegien beS WtarfteS (Jifenerz" (®raz 
1841); „Beitrag jum ftetermärfifdjen ütazrecrjte, begleitet mit ben toicrjtigften 
Sazpatenten" (©raz 1828); „SIblöfungen ber Urbariatbienfte im 14. unb 15. 
3a|rt)unbert" (©raz 1849); „Sanbfjanbfefte $aifer ÄarlS beS ©elften für baS 
."perzogttjum ©teiermarf bom ^atjre 1731" (o. £). u. $. 23orroort gezeichnet: 
3Jom fteiermärfifcf) ftänbifctjen berorbneten 3ftatt)e, ©rät} am 21. ^utto 1842. 
88 ©., Slntjang: 2)er Cjsrboertrag beS testen ülraungauerS Dtafar mit ^erjog 
ßeopolb V. oon Oeftrreidb, am 17. Stuguft 1186); ,'Y/iivog eig xa ysve&Xia 
tov Kvqlov ocoTrjQog ?jf.icov Igov Xqiotov ex autographo Christophori Freu" 
(©raz 1847). — ^n ©ammetmerfen unb 3"tfcr)riften unb zwar in ber „©teier« 
märfifdjen geitfcfjrift" : 33ücrjercenfuranftalt in ©rätj im fecf)zec)nten ^atjrfmnbert 
(VIII, 145— 146) ; SDomitian'S Wünze auf Situs' Vergötterung (VIII, 146-147); 
Slulzug au§ ber äöotfenfteiner 8anbgericf)tS=£)rbnung Oom Safyxe 1473 (VIII, 
147 — 149); lieber baS Sefugnifc ber $uben , in ©terjermarf mit ©etreibe zu 
t)anbetn (VIII, 149—152); SSebtrag zum ftebermärtifc^en Saztoefen (VIII, 
152—158); 9Jtufifanten=eompagnie in ©raz (VIII, 159); ©ilbertjättigeS SSteb» 
bergmert im ^uftermatbe (VIII, 160); ßeibeigene ©tabtbetoorjner im XIV. 3fat)r= 
tjunberte (VIII, 160—162); Weitere ptaftifc^e Äünftter in ©teiermarf (XI, 97 
bis 100); 23eridj)tigung, bie fteierm. ßanbeSfrei^eiten betreffenb (XI, 151 — 52); 
(Sbetfinn eines ©atter (XII, 86 — 87); llrfprung oon ©pitat am ©emmering 
( s 3teue gotge, LI, ©. 82—86); ^Beitrag zu beS ©eograptjen 33tfc^er Seben8= 
befcftreibung (%. ft. I. 2, ©. 76—78); 2öar Seibni^ je eine ©tabt? (51. ft. 
II. 1, ©. 19 — 22); 5Mrfte in ©teiermarf, bie einft ©täbte toaren ober fo ge« 
nannt mürben (91. $. II. 2, ©. 92—96); grünere Se^er beS ^oanneumS« 
gebäubes (9i. g. III. 1, ©. 86—88); @ntftef)ung beS ßanbb,aufeS ober ©tänbe* 
tjaufeS in ©rä^ (ft. g. V. 1, ©. 118—125). — 3n ben „«ölittfjeilungen beS 
rjiftorifdjen Vereins für ©teiermarf": S)ie ättefte Original = llrfunbe im 3foan= 



2öartinger. 205 

neum§*9lrcf)ibe (I, 83—85); $einli<f)es Uxt^eit au8 einem Äloftet Dom 15. 3a_b> 
fmnbette (I, 96—97). — 3n „,£>ormat)r'8 unb 2Jtebntian8fr)'8 Safcfjenbuct) für 
baterlänbifcfje ©efcfjicfjte" : Sie 9tturfdHfffaf)rt (I. Mrg. 1820, Sßien, ©• 299 
bi§ 300); (Stmag übet bie ©tabt 3iuP unb it)te ftactjbarfcfmjt (©. 301-303). 
- $n bet 3ettfctjrift „ffiet Slufmerffame", ©raj 1813, 9tr. 63: Betjtrag jut 
ätteften ©efd)icf)te bet ©terjermarf. — 2(n bet „©rajer Rettung" 1845, 9lr. 43: 
Bemerfungen ju be8 ^tn. Dr. ©. ft. ©djreiner'S 2luffatj c übet bie nötige 
©djreibung be£ 9lat)men8 bet ©tabt ©rät} (©teierm. geitfdjrift , 7 - 3M>rgang, 
2. Jpeit, ©. 123— 272)\ — $n „(Srfcf) unb ©tuber '8 allgemeiner (SncijMopäbie 
bet äöiffenfcf)aften unb Mnfte", I. ©ection, 2. £f)etl, ©. 389—391: 2llbrecf)t I. 
d. £ab8burg. ©. 391—392: Sltbrecfjt II. bet Safune. 

Bon ben Gfn'canen bet Genfur, toetdje bi8 1848 auf Oeftetreid) laftete, 
tjatte audj 20. au leiben; in bet erften Auflage feiner „©efdjictjte ber ©teier= 
mar!" fjat ein (Sapitet bie lleberfd^xift : „Bor* unb 9cact)tf)eile für bie ©teier= 
marf au8 ber Bereinigung mit Oefterreict)"; al8 bie |)anbfcf)rift ber jtoeiten 
Auflage öon ber ßenfurbeljörbe amücffam, tjatte Der ßenfor, ofme ben Xeict ju 
änbern, bie ©Üben „unb Iftacf)" geftridjen; „nun e8 freut mief)", fagte SB. läcfjelnb, 
„toenn unfer .£)eimatr)lanb bei biefer Bereinigung nur Bortfjeile erlangt t)at." 
— 3™ 3- 1835 überreichte er ben ©tänben einen 2lntrag auf Dceubrucf ber 
fteirifcb>n £anbfjanbfefien, b. i. bie ©ammtung jener 9tecf)t8urfunben, Beftätigungs* 
briefe , tanbe8für(tlicf)en (Sntfcfjeibungen , Verträge , 2anbtag§abfcfjiebe u. bgt., 
welche bie lanbftänbifdje Berfaffung be8 |)er3ogtt)um8 ©teiermarf bilbeten unb 
ju beren Betätigung ber fteiermärfifcfje ^er^og bei ber (Srbtmlbigung ben lanbe8= 
fürftlicfjen Sib ablegte. (Sine folcfje ©ammlung mar feit 1697 nicfjt metjr er= 
fcljienen unb bie bon 28. beabftdjtigte neue StuSgabe fottte buret) bie bi8f)er un= 
gebluffte, ja gan<$ unbefannt gebliebene Sanbt)anbfe[te Äaifer $atl'8 VI. bom 
8. Dctober 1731 , bie letjte Berfaffungsurfunbe ber ©teiermarf bi§ jur 2anbe8= 
orbnung oom 26. gebruar 1861, tjermefjrt toetben. — SDer fiänbifäje 9tu8fcf)uf$ 
nafjm biefen Eintrag an unb bat bie Regierung um Genehmigung ber S)rucf= 
fofien auä bem ftänbifctjen gonbe. S)a erb,ob bie (Senfurbetjörbe Bebenfen unb 
macfjte ©djtoterigfeiten ; SB. überreichte bat)er eine 2lbfcf)rift ber 2anbt)anbfefte 
tion 1731 fammt einer folgen be§ ottofarifc^en £eftamente8 bon 1186 jur 
©infenbung an bie obetfte Sßolijjei= unb ßenfurfjofftette um (htfjeilung be« 3mpri= 
matur. S£a griff bie ßenfutbefjörbe ju einer neuerlichen 2lusfluct)t : bie Bibimirung 
ber 2lbfctjrift mit bem Original tonne nict)t Oorgenommen werben, „ba man 
toeber ba8 Original au8 bem ßanbfjaufe entfernen fönne, noct) fieb, ein lanbee= 
fürftlicfjeä 5lmt tjerbetlaffen motte, folcfje an Ort unb ©teile öotjunetimen". 
2B. rutjte nietjt, 1841 legte er mieber 5lbfct)tiften bet Sanbfjanbfefte unb beö 
6tbbettrage8 jur ©enefjmigung ber ©rucflegung ber oberften ßenfurbeljörbe bor. 
2)a gab e8 ©türm. 5£)ie ^offanälei »erlangte (17. Slfril 1841) bon ben 
©tänben umgefjenb öerlä^ltctjfte unb umftänbtictie 2lu8funft, toie e8 fomme, ba§ 
3B. al8 ftänbifctjer Beamter fid) erlauben fönne, eine fotct)e Utfunbe eigen» 
mächtig au8 bem ftänbifd)en Sltdjiüe ftu. neljmen, um fte in 5lbfct)rift jur 2)rucf« 
tegung unb Beröffentlicfjung ju fbrbern. Slttein bie ©tänbe nahmen \iä) il)re8 
üerbienftbotten 3ltctjibarö maefer an, toiberlegten bie Befcfmtbigung feineö eigen= 
mächtigen Jpanbeln8 unb erneuerten iljr fcf)on 1835 geftetlteS Slnfucfjen um ©e= 
netjmigung bet S)tucftegung bet üanbtjanbfefte. 9tun öetlangte bie Jftegietung 
3luffläturg, mit toeffen Bewilligung bie ftütjeten Öanbtjanbfeften gebtueft motben 
feien unb ob jene Äarl'8 VI. bto| .jurn 3lmt8gebrauctj ober auet) für ben Ber« 
fauf beftimmt fei; 30. ertoiberte, ba| alle Sanbljanbfeften , bie gebtueft toorben, 
mit Bemilligung ober auf Befetjt ber ©tänbe tjerauägegcben toorben feien. 2)en= 
noct) öerorbnete' bie ^oflanatet, bie ©tänbe l)ätten So. eine 3tüge ^u erttjeilen 



206 äöartinger. 

unb itjn in £unfunft beffer au übermadjen. SDie Stäube bertljeibigten aber in 
einem am 15. $uü 1841 einftimmig gefaxten 23efd)tufj itjren 9lrd)ibar auf ba8 
nadjbrücftidjfte, er fei einer ber treueften unb ergebenden Siener ber ©tänbe, ber 
weber eine 9iügc bcrbiene, noch ber Uebermadjung bebürfe. 3 u 9^ e ^ erneuerten 
fte ifjre S5itte um ©enebmigung ber SDrudtegung. SDie Regierung erflärte, 20. 
tjabc „orbnungiroibrig" gebanbelt , bon einer 9iüge mar Weiter nidjt mefjr bie 
9vebe unb am 14. $ftai 1842 geftattete bie Imffanjlei bie SDrucflegung ber 
Sanbtjanbfefte bon 1731 unb bei (hbbertragei bon 1186, obrool bie oberfte 
ßenfurbebörbe fie al§ jum üDrude nidjt geeignet gefunben tjatte. ©o fam entließ 
nad) febmeren ©eburt£mel)en 1842 biefe 2lu§gabe ju ©tanbe. 

©o menig 2B., bem fd)lid)ten, einfachen Planne baran gelegen fein mochte, 
fo fehlte ei ifjm bod) nidjt an Slnerfennung bon bieten ©eiten. S)ie fteier= 
märfifdje ßanbrairtbjd)aftigefellfc]6,ait , bet er burd) feinen gorfdjereifer bie 2lcten 
ber bon bem ©rafen ^obann Söenjel ^urgftatt gegrünbeten, bon 1764 bii 1787 
beftanbenen fteiermärftfeb/n Slcferbaugefellfcbaft ermittelt unb berfchafft t)atte, er» 
nannte ibn 1819 ju itjrem 9Jcitgliebe unb berlieb, itjm 1846 bie grofje ©efett» 
fcbaftimebaitle , meldte ib,m it>r s }>räfibent Sr^er^og ^obann eigenljänbig über* 
reid)te; bie biftotifetjen Vereine für ben Untermainfreii in Söürjburg, für ©teier= 
mar! , Kärnten unb Ärain ernannten it)n jum (Stjrenmitglieb ; bie ©tabt ©raj 
oertieb, ibm 1886 bai (Sbrenbürgerrecfjt ; Äaifer gerbinanb I. jeictjnete ibn 1842 
über Eintrag be§ fteiermärfifeben ßanbtagi burd) 5}erleit)ung ber großen golbenen 
6.ibit=(St)renmebaiEe aui; bie faiferlidje 9lfabemie ber 2Biffenfcbaften in 2Bien 
rüdt)tte ibn 1848 pm correfponbirenben 9Jtitgliebe, 1851 mürbe er jum (Sjami* 
nator für ©efd)id)te in bie ©taatiprüfungicommiffion an ber Uniberfttät berufen, 
1856 erfyob it)n biefe jutn Doctor philosophiae, honoris causa. 

33is ju feinem 77. ßebenijafyre mar 2B. im öffentlichen S)ienfte ttjätig; erft 
1850 trat er ati Slrcbibar ber ©tänbe unb 1851 ali foldjer am ^oanneum in 
ben wobtberbtenten Ütutjeftanb , mobei ib,m bie ©tänbe ben märmften 2)anf für 
feine abgezeichneten S)ienftleiftungen unb für bie fteti bemätrrte ^ftidjttreue ali 
23eamter, ©eletjrter unb Patriot auifpraetjen. 9toch ein Sa^rjetint in ftiller 
gurüdgejogenbeit ju leben, mar it)m befebieben ; er ftarb ju ©raj, über 88 3ar)re 
alt, am 15. 3uni 1851. 2für bie Ghbaltung feinet ©rabei unb bei einfachen 
©rnbfteinei 5U forgen, übernarjm ber bjftorifcrje herein für ©teiermarf in 28ür= 
bigung ber görberung, meldje bie ©efd)id)te bei ßanbei SCß. banft, unb ber ©e= 
meinberatb, ber Sanbeitjauptftabt ©raj gab einer langen t)übfd)en ©trafje im 
©tabtbejirfe ©raben ben Warnen SBartingerftrafje, um bai 9lnbenfen an iljn ben 
folgenben ©enerationen ^u ettjaJtten. 

Öeitner, Dr. ^ofepb 2öartingcr (^Jtittl)eilungen bei biftorifdjen Vereins 
für ©teiermarf, ©ebentbud), 20. £eft, 1873, ©. LXI1I— LXXY1II). - 
SBurjbad), Siograbl)ifd)e§ «ej;ifon, 53. Sljeil, ©. 116—124. — Siebter, 
9ftepertorium ber fteirifeben IJJtünjfunbe (©raj 1865). I, 29—37. — Sllmanad) 
ber faif. Slfabemie ber äöiffenfdmften. 2öien 12. 3abrg. 1862, ©. 132-137. 

— fteterlicbe ©i^ung ber 9lfabemie ber Söiffenfcbaften am 30. 5Rai 1862. 
2öien 1862, ©. 50. — SBinflern, Siograpl)ifd)e unb litterärifebe Wacbridjten 
bon fteierm. ©djriftfteüern unb Äünftlern. ©raj 1810, ©. 251. — ©cbmufc, 
^)iftorifda=topograpbifd)eä ßejtfon bon ©teiermarf. ©raj 1823, IV, 311. — 
Defterreicrjifdje s Jtational=6nc^flopäbie bon ©räffer unb ßjifann (9Bien 1837) 
VI, 37. — (£>ofrid)ter) , CebenSbilber au§ ber SJergangenbeit. ©ras 1863, 
©. 9—11. — £5feftprogramm ^ e§ ©tjmnafiumi ju Harburg an ber S)rau, 
1858, ©. 97 unb 109. — ©ötb,, S)aö ^oanneum. ©raj 1861, ©. 77—99. 

— SabreSbericbt bei fteierm. £anbe§ard)ibi, 1. ^abrg. ©raj 1870, ©. 33—38. 

— Äronei, 2)er b,iftorifd)e Sßerein f. ©teiermarf. ©raj 1880, ©. 13—19. 



2öattt§laö I. 207 

— Cufdjin, 2)ie fteirifcfcen Sanbtjanbieften (Seiträge jur Jhmbe fteierm. ®e= 
fcrjidjtäquetten. ©raj 1872, 9. $at)rg., ©. 204—207). — ©rajer £age8poft, 
1861, 9tr. 150, 155, 156. — ©rajer Leitung 1861, ftr. 149, 150; 1865, 
9lr. 58, 59; ©raaer «Bolföbtatt (geuiüeton) 1870, «Rr. 120; SBiener Seitung 
1861, 9tr. 143, ©. 2271. ftrartä 31toof. 

SBarttälab L, erfter djrijUidjer |>er3og öon Sommern, f 1136. 
3fn bie Qnt bet kämpfe jwijdjen ben fäctjfxfctjen ©rofeen unb Völlig ,£>einrictj IV. 
fällt ein $rieg§aug ber elfteren gegen bie flaöifdjen ßtuti^en , aus Welctjem jene 
um bae 3atjr 1070 ben jungen 2ß. als Jhieg3gefangenen nact) *Dterfeburg brachten, 
wo er bie Saufe erhielt, lieber bie 3eit feiner Otücfferjr ju feinen tjeibnifdjen 
ßanbsleuten finb wir nid)t unterrictjtet unb tjören erft wteber öon itjm im 3». 1121, 
als er unb fein 33olf im tjetbenmütlugen tfampf gegen ben Äönig 53ole3laö öon 
$olen unterlagen. %m fräftigften 9ftanne§alter ftetjenb, Ijertfdjte er bamate über 
ba$ öon ber äßarttje unb ^erfante einerfeitS unb öon ber 5peene anbererfeit§ be= 
grenzte Sommern. SSieweit 2B. innerlich bem Gtrjriftentrjum jugettjan War, ift 
fdjwer ju fagen , äufeerlicfj üerbarg er jebenfattS feine ©efinnung öor feinem 
tjeibnifdjen $olf; boct) erlaubt ber fd)nctte (hfolg, ben 33ifä)of Otto'8 SJlijfionS" 
ttjätigfeit in ^ommern erhielte, öietteictjt ben ©djlufe, bafe aufeer bem i)erjog 
fd)on bamalä manche rjeimtictj ctjriftlid) ©efinnte im ßanbe waren. 2>ie Sßolen, 
öon ber Slnnatjme auägetjenb , \>a^ bte pommerfdjen ©tammeägenoffen <ju irjnen 
in einem öon biefen beriefen Untertt)anenöert)ältnife ftänben, Waren entjctjtoffen, 
bie gebrochene Streue ftreng <ju ftrafen unb ^ommern jju öernictjten, wenn fid) 
baffelbe nictjt beugen unb sugleicr) bem ctjrifttidjen (Stauben juroenben motte. 
3)te8 Slnftnnen wecfte bie gröfete Erbitterung auf pommerfcl)er ©eite ; man traute 
aber auf bie feften $(äi3e be§ ßanbc§ unb rüftcte fictj jur SBerttjeibigung. 33oleälab 
liefe fiel) nictjt abf cfyrecf en : buretj ben roitben ©renjwalb, ber s $olen Don Sommern 
trennte, öorbringenb buretj^og er fengenb unb brennenb ba§ ßanb. 9tidjt§ lebenbeS 
mürbe gefront; bi§ an bie Oftfee, ja über biefelbe bi§ nact) Sornrjolm fctjeudjte 
ber «Sieget bie $tier)enben. SBätjrenb fo ber ©ctjrecfen auf bem ßanbe lag unb 
ben Sßiberftanb lähmte, nätjerte fieb, baö polnifclje <£>eer pr SBtnterSjeit über bie 
gefrorenen ©tröme bem für unbejroinglicJ) geltenben Stettin , eroberte e» , t)ielt 
fiel) aber mit ber „gerftörung ber ©tabt nict)t auf, fonbern eilte weiter big an bie 
s ^eene. 28. fat) naclj Schwingung ber SanbeSfeften feine anbere Rettung , als 
fein ßanb bem $olen fteuerpflidjtig <$u erflären unb mit ber Slnerfenuung ber 
politifctjen £>bert)errlicf)feit beffetben auclj bie Slnnatjme be§ StjrtftentrjumS pju= 
fagen. S)a8 2Berfäeug, beffen fid) 23ole§laö nunmehr jur ßtjriftianifirung s 4>om= 
mern^ bebiente, War Ctto, 33ifcljof öon Bamberg (1108--1139), ber in jungen 
Satjren aU £et)rer unb Saplan am polnifcrjen |>ofe ficlj eine auclj in politifetjer 
Seäiel^ung Ijerüorragenbe ©tettung erworben tjatte. S3on Sole^laö äur S)urc^= 
fütjvung be§ ©ott wohlgefälligen SBerfeS aujgeforbert, erfaßte Otto ben (öebanfen 
in gläubiger 33egeifierung unb nid£)t otjne bie fülle Hoffnung, in 2lu£fül)rung be8 
äßerfeä bie 2Rärtt)rerfrone p erlangen. f?ür bie ©efctjictjte beg 5}ommernapoftelÖ 
mu| im allgemeinen auf feine S3iograpt)i<' im 24. 33anbe, ©. 654 f. tjingewiefen 
Werben; luer fann feiner nur infofern gebadjt werben, ali 20. babei in 33etract)t 
fommt. S)iejer erwartete Otto unb feine Begleiter an ber ©renje, trat ib,nen 
freunblid) entgegen unb befeitigte glücflicl) baS ^wifetjen ben beiberfeitigen ©e« 
folgfdjaften entftanbene ^lifetrauen. ^ac^bem Otto bei s 4tyri& ben l)eibnifdtjen 
SBiberWillen ber Sommern jum erften 'IJtat mit ©rfolg überwunben unb an 
4000 Sßetfonen bie Saufe öottjogen tjatte , wanbte er fieft naef) ßamin, bem 
tjerjogtic^en ©ife 2öarti8laö'3 , unb nab,m öon beffen ©efinbe bereite jrütjer ge« 
taufte , aber unter itjren tjeibnifcrjen ©enoffen wieber abgefallene 2Benben öon 
neuem in ben ©dwfj ber crjriftlicfjen Äirctje auf. 2B. felbft entliefe bei biefer 



208 äßarttSlaö I. 

Gelegenheit feine 24 SBetfdjläferinnen unb begnügte fid) mit einer rechtmäßigen 
©emat)lin. 2luf ber äßeiterreife iebod), in Söotlin unb Stettin, ftieß Dtto'S 
33efet)rungSeifer auf SGÖiberftanb , ber fid) am leiteten Drte fotoeit fteigerte, baß 
SBoleSlab fid) feines ©enbboten annehmen unb ben Söiberfpenftigen mit feinem 
3orn brotjen mußte. 3)urd) Otto'S bitten ließ er fid) jebod) befänftigen, minberte 
aud) bie bem ganjen ßanbe auferlegte ©teuer auf 300 9Jcar£ ©über jäfjrlid) 
unb berlangte bie .gjeereSfotge nur bon bem jetjnten 9Jtann. Otto'S ©enbung 
fanb it)ren 9lbfd)luß in einer gemeinfamen 33eratb,ung ätoifdjen bem 33ifd)of, 20. 
unb ben Wenbifdjen ©roßen wegen (Srridjtung eines eigenen 93iSttmmS in bem 
für baS ßfyriftenttjuni neu gewonnenen Sanbe, als beffen ©it$ äöottin beftimmt 
würbe, wätjrenb alte weiteren barauf ^ielenben 2lnorbnungen einer fpäteren Qtit 
überlaffen blieben, ©tje ber 33ifd)of jebod) ben Jpeimweg antrat, bereifte er nod)= 
malS bie neugeftifteten ©emeinben, meiste bie im Sau begriffenen ober nott)= 
bütftig botlenbeten $ird)en unb berabfdjiebete fid) bon bem Wol Weniger burd) 
ein inneres förfaffen ber neuen £eljre als burd) bie üevfönlidje ßiebenSmürbigfeit 
iljreS SßerfünbigerS gewonnenen SSolte. 3lm Dftertage 1125 betrat nad) elf= 
monatlid)er Slbmefentjeit Otto wieber ben S)om feines Ijeimatfitidjen ©brengetS. 
2B. tjatte fid) jjwar für feine ^erfon bem (St)riftentf)um in Sreue juigewenbet, 
ben babon 3u erwartenben ^uroadcj^ an weltlidjer 9Jcad)t berfbürte er aber nidjt; 
im ©egentljeil entfrembete er fid) baburd) einen großen $£t)eit feiner Untertanen 
unb täufd)te fid) aud) barin, burd) 2lnnal)me beS GtjriftenttjumS für fid) unb 
fein Sott bon bem wiberwillig getragenen polnifdjen ^od) loSfommen ju tonnen. 
2)ie balb nad) Otto'ö Slbreife aunäd)ft in Stettin, bann aud) in SBottin bon 
tjeibnifdjer ©eite gefd)eb,enben 5luSfd)reitungen tonnte 28. nid)t nad)brüdtid) 
hemmen, unb fo war ©efatjr bortjanben, baß bie junge ©aat beS (£t)riftentI)umS 
unt.'r ben dornen beS alten «gjeibentljumS erfttden, unb jugleid) Sanb unb Surft 
in einen nochmaligen Ärieg mit ^olen geraden würben. 2)a entfd)loß fid) £>tto, 
burd) bie in ^ommern jurüdgelaffenen ^riefter bon ber ©ad)lage unterrichtet, 
ju einer ^Weiten 9JtiffionSreife im grütjjatjr 1128. @r wählte bieSmal ben Söeg 
über ^Jcerfeburg, wo er mit $ömg ßottjar jufammentraf, burd) ©ad)fen unb traf 
in üDemmin mit bem auf einem ÄriegSpg gegen bie liuti^ifd)en ©tämme an ber 
SEottenfe unb weiter nörblid) in baS citeipanifc^e ©ebiet begriffenen 30. -mfammen. 
2luf Dtto'S eintrieb berief 2B. ju ^fingften eine Serfammlung ber nad) ber 
menbifdjen (Saftettaneiberfaffung ba^u befugten ©roßen beS weftltdjen ßanbeS= 
gebieteS nad) Ufebom , um bie einmütige Slnnaljme beS (ütjriftenttmmS burd)« 
pfetjen , WaS ben bereinten 23emüt)ungen ber beiben $Ränner trotj beS ©egen= 
wirfenS ber tjeibnifdjen ^riefter gelang. 9taiuentlid) ber £er<}og wies auf bie 
im gälte ber Sßeigerung immer bon neuem bon 5J3olen f)er brofjenbe ©efat)r fjin. 
2>ie ßetjteren ließen fid) freilid) burd) bieS 2WeS nidjt täufdjf n ; ^ei^og SoteSlab 
burd)fd)aute 3öartiSlab ; 8 2lbfid)t, burd) bie SSerbinbung mit ben 2)eutfd)en fid) 
bon $olen to§äumad)en unb eine felbftänbige ©tellung 5U gewinnen. 2)er er= 
wätmte 3lufftanb ber ©tobte genügte iljm, einen jweiten räd)enben @tnfaü in 
Sommern borjubereiten. %n fuvjem ftanb fein $eer on ber ©ren-je, al§ 53ifd)of 
Dtto, bie Skrmtttetung ^Wifdjen feinem alten ^reunbe unb ben neu gewonnenen 
übernetjmenb, in baS potnifdje ßager eilte unb jum ^Weiten 5Jtale mit (hfolg ben 
3orn SoleSlab'S befänftigte. Sfym folgte SB., ber in zweitägiger Unter^anblung bie 
®ewät)rung weiteren griebenS erlangte. 3Kd)t otjne (Sinfluß auf 33oleSlab war babei 
bie SBeforgniß geWefen, er tonne feine s Ucad)t über Sommern gänalid) berlieren, wenn 
etwa ber römifdje Äönig als |)err ber ßb.riften^eit oberteljnSb.enltdie 9led)te über 
baS nunmehr d)riftlid)e SBenbenbolf geltenb madje. -gjatte Otto aud) mand)e 
trübe @rfat)rung mit bem immer wieber tyerborbredjenben l)eibnifd)en Söefen ju 
madjen, fo war biefe jweite s JJtiffionSreife nad) ^Sommern bod) im ganzen bon 



SGÖartietat). 209 

ßrfolgen begleitet, unb er fonnte befriebigt fjeimfetjren. 25ie potitifcfje Cage be« 
fianbes änbette fid) in ben näcfjften Sfatjren infofern, a(« ber öon S3ote«laö ge* 
fürchtete beutjc^e @influf} in ber itjat eintrat unb eine roictjtige Steränberung 
tjeröorrief. 93ole«laö tjatte in einem $rieg mit Ungarn ert)eblict)e Sßertufte er= 
litten, bie iljn nötigten, 1135 bie -gmlfe be« £aifer« Öottjar anzurufen, unb um 
fte ju erlangen , bemfelben ben 2et)n«eib ju letficn. SBar it)m nun auctj in 
biefem (Sibe jeine Dberletjnerjerrlictjfeit über Sommern beftätigt , fo mar ba« 
faum met)r all eine gform unb tfjatjäcrjtid) fcb,manb ber dinflufj «polen« auf ba« 
untere Cbergebiet unb bie £änber meftlirf) baöon bi« jur «peene immer metjr 
batjtn. «Jtutje mar aber bamit namentlich in bie letztgenannten nidjt eingeteilt; 
So. r)atte gegen bie ötutt^en noctj mannen $ampf &u beftetjen, um feine Jperijctjaft 
unb ben crmftlidjen ©lauben ju fefttgen. $n einem biefer kämpfe fanb er im 
3. 1136 jeinen 2ob burct) bie £)anb eine« tjeibnifdjen Söenben. ®a« Greignifj 
ift fpäter fagentjait au«gefcr)mücft morben , aber öon Anfang an t)at man eis jo 
angefetjen, bafj SB. ein «JMrtrjrer jeine« Gfjriftenglauben« gemorben fei. 2luf ber 
Stätte, mo ber töbttictje Streitf) it)n traf, marb menig Sfa^re banadj eine $irctje 
ju feinem ©ebäd)tniB erbaut, unb al« biefe toeiftet, grünbete am 3. 9Jlai 1153 
ber eifte SBtfcrjof oon «Pommern, Slbelbert (f. 51. S. 35. I, 66) bai Älofter Stotp 
an ber «peene an berfelben Stelle, ^ur «Jleformatione^eit aufgehoben, öerfctjmanb 
bo.« AHoftev mit ber $eit DbtUg, bamit aber bie Erinnerung an ben erften c£>rift= 
lictjcn .gjerrfcrjer «pommern« rnaä) bliebe, ift cor menig Sa^en bafelbft eine feinen 
«Kamen tragenbe ^ircrje erbaut toorben. 

S3artfyolb, ©efd). Oon «Jtügen unb «Pommern. ö. S3ütom. 

&>arttSlaö, ber jüngere, Sroantibori,}, mar ein Sofrn be« Sroantibor, unb 
mürbe megen fces gleichen «Jiamen« öon ben älteren pommerfctjen ©efctjictjtefcrjreibern, 
fomol mit SBartislaö L, bem Pleiteren, al« aucf) mit beffen Dieffen 2Öarti«laö 
öon Sdjtame, «Jtatibor'e Sotjn , tjäuftg öermecb,fett, unb infolge beffen auctj fein 
Skter Smantibor al« ber Stammöater be« ganzen pommerfcfjen 2fütftengefd)lecf)t« 
angefetjen, roät)renb Sttmntibori,} in SBitflidjfeit mit aiemticljerSicrjertjeit al« jüngerer 
S3ruber ber bäten erften regierenben Jperjoge, SBartislaö'« I., b. «2lelt. unb JRatibor'« 
öon Sdjtame be^eictjnet werben fann. 2>a entfpred)enb ber bamaligen (Sitte, neben 
bem regierenben Jpaufe, meines burctj 3Barti«tab I. b. Sielt, öertreten mar. mehrere 
(Seitenlinien beftanben, benen fleinerp ßanbe«tt)eile pgemiefen mürben, empfingen 
bie Ütatiboriben ba« gürftentlmm Sdjlame in ^interpommexn, Smantibor'« «Jcacr)= 
tommen bagegen fcfjeinen auf bem Sctjlofj ,}U ©üfefom refibirt unb ba§ Sanb ju 
beiben Seiten ber 'JJeene, bie ^errfdmften «JJteferi^ unb 2o]\^, ertjatten 311 tmben, 
öon benen bie letztere fpäter in ben öefi^ öon 2)ett)leö öon ©abebufct) 
(f. 21. S>. 33. VIII, 298) gelangte; menigftens fiub mir 3U biefer 2lnnat)me be= 
rectjtigt, ba SS- Smantiborij (Jnfel, meldjer nactj bem ©rofjöater benfelben 
«Jlamen SB. fütjrt , im 3t- 1219 ff. at« |>err Don ©ü^fom be^eicfjnet mirb unb 
biefen 33efib nad) feinem 2obe (1233) auf ben Reiten Satten feiner 6emal)lin 
2)obru«lama (33ogi5taö'« II. öon «Pommern Joctjter) 3facjo öon Sottmebel, ben 
Slljntjerrn ber ©rafen öon Ö5ü^fom (f. b. 21.) öererbte. «ttad) Sajo ©v. mar 
3ß. aniang« «Ptäfcct öon Stettin, unb berief al« folcfjer, in ©emeinfdjaft mit 
feinem 33etter 33ogislaö I., um bem unter feinem Otjeim 3öarti«laö I. (f 1136) 
burct) 93ifcb,oi Ctto öon «Bamberg in «Pommern eingeführten ß^tiftent^um größeren 
ginflu^ au gemätjren, (1172—73) bie diftercienfer beö bänifc^en iTlofter« (5«!om 
^ur örünbung eines neuen ßonöent« in ßolbatj bei Stettin, unb öerlieb, bem= 
felben, mie bie ältefte ßlofterurfunbe befunbet, mit ^ülfe be» »iföoffi ^öerno öon 
Scfjmerin unb ber beiben erften siebte «Jteinfjolb unb @bcrt)arb, einen reid)en ©runb= 
beftfe. «211« bann Jpeqog 33ogi«taö I. (1187) üerftarb, mattete SB. für beffen minber 

WUaein. beulfd^e Stografctjie. XLI. 14 



210 SBartillat» IV. 

jährige (Sötme 93ogiälaü II. unb $afimir IL als 93ormunb unb Regent (Vice- 
dominus terrae) üon Sommern bi§ aum fliege Don 1189, in meldjem iljn $önig 
ßanut VI. öon 2)änemarf aus! biefer (Stellung üerbrängte unb festere bem 
dürften Saromar I. öon 9tügeu (f. b. 21.) übertrug. 3Bät)renb jener Regent« 
fdjaft betunbete er feine Sßietät Tür ba3 93i§tt)um Bamberg aucrj nod) baburcr), 
bafj er baä ^ahonat ber (1187) in (Stettin begrünbeten ^afobifircrje auf baä 
s JJiicrjaeii3flo[ter in Bamberg übertragen tiefe. 2)er üon itjm beroiefene religiöfe 
(Sinn roarb aud) nad) feinem £obe (1196) öon feinen ©örjnen beroatjrt, öon 
benen Äonrab IL, feit 1194 alä ©omfyrr, unb öon 1208—19 als Spräpofitui 
beä Samminer (Stifts tfjätig, öon 1219 — 33 bie äöürbe be3 33ifd)ofö öon Ctammin 
befleibete, roäfyrenb (Safimtr, foroie beffen <Sot)n Smantibor IL, unb @nfet 
(Safimir III. , al§ Safteltane in Solberg matteten, unb letzterer auf einer 2BaHfab,rt 
nad) ^erufalem ftarb. 3lud) ber britte Sotjn Sßarttjolomäu§ fdjeint nad) bem 
tjeiligen ßanbe gepilgert unb bort (1219—35) gefangen gemefen ju fein; beS 
lederen (Sofjn 2öarti§ta0, nad) bem ©rofeüater benannt, mar mie biefer 
(1212 t 1233) dafiettan öon Stettin unb £err öon ©ü^tom, unb öererbte, 
mie fdjon oben ermahnt ift, biefe£ ßanb auf ba§ nadj ©ütjforo benannte ©rafen= 
gefdjledjt. 

Quanbt, Satt. Stub. XI, 2, ®. 133. — RUmpin, s £om. Urtbud) 

9fr. 60—65, 108—130, 190, 202. — Stammtafeln beä $om. Mg. Surften» 

b/mfeS, 1876, %. I— II. — Söerjrmann, ©efdj. b. SaH. in (Stettin, Salt. 

Stub. XXXVII, 296. $tjl. 

SÖartiSlatt IV. , §erjog öon ^ommern»3!Bolgaft, einiger (Sor)n 

£erjog$ Sogielaö IV. öon SBotgaft fenfeit ber 6roine (91. ©. SS. III, 42 

atä 23ogi3laD III. aufgeführt) auä beffen britter @t)e mit s Dlargarett)a , Stodjter 

be§ dürften SBtjtati IL Don 9tügen, mar jmifdjen bem 11. unb 27. 9Jlai 1291 

geboren. 3roet ältere (Sdjroeftern fdjtoffen (Sfyebünbniffe, meldje auf ba& ©efdjid 

93ommem8 roäljrenb 2£artiälaö'3 Regierung nidjt otjne (Sinflufj maren : ©uprjemia 

rourbe mit Äönig (Stjriftopt) IL Don 2)änemar!, ^Rargarettm mit s Jticotau§ bem 

tinbe üon ftoftod (f. 31. ©. 33. XXIII, 616) Dermalst. (Sben mannbar ge= 

morben, mufete 20. 1308 e§ fdjon erleben, bafj bie gerftörung ber (Stabt unb 

beS 2)ome§ p (Samin, fomie bie 93ermüftung be§ 33iätt)um§ burd) bie branben* 

burgifdjen ^arfgrafen 2Batbemar unb Otto IV. mit bem $feil (f. 31. S). 33. XXIV, 

659) feinen 33ater jur 3lnerfenuung ber märfifd)en Obertjerrlidjfeit nötljigten. 

9lad)bem burd) faiferlidje 33eftätigung üom 4. $uli 1311 t>a% öftlidje Sommern, 

bie '-me|tmin'fd)e (f. 31. 2). 33. XXI, 504) 6rbfd)aft mit 3Iuäfd)tufe ber Sänber 

33ütoro , ©tolü , (Sdjlame unb 9tügenmalbe Dom ^Rarfgiafen Söalbemar an ben 

beutfd)en Drben übergegangen mar, fudjte 333. bie itjm im Dften nod) Derbliebenen 

©ebiete burd) 33efeftigungen befonberS gegen ^Polen ju fidjern; bie ib,m irriger 

äöeife um biefe 3 e ^ äugefdjriebene ©rüubung Don ^euftettin getjört jebod) einer 

Diel fpäteren ^periobe an. 33ei ben auf bem f^ürftentag p 9ioftod 1311 fot« 

genben ©treitigtciten mar SBartiälaü'ä Serljalten ein meljr üermittelnbe§ ; fo be= 

tjielt er aud) ben nad) bem ©iege am <£)ahtC)olä ben 13. 3funi 1316 Don ben 

(Stratfunbern it)m übergebenen gefangenen -^erjog @rid) Don (Sadjfen nid)t im 

eigenen ©emat)rfam , fonbern lieferte itjn ben DMrfern auS. ®ieS ftuge 33er= 

rmlten gegen bie 9Jtäd)tigen fanb feinen ßorjn etma 1313 in ber Abtretung be8= 

jenigen SLtjeilS Don |)interöommern an 3Jß. unb feinen Oljeim Otto , ben beim 

33er£auf an ben Orben s JJtarfgraf SBalbemar fid) Dorbeljalten t)atte. ©onft mar 

ba§ 33ertjältnife 3mifd)en Ot)eim unb Neffen nidjt immer frieblidj: al§ Otto mit 

einigen feiner Safallen unb ©täbte in Uneinigfeit gerattjen mar, gelten biefe am 

22. 3luni 1319 auf bem (Stormeräroerber im ^>aff eine ^ufammenfunft mit SGß., 

mähten iljn ju it)rem 23efd)üfeer unb 33ormunb gegen Otto, unb üerföradjen iljm 



äBartislaü IV. 211 

Verfölge gegen feine fteinbe. 2)ie ©ntfrembung mar jebod) öon furjer ü£)auer; 
ber in bemfelben Saf)* einttetenbe !£ob SBalbemar'S änbette bie 23ert)ältniffe im 
Sorben 2)eutjd)lanbS öoüftänbig. 33eibe öommerfdje dürften eradjteten fid) als 
uon bet märnfdjcn £)berb,errlid)feit nunmehr freigeftorbcn unb mürben mächtig 
ergriffen öon ber «Hoffnung, bie alten ©ebiete beS (SreifenftammeS in hinter» 
Öommern , ber 9Jtarf unb im ßanbe Stargarb je^t jurüdgeroinnen ,ju Eönnen. 
20., aum 9Jcitöormunb beS jungen 9Jcarfgrafen £)einrid) (f. 51. 2). 33. XI, 483) 
ernannt, gemann bie 3 UTle ^S un 9 ^ er mäififdjen Stäube, inbem er am 29. Sep= 
tember 1319 ju 2IrnSmalbe mistige 3)erorbnungen für bie abgaben* unb 
9ted)tSöert)ältniffe ber Warfen ertiefe unb bafür wenige Sage fpäter ju Königs« 
berg in ber 9tcumarf baS ütreuegelöbnife ber Stänbe erhielt. 2>er anbere 9Jcit= 
tiormunb, ^erjog |>einrid) IL ber Söme öon 'üiedtenburg (f. 21. 2). 33. XI, 541), 
tjatte fid) bagegen fofort in ben 33efitj ber Don pommerfdjer Seite am bringenbften 
begehrten Utermarf gefeijt, maS 2B. nöttjigte, gegen ben bis in bie }cät)e öon 
Stettin öorbvingenben s Jiadt)bar ju ruften unb ;$ur ftaatSred)tlid)en ©icfjertjeit 
^ommernS für bie 3 ut " n U 33orfel)rungen p treffen. 3 uer ft lDat0 mi1 oem 
Otjeim Otto am 2. Wäx$ 1320 eine emige Einigung gefd)toffen, ber im näd)ften 
3at)r jur 2)ereinfad)ung ber 33ermaltung bie Cmidjtung einer gemeinsamen Jpof= 
Gattung folgte; bann eilte SB. nad) ,§>interpommern unb fdjlofe bort Anfang 
2fuli an ber %eba mit 33ifd)of Äonrab öon @amin unb bem OrbenSmeifter ein 
Sdjutjbünbnife gegen ^oten; ja um im galt beS SluSfterbenS beS ©reifenftammeS 
baS ßanb nid)t bod) mieber an bie s Diarf fallen ju laffen, Übergaben beibe 
^erjoge itjre Sänber bem 33ifd)of öon Samin unb erhielten fie am 16. 2luguft 
1320 öon bemfetben p ßetjn aurücf. Um bie llfermarf galten ju fönnen , be= 
burfte eS aber weiterer Opfer : nidjt nur Stabt unb ©ebiet Samin mürbe 1321 
bem 33ifdjof auf 10 3at)ve mteberfäufltd) überlaffen, fonbern am 7. ©ecember 
beffetben ^fafjreö rourbe bie gan^e «g>errfd)aft 33ütom in £>interpommern bem 
ßefjnSmanne Henning 23et)r eigentt)ümlid) abgetreten, ber fie batb banad) bem 
beutfdjen £>rben überliefe, maS au fpäteren 3erroürfniffen 2tulafe gab. dagegen 
batjnte fid) im Sorben ein frieblidjer ©etoinn für 2S. an. SDaS rügtfdje dürften« 
t)auS mar bem 2luSfterben nal)e unb fo tarn jroifdjen bem erblidjen dürften 
SBijlaö III. unb ben &erjogen 2ö. , Otto unb 33arnim III. (f. 31. ©. 33. II, 
74) öon Sommern am 27. SDecember 1321 junädjft ein Vertrag ju gegenf eiliger 
Jpülfe ju Stanbe, bem ein %at)x fpäter bie (Srbeinigung beiber ßänber folgte, fo 
ba^ öon ba an 2B. fid) $ürft öon 9iügen nannte. 2>ie erfte 5 D ^9 e ^i e f e§ 
<2d)rittes mar bie ^Beilegung be§ ©treiteS mit <g)einvid) bem ßömen, ber öon ben 
eigenen 33ermanbten bebrängt, bie Eroberungen in ber Ufermart nidjt galten fonnte 
unb fid) frteblid) öerglid). S)a§ ^auptbeftreben 2Barti§taü'ä für bie ©id)erftettug 
feines XtonbeS mar, fid) megen beö fünftigen 2et)n§öert)ättniffeä ©eroifeb.eit ju öer* 
fdjaffen. 6r mar bal)er nod) öor ber @ntfd)eibung be§ Kampfes um bie $aifer* 
Irone ju ßubmig bem 33aiern geeilt unb tjatte Dftern 1320 3fnbult megen ber 
33etetjnung ert)alten. 2)ie barauf fid) grünbenbe Hoffnung , ^ommern bereinft 
als 9teid)Slet)en mieber ju ertjatten, follte fid) aber nidjt erfüllen, benn als ßubmig 
nad) ber 23efiegung feines ©egnerS am 28. September 1322 bei 9Jcüt)lborf feine 
5Rad)t im Sorben ju befeftigen ftrebte, öergafe er bie öor biet Staren gemachte 
3ufage unb betetjnte feinen jungen ©otjn ßubmig (f. 21. 2). 33. XIX, 529) mit 
ber ^Rarl, ben |>er3ogtt)ümern Stettin, SDemmin (b. t). bem „Ort 2öolgaft") 
unb bem ßanbe Stargarb. 5Damit mar für ^ommern baS alte ßet)nSöerr)ättni_fe 
jur 5Jtarf miebert)ergeftellt unb bie ^erjoge rüfteten öon neuem aum i?ampf, 
inbem fie am 18. ^uni 1325 ju ^Jlafet ein 33ünbnife aur Eroberung märtifdjen 
©ebieteS mit bem ^olenlönig 2BlabiSlaö ßofietef eingingen. 9tod) öor 33eginn 
ber ^einbfeligfeiten aber mürbe 20. burd) ben am 11. s Jtoöember biefeS SaljreS 

14* 



212 SBartisIaö V. — SBartiSlato IX. 

erfolgenben £ob beS dürften SBijlab III. bon 9iügen anbeiweit in 21njpruct) 
genommen, fetjrte fofort in bie $eimatf) jutücE unb empfing, nactjbem er bie 
Ütec£)te beS gürftentcjumS ju magren gelobt , am 4. üDecembev in ©tralfunb bie 
Jpulbigung. $önig (Srjriftoptj II. üon 2)änemarf berfudjte jtoar feine obertjetrlicrjc 
©ewalt geltenb <$u machen, bie ftott) um bie eigene Jhone tjinbette it)n aber an 
ber 2luSjüb,rung ; 30. wanbte fid) feinem ©egner p unb eS fam fogar ju einer 
ßrjeberebung äWifctjen ber ©tfjwefter beS jungen ÄönigS unb äöartiSlab'S ©ot)n 
23ogiSlab, als erfterer plötjlid) in ©tralfunb erfranfte unb am 31. 3uli (1. 2lug.) 
1326 bafel6ft ftaxb. @r würbe im 5Dom ju Samin beigefetjt. 3ung an ^atjren, 
bon jdjöner ©eftalt , beS ÄriegeS funbig, mürbe er bon feinen Untertanen tief 
betrauert. S)aS @nbe beS ÄampieS mit ber ^Jlarf um bie gebenSbebingung 
s $ommernS tjat er ntefjt metjr erlebt , unb aucr) feinem eigenen ßanbeSttjeil, bem 
£)erjogtlmm äöolgaft, ftanben nacr) feinem Stöbe jdjwere geiten bebor. «Seit bem 
11. 2Ipril 1316 war So. mit (Slifabett) (t nach, 1341), Softer beS Eiarfgrafen 
^»ermann beS ßangen bon 23ranbenburg, beimaßt, weldjer @b,e brei ©öljne ent* 
ftammten: 93ogiSlab V., f 1374, Barnim IV., f 1365, unb SBartiSlab V., 
f 1392. 

23artb,olb, ©efef). bon 9tügen unb ^ommern. — Urfunben beS Äönigl. 
©taatSardjibS au «Stettin. b. 23ülow. 

SSortiSIaö V., &erjog bon Sommern, geboren 1326, f 1392, f. 23ogiSlab V. 
unb Sarnim IV. 23b. III, ©. 43. 

2Bartt3lat) VI, ^er^og bon ^ommern, f 1394, f. 23ogislab VI. SSb. III, 
8. 46. 

SarttSlato VII., ^perjog bon ^ommern, f 1394, f. 33ogiSlab VIII. 23b. III, 
©. 47. 

SBortiöIötl VIII., ^erjog bon Sommern, f 1415, f. Barnim VI. 35b. II, 
©. 77. 

2Barti$Iaü IX. , <!perjog bon $ommern = 2Bolgaft, war als älterer 
©orjn 23arnim'S (f. 31. ®. SS. II, 77) etwa um 1400 geboren. 3n jungen 
Satiren lernte er ben faiferlictjen $of unb fpäter ben ©tanj beS ßonfianjer 9teic|s* 
tageS fennen, wo er im 9)tai 1417 bie föeitfjSbelelmung für fid) unb feinen 
unmünbigen 23ruber 23arnim VII. (f. 21. ffi. 33. II, 79) unb feine ebenfalls 
unmünbigen Vettern 33arnim VIII. (f. 21. 2). 23. II, 79) unb ©wantibor empfing, 
gurütfgefefjrt entnahm er ber bisherigen 33ormünbeiin, äßartiSlaü'S VIII. SSittwe 
2lgneS, bie ßeitung ber ©efctjäjte unb führte felbftäubtg bie bormunbfcrjaftlidje 
Ütegierung, mit anerfennenSWertrjer gurücttjattung gegenüber ber mißliebigen £>iS= 
Ijerigen 33eiwatiung unb gegenüber bem bisherigen ßinflufj beS ^ßjarrljenn Surt 
23onow , beS ©ünftlingS ber SOBittroe 2lgneS. S£ie fjetjben , wettfje fidj an bie 
2öbtung biefeS *UtanneS tnüpften, bann bie bebrotjlictjen 2Infprüd)c ber branben* 
burgijdjen ^Rarfgrafen an baS pommerfdje £>er3ogSt)auS, erfcrjwerten jetjt unb 
fpäter bie £f)ätigfeit beS jungen JperjogS. 

9Hit berftänbigem ©inne unb mit ben neuen ©ebanfen ber @infür)rung ber 
fogenannten £}uatembergertd)te fudjte er ben lanbiriebenebredierifrfien 21u8= 
fcljreitungen ju fteuern , bie 3 e *Würfniffe auszugleichen. 5Rit bem (Sintritt ber 
33ofliäb,rigfeit fämmtlicljer S^ronerben erfolgte im SLecember 1425 bie Teilung 
bcS SanbeS: SBartiSlab unb fein 23tuber 23arnim VII. erhielten ba§ Jperaogttjum 
Sommern, alfo Sßolgaft, ©reifswalb, S)emmin, ©ü^fow, 2lnflam, 33afewalf, 
Treptow unb bie i^njel Ufebom. 3 ra i^ en beiben 33rübern trat bann wieber 
eine weitere ©djeibung be§ 6rbeS ein. 3|n fo fleine Jtjeile war bie s Diacr)t be8 
pommerfcljen ^erjogSb,aufe§ jerfplittert, als bie erneute getjbe jwifc^en bem bon 
feinen pommerfetjen Vettern unterftütjten UnionSfönig @ricr) (f. 21. 2). 23. VI, 
206) unb ben |)olfteiner ©rafen bie pommer|cf)en iperjöge unb bie pommerfdien 






Söartislab X. 213 

Stäbte in einen feinbtictjen ©egenfat} bracfjte. Senn bie «jpanfa rjatte fe^x balb 
in bem 93orger)en beä norbifetjen Äönig§ unb in ber (hftarfung be§ norbifetjen 
9teid£)eS eine Sctjmäcrjung ber eigenen Iftactjt eifannt unb ein 93ünbnifj mit ben 
«gmlfteinern geftfjloffen. 2lnbere llmftänbe trugen aur Steigerung be§ unrutjbotten 
s IRif5berf)ältniffeä jnjijc^en dürften unb ©tobten mefentlid) bei. 

2)urd) ben unbeerbten S£ob feines 33ruber3 unb fdjliefiticb, buret) ben gteict)= 
falls unbeerbten Eintritt 93arnim'ä VIII. i. $. 1451 bereinigte 20. in feiner £>anb 
\>a* gefammte 9öolga|ter Jperaogtljum. SDie ftattgetjabte -£>ulbigung ber neu ange= 
faöenen ßanbeättjeile unb ber Söunfct) guten @inbernec)men§ mit ben Stäbten 
führte jur (Srttjeilung jenes fogenannten golbenen *ßribilegium§ an bie bier 93orber= 
[täbte. 3)ie Steuerung alter unb bie Gürttjeilung neuer ©erectjtfame unb 23er= 
fbveerjungen tiefcen ®ute§ tjoffen, jumat 30. in Streitfällen mit einer Stabt bem 
2lu§fprudE)e ber brei anberen fid) fügen au motten erflärte. 9lber fdjon ber balb 
beginnenbe Ärieg mit 9Jcecllenburg, beranlafjt buret) be§ ^>erjog§ abletjnenbe ipat= 
tung in ber (Jrbabfinbung ber mit <!peraog Ulricb, II. au s Bcecflenburg bermätjlten 
tfattjarina , ber Stoctjter feiner 93afe Sophie, erregte bem Sertjältnifj ju ben 
Stäbten neue 3 ro i e h a( $t- 2>urcb, bie unglücffeligen Raubet mit bem Stralfunber 
93ürgermetfter Otto Soge mürbe bie Stimmung beS £>eraog§ in feinen legten 
ßeben§jaljren in rjotjem IRafje berbittert, bie öffentlichen 93ert)ältniffe unheilbar 
berfdjlimmert. £)ie Stiftung ber ©reifämatber Uniberfität buretj bie 93emürjungen 
^einrieb, ftubenoro'3 (f. 31. SD. 33. XXIX, 417), bie llnterftüfcung biefer 93e* 
mütmngen buret) ben <£>eraog füllt feine letzte StegierungS^eit au§ unb fidjert 
feinem Flamen allezeit eine banfbare Erinnerung, 20. (tarb am 17. 2Ipril 1457. 
@r mar berniärjtt mit Soplrta bon 53raunfct)meig (t 1462) unb tjinterlief} all 
feine ^adjfolger ©riet) II. unb 2öarti3lab X. 

SBart^olb, ©efdj. b. 9tügen u. ^ommern. — JHempin, Stammtafeln. 

Wcar. 93är. 

ÜBortiölOÜ X., be§ Vorigen atoeiter Sotjn. Sein ©eburtäiarjr ift ntd^t be= 
fannt. ftact) bem £obe beä SSaterS teilten fidt) bie Sötme (gridj IL (f. 31. 2). 93. VI, 
207) unb SB. in bie ererbten ßanbe. S)cr ältere übernahm ba§ eigentliche 
«"peraogtlmm SBolgaft, 9B. erhielt föügen mit ben Stäbten Stralfunb, 93artt), 
©rimmen unb Stribfee§. 9Jtit ben ßanben be§ 93ater§ mar ben 93rübern aber 
auet) eine tjäfjticrje @ibfd)aft überkommen: bie gembfeligfeiten mit ben Stäbten 
be§ ßanbeä. tiefer £>aber füllte lange Satjre ber 9tcgierung3aeit SöartiSlab'e 
au§. 2)enn bie jungen ^erjage fuctjten nietjt ben 2öeg berftänbiger 93eitegung, 
fonbern breiten felbft offenbare äöegelagerei unb 93ruct) besprochenen ©eleit§ nid)t 
unter iljrer 9öürbe. (5rft in fpäteren ^atjren lernte 9B. ben SJßertt) ber Unter» 
ftüfeung unb ber Streue feiner Stäbte fennen , ptn erften ^Ral feit langer 3 e ^. 
alö er 1465 mit ttjrer ^)ülfe ba% Sdjtofj 91eu=3;orgelom bract) al§ gerechte Strafe 
für bie ßanbfrieben§brüc|e feine§ 93efi^er§. 

9ladt) bem 2obe be§ Äömg^eraoßS 6rid^ I. (f. 21. 2). 93. VI, 206) geriete) 
20. oljne fein 93erfcf)ulben in ^roietracrjt mit feinem 93rubrr, melctjer ba§ gefammte 
(5rbe beö 93erftorbenen ju geminnen trachtete, obmol baffelbe ber (Sefammttjanb 
^ommern juftanb. So fuctjte 9B., burd) bie 93erl)ältniffe geblängt, lieber eine 
9Jerbinbung mit bem ^Rarfgrafen bon 93ranbenburg jum gemeinfamen Sdjaben 
^ommernä, alö ba| er ber .^errfcbjuctjt be8 93ruberö natfjftetjen mochte. S)ie 
©rtebigung biefeö £)anbel§, fomie bie auf ben Stob be§ Stettiner jugenblictjcn 
^eraogg Otto III. (f. 31. ffi. 93. XXIV, 722) folgenben langmierigen Öetjnä* 
ftreitigfeiten jmifetjen ®rid) unb 333. einerfeitö unb 93ranbenburg anbrerfeitö 
l)aben bereits oben eine fnappe aber überficrjtlidje ©rmätjnung gefunben, fo bajj 
fjier barauf bermiefen merben fann (j. 21. 2). 93. VI, 209, 210.) 

S)iefe Streitfragen unb kämpfe mit ben lHarfgrafen Ratten bei 2B. eine 



214 



äöafer. 



nadjtjattige Abneigung gegen 93ranbenburg Ijeroorgerufen. $n feinem ©roll über 
bie branbenburgifdjen 33ort^eite tjarrte er auf ©elegent)eit, Verlorenes burd) rafdjeS 
3ugretfen bei gelegener $tit jurücfjugettnnnen. 2)ie Stjätigfeit beS Äurfürften 
2llbred)t im fRetd^e Anfang ber fieberiger 3fa|re fd)ien baS ©heben SBartiStaö'S 
aud) ju begünfligen. 2lber bie 2öad)famfeit unb bie ©egenanftatten beS jungen 
*Dtarfgrafen Sodann bereiteren für jeijt nod) ben tylan SJÖartiSlab'S, burd) einen 
SBorftofe auf ©arj bie roidjtige ©renjfefte unb bamit bie Dberlinie jurüdper* 
werben, (hfl nad) bem £obe feinet 33ruberS (1474) erhielt 20. freiere £anb. 
S)effen 9tad)folger, ben jungen 93ogiSlaö X. (f. 21. ©. 23. III, 48) marnte er 
bringenb, aber öergeblid), öor ber £)eiratr) mit einer 9Jtarfgräfm unb mufete mit 
Unmutt) beffen 5lr:nät)erung an 23ranbenburg gewähren. 2)ann etfolgte 1477 
bie liftige (Sinnarjme öon ©arj , gteid) barauf aud) bie öon Sßierraben, burd) 
2ö. Sßertjeerenbe kämpfe ^wifdjen SSranbenbuig unb Sommern waren bie 5oIö p - 
9tod) bor Beilegung berfelben befdjtofj S2>. feine unrurjöolle Regierung. <£r 
ftarb am 17. £>ecember 1478 als Seiner biefer ßinie ber äßolgafter ^erjöge. 
©ein 9teffe 93ogiSlaö X. würbe ber atltinige £)err beS wieberöereinten ^ommernS. 

2B. mar feit 1453 öerrjeirattjet getoefen mit @lifabetl), ütodjter Soljann'S beS 
9lld)t)miften , 5Jtarfgrafen öon 23ranbenburg, unb SBittme beS ^erjogi ^oadjim 
öon (Stettin. ®ie fdjliefelid) unglüdlidje @t)e löfte fid) burd) bie $(ud)t glifabettj'S 
nad) ber 9Jtarf @nbe 1464 , nadjbem in bemfelben 3al)re bie beiben ©öt)ne 
©wanttbor V. unb CSrbmann geftorben toaren. Waü) (Slifabetb/S £obe tjeirattjete 
SB. in jmeiter (5t)e bie S£od)ter -fpeinridj'S beS Vetteren p "-Utedlenburg^Stargarb, 
5Jlagbalena. 21m 26. 9toöernber 1475 erfolgte ba§ Seilager. 3)ie 6f)e mar 
tinberloS. 

93aru)olb, ©efd). ö. föügen unb ^ommern. — Älempin, ©tammtafeln. 

SBUs 23är. 

3öafcr: Soljann |>einrid) 2B., 33ürgermeifter öon ^ürid), geboren am 
2. SIpril 1600, f am 10. ftebruar 1669. ®em SDiafon am ©rofjmünfter unb 
^rofeffor ber l)ebräifd)en ©pradje, ber 1607 Mitglied bei (StjorfjerrenftifteS mürbe 
unb bann gu weiteren ßetjrftellen aujftieg, $afpar 2ß. (f 1625), einem ju 
feiner Qtit als Drientalift gefdjäfeten ©elerjrten (f. unt. ©. 227), gebar am 
Dftertage 1600 feine grau SDoiotljea , Jodjter bei ausgezeichneten 3tepräfen= 
tonten äürdjerifdjer äöiffenfdjaf t , Sofias ©immler (f. 91. ©. 33. XXXIV, 
355—358), als brüten — öon fünf ©ötjnen — ^oljann #einrid). 3)er 33ater 
fudjte fvütj bie öon ir)m auf Reifen gewonnene SBelt* unb ©pradjenfenntnifj 
aud) auf bie ©ölme ju übertragen, unb fo fam 3JÖ. fdjon 1612 — burd) einen 
ütaufd) , mie fie gern ju foldjem gmät angefteüt mürben — nad) ©enf in 
baS |>au§ beS bortigen 5)3rofefforS bei ©ried)ifd)en ^af^ar ßaurentiuS, roo er 
bis 1615 blieb, darauf folgte, nad) fuijer ^uge^örigfeit pm neugeftifteten 
jürd)erifd)en Collegium humanitatis, bie Sßerfetmng nad) 2eglio im bünbnerifd)en 
Untertt)anengebiet 93eltlin, mo 9B. befonberS ben Unterridjt beS gelehrten refor= 
mirten Pfarrers 2)ana, eines SngabinerS öon ©eburt, geno|. 1617 befudjte er 
bie Uniöerfität ^abua, worauf fid) eine gufjreife burd) ^ftatien anfdjlofj. groben 
ber ©emanbt^eit in ßatein , ^ranjöfifd) , ^talienifd) , fogar im ®ried)ifd)en, 
bringen bie nad) 3ürid) gefdjidten S3erid)te. Snbe 1617 Eefjrte 2B. nad) 3üridj 
jurürf, too er nun toeiter fid) ben ©tubien aufS eifrigfte Eingab. 9lber 1618 
bot SlntifteS 33reitinger, ber mit äöafer'S 33ater auf fef)r öettrautem 5u|e ftanb, 
bem jungen ^Ranne bie 3Jlöglid)feit , einer roettgefd)id)tlid)en ^>anblung beip^ 
morjneti: 30. burfte ben an ber ©pitje einer ©efanbtfdjaft ber üier reformirten 
eibgenöffifdjen ©tänbe an bie Siortredjter ©tjnobe abgeorbneten SlntifteS be= 
gleiten , unb Wenn eS aud) nid)t gelang , bafj ber Jüngling als ©ecretär ber 
3lborbnung anerfannt mürbe, fa^ unb öernaljm berfelbe genug 2Bid)tigeS, unb 



2öafer. 215 

äufjerft üotlftänbig legte et nadjtjer in fünf auf bet 3ütd)er ©tabtbibliotijef auf= 
bemaf)rten ßuartbänben eine ©djilberung aller biefer Angelegenheiten , nebft 
@b,araftcriftif bet mefentlidjften mitmirfenben 5ßerfönlid)feiten , nieber. ßbenfo 
machte et im gebruar 1619 einen 33efud) in (Snglanb. jDabutcr), bafj ©eultetu* 
20. auf bet £>utcr)teife burd) ^eibelbetg nätjer fennen gelernt unb feine ©pradj= 
fenntnifs betnetft tjatte, fam e*, bafj äöafer'* SBatet üon $rag fjer eingelaben 
mürbe, feinen ©ot)u all *ßtiüatfecretär in ben £)ienft bet neuen äöatjlfönigin 
üon Säumen, (Jlifabetf), eintreten au laffen. 3 toQ * fanb bann 2ß. im ©ommer 
1620 ben itjm angebotenen *|3lat3 fetjon ausgefüllt. 2)afür trat et in eine üor= 
ttjeilljafte ^ofmeifterfteüe bei einem böfjmifdjen tjotjen £)errn. S)oct) bie ©d)lad)t 
am SBeifjen 33erge machte aud) bet üttjätigfeit be* jungen 3ürd)er* ^ n fenbe, 
unb unter grojjen 93efdt)rDcrben unb (Setatjren fam 20. nad) abenteuerlicher 9teife 
im 2)ecember nad) ber Jpeimatt) aurüdf. .§ier trat er nun im 3uli 1621 al* 
freiwilliger Arbeiter auf ber ©taat*fanalei ein. AI* foldjer begann 2B. jene 
großen arbeiten, burd) bie er fidj in ber Äenntnife bet (Sefd)id)te unb ber 
ftaat*redjtlid)en *öerf)ättniffe 3ürid)* , für biefen ©taat felbft , für beffen 3Öe= 
jiermngen au ben Gnbgenoffen unb aum AuStanbe, au unterrichten fudjte. 6r legte 
ftdj SJeraeidjniffe ber in ber Äanalei unb in ben Atcfjiüen liegenben ©Triften, 
üielfad» unter Anfertigung üon Au*aügen au* benfelben, an, fat) ben reiben 
r)anbfd)tiftlicr)en 9iad>lafj feine* mütterlichen ©rofjüater*, be* Sßerfaffer* be* in* 
ftructiüen ftaat*red)ttid)en .!panbbud)e* : Respublica Helvetiorum, burd) unb fd)uf 
fo bie „23unbe*= unb 58ertrag*büd)er" betitelten, auf ber ©tabtbibliotrjef in 3ürid) 
aufbemarjrten neun ftoliobänbe. SDaamifdjen t)atte et ©eci:etariat*bienfte au öer= 
feljen, 1622 al* erbetener ©djriftffifjrer ber bünbnerifdjen Abgeorbneten an ber 
in ßinbau wegen ber rätifdjen Angelegenheiten tagenben Gonfetena, üon ber er 
bann, nidjt oljne ©efat)T, ein gegen ergangene SBorfdjrift burd) rt)n angefertigte! 
brüte* Gjemplar ber Acten heimbrachte. AI* neu ernannte* ©tabtgertd)t*mtt-- 
glieb brachte 20. ferner ein üottftänbige* Grjemölar aller Orbnungen biefe* 
Sifafterium* aufammen, unb ebenfo begann er eine ©ammlung jürd)erifd)er 
Offnungen. 1624 evtjtelt er bie 33eftaUung at* 3tatt)*fubftitut unb Unter* 
fdtjteiber, moburd) er — jtoar nod) otjne feftgefe^te Sefolbung — in ein befümmte* 
Amt gelangte, unb jetrt üereljelidjte er fid) aud). 3>n ben neun nadjfotgenben 
3>ar)ren fam er au üielfadjer SBermenbung in öffentlichen ©efdtjäftcn, ©enbungen 
aller Art, al* 3)otmetfd)er unb Jfjeilneljmet an SBeitjanblungen beim ©müfange 
üon Au*länbern, al* ©ectetät bei 49 eibgenöffifdjen £agfa£ungen unb eüangetifdjen 
ßonierenaen. ©o mar e* üon felbft gegeben, bafj er 1633 in bie buret) ben 
£ob be* ©tabtfdjreiber* -!pan* ©eorg ©rebet im $uni erlebigte ©teile be§ ©tabt-- 
fdjreiber*, mit mefentlid) erfjöfjter Sefolbung, gemäht mürbe. 

®ie bergeftatt gefcf)ef)ene 33eförbetung 2öafer ; * au einem ber üerantmortunge= 
üottften unb befcrjäjtigunggreicfjfteu Aemter gefefjat), al* bie ©efa^v einer Jperein= 
aietjung ber ©ibgenoffenfetjaft in bie ßreigniffe be* brei^igiär)rigen Kriege* be= 
fonber* unüerljüEt üorlag. ©uftaü Abolf fjatte fd}on im ^erbft 1629, bamal* 
freilief) — in geringer .ffenntnifj ber ©acfjlage — allen Sibgenoffen, alfo audt) ben 
fattjolifetjen Orten, Attianaüerträge entgegengebraetjt, unb (Snbe 1631 mar buret) 
ben fcf)roebifcf)en ©efanbten, bitter 9tafcf)e, eine beftimmte Eröffnung ber Xa^ 
fa^ung mitgettjeilt morben; biefe aber tetjute bie anerbotene ^reunbfcfjaft be* 
Äönig* banfenb ab. Neffen ungeaditet mürben aud) nad) ©uftaü Abolf 1 * 2obe 
bie Anftrengungen üon ©eite ©dimeben* fortgefe^t, unb gemiffe Greife famen 
ie^t in 3urid) foldjen ®ebanfen nicfjt ungünftig entgegen. Sie am 24. 'üttära 
1632 gefdjeljene Vorlegung eine* förmlichen Sünbni^plane* 9tafdje ; * üor ben 
eüangclifdjen ©täbten mar burdj Antifte* 33reitinger meiterer Erörterung mürbig 
befunben morben: e* fei ^ftidjt, bie üon ©ott an bie ipanb gegebenen ^Rittet 



216 SDBafer. 

ju gebrauten, trobei man aber, bis t>a$ Sßolf Dafür bearbeitet fei , ben (5nt= 
fctjlufj jum 33ünbnifj auffctjieben müffc, ober toie e§ in ber officießen jürcrjertfctjen 
$nftruction tjiefj, bi§ bie fdjroebifcrje $rieg8matf)t nätjer tjerangerücft fei; freiließ 
war bann ber SBefdjlufj ber eöangelifdjen ©täbte ein abweifenber gewefen. 
üDeffen ungeachtet blieb bie Jhiegäpartei in 3ürict) , bon ttjeofratifdjen 2Iuf= 
faffungen wenigftenä in itjrem Raupte, SSreitinger , erfüllt, auf itjren Slnfxdjten 
feft , unb ber 2lntifie§ fetjte gerabep Umtriebe gegen bie SSewarjrung ber 9leu= 
tralität fort, ganj boran in feiner geheimen Gorrefponbenj mit bem Oberften 
©eotg .£>anä öon ^ebtiä, einem mit ber .^urfürftin (Slifabetrj in bie $falj ge= 
fommenen ©ctjotten , ber al§ fc&mebifcrjer llntertjänblev arbeitete unb 1629 als 
Organifator bei 3Ürct)eufct)en jhieg§wefen§ gewonnen, aber 1631 beurlaubt 
roorben war. 2Iuf biefem Söege roar bie Neuttalitätsberletmng ber ©djweijer 
©ren^e eingefäbelt, bie am 7. September 1633 gefdjar), in ©eftalt bei ©in« 
bruerjä beg fc^toebifcfjen i$elbmarfd)atl§ ©uftab £>orn , ber buret) bie im prdje« 
rifetjen ©ctjujj ftefjenbe ©tabt «Stein unb über bie bortige 9i^einbtüdEe in bie 
gemeinfdjaftlidje ßanbüogtei Sttjurgau einfiel unb buref) biefelbe tjinburdj öor 
ber Sanbfeite ber p belagernben ©tabt ßonftanj aufrücfte. kleben Sreitinger, 
ber um £orn'ö 2lbficf)ten mufcte, ferjeint inSbefonbere, falls weltliche ^Jerfonen 
noct) eingeweiht maren, fein 9lnberer, alä 2B. Jfjeilneljmer be§ ©ctjeimniffeä ge= 
roefen 3U fein, ber neue ©tabtfctjreiber , wie benn SSreitinger am Xage öor ber 
^nbafion -gwrn'S fc^rieb, 2S. öerbiene in bie ©etjeimfcrjrift, bie gegenüber 5ßebli8 
angeroanbt mürbe, eingeführt ju werben, ©etbftüerftänblicf) fteüte biefe 33er= 
le^ung ber Neutralität bie (Sibgenoffen öor bie (Sefatjr bei inneren $riege§ , ba 
bie fatt)olifdjen Orte barin eine arge 33ebrot)ung erblicften, unb eine furje %nt 
festen bie in 3ikid) porwaltenbe ßrieg§partei mit itjrem 5ßtane, mit fctjmebifctjer 
<£>ülfe e§ pm Kriege gegen bie fatfyolifcrjen (Jibgenoffen ju treiben unb fo bie 
(Sprengung ber (äibgenoffenfdjaft ju öeranlaffen, im Sßorfprung 3u fein, bis bann 
1634 bie übrigen eöangelifctjen ©täbte für bie 9lufrectjterl)alturig ber Neutralität 
ben @ntf<f)eib burdjfetjten. 

s JJlod)te auet) in biefen widrigen fragen bie Haltung SBafer'S, ber fiel) eben 
ganj ber Autorität 53reitinger'ö anfctjlofj, eine 23ebenfen erWecfenbe gewefen fein, 
feine Dor^üglicrje 2Brauct)barfeit mar eben baburet), ferner burdj bie jai)lreict)en 
weiteren ©efdjäfte, benen feine g-eber <$u bienen tjatte, bargelegt. 2B. roar in 
ben jjwölf ,3atji*en feinet ©tabtfdjreiberamteä r)unbert unb actjtjig 9Jtate ttjeilS 
an ber allgemeinen ülagfafcung, tt)eil§ an Sonferen<$en ber eoangelifctjen Orte 
beteiligt , berufen , baä ©d)ieb3rid)teratnt auszuüben , ober mit allerlei ©en« 
bungen beauftragt. 2>afj er audj bei ben lattjolifctjen s 3Jliteibgenoffen roieber 
Vertrauen geroann, jeigt betfpietäroeife ber llmftanb, bafe 1637 bei einem eib= 
genöffifetjen ©d)iebggerid)te , bem bie ®larner beiber (5onfeffionen itjre 3wiftig= 
feiten wegen ber itmen juftetjenben gemeinen ^>errfcr)aften Uinact) unb ©after 
unterwarfen, an 3Gß. auef) öon ©eite ber fattjolifctjen ©cr)ieb§rid)ter ^rotofott= 
fü^rung unb 53efd)lufeauifertigung überlaffen würben, ©ine befonberä fctjwierige 
Aufgabe t)atte aber 20. 1644 ju erfütten, alg er in ber ©igenfe^aft beö Ob= 
mann§ eines ©<f)ieb8gerict)teö ju Sur in bem erbitterten ©treite awifdjrn ber 
©emeinbe 2)aüo§ unb ben anbeten (Semeinben beä bünbnerifc^en 3et)ngetict)te= 
bunbei ju uttfjeiten Ijatte; aber fein Sluifpruct) fiel fo ferjr pt 33efriebigung 
beiber Parteien au8 , inbem er bem langwierigen 3tt'ifte ein glücflidjeS (5nbe 
fetjte , bafj bie Regierung aller brei S3ünbe 20. bafür banfte. SB. legte nadj 
früherer ©eworjnljcit aud) über biefen ©treittjanbel bie Slcten in ^wei f5°lio Ä 
bänben gefammelt im 3 ur( ^ er ©taatgardjiö nieber. 

Slber aufjerbem tjatte 3B. als ©tabtfdjteiber eine Negiftrirung be§ gefammten 
5lrcrji0e8 — aujjer ben llrfunben — öorgenommen. Sr fteUte eine Ueberficb^t 



Süafer. 217 

bet in berfd)iebenen Socatitäten aerfireuten Shdjiöttjetfe 1646 burdj feineu Index 
generalis t)er, ein nad) ber localen Sttufftellung eingettjeitteg, aber burd) atpt)a= 
bctifdjeg titelregifter überfid)tlid) gemadjteg 2Berf, bem eine grünblidje Um* 
ar6eitung ber "Jhdnöalten üornu?gegangen mar. Sdjon 1644 rjatte er baneben 
einen öiel weitläufiger angelegten Index specialis über bie Slctenabtljeilung be= 
gönnen. 2)iefem big je^t einigen Berfudje einer öollftänbigen Sftegiftrirung 
aller 2lfctr)eilungen gingen nod) weitere arbeiten SBafer'g pr (Seite, fo bie 
©ammtung, burd) Budjbinberarbeit gefdjeljenbe Bereinigung, neue 9tegi[trirung 
ber Fragmente ber alten (Stabtbüdjer. 

9llg 1644 Bürgermeifter Bräm ftarb, blieb 30. fdjon blofj nod) mit öier 
(Stimmen tjinter bem erforenen 9cad)folger «Statthalter 9tab,n in ber 2öat)t jurüd. 
(Sine @ntfd)äbigung mar für iljn bie Uebertragung ber größten ßanböogtei beg 
^ürdjer ©ebieteg, $tburg, mit auggebeljnten Befugntffen in Bermaltung unb 
9ted)tfpred)ung, big auf Seben unb Stob. 20. befleibete biefeg SImt 1646 big 
1652, in welche 3ett allein 2280 Urteile be§ £errfdjaftggerid)teg fielen. Slud) 
ber (Sammlung aEer auf bie Berfjältniffe unb Oiedjte ber ©raffdjaft beaüglidjen 
9Jcaterialten — fie füllt mehrere Bänbe beg tjanbfdjrijttidjen Wadjlaffeg — lielj 
er Ijier wieber feinen ftleifj, neben ber müljebollen öielfeitigen Slmtgfütjmng. 
(Seine gefdjidte Bermaltung ber GHnfünfte unterliefe bie .gjerrfdjaftgcaffe faft um 
bag boppelte gegenüber ber $eit oer 9lnitgübernaljme angefüllt. Sdjon gleid) 
1646 blatte eg 2B. aud) üerftanben, feine £>errfd)aftgleute nidjt nur, wätjrenb 
ein Stufftanb im füblid)en Steile beg ^ürdjer ©ebietes um fid) gegriffen tjatte, 
bon ber Beteiligung fernauljatten, fonbern aud) aug ttjnen ein ßonttngent öon 
2000 s Dtann ber Oiegierung aur Bekämpfung ber Bewegung aur Serfügung ju 
fteöen. (Sin Sötertelia^r , nadjbem SB. bon ^iburg autüdgefetjrt war, würbe er 
am 28. 3uni 1652, nad) Bürgermeifter ©alomon -gnrjerg £obe, alg Bürger* 
meifter erwählt, unb ^war, otjne bajj er 9Jiitglieb beg kleinen Oiattjee ge* 
wefen War. 

Sdjon gleid) bag nädjfte 3fa^r nadj ber Bürger meiftermafjt bradjte für 30. 
bie ebenfo fdjwierige, alg wichtige öffentliche Betätigung in ber berfudjten Ber* 
mittlung awifdjjen Dbrigfeiten unb aufgeftanbenen Bauern juerft beg Berner, 
bann beg ßu^erner ©ebieteg, im Bauernfriege beg Sfaljreg 1653. (Sine erfte 
©enbung, nad) Bern, ßnbe 9ttärj, führte aunäd)ft, au Berng lebhaftem SDanfe, 
ein gebeiljlidjeS (Jrgebnife rjerbei ; bod) im ferner ©ebiet fam eg ]u einem 
neuen Slugbrudje, ber jet^t ben Slbmarfd) einer aug ber öftlid)en ©djweia ge* 
fammelten Sruppenrüftung Don 9000 9Jtann , unter bem Befehl beg 3ürd)er 
Sedelmeifterg (SJeneral Äonrab SGßerbmüüer, öon 3ürtd) aug, ^ur £$fotge blatte. 
9lm 3. $uni trugen in ( ^wei ^iemlid) t)attnätftgen (tfefecijten, bie bei ben Dörfern 
Büblifon unb 2Bot)lenfdjwil — im unteren Steile ber bag Berner (Sebiet, weftlid), 
bom 3ürd)er Territorium, öftlid), fdjetbenben gemeinfainen eibgenöffifd)en ßanb= 
öogtei ber freien Remter — gefdjlagen würben, bie 9iegierunggtruppen über bie 
Bauern einen entfdjeibenben (Sieg banon , unb alg jefct bie Sntmutb^igtcn um 
einen 2Baffenftittftanb baten, würbe ib.nen biefer unter ber Bebingung bewilligt, 
bafe bie ftüljrer folgenben Xageg fidj im 3 e *t 2Berbmüder'g jut Slnb^ötung non 
"Sröffnungen etnfänben. ©ieS gefdjab^ am s Dtorgen beg 4. ^uni, Wo jWar nidjt 
bie .gjaupträbelgfü^rer , aber bod) 43 2Iuggefd)offene, bie meiften — 24 — auä 
bem ÖJebiete non Bern, bann jetm aug bem (Solotb^urnfd)en , fieben aus bem 
ßu^erner, jwei aug bem Basler ©ebiete, fidj einfteüten. «g)ter gelang eg nun 
20. , bie Bauern , weldje glaubten , für tljre Bereinigung gegen bie ftäbtifdjen 
Obrigteiten fid) auf ben ^ntjalt bei Stanfcr Berfommniffeg öon 1481 (f. 31. 2). B. 
VII, 137) ftü&en au fönnen , in ruhiger flarer s 3Iugeinanberfebung, inbem er 
itjnen bie Sntftefjung jenes Bertrageg eraätilte, ben (Sinn ber fämmtlidjen 2Ir» 



218 ffiajcr. 

tifel erläuterte, Dal)in ju bringen, bafj fie erfannten, e§ fei $flid)t ber £>brig= 
feiten, bei anarä)ifä)en Bewegungen in ifyren ©ebieten fiä) gegenseitig p fctjütjen, 
unb bafj gerabe bie SBerner, bie ©ototljurner, bie greiämtter 23auern, baburd) bafj 
fie an ^Belagerungen üon ßujern unb öon ?larau, alfo bon fremben ©tobten aufeer* 
jjalb irjrer ©renken, ftd) beteiligten, biejenigen gemefen feien, bie „mit eigener 
©ewatt $rembe frebentlid) überwogen" tjätten. 5Die ^Beauftragten erltärten naä) 
furjer 93eratt)ung , bafj fie nact) Einfielt in iljren Srrttmm um 23er<jeif)ung 
bäten, worauf bie aürdjerifcben Vertreter, boran 203. unb 3BerbmüÖer, it)nen 
unter Slufftettung üon 33ebingungen — in erfter ßinie Räumung beg gelbes 
unb Rieberlegung ber SBaffen — ©nabe in SluSfidjt fteHten. Einzig bie Summer 
Sluägefctjoffenen nahmen biefe im ßager bei Hellingen feftgefetjten fünfte nietjt 
im bollen Umfange an, obfct)on auet) fie irjre 9Jtaunfct)aft innerhalb ber ©renken 
itjre§ (5taate§ jurücffü^rten. SllterbtngS fam e§ bann in ben näcrjften Sagen 
im ßujerner unb 33erner ©ebiete — befonber§ am 8. be§ ^ionatS bei £>erjogen= 
bucfyfee — p neuen 3 u f arnmen ftö£ en , unb in fct)ärffter SBeif» beftraften bie 
Regierungen bie Slufftänbifctjen nact) ber fdjliefjlictjen Unterwerfung. 9lber 3B. 
mar an biefen Singen nicfyt mefyr unmittelbar beteiligt. 

2)ie gemeinfatnen ^Diaferegetn ber im übrigen confeffionell gefonberten Dbrig-- 
feiten ber eibgenöffifdjen Orte, mie fie in ber 23efämpfung ber 93auerneTt)ebung 
nottjwenbig geworben waren, fdjienen bie 9Jcöglict)feit engeren gufammenfctjluffeS 
aud) in anberen wichtigen 2Ingetegent)eiten p berbürgen, unb fo bereinigten fiel) 
im $Rat 1655 3üriä) unb 33ern ju einem eintrage an alle breiaetjn £)rte, auf 
„3ufammenbergleict)ung , Erneuerung, 33eftätigung unb ©olemnifirung ber alten 
Wotjttjergebradjten 33ünbe", bielleict)t auä) mit einem Verfommmfc Wegen ber Re= 
ligion§angelegenl)eiten. 93alb erhielt 2ß. ben Auftrag, ba§ öon einer gemeineib* 
genöffifdjen Xagfa^ung gebilligte ^rofect, beffen Entwurf einem 2lu§fct)uj$ über« 
tragen würbe , p rebigiren , unb rafä) [teilte er eine berartige Arbeit auf. 
©iebenunbjwanjig 9lrtifel, bie in it)rer fetjx allgemeinen Spaltung bie ©elb= 
ftänbigfeit ber Orte Weitget)enb fd)onten , enthielten , im 2Infet)luffe an eine 
tjiftorifctje Einleitung unb an bie 9lufjäf)lung ber biStjer giltigen SBunbeSurfunben, 
bie ©efict)t3punfte , welche bem grünbliä)en Kenner be§ fdjwetjerifcrjen ©taat8= 
rect)te§ für ein allgemeines 33unbe8inftrument nottjwenbig p fein fctjienen. ©anj 
borjüglid) follten auf biefem 3Jßege neue Kriege bertjütet werben, unb unmittelbar 
nact) ber ?tnnat)me , t)ernact) alle 25 3at)re baä)te man fiel) , bie Urfunbe be* 
fctjmören p taffen. Slflein etje nur ber Termin für bie auf ben Robember in 
2lu§fid)t genommene Sagfatmng, bie über ben Entwurf p entfd)eiben ben 2luf= 
trag tjatte, in ©id)t ftanb, fünbigte fiel) bielmet)r in boEfommenfter 2)eutlict)feit 
ein Ärieg pifdjen ben confefftoueüen ©rupöen innerhalb ber Eibgenoffenfctjaft 
an. S)arau§ ba^ aus 9lrttj am 3uger See lieimlictje 33efenner ber reformirten 
ßeb^re ber Verfolgung, bie it)nen broljte, burcl) 2lu§wanberung nacl) 3ürid£) au§= 
gewietjen waren, bie Regierung bon ©ctjwtij aber auf beren Sefi^tb.um 33efd)lag 
legte, jurücfgebliebene ©efinnungSgenoffen einferfern lie^, erwud)§ juerft, feit 
bem September, Sluffctjub, bann aber rafc^ ein fotetjer 3wift. i> Q ^ & jum Kriege 
fommen mu^te. Stoax war 2ß , juerft an ber ©pitje einer ©efanbtfctjaft ber 
ebangelifcb.en Orte nact) ©djwt)3, bann auf einer Eonjerenj ber ebangelifcl)en Orte 
in 2larau, fjernacl) im Rotiember auf jener 3U 33abcn abgeljaltenen eibgenöffifdjen 
Sagfa^ung, auf ba§ reblict)fte für Erhaltung be§ ^riebenS bemüt)t. Er fjiett 
ftet) ftreng einjig auf bem 33oben be8 eibgenöffifcfjen 23unbe§rect)te§, inbem er für 
jene 9lu8gemanberten bal 9lecl)t, il)r Vermögen ju forbfrn, für 3 ur ^ °i c 
^Pfliäjt, fie tjiebei ju unterftü^en, in Slnfpruct) nal)m. S)ie 33erl)anblungen ju 
S3aben tonnten aber nid)t meljr Fortgang netjmen , at§ man t)örte , bie in 
©d)Wt)j im ©efängnife Itcgenben ©laubenSgenoffen feien jum Stjeil graufam ge= 



aüöafer. 219 

foltert, Eingerichtet, ttjeilroeife nad) ÜJtailanb an bie Sfnquifition übergeben 
toorben, unb je^t ging aud) 20. nad) Sluftöfung ber Xagfatmng mit bem in= 
jtoifdjen jur mititärifdjen Leitung ernannten ©enerat, $ot)ann Rubotf 2Berb= 
mutier, nad) Sern, bet)uf£ f5 e ftfteÜung ber ju ergreifenben 9Jiafjregeln , beS 
ebentuell ju toät)tenben ÄriegSplaneS. SDemt otjne grage mar jekt ^üticf) junt 
Kriege Döüig entfdjtoffen , roätjrenb bie anberen ebangelifdjen «Stäbte nod) fort 5 
fuhren, 23ermittlung3borfd)lägen ©eljör ju geben, unb nod) in Süxidc) , obfdjon 
— am 6. Januar 1656 — ber Jhieg erflärt toorben roar, SBetfdjiebung ber 
fjfeinbfeligfeiten beantragten. Mein 3öerbmüttei J 8 übermütige 3ufid)erung, bafj 
bie <5tabt Rabberitoil, gegen bie 3tkid) feinen Angriff richtete, binnen bierunb= 
^roanjig ©tunben genommen fein toetbe, erfüllte fid) burdjauS nid)t, unb bamit mar 
bie in 9lusfid)t genommene 6roberung§potitif 3 ur iä)3» fl n oet 2B- a ^ ©önner 
2BerbmütIer'£ mttbetljettigt erfdjien, ftäglid) gefdjeitert. 20. felbft t)atte, als 
„Slffiftenaratb/' bem IhiegS^uge beigegeben, jumal aud) infolge ber rointertictjen 
SfatjreSaeit , ber feinen ^ortfdjritt 3üridjS aufmeifenben Belagerung beS feften 
^tatjeS, 33efdjtoerben unb Unanneljmlid)feiten in fjütle ju foften, unb bei bem 
Umfd)toung ber ©timmung in 3üfid) ergofj fidj nunmehr ein £t)eit beS 9Jtif$= 
bergnügenS nid)t nur auf Söerbmütter, ber fdjon Anfang fyebruar ben auS 3ütid^ 
gebotenen SBaffenfiillftanb tjatte beobachten muffen, am 10. $ftärj gänjücr) öor 
RabperStoil abgezogen mar, fonbern audj auf 2B. 5Denn als nadj ber empftnb» 
lidjen Wieberlage ber 53erner bei Bilmergen, am 23. Januar, ^ieben§t)er()anb= 
lungen aufgenommen toorben toaren unb audj 2£. jetjt für Gürlangung beS 
griebenS eintrat unb in biefer SBeife an (£onferen<$en ju 33aben, Don ber ^utcrjer 
Regierung inftruirt , trjeilnarjm , mufjte er fid) über bie bon ber aürdjerifctjen 
@ei[tlid)feit folctjem ßntgegenfommcn gegenübergefteflten ftarten unb beleibigenben 
Steuerungen in einem an ben eigenen 93ruber, ben ßljortjerrn am ©rofjmünfter 
Äafpar, gefdjriebenen Briefe befragen, roätjrenb Slnbere toieber tt)n anfdjulbigten, 
mit ben unbulbfamen ©eiftlidjen ju fef)r im (Sinberftänbniffe ^u fein. 2)odj 
erlangte 2B. bor bem ©rofeen Rate), too er feine .gmnblungStoeife rechtfertigte, 
@t)renerflärung, abbitte unb Beftrafung ber ©egner. 

RodjmalS roar SB., angefidtjtS ber SBerbung granfreidjS um Erneuerung 
beS 1651 ertofctjenen BünbniffeS — juerft feit 3tt>ingli'S 3^it roar 3üridj 1614 
einem Bunbesbertrage ber (Hbgenoffen mit ber fran^öfifdjen $rone toieber bei= 
getreten — , bor eine roidjtige (Sntfdjeibung geftettt. SB. rooEte anfangt, bor 
ber ßrftärung beö Beitritts ber reformirten Orte , toenigftenS auf toürbige unb 
fdjüfeenbe Sebingungen bringen unb befonberS begehren, ba^ f^ranfreid) für ben 
©etoinn eineä foldjen 3lnfcl)tuffe§ fidj ungerechter unb unbutbfamer s 3Jla^regeln 
gegen bie reformirten ©laubenSbertoanbten enttjatte. 3lt§ aber ba§ nidjt er= 
reidjbar roar, aU man fid) mit un^ureicfienben 3uf^ er ungen aufrieben gab, 
reidjte 30. 1663 jut Ratification be3 33üubniffe8 aud) unter biefen Umftänben bie 
£anb unb lie^ fidj ferner, entgegen anfänglidjer 3l6letjnung, atä ^aupt ber ^u 
ber 23efdjtüörung am 13. Dctober be8 ^atjreä nad) ^pari§ abgetjenben ©cfanbt= 
fdjaft ernennen. Unter ben mc^rfactjen ©d)ilberungen ber Vorgänge ber burd) 
gtantreid) boÜjogenen gtän^enben Reife, ber in $ati§ gefet)enen pomböfen Sere« 
monieen ift aud) eine bon 2B. berfa^le bortjanben; bie beim s Jlbfd)iebe bon ^Jari8 
empfangenen ©efctjenfe, bie für 20. reicrjlicijer , als für bie s Dlitgefanbten, auS» 
gefallen toaren, legte er nebft ber gleidjfatlö erhaltenen Vergütung ber Reife- 
foften ju 3ürid) auf bem Ratt)§tifd)e jur Verfügung ber Regierung nieber, burite 
bann aber Sltleö ju eigenen ^änben behalten. 30. mürbe nod) bis in bie 
neuefte 3eit rjinein, etma mie ber auf eine ungteidj t)öt)ere ©tufe ber ©cltung 
5U ftellenbe 3e»tgenoffe Söettftetn (f. b. Slrtifel) , als ein ibeal benfenber, rein 
felbftlofer Patriot, inebefonbere als ein nidjt 3ur franjöfifd^en Partei aäfjtenber 



220 SBafer. 

jßolitifer angefetjen; allein eS ift fein gtoeijel, oa fc ft3> oaS n ^t f° öer^ält. 
SBielmcrjr erfdijeint SB. in ber ßorreiponbenj beS 1664 jum erfien Wale in bet 
Sdjtoeij amoefenben SSertreterS Subtoig'S XIV., 9flouSlier, gteid) bon Anfang an 
als ami de la France, als bien intentionne pour le service du roy, unb roie 1656 
nad) bem Kriege, fo rourbe 1669 roätjrenb SBafer'S testet $ranft)eit eine ^Ret^e 
öon 5lnjdmlbigungen gegen ben Sterbenben laut, beren llntoatjrrjeit burdjauS 
nodj nictjt baburdj bargettjan ift, bafj ein 9tatrjS6cfdjluf$ jut Reinigung beS 
S3ürgermeifterS gcjdjal). 

So. blatte ein letjteS 9Jtal in einer roidijtigeren 9lngetegenr)eit mitgetianbelt, 
als 1664 burctj rtorbeimarfdjirenbe für ben fpanifdjen ^riegSbienft angetoorbene 
Sötbner ber eöangelifdje ©otteSbienft im SDorfe SBigolbingen, in ber gemeinen 
ßanbüogtei üttjurgau , geftört toorben mar. 2118 ftd} in 3ürictj bie «Stimmung 
für bie teformirten ülrjeilnerjmer an bem auS bem ßreignifj erroadjfenen blutigen 
Sftauftjanbel leiDenfd)aftlidj ertjitjt ^atte unb abermals bewaffnete SSorfetjrungen 
getroffen toorben toaren, jjeigte ftd) SB. in Uebereinftimmung mit bem befonnen 
abmarmenben SIntifteS Ulricfc (f. 8. S). 58. XXXIX, 249 u. 250) bemüht, bie 
Aufregung ju befctjroidjtigeu, fobafj bie Sadje, roenn audj bie fattjolifcrje 9Jteljr* 
tjeit ber 9iid)ter stoci SSluturttjeile pr 5Durd)fürjrung braute, beigelegt »erben 
tonnte. 

3n ben testen 8eben§iat)ren trat ber atternbe (Staatsmann met)r jurücf, 
unb jüngere (Sollegen fütjrten bei fdjroierigeren Angelegenheiten baS SBort. ©eit 
ber ijümten Hälfte bon 1668 feffelte ernfle Äranftjeit SB. bauernb an baS Sager. 
SluS brei ßtjen f)interliefj SB. brei fdjon in ber @tje ftetjenbe Stödjter, bon brei 
©öfmen aber nur ben jüngften, Sodann ^einrict), ber in beS S3aterS £obe8= 
iat)r bon ber brei Sfatjre fjinburd) befleibeten Stabifdjreiberftelte jjur 9tatr)Sroürbe 
emporftieg. 

@S roirb SB. nid)t Unred)t getljan werben , roenn man itjn für einen meit 
befähigteren Äenner ber ©efd)id)te, beS Staatsrechtes, für einen boraügtidjeren 
fjotjen ßanjteibeamten nimmt, benn für einen praftifdjen Staatsmann ober gar 
für einen in fiel) gefdjtoffenen politifdjen Sfjarafter. So t)at benn audj ber in 
tjiftorifdjzn fingen root)t tunbige üDidjter Äonrab ^erbinanb $fterjer in feinem 
Vornan 3ȟrg Senatfdj SB. nid)t ot)ne Sfionie, menn audj feineStoegS mit 2lnti= 
pattjie, bod) als einen Seifetreter beljanbelt. 

Sine S3iograpt)ie SBafer'S ejiftirt einzig in 3- $. ^ottinger's turpem 
SebenSabrifj im 9teujat)rSblatte ber gürdjer Stabtbibliottjef bon 1855. @in= 
fdjvänfungen beS 3. S3. nodj burdj S3utliemin, bodj aud) f)ier burdj £>ottinger 
gezeichneten allzu günftigen SSitbeS ergeben fidj aus $. Scfjroeizer'S ©efd)id)te 
ber fdjroeiaetifdjen Neutralität, S. 221 — 254, ferner aus beffen 3luSgabe ber 
(Eorrejponbenz ber iranjöftjclien (Sefanbtfd)aft in ber Scrjroeia 1664 bis 1671 
(Quellen m Sd^roeijer ©efdjidjte, S3anb I, 1880), tooau fR. Waag'S Slrtifet 
im 3lnäeiger für fdjtoeijerifctje ©efdjid)te, 5ßanb VI, S. 125 u. 126, tjcranp« 
jie^cn ift. 2>ie ardjiöalifcr)en ßeiftungen roürbigt 5p. Scrjroeijer im 9leujat)rS s 
blatt sunt S3eften beS 3Baifenl)aufeS in 3üridj, für 1894, S. 26 u. 27. 

9K e rj e r bon Änonau. 

SSafcr : 3tot)ann^)einrid5 3B., Sfjeologe unb Citterat, geboren am 1. Slpril 
1742 p 3ürid), hingerietet bafetbft am 27. 9Jtai 1780. SllS Solm eineS 
^»anbmerferS , aber aus einer roof)lt)abenben unb geadjteten bürgerlicljen gamilie 
geboren — bod) ääf)lte fie nid)t p bem 3tx»eige, bem ber SSürgermeifter (f. b. 91.) 
angehört tjatte — , madjte fid) Stob.ann ^einrieb, SB. fdjon toätjrenb ber Stubien« 
^eit, burd) feine SSorliebe für bie b^tjfifalijctj'matb.ematifdje 2>iSciplin, ebenfo audj 
für ©efd)id)te , bemerkbar. 3)od) mar er roegen feines fdjnell auffat)renben, 
launenhaften SBefenS, roegen eines £>ange8 au Ijämifdjem Spott bei ben SllterS* 



2Bafcr. 221 

genoffen Wenig beliebt. Vlad) Sßoltenbung her t§eo(ogi|rf)en Vorbereitung würbe 
er im -§>erbft 1770 Pfarrer an ber f^ilialfird^e beS (SrofjmünjterS öon 3ütic^ f 
in bet füböfttidjen Sßoxftabt, jum jheu,} (ber jeit 1839 fo getjeijjenen $ird)en= 
gemeinbe fteumünfter). SB. jeigte tjier anfangt, fo als er 1771 ber brücfenben 
«ipungerSnotb, burd) perfönlidje Opfer aus feinen feinesmegS überflüffigen prioaten 
«Ulittttn ju fteuern juckte, grofjen (£tfer, unb bie Steten ber Sßifitation Dom s <>lpril 
biefeS ^atjreS jagen, baS anfangs 20. in ber ©emeinbe entgegen gebrachte IRifj" 
trauen tjabe fidj in Siebe unb Vertrauen üerwanbelt. 9lber SB. ging balb mit 
übereilten (Schritten bor unb üerbarb feine Stellung Dötlig. @r faub ©runb, 
bie Sßorfietjer ber ©emeinbe ftieSbad) anklagen, fie tiefen es bei ber Verwaltung 
ber ©eiber an Drbnung fehlen, unb beutete fogar bie "DJtöglidjfeit einer Unter= 
fdjlagung an. S)ie obere Vetjörbe, bie Verwaltung ber Dberöogtei $üfjnad), 
beren ©ebiet 9tieSbadj jugetljeitt mar, fanb Söafer'S Vefdjutbigung richtig unb 
öerurttjeilte bie ©emeinbeDorgefeijten auVufje unb ©djabenerfa^; aber biefe [teilten 
bie Vufje ber ©emeinbe in Üiedmung, unb biefe ©actje tiefj man tjingerjen. ©o 
trat ber Pfarrer 1772, empört barüber, öon neuem flagenb auf, unb jetjt 
ftiefc er audi) bie Dbeibögte öor ben $opf; nadjoem er fctjon frütjer burdj eine 
etwas fdjarfe ^rebigt bie ©emeinbe geärgert blatte , machte er fid) nunmehr 
öollenbS jum Xräger Don £>t)renbläfereicn, unb als er an einem Sonntag SIbenb 
in ein benachbartes berüchtigtes äöirttjStjauS tjatte fdjiden laffen unb ba „noble 
©auf« unb ©pielgefetlen mit brennenben pfeifen unb Sßitlarbftöcfen" ertappt roorben 
waren, t)atte er öoüenbS feine (Sompeten^ weit überfdjrttten. SBeitere £inge 
tarnen tjin^u, bei bencn er oft fadjticb, im 3tedjte mar, wät)venb bie 2Irt ber 
2)urd)fütjrung ib,n in baS Unredjt [teilte. 2Bie tfaöater fpäter mit 3ted)t an 
©djlöjer nad) ©öttingtn fdjrieb, wollte 20. in biefen $ar)ren ber Ungeredjtigfeit 
Wetjren unb beging felbft Ungcredjtigfeiten, jiet) SInbere ber £üge unb log fetber. So 
fam eS bis jum Cctober 1773 fo weit, bafj bie ©berüögte an ben 3tatt) Don 
3ürid) als bie oberfte Vetjörbe einen 33erid)t über bas betragen beS Pfarrers, 
mit Vitte um Unterfudjung , einreichten ; bie ©adje ber im Unredjt beftnb= 
lidjen ©emeinbeüoiftetjer War burd) Söafer'S Unbefonnen^eit unb SetbenfdmTt bie= 
jenige ber OberDögte, einer beleibigten Dbrigfeit, geworben, ©o würbe 28. baS 
Opfer eines formtofen ^ßrocefjüerfarjrenS , baS am 16. gebruar 1774 ^ u feiner 
SlmtSentfefcung burctj ben Statt) — als „Sltjnbung unb ©träfe feiner unüberlegten 
unb ungrünblictjen ^panblungen" — führte. Sie ©adje war ju weit gebiefjen; 
umfonft tjatte äö. um 9cieberfd)lagung gebeten, alle mögliche (Senugtljuung 
angeboten. 5Die ßntfetuing aber nährte nun in bein unglüdlictjen s Dtanne jene 
pr 9iact)begier fid) fteigetnbe Unjufriebentjeit, bie itjn 3U immer meiter getjenben 
©djritten antrieb. @r fuctjte bie üteöifion feines UrtljeileS ftetS öon neuem 
nact) , ftiejj burd) feinen (Sigenfinn bie ©önner unb greunbe , bie itjm nod) ge= 
blieben Waren, ftetS mer)r jurücf. S)uvcl) bie ÜJetlefung eines bitteren Memorials, 
Doli Don giftigen Ausfällen unb heftigen s ünfctjulbigungen, öor feiner üerfammelten 
3unft jog er fictj ben gänjlictjen 9luS|d)luf} öon berfelben auf öier ^a^re tjinauS 
^u. kleben allem Weiteren mactjte fidj aucl) ftnan^ietle s Jtotb, fühlbar, bie ben 
gereiften IDcann — fetjon gleich nact) ber 5ImtSentfetmng fagte er ju ßaöater: 
„3)ie ©locte Wiber mieb, ift gegoffen" — immer met)r öerbitterte. 

Sfnbeffen benufete nun 3B. biefe feine unevwünfctjte ^Dtufee ju angeftrengten 
wiffenfcliaftlic^en arbeiten, in beuen eS ib,m gelang, unleugbar oielfacb, neue 
$fabe in ergiebiger äöeife einjuf plagen. 2IIS öolfSwiit^fc^aftlidj'ftatiftifcrjer 
©c^viftftetler trat er mit großem Erfolge auf. 1775 eiferen als erfte 5rucb,t 
biefer ©tubien, nod) ob,ne Nennung bes Tutors, bie fecb.rift : „Slbljaublung über 
bie ©röffe ber ganzen ßöbt. @ibgno§fcf)aft übertäubt unb beS tfantonS ^ürieb, 
infonberb^eit", für beren SDurdjfütirung er fieb, eines auf £orn gewidmeten «Dlifro« 



222 Söafer. 

meiere at8 be8 sjJtefjinftrumentes bebten! tjatte. 1778 folgten: „Betrachtungen 
über bie 3ürd)ertfd)en 2Boljnt)äufer, tiornämlid) in 9lbftd)t einer 93ranbtaffe unb 
93ürgerprotofoß8 , fammt einigen anberen bat)in einfdjlagenben öfonomifd)=poli= 
tilgen SSemertungen" — unb: „9Ibljanbtung öom ©elb". Die erfte 9libett be* 
ruf)t auf jorgfältigen Berechnungen unb enthält beifpietsroeife aud) ben ©tatul 
ber unumgänglichen 93aarau§gaben einer geringen, einer mittleren, einer bor* 
netjmen Haushaltung, je nad) ber Söotmung in ber ©tabt ober auf bem Canbe, 
unb auf itrren (Srgebniffen mürbe fpäter bie äürdjerifcrje fantonale ©ebäubeaffecuranj 
eingeführt. Da8 atpeitgenannte 23udj enthält neben intereffanten tjifiortfdjen 
9lusfüf)rungen über bas fdjtDet^eTif^e unb äürcrjerifdje SRünaroefen auctj te>idt)tige 
praftifctje 93orfd)läge, betreff enb gijirung beS 9Mn3fujje8, 9lbt)ülfe gegenüber ber 
großen Sßet'fc^iebentjeit ber öerfdjiebenen 9Mnjgattungen. 1779 fam in golio= 
format l)erau8: „|)iftorifdj biplomatifd)e8 ^atjr^eitbuct) jur Prüfung ber llr* 
funben (ic.)" , mit duofem unb Tabellen. 9Inbere8 gelangte nitfjt jum Drucf, 
mie „Ceres Thuricensis ober ctjronologifdje 93efd)reibung ber ©etreib=ißreife unb 
93efdjaffenb,eit ber Saljrgänge in trofnen unb n äffen grüdjten im 3üricfc©ebiet, 
aud) anberen Orten ber Gnbgnoßfdjaft". 9lnbere arbeiten belogen fid) auf bie 
Bebeutuug ber Bolfäjätjtungen unb auf bie ^ftöglidjtot ber Ableitung einer 
9tbfterbeorbnung — eine in grapt}ifcf)er ^orm bargefteüte, im 2ftanufcripte erhaltene 
s JJtortalität8tabetle fott mtt benjenigen ber beften mobernen 9lentenanftalten mett* 
eifern — , ferner auf 93erirrungen roiffcnfctmftlicrjer Beftrebungcn , namentlich in 
ber ^taturfunbe, unb 9lnbere8. 

2Jß. nannte fid) auf bem Uitel mehrerer ^>ublicationen: „Der $t)rjfifalifd)en 
©efeüfdjaft in 3""$ orbentlidjeS 9Jlitglieb unb 33ibliotl)ecariu8", unb allerbingS 
lag ein tr>efentlid)er Jtjeil feiner Stljätigfeit auf bem 93oben biefer feiner 23e* 
äiefmngen 3U ber 1746 burcb, Mannet ©eßner (f. 31. 2). 93. IX, 103—106) 
geftifteten 9taturforfcb,enben ©efellfctjaft. Daneben toar er feit ^erbft 1778 
burdj) bie ©taatSfanjlei befdjäftigt , unb ba er, wie fein geletjrteS 2£er£ über 
Chronologie betoiefen tjatte, auf biplomatifctje ©tubien fid) fetrr roob/t öerfianb, 
rourbe er bei Serfertigung eines feiten (SopialbucfyeS über bie Urfunben Don 
©tabt unb Sanbfd£)aft 3ürid) , be8 fogenannten Corpus diplomaticum novum, 
tjerangejogen. infolge biefer arbeiten für ba8 9lrd)iö roanbte ©tabtfdjreiber 
ßanbolt 3B. ba8 meitgebenbfte Vertrauen §u, unb biefer ertjielt fogar bie trieb,« 
tigften ©tüde jum Gopiren nad) £>aufe. 9lber aud) in politifdjen SEageäfragen 
trat SB. ftete toieber tjerbor. 9118 1777 roegen be8 9tbfd)luffe8 be8 93ünbniffe8 
mit ^tonfreid) eine lebhafte 93eroegung unter einem ütljeile ber 3ütcrjcr Bürger* 
fd)aft entftanb (f. 51. D. 33. XI, 298), ba mar 9£. ein Sertrauter ber 2Mfi» 
öergnügten ; allein er liefe fid) baburdj nidjt abgalten , aud) bem Bürgermeifter 
Jpeibegger al8 Berid)terftatter <ju bienen. 

2B. Ijatte fdjon in ben genannten üeröffentlictjten ©ctjriften ba unb bort 
felrr fubjeetide 33emerfungen unb praftiferje ftutjantoenbungen, bie fid) auf bie 
©egenroart belogen , einfließen laffen. liefet begann er mit bem berühmten 
^ubliciften, «ßrofeffor ©d)töier (f. 91. S). 93. XXXI, 567—600, fpecieH 584 
u. 585), an^ulnüpfen, beffen „33riefroed)fel meift b^iftorifdjen unb potitiferjen 
Snt)alt8", Don bem je fed)8 ^efte — feit 1779 erfdjienen iätjrlid) smölf — 
einen 93anb bilbeten, feit bem 93eginn ber 3"tfd)rift 1776 meit unb breit burdj 
feine neuen , oft überrafetjenben s IRittt)eilungen ba§ größte 9lufferjen tjerüorrief. 
9lm 22. 9luguft 1779 fcfyicfte 325. nadj ©öttingen bie erften Beiträge; babei 
nannte er ©djlöjer „93ater ober menigften8 ©äugeamme unb ©rjierjerin ber 
beutfdjen ©tatifttf". 2)iefe 9luffä^e Waren: „Ser^eidiniß über ba8 Sin!ommen 
ber geiftlidien ^frünben im Danton 93em" unb „©efdjidjte be8 aürcb.erifc^en 
ÄriegefonbeS" , fomie brei Sieben, bie bei 9Inlaf} jener 93unbe8erneuerung Don 



ätfajer. 223 

1777 in fttixiä) gehalten worben waren. 9lber 2B. wollte auäbrüdlid) biefe 
Sieben btofe jum flugen ©ebraudje ©djlöjer mitgeteilt tjaben, unter (hinnerung 
an ©cfjlöjer'S 3}er?predjen, bafj er feinen feiner Sorrefponbenten, ofjne bie größte 
9lott), namhaft machen wolle: glaube ba% ©ctjlöjer tjter nid)t tfjun 3u fönnen, fo 
bittet 2B. : „Obsecro per omnia sacra: macfjen ©ie biefe Üteben niemals befannt, 
fonbevn werfen ©ie biefelben Weit efjer in§ "fieutx , alä bafj (Sie mid) baburd) 
unglüdlid) mad)en". SDagegen beriefe 20. , wenn ©djlöjer feinen Flamen ber* 
fdjweigen toolle , nodj eine ooüftänbige bocumentirte ©efdjicfjte ber fran^öfifdj* 
tjelbettfdjen 23ünbniffe. Jpinficfyttid) bee Sluffafeee über ben «ftriegäfonb meinte 
2B., ©djlöjer fönne, ba man ba fd)on äöafer'ä ^utorfdjaft in ßürit^ fenne, für 
benfelben je nad) ©utbüufen ben tarnen be§ SßerfafferS angeben ; immerhin bat er 
ben Empfänger ber ©enbung aud) rjinftcrjtlid) biefer 2tbb,anbtung um ein fictibei 
Stntwortfcfjreiben , beffen ^nfjalt er iljm borfd)iieb: „äöenn mir nid&t bie. 
3snquifitoren auf eine gefdjirfte 2lrt fjintergetjen fönnen, fo Werben bie gfremben 
,£>elbetien, ja, was fage id)! — mir felbft unfer Saterlanb nie fennen lernen". 
Slm 10. Öctober fanbte ©crjlöier ben begehrten fictiben 35rief nebft einem 
größeren bertraulicfjen ©ctjreiben, ba§ mit ben äBorten antjob: „S)a fjaben ©ie 
meine beutfdje $anb , beutjdj*|jelbetifdjer lliann ! £etn (Eenfor, fein ^nquifitor, 
fein Satan fott je erfahren, Weber Was ©ie mir fdjon gefdjidt fjaben, noctj was 
©ie fünftig fdjreiben werben". 3)er weitere 3nf)aft ber Antwort fü^tt ben 
©ebanfen aus, bafj fpublicität ber ißuls ber ^reitjeit fei, unb erbat fid) bon 
28. , auS „|)elbetien, bisfjer einer füllen ^olrjpljemusbörjle", nod) weitere @in= 
fenbungen, „aud) ältere mistige geheime ©adjen", aus gürid) ober aus anberen 
Äantonen. 

2Rit bem 31. £efte bes fettes VI — 1780 — begannen im „SBriefwedjfel", 
ofjne Söafer's Olennung, Die Söeröffentticfjungen feiner Seiträge, mit bem 
©. 57—61 füllenben ©tüde 9ir. 5: „Urfprung unb 33efdjaffenrjeit bes $tiegs= 
gonbs in pikier)", bem «jmar ©djlbjer felbft eine 33emerfung: „SDiefer Sluffafe ift 
nur für fjetbettfdje ßefer legbar" — beifügte. Srjatfäcrjlid) mar bie erfte 58e« 
ftimmung biefes feit 1683 aus bei ber @rmäf)Iung ber größtenteils fdiledjt ober 
gar nidjt birect befolbeten jürcfjerifdjen 9Jtagiftratsperfonen erlegten ©ummen ent» 
ftanbenen gonb gettiefen, bie ärmeren 9JHli3pf(id)tigen für ifjre gleichförmige 93c= 
fleibung ju unterftütjen , wogegen fpäter bie 9tegierung ben Ertrag für anbere 
militärifdje 3wede benutze unb alle Pflichtigen angehalten mürben, fid) felbft 
fowol ju bewaffnen, als ju befteiben. Sine bon 20. angefügte, burd) ©djlöjer 
in eine Slnmerfung gefieHte Erläuterung 31t bem nur furje Zahlenangaben ent' 
tjaltenben Sluffa^e rebet bon „unbarmb/er^iger ©trenge gegenüber bem armen 
ßanbmann", bon „berberblid) monopolifctjem .|)anbel mit ,$hieg§bebürfniffen" unb 
flagt ein 9legierungömttglieb an, bafj e§ ©eiber bes> gonbg unter eigenem 
tarnen angelegt fyabe. 25er 9luffa£ 9lx. 7 im 32. £efte, ©. 67—82, fenn= 
jeidjnet fic£> genügenb burd) ben Xitel: ,,©cb>ei3er--23lut unb 5-ran3=@elb , poli= 
tifd) gegen emanber abgewogen" ; berfelbe bringt , freilief) mit bebeutenben 3»rr» 
tt)ümern unb fefjr gewagten S3ered)nungen , intereffante eingaben über ben 
©djweijer Ärieg§bienft in graufreid). 3m gleichen ^a^re famen noct), 
©. 102 — 106, 120—123, bie ftatiftifd&en arbeiten «Rr. 10 unb 15: „SBe- 
bölferung be§ töbl. Äantons ^ürief), in berfd)i ebenen 3 e italtern", an beren 
©d)lu^ ber „Herausgeber" frageweife bie „ju ftarfe, ju ungewöhnliche" ©d)Wan= 
fung — „QhU unb glut" — f)erborf)üb, unb: „©eneraMStat ber 53ebölferung 
ber |>aupt|"tabt unb ßanbfdjaft S3ärn". 3fm 33. Jpeft madjten bie bon 20. 
fcfjon in jenem Sßriefe bom 22. ?luguft f)erborgeb,obenen 9teben : „2)iSpüten in 
3üticf) ( über bas ©taatärecfjt biefess ^antonö, bei ©etegenb^eit ber franaöfiferjen 
^ICCiana" (©• 151—196) ben ©d&lujj ber ©infenbungen. 



224 2Bafeir. 

5lttein nun mar eine ganj anberc $olge auS bieten Veröffentlichungen er= 
macfjfen, als 20. angenommen tjatte. SDie ton itjtn fo gefürctjtete $Rttttjeilung 
bet Sieben erregte in ^ürictj gar fein Sluffetjen, tote an ©ctjtö<$er getrieben 
mutbe. Um fo met)r richtete ftctj bie ganje Slufmerffamfeit auf ben Sluffatj über 
ben JhiegSfonb, fomie auf bie brei toeiteren als Tir. 7, 10 unb 15 bezeichneten 
Mitteilungen beS „SriefmectjfelS". 211S „fet)r boshafte, tjöctjft bebenflictje unb 
ärgetltctje, ber (Stjre tjicfig fjotjen ©tanbeS nat)e tretenbe *piöceS" ftanben fte in 
bem VertjaftSbefetjle bejeictjnet, ber gegen 28. erlaffen mürbe. 2lm 17. Wäv& 
1780 toutbe 2B. in einer «Sänfte in ben bürgerlichen Sibilarreft auf baS 9iatt)= 
tjauS gebraut, allein jju biefem Schritte mar nocfj eine ^rocitc llrfadje bor» 
tjanben gemefen. ©tabtfctjTeiber Sanbolt, ein rebtictjer, aber unbebeutenber $Rann, 
tjatte eS eines ülageS berfäumt, bei 3 ui; titffenbung ber burct) ben Äanjleiläufer 
mieber gebrachten, an 28. mit boüftem Vertrauen ausgetietjenen f^aScifel bie 
SöünbcC fogleict) ju rebibiren, unb nun fanb er erft nactjträglictj eine arge Un= 
orbnung. s )leben mehreren anberen S)ocumenten fetjlte befonberS eines» ber mictj= 
ttgften ©tücfe beS ganzen SlrctjibS, ber öfterreictjifctje *ßfanbbrief über bie ©raf= 
fctjaft Äiburg, auf bem bie feit 1424 ermorbenen Ütectjte 3ünctj§ über ben ganzen 
norböftlictjen Sfctjeil beS $antonalgebieteS in itjretn llrfprunge rutjten. 9luf baS 
anfangs ^urüdf tjaltenbe , bann immer ftürmifctjere anbringen ßanbolt'S tjatte fiel) 
28. mit ^Drotjungen, Slnflage ber unorbenttietjen SlmtSfütjrung beS ©tabtfctjreiberS 
bei bem SBürgermeifier, berantmortet @S tjatte Sanbott an SBetoeifen gefetjlt, 
aber tjeimlid) tjatte er feine 2lngft ben tjöctjften obrigfeittietjen ^erfonen mitgeteilt, 
föben in biefem Slugenblicfe maren nun bie 2lrtifel beS ©öttinger SlatteS in 
3ürictj befannt gemorben, unb jetjt mürbe, mie ein ßorrefponbent auS $üxi<$ an 
©ctjlöaer mclbete, „bie gute ©elegentjeit , too 28. bie Dbrigfeit berechtigte , auf 
ttjn ju greifen unb itm mit Slrreft ju belegen", ausgebeutet. 

9tactj ber ©efangenfetutng folgte bie -üpauSfuctjung bei SB. ; aber man beging 
ben ganj unbegreiflichen 2$erftofj, mit biefer nottjmenbigen Stufgabe ben 5Rann 
ju betrauen , ber buretj baS Verfctjminben ber roictjtigen llrfunbe felbft jumeift 
bettjeüigt mar, ben geängftigten ©tabtfctjreiber. SDagegen mar baS (Srgebnifj 
tjöctjft überrafdjenb. (Jrfilictj fteHte fictj tjerauS , bafj 28. , ber erfictjtlictj feine 
SJertjaftung borauSgeatjnt, unmittelbar borfjer biete Rapiere berbrannt, auetj fonft 
feine VotfictjtStnajjrcgeln getroffen tjatte. üDann aber fanben fict) jatjlreictje 23üctjer, 
harten, ßupferftietje, ein foftbares opttfctjeS Snfttument, Singe, bie er auS ber= 
fctjiebenen SBibliottjefen unb Sammlungen, auetj auS ber bon itjm als 33ibliott)efar 
öermalteten ber 9taturforfctjenben ©efeüfctjaft — er tjatte ba ftetS mortreictj foletje 
Söerlufte bebauert — meggenommen tjatte; öiele auS merttjbotlen 28erfen t)eraue= 
geriffene ^Blätter tjatte ber SMeb ttjetl§ an ben 2Bänben feiner äöofjnung auf= 
getjängt, ttjcilS.in SBüdjer etngeflebt. s Jluf entmert^ete, au§ bem ©taatSarctjiüe 
geftotjlene ©ctjulbtitel tjatte er beim eigenen 38ater ©eiber erfjoben. S5en 
fctjmeqlict) gefuctjten ^iburger ^fanbbrief entbedte man enblict) fovgfältig tierfteeft 
im SBettftrotj ber S)ienftmagb. 9toctj fct)limmer geftaltete fictj für 30. bie ßage, 
als er nactj bem etften Söert)ör in ber 9iact)t üom 19. a